Der amerikanische Kulturklangschatz

Eine MusikerIn oder eine Band erhalten für das Spielen eines Songs über einen Streaming Dienst 0,003 Euro. Das ist nicht viel, zeigt aber, welch geringen Wert Musik in unserer Gesellschaft eingeräumt wird. Es ist nur noch eine Art Klangtapete für nebenbei. Konsumiert in Massen, Smartphones und Abspielgeräte mit Zehntausenden von mp3 Songs in minderwertiger Soundqualität.

Vor diesem Hintergrund wirkt es schon seltsam, dass eine neugegründete Non-Profit, eine gemeinnützige Organisation in den USA daran geht, so viele 78er Platten zu digitalisieren, wie es nur geht. Die treibende Kraft hinter „Music Memory“ ist Lance Ledbetter, Gründer und Betreiber von “Dust to Digital” Records, einem Grammy ausgezeichneten und mehrfach nominierten Plattenlabel, das sich auf alte Aufnahmen spezialisiert hat. Die alten, knisternden und verrauschten Platten sind jedoch ein historischer Kulturschatz, der bewahrt werden sollte, so Ledbetter. „Als Musikfan und als jemand, der an den Erhalt solcher Platten glaubt, war es für mich immer schwer, kulturell wichtige Projekte zu erkennen, die aber finanziell keinen Sinn machten. Aber anstelle den Leuten zu sagen, wir können das nicht machen, denn es gibt nur fünf Leute auf der Welt, die das kaufen würden, und ich bin einer davon, entstand die Idee, das alles dennoch zu bewahren, ohne dabei an einen Profit zu denken.“

April und Lance Ledbetter, Gründer von „Dust to Digital“.

Vor rund 20 Jahren gründeten Lance Ledbetter und sein Frau April das “Dust to Digital” Plattenlabel. Gleich mit der ersten Veröffentlichung, der in Holz gefassten Box “Goodbye Babylon”, auf der man alte Gospel Songs hören kann, ließ das kleine Indie-Label aufhorchen. Seitdem ist Ledbetter auf einer Mission. Durch seine Veröffentlichungen, seiner Liebe zur alten Musik hat er sich viele Freunde in Sammlerkreisen gemacht. Und die unterstützen nun das Projekt “Music Memory”: „Wir kommen mit einem Toningenieur zu den Sammlern nach Hause und haben so einen ganzen anderen Ansatz als zum Beispiel die “Library of Congress”, die ebenfalls Platten digitalisiert. Aber die LoC will, dass man die Scheiben irgendwohin bringt. Wir alle wissen, dass einige dieser Sammler niemals ihre Platten aus der Hand geben würden.“

Dieser Ansatz zahlt sich aus, denn Ledbetter und seine Mitstreiter kommen so an die rarsten der raren 78er RPM Platten heran. Gemeinsam mit den Sammlern wird die Digitalisierung durchgeführt. Sie suchen die entsprechende Platten heraus, sie geben vor, wie die eigene Sammlung überspielt werden muss. Manchmal alphabetisch, manchmal ein Genre nach dem anderen. Was Lance Ledbetter dabei vor allem begeistert ist, wie die Sound-Puristen, jene 78er Schellack Sammler, auf dieses Projekt reagieren: „Auch, wenn die Idee oder der Gedanke daran, diese Aufnahmen auf einem Computer, einem Smartphone oder iPad zu hören, für sie nichts bedeutet, ich glaube, sie verstehen es, was wir vorhaben. Genauso wie sie in den 50er und 60er Jahren diese Platten gerettet haben, als sie von anderen einfach weggeschmissen wurden, sie in den Süden, den Mittleren Westen und in den Nordosten des Landes reisten, um die 78er zu suchen. Ich denke, sie verstehen unser Bestreben, diese Musik allgemein zugänglich zu machen.

Lance Ledbetter beschreibt, wie er das gesamte Bild der Digitalisierung aufnimmt. Man komme man oftmals in spezielle Keller oder Plattenräume, die nach Zigarre oder Pfeifenrauch riechen, könne so erkennen, wie wichtig all diese Musik für die jeweiligen Sammler war und ist. Mehr als 50.000 Aufnahmen sind bereits zusammen gekommen, 100.000de von Songs warten noch auf ihre Digitalisierung. Dazu Fotos der Cover und der Labelaufkleber, die gerade für Sammler und Archivare interessant sind. Mit der “Non-Profit”, der gemeinnützigen Organisation “Music Memory”, will man nun den nächsten Schritt gehen, Stipendien und Zuschüsse beantragen, um diesen riesigen Klangschatz der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Angedacht sind Partnerschaften mit bereits bestehenden Online-Plattformen und eine eigene Webseite, die sich zu einem riesigen historischen Songarchiv entwickeln soll.

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Es schmeckt immer noch nicht

Es gibt diesen schon etwas älteren Witz: What do American beer and making love in a canoe have in common? They’re f…. close to water! Heißt auf Deutsch, Bier „Made in America“ schmeckt mehr wie stilles Mineralwasser als nach dem edlen Gerstensaft. Dass das nicht mehr so ganz stimmt, zeigen die vielen, hervorragenden Micro-Breweries in allen Teilen der USA. Aber mit dem Witz waren (und sind) vor allem die drei großen Brauereien im Geschäft gemeint: Budweiser, Miller und Coors.

Coors macht Werbung mit dem guten Wasser aus den Rocky Mountains. Miller erklärt, es sei der „Champagne of Beers“ und Budweiser meint, sie seien „The King of Beers“. Tatsache ist jedoch, dass alle drei sehr nah am Wasser gebraut wurden. Und alle drei Brauhäuser geben Millionen von Dollar für ihre Werbung aus, um die Biertrinker zu überzeugen, dass das der amerikanische Geschmack sei.

Die jüngste Werbekampagne von Budweiser dreht sich nun um die Zutaten des Biers. Jahrelang wurden die nicht veröffentlicht, doch in jüngster Zeit forderten immer mehr „Food Blogger“, dass auch die Brauer bekannt geben sollten, was in ihrem Produkt drin sei. Immerhin wisse man, was in jeder Coca Cola, in jedem Burger, in jeder Pizza sei. Warum also machten die „Breweries“ so ein Geheimnis aus ihrem Gerstensaft. Budweiser reagierte nun und verkündet im neuesten Werbeclip, dass man im Februar (!) die Zutaten bekannt geben wird. So, als handele es sich um ein Staatsgeheimnis, Top Secret, streng geheim. Ganz im Sinne des eigenen Slogans, wird diese bahnbrechende Nachricht von einem König verkündet. Man kann also gespannt sein, was neben Hopfen, Malz und Wasser noch so für den faden Geschmack eins Bud verantwortlich ist.

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2018 war, 2019 kommt

Da sitzt er nun im Weißen Haus und weiß nichts besseres mit seiner Zeit anzufangen, als Tweets rauszuhauen. Wenige Stunden vor dem neuen Jahr blickt Donald Trump zurück und voraus. Er klopft sich auf die Schultern, wie toll er ist und er weint ein bißchen darüber, dass die ollen Fake News Medien ihn nicht verstehen und ihm huldigen.

Donald Trump beklatscht sich am liebsten selbst. Foto: Reuters.

2018 war kein gutes Jahr für Amerika. Und das lag an Donald Trump, der immer wieder gezielt die Grundfesten dieser Gesellschaft und dieser Demokratie angriff. Und alles nur, weil er seine 25 Prozent Wählerbasis bei Laune halten wollte. Glaubte man anfangs noch, Trump werde von den Leuten um ihn herum im Zaum gehalten, hat sich das mit dem Ausklang von 2018 – Donalds Halbzeit – erledigt. Mit dem Ausscheiden von James Mattis und John Kelly, zwei Generäle in Diensten Trumps, sind wohl die letzten kritischen Stimmen aus dem direkten Umfeld des Präsidenten ausgeschieden. Nun hat er einen festen Gürtel von Ja-Sagerinnen und Ja-Sagern um ihn herum.

Und das verheißt nichts Gutes für das kommende Jahr, das mit einem Regierungs-Shutdown beginnt, einem Showdown zwischen Trump und der neuen Mehrheit im Kongress. Hinzu kommt, dass wir mit Siebenmeilenstiefeln in den nächsten Wahlkampf rennen. Die ersten Demokraten machen sich bereit, um gegen Trump zu kandidieren. Die Zeichen stehen auf Sturm. Trump braucht seine Basis, um überhaupt eine Chance im Wahlkampf 2020 zu haben. Das bedeutet, er wird nicht klein beigeben, lieber die Konfrontation suchen, als den Kompromiss. Denn eins ist klar, Trump ist der bessere und erfahrenere Schwergewichtsboxer im amerikanischen Politzirkus. Kein Demokrat kann da mithalten. Seine täglichen  Lügen im guten Dutzend konnten ihm bislang auch nicht schaden, ganz im Gegenteil, er hat damit die Spaltung des Landes nur weiter voran getrieben. In ein Amerika und ein Trump-Amerika. 2019 wird ein sehr schlimmes Jahr für die amerikanische Demokratie werden. Der tiefe Graben, der sich durch die amerikanische Gesellschaft zieht, wird nur noch tiefer werden. Das sind alles andere als gute Aussichten für das neue Jahr.

Er will sich zur Wiederwahl lügen

Nur drei von zehn Amerikanern glauben das, was der Präsident behauptet. Eine Mehrheit der Amerikaner zweifelt daran, was Trump verkündet. Sie nehmen ihm nicht ab, dass neue Stahlwerke in den USA eröffnet werden, die Kohle wieder wichtig in der Energieversorgung wird, dass Mexiko für die von ihm propagierte Mauer bezahlen wird, dass die Demokraten für offene Grenzen sind oder, dass Millionen von illegalen Einwanderern rechtswidrig für Hillary Clinton gewählt haben.

Nur drei von zehn Amerikanern glauben diesem Mann. Foto: Reuters.

Die Washington Post fand in einer Umfrage heraus, dass nur die harte Basis von Trump Anhängern, zumeist ausschließliche FOXNews Zuschauer, das glauben, was der Präsident von sich gibt. Noch nicht mal eine Mehrheit der republikanischen Wählerinnen und Wähler nimmt Trump all seine Unwahrheiten ab. Doch fest steht auch, dass Donald Trump nach wie vor hoch im Kurs bei 85 Prozent seiner Anhänger steht, die 2016 für ihn gestimmt haben. Trump hat somit seine Basis gehalten und auf die baut er im kommenden Wahlkampf. Am Tag seiner Vereidigung, dem 20. Januar 2017, hat er bereits die Unterlagen für seine Wiederwahl eingereicht. Trump hat großes vor, das da ist: Wiederwahl.

Doch so rosig sehen die Zeichen für ihn nicht aus. Mit den jüngsten Kongresswahlen wurde klar, dass sich die Stimmung in gleich mehreren „Swing States“, also jenen Bundesstaaten, die mal so und mal so wählen, gewandelt hat. Konnte Trump mit gerade mal 80.000 mehr Stimmen Pennsylvania, Ohio, Michigan und Wisconsin gewinnen hat nun nur noch Ohio eine republikanische Mehrheit. Das ist ein Problem für Trump, denn US weit hatte er über zwei Millionen weniger Stimmen als Hillary Clinton, er hängt also davon ab, diese Swing Staaten wieder zu gewinnen, um überhaupt eine Chance auf die Wiederwahl zu haben. Woanders, das zeigen diese absoluten Zahlen der Wählerinnen und Wähler, könnte er den Verlust von Michigan und Wisconsin nicht wettmachen.

Trump, der seit Amtsantritt Tausende von Lügen, Halb- und Unwahrheiten verbreitet und nichts davon zurückgenommen oder relativiert hat wird also in den kommenden Monaten noch mehr lügen, um seine Wählerinnen und Wähler zu mobilisieren. Der kommende Wahlkampf wird brutal. Noch steht keine Kandidatin oder Kandidat aus dem demokratischen Lager fest. Viel wird gemunkelt, Namen verkündet, doch einzig klar ist, wer gegen Trump antritt, braucht neben einer dicken Haut vor allem auch die richtigen Bandagen,  um gegen den erprobten Medienfighter bestehen und austeilen zu können.

Wieviele sind es wirklich?

Donald Trump hat auf Twitter 56,2 Millionen „Followers“, das bedeutet, all diese ihm Folgenden bekommen wie bei einem Abo seine täglichen Ergüsse auf ihre Bildschirme und ihre Smartphones geliefert. Das klingt nun viel, wenn man sich nur die Zahl ansieht. Ins Amt gewählt wurde er von 62, 9 Millionen Menschen. Also folgen ihm fast all seine Wählerinnen und Wähler?

Ganz im Gegenteil, würde ich mal behaupten. Donald Trump glaubt zwar selbst daran, dass er durch seine Tweets eine alternative Realität, einen direkten Weg zu seinen Anhängern geschaffen hat. Doch dem widersprechen die vielen Kommentare, die man unter seinen Verlautbarungen lesen kann. Hinzu kommt, dass jeder einmal selbst auf die Liste von Freunden schauen sollte, die Donald Trump folgen. Ich habe so gut wie niemanden in meinem Bekanntenkreis, der Trump gewählt hat oder ihn nun unterstützt. Und dennoch sind nahezu drei Dutzend meiner Bekannten mit Trump auf Twitter verbunden, darunter Kolleginnen und Kollegen, Organisationen, die ich schätze, und denen ich folge, sogar das Goethe-Institut Los Angeles und die deutsche Botschafterin in Washington, Emily Haber, sind Twitter „Followers“ des Präsidenten.

Trump selbst kann diese Zahlen seiner Anhänger drehen und wenden wie er will, die Mehrzahl der 56,2 Millionen „Followers“ sind keine Trumpianer. Das Problem bei allem ist, dass wir Medienschaffenden über Trumps Tweets berichten, dass Politiker in den USA und im Ausland diese zum Thema machen, diese als offizielle amerikanische Politik betrachten, auch wenn es von den 140/280 Zeichen bis zur Gesetzgebung ein langer Weg ist. Sicherlich, und das ist unumstritten, Trump macht Politik über Twitter. Aber er macht sie nicht direkt, er erreicht nicht direkt seine Anhänger über den Kurznachrichtendienst. Vielmehr hat er es geschafft, über Twitter die Medienberichterstattung über ihn zu beeinflussen. Egal was passiert, Trump dreht mit ein, zwei Tweets die Nachrichten und plötzlich wird wieder über ihn berichtet, gesprochen, diskutiert. Das ist der eigentliche Wahnsinn, der eigentliche Geniestreich dieses Twitter-Königs.

Help, I’m steppin‘ into the twilight zone…

Nach einem Tag, an dem alle Seiten zur Besonnenheit aufriefen, lese ich am Morgen so etwas. Donald Trump tweetet, dass ja eigentlich die Medien mit ihren Lügen und Halbwahrheiten an der schlechten Stimmung im Land schuld sind. Pardon my inaccuracy…die Mainstream Medien natürlich. Trumps Haussender FOXNews wird da beflissentlich ausgenommen.

Gestern Abend schaute ich mir am Bombentag noch seine Wahlkampfveranstaltung in Wisconsin an. Es ist schon erstaunlich und für mich einfach nicht greifbar, wie dieser Mann die Welt sieht. Kein Grund zur Selbstkritik, keine Zweifel am eigenen Verhalten, den eigenen Worten, der eigenen Politik. Einfach weiter so und ab durch die Mitte. „Schaut, wie ich mich zurückhalte“, waren seine Worte, um damit zu zeigen, dass er ja der gute in diesem bösen, bösen Politzirkus ist. Der Spalter eint die Menge, zumindest seine Menge an Fans.

Donald Trump hat ja schon mehrmals erklärt, dass er sich nie für Fehler entschuldigen würde. So muss man also seine Worte bewerten. Die anderen sind schuld, seine nachweislichen nahezu 3000 Lügen, Falschaussagen und Halbwahrheiten seit Amtsantritt, viele davon in voller Absicht unter die jubelnde Menge gebracht, werden von ihm weder zurückgenommen nochkorrigiert oder relativiert. Trump zeichnet so ein Bild des unfehlbaren Präsidenten. Er der große Führer, der immer recht hat, immer die Wahrheit spricht  und dessen Worte einfach nicht angezweifelt werden dürfen. Denn wenn das jemand tut, dann gehört er entweder dem demokratischen Mob oder den „Fake News“ der Mainstream Medien, also der „Lügenpresse“ an.

Man muss es Teflon Donald schon lassen. Kritik an ihm perlt einfach ab, nichts schadet ihm, kein Skandal bringt ihn zum Stolpern, keine nachgewiesene Lüge zum Einlenken. Trump bleibt auf Kurs, auch am Tag eins nach Bombensendungen an Clinton, Obama, CNN und weiteren. Erneut greift er in morgendlichen Tweets die Demokraten an, ohne auch nur den Versuch zu unternehmen, in dieser aufgeheizten politischen Landschaft mal eine wirkliche präsidiale Führungsrolle zu übernehmen und verbal abzurüsten. Am Ende bleibt wie immer nur die Hoffnung, dass da auf dem Trumpschen Panzer doch irgendwo im Laufe der Geschichte ein Lindenblatt gelandet ist und der Egozentriker mit dem Finger auf die anderen politisch und ganz demokratisch verwundbar geblieben ist.

Holocaust Leugner in San Francisco

Was in der Nürnberger U-Bahn Haltestelle Plärrer undenkbar ist, passiert gerade an der BART Stop Powell Street, dort wo oben die Cable Cars an der Market Street in San Francisco abfahren. Das „Institute for Historical Review“ wirbt auf einer digitalen Werbefläche mit dem Slogan „History Matters“. Und das einen ganzen Monat lang, mitten in der liberalsten Stadt der USA.

Beim Warten auf die U-Bahn gibt es etwas Werbung für Geschichtsrevisionismus.

Das „Institute for Historical Review“ ist eine Organisation von Geschichtsrevisionisten, die neben anti-semitischer Propaganda auch das Dritte Reich neu erklären und den Holocaust nicht nur anzweifeln sondern als Erfindung der Alliierten abtun. Der eigene Online Buchladen versammelt all die bekannten Holocaust Leugner, darunter David Irving, Fred Leuchter und David Cole. Jüdische Organisationen in der Stadt liefen Sturm gegen diese Werbetafel, als bekannt wurde, wer hier vier Wochen lang für den Geschichtsrevisionismus werben wollte. Doch BART, Bay Area Rapid Transit, also die regionale VGN in der San Francisco Bay Area, erklärte, man könne nichts gegen die Anzeige unternehmen, denn der Auftritt des IHR falle unter den Schutz der Meinungsfreiheit in den USA. Offizielle von BART erklärten, es sei von vornherein klar, wenn man dagegen vor Gericht ziehen würde, würde man verlieren. Also warum groß Gelder für Anwälte verschwenden, hieß es aus der Zentrale der Behörde.

Für vier Wochen haben sich die Geschichtsverfälscher den Luxus mit der digitalen Werbefläche geleistet. Alle paar Minuten taucht nun „History Matters“ und der Schriftzug des Instituts zwischen einer Festivalankündigung, einer Bankwerbung und aktuellen Showbusiness News auf. Die meisten Passanten wissen nicht, was sich hinter dieser ungewöhnlichen Reklame verbirgt. Allerdings hat das „Institut“ sein Ziel erreicht: Aufmerksamkeit. Unzählige Zeitungs-, Hörfunk- und Fernsehbeiträge wurden über die Werbetafel geschrieben und gesendet. Sogar FoxNews griff das Thema auf und katapultierte diese Story damit auf eine nationale Ebene.

„Serving America’s Best“ – ein Besuch bei AFN

Heute ging es vor dem Abflug noch kurz nach Riverside. Dort am Rande eines Industriegebietes und gleich neben der „March Air Reserve Base“ liegen die Headquarters von AFN – American Forces Network. Und wer, wie ich, ein Kind der 70er und 80er Jahre war, der wuchs mit dem Sound der Amerikaner auf. „America’s Top 40“, Country Music, Rock. Begeistert hörte ich damals hin, was da aus dem Äther kam, so ganz anders, als das, was uns der damals allein auf weiter Flur sendende Bayerische Rundfunk vorsetzte.

Die Satelittenschüsseln von AFN sind schon von weitem zu sehen.

AFN aus dem Bavarian American Hotel sendete für die Soldaten in Nürnberg, Fürth, Erlangen, Schwabach, Ansbach, Würzburg. Das war anders, locker, vielseitiger, ganz und gar nicht steif. Und hier in Riverside traf ich „Gorgeous George“, der in den späten 70ern zum ersten Mal in Nürnberg die Morgensendung moderierte und später Anfang der 90er Jahre den Umzug vom Hauptbahnhof in Nürnberg in die Kaserne nach Fürth organisierte. Er erzählte mir seine Radiogeschichte, die vielleicht ganz typisch ist für einen AFN-Radiomann.

Der Radiovirus hat sie in Uniform gepackt und nie wieder losgelassen. In der Zentrale in Südkalifornien arbeiten viele ehemalige Militärangehörige, die heute Zivilangestellte sind. Mit einigen konnte ich heute sprechen, die in Südkorea, Thailand, Afghanistan und eben Deutschland sendeten. AFN ist und bleibt ein Truppensender. Das Fernseh- und das Radioprogramm sind auf diese Zielgruppe ausgerichtet. Und doch, „American Forces Network“ hat überall im Einsatz kulturelle Brücken gebaut. Hörer zum Englisch geführt, amerikanische Kultur und Leichtigkeit vermittelt, ganz ungewollt Werbung für amerikanische Grundprinzipien gemacht. Viele von uns hatten durch die Programme und die DJs von AFN ein positives Bild Amerikas mitbekommen.

Mit dem Abzug der amerikanischen Streitkräfte wurden an vielen Orten, wie auch im Großraum Nürnberg, die Sendemasten abgebaut. Ohne die eigentlichen Hörer gab es keine Sendeberechtigung mehr für AFN Nuremberg. Doch die Programme, die Stimmen, das ausgestrahlte Amerikabild fehlt heute mehr denn je.

 

Der Mann in der Wüste brennt bald wieder

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Das „Burning Man“ Festival hat wieder begonnen. Seit letzte Nacht sind die Tore geöffnet, Zehntausende zieht es in die Wüste von Nevada, nordöstlich von Reno. Und gleich am ersten Tag gab es einen „White Out“, einen Sandsturm, der über Stunden anhielt, den feinen Staub auf der Playa aufwirbelte und alles einstaubte. Die Folge war, dass nichts mehr ging auf dem Gelände, das Eingangstor geschlossen werden musste und sich eine Endlosschlange von Burnern bildete.

BMIR – Burning Man Information Radio

Wie in jedem Jahr gibt es eine Webcam (siehe oben), die rund um die Uhr Live-Bilder vom Festival übermittelt. Gerade nachts sehr beeindruckend, was da in dieser einen Woche im Wüstensand vor sich geht. Dazu gibt es Radiostationen nur für diese sieben Tage, die live von der Playa senden. Und das sind Piratensender, die sich nicht an Regeln und Gesetze der Aufsichtsbehörde FCC halten müssen. Sie senden und sprechen über und spielen was sie wollen…das was zu höre ist, ist meist sehr unterhaltsam. Hier ist beispielsweise Burning Man Information Radio, BMIR, das Programm gibt einen guten Eindruck, wie schräg, schrill, schön „Burning Man“ sein kann. Ein 24 Stunden Informations- und Unterhaltungsprogramm für Burner vor Ort und weltweit vom Rande der Playa.