Trump von Gott gesandt

      Die Entwicklung des Fundamentalismus in den USA

Im Wahlkampf stellte sich die religiöse Rechte in den USA schon früh hinter den Kandidaten Donald Trump. Gescheiterte Ehen, ein ausuferndes Leben, in der Vergangenheit Demokrat, der jahrelang eigentlich gegen alles war, für was die fundamentalistischen Christen stehen, Hetze gegen Migranten, „Pussy grabbing“, all das schien die Gläubigen nicht zu stören. Trump, so die einhellige Meinung im „Bible Belt“ der USA, war von Gott gesandt, ein starker Führer, der Amerika aus der Sinn- und Moralkrise führen werde. Darüber geht auch das obige Feature vom vergangenen Juli, ausgestrahlt auf Deutschlandfunk Kultur.

Nun hat Präsident Trump seine erste diplomatische Krise auf dem Schreibtisch, oder genauer gesagt, auf seinem Golfplatz in New Jersey, wo er gerade seinen „Arbeitsurlaub“ verbringt. Von dort antwortet er den nordkoreanischen Drohgebärden mit einer flammigen Rede. „Feuer, Wut und Macht“ werde die passende Reaktion darauf sein, wenn Pjöngjang nicht mit den Drohungen gegen die USA aufhöre. Soviel dazu, wenn zwei Herren mit sehr eigenwilliger Haarfrisur das Nuklear-Roulette spielen.

Trump kann sich aber sicher sein, dass auch weiterhin die christliche Rechte im Land zu ihm steht. Robert Jeffress, der als Pastor in Texas einer Mega-Church vorsteht, erklärte nun, Trump habe die moralische Autorität, um Kim Jong Un auszuschalten. „Wenn es darum geht, wie wir mit Bösewichten umgehen sollten, dann sagt uns das die Bibel ganz klar: Gott hat Führern die notwendige Gewalt erteilt  – Krieg einbezogen – um Böses zu stoppen. Im Fall Nordkorea hat Gott Trump die Autorität erteilt Kim Jong Un zu beseitigen.“ Jeffress hatte auch am Morgen von Trumps Vereidigung das Gebet gehalten. Er ist bekannt für deutliche Worte. Barack Obama habe den Weg des Antichristen bereitet und im Präsidentschaftswahlkampf 2012 erklärte er, die Mormonen seien ein religiöser Kult. Die abhlehnende Haltung führte wohl auch dazu, dass Mitt Romney am Ende keine Chance hatte.

Damit wird Donald Trump zum Gotteskrieger gemacht. Das wird ihm gefallen, denn alles, was er durchsetzen will, sei es innenpolitisch oder auch nun außenpolitisch, kann er mit den Texten der Bibel belegen (lassen). Schon jetzt, nur wenige Monate nach seinem Einzug ins Weiße Haus, sieht er sich als einen der größten amerikanischen Präsidenten überhaupt. Seine Adminstration sei die erfolgreichste aller Zeiten, das ist eine Standardaussage von ihm auf Twitter, die er nur allzugerne wiederholt. Trump ist von Gott gesandt, jeder der das anzweifelt ist damit einen Pakt mit dem Teufel eingegangen.

 

 

Ist Trump der neue Hitler?

Der „Mormon Tabernacle Choir“. Foto: Reuters.

Die Frage kommt nicht von mir, doch ich höre und lese sie in diesen Tagen sehr oft hier drüben in den USA. Jan Chamberlin stellte sie kürzlich, nachdem sie erklärte, nicht mehr im „Mormon Tabernacle Choir“ zu singen. Der weltbekannte Chor hatte zugestimmt, bei der Vereidigung von Donald Trump am 20. Januar in Washington zu singen. Chamberlin schrieb auf ihrer Facebook Seite, „für diesen Mann zu singen“ sei für sie, als wenn der Chor „Tyrannei und Faschismus unterstütze“. Das Ansehen des Chors würde damit „ernsthaft beschädigt“ werden. „Ich weiß, ich könnte niemals ‚Rosen für Hitler werfen‘. Und ich könnte ganz sicher niemals für ihn singen“.

Jan Chamberlin trat aus dem Chor aus. Auf Anfrage der Washington Post bestätigte die Chorleitung, dass viele Mitglieder Schwierigkeiten mit der Entscheidung hätten, für Trump zu singen. Aber es sei jedem freigestellt mit nach Washington zu reisen. Weitaus weniger Mormonen unterstützten im Wahlkampf den republikanischen Kandidaten als in früheren Wahlgängen. George W. Bush und auch Mitt Romney erhielten weit über 20 Prozent mehr Stimmen in Utah als Donald Trump in diesem Jahr. Die Mormonen waren eine der religiösen Gruppen in den USA, die massive Probleme mit dem New Yorker Milliardär hatten.

Was dieser Kampf im Chor auch zeigt ist, wie tief gespalten Amerika ist. Soll man dem gewählten Präsidenten Donald Trump eine Chance geben, jenem Mann, der mit Hassparolen, Beleidigungen und teils menschenverachtenden Aussagen die Wahl gewann? Jenem Mann, der sich bislang für keine seiner verbalen Entgleisungen entschuldigte und vielmehr weiterhin die Spaltung Amerikas betreibt. Trump nutzt weiter sein Sprachrohr Twitter, um das Land in seine Anhänger und seine Feinde zu teilen. Erst heute, am letzten Tag des Jahres, twitterte er eindeutige 140 Zeichen. „Happy New Year an alle, auch an die vielen Feinde und solche die mich bekämpft haben und schlimm verloren, sie wissen nicht, was sie tun sollen. Liebe„. Nachtreten gehört zum Kurs des neuen US Präsidenten. Von einem Präsidenten für alle Amerikaner ist Donald Trump noch weit entfernt. Es sieht so aus, als ob der Wahlkämpfer Trump auch ins Weiße Haus einziehen wird. Der Ton macht die Musik und die erinnert an schlimme Zeiten.

 

Das nennt man dann einen Wendehals

Es ist schon erstaunlich, was da in der republikanischen Partei vor sich geht. Donald Trump wurde im Laufe des Wahlkampfs von allen Seiten kritisiert, auch vehement aus den eigenen Reihen. Marco Rubio nannte ihn einen „Hochstapler“, Ted Cruz  einen „wehleidigen Feigling“ und einen „notorischen Schürzenjäger“, Chris Christie bezeichnete Trump als einen „Entertainer in Chief“ und schlimmer als Präsident Obama. Das war im Wahlkampf, danach kamen die Lobeshymnen. Die Gute-Laune-Stimmung wurde aufgesetzt. Rubio, Cruz und Christie sind nun wie so viele einstige Kritiker im Trump-Lager.

Vom schärfsten Kritiker zum Speichellecker, Mitt Romney ist nun für Donald Trump. Foto: Reuters.

Vom schärfsten Kritiker zum Speichellecker, Mitt Romney ist nun für Donald Trump. Foto: Reuters.

Mitt Romney war einer der lautesten Angreifer von Donald Trump. Der Nicht-Kandidat bezeichnete den Kandidaten Trump als Schande für die USA, der Frauen erniedrige und dem Bild Amerikas in der Welt Schaden zufüge. Auch überlegte Romney noch spät ins Rennen einzusteigen, um den Wählerinnen und Wählern eine Alternative zu bieten. Romney kritisierte Trump bis zum bitteren Ende, dem Wahltag.

Doch davon ist nichts mehr zu hören. Über Nacht scheint sich das Bild Donald Trumps für Mitt Romney gewandelt zu haben. Der frühere Gouverneur von Massachusetts, einstiger Präsidentschaftskandidat und superreicher Mormone will von seinen kritischen Worten nichts mehr wissen. Trump hat ihn nämlich auf die „Short List“ für den Posten des Außenministers gesetzt. Nach den ersten beiden Treffen zwischen Trump und Romney erklärte dieser, er sei tief bewegt von „President-elect“ Donald Trump gewesen. „Ich glaube, die besten Tage Amerikas liegen vor uns. Ich glaube, wir werden auch weiterhin sehen, wie Amerika die Welt in diesem Jahrhundert anführen wird. Und….der gewählte Präsident ist genau der Mann, der uns in diese bessere Zukunft führen wird“.

Da bleibt einem der Nürnberger Lebkuchen im Halse stecken. Romney griff bis vor wenigen Wochen noch den selbstverliebten Milliardär an, ließ kein gutes Haar auf dessen Haartolle, sprach ihm jegliche Führungsqualitäten ab. Nun jedoch will er gemeinsam an der Seite von Trump Amerika im Ausland repräsentieren. Das bißchen Respekt, das Mitt Romney aufgrund seiner Haltung gegen Trump bei vielen Demokraten im Wahlkampf gewonnen hatte, ist mit einem Schlag weg. Wie kann man nur, fragen viele. Man kann alles, auch sich selbst für einen Posten verleugnen, wie das Mitt Romney nun aller Welt zeigt.

 

Twitter sollte pleitegehen, dann hat dieser Wahnsinn ein Ende

140 Zeichen. So regiert Donald Trump. Er machte so Wahlkampf und nun geht es damit weiter. Jüngstes Beispiel, die Androhung, die Staatsbürgerschaft jenen zu entziehen, die die amerikanische Flagge verbrennen. Das ist von heute Morgen.

Trump hält keine Pressekonferenzen, erklärt sich nicht, vielmehr kommuniziert er mit den Medien und seinen Anhängern über twitter. Und das ist alles andere als präsidial, wie dieser Tweet zeigt, ein erneuter Angriff auf die Medien. Trump kritisiert jeden, der nicht in sein Populismushorn bläst.

Wer glaubte, der gewählte Donald Trump würde endlich mal ein paar Gänge runterfahren und nicht mehr so sehr auf der „Ich-Welle“ reiten, der liegt schief. Trump beweihräuchert sich weiter als Retter der Nation, als Sieger, Gewinner, Alleskönner. Auch das zeigt er in seinen Tweets, wie diesem hier, in dem er erklärt, er habe nicht nur mehr Wahlmänner erhalten sondern auch die meisten Stimmen, wenn man jene illegalen Wahlstimmen von  Hillary Clinton abziehe. Donald Trump behauptet damit ernsthaft, ohne Beweise vorzulegen, dass in dieser Präsidentenwahl mehr als zwei Millionen Stimmen von Personen abgegeben wurden, die eigentlich nicht wählen dürften. Das ist der gewählte Präsident der USA, ein beeindruckender Verfechter der amerikanischen Demokratie.

Donald Trumps Regierungsstil wird sich nicht von dem unterscheiden, was er als Wahlkämpfer gemacht hat. Er meint, nur „my way or the highway“. Hatten bislang gewählte Präsidenten still und leise ihr Kabinett zusammen gestellt, macht Trump auch das anders. Er spricht über Treffen, verheimlicht nicht, wen er für welchen Posten in Erwägung zieht und lässt es sogar zu, dass seine engsten Berater Kandidaten beleidigen, wie jüngst Kellyanne Conway Mitt Romney. Trump hat die Zügel in der Hand und lässt die Dinge geschehen. Seine Auswahl seines Kabinetts erinnert mehr an eine Folge von „The Apprentice“ als eine ernstzunehmende Kandidatensuche. Es fehlt nur noch, dass jene Männer und Frauen, die auf der Trumpschen Liste stehen, Aufgaben erledigen müssen, um ihre Qualitäten und ihre Loyalität unter Beweis zu stellen.

In den Kommentaren der „Talking Heads“ auf den 24 Stunden Nachrichtenkanälen hört man immer, Donald Trump mache es einfach anders. Das sei eben seine Art. Eine Entschuldigung, eine Erklärung, dass unter Trump nun alles anders wird. Ein Präsident, der über twitter hetzt, tobt, lügt. Ist das das Amerika in dem ich nun lebe? Ich kann nur hoffen, dass twitter wirklich pleite geht, vielleicht ist dann endlich Schicht im Schacht mit diesem 140 Zeichen Blödsinn von Donald Trump.

Amerika vor dem GOP-Parteitag

Am Montag beginnt der Parteitag der Republikaner – wo und wie findet der statt?

