Nur ein abgeschobener Flüchtling ist ein guter Flüchtling

Donald Trump macht ernst. In sechs Bundesstaaten wurden Razzien der „Immigration and Customs Enforcement“ Behörde durchgeführt, die dem „Department of Homeland Security“ unterstellt ist. Dabei ging es nicht nur um die „Bad Dudes“ und „Bad Hombres“, die der neugewählte Präsident schnellstmöglich und noch vor dem Bau seiner Mauer verhaften und abschieben wollte. Hunderte von illegalen Immigranten ohne jeglichen kriminellen Hintergrund, wurden bei den Razzien gefasst und zum Teil umgehend nach Mexiko abgeschoben. Ein Sprecher der Trump-Administration meinte, es seien alles Kriminelle, denn sie alle seien ohne gültige Papiere im Land gewesen.

Die Stimmung in den USA ist aufgeheizt. Foto: Reuters.

Trump macht also sein Versprechen wahr, illegale Einwanderer aus dem Land zu werfen. Bis zu elf Millionen „Illegals“ sollen in den USA leben. Ein Großteil von ihnen schon seit Jahrzehnten, die hier im Schatten leben, aber Steuern zahlen, Kinder zur Welt gebracht, Familien gegründet haben. Ihre Kinder wurden in den USA geboren, damit sind sie US amerikanische Staatsbürger. Trumps radikale Abschiebungspolitik bedeutet nun das Auseinanderreißen von vielen Familien.

In Atlanta, Chicago, New York, dem Großraum Los Angeles, in North Carolina und South Carolina gingen die ICE Beamten gegen Immigranten vor. Aber auch aus Florida, Kansas, Texas und Virginia wurden Kontrollen der Einwanderungspolizei vermeldet. An Arbeitsplätzen und auch in Privatwohnungen wurden vor allem Männer aufgegriffen und in Abschiebehaft gebracht, in manchen Fällen direkt über die Grenze nach Mexiko abgeschoben. In den Latino Nachbarschaften im ganzen Land wächst derzeit der Unmut und die Angst. Die Zugriffe der ICE sind eine deutliche Abkehr von der Politik Barack Obamas. Der ließ zwar auch Tausende von illegalen Einwanderern nach Mexiko abschieben, allerdings konzentrierte man sich auf die tatsächlich Kriminellen, wie Gang Mitglieder.

Unterdessen tönt Donald Trump, dass die Berechnungen des eigenen Heimatschutzministeriums zum Bau der Mauer viel zu hoch seien. Die Behörde geht von einem Preis von 21,6 Milliarden Dollar aus, die für die Errichtung der Mauer an der Grenze zu Mexiko eingeplant werden müssten. Auch würde das Bauvorhaben etwa dreieinhalb Jahre dauern. Trump twitterte, das stimme hinten und vorne nicht, denn bislang habe er weder etwas zum Design der Mauer gesagt, noch direkt in die Verhandlungen eingegriffen. Und er sei ja bekannterweise der beste „Dealmaker“ überhaupt.

 

Es sind nicht nur die „Bad Hombres“, die gehen müssen

Donald Trump und Mexiko. Das ist ein nunmehr schwieriges Kapitel in der Beziehung beider Staaten. Monatelang hat Trump im Wahlkampf gegen den südlichen Nachbarn gewettert. Mexiko schicke nicht seine besten Leute, sondern Kriminelle, Vergewaltiger und ein paar seien sicherlich auch gute Menschen, meinte Trump. Damit war die Basis für einen nicht gerade produktiven Dialog gelegt. Mit der Wahl des New Yorker Milliardärs zogen dunkle Gewitterwolken am Rio Grande auf.

Eigentlich müssten beide Länder miteinander auskommen und auch die Grenzprobleme lösen, die es tatsächlich zuhauf gibt. Da ist die illegale Einwanderung in die USA, da ist der Fluß von Drogen aus Mexiko in die USA, da ist der Fluß von illegalen Waffenlieferungen aus den USA nach Mexiko. Beide Länder sind kulturell, gesellschaftlich und wirtschaftlich eng verbunden. Sie müssen miteinander auskommen, zum Wohle beider Staaten.

Doch Donald Trump verprellt mit seinem „America First“ Gegröle den mexikanischen Partner. Präsident Enrique Peña Nieto kann politisch gar nicht anders, als ablehnend auf Donald Trump zu reagieren. Welcher Präsident könnte es sich innenpolitisch erlauben, einfach so einen Milliardenscheck für ein anderes Land auszustellen, mit dem ein Projekt gegen das eigene Land finanziert werden soll. Angela Merkel würde sicherlich nicht zustimmen, wenn die Schweiz ganz populistisch eine Mauer an ihrer Grenze zu Deutschland zum Schutz vor den vielen deutschen Wissenschaftlern und Ärzten bauen und diese auch noch von Berlin bezahlt bekommen möchte. So unsinnig ist Donald Trumps Forderung.

