Russlands Einfluss in Amerika

Donald Trump sieht sich als Sieger in der Russlandaffäre. Foto: Reuters.

Donald Trump jubelt. Der Sonderermittler Robert Mueller hat also keine Beweise für direkte Absprachen zwischen dem Trump-Team und russischen Organisationen oder Einzelpersonen finden können. Damit ist für Trump klar, es war alles nur eine „Hexenjagd“, ein Versuch, seine Präsidentschaft zu beschmutzen.

Doch ganz so einfach ist es dann doch nicht. Denn klar ist auch, Russland hat im Wahlkampf 2016 auf der Seite von Donald Trump gestanden, um die verhasste Hillary Clinton auszubremsen und letztendlich zu besiegen. Mit einer gezielten Onlinekampagne, mit Hackerangriffen und der Weitergabe von belastenden Fakten und Falschnachrichten machte Russland mobil. Das Trump-Team wusste davon, doch unternahm nichts, um diese Einflussnahme von aussen zu stoppen oder sich zumindest zu distanzieren. Ganz im Gegenteil, Trump forderte Russland sogar auf, die Hackerangriffe zu verstärken. Und auch die vielen Falschnachrichten, die von russischer Seite über die sozialen Medien in Umlauf gebracht wurden, wurden von Trump und seinen Wahlkämpfern liebend gerne angenommen und weiterverbreitet. Auch wenn sie totaler Humbug waren, doch das störte weder den Twitterkönig selbst, noch seine Gefolgschaft.

Reingewaschen ist Donald Trump also nicht, auch wenn eben keine Belege für eine konkrete Absprache mit Moskau gefunden werden konnten. Auch hat der gewählte amerikanische Präsident nicht die notwendigen Lehren auf den politischen Angriff von außen gezogen, immerhin von einer „verfeindeten“ Nation. Trump hätte deutliche Worte finden, alles in Gang setzen müssen, um solche Attacken und Versuche der Einflussnahme auf Wahlen in den USA in Zukunft zu verhindern. Doch nichts ist geschehen, heißt, es wird wieder passieren. Die kommenden Wahlen stehen daher schon jetzt unter keinem guten Stern.

DBUK is OMG OK

Schon mal von der Band „The Denver Broncos UK“ gehört, kurz DBUK? Nein, dann haben Sie etwas verpasst. Hinter diesem Namen stecken Munly Munly, Lord Dwight Pentacost, Rebecca Vera und Slim Cessna von „Slim Cessna’s Auto Club“ aus Denver, Colorado. Während der „Auto Club“ treibend und voller Energie ist, werden bei DBUK ganz andere, viel gemäßigtere Klangpfade verfolgt.

„Songs One Through Sixteen“ heißt die neue Platte und sie verbindet Country, Folk, Americana mit einer gehörigen Prise dunklem Gothic Sound. Ein beeindruckendes Album, das einem „Road Movie“ gleichkommt. Schon vor etlichen Jahren, als ich noch für eine deutsche Airline deren Country/Folk Inflight Radioprogramm zusammenstellte, war ich Fan des Denver Sounds. Von dort kamen und kommen unglaublich gute Bands, wie 16 Horsepower, Wovenhand, Denver Gentlemen, DeVotchKa und die vielen musikalischen Projekte, die im Umfeld und durch das Eingreifen von Slim Cessna entstanden.

Nun also diese neue Platte von DBUK, die in den USA „Songs Nine Through Sixteen“ heisst und in Deutschland bei Glitterhouse gleich noch die bereits 2015 erschienene „Songs One Through Eight“ beinhaltet. Es sind Songs, die so ganz anders sind, musikalisch als Gothic-Americana umschrieben werden können und textlich manchmal einem blutigen Horrortrip gleichen. Und das alles ganz harmlos und weich vorgetragen. Lieder, die sich um Tod, Selbstmord, Erschießen drehen und mittendrin der Hörer, der die zärtlichen Melodien genießt. „Songs One Through Sixteen“ ist eine Platte, die man sich genauer anhören, die wahnhaften Texte mitlesen sollte. Und erneut komme ich an den Punkt, an dem ich merke, genau dieses Album belegt, warum ich Amerika mag. Es ist so skuril schön, so tief abgründig, so seltsam anders als das, was man Tag für Tag im Irrsinn der Newswelt erfährt. Hier zeigen sich die USA von ihrer wunderbarsten und faszinierendsten Seite. Ein Soundtrack des wahren „American Life“.

Community Radio – abseits des Mainstream

Heute ist es mal wieder so weit. Eine weitere Live-Sendung auf dem Community Sender KKUP in San Jose steht an. KKUP wird im Mai 47 Jahre alt, das heißt, 47 Jahre an Radioprogrammen, die nicht kommerziell sind, von Ehrenamtlichen moderiert und produziert werden, es keine Werbung gibt, der Sender vielmehr durch die Spenden der Hörerinnen und Hörer finanziert wird.

Das ist möglich und es macht einfach Spaß, mit einer Tasche voller CDs die gute Stunde von Oakland nach San Jose zu fahren, um Musik zu spielen, die man sonst wohl auf keiner anderen Station hören kann. Einige, die mich und meinen Musikgeschmack kennen werden sagen, das ist wohl auch gut so, dass man das nicht auf anderen Sendern hört, aber heute habe ich Lust auf eine elektronische Show zwischen Klaus Schulze, Bernd Kistenmacher, Adalbert von Deyen und so einiger wiederveröffentlichter Perlen auf Bureau-B Records. Und für diesen Sound gibt es durchaus viele Fans, gerade auch in der San Francisco Bay Area.

KKUP sendet im Großraum San Jose. Das Programm lässt sich bis runter nach Monterey, im Silicon Valley und hoch bis Oakland und South San Francisco hören, also ein riesiges Sendegebiet. Und ich werde von 15-17 Uhr (PST) „on-air“ sein, um den Sonntagnachmittag mit einer besonderen Musikmischung zu beschallen.

Community Radio in den USA ist etwas Besonderes. Es ist ein wichtiger Teil des öffentlichen Rundfunks. Neben den NPR, den Pacifica und College Stationen, gibt es da auch noch diese Sender, die aus der Community heraus gewachsen sind, von der Community unterstützt werden und für die Community senden. Und da ist wirklich alles dabei, von Klassik bis Country, von Weltmusik bis Punk. Das Angebot ist grenzen- und genrelos und genau darauf kommt es an. Radio ohne Format, ohne einengende Playlist eines Musikchefs. Zu hören ist, was eben zu hören ist, was ein Moderator oder DJ eben an diesem Tag und für seine Show auswählt. Zu hören sind die vielen Stimmen der Menschen, die um uns herum leben, mit ihrem Hintergrund, ihrem Wissen, ihren Besonderheiten. Von daher, einfach mal reinhören, vielleicht heute Nachmittag/heute Nacht….von 00:00 – 2 Uhr deutscher Zeit KKUP einschalten.

Warum Warren?

Elizabeth Warren will Präsidentin werden. Foto: Reuters.

Elizabeth Warren kandidiert nun also doch. Genau wie damals, als Hillary Clinton ihre Kandidatur bekanntgab, frage ich mich, was geht in ihr vor, dass sie meint, sie hat eine Chance gewählt zu werden? Und dabei geht es nicht um die Politik der Senatorin aus Massachusetts und um das, für was sie steht. Warren hat vielmehr ein riesiges Problem, so wie Hillary sie mit ihren unzähligen Leichen im Keller hatte.

Nach einer tumulthaften Woche für Warren, in der die Washington Post eine von ihr handgeschriebene Anmeldung für die texanische Anwaltskammer von 1986 veröffentlichte, auf der Warren angegeben hatte, dass sie „American Indian“ sei, dachten viele, nun ziehe sich Warren zurück. Doch ganz im Gegenteil, die Senatorin glaubt noch immer, dass der Skandal um ihre Herkunft keine Auswirkungen auf ihre Kandidatur um den Präsidentenjob haben wird.

Doch Elizabeth Warren liegt da ganz falsch. Seit Jahren schon muss sie sich immer und immer wieder damit auseinandersetzen, dass sie lange Zeit behauptet hat, sie habe indianisches Blut in sich. Kein Geringerer als Donald Trump nahm das nur zu gerne auf, nannte Warren fortan nur noch „Pocahontas“ und hämmerte die falsche Behauptung Warrens in die Wahrnehmung der Amerikaner. Doch die Senatorin gab nicht einfach klein bei und wollte nachweisen, dass sie zum Teil „Native American“ sei. Im Herbst ließ sie eine DNA Analyse erstellen, die das belegen sollte. Doch der Schuss ging nicht nur nach hinten los, Warren schoss sich dabei in den eigenen Fuss. 1/20 „Native Amercian“ war das Ergebnis. Etwa so viel wie ich es habe, der in Würzburg von einer Mutter aus dem Ruhrgebiet und einem Vater aus Schlesien geboren wurde.

Und nun noch die Registrierungskarte aus Texas, die zeigt, dass Warren ihren indianischen Hintergrund nicht nur selbst glaubte, sondern sich selbst auch so vorstellte. Man muss wissen, dass in den USA jeder irgendwo Vorfahren von irgendwoher hat. Ich treffe immer wieder Leute, die mir sagen, sie seien auch Deutsch. Auf die Nachfrage wie und warum erklären sie dann, ihre Ur-Ur-Großmutter sei die Tochter eines Bäckers gewesen, der 1795 aus einem Dorf in Schwaben nach Amerika kam. Sprache, Kultur, Gepflogenheiten, alles Nebensache, denn da war ja die Ur-Ur-Oma. Das ist ein normales und für sie logisches Argument, dass sie damit Deutsche sind. Ok, sollen sie so sehen. Was Elizabeth Warren jedoch mit ihrer „Native American“ Identifikation machte ist, dass sie dadurch nicht nur einen emotionalen Bonus erhalten hat, sondern eventuell auch Vorteile bei der Auswahl an Universitäten und bei der Jobsuche. Warren, die eine brillante Juristin ist, erklärt zwar, dass dem nicht so gewesen ist, doch mit ihrer Behauptung eine Nachfahrin der Indianer zu sein, bleibt da ein Beigeschmack. Warren ist für viele nur noch „Pocahontas“.

Nun kann man behaupten, Elizabeth Warren kandidiere nur, um ihre Politik ins Gespräch zu bringen. Das stimmte dann, wenn es keine andere Kandidatin oder Kandidaten im Feld geben würde, die oder der Ähnliches fordert. Doch da sind schon jetzt mehrere Frauen und Männer im Rennen, die mit Warren auf einer Linie liegen. Elizabeth Warren glaubt also wirklich, die Vorwahlen der Demokraten überstehen zu können, um dann gegen Donald Trump zu kandidieren. Man kann nur hoffen, dass jemand die Senatorin schon bald zur Seite nimmt und ihr einmal ganz deutlich sagt: „Elizabeth, let it go!“

„Kamala Harris for President“

Kamala Harris kandidiert     

Sie wurde in Oakland geboren und hier verkündete sie am Sonntagnachmittag ganz offiziell ihre Kandidatur für das PräsidentInnenamt. 20.000 Menschen kamen, um diese Worte zu hören. Weit über 200 Medienvertreter waren anwesend, um über die Ankündigung zu berichten. Die 54jährige Kamala Harris will für die Demokraten gegen Donald Trump antreten.

Sie ist nicht die einzige im demokratischen Lager, die in den politischen Zweikampf mit Trump ziehen wird. Doch Harris hat durchaus Chancen, sich in der eigenen Partei durchzusetzen. Das zeigte auch der Auftritt am Sonntag vor dem Rathaus in Oakland. Sie wurde gefeiert und mit „Kamala, Kamala“ Rufen angefeuert. Der Name Donald Trump fiel kein einziges Mal und doch drehte sich viel in Harris‘ Rede um ihn. Es war eine durchaus patriotische Rede. Die US Senatorin erklärte, sie liebe dieses Land, die vielen verschiedenen Gesichter, die Offenheit, die multikulturelle Vielfalt. Allein das grenzt sie schon von einem „America First“ rufenden Mauerpräsidenten ab.

Zuvor trug ein Oakland Gospel Chor die Nationalhymne vor, eine Schülerin sprach die „Pledge of Allegiance“, den Fahneneid und nicht gerade wenige US-Flaggen waren am Rathaus angebracht. Dazu noch die Fahnen aller 50 Bundesstaaten. Es war auch und gerade eine Veranstaltung für die Fernsehnation, Harris wollte damit zeigen, dass sie nicht nur eine Kandidatin aus der liberalen Bay Area ist, sondern eine Kandidatin für ganz Amerika sein will.

Was diese Rede auch bemerkenswert machte, ist, dass Harris nicht einfach nur auf Amtsinhaber Trump einschlug. Das wäre an diesem Nachmittag, an diesem Ort einfach gewesen. Nein, Kamala Harris betonte auch, für was sie kämpfen will. Für eine allegemeine Krankenversicherung, für ein Grundrecht auf bezahlbare Bildung, für die Stärkung von Frauen, für eine Anhebung des allgemeinen Einkommens, für die Wiederherstellung der internationalen Rolle Amerikas, für „Science Facts“ und gegen „Science Fiction“ im Kampf gegen den Klimawandel. Harris ist nicht einfach eine Anti-Trump Kandidatin. Hier sprach eine Politikerin, die einen langen, beschwerlichen und teuren Weg vor sich hat. Sie appellierte an die Menschen mit ihr zu kämpfen, denn nur gemeinsam habe man eine Chance. Allein der Ton dieser Rede ließ aufhorchen. Harris versprach, einen respektvollen Wahlkampf zu führen…auch wenn das nicht leicht werden wird. Ihre Worte erinnerten an die von Michelle Obama: „When they go low, we go high“. Auf Kamala Harris sollte man in den kommenen Monaten achten, sie hat durchaus eine Chance, die erste amerikanische Präsidentin zu werden.

Let’s go Fiji

Ich glaube, es war 2007, als ich mit einem Freund nachts durch Bern fuhr. Er hatte wie immer Radio SRF3 an. „Le Loup“ hieß das Lied, das der Moderator anmoderierte. Es sei eine Schweizer Band, aus Bern, wie er sagte. Also hörte ich genauer hin, denn ich bin für meine Sendung immer auf der Suche nach neuer Musik aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Fiji, seltsamer Name für eine Band aus der Schweiz, dachte ich mir noch, doch notierte mir den Namen. Und der Song war „catchy“, ging gleich ins Ohr, gefiel mir gut. Ein paar Tage später suchte ich online nach der Band, fand sie, schrieb sie an und sie schickten mir ihre aktuelle CD zu. Seitdem bin ich „hooked on Fiji“, begeistert von ihrem Electroclash und Synthpop Sound, der mitreissend, voller Beat und durchaus erotisch ist.

Nun melden sich Fiji mit einer neuen Platte zurück. „Bizarre“ heißt sie und ist phänomenal gut. Für mich das bislang beste Album des Duos. Gestern lag die CD im Briefkasten, ich musste nach Berkeley fahren, schob „Bizarre“ im Auto in den CD-Player und drehte auf. Und wirklich, es ist so eine perfekte Autofahrt CD, die einem Rausch gleich kommt. Laut aufdrehen und den Trip genießen. Die Bilder fliegen vorbei, der Rhythmus der Straße wird von der Musik vorgegeben. Ich freue mich schon auf eine nächtliche Tour.

Fiji haben mit „Bizarre“ ein brillantes Album vorgelegt. Es vereinigt die verschiedensten Einflüsse aus 80er New Wave, Roxy Musics Dream Sound und den harten Beats einer technosierten Musiklandschaft. Es sind scheinbare Widersprüche, die Simone De Lorenzi und Simon Schüttel hier genial zu Liedern zusammenfügen. Da wird man getrieben, um dann wieder im Moment zu verweilen. Der Sound ist fordernd, um dann auf einmal wieder wie ein leises Flehen zu wirken. Und über allem diese laszive Stimme von De Lorenzi, die auf Englisch, Französisch und Italienisch singt. Ein perfektes Album, das gehört werden sollte, das gehört werden muss….und nicht nur in der Schweiz.

Fiji on facebook

Die kleinen Hände des großen Don

Die kleinen Hände des großen Don

Man kennt das ja. Es wird fotografiert und selten findet man sich selbst auf den Bildern gut abgebildet. Ich denke mir immer, die Kamera hat ein paar Pfunde draufgelegt oder das Licht vergrößert wirklich meine Geheimratsecken.

Dass es auch anders geht, beweisen Prominente, die gerne an ihren Fotos rumdoktern lassen. Da verschwinden Schweissflecken genausso wie Falten an Hals und Wangen. Donald Trumps Publicity Team ist nun sogar noch ein paar Schritte weiter gegangen, wie das Online Magazin Gizmodo meldet. Da wurden die Bilder des Präsidenten ganz besonders bearbeitet. Zum einen machten ihn seine Mitarbeiter schlanker. Trump isst ja gerne Fast Food, was sich anscheinend auf die Figur des „Hamburger Eater in Chief“ auswirkt. Gizmodo verglich die Original Fotos mit denen, die das Team-Trump veröffentlichte. Kein Problem, denkt man sich, soll ja alles passen.

Die kleinen Hände von Donald Trump wurden auch in einer Episode von „Family Guy“ gezeigt.

Doch das ist nicht alles, was seine Photoshopper da noch veränderten. Im Wahlkampf kamen mehrmals die anscheinend etwas zu klein geratenen Hände Trumps zur Sprache. Senator Marco Rubio, der im republikanischen Lager gegen Donald Trump kandidierte, meinte einmal, dass Trumps kleine Hände wohl darauf hindeuteten, dass auch an anderen Stellen des Milliardärkörpers die Proportionen nicht stimmen könnten. Trump erwiderte während einer Fernsehdebatte und vor versammelter Fernsehnation: “He referred to my hands: If they’re small, something else must be small. I guarantee you there’s no problem.” Trump selbst reagierte also auf den alten Vorwurf der zu kleinen Hände und zeigte sie immer wieder stolz seinen jubelnden Anhängern. Doch die kurzen Finger des Kandidaten waren fortan auch beliebtes Thema bei den Late Night Shows und selbst in der Cartoon Serie „Family Guy“ wurde Trump mit deutlich kleineren Händen gezeigt.

Dass Trump dieser Makel nicht passt ist bekannt. Kein Wunder also, dass Trumps Medien Team auf Fotos die Finger des Präsidenten wachsen ließ. Wohlgemerkt die Finger und nicht die Nase, was wohl passender gewesen wäre. Im Bildervergleich von Gizmodo ist das eindeutig zu sehen, Original gegen Trump-Foto, die Hände wurden länger.

Natürlich kann Donald Trump mit seinen Fotos tun und lassen was er will. Aber Medienvertreter dürfen auch darauf hinweisen, dass mit den Fotos, die Trump seinen Anhängern und den Amerikanern präsentiert, etwas nicht stimmt. Trump entscheidet eben auch hier nach dem Motto „ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt“. Und da scheinen größere Hände einfach dazu zu gehören.

 

Der amerikanische Kulturklangschatz

Eine MusikerIn oder eine Band erhalten für das Spielen eines Songs über einen Streaming Dienst 0,003 Euro. Das ist nicht viel, zeigt aber, welch geringen Wert Musik in unserer Gesellschaft eingeräumt wird. Es ist nur noch eine Art Klangtapete für nebenbei. Konsumiert in Massen, Smartphones und Abspielgeräte mit Zehntausenden von mp3 Songs in minderwertiger Soundqualität.

Vor diesem Hintergrund wirkt es schon seltsam, dass eine neugegründete Non-Profit, eine gemeinnützige Organisation in den USA daran geht, so viele 78er Platten zu digitalisieren, wie es nur geht. Die treibende Kraft hinter „Music Memory“ ist Lance Ledbetter, Gründer und Betreiber von “Dust to Digital” Records, einem Grammy ausgezeichneten und mehrfach nominierten Plattenlabel, das sich auf alte Aufnahmen spezialisiert hat. Die alten, knisternden und verrauschten Platten sind jedoch ein historischer Kulturschatz, der bewahrt werden sollte, so Ledbetter. „Als Musikfan und als jemand, der an den Erhalt solcher Platten glaubt, war es für mich immer schwer, kulturell wichtige Projekte zu erkennen, die aber finanziell keinen Sinn machten. Aber anstelle den Leuten zu sagen, wir können das nicht machen, denn es gibt nur fünf Leute auf der Welt, die das kaufen würden, und ich bin einer davon, entstand die Idee, das alles dennoch zu bewahren, ohne dabei an einen Profit zu denken.“

April und Lance Ledbetter, Gründer von „Dust to Digital“.

Vor rund 20 Jahren gründeten Lance Ledbetter und sein Frau April das “Dust to Digital” Plattenlabel. Gleich mit der ersten Veröffentlichung, der in Holz gefassten Box “Goodbye Babylon”, auf der man alte Gospel Songs hören kann, ließ das kleine Indie-Label aufhorchen. Seitdem ist Ledbetter auf einer Mission. Durch seine Veröffentlichungen, seiner Liebe zur alten Musik hat er sich viele Freunde in Sammlerkreisen gemacht. Und die unterstützen nun das Projekt “Music Memory”: „Wir kommen mit einem Toningenieur zu den Sammlern nach Hause und haben so einen ganzen anderen Ansatz als zum Beispiel die “Library of Congress”, die ebenfalls Platten digitalisiert. Aber die LoC will, dass man die Scheiben irgendwohin bringt. Wir alle wissen, dass einige dieser Sammler niemals ihre Platten aus der Hand geben würden.“

Dieser Ansatz zahlt sich aus, denn Ledbetter und seine Mitstreiter kommen so an die rarsten der raren 78er RPM Platten heran. Gemeinsam mit den Sammlern wird die Digitalisierung durchgeführt. Sie suchen die entsprechende Platten heraus, sie geben vor, wie die eigene Sammlung überspielt werden muss. Manchmal alphabetisch, manchmal ein Genre nach dem anderen. Was Lance Ledbetter dabei vor allem begeistert ist, wie die Sound-Puristen, jene 78er Schellack Sammler, auf dieses Projekt reagieren: „Auch, wenn die Idee oder der Gedanke daran, diese Aufnahmen auf einem Computer, einem Smartphone oder iPad zu hören, für sie nichts bedeutet, ich glaube, sie verstehen es, was wir vorhaben. Genauso wie sie in den 50er und 60er Jahren diese Platten gerettet haben, als sie von anderen einfach weggeschmissen wurden, sie in den Süden, den Mittleren Westen und in den Nordosten des Landes reisten, um die 78er zu suchen. Ich denke, sie verstehen unser Bestreben, diese Musik allgemein zugänglich zu machen.

Lance Ledbetter beschreibt, wie er das gesamte Bild der Digitalisierung aufnimmt. Man komme man oftmals in spezielle Keller oder Plattenräume, die nach Zigarre oder Pfeifenrauch riechen, könne so erkennen, wie wichtig all diese Musik für die jeweiligen Sammler war und ist. Mehr als 50.000 Aufnahmen sind bereits zusammen gekommen, 100.000de von Songs warten noch auf ihre Digitalisierung. Dazu Fotos der Cover und der Labelaufkleber, die gerade für Sammler und Archivare interessant sind. Mit der “Non-Profit”, der gemeinnützigen Organisation “Music Memory”, will man nun den nächsten Schritt gehen, Stipendien und Zuschüsse beantragen, um diesen riesigen Klangschatz der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Angedacht sind Partnerschaften mit bereits bestehenden Online-Plattformen und eine eigene Webseite, die sich zu einem riesigen historischen Songarchiv entwickeln soll.

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Es schmeckt immer noch nicht

Es gibt diesen schon etwas älteren Witz: What do American beer and making love in a canoe have in common? They’re f…. close to water! Heißt auf Deutsch, Bier „Made in America“ schmeckt mehr wie stilles Mineralwasser als nach dem edlen Gerstensaft. Dass das nicht mehr so ganz stimmt, zeigen die vielen, hervorragenden Micro-Breweries in allen Teilen der USA. Aber mit dem Witz waren (und sind) vor allem die drei großen Brauereien im Geschäft gemeint: Budweiser, Miller und Coors.

Coors macht Werbung mit dem guten Wasser aus den Rocky Mountains. Miller erklärt, es sei der „Champagne of Beers“ und Budweiser meint, sie seien „The King of Beers“. Tatsache ist jedoch, dass alle drei sehr nah am Wasser gebraut wurden. Und alle drei Brauhäuser geben Millionen von Dollar für ihre Werbung aus, um die Biertrinker zu überzeugen, dass das der amerikanische Geschmack sei.

Die jüngste Werbekampagne von Budweiser dreht sich nun um die Zutaten des Biers. Jahrelang wurden die nicht veröffentlicht, doch in jüngster Zeit forderten immer mehr „Food Blogger“, dass auch die Brauer bekannt geben sollten, was in ihrem Produkt drin sei. Immerhin wisse man, was in jeder Coca Cola, in jedem Burger, in jeder Pizza sei. Warum also machten die „Breweries“ so ein Geheimnis aus ihrem Gerstensaft. Budweiser reagierte nun und verkündet im neuesten Werbeclip, dass man im Februar (!) die Zutaten bekannt geben wird. So, als handele es sich um ein Staatsgeheimnis, Top Secret, streng geheim. Ganz im Sinne des eigenen Slogans, wird diese bahnbrechende Nachricht von einem König verkündet. Man kann also gespannt sein, was neben Hopfen, Malz und Wasser noch so für den faden Geschmack eins Bud verantwortlich ist.

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2018 war, 2019 kommt

Da sitzt er nun im Weißen Haus und weiß nichts besseres mit seiner Zeit anzufangen, als Tweets rauszuhauen. Wenige Stunden vor dem neuen Jahr blickt Donald Trump zurück und voraus. Er klopft sich auf die Schultern, wie toll er ist und er weint ein bißchen darüber, dass die ollen Fake News Medien ihn nicht verstehen und ihm huldigen.

Donald Trump beklatscht sich am liebsten selbst. Foto: Reuters.

2018 war kein gutes Jahr für Amerika. Und das lag an Donald Trump, der immer wieder gezielt die Grundfesten dieser Gesellschaft und dieser Demokratie angriff. Und alles nur, weil er seine 25 Prozent Wählerbasis bei Laune halten wollte. Glaubte man anfangs noch, Trump werde von den Leuten um ihn herum im Zaum gehalten, hat sich das mit dem Ausklang von 2018 – Donalds Halbzeit – erledigt. Mit dem Ausscheiden von James Mattis und John Kelly, zwei Generäle in Diensten Trumps, sind wohl die letzten kritischen Stimmen aus dem direkten Umfeld des Präsidenten ausgeschieden. Nun hat er einen festen Gürtel von Ja-Sagerinnen und Ja-Sagern um ihn herum.

Und das verheißt nichts Gutes für das kommende Jahr, das mit einem Regierungs-Shutdown beginnt, einem Showdown zwischen Trump und der neuen Mehrheit im Kongress. Hinzu kommt, dass wir mit Siebenmeilenstiefeln in den nächsten Wahlkampf rennen. Die ersten Demokraten machen sich bereit, um gegen Trump zu kandidieren. Die Zeichen stehen auf Sturm. Trump braucht seine Basis, um überhaupt eine Chance im Wahlkampf 2020 zu haben. Das bedeutet, er wird nicht klein beigeben, lieber die Konfrontation suchen, als den Kompromiss. Denn eins ist klar, Trump ist der bessere und erfahrenere Schwergewichtsboxer im amerikanischen Politzirkus. Kein Demokrat kann da mithalten. Seine täglichen  Lügen im guten Dutzend konnten ihm bislang auch nicht schaden, ganz im Gegenteil, er hat damit die Spaltung des Landes nur weiter voran getrieben. In ein Amerika und ein Trump-Amerika. 2019 wird ein sehr schlimmes Jahr für die amerikanische Demokratie werden. Der tiefe Graben, der sich durch die amerikanische Gesellschaft zieht, wird nur noch tiefer werden. Das sind alles andere als gute Aussichten für das neue Jahr.