Der Parteitag der Republikaner findet in diesem Jahr in Cleveland, Ohio statt. Eigentlich hatte der dortige Gouverneur, John Kasich, auf ein wahres Fest gehofft, er war ja bis zum Schluss im Rennen, in der Hoffnung, doch noch die Nominierung seiner Partei zu bekommen. Aber daraus wurde nichts. Nun wird es eine bombastische Trump-Show. Diese Wahlparteitage sind immer eine riesige Jubelveranstaltung, mit vielen Reden, Konfetti und Luftballons. Am Ende steht dann der Auftritt des Kandidaten und seines Vize. Man baut also so langsam die Spannung auf….diesmal ist es natürlich mehr als interessant, weil Donald Trump ja nichts ganz so die gesamte Partei vertritt.

Cleveland wird ab Montag im Ausnahmezustand sein. Foto: AFP.

Cleveland wird ab Montag im Ausnahmezustand sein. Foto: AFP.

Wie sehen die Sicherheitsvorkehrungen dabei aus?

Die Sicherheitsvorkehrungen sind an den Wahlparteitagen immer äußerst hoch. Das liegt daran, dass die ganze Nation auf diese Events blickt, Tausende von Journalisten aus dem In- und Ausland berichten von dort, oftmals auch live. Und diese Parteitage ziehen traditionell allerhand Protestgruppen an, die Gehör finden wollen. In der Vergangenheit kam es immer wieder zu massiven Ausschreitungen und Straßenkämpfen zwischen Demonstranten, teils radikalen Gruppen, und der Polizei. Innen in den Hallen wurde applaudiert und sich selbst gefeiert, draußen gab es den Ausnahmezustand und Straßenschlachten. Es wird also einen Sicherheitsring um die „Quicken Loans Arena“ in Cleveland geben, um die Veranstaltung nicht zu stören, denn Trump bringt sicherlich so einige Gegner seiner Wahlkampf-Provokationen in die zweitgrößte Stadt Ohios. Und nach den jüngsten Terroranschlägen in den USA, Istanbul und Nizza werden die Behörden sicherlich ganz besonders alarmiert sein. Ein Anschlag auf so einer Newsbühne wäre ein katastrophales Signal.

Was ist vom Parteitag zu erwarten?

Eigentlich sind diese Wahlparteitage alle vier Jahre ein riesiges LoveFest. Nach einem brutalen Vorwahlkampf versucht die Partei wieder zusammen zu finden, die Reihen zu schließen, politische Gräben zuzuschütten. Diesmal ist das anders, Donald Trump hat viele in der Partei mit seinen Angriffen vor den Kopf gestoßen, einige namhafte Republikaner, darunter die Bushs, John McCain, Mitt Romney, viele Gouverneure, Senatoren und Kongressabgeordnete und sogar Ohios Gouverneur John Kasich wollen bei der Krönung Trumps nicht dabei sein. Sie lehnen dessen Politik und vor allem seine krassen Aussagen ab. Natürlich wird es dennoch eine riesige Show mit Stars und Sternchen aus Politik und Showbusiness werden, aber sicherlich nicht die Love Parade, die Trump gerne gehabt hätte. Die Republikaner sind gespalten, das wird auf diesem Parteitag ganz deutlich werden.

Nach der jüngsten Umfrage der New York Times hat Trump den Rückstand auf Clinton aufgeholt, wie muß man das einschätzen?

Clintons Absacken in den Umfragen liegt nun sicherlich an der Veröffentlichung der Ergebnisse der FBI-Untersuchung zu ihrem Email Skandal. Das Problem ist, keiner der beiden ist ein starker Kandidat, der das breite Vertrauen der Wähler hat. Da wird in den kommenden Wochen noch viel passieren. Was auffällig ist, das Clinton-Lager hält sich derzeit noch sehr mit Angriffen auf Trump zurück, der sicherlich so einige politische und geschäftliche Leichen in seinem Trump-Tower hat. Da wartet man auf Seiten Clintons bestimmt den richtigen Zeitpunkt ab, um die Bombe platzen zu lassen, um den größten politischen Schaden anzurichten. Vor kurzem habe ich mit einem republikanischen Kongressabgeordneten gesprochen, der meinte, wie kann es sein, dass wir in den USA vor die Wahl gestellt werden, einen dieser beiden Kandidaten wählen zu müssen. Das sagt schon alles. Wer Trump wählt, hasst Clinton. Wer Clinton wählt sieht in Trump den Untergang des Abendlandes. Auf beiden Seiten gibt es kaum eine große Liebe für den eigenen Kandidaten.

Keine Liebe auf dem Lovefest

Am kommenden Montag beginnt in Cleveland, Ohio, der Wahlparteitag der Republikaner. Diese „Conventions“ ein paar Monate vor dem Wahltermin kommen normalerweise einem Fest der Liebe gleich. Der Kandidat, der sich in den Vorwahlen durchsetzen konnte, wird tagelang in Reden gefeiert. Es wird darauf geachtet, wer wann und was sagt, solche Parteitagsreden haben, wie Barack Obama zeigt, schon die Grundlage für Präsidentschaftswahlkämpfe gelegt.

Doch in diesem Jahr ist nichts normal. Gerade bei den Republikanern, die den patriotischen „America First“ Unterton immer so gerne hinausposaunen. Donald Trump hat das Lager der „Grand Old Party“ gehörig aufgemischt, so sehr, dass sich wohl Lincoln und Reagan im Grab umdrehen würden, um dieses peinliche Schauspiel ihrer Partei nicht mitansehen zu müssen.

Ohios Gouverneur John Kasich wird nicht beim GOP-Parteitag in Cleveland dabei sein. Foto: Reuters.

Ohios Gouverneur John Kasich wird nicht beim GOP-Parteitag in Cleveland dabei sein. Foto: Reuters.

John Kasich, Gouverneur von Ohio und selbst Präsidentschaftskandidat, der als letzter aus dem Rennen gegen Trump ausschied, erklärte zur aktuellen Lage der GOP: „Stimmt alles mit der Immigration? Natürlich nicht. Aber sind wir total gegen Immigration? Natürlich nicht. Sind wir eine Partei, die sagt, aufgrund eines religiösen Tests ist jemand hier nicht willkommen? Das ist nicht meine Partei…die Partei hat ihren Kurs verloren“. Kasich macht keinen Hehl daraus, dass er Donald Trump nicht unterstützen wird. Auch wenn er vor Monaten, wie alle anderen republikanischen Präsidentschaftskandidaten, einen Eid unterschrieb, im Falle des Wahlsieges eines anderen, auch diesen Kandidaten zu unterstützen. Trump schäumt, da Kasich in seinen Augen diesen Eid gebrochen hat. Doch John Kasich steht damit nicht alleine da.

Einzig Chris Christie, Gouverneur von New Jersey, hat sich nach seinem Ausscheiden aus dem Rennen überschnell hinter dem New Yorker Milliardär eingereiht. Das willige Helferlein Christie erhofft sich dadurch einen Posten in einer möglichen Trump-Administration. Andere ehemalige Kontrahenten von Trump, und da gibt es diesmal einige, halten sich noch sehr mit ihrer Unterstützung zurück. Der Parteitag in Cleveland wird also nicht zum freudigen Ringelrei der Republikaner werden. Schon allein deshalb nicht, weil einige der bekannten Namen der Partei nicht kommen wollen. Selbst John Kasich, der eine kurze Anfahrt hätte, wird nicht in die „Quicken Loans Arena“ radeln, auch wenn er gleich um die Ecke wohnt.

John McCain, Lindsey Graham, die Bush Familie, darunter zwei ehemalige Präsidenten und ein Präsidentschaftskandidat, Mitt Romney und zahlreiche republikanische Gouverneure, Senatoren und Kongressabgeordnete haben bereits öffentlich erklärt, sie hätten keine Zeit, keine Lust oder seien irgendwie nicht in der Lage nach Cleveland zu reisen. Eine herbe und laute Ohrfeige für Donald Trump, der sich von der Partei hintergangen fühlt. In Cleveland wird es sicherlich die Donald-Party mit Fahnen, Konfetti und Luftballons geben. Ein deutliches Zeichen der Einheit an die Nation und die eigene Parteibasis wird diese „Love Parade“ allerdings nicht sein.

Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben

Trump tingelt durchs Land. Er will die republikanischen Reihen hinter sich schließen, auch wenn er schon mehrmals betont hat, es interessiere ihn nicht, ob das Establishment der Partei für ihn oder gegen ihn sei. Als Rubio, Cruz und dann auch noch Kasich aufgaben, der Weg zur Nominierung für Donald Trump frei war, herrschte das Grauen in der Lincoln und Reagan Partei. Begreifen konnte fast niemand den Durchmarsch des Donald, auch wenn so einige auf FOXNews versuchten, das Unvorstellbare erklären zu können. Trump spaltet die Republikaner und zeigt auf, dass die „Grand Old Party“ mehr ein durcheinander gackernder Hühnerhaufen geworden ist.

Egal ob New York, Chicago oder San Diego, die Frisur sitzt bei Donald Trump. Foto: Reuters.

Egal ob New York, Chicago oder San Diego, die Frisur sitzt immer auf Wahlkampfauftritten Donald Trumps. Foto: Reuters.

Als Trump den Sieg im Vorwahlkampf für sich erklärte war das Entsetzen groß. Viele, wie Mitt Romney und die Bushs erklärten, sie werden den Donald nicht unterstützen, sie werden auch nicht zum Wahlparteitag nach Cleveland reisen. Etliche Großfinanziers der Republikaner meinten öffentlich, sie werden keinen Cent für den New Yorker Showman geben.

Doch die Worte sind schnell verhallt. So hat der Milliardär Stanley Hubbard, der zuvor die „Stop Trump“ Kamapgne finanzierte, erklärt, er sei nun bereit Gelder für die „Stop Hillary“ Initiative zu spenden. Auch andere Superreiche wollen Schecks für Trump unterschreiben, auch wenn sie vorher andere Kandidaten im Rennen unterstützten. Und auch in der Partei selbst hat sich die Stimmung geändert. Der Grund ist nicht, dass Donald Trump nun seinen Ton verändert hat, ganz im Gegenteil, Trump greift weiter ehemalige Konkurrenten, Minderheiten, Frauen, Bündnispartner an, lügt weiterhin bis sich die Balken biegen, haut verbal drauf, ohne Rücksicht auf Verluste. Der Grund für die wachsende Trumpfront bei den Republikanern ist vielmehr der Gegner. Hillary Clinton war, ist und bleibt das rote Tuch für die Konservativen im Land. Geliebt wird Donald Trump in den eigenen Reihen nicht. Weite Teile der Republikaner verachten ihn, sehen ihn als Störenfried, als Gefahr für die Partei und das Land.

Doch Hillary ist für sie noch schlimmer, viel schlimmer. Der Hass auf Clinton führt zu einem Zweckbündnis bei den Republikanern. Die Aussage ist klar, nur Trump kann Hillary noch stoppen. Über die Konsequenzen macht sich kaum jemand Gedanken. Das ist eine seltsame Logik, denn nach Trump wird bei den Republikanern nichts mehr so sein wie vorher. Wenn er verliert, muß sich die Partei auf alle Fälle erneuern, neu ausrichten. Wenn er gewinnt, wird die Partei zu einem Donald Trump Zirkus. Man kann sich vorstellen, dass er niemanden neben sich dulden wird. Die One-Man-Show des Millardärs würde damit auch das Ende der Republikaner bedeuten. Man kann die Situation auch ganz einfach beschreiben. Mit Donald Trump hat die Partei die Selbstauflösung gewählt.

Keine Atempause, Geschichte wird gemacht…

Es geht voran. In drei weiteren Bundesstaaten wurde am Dienstagabend gewählt. Arizona fiel an Hillary Clinton und Donald Trump. Utah an Bernie Sanders und Ted Cruz. Und in Idaho lag am Ende auch Bernie Sanders vorne. Die republikanischen Wähler waren dort noch nicht zur Stimmabgabe dran.

Die Wahl zwischen Ted Cruz und Donald Trump kommt einer Wahl zwischen Erschießen und Erhängen gleich, so bezeichnen es zahlreiche Republikaner. Foto: Reuters.

Die Wahl zwischen Ted Cruz und Donald Trump kommt einer Wahl zwischen Erschießen und Erhängen gleich, so bezeichnen es zahlreiche Republikaner. Foto: Reuters.

Der Ausgang der Wahlen war so erwartet worden. Keine Überraschungen. Auch die Klatsche von Trump in Utah war vorhersehbar. Im Mormonenstaat kam die große Klappe des Donald nicht an. Ted Cruz siegte dort, vor allem auch mit seiner Message nach religiöser, sprich christlicher Toleranz. Was jedoch unangenehm auffiel, waren die langen Schlangen für die Wähler. Zum Teil warteten sie bis zu fünf Stunden, um ihre Stimme abzugeben. Gerade Arizona fiel unangenehm auf. Zuvor hatte die republikanische Gouverneurin und Trump Unterstützerin, Jan Brewer, angeordnet, die Anzahl der Wahllokale drastisch zu verringern. Das ist auch eine klare (un)demokratische Ansage.

Unterdessen hat sich der einstige Hoffnungsträger der Partei, Jeb Bush, auf die Seite von Ted Cruz geschlagen. Nur Cruz könne noch die „Obszönität“ eines Donald Trump stoppen, so Bush. Die Unterstützung des ehemaligen Gouverneurs von Florida kommt genau im richtigen Moment für Cruz, den viele in der eigenen Partei ablehnen. Bush zeigt damit, dass es nur noch einen Weg gibt, um den Präsidentschaftskandidaten Donald Trump zu stoppen: Die Reihen müssten sich hinter Cruz formieren. So hatte auch schon Mitt Romney argumentiert, der anfangs John Kasich und in Utah dann Ted Cruz unterstützte.

Die Frage bleibt jedoch, ob Cruz wirklich eine Mehrheit im republikanischen Lager bekommen kann. Er gilt als Querulant, als Fundamentalist, als Radikaler, als von der Tea-Party Fraktion unterstützter Kandidat. Sprüche, wie die jüngste Forderung Cruz‘ nach den Anschlägen in Brüssel, „muslimische Nachbarschaften (in US Städten) zu patroullieren und zu kontrollieren“ sind selbst in der Grand Old Party nicht mehrheitsfähig. Von daher kann die Unterstützung von Jeb Bush für den texanischen Senator auch als Griff nach dem letzten Strohhalm vor dem Untergang der GOP gewertet werden. Denn noch als Kandidat hatte Jeb Bush die Forderung Trumps nach einer Registrierung alles Muslime im Land als „abscheulich“ bezeichnet.

 

Republikaner gegen Trump

Das waren wirklich 24 fette Stunden. Ben Carson steigt aus, Mitt Romney und John McCain warnen das amerikanische Wahlvolk in sehr direkter Art und Weise vor Donald Trump und dann schießen sich die Moderatoren von FOXNews in der elften Debatte der republikanischen Kandidaten auf den Außenseiter und Milliardär ein. Nach dem Super-Tuesday wird Trump nun offen bekämpft. Er gilt als die größte Gefahr für die Republikaner in Washington DC.

"Ich habe keine kleinen Hände und auch nichts anderes, was klein ist", erklärte Donald Trump. Foto: Reuters.

„Ich habe keine kleinen Hände und auch nichts anderes, was klein ist“, erklärte Donald Trump. Foto: Reuters.

Vergessen ist die Tea Party Fraktion, die seit Jahren politische Entscheidungen blockiert. Ihr Grund, sie hassen ganz offen und ehrlich Präsident Barack Obama. Der wird mal als Sozialist, als Nazi, als unamerikanisch, als Nigger, als schwul, bisexuell, als Verräter, Callboy und Leichtgewicht bezeichnet, all das zählt nicht in den republikanischen Reihen. Große Aufregung darüber gibt es weder vom Establishment der Partei, nicht von den Verfassungsfetischisten in der GOP und auch nicht von den erzkonservativen Christen in den Reihen der Republikaner. Alles halb so wild, denn es geht ja gegen den ersten afro-amerikanischen Präsidenten, der noch nicht mal so richtig schwarz ist.

Nun also Trump, und ich will ihn wirklich nicht in Schutz nehmen. Aber was die Republikaner derzeit liefern, ist ein einziges Tohuvabohu. Man verweist bei der GOP immer auf die Partei von Lincoln und Reagan, doch seien wir mal ehrlich, die beiden Präsidenten würden sich im Grab umdrehen, um diesen Wahlkrampf nicht sehen zu müssen. Es ist ein kindisches Scharmützel, in dem der eine vom „kleinen Mario“ redet, der andere von Trumps „kleinen Händen“ und einem bei den Ausführungen des Texaners im Bund angst und bang‘ wird. Nur Ohios Gouverneur John Kasich macht da Sinn, doch der hat keine Chance.

Die Wahl in den republikanischen Reihen scheint zwischen Luzifer, Beelzebub und Mephisto zu sein. Am Ende wird einer der drei in den Wahlkampf ums Weiße Haus ziehen, der da wirklich nicht hingehört. Das klingt hart, aber Rubio, Trump und Cruz lassen all das vermissen, für was Amerika im Laufe der Geschichte steht. Der heutige Tag und die heutige Debatte haben das erneut ganz deutlich gemacht. Die Republikaner sind nur noch ein Verbund aus Splittergruppen, unfähig zu regieren, unfähig Kompromisse zu schließen, unfähig tiefe Gräben zu überwinden, unfähig dieses Land wieder zu einen und unfähig, eine Führungsrolle in der Welt zu übernehmen.

Hillarys republikanische Wahlkampfhelfer

Nun also noch drei weitere republikanische Möchtegernpräsidenten. Der ehemalige Senator Rick Santorum, der Senator Lindsey Graham und der frühere Gouveneur von New York George Pataki. Drei Namen, die keine Chance, aber ein großes Ego haben. Santorum kandidierte bereits 2012 und machte Mitt Romney das Leben schwer. Lindsey Graham ist einer der einflussreichsten Senatoren und Pataki meint, wenn er New York State regieren kann, dann wohl auch den Rest des Landes.

Rick Santorum will mit christlich-konservativen Werten US Präsident werden.

Rick Santorum will mit christlich-konservativen Werten US Präsident werden.

Santorum und Graham tauchen in den Umfragen sogar auf, allerdings chancenlos. Pataki hingegen ist nicht auf dem Radarschirm der Wähler zu finden. Die drei werden es schwer haben, jetzt noch irgendeine Basis aufzubauen. Die Geldgeber haben sich so gut wie schon entschieden, die wichtigen Wahlkampfmanager festgelegt, der Wahlkampf ist schon in vollem Gange.

Was Santorum, Graham und Pataki wohl wollen ist, sich ins Gespräch bringen, ihre Standpunkte zu erklären und vielleicht als Vize-Präsidentschaftskandidat und möglicher Minister eingeplant zu werden. Mehr ist für sie nicht drin, der Wahlkampfzug hat eineinhalb Jahre vor dem Wahltermin bereits den GOP Bahnhof verlassen. Jeder, der jetzt noch aufspringen will, hat keine Chance mehr.

Die Kandidaten konzentrieren sich auf Iowa, beackern die frühen Vorwahlstaaten, geben auf geschlossenen Veranstaltungen und in Hinterzimmerkonferenzen Wahlversprechen ab und sammeln Gelder ein. Dabei treten sie sich schon jetzt auf die Füße. Die republikanische Partei wirkt zerfahrener und zerstückelter mit jedem neuen Kandidaten, der sich in Position bringt. Wie da ein einheitliches Gesamtbild entstehen soll, ist fraglich. Die Fragmentierung der Partei, ein Vorwahlkampf, der bis zum Sommer 2016 reichen könnte, viele Finanzmittel und Kräfte verballert, würde am Ende nur Hillary Clinton helfen, die problemlos die Kandidatenkrone ihrer Demokraten aufsetzen wird. Die Republikaner werden also ungewollt zum „Queen maker“ in den USA.