Der fehlerlose Trump

Donald Trump dreht sich die Welt, wie sie ihm gefällt. Sogar den Tod von vier US Soldaten im Niger will Trump für sich nutzen. Erst reagiert er gar nicht darauf, kein Ton an die Öffentlichkeit und schon gar nicht an die Angehörigen, wartet 12 Tage ab, um dann auf die Frage eines Reporters zu antworten, dass er das sowieso viel besser mache als Barack Obama und all seine Vorgänger. Er schreibe Briefe an die Hinterbliebenen, manchmal rufe er auch an, aber er mache viel mehr und alles viel besser als alle Präsidenten vor ihm. Ist klar! weiter lesen

Das ewige Vietnam

Amerika im Krieg. Im Abendprogramm des öffentlichen Sender PBS läuft derzeit „The Vietnam War“. Eine 18stündige Dokumentation, an der der Filmemacher Ken Burns zehn Jahre lang arbeitete. Eine unglaubliche, umfangreiche Sammlung an Stimmen, Archivmaterial, Videos, Fotos, Geschichten. Es wird der Zusammenhang und das Gesamtbild eines Krieges erklärt und erzählt, wie es besser nicht sein könnte. Schockierende Bilder neben aufwühlenden Interviews. Auch 50 Jahre nach den Ereignissen in Südostasien bewegen die Bilder. weiter lesen

Die Geister, die man rief

Thomas J. Brennan war ein US Marine, Finbarr O’Reilly ein Fotograf für die Nachrichtenagentur Reuters. Sie trafen sich auf einem Außenposten des US Militärs irgendwo im Niemandsland von Helmand, Afghanistan. Ein ungleiches Paar, hier der Soldat, da der Fotograf. Der Krieg brachte sie zusammen. Anfangs war da Mißtrauen, doch das wich im Laufe der Zeit. Brennan und O’Reilly wurden Freunde.

Was sie vor allem jedoch verbindet ist das, was sie aus den Kriegseinsätzen mit zurück in ihr Leben brachten, was sie nicht mehr los läßt. Bilder des Schreckens, traumatische Erlebnisse, PTSD (Post Traumatic Stress Disorder) und im Fall von TJ Brennan eine Hirnverletzung nach einem Bombenanschlag. Beide Männer, nach außen hin die harten Kerle, mussten nach ihrer Rückkehr aus den Kampfgebieten ihr Leben neu ordnen und finden.

In dem gemeinsamen Buch „Shooting Ghosts“ beschreiben O’Reilly und Brennan ihren Kampf. Anfangs die Suche nach Antworten, ihr Unvermögen, das zu erkennen, was sie durch ihre Erfahrungen geprägt, was folgenreiche Spuren in ihrem Leben hinterlassen hat. Das Militär geht davon aus, dass die Soldaten zurück kommen und wer keine sichtbaren Verletzungen hat, soll sich zusammen reißen und weiter marschieren. Das ist das Credo der Marines. So beschrieb es schon General George S. Patton 1943: „It has come to my attention that a very small number of soldiers are going to the hospital on the pretext that they are nervously incapable of combat. Such men are cowards and bring discredit on the Army and disgrace to their comrades who they heartlessly leave to endure the danger of a battle which they themselves use the hospital as a means of escaping.“ Und was Patton vor über 70 Jahren sagte, hat heute noch immer seine Gültigkeit bei den Truppen. Viele Soldaten trauen sich nicht über das zu reden, was sie erlebt haben, anzusprechen, dass sie nach massiven Gehirnerschütterungen Probleme im Alltag haben, in ihrem Job, im Umgang mit anderen, mit ihren Familien. Wer Hilfe sucht, wird zu oft fallen gelassen, auch heute noch. „We support our troops“, dieser hehre, allgegenwärtige Spruch in den USA wird zum Hohn. Das erlebte TJ Brennan selbst.

Für Finbarr O’Reilly ist es nicht viel anders. Er kam „heil“ aus den Kriegen zurück, über die er berichtete, doch die Negative seiner Bilder brannten sich in sein Gedächtnis ein. Tod, Leid, Elend, Sinnlosigkeit, Todesangst, Hoffnungslosigkeit, wer all das erlebt und sieht und das immer und immer wieder, der kommt an seine eigenen Grenzen, überschreitet diese, wie es O’Reilly tat. Es ist dieses zurückkommen in den Alltag, die Sinnfrage, der Mangel an Worten, das zu beschreiben, was man gesehen, erlebt, erfahren hat. Die Einsamkeit des Helden.

Beide Männer erleben und durchleben Grenzerfahrungen und müssen mit den sinnlosen Kriegen unserer Gegenwart zurecht kommen. Sie schaffen es, finden einen Weg, auch gemeinsam in diesem Buch. Und doch da gibt es kein Ende, sie sind gezeichnet für ihr Leben. Andere kämpfen weiter, irren durch ihren Alltag. Soldaten und Journalisten gleichermaßen.

„Shooting Ghosts“ ist ein mutiges und trauriges Buch. Es beschreibt Männer, die als Krieger ausgebildet werden, Soldaten, die in Extremsituationen einen klaren Kopf behalten, wenn es sein muss töten können. Journalisten, die an vorderster Front über genau das berichten, ihre Bilder und Reportagen werden mit Preisen gefeiert. Auch sie gelten als die harten Kerle, die keiner Gefahr aus dem Weg gehen. Dieses Buch zeigt jedoch auch die Verletzlichkeit genau dieser Männer, die eigentlich keine Schwäche zeigen dürfen. Das macht „Shooting Ghosts“ zu einem mutigen und sehr lesenswerten Bericht.

Doch die Schattenseite ist die, dass wir alle mit den Kriegen in dieser Welt leben, zu leben gelernt haben. Soldaten werden in die Schlachten geschickt, die nicht zu gewinnen sind. Journalisten versuchen in all diesem Irrsinn Sinn zu finden. Der Preis dafür sind Generationen an jungen Männern und Frauen, gezeichnet fürs Leben, in Gesellschaften, die nicht bereit sind, denen zu helfen, die sie in den Alptraum Krieg geschickt haben.

„Shooting Ghosts“, Thomas J. Brennan, Finbarr O’Reilly, Viking.

„Genug geredet“, meint UN Botschafterin Nikki Haley

Auf dem Golfplatz der 8000 Seelengemeinde in Bedminster in New Jersey wird in diesen Tagen nationale und Weltpolitik gemacht. Neben dem Golfspielen verbessert Donald Trump auch noch beim Tweeten seine Fingerfertigkeit. Da greift er die eigene Partei an, schimpft gegen Obama und Hillary und ruft so ganz nebenbei auch noch den nationalen Notstand in der Opioid-Krise aus, auch wenn dafür die Pläne noch nicht ausgearbeitet sind. Trump hatte zwar im Wahlkampf viel davon gesprochen, aber politische Strategien gab es nicht.

Und dann muss sich der Präsident am Rande des grünen Rasens tagtäglich auch noch mit dem Handicap Nordkorea befassen. Dabei steht Trump in seiner Wortwahl dem Diktator Kim Jong Un in nichts nach. Die Wortgranaten fliegen schon seit einiger Zeit zwischen der Pampa in New Jersey und Pjöngjang hin und her. Am Dienstag hatte Trump erklärt, die USA werden mit “Feuer und Wut reagieren, wie die Welt es noch nicht gesehen hat”. Am Donnerstag legte Trump noch eins drauf und meinte, dass seine Antwort auf die Provokationen aus Nordkorea wohl nicht hart genug waren. Der international isolierte Staat sollte “sehr, sehr nervös” sein. Die USA würden sich nicht länger von Nordkorea herumschubsen lassen. Drohungen gegen Amerika oder Verbündete in der Region würden nicht länger geduldet werden.

Pjöngjang hatte zuvor erneut verlauten lassen, man bereite einen Erstschlag auf die Insel Guam vor, die amerikanisches Territorium und wichtiger Militärstützpunkt für die USA ist. Guam im Visier von Nordkorea zeigt, wie vollkommen vernebelt der Machthaber in dem abgeschotteten Land ist. Die Gefahr ist wohl die, dass sich keiner in seinem Umfeld traut, dem jungen Kim zu sagen, er solle das Zündeln lieber lassen. Donald Trump unternimmt auch keinen Versuch die derzeitige äußerst angespannte Situation so entschärfen. Er drückt vielmehr Kim Jong Un in eine Ecke, aus die der nordkoreanische Diktator ohne Gesichtsverlust kaum noch herauskommen kann. Doch anscheinend ist das die Strategie von Trump. Verbal Draufhauen ohne Bedenken, das war ja auch schon seine Siegesstrategie im Wahlkampf.

Unterdessen wird deutlich, dass es im Weißen Haus einen offenen Konflikt über das weitere Vorgehen in dieser Krise gibt. Mehrere enge Berater von Donald Trump wählen den kämpferischen Ton ihres Vorgesetzten, auch und vor allem in zahlreichen Fernseh- und Radiointerviews. Außenminister Rex Tillerson und Verteidigungsminister Jim Mattis hingegen setzen weiterhin zuerst auf eine diplomatische Lösung, betonen jedoch auch, dass es militärische Pläne und Antworten auf die Provokationen Nordkoreas gebe.

Die Amerikaner selbst sind gespalten, was nun passieren soll. Obwohl der Großteil der Amerikaner Nordkorea nicht auf einer Weltkarte ausmachen kann, setzen viele auf eine militärische Lösung des Konflikts. Klar ist auch, dass Donald Trump für einen nuklearen Erstschlag keine Erlaubnis durch den Kongress benötigt. In diesem Falle wird er sich nur mit Verteidigungsminister Jim Mattis, dem Stabschef im Weißen Haus John Kelly, dem Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs General Joseph Dunford und dem nationalen Sicherheitsberater Generalleutnant H.R. McMaster kurzschließen. Vier Generale und Trump, man kann nur hoffen, dass die Militärs sich ihrer Verantwortung für Millionen von Menschen bewußt sind.

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Ein gefährliches Spielchen

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Mit “Feuer, Wut und Macht, wie die Welt es so noch nicht gesehen hat”, das waren die deutlichen Worte von Präsident Donald Trump am Dienstagnachmittag am Rande eines Events in einem seiner Golfresorts. Damit reagierte er auf die erneuten Drohungen aus Nordkorea und den Berichten der japanischen und US militärischen Geheimdienste, dass das kommunistische Regime über bis zu 60 Atomsprengköpfe verfüge.

Zuvor hatte darüberhinaus ein Sprecher in Pjönjang erklärt, man werde eine strategische und deutliche Antwort auf die Provokation weiterer Sanktionen gegen Nordkorea finden. Nachdem Trumps Worte über die Medien verbreitet wurden, kam erneut eine Drohung vom nordkoreanischen Regime. Darin hieß es, man prüfe einen Präventivschlag gegen das amerikanische Territorium auf Guam.

Das Wortduell endete vorerst am Abend. Politiker und Diplomaten in Washington, New York und Peking setzen nun alles auf eine Deeskalation der Lage. Wie weit Donald Trump hier und der nordkoreanische Befehlshaber Kim Jong Un offen für Beratungen und Gespräche sind, ist derzeit kaum abzuschätzen.

Kommentatoren in den USA erklärten, Trump habe sich gerade für solch eine Situation mit einigen Generälen in seiner Administration umgeben, die kriegserfahren sind, aber auch einen kühlen Kopf bei solch einer Drohgebärde aus Nordkorea kommend behalten. Sie haben nun die Aufgabe, den amerikanischen Präsidenten zu beraten und die Wortgefechte zwischen Washington und Pjöngjang zu beenden.

Problematisch könnte jedoch das jährliche Manöver der USA mit Einheiten Südkoreas im August werden. Nordkorea wird dies sicherlich als Drohgebärde vor der eigenen Grenze sehen.

Ein Nazi Gedenkstein im Wald von Washington

Auf einem Regal im Archiv des National Park Service in Maryland liegt ein Gedenkstein, der so ganz anders ist, als das, was man in so einem Archiv erwartet. Gefunden wurde der 200 Pfund schwere Granitstein nach Jahrzehnten in einem Waldstück im Südwesten von Washington DC. Darauf steht: Im Gedenken an Agenten der deutschen Abwehr, hingerichtet am 8. August 1942. Dann die Namensliste von sechs zum Tode verurteilten Saboteuren. Darunter, gestiftet von der N.S.W.P.P., was für die längere Schreibweise der „American Nazi Party“ steht – „National Socialist White People’s Party“.

Entdeckt wurde der ungewöhnliche Gedenkstein von Mitarbeitern einer Stromversorgungsfirma vor ein paar Jahren, als sie zufällig an dem „Memorial“ vorbei kamen. Danach zog es seine Kreise, bis man sich schließlich dazu entschloss, den Stein nicht einfach zu vernichten und in den nahegelegenen Fluss zu werfen, sondern abzutransportieren und zu lagern.

Die sieben Militärichter am dritten Tag des Prozesss gegen die deutschen Saboteure: Foto: Library of Congress.

Hinter der Geschichte steht eines der Kapitel aus dem Zweiten Weltkrieg, das Amerika seinerzeit tief bewegt hat. Sechs deutsche Saboteure wurden mit U-Booten nach Jacksonville, Florida und Long Island, New York gebracht. Dort sollten sie auf zwei Deutsch-Amerikaner treffen, die schon länger in den USA lebten, George John Dasch und Ernst Peter Bunger. Doch Dasch hatte nicht vor, die Sabotageaktionen zu unterstützen, er lieferte die Deutschen vielmehr ans FBI aus. Das versprochene Geld für seine Hilfe, 82.000 Dollar, behielt er, konnte sich aber nicht lange darüber freuen, denn der FBI Direktor, J. Edgar Hoover, präsentierte der Öffentlichkeit acht Spione. Von der Mithilfe Daschs war da nicht mehr die Rede. Sechs wurden schließlich hingerichtet, Dasch und Burger erhielten langjährige Haftstrafen, wurden allerdings 1948 nach Deutschland, in die amerikanische Besatzungszone abgeschoben. Die Folgen waren fatal für Deutsche, die in den USA lebten. Nicht nur, dass nahezu 12.000 Deutsche interniert und die Bewegungsfreiheit deutscher Staatsbürger eingeschränkt wurden, die Anti-Deutsch Stimmung ging in den USA so weit, dass es Deutschen nicht mehr erlaubt war in Restaurants als Kellner und Tellerwäscher zu arbeiten, da Dasch und Bunger in diesen Jobs tätig waren.

Interessanterweise wurden die Beschuldigten 1942 von sieben Generälen in einem militärischen Geheimgericht abgeurteilt. Das geschah auf Drängen von Präsident Franklin Roosevelt. Die Generäle sprachen alle Angeklagten schuldig, überließen dem Präsidenten jedoch das Strafmaß. 59 Jahre später nahm Präsident George W. Bush genau diese Geheimgerichte als Vorbild für die Aburteilung von Terrorverdächtigen im Militärlager von Guantanamo Bay.

Wer genau den Gedenkstein im Wald von Washington aufgestellt hat, seit wann er dort zu finden war, das ist alles nicht bekannt. Klar ist nur, dass es regelmäßige Besucher gab, die Kerzen aufstellten, den Stein säuberten und dort auch Gedenkveranstaltungen durchführten.

Ein weiter Weg

2004 gewann George W. Bush die Wiederwahl. Es war ein Wahlkampf um „Family Values“, Familienwerte, allen voran der Kampf um die Ehe. In Massachussetts und auch in Kalifornien hatten Gemeinden Eheschließungen zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern zugelassen. Die Bilder aus San Francisco gingen durchs Land und um die Welt. Lange Schlangen mit Männern die Männer, Frauen, die Frauen heiraten wollten. An der Spitze der Bewegung, der damalige Bürgermeister Gavin Newsom, der erkannte, dieser Kampf um Gleichberechtigung von Homosexuellen ist die Bürgerrechtsbewegung unserer Tage.

Harvey Milk wurde schon mit einer Briefmarke geehrt. Nun folgt die Benennung eines Navy-Schiffes. Foto: Reuters.

Harvey Milk wurde schon mit einer Briefmarke geehrt. Nun folgt die Benennung eines Navy-Schiffes. Foto: Reuters.

Newsom wurde von allen Seiten angegriffen. Sein Alleingang machte ihn zum Aussätzigen in der demokratischen Partei. Auch Hillary Clinton distanzierte sich von ihm. John Kerry verlor die Wahl, George W. Bush gewann und sein damaliger Stratege Karl Rove hatte erneut einen Sieg eingefahren. Er hatte frühzeitig erkannt, dass der Kriegspräsident Bush die Wahl nicht gewinnen konnte, ein anderes Thema mußte her, um die christlich-konservative Basis zu mobilisieren. Da kamen Rove die Bilder aus San Francisco gerade recht. Rove setzte alles auf eine Karte, sprach vom Verfall der Werte, dem Ende des Abendlandes und mobilisierte so die christliche Basis.

12 Jahre später ist alles anders. Gleichgeschlechtliche Eheschließungen sind überall anerkannt, abgenickt vom Verfassungsgericht. Und nun zieht sogar das Militär nach. Schon seit langem wurde die Doktrin „Don’t ask, don’t tell“ aufgegeben, Schwule und Lesben, Transsexuelle können offen in den Streitkräften dienen. Die US-Navy setzt nun ein ganz deutliches Zeichen, ein Zeichen, dass den Wandel der Zeit symbolisiert. Es ist ein Ende der LGBT-feindlichen Bush-Ära. Die Navy wird schon sehr bald ein Schiff ihrer Flotte „USNS Harvey Milk“ benennen, benannt nach dem ermordeten Supervisor und Gay-Aktivisten aus San Francisco Harvey Milk.

Milk war einer der ersten Politiker, die sich offen zu ihrer Homosexualität bekannten. Er kandidierte, gewann die Wahl und wurde zum Sprecher der Bewegung, nach seinem frühen Tod zur Symbolfigur. Am 28. November 1978 wurden er und Bürgermeister George Moscone von Dan White erschossen.

Die blutigen Hände des Friedensnobelpreisträgers

Barack Obama wurde mit dem Versprechen ins Oval Office gewählt, zwei Kriege zu beenden. Die militärischen Einsätze seines Vorgängers George W. Bush in Afghanistan und im Irak waren ein Erbe, das seine Präsidentschaft überschatten sollte. Doch Obama wollte kein Kriegspräsident sein, er wollte als Heils- und Friedensbringer in die Geschichte eingehen. Im ersten Jahr seiner Amtszeit wurde er mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, im letzten Jahr im „White House“ wird nun deutlich, dass er die Kriege nicht beendet und schon gar nicht gewonnen hat. Obama hat nur das Schlachtfeld verschoben. Vor allem weg aus dem Bewußtsein der Amerikaner.

Eine Drohne im Einsatz. Ort und Datum unbekannt. Foto: Reuters.

Eine Drohne im Einsatz. Ort und Datum unbekannt. Foto: Reuters.

In einem lange vom Weißen Haus geforderten Bericht steht nun, dass der siebenjährige Drohnenkrieg der Obama-Administration zwischen 64 und 116 zivile Opfer gefordert hat, und das in keinen „Kriegszonen“, also nicht in Afghanistan, nicht im Irak, nicht in Syrien. Vielmehr wurden die Opfer nur in Ländern wie Pakistan, Jemen, Somalia, Libyen gezählt. Was allerdings in dem Bericht des Weißen Hauses fehlt, sind genaue Angaben über Ort und Datum des jeweiligen Drohneneinsatz. Insgesamt, so heißt es, habe es 473 Drohnenangriffe des CIA und des US-Militärs gegeben, bei denen zwischen 2372 und 2581 fremde „Kämpfer“ getötet wurden.

Allerdings liegen die zivilen Opferzahlen weit unter denen, die unabhängige Beobachtergruppen des Obamaschen Drohnenkrieges zusammen gestellt haben. Die „New America Foundation“ und das „Long War Journal“ berichten von mindestens 219 bzw. 212 zivilen Opfern. Das „Bureau of Investigative Journalism“ spricht sogar von mindestens 325 getöteten Zivilisten. Schwierig ist, all diese Zahlen richtig einzuordnen. Auf der einen Seite die Regierung, die die Angaben des „Collateral Damage“ niedrig halten will und die Untergrenze bei lediglich 64 Zivilisten ansetzt. Militär und CIA geben dabei nach einem Einsatz ohne jegliche Kontrolle die Berichte zu zivilen Opfern und Schaden ab. Eine unabhängige Prüfung dieser Zahlen gibt es nicht, auch ist der Zugang zum zentralen Drohnen-Abschusszentrum im nordafrikanischen Dschibuti Journalisten verwehrt.

Die Gruppen, die den Drohnenkrieg von Präsident Obama dokumentieren, stützen sich auf Aussagen von Zeugen, auf lokale Medienberichte aus den Einsatzorten. Auch diese „Zählung“ weist Fehler auf, wie die unterschiedlichen Opferangaben zeigen. Klar ist nur, dass Barack Obama in seiner Amtszeit, wie die Washington Post schreibt, die „größte und gezielteste Tötungskampagne in der amerikanischen Geschichte“ angeordnet hat. Vielleicht sollte das Nobelkomitee in Oslo in Zukunft ersteinmal die Taten abwarten und nicht so sehr auf die Versprechungen eines Politikers achten.

Obama ist mal wieder an allem schuld

Präsident Obama in Havanna. Foto Reuters.

Präsident Obama in Havanna. Foto Reuters.

Havanna, Brüssel, Obama. In Kuba der Schulterschluss mit den Kommunisten, in Brüssel die Attentate der Terroristen und an allem ist Barack Obama schuld. So zumindest die einhellige Meinung der republikanischen Präsidentschaftsanwärter. Na immerhin sind sie sich in einem einig. Donald Trump twittert, Raul Castro hätte keinen Respekt vor Obama, die Terroranschläge in Brüssel gingen auch auf Baracks Mütze, denn der amerikanische Präsident überzeuge nur durch eine lasche Haltung gegenüber radikalen Islamisten. Ted Cruz meinte, der Besuch sei ein Schlag ins Gesicht für alle Exil-Kubaner, die vor der Diktatur auf der Karibikinsel geflohen seien. Und John Kasich erklärte, er als Präsident hätte sofort seine Reise unterbrochen, um aus dem Oval Office die europäischen Partner und Freunde anzurufen.

Präsident Bush in Peking.

Präsident Bush in Peking.

Obama macht irgendwie alles falsch. Selbst ein Foto von ihm in Havanna vor einem Wandbild von Che Guevara sorgt für Aufregung. Konservative erbosten sich über den Präsidenten, der sich vor diesem Bildnis ablichten ließe, er stehe stramm, meinten einige auf twitter. Verschwiegen wird dabei gerne, dass auch republikanische Präsidenten gerne zum politischen Feind reisten und sich dabei vor Wandgemälden fotografieren ließen.

Egal, wie sich Obama dreht und wendet, was er sagt und nicht sagt, es wird ihm falsch ausgelegt. Im letzten Jahr seiner Amtszeit, in den Hochzeiten des Wahlkampfes wird jedoch deutlich, für was Obama wirklich steht; für die Diplomatie der Worte. Er sucht lieber den Dialog, als gleich locker und ohne was zu sagen aus der Hüfte zu schießen. Trump und Cruz umschreiben ihre Ideen für die amerikanische Außenpolitik gerne mit militärischen Mitteln. Flächenbombardements seien eine eindeutige Sprache, so Trump und Cruz. International ausgehandelte Verträge und Abkommen seien das Papier nicht wert, auf dem sie stehen. Von daher würde in einer Trump- oder Cruz-Administration so einiges am ersten Tag in den Schredder wandern.

In den letzten Monaten von Barack Obama als Präsident der USA wird einem bewußt, dass diese Amtszeit gar nicht mal so schlecht war, wie sie oftmals dargestellt wird. Und man erkennt in dem Gekreische der republikanischen Kandidaten, was Obama hätte erreichen können, wenn er die politische Unterstützung in Washington gehabt hätte. „Hope“ und „Change“ wären durchaus möglich gewesen, zumindest ein klein bißchen. Doch das „Yes, we can“ wurde dann doch nur zu einem „Yes, we could have“.

Was kommt als nächstes?

IS in Amerika. Der Krieg hat die USA erreicht. Waren die Anschläge vom 11. September noch gegen Prestige Objekte in New York City und Washington DC gerichtet, ist mit der Massenschießerei in San Bernardino der Terror in die amerikanischen Nachbarschaften eingezogen. Die Tat mit 14 Toten und 17 Verletzten ist nichts im Vergleich zu Selbstmordanschlägen in Bagdad und der jüngsten IS-Attacke in Paris. Und doch wird das Blutbad vom Mittwoch weitreichende Folgen haben.

Mit dem Ende der Schießerei in San Bernardino beginnt ein neues Kapitel im "Krieg gegen den Terror". Foto: Reuters.

Mit dem Ende der Schießerei in San Bernardino beginnt ein neues Kapitel im „Krieg gegen den Terror“. Foto: Reuters.

Amerika wurde da getroffen, wo man es nicht für möglich gehalten hatte. Im Heartland, im Hinterland, fernab der Washington Mall, der 5th Avenue, der Golden Gate Bridge, der Oscar Preisverleihung, des Superbowls. Eine Veranstaltung in einer Behinderteneinrichtung war das Ziel. Die Botschaft ist klar, niemand und nirgendwo kann man sich mehr sicher fühlen. Überall kann es passieren. Jetzt und gleich.

Und es war eben kein Attentäter aus Syrien, aus dem Irak oder Afghanistan. Es war ein Amerikaner, ein hier geborener US Bürger moslemischen Glaubens. All die Schutzmaßnahmen nach 9/11, die unbegrenzte Sammlung an Abhördaten aus dem internationalen Telefon- und Internetverkehr, die Beschneidung der Bürgerrechte in den USA, all das hat am Ende nichts gebracht. Jedenfalls keine absolute Sicherheit, an die viele Amerikaner glaubten. Was nun folgen wird ist klar. Jeder Moslem wird zum Verdächtigen, jede Moschee, jeder Islamcenter, jedes von Moslems geführte Geschäft wird überwacht werden. Amerika befindet sich seit dem 11. September 2001 im Krieg. Ein Krieg, der bislang in Übersee geführt wurde, weit weg vom Alltag der Amerikaner, irgendwo da drüben hinter dem großen Wasser und den Bergen. Nun ist er heimgekommen, ganz offen, blutig und brutal. Der von den USA entfesselte und planlose Irakkrieg hat am Ende eine radikal extremistische und verblendete Religionstruppe geschaffen. Die Geister, die man rief.

Es war also nur eine Frage der Zeit, bis es auch hier passiert. San Bernardino könnte überall in den USA sein. Es war der erste Terrorangriff des IS in den USA. Es wird wohl nicht der letzte geblieben sein.