Der sieht sich jedoch im Recht, verweist darauf, dass er nun als Präsident genau das umsetzen will, was er als Kandidat versprochen hat. Den totalen Blödsinn in jeglicher Hinsicht, denn neben der Mauer hatte Trump auch versprochen, all die „Bad Guys“ und „Bad Hombres“, mexikanische Kriminelle, die illegal in den USA sind, umgehend auszuweisen. Schon in seiner ersten Amtswoche unterschrieb er deshalb ein Dekret, mit dem weitreichend die Abschiebung von illegalen Einwanderern ermöglicht werden kann. Allerdings hat er da nicht nur die „Bad Hombres“ im Blick, sondern etwa acht Millionen Menschen, die schwarz ins Land kamen und hier blieben. Ja, sie alle haben amerikanisches Recht gebrochen, in dem sie ohne Visa und Aufenthaltsgenehmigung gekommen und geblieben sind.

Das Internierungslager „Crystal City“ in Texas. Amerika läuft Gefahr alte Fehler neu zu machen.

Trump schmeißt sie alle, egal ob Vergewaltiger, Gang Mitglied, Mörder oder hart arbeitende Familienväter und -mütter mit Kindern in einen Topf und den will er südlich der Grenze ausleeren. Wer illegal hier ist, so Trump, muß abgeschoben werden. Acht Millionen Menschen sind von Donald Trumps Unterschrift betroffen. Schon bald könnte es zu weitreichenden Kontrollen, die Errichtung von Abschiebelagern und Massenabschiebungen kommen.

Das wiederum hätte dramatische Folgen für die USA. Wirtschaftlich und auch gesellschaftlich. Denn der Großteil der illegalen Einwanderer geht einem normalen Job nach, zahlt Steuern und auch in die Krankenversicherungs- und Pensionskassen ein. Weite Teile der USA sind Latino dominiert. Allein im Großraum Los Angeles sollen eine Million illegale Einwanderer leben. In einer Stadt, in der man heutzutage schon mehr Spanisch als Englisch spricht, in der über die Hälfte der Bewohner Latino Wurzeln hat.

Gesellschaftlich würde eine Massenabschiebung auch das Zerreissen von Familien bedeuten, denn viele der Kinder sind hier in den USA geboren und damit amerikanische Staatsbürger. Oder die USA unter Donald Trump erneut US Staatsbürger abschieben. Auch das ist nicht undenkbar, denn so etwas gab es bereits in der Geschichte der USA. Arthur Jacobs kann davon berichten. Seine Familie wurde nach dem zweiten Weltkrieg nach Deutschland abgeschoben, obwohl er und sein Bruder in den USA geboren wurden und somit US Pässe hatten. Jacobs Vater war weder Saboteur noch Nazi, er geriet als deutscher Immigrant nach dem Angiff auf Pearl Harbor einfach ins Visier des FBI, die gesamte Familie wurde ins Internierungslager nach Crystal City, Texas, gebracht. Über seine Geschichte und diesen Teil der deutsch-amerikanischen Geschichte berichtet Arthur Jacobs ausführlich auf seiner Webseite foitimes.com.

Amerika unter Donald Trump hat einen gefährlichen Weg eingeschlagen. Die historischen Vergleiche werden in vielen Berichten, teils populistisch übertrieben, teils durchaus begründet, gezogen. Allein das sollte zu denken geben, wenn die Gefahr besteht, dass sich Geschichte wiederholen könnte.

Das gewollte Chaos des Mister Trump

Eine Woche im Amt, dann kam der große Knaller. Zuvor hatte King Donald I schon mehrfach per Dekret wichtige politische Entscheidungen seines Vorgängers Barack Obama ausgebremst und ausgehebelt. Trump wollte schnell einen neuen Ton in Washington setzen.

Und dann am vergangenen Freitag die umstrittenste aller Entscheidungen, Menschen aus Somalia, Sudan, Iran, Irak, Syrien, Jemen und Libyen voerst die Einreise in die USA zu verweigern. Ein Einreiseverbot für Muslime meinten die einen. Ein Einreiseverbot für „radical islamic terrorists“ argumentierte Trumps Umfeld, so, als ob sich Terroristen ordnungsgemäß an Pass- und Visagesetze und die Formalitäten des internationalen Luftverkehrs hielten.

Foto: Reuters.

Donald Trump und seine Gehilfen fegen durch Washington ohne Rücksicht auf Verluste. Alles wird in Frage gestellt, Geschichte wird umgeschrieben, Verträge gekündigt, Freundschaften beendet. Nach außen wirkt alles stümperhaft, nicht durchdacht, überhastet, ohne Plan. Doch Trump und seine Berater haben einen Plan, den haben sie schon im Wahlkampf deutlich gemacht. Sie wollen Amerika neu ausrichten und das mit einer Chaos-Strategie. Trump twittert weiter, wettert und hetzt gegen Demokraten, Medien und alle, die sich ihm in den Weg stellen, darunter auch namhafte Republikaner wie die Senatoren John McCain und Lindsey Graham.

Es sieht nach Unvermögen aus, das Ziel nicht erkennbar. Trump hat jedoch in diesen Tagen das Ziel fest vor Augen. Er will seine Basis stärken, verbreitet dafür Falschmeldungen, und alles was über ihn, seine Entscheidungen und Absichten berichtet wird, bezeichnet er als „Fake News“. Auf seinem Haussender FOXNews haben sich so einige Moderatoren, allen voran Sean Hannity, zu Bütteln des neuen Kaisers gemacht. Trump schafft bewußt Unruhe, will die Gesellschaft spalten und so seine Gefolgschaft ganz auf sich ausrichten. Was er sagt stimmt, was die anderen sagen ist falsch. Gegenfragen sind nicht erlaubt und werden als unerlaubte Kritik am „Big Man“ gesehen.

Die Trump-Anhänger jubeln, endlich einer, der in Washington aufräumt, durchgreift, seine Wahlversprechen einlöst. Zumindest sieht es danach aus, doch Trump kann nicht auf Dauer per Dekret regieren. Was er aber schafft ist, er zeigt mit ausgestrecktem Finger auf den Kongress und schiebt den Abgeordneten und Senatoren die Schuld zu: „Ich würde ja gerne machen, aber die unterstützen mich nicht“. Die Mauer muß gebaut, der Umweltschutz beendet, Unternehmen gezwungen, Terroristen die Einreise in die USA versperrt werden. America First!

Noch jauchzen die Trumpschen Chöre, denn bislang betrifft sie nicht das, was er umsetzt. Die „New York Times“ und „Washington Post“ lesen sie nicht, CNN schauen sie nicht, die Mauer stört sie nicht, eine Ölpipeline durch Reservate geht sie nichts an, Hauptsache das Benzin wird billiger. Flüchtlinge aus Somalia und Syrien kennen sie nicht. Von daher „Make America Great Again“, „Hire American, Buy American“. So sehr ich mich vor diesem Vergleich auch scheue, all das erinnert mich an die Worte von Pastor Martin Niemöller:

Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist. Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat. Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschafter. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“

Genug des Abwartens

Nach dem überraschenden Wahlsieg von Donald Trump hieß es überall, man solle doch einfach mal abwarten, wie Trump sich als Präsident gibt. Der Wahlkämpfer Trump werde sicherlich nicht ins Weiße Haus einziehen, seine politischen Ideen und Versprechen werde er sicherlich nicht so umsetzen, wie er sie provokant vom Rednerpult posaunte, hieß es allerortens.

Es ist noch keine Woche vergangen seitdem Donald Trump seinen Amtseid gesprochen hat und die Zeichen stehen auf Sturm. Niemand braucht mehr abzuwarten. Trump macht deutlich, dass er in seiner Welt bleiben will und die verheisst nichts Gutes. Zumindest für die Mehrheit der Amerikaner, die nicht für ihn gestimmt hat und für diejenigen Wähler, die ihm ihre Stimme gegeben haben und sehr bald merken werden, wen und was sie da unterstützt haben.

Im gestern ausgestrahlten Interview mit ABC News antwortete er, gefragt auf seine umstrittene Rede in der CIA Zentrale am vergangenen Samstag: „Diese Rede war ein Home Run. Schauen Sie was Fox berichtete. Sie sagten, es war eine der großartigsten Reden. Sie zeigten die Leute jubelnd und applaudierend…ich habe stehende Ovationen bekommen. Tatsächlich sagten sie, es war die größte stehende Ovation seit Peyton Manning den Super Bowl gewonnen hat, und sie meinten, das wäre gleich gewesen. Ich habe stehende Ovationen bekommen. Sie dauerten eine sehr lange Zeit an. Ihr habt sie wahrscheinlich auch live gebracht. Ich weiß, wenn ich gute Reden halte. Ich weiß, wenn ich schlechte Reden halte. Diese Rede jedoch war ein totaler Home Run. Sie liebten sie…die Leute liebten sie. Sie haben mir dafür sehr lange stehende Ovationen gegeben. Sie setzten sich während der Rede noch nicht mal hin, die meisten von ihnen. Da war Liebe im Raum. Sie und andere Networks haben das ganz falsch wiedergegeben….Diese Rede war eine gute Rede. Und Sie und ein paar andere Networks haben versucht, diese Rede herunterzuspielen. Und das war sehr, sehr bedauerlich, dass sie das taten“

Keiner will eine durchgehende Mauer bauen…700 Meilen Doppelzaun stehen schon an der Grenze zu Mexiko.

Wer bitte redet so, wenn er nicht total selbstverliebt ist, sich selbst als Retter, Halbgott, als größten Amerikaner aller Zeiten sieht? Donald Trump scheint krankhaft narzisstisch zu sein, das wird immer deutlicher. Kritik, auch wenn sie nur ganz leicht ist, nimmt er persönlich und als Unterminierung an. Die Debatte um die Zuschauermenge bei seiner Vereidigung vor einer Woche will nicht abnehmen. Trump behauptet weiterhin, dass es die größte Menschenansammlung bei einer Inaugaration überhaupt gewesen sei. Und er hätte problemlos auch die meisten Stimmen bei der Wahl gewinnen können, wenn nicht fünf Millionen ungültige Stimmen gezählt worden wären. Beweise dafür gibt es keine. Trump sagt es, damit ist es – zumindest für ihn – Fakt. Nicht nur Hillarys Ergebnis sei somit falsch, auch die Wahlergebnisse von Barack Obama seien gefälscht worden, so Trump im ABC Interview.

Unterdessen arbeitet der neue Präsident seine Wahlkampfversprechen ab. Eine Aushöhlung der Gesundheitsreform, die Wiederaufnahme verschiedener Pipelinevorhaben, die Streichung von Umweltschutzmaßnahmen und -regularien, der Beginn der „Mauer“ an der Grenze zu Mexiko, Drohungen an Regierungen, Unternehmen, Andersdenkende. Und Trump tritt außenpolitisch so richtig markant auf. Die US Botschaft soll von Tel Aviv nach Jerusalem verlegt werden, internationale Verträge läßt er streichen und mit Mexiko beginnt ein offener Schlagabtausch. Am Mittwoch verkündete Trump seinen Mauerbau, dafür unterschrieb er ein präsidiales Dekret. Der amerikanische Steuerzahler wird ersteinmal zur Kasse gebeten, die Mexikaner werden später auf Umwegen für das Bauwerk blechen. Der republikanisch dominierte Kongress zog nach und will das Geld für das umstrittene Bauprojekt finden. Daraufhin erklärte der mexikanische Präsident Enrique Peña Nieto, Mexiko werden nie für diese „Wall“ zahlen, er werde unter diesen Voraussetzungen auch nicht zu einem geplanten Treffen mit Donald Trump nach Washington kommen. Trump sieht sich verletzt und meinte am Donnerstagmorgen per Twitter, wenn Mexiko nicht zahlen will, dann sagt er das Treffen mit Nieto ab. Er will somit nicht als der dastehen, der eine Abfuhr erhielt.

Trump walzt durch Washington DC. Und so einige hohe Beamte geben auf, ziehen sich zurück, reichen ihre Kündigung ein. Betroffen ist nun auch das State Department. Gleich die ganze Führungsriege im Außenministerium hat die Brocken hingeschmissen. Das ist ein Problem für die neue Administration, wie David Wade erklärt, der Stabschef unter Außenminister John Kerry war: „Die Erfahrungen in der Sicherheit, dem Management, der Verwaltung und besonders im konsularischen Bereich sind sehr schwer zu replizieren und nur sehr schwer im privaten Sektor zu finden.“ Auch aus anderen Ministerien werden Abgänge gemeldet, gerade da, wo es um den Umweltschutz und die Wissenschaft geht. Die Trump-Adminstration macht sich in diesen Tagen alles andere als Freunde in den Führungsreihen der Regierung. Und wir haben noch nicht mal eine Woche hinter uns.

 

 

 

Wir bauen uns eine Mauer

3201 Kilometer ist die Grenze zwischen den USA und Mexiko lang. Sie reicht vom Pazifik bis zum Golf von Mexiko. Und genau hier will Donald Trump bauen lassen. Ganz so, wie er es versprochen hat. Eine Mauer soll es sein, eine schöne und hohe und auch eine sündhaft teure. Eigentlich, so hat es Trump im Wahlkampf versprochen, sollten ja die Mexikaner das gesamte Bauwerk finanzieren, aber die Realität sieht manchmal eben anders aus.

Denn die Mexikaner zieren sich und wollen keinen Milliardendollarscheck ausstellen. Das ist verständlich, denn Schätzungen gehen davon aus, dass das Trump’sche Mauerwerk mindestens 12 Milliarden Dollar kosten wird. Experten der Baubranche sprechen sogar von möglichen 38 Milliarden Dollar. Die Republikaner im Kongress wollen dennoch ernst machen und prüfen derzeit schon, wie dieses Grenzprojekt finanziert werden kann. Woher das Geld nehmen, wenn der südliche Nachbar doch nicht so bereitwillig zahlen will? Die Demokraten fragten deshalb auch gleich nach, wo die konservativen Kollegen denn die Dollars für die „greatest wall“ hernehmen wollen? Vielleicht aus dem Bildungshaushalt, von den Infrastrukturförderprogrammen abzweigen oder gar aus dem Wehretat?

Am Ende könnte der amerikanische Steuerzahler für Donald Trumps Wahlversprechen geradestehen. Der will davon allerdings nichts hören und twitterte in bekannter Weise, dass die Medien mal wieder nicht die Wahrheit berichten würden. Mexiko werde schon für die Mauer zahlen, wenn nicht gleich und in bar, dann eben später und mit Druck. Trump will also von seinem Irrsinnsplan nicht ablassen, denn die Grenzsicherung ist und bleibt ein wichtiges politisches Thema in den USA. Hunderttausende illegale Grenzgänger werden Jahr für Jahr von der Border Patrol aufgegriffen. Das etwas zur Grenzsicherung getan werden muss, darüber sind sich in Washington alle einig. Nur Trumps Bild einer „Berliner Mauer“ zu Mexiko wollen nicht alle mittragen. Die große Frage ist nun, kann sich der neue Präsident mit diesem, seinem größten Wahlversprechen durchsetzen und das so, wie er es möchte? Hoffen wir mal nicht.

Denk‘ ich an Amerika in der Nacht…

Donald Trump will die Mauer. Eine schöne Mauer soll es sein, sagt er, seine Anhänger jubeln. Trump sieht das und labt sich an der Reaktion der Menge und setzt noch einen drauf. Die Mauer, so Trump, werde eine hohe sein, so eine, über die man nicht einfach klettern kann. Und wieder jubelt die Menge, Trump freut es.

Donald Trump winkt der Menge am Ende eines Auftritts. Foto: Reuters.

Ein wahrlich blödes Bild, dass einem da im Wahlkampf immer und immer wieder über die Mattscheibe beschert wurde. Ich ertappte mich oft dabei, dass ich glaubte, das kann doch nicht wahr sein. Irgendwann werde Trump sagen: Alles nur Verarsche. Ihr seid wirklich doof, dass Ihr glaubt, ich meine das ernst. Aber leider kam es nicht so. Trump gewann die Wahl mit seinen platten Sprüchen, fiesen Attacken und absoluten Hirngespinsten, die, das muss man betonen, wahrlich unamerikanisch sind.

Und nun? Und nun sind viele in diesem Land paralysiert. Wie geht es weiter unter einer Trump-Administration? Die Zeichen sind alles andere als beruhigend. Trump hat eine Garde zusammengestellt, die nichts Gutes verspricht. Zumindest nicht für jenen Teil Amerikas, die nicht für seine (Un)Werte stehen. Und das ist die Mehrheit. Trump macht da weiter, wo er im Wahlkampf aufgehört hat. Er beschimpft, pöbelt und schikaniert. Sogar große Unternehmen, wie GM und Ford, sind vor ihm nicht sicher. Natürlich ist es gut, wenn solche Firmen nicht ins Ausland gehen, hier weiter produzieren und Arbeitsplätze halten. Doch die Art und Weise, wie Trump das durchzieht ist besorgniserregend. Er droht und das über Twitter in 140 Zeichen. Damit setzt er den Ton für seine Amtszeit.

Was dieser Mann, den man durchaus als „Bully-President“ bezeichnen kann, vergisst, ist, dass er mit seiner Androhung Arbeitsplätze aus Mexiko zurückzuholen eine neue Flüchtlingswelle entstehen lässt. Der Norden Mexikos ist der Hinterhof der US amerikanischen Wirtschaft. Hier produzieren fast alle Unternehmen mit Hauptsitz USA, produzieren billig, was die Aktionäre und die Konsumenten gleichermaßen verlangen. Die Arbeitslosigkeit in diesem Teil Mexikos ist niedrig. Trump fordert nun neben seinem Mauerbau auch, dass die amerikanischen Unternehmen wieder nördlich der Grenze ihre Produkte herstellen sollen. Was das zur Folge hätte wäre ein Anstieg der Arbeitslosigkeit südlich der Grenze und damit der Beginn einer breiten Flüchtlingsbewegung Richtung Norden. Trump könnte zwar mit seinen groben Armdrückermethoden aus Zöllen, Tarifen und schlechter Presse die US Firmen unter Druck setzen, doch letztendlich würde er damit die Probleme in der Region nur vergrößern. Amerika kann und darf nicht isoliert betrachtet werden, wie das Donald Trump macht. „America first“, „Let’s make America great again“ sind ein deutlicher Wandel von „Hope“ und „Change“ und „I believe“ der nun abgelaufenen Obama-Jahre. Die USA sind Teil Nordamerikas, Donald Trump sollte das endlich begreifen.

„Ich habe den Krieg mit der Schweiz abgewendet“

Auf uns kommen wirklich harte Zeiten zu. Das was hier in den YOU-ESSSS-AAAA passiert, erinnert mehr und mehr an den Hollywood Spielfilm „Wag the dog“. Am Donnerstagabend twitterte der gewählte US Präsident, Donald Trump, dass er gerade vom Präsidenten des Autoherstellers Bill Ford einen Anruf erhalten habe. Das Lincoln-Modell, produziert in Kentucky, wird auch weiterhin dort gebaut werden. Die Fabrik wird nicht nach Mexiko verlagert:

Wenige Minuten später kam noch ein Tweet des 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Darin erklärt er, er – Donald Trump – habe hart mit Bill Ford daran gearbeitet, die Produktionsstätte in Kentucky zu halten. „Ich war das dem großartigen Staat Kentucky schuldig, die überragend an mich glauben“. Trump hatte bei der Wahl 62,5 Prozent der Wählerstimmen in Kentucky erhalten:

Einziges Problem bei dieser Geschichte ist, die Fabrikhallen in Kentucky waren nie gefährdet. Ford hatte überhaupt keinen Plan, die Produktion nach Mexiko zu verlagern und Arbeitsplätze in Kentucky abzubauen. Trump präsentiert sich dennoch als Macher. Man kann gespannt sein, welche Wohl- und Wundertaten Donald Trump erst schaffen wird, wenn er denn im Oval Office sitzt. Wahrscheinlich verhindert er den drohenden Krieg mit der Schweiz, den Literaturnobelpreis für seine Tweets lehnt er dankend ab, die Mauer müsse nicht gebaut werden, weil Mexiko zugestimmt habe keine Vergewaltiger mehr zu schicken, der Klimawandel sei mit seiner Amtsübernahme in guten Händen, da er einen neuen Vertrag mit Mutter Natur über die steigenden Ozeane aushandeln wird.

Donald Trump war und ist ein Schüler Münchhausens. Seine Lügengeschichten könnten eigentlich mehr als unterhaltsam sein, wenn es nicht die bittere Realität wäre, in der ich hier drüben lebe. Man kann gespannt sein auf Präsident Trump, ab 2017 grüßt sein Bild dann auch auf jedem internationalen Flughafen die ankommenden Besucher: „Welcome to Trump-Country“.

Der Kartellkrieg beginnt erneut

      Drogenkartellkrieg in Ciudad Juarez
Ein erneuter Drogenkartellkrieg beginnt in Juarez. Foto: Reuters

Ein erneuter Drogenkartellkrieg beginnt in Juarez. Foto: Reuters

Es geht wieder los. 257 Morde in den ersten acht Monaten dieses Jahren, 47 davon allein im August, so viele in einem Monat, wie seit dem Dezember 2013 nicht mehr. Die mexikanische Grenzstadt Ciudad Juarez steht erneut vor einem Drogenkartellkrieg. Die Verhaftung von Joaquin ‚El Chapo‘ Guzmán, dem Boss des Sinaloa Kartells, hat zu einer Aufspaltung der eigenen Reihen und zu einem Erstarken verfeindeter Kartelle geführt. Nach dem brutalen Straßenkrieg vor ein paar Jahren (Audio-Feature oben) war die Nachbarstadt von El Paso fest in der Hand von Guzmáns Gruppe. Doch nun, nach dessen Festnahme, hat sich das Sinaloa Kartell gespalten, mehrere Fraktionen kämpfen um die Führungsrolle innerhalb des Drogenimperiums.

Und diese Bauchnabelschau nutzen andere Gruppen, um das Sinaloa Kartell herauszufordern. Allen voran das wiedererstarkte Juarez Kartell, das die wichtigen Wege in den größten Drogenmarkt der Welt, die USA, zurück gewinnen will. 47 Morde in einem Monat deuten auf den Beginn eines neuen Blutbades hin. Es geht um Macht, um Geld, um Einfluß. Und nichts wird die Gangs und Kartelle da aufhalten. Schwerbewaffnet suchen sie den Kampf mit ihren Kontrahenten und mit der Polizei. Die sieht sich derzeit einer Armee gegenüber, bestens ausgerüstet, bereit für einen erneuten Straßenkrieg. La Linea ist die Einsatztruppe des Juarez Kartells. Im April wurde eine Zelle der Bande ausgehoben, die Polizei fand zahlreiche Sturmgewehre und sogar eine Flugabwehrrakete. Seitdem sind die offiziellen Stellen in der Grenzstadt gewarnt.

Ciudad Juarez hatte sich langsam vom blutigen Straßenkrieg der Kartelle zwischen 2009 und 2011 erholt. Damals starben nahezu 10.000 Menschen im Kampf um die Drogenwege Richtung Norden. Die einstige Party-Stadt Juarez wurde in dieser Zeit zur gefährlichsten Stadt der Welt. Touristen und Besucher blieben weg, Restaurants, Kneipen wurden geschlossen, das öffentliche Leben fand nicht mehr statt. Nach Einbruch der Dunkelheit glich Juarez einer Geisterstadt. Nach dem blutigen Sieg des Sinaloa Kartells nahmen auch die Morde ab. In den letzten Jahren erholte sich Juarez, die Menschen genossen in vollen Zügen den „Mexian Way of Life“. Damit scheint nun wieder Schluß zu sein. Die nächste Welle der nicht endenwollenden Gewalt rollt heran. Ausgang und Länge noch ungewiss.

Der Präsident im Verschwörungstheoretikerclub

Hitler lebt noch, die Mondlandung gab es nie, die Außerirdischen sind unter uns. Und hinter allem steckt die geheime Weltregierung, die uns nicht die Wahrheit sagen will. Ich weiß nicht, wie Donald Trump die gerade genannten Beispiele bewertet, aber er ist mit Sicherheit einer der größten Verschwörungstheoretiker, dem zugehört und auch noch applaudiert wird.

Donald Trump weiß auf alles eine Antwort. Foto: AFP.

Donald Trump weiß auf alles eine Antwort. Foto: AFP.

Trumps Wahlkampf ist von unzähligen unsäglichen Theorien durchzogen. Nach wie vor glaubt er nicht, dass Barack Obama in den USA geboren wurde. Man erinnere sich an die Geburtsurkundenepisode von 2008. Doch das ist nur ein kleiner Nebenschauplatz für Donald Trump. Er hinterfragt alles, auch wenn es noch so absurd ist. Der König der Tweets erklärte: „Die USA müssen sofort alle Flüge aus EBOLA infizierten Ländern stoppen oder die Seuche wird sich innerhalb unserer Grenzen ausbreiten. Sofort!“. Danach dann die Ergänzung: „EBOLA verbreitet sich leichter als CDC und Regierungsvertreter zugeben“. CDC sind die „Centers for Disease Control“, eine Einrichtung für die öffentliche Gesundheit in den USA. Trump will hart durchgreifen, auch wenn das bedeutet hätte, dass keine Hilfsflüge mehr für die Menschen in Guinea, Sierra Leone und Liberia möglich gewesen wären. EBOLA hätte sich ungebremst ausbreiten können.

Das ist nicht der einzige Fall, in dem der Immobilienmogul Trump den Wissenschaftlern und Experten Unvermögen, Unkenntnis und Untätigkeit vorwirft. „Ein gesundes Kind geht zum Arzt, wird vollgepumpt mit mehren Spritzen an Impfstoffen, fühlt sich danach nicht gut und anders – Autismus“, so Trump auf der Wahlkampfbühne. „Die Ärzt lügen.“ „So viele Leute mit autistischen Kindern haben mir gedankt – unglaubliche Resonanz. Sie wissen es besser als gefälschte Berichte“.

Donald Trump weiß es einfach besser, er weiß es immer besser, er hat auf alles und auf jeden eine Antwort. Und sei sie noch so balla-balla. Die mexikanische Regierung schicke „die ganz schlimmen Verbrecher über die Grenze, denn sie wollen nicht selbst dafür zahlen“, meinte er und führt als Quelle seiner Information Grenzbeamte an, „die lieber nicht namentlich genannt werden wollen“.

Sowieso hat der Millardär kein Problem dubiose Quellen für seine Verschwörungstheorien anzugeben. So erklärte er im Wahlkampf, „Tausende von Moslems“ hätten von New Jersey aus, jubelnd den einstürzenden Türmen des World Trade Centers zugesehen. Diese Information habe er von der Webseite Infowars, die von Alex Jones geführt wird, einem der größten Verschwörungstheoretiker in den USA. Jones meint ganz offen, dass die US Regierung selbst hinter den 9/11 Anschlägen steht. Trump ist das nicht zu doof und ergänzte sogar, im Falle seines Wahlsieges werden wir alle „erfahren, wer wirklich das World Trade Center zum Einsturz gebracht hat“.

Trump kommentiert alles und immer mit einem Fragezeichen am Ende. Zum Tod des politisch eher rechts orientierten Verfassungsrichters Antonin Scalia bestach der Donald mit seiner eigenen Sicht der Dinge: „Sie sagen, man habe ein Kissen auf seinem Gesicht gefunden, was ein ziemlich ungewöhnlicher Ort ist, ein Kissen zu finden“. Hinter diesem Satz steckt die Anschuldigung, dass liberale Kräfte im Land, dem verhassten Verfassungsrichter das frühzeitige Ende gebracht haben. Egal, ob die Ermittlungen der Polizei und des FBI zu einem anderen Ergebnis kommen und von einem natürlichen Tod sprechen.

Donald Trump will Amerika wieder „great“ machen. Falls er wirklich den Sprung ins Oval Office schaffen sollte, dann werden die kommenden Jahre mehr als „unterhaltsam“. Als Korrespondent wird es mir dann mit Sicherheit nicht langweilig werden.

„The most dangerous place in the world“

Ich war in der mexikanische Grenzstadt Ciuadad Juarez zu Fuß unterwegs, als dort im Jahr 3600 Menschen ermordet wurden.

      Besuch in Ciudad Juarez

Mit der Bundeswehr war ich zweimal in Afghanistan. Nach der Landung in Kunduz bekam ich gleich eine kugelsichere Weste und einen Stahlhelm verpasst, im gepanzerten Fahrzeug ging es die kurze Strecke vom Flughafen in die Kaserne der Deutschen. Ich reiste in den Ostkongo, um über die dortige Krise zu berichten, sprach im Rebellengebiet der M23 mit dem Präsidenten, während vor der Tür bewaffnete Soldaten mit Maschinengewehren und Raketenwerfern standen.

      Besuch im Ostkongo

Es ging in den Tschad. Im Süden des Landes herrschte eine Flüchtlingskrise, das Chaos aus der benachbarten Zentralafrikanischen Republik drohte in den Tschad überzuschwappen.

      Besuch im Tschad

Dann ging es nach Somalia, ans Horn von Afrika. Einen funktionierenden Staat gibt es dort nicht mehr, seit 25 Jahren ist das Land gespalten, Teile versinken im Chaos, werden von Terrorgruppen, wie der Al-Shabaab Miliz, tyrannisiert.

      Besuch in Somalia

Ach ja, und hier drüben war ich auch mal in Los Angeles unterwegs, um dort auf Spurensuche nach den Gangs zu gehen, denn LA gilt als die Hauptstadt der Banden und kriminellen Organisationen in den USA.

      Besuch in Los Angeles
Donald Trump redet mal wieder Unsinn. Foto: Reuters.

Donald Trump redet mal wieder Unsinn. Foto: Reuters.

Das sind nur ein paar der „Reiseziele“, die ich in den letzten Jahren angesteuert habe. Waffen, Gewalt, Not und Elend gab es auf all diesen Trips zu sehen. Doch anscheinend hätte ich für den „Nervenkitzel“ gar nicht so weit fahren müssen, denn der angehende republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump erklärte nun in seiner allumfassenden Kenntnis des amerikanischen Alltags in einem Interview mit der New York Times: „There are places in America that are among the most dangerous in the world. You go to places like Oakland, or Ferguson. The crime numbers are worse. Seriously.“ Oakland ist, laut Trump, also vergleichbar mit den Krisenherden dieser Welt.

Was stimmt, meine neue Heimatstadt in Kalifornien hat ein Gewaltproblem. Die FBI Statistik für 2014 belegt, dass es in dem Jahr 6900 Gewaltverbrechen in Oakland gab, darunter 80 Morde. Doch das ist nichts besonderes für die USA. Vergleichbare Städte, wie Miami oder New Orleans, liegen noch darüber. Oakland ist also nicht gefährlicher als andere US Städte.

Die Reaktion in Oakland ließ nicht lange auf sich warten. Bürgermeisterin Libby Schaaf, geboren und aufgewachsen in Oakland und eine erklärte Hillary Clinton Unterstützerin, twitterte und postete diese Nachricht auf facebook: „Let me be clear, regarding @nytimes story, the most dangerous place in America is Donald Trump’s mouth.“ Dazu muß ich glaube ich nichts mehr hinzufügen!