Hillarys republikanische Wahlkampfhelfer

Nun also noch drei weitere republikanische Möchtegernpräsidenten. Der ehemalige Senator Rick Santorum, der Senator Lindsey Graham und der frühere Gouveneur von New York George Pataki. Drei Namen, die keine Chance, aber ein großes Ego haben. Santorum kandidierte bereits 2012 und machte Mitt Romney das Leben schwer. Lindsey Graham ist einer der einflussreichsten Senatoren und Pataki meint, wenn er New York State regieren kann, dann wohl auch den Rest des Landes.

Rick Santorum will mit christlich-konservativen Werten US Präsident werden.

Rick Santorum will mit christlich-konservativen Werten US Präsident werden.

Santorum und Graham tauchen in den Umfragen sogar auf, allerdings chancenlos. Pataki hingegen ist nicht auf dem Radarschirm der Wähler zu finden. Die drei werden es schwer haben, jetzt noch irgendeine Basis aufzubauen. Die Geldgeber haben sich so gut wie schon entschieden, die wichtigen Wahlkampfmanager festgelegt, der Wahlkampf ist schon in vollem Gange.

Was Santorum, Graham und Pataki wohl wollen ist, sich ins Gespräch bringen, ihre Standpunkte zu erklären und vielleicht als Vize-Präsidentschaftskandidat und möglicher Minister eingeplant zu werden. Mehr ist für sie nicht drin, der Wahlkampfzug hat eineinhalb Jahre vor dem Wahltermin bereits den GOP Bahnhof verlassen. Jeder, der jetzt noch aufspringen will, hat keine Chance mehr.

Die Kandidaten konzentrieren sich auf Iowa, beackern die frühen Vorwahlstaaten, geben auf geschlossenen Veranstaltungen und in Hinterzimmerkonferenzen Wahlversprechen ab und sammeln Gelder ein. Dabei treten sie sich schon jetzt auf die Füße. Die republikanische Partei wirkt zerfahrener und zerstückelter mit jedem neuen Kandidaten, der sich in Position bringt. Wie da ein einheitliches Gesamtbild entstehen soll, ist fraglich. Die Fragmentierung der Partei, ein Vorwahlkampf, der bis zum Sommer 2016 reichen könnte, viele Finanzmittel und Kräfte verballert, würde am Ende nur Hillary Clinton helfen, die problemlos die Kandidatenkrone ihrer Demokraten aufsetzen wird. Die Republikaner werden also ungewollt zum „Queen maker“ in den USA.

Geld regiert die Welt

Die Nachricht kam im republikanischen Lager einem Erdbeben gleich . Die New York Times berichtete, dass sich David Koch und sein Bruder Charles Koch auf einen Kandidaten für die Präsidentschaftswahl geeinigt hätten. Wisconsins Gouverneur Scott Walker soll der Auserwählte sein. Die Koch Brüder sind Milliardäre, ihr Geld machte die Familie im Ölgeschäft. „Koch Industries“ ist das zweitgrößte Unternehmen in privater Hand in den USA. Die Kochs fördern schon seit Jahrzehnten mit ihrem Reichtum konservative Institute in den USA, sie galten lange Zeit als die Finanziers der Tea Party Bewegung und ohne ihre Schecks wird kein Republikaner gewählt.

Die Milliardärsbrüder David und Charles Koch.

Die Milliardärsbrüder David und Charles Koch.

Doch nun ließ ein enger Vertrauter der „Koch Brothers“ durchblicken, dass noch keine echte Entscheidung getroffen worden sei. Vielmehr werde man im Sommer zu einer Konferenz laden, auf der einige der Kandidaten ihre Positionen verdeutlichen dürfen. Man werde genau hinschauen, was für ein Team der jeweilige Kandidat zusammen gestellt hat, wie er sich präsentiert und vor allem „how they articulate issues the Kochs care about“, also wie sehr der Kandidat die Weltsicht der Brüder in Washington umsetzen würde.

Und die Weltsicht der „Brothers“ ist eindeutig. Von Demokraten halten sie nichts, sie verstehen sich als „pro freedom“, die Märkte bestimmen die Gesetze und Umweltpolitik steht nicht gerade hoch auf ihrer Prioritätenlisten. So haben sie 400 Kongressabgeordnete mit allerlei Grün davon überzeugt – oder gedrängt, ihre Unterschrift unter ein Versprechen zu setzen, dass diese keine Gesetze gegen „Global Warming“ unterstützen ohne gleichzeitige drastische Steuererleichterungen. Die Kochs sitzen mit an den Schaltstellen Amerikas.

Bei der letzten Wahl 2012 waren sie alles andere als erfreut, als sich am Ende Mitt Romney im GOP Kandidatenfeld durchsetzte. Sie sahen ihn als einen Abklatsch von Barack Obama, als keine ernstzunehmende Alternative im Kampf für die Rückeroberung des Weißen Hauses.

Ja was denn nun?

Mitt Romney sagt zum Abschied noch einmal laut Servus.

Mitt Romney sagt zum Abschied noch einmal laut Servus.

Mitt Romney also nun doch nicht. Nach der verlorenen Wahl gegen Barack Obama 2012 meinte der ehemalige Gouverneur von Massachusetts, das war’s dann. Aber Anfang Januar bekundete Romney, dass er es sich durchaus noch einmal vorstellen könne zu kandidieren. In Gesprächen mit Wahlkampfmanangern und vor allem potenziellen Spendern lotete er die politischen Wasser aus. Und dann kam für viele die überraschende Mitteilung „Romney kandidiert“.

Das hätte dann wiederum zu einem direkten Zweikampf mit Jeb Bush geführt, der eigentlich um die gleichen Wähler und Geldgeber buhlt. Romney und Bush trafen sich schließlich in der vergangenen Woche und klärten die Wasser, sprich eine Rückzugsstrategie für Romney wurde ausgehandelt, wie er mit erhobenem Haupt aus der Situation rauskommt. Beide nahmen auch nicht am vergangenen Wochenende am „Freedom Summit“ in Iowa teil, auf dem sich mehr die „Tea Party“ Kandidaten tummelten oder Möchtegernpolitiker wie Donald Trump und Sarah Palin ins Rampenlicht rückten.

Das potenzielle Kandidatenfeld war weit offen, Mitt Romney lag in einigen nichtssagenden Umfragen vorne. Und nun kommt der Rücktritt vom Rücktritt vom Rücktritt. In einer Telefonkonferenz mit Unterstützern erklärte der Millionär: „Eine Umfrage, die heute veröffentlicht wurde, zeigt, dass ich weiter zulege und rund doppelt so viele Stimmen auf mich vereinen kann, wie der zweitplatzierte Herausforderer. Ich führe auch in den vier frühen Bundesstaaten“. Dennoch ziehe er sich nun zurück. Diese Aussage zeigt eigentlich nur, dass Romney nicht als „Versager“ abdanken wollte, vielmehr in vorderster Reihe seiner Partei. Als jemand, der es ja richten könnte, doch eigentlich gar nicht mehr will. Auch ein Weg, die eigenen Niederlagen im Nachhinein zu korrigieren.

 

 

Das wird was geben

Donald Trump setzte sich in Szene.

Donald Trump setzte sich in Szene.

In Iowa trafen sich am Samstag einige der republikanischen Möchtegernpräsidentschaftskandidaten. Ted Cruz, Chris Christie, Scott Walker, Rick Perry, Rick Santorum, Dr. Ben Carson, Donald Trump, Newt Gingrich, Mike Huckabee, Carly Fiorina, Sarah Palin und noch ein paar andere. Das ganze lief unter dem Namen „Freedom Summit“, denn hier kamen ja die Freiheitskämpfer schlechthin zusammen. Freiheit dahingehend, dass sie sich deutlich über Präsident Barack Obama äußerten und sich der erzkonservativen und teils verschrobenen „Tea Party“-Bewegung in den Reihen der GOP anbiederten.

Allzuviel neues konnte man nicht hören, außer den typischen Angriffen und Unterstellungen und Verdrehungen. Interssant allerdings waren die Auftritte von Trump und Palin. Donald Trump erklärte gleich mehrmals, er überlege sehr ernsthaft zu kandidieren. Die Frontrunner in der Partei, Jeb Bush und Mitt Romney, bezeichnete er unter dem Applaus des Publikums als nicht fähig Veränderungen zu bringen. Der eine sei zu lasch in Fragen der Einwanderung, der andere habe seine Chance gehabt und sie verbockt. Nur er und er allein könne Amerika wieder auf Kurs bringen. Seine Geschäftserfahrungen prädestinierten ihn und nur ihn allein für den Job im Oval Office.

Beim "Freedom Summit" durfte auch Sarah Palin nicht fehlen.

Beim „Freedom Summit“ durfte auch Sarah Palin nicht fehlen.

Donald Trump liebt Donald Trump. Er badet geradezu im Scheinwerferlicht auf der Bühne, wälzt sich genüßlich in den eigenen Worten, zeichnet quasi ein politisches Aktbild von sich. Natürlich sexy und unwiderstehlich! Trump ist ein Narzist sondergleichen. Fremdschämen ist angesagt. Man ist als Zuschauer peinlich berührt, wie dieser Mann mit eigenwilliger Haarpracht sich selbst in den höchsten Tönen lobt. Schlimm ist an seinem Auftritt, dass er nicht nur ernsthaft androht zu kandidieren, Trump meint auch noch, er habe sehr gute Chancen zu gewinnen.

Und dann ist da Sarah Palin. Mal wieder. Sie erklärte in den letzten Tagen so ganz nebenbei, dass sie „sehr interessiert“ daran sei zu kandidieren. Sofort springen die amerikanischen Medien und erklären sie gleich zu einer ernsthaften Kandidatin. Und gerade das ist Palin nicht. Das war sie noch nie, auch wenn die Teeparteisoldaten und sie selbst es gerne anders hätten. Palin war Bürgermeisterin in der Kleinstadt Wasilla in Alaska, danach noch nicht mal für eine Amtsperiode Gouverneurin des Bundesstaates. Auffällig wurde sie erst als Vize-Präsidentschaftskandidatin an der Seite von John McCain im Wahlkampf 2008. Auffällig vor allem durch ihre politischen Äußerungen, wie etwa, sie habe internationale Erfahrungen, weil sie Russland von Alaska aus sehen könne.

Sarah Palin hört sich, wie auch Donald Trump, am liebsten selbst. Die ‚Tea Party“ Aktivisten lieben sie, warum ist unerklärbar. Politisch ist Palin ein Nobody, die außer großem Getöse und Schlagworten keine Inhalte bieten kann. Sie und Trump werden sicherlich nicht 2017 im Oval Office Platz nehmen. Und falls doch, falls wirklich das Unvorstellbare passieren sollte, es nicht mit rechten Dingen zugeht, Ostern und Weihnachten auf einen Tag fallen, Barack Obama sich doch noch als wiederauferstandener Adolf Hitler oder Joseph Stalin outen sollte, dann, ja dann, habe ich immer noch meinen deutschen Pass, um das Land der unbegrenzten Möglichkeiten auf dem schnellsten Weg zu verlassen.

RICKY wants to be KING

Als er 2011 ins Rennen um das Weiße Haus einstieg, dachten viele, das war es dann. Texas Gouverneur Rick Perry würde die innerparteilichen Konkurrenten einfach wegblasen. Doch es kam alles anders. Rick Perry blamierte sich bis auf die Knochen im Vorwahlkampf der Republikaner, am Schluß setzte sich sein Hauptkontrahent Mitt Romney durch, der dann in der eigentlichen Wahl gegen Barack Obama haushoch zu verlieren.

Texas Gouverneur Rick Perry will es noch einmal wissen.

Texas Gouverneur Rick Perry will es noch einmal wissen.

Perry verzog sich nach Texas und baute seinen Gouverneursposten zum kleinen Fürstentum aus. Irgendwie konnte er dort im „Lone Star State“ alles machen, genau so, wie er es für richtig hielt. Doch nach drei Amtszeiten in Texas, Perry ist der am längsten amtierende Gouverneur des Bundesstaates, hat er andere Pläne. Irgendwie ist das doch zu provinziell da unten in Texas. Fürst war er nun lange genug, nun steht das Köngisamt an. Mal wieder! Was ihm noch immer vorschwebt, ist das Weiße Haus. Und darauf setzt er nun in den kommenden Wochen.

Im Dezember wird Rick Perry fast 500 einflußreiche Politstrategen und superreiche Spender treffen, um mit ihnen über seine mögliche Kandidatur 2016 zu sprechen. Beobachter und Wegbegleiter werden nicht müde zu betonen, dass Perry aus dem Desaster 2012 gelernt habe, besser vorbereitet sei und nun auf jede Frage antworten könne, auch vor laufenden Fernsehkameras. Im letzten Präsidentschaftswahlkampf kam Perry nämlich als Provinzfürst daher, der anfangs selbstsicher auftrat, doch irgendwie auf der nationalen Ebene total überfordert wirkte. Am Ende mußte sich Perry schon nach der ersten Vorwahl in Iowa still und leise verabschieden.

Nun soll alles besser werden, der Texaner Ricky will zum „King“ der Vereinigten Staaten werden. Eine zweite Chance hat ja wohl jeder in den USA verdient, oder? Deshalb will er früh seine Reihen formieren, denn andere Kandidaten haben dieselben Geldgeber im Blick, darunter der ehemalige Gouverneur aus Florida Jeb Bush und Texas Senator Ted Cruz. Beiden wird eine Kandidatur nachgesagt, denn beide planen schon hinter den Kulissen einen triumphalen Auftritt, um aus den Startlöchern zu kommen Und Bush wird dabei auf die Unterstützung seines Vaters und seines Bruders bauen können, die beide sehr gute Beziehungen zu den Öl-Multis in Texas haben. Rick Perry ist also vorgewarnt und mobilisiert seine Truppen für einen brutalen Grabenkrieg mit vielen, vielen Tretminen.

Wenn das Kapital spricht

Bill Gates fordert Einwanderungsreform.

Bill Gates fordert Einwanderungsreform.

Bill Gates, Warren Buffett und Sheldon Adelson sind drei der reichsten Männer der Welt. Ihnen gehört zusammen ein Vermögen von rund 160 Milliarden Dollar. Microsoft Gründer Gates und Investor Buffett haben in der Vergangenheit Barack Obama unterstützt, Las Vegas Kasino Mogul Adelson hat im Wahlkampf 2012 etwa 100 Millionen Dollar gegen die Wiederwahl von Obama ausgegeben. Doch trotz der politischen Differenzen haben die drei nun einen gemeinsamen Beitrag in der New York Times veröffentlicht.

Die Superreichen verstehen nicht, warum es keine Reform des Einwanderungsgesetzes in den USA gibt, obwohl Demokraten, Republikaner und Präsident Obama über die dringende Notwendigkeit überein stimmen. Die drei schreiben in ihrem Kommentar, dass sie trotz politischer Differenzen, in der Lage seien, einen Gesetzestext zu verfassen. Ausdrücklich werfen sie dem republikanisch dominierten Kongress vor, nicht zu handeln, auf Zeit zu setzen, die Reform unnötig zu politisieren.

Gates, Buffett und Adelson sahen sich zu diesem öffentlichen Schritt gezwungen, nachdem die Situation an der mexikanischen Grenze immer mehr außer Kontrolle gerät und gleichzeitig der Sprecher des Kongresses, der Republikaner John Boehner, erklärte, eine Reform sei notwendig, werde aber im Wahljahr 2014 nicht mehr kommen.

Erdbeben im Republikanerlager

Eric Cantor nach seiner Niederlage am Wahlabend.

Eric Cantor nach seiner Niederlage am Wahlabend.

Ein politisches Erdbeben hat am Dienstag die Republikaner kräftig durchgeschüttelt. Eric Cantor ist draußen. Der Name sagt wahrscheinlich in Deutschland nicht vielen etwas. Cantor war der Vorsitzende der Republikaner im Abgeordnetenhaus, ein sehr einflussreicher Politiker seiner Partei. Er stand 2008 auf der Liste der möglichen Vize-Präsidentschaftskandidaten und sollte John Boehner nach der Wahl im November als Sprecher des Kongresses beerben.

Doch dann kam die Vorwahl am Dienstag im 7. Distrikt von Virginia und Amtsinhaber Eric Cantor verlor. Nicht nur knapp, sondern gleich mit 10 Prozent Rückstand auf Dave Brat, einem absoluten Nobody. Warum diese Niederlage nun ein politisches Erdbeben ist, liegt zum einen an Eric Cantors Namen und Position in der republikanischen Partei. Zum anderen wurde Dave Brat massiv von der erzkonservativen Tea Party und einigen sehr erfolgreichen, doch polarisierenden Talk Show Größen wie Laura Ingraham und Ann Coulter unterstützt. Brat machte Wahlkampf, in dem er Eric Cantor als einen Amnestie Unterstützer für illegale Einwanderer darstellte. Was so nicht stimmt, doch die Wähler glaubten diesen Irrsinn. Amnestie ist für die Tea Party ein rotes Tuch. Sie verlangen ganz offen, alle illegalen Einwanderer abzuschieben und die Grenzen dicht zu machen. Am besten mit sicheren Grenzschutzanlagen, hohen Zäunen und militärischen Mitteln.

Mit dem Sieg des Herausforderers Dave Brat meldet sich die Tea Party mit einem lauten Knall zurück, das weitreichende Folgen haben wird. Eine längst überfällige Einwanderungsreform wird es in dieser Legislaturperiode nicht mehr geben. Kein Republikaner wird dieses heiße Eisen nach der Niederlage Cantors anfassen, denn am Dienstag ist klar geworden, dass kein Abgeordneter mehr ein sicheres Mandat hat. Falls die Tea Party eine Chance sieht, einen in ihren Augen zu „weichen“, zu „liberalen“ oder zu „Obama nahen“ Kandidaten aus dem Parlament zu kegeln, dann wird sie es tun. Und nun muß auch die Nachfolge von John Boehner neu geregelt werden. Vermutet wird, dass die Republikaner einen deutlichen Rechtsruck machen werden. Das wird das Land noch mehr lähmen, als es eh schon ist. Nach der Novemberwahl wird zwei Jahre lang rein gar nichts mehr passieren, durchgesetzt werden, voran gehen. Obama wird mit dem neu zusammengesetzten Kongress nicht zusammen arbeiten können. Das steht nun schon vor der Wahl fest. Amerika hat sich gerade selbst in den Fuß geschossen.

 

Geld regiert die Welt

Im Land von Dagobert Duck bestimmen die Superreichen, wie die Wahlen ausgehen. Heisst, Wahlkampfspenden sind nun Meinungsfreiheit. Das oberste Gericht in den USA hat mit einem vielweisenden 5:4 Richterspruch erklärt, dass noch mehr Geld in die Wahlkampfbudgets von Kandidaten, Parteien und politischen Kommitees fließen kann. Es gibt zwar nach wie vor Limits, wie hoch eine einzelne Spende sein kann, aber die Anzahl der einzelnen Spenden wurde aufgehoben. Meinungsfreiheit drückt man hier eben über das Scheckbuch oder das Bündel Dollarnoten in der Hosentasche aus.

Republikaner und die Großspender, wie die Koch Brothers, sind begeistert von diesem Urteil der konservativen Richtermehrheit. Sie sehen nun eine gute Möglichkeit die anstehenden Wahlen für sich zu entscheiden. Mit Geld kann man es schon richten, wir wollen ja nicht vom Kaufen reden. Die Wähler werden also mit Negativwahlkampf bombardiert werden. Demokraten und Liberale im Land zeigten sich entsetzt. Die fünf Richter würden nun die 2002 lang ausgearbeitete Wahlkampfspendenreform aushöhlen. Sie hätten mit ihrem Entscheid die Schleusentore geöffnet. Der Vorsitzende Richter, John Roberts, erklärte für die Mehrheitsmeinung, nun sei eben der Kongress gefragt, neue Gesetze zu verabschieden, damit es weiterhin einen ordentlichen Ablauf gebe. Stephen Breyer meinte daraufhin für die vier Richter der Minderheit, dass das ein sehr naives Weltbild sei. Der tief gespaltene Kongress werde sich nie auf neue Regeln und Gesetze einigen können.

Amerika das Land in dem zwar nicht jeder wählen kann, aber wenn man wählt ist nicht jede Stimme gleich viel wert. In Zahlen drückt sich das so aus. Die 30 aktivsten politischen Super PAC Spender (PAC = Political Action Committee) haben in der Präsidentschaftswahl Obama gegen Romney genausoviel ausgegeben wie 3,7 Millionen Kleinspender, die jeweils 200 Dollar und weniger für ihren Kandidaten gaben, also 313 Millionen Dollar. Wahlen in den USA erinnern immer mehr an George Orwells „Farm der Tiere“: Alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher.

Hillary kandidiert nicht

Mehr als eineinhalb Millionen facebook „Likes“. In Umfragen liegt sie vor allen anderen potentiellen Kandidaten und Kanditatinnen. In den Talk Shows und den 24 Stunden Nachrichtenunterhaltungsprogrammen wird sie schon jetzt als die zukünftige Präsidentin gehandelt. Und dennoch, Hillary Clinton wird 2016 nicht fürs Weiße Haus kandidieren. Das sagt sie nicht selbst, sie hat sich bislang weder für eine Kandidatur noch gegen eine ausgesprochen.

Ich glaube nicht, dass Hillary Clinton in den Ring steigen wird. Das hat gleich mehrere Gründe. Zuallererst ihr Alter, Hillary wird im Wahlkampf 2016 kurz vor dem Wahltag ihren 69. Geburtstag feiern. Barack Obama war 47 als er gewählt wurde, George W. Bush 54 und Bill Clinton 46 Jahre alt. Amerika hat kein Problem einen hochbetagten Verfassungsrichter oder Senator zu wählen, aber einen Präsidenten oder eine Präsidentin, die das Renteneintrittsalter schon überschritten hat, ist, gerade im schnelllebigen Internetzeitalter, kaum noch vertretbar.

Dann ist da der Scherbenhaufen, den Barack Obama hinterlassen wird. Seