Rammstein sind zurück

Es sind über 20 Jahre vergangen, seitdem ich mit Paul Landers im Backstage Bereich des kleinen Clubs „The Edge“ in Palo Alto sass. Damals eröffneten Rammstein den Abend für KMFDM. In Deutschland waren sie schon in den großen Hallen unterwegs, in den USA kannte man sie noch kaum. Ich war wohl damals mit der erste, der sie im amerikanischen Radio spielte. „Du hast“ und „Engel“ aus dem „Lost Highway“ Soundtrack waren gerade erst erschienen.

Rammstein spielten auf, als ob ihnen der Club gehören würde. Schon beim ersten Song stand Till Lindemann am Bühnenrand in Flammen. Als „Büch Dich“ gespielt wurde, hielten die schockierten begleitenden Eltern ihren 15jährigen Knaben und Mädels die Hand vor die Augen. Doch all das konnte Rammstein in den USA nicht aufhalten. Selbst das Schulmassaker in Columbine ein paar Jahre später, für das übereilige, rechtskonservative Besserwisser Rammstein, KMFDM und Marilyn Manson mitverantwortlich machen wollten, stoppte den Erfolgszug der Berliner nicht.

Rammstein sind ein Phänomen. Das Management ist heute streng kontrolliert, Interviews und Fotos wie damals Backstage in Palo Alto würde es heute nicht mehr geben. Paul Landers war neugierig auf die USA, erzählte davon, dass sie selber nicht verstehen würden, was da genau passiert. Sie wollten mal sehen, mal die Wasser in Amerika testen, meinte er. Wenn es klappt, dann ist gut. Wenn nicht, dann eben nicht.

Es klappte. Rammstein sind die erfolgreichste deutschsprachige Band aller Zeiten, und das weltweit. Mittlerweile füllen sie die ganz großen Hallen und Stadien in den USA. Schon jetzt ist klar, ihre kommende US Tour wird ausverkauft sein. Zehntausende singen ihre Songs auf Deutsch mit, das hat vor ihnen noch niemand geschafft. Nena, Falco, Peter Schilling und auch Tokio Hotel haben ihre Hits in den USA lieber auf Englisch präsentiert. Selbst Grönemeyer sang hier auf Englisch, ließ sich auch von den Fans nicht beirren, die ihm zuriefen: „Sing Deutsch“. Rammstein haben ihr Englisch mal mit „Du Hast“ und „Engel“ ausprobiert, doch merkten schnell, ihre Sprache ist Deutsch. In den USA schrieben sich Schüler in „German classes“ in den High Schools ein, um die Texte der Berliner verstehen zu können. Online wurde darüber diskutiert. Rammstein Texte waren der Türöffner für Diskussionen in Foren über deutsche Filme, Kultur, Politik und Leben in Deutschland. Ich lehne mich mit der Behauptung nicht weit aus dem Fenster, wenn ich erkläre, Rammstein haben für die deutsche Sprache im Ausland mehr als viele staatlich geförderte Projektideen erreicht.

Und nun sind sie zurück. Mit dem siebten Album haben sie gleich im Vorfeld auf den Skandal gesetzt. Rammstein in KZ-Uniform, eine Sequenz aus ihrem Video zum Song „Deutschland“ wurde veröffentlich und zugleich heftigst diskutiert. Dürfen die das, darf man das? Einladungen an Gedächtnisorte folgten, Rammstein hätten eine rote Linie überschritten. Nur einen Tag später folgte das komplette Video, ein Meisterwerk. Die Kritiker versuchten zurück zu rudern, ohne ihren Schnellschuss zuzugeben.

Auch für „Radio“ wurde eine geniale PR-Aktion gewählt. Das Video zum Song wurde in verschiedenen Städten an Häuserwände geworfen, den Fans erklärt, zu einem bestimmten Zeitpunkt einen bestimmten Lokalsender einzuschalten. Das alte Radio in seiner ganzen Bedeutung.

Jetzt läuft hier die gesamte Platte. Eine typische Rammsteinscheibe. Sie knallt gut, ist laut, durchdacht, provokant, klar, auch etwas poppig. „Ausländer“ und „Zeig Dich“ gefallen mir richtig gut. Doch „Deutschland“ ist für mich das absolute Highlight dieses Albums. Hervorragend, aber das ist wohl Geschmackssache. Hier drüben in den USA berichten Zeitungen, Magazine, Online-Portale über die neue Rammstein CD, in den sozialen Medien wird #7 breit diskutiert. Deutsche Texte stören da niemanden, die Kritiken sind durchgehend positiv. Rammstein haben ihren Sound, dazu ihr Image. Da kommt niemand ran. Ich bin mir sicher, in einigen High School Klassenzimmern zwischen Long Beach und Long Island werden in den kommenden Wochen im Deutschunterricht einige der Texte der neuen Rammstein Platte genauer angehört werden. So macht „German“ Spass. Bitte lauter, Frau Lehrerin!

YouTube Preview Image

Wann arbeitet der eigentlich mal was?

15 Tweets in zehn Stunden, einige davon drehen sich über Fernsehsendungen, die sich der Präsident angesehen hat und dazu seinen Kommentar abgibt. Trump ist begeisterter FoxNews Zuschauer und gibt eigentlich täglich dazu seine Meinung ab. Und nicht nur zu FoxNews, sondern auch noch zu Sendungen auf CNN und MSNBC, zu Sportübertragungen und einflussreichen Talk Shows. Trump ist ein Fernseh-Junkie. Wenn man dann noch hinzu rechnet, wie oft sich der Donald auf seinen güldenen Golfplätzen rumtreibt, dann ist die Frage wahrlich berechtigt, wann er eigentlich mal so richtig arbeitet?

Eigentlich will man das bekannte Liedchen anstimmen: „Du hast die Haare schön…“. Foto: Reuters.

Von den täglichen Sicherheitsbriefings seiner Geheimdienste hält er bekanntlich nicht viel. Auch Lesen ist nicht seine Lieblingsbeschäftigung. Picklig wird er bei Ratschlägen anderer und man kann eigentlich bei jedem Auftritt sehen, dass Trump nicht gerne zuhört, denn dann steht er selbst ja nicht im Rampenlicht. Es muss sich um ihn drehen, dann ist er zufrieden, glücklich, in seinem Element.

Mit einem Mann wie Donald Trump zu arbeiten, muss alles andere als leicht sein. Denn informiert ist er nicht, er will es auch gar nicht, denn seine Sichtweise der Dinge, seine Weltsicht, seine Meinung zählt. Oftmals haut er über seinen privaten Twitter Account Sachen raus, die die offizielle Haltung des Weißen Hauses konterkarieren, hinterfragen oder ad absurdum führen. Trump ist das egal, es zählt, was er sagt. Und die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Sarah Huckabee-Sanders, dreht alles so, wie es ihr Boss vorgibt. Da werden Fakten verändert, verdreht, sehr gedehnt. Und alles, was dann eigentlich ein Fakt war, wird zu „Fake News“, denn die Fakten sind ja dann das, was Donald Trump und seine „Spin Machine“ in der Welt verbreiten. Manchmal wird einem schon ganz schwindling allein vom Zuhören der Trumpschen Argumentation. Amerika 2019!

Tod den Demokraten

Präsident Donald Trump bezeichnet also Demokraten, die gegen seine Grenzpläne und seinen Mauerbau sind, als Landes- und Hochverräter. Zu bestrafen wäre das mit lebenslänglicher Haftstrafe ohne Aussicht auf Begnadigung oder mit dem Tod. In leichteren Fällen ginge auch eine Gefängnisstrafe von mindestens fünf Jahren. Was aber wohl vor allem wichtig für Trump ist, die Verurteilten dürften kein öffentliches Amt in den USA mehr einnehmen.

Als Journalist in den USA ist man es mittlerweile gewöhnt, vom amerikanischen Präsidenten als Volksfeind bezeichnet zu werden. Wer nicht zum Hofberichterstatter für El Presidente verkommen will, der wird als „Enemy of the people“ bezeichnet. Wenn aber nun auch die politische Opposition öffentlich als Landesverräter beschimpft wird, dann grenzt das immer mehr an all jene, die Trump so gerne hofiert. Diktatoren und Machthaber, Trumps „Freunde“, in Saudi Arabien, Nord-Korea, Ägypten usw.

Mit seinem Landesverrat Tweet hat Trump eine Grenze überschritten. Denn hier macht er ganz deutlich, was er von der amerikanischen Demokratie hällt. Sicherlich, es ist nicht neu, denn bislang hat er Wahlen angezweifelt, die gegen ihn ausfielen, sprach von Wahlbetrug. Er unterhöhlt die demokratischen Instanzen in den USA, wie die Gerichte, das FBI, Ministerien, den Kongress. Und nur aus dem Grund, weil er nicht so schalten und walten kann, wie er will. Aber all jene des Hochverrats zu bezeichnen, die politisch andere Lösungen der Grenzkrise verfolgen, ist die Sprache Riads und Pjönjangs.

Nein, niemand wird des Landesverrats angeklagt, aber darum geht es auch nicht. Vielmehr spricht Trump mit seinen Tweets zu seinen Anhängern, die Hillary Clinton im Knast sehen, die der muslimischen Abgeordneten Ilhan Omar ihre Staatsbürgerschaft entziehen wollen, die von einem bewaffneten Kampf sprechen, wenn Trump die Wiederwahl nicht gewinnt, denn sie sei ja „rigged“, also „gefälscht. Und was sagen die Republikaner zu ihrem „Commander in Chief“? Nichts! Das ist der Zustand der USA 2019. Angeheizt von einem Präsidenten, der ein gefährliches Spiel betreibt, von dem sich das Land auf absehbare Zeit nicht erholen wird.

„Kurt Cobain is dead“

Kurt Cobain. Foto: Reuters.

Am 5. April 1994 arbeitete ich bei Radio Z in Nürnberg. Und da kam die Nachricht rein, dass sich Kurt Cobain, der Frontmann von Nirvana das Leben genommen hat. Nirvana, die damals gehörig das musikalische Establishment und auch die Modewelt durcheinander brachten. Seattle war die Stadt in Amerika, die wohl am meisten gefeiert wurde.

Zehn Jahre danach reiste ich als Journalist nach Seattle, um mich auf die musikalische Spurensuche zu machen. Mittlerweile war ich von Nürnberg nach Oakland übergesiedelt. Und die Bay Area war eng mit der Musikszene in Seattle verbunden. Kurt Cobain wurde im Nordosten der USA noch immer gefeiert und dennoch spürte man auch den Schock, der noch nachhallte. Das Big Business war weitergezogen, das Blitzlichtgewitter erloschen, „Grunge“ war nur noch ein Schimpfwort.

Es war für mich spannend mit Wegbegleitern von Cobain zu sprechen, Zeitzeugen zuzuhören, an den Orten zu sein, an denen meine einstigen musikalischen Heroen spielten. Was damals Anfang der 90er Jahre aus Seattle kam – Green River, Nirvana, Pearl Jam, Mudhoney, Alice in Chains, Screaming Trees u.v.m. – war für mich ein Erwachen. Mit den LA-Hairbands der Spätachtziger konnte ich nicht viel anfangen, die klicke ich auch heute noch weg, wenn sie im Radio gespielt werden. Doch „Smells like teen spirit“, „Alive“, „Even Flow“ oder auch „Rape me“ drehe ich nach wie vor auf. Zeitlose Songs, die einfach die Kraft, die Energie, die Wut, genau diese seltsamen frühen 90er Jahre ausdrücken.

25 Jahre ist der Selbstmord von Kurt Cobain nun schon her. Es war für Seattle ein tiefer Einschnitt diesen Ausnahmemusiker zu verlieren. Das wurde mir immer wieder gesagt, das konnte man in den Gesprächen auch fühlen. Was da mal war, wird niemals mehr so sein, hieß es. Damals bei Radio Z spielten wir an dem Tag einiges von Nirvana, die rohe Gewalt der „Bleach“ und eben auch Songs aus diesem Meisterstück „Nevemind“.

Seattle und Nirvana     

 

Sorgen kann man teilen. 0800/111 0 111 · 0800/111 0 222 · 116 123 (Telefonseelsorge).

 

Russlands Einfluss in Amerika

Donald Trump sieht sich als Sieger in der Russlandaffäre. Foto: Reuters.

Donald Trump jubelt. Der Sonderermittler Robert Mueller hat also keine Beweise für direkte Absprachen zwischen dem Trump-Team und russischen Organisationen oder Einzelpersonen finden können. Damit ist für Trump klar, es war alles nur eine „Hexenjagd“, ein Versuch, seine Präsidentschaft zu beschmutzen.

Doch ganz so einfach ist es dann doch nicht. Denn klar ist auch, Russland hat im Wahlkampf 2016 auf der Seite von Donald Trump gestanden, um die verhasste Hillary Clinton auszubremsen und letztendlich zu besiegen. Mit einer gezielten Onlinekampagne, mit Hackerangriffen und der Weitergabe von belastenden Fakten und Falschnachrichten machte Russland mobil. Das Trump-Team wusste davon, doch unternahm nichts, um diese Einflussnahme von aussen zu stoppen oder sich zumindest zu distanzieren. Ganz im Gegenteil, Trump forderte Russland sogar auf, die Hackerangriffe zu verstärken. Und auch die vielen Falschnachrichten, die von russischer Seite über die sozialen Medien in Umlauf gebracht wurden, wurden von Trump und seinen Wahlkämpfern liebend gerne angenommen und weiterverbreitet. Auch wenn sie totaler Humbug waren, doch das störte weder den Twitterkönig selbst, noch seine Gefolgschaft.

Reingewaschen ist Donald Trump also nicht, auch wenn eben keine Belege für eine konkrete Absprache mit Moskau gefunden werden konnten. Auch hat der gewählte amerikanische Präsident nicht die notwendigen Lehren auf den politischen Angriff von außen gezogen, immerhin von einer „verfeindeten“ Nation. Trump hätte deutliche Worte finden, alles in Gang setzen müssen, um solche Attacken und Versuche der Einflussnahme auf Wahlen in den USA in Zukunft zu verhindern. Doch nichts ist geschehen, heißt, es wird wieder passieren. Die kommenden Wahlen stehen daher schon jetzt unter keinem guten Stern.

DBUK is OMG OK

Schon mal von der Band „The Denver Broncos UK“ gehört, kurz DBUK? Nein, dann haben Sie etwas verpasst. Hinter diesem Namen stecken Munly Munly, Lord Dwight Pentacost, Rebecca Vera und Slim Cessna von „Slim Cessna’s Auto Club“ aus Denver, Colorado. Während der „Auto Club“ treibend und voller Energie ist, werden bei DBUK ganz andere, viel gemäßigtere Klangpfade verfolgt.

„Songs One Through Sixteen“ heißt die neue Platte und sie verbindet Country, Folk, Americana mit einer gehörigen Prise dunklem Gothic Sound. Ein beeindruckendes Album, das einem „Road Movie“ gleichkommt. Schon vor etlichen Jahren, als ich noch für eine deutsche Airline deren Country/Folk Inflight Radioprogramm zusammenstellte, war ich Fan des Denver Sounds. Von dort kamen und kommen unglaublich gute Bands, wie 16 Horsepower, Wovenhand, Denver Gentlemen, DeVotchKa und die vielen musikalischen Projekte, die im Umfeld und durch das Eingreifen von Slim Cessna entstanden.

Nun also diese neue Platte von DBUK, die in den USA „Songs Nine Through Sixteen“ heisst und in Deutschland bei Glitterhouse gleich noch die bereits 2015 erschienene „Songs One Through Eight“ beinhaltet. Es sind Songs, die so ganz anders sind, musikalisch als Gothic-Americana umschrieben werden können und textlich manchmal einem blutigen Horrortrip gleichen. Und das alles ganz harmlos und weich vorgetragen. Lieder, die sich um Tod, Selbstmord, Erschießen drehen und mittendrin der Hörer, der die zärtlichen Melodien genießt. „Songs One Through Sixteen“ ist eine Platte, die man sich genauer anhören, die wahnhaften Texte mitlesen sollte. Und erneut komme ich an den Punkt, an dem ich merke, genau dieses Album belegt, warum ich Amerika mag. Es ist so skuril schön, so tief abgründig, so seltsam anders als das, was man Tag für Tag im Irrsinn der Newswelt erfährt. Hier zeigen sich die USA von ihrer wunderbarsten und faszinierendsten Seite. Ein Soundtrack des wahren „American Life“.

Community Radio – abseits des Mainstream

Heute ist es mal wieder so weit. Eine weitere Live-Sendung auf dem Community Sender KKUP in San Jose steht an. KKUP wird im Mai 47 Jahre alt, das heißt, 47 Jahre an Radioprogrammen, die nicht kommerziell sind, von Ehrenamtlichen moderiert und produziert werden, es keine Werbung gibt, der Sender vielmehr durch die Spenden der Hörerinnen und Hörer finanziert wird.

Das ist möglich und es macht einfach Spaß, mit einer Tasche voller CDs die gute Stunde von Oakland nach San Jose zu fahren, um Musik zu spielen, die man sonst wohl auf keiner anderen Station hören kann. Einige, die mich und meinen Musikgeschmack kennen werden sagen, das ist wohl auch gut so, dass man das nicht auf anderen Sendern hört, aber heute habe ich Lust auf eine elektronische Show zwischen Klaus Schulze, Bernd Kistenmacher, Adalbert von Deyen und so einiger wiederveröffentlichter Perlen auf Bureau-B Records. Und für diesen Sound gibt es durchaus viele Fans, gerade auch in der San Francisco Bay Area.

KKUP sendet im Großraum San Jose. Das Programm lässt sich bis runter nach Monterey, im Silicon Valley und hoch bis Oakland und South San Francisco hören, also ein riesiges Sendegebiet. Und ich werde von 15-17 Uhr (PST) „on-air“ sein, um den Sonntagnachmittag mit einer besonderen Musikmischung zu beschallen.

Community Radio in den USA ist etwas Besonderes. Es ist ein wichtiger Teil des öffentlichen Rundfunks. Neben den NPR, den Pacifica und College Stationen, gibt es da auch noch diese Sender, die aus der Community heraus gewachsen sind, von der Community unterstützt werden und für die Community senden. Und da ist wirklich alles dabei, von Klassik bis Country, von Weltmusik bis Punk. Das Angebot ist grenzen- und genrelos und genau darauf kommt es an. Radio ohne Format, ohne einengende Playlist eines Musikchefs. Zu hören ist, was eben zu hören ist, was ein Moderator oder DJ eben an diesem Tag und für seine Show auswählt. Zu hören sind die vielen Stimmen der Menschen, die um uns herum leben, mit ihrem Hintergrund, ihrem Wissen, ihren Besonderheiten. Von daher, einfach mal reinhören, vielleicht heute Nachmittag/heute Nacht….von 00:00 – 2 Uhr deutscher Zeit KKUP einschalten.

Warum Warren?

Elizabeth Warren will Präsidentin werden. Foto: Reuters.

Elizabeth Warren kandidiert nun also doch. Genau wie damals, als Hillary Clinton ihre Kandidatur bekanntgab, frage ich mich, was geht in ihr vor, dass sie meint, sie hat eine Chance gewählt zu werden? Und dabei geht es nicht um die Politik der Senatorin aus Massachusetts und um das, für was sie steht. Warren hat vielmehr ein riesiges Problem, so wie Hillary sie mit ihren unzähligen Leichen im Keller hatte.

Nach einer tumulthaften Woche für Warren, in der die Washington Post eine von ihr handgeschriebene Anmeldung für die texanische Anwaltskammer von 1986 veröffentlichte, auf der Warren angegeben hatte, dass sie „American Indian“ sei, dachten viele, nun ziehe sich Warren zurück. Doch ganz im Gegenteil, die Senatorin glaubt noch immer, dass der Skandal um ihre Herkunft keine Auswirkungen auf ihre Kandidatur um den Präsidentenjob haben wird.

Doch Elizabeth Warren liegt da ganz falsch. Seit Jahren schon muss sie sich immer und immer wieder damit auseinandersetzen, dass sie lange Zeit behauptet hat, sie habe indianisches Blut in sich. Kein Geringerer als Donald Trump nahm das nur zu gerne auf, nannte Warren fortan nur noch „Pocahontas“ und hämmerte die falsche Behauptung Warrens in die Wahrnehmung der Amerikaner. Doch die Senatorin gab nicht einfach klein bei und wollte nachweisen, dass sie zum Teil „Native American“ sei. Im Herbst ließ sie eine DNA Analyse erstellen, die das belegen sollte. Doch der Schuss ging nicht nur nach hinten los, Warren schoss sich dabei in den eigenen Fuss. 1/20 „Native Amercian“ war das Ergebnis. Etwa so viel wie ich es habe, der in Würzburg von einer Mutter aus dem Ruhrgebiet und einem Vater aus Schlesien geboren wurde.

Und nun noch die Registrierungskarte aus Texas, die zeigt, dass Warren ihren indianischen Hintergrund nicht nur selbst glaubte, sondern sich selbst auch so vorstellte. Man muss wissen, dass in den USA jeder irgendwo Vorfahren von irgendwoher hat. Ich treffe immer wieder Leute, die mir sagen, sie seien auch Deutsch. Auf die Nachfrage wie und warum erklären sie dann, ihre Ur-Ur-Großmutter sei die Tochter eines Bäckers gewesen, der 1795 aus einem Dorf in Schwaben nach Amerika kam. Sprache, Kultur, Gepflogenheiten, alles Nebensache, denn da war ja die Ur-Ur-Oma. Das ist ein normales und für sie logisches Argument, dass sie damit Deutsche sind. Ok, sollen sie so sehen. Was Elizabeth Warren jedoch mit ihrer „Native American“ Identifikation machte ist, dass sie dadurch nicht nur einen emotionalen Bonus erhalten hat, sondern eventuell auch Vorteile bei der Auswahl an Universitäten und bei der Jobsuche. Warren, die eine brillante Juristin ist, erklärt zwar, dass dem nicht so gewesen ist, doch mit ihrer Behauptung eine Nachfahrin der Indianer zu sein, bleibt da ein Beigeschmack. Warren ist für viele nur noch „Pocahontas“.

Nun kann man behaupten, Elizabeth Warren kandidiere nur, um ihre Politik ins Gespräch zu bringen. Das stimmte dann, wenn es keine andere Kandidatin oder Kandidaten im Feld geben würde, die oder der Ähnliches fordert. Doch da sind schon jetzt mehrere Frauen und Männer im Rennen, die mit Warren auf einer Linie liegen. Elizabeth Warren glaubt also wirklich, die Vorwahlen der Demokraten überstehen zu können, um dann gegen Donald Trump zu kandidieren. Man kann nur hoffen, dass jemand die Senatorin schon bald zur Seite nimmt und ihr einmal ganz deutlich sagt: „Elizabeth, let it go!“

„Kamala Harris for President“

Kamala Harris kandidiert     

Sie wurde in Oakland geboren und hier verkündete sie am Sonntagnachmittag ganz offiziell ihre Kandidatur für das PräsidentInnenamt. 20.000 Menschen kamen, um diese Worte zu hören. Weit über 200 Medienvertreter waren anwesend, um über die Ankündigung zu berichten. Die 54jährige Kamala Harris will für die Demokraten gegen Donald Trump antreten.

Sie ist nicht die einzige im demokratischen Lager, die in den politischen Zweikampf mit Trump ziehen wird. Doch Harris hat durchaus Chancen, sich in der eigenen Partei durchzusetzen. Das zeigte auch der Auftritt am Sonntag vor dem Rathaus in Oakland. Sie wurde gefeiert und mit „Kamala, Kamala“ Rufen angefeuert. Der Name Donald Trump fiel kein einziges Mal und doch drehte sich viel in Harris‘ Rede um ihn. Es war eine durchaus patriotische Rede. Die US Senatorin erklärte, sie liebe dieses Land, die vielen verschiedenen Gesichter, die Offenheit, die multikulturelle Vielfalt. Allein das grenzt sie schon von einem „America First“ rufenden Mauerpräsidenten ab.

Zuvor trug ein Oakland Gospel Chor die Nationalhymne vor, eine Schülerin sprach die „Pledge of Allegiance“, den Fahneneid und nicht gerade wenige US-Flaggen waren am Rathaus angebracht. Dazu noch die Fahnen aller 50 Bundesstaaten. Es war auch und gerade eine Veranstaltung für die Fernsehnation, Harris wollte damit zeigen, dass sie nicht nur eine Kandidatin aus der liberalen Bay Area ist, sondern eine Kandidatin für ganz Amerika sein will.

Was diese Rede auch bemerkenswert machte, ist, dass Harris nicht einfach nur auf Amtsinhaber Trump einschlug. Das wäre an diesem Nachmittag, an diesem Ort einfach gewesen. Nein, Kamala Harris betonte auch, für was sie kämpfen will. Für eine allegemeine Krankenversicherung, für ein Grundrecht auf bezahlbare Bildung, für die Stärkung von Frauen, für eine Anhebung des allgemeinen Einkommens, für die Wiederherstellung der internationalen Rolle Amerikas, für „Science Facts“ und gegen „Science Fiction“ im Kampf gegen den Klimawandel. Harris ist nicht einfach eine Anti-Trump Kandidatin. Hier sprach eine Politikerin, die einen langen, beschwerlichen und teuren Weg vor sich hat. Sie appellierte an die Menschen mit ihr zu kämpfen, denn nur gemeinsam habe man eine Chance. Allein der Ton dieser Rede ließ aufhorchen. Harris versprach, einen respektvollen Wahlkampf zu führen…auch wenn das nicht leicht werden wird. Ihre Worte erinnerten an die von Michelle Obama: „When they go low, we go high“. Auf Kamala Harris sollte man in den kommenen Monaten achten, sie hat durchaus eine Chance, die erste amerikanische Präsidentin zu werden.

Let’s go Fiji

Ich glaube, es war 2007, als ich mit einem Freund nachts durch Bern fuhr. Er hatte wie immer Radio SRF3 an. „Le Loup“ hieß das Lied, das der Moderator anmoderierte. Es sei eine Schweizer Band, aus Bern, wie er sagte. Also hörte ich genauer hin, denn ich bin für meine Sendung immer auf der Suche nach neuer Musik aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Fiji, seltsamer Name für eine Band aus der Schweiz, dachte ich mir noch, doch notierte mir den Namen. Und der Song war „catchy“, ging gleich ins Ohr, gefiel mir gut. Ein paar Tage später suchte ich online nach der Band, fand sie, schrieb sie an und sie schickten mir ihre aktuelle CD zu. Seitdem bin ich „hooked on Fiji“, begeistert von ihrem Electroclash und Synthpop Sound, der mitreissend, voller Beat und durchaus erotisch ist.

Nun melden sich Fiji mit einer neuen Platte zurück. „Bizarre“ heißt sie und ist phänomenal gut. Für mich das bislang beste Album des Duos. Gestern lag die CD im Briefkasten, ich musste nach Berkeley fahren, schob „Bizarre“ im Auto in den CD-Player und drehte auf. Und wirklich, es ist so eine perfekte Autofahrt CD, die einem Rausch gleich kommt. Laut aufdrehen und den Trip genießen. Die Bilder fliegen vorbei, der Rhythmus der Straße wird von der Musik vorgegeben. Ich freue mich schon auf eine nächtliche Tour.

Fiji haben mit „Bizarre“ ein brillantes Album vorgelegt. Es vereinigt die verschiedensten Einflüsse aus 80er New Wave, Roxy Musics Dream Sound und den harten Beats einer technosierten Musiklandschaft. Es sind scheinbare Widersprüche, die Simone De Lorenzi und Simon Schüttel hier genial zu Liedern zusammenfügen. Da wird man getrieben, um dann wieder im Moment zu verweilen. Der Sound ist fordernd, um dann auf einmal wieder wie ein leises Flehen zu wirken. Und über allem diese laszive Stimme von De Lorenzi, die auf Englisch, Französisch und Italienisch singt. Ein perfektes Album, das gehört werden sollte, das gehört werden muss….und nicht nur in der Schweiz.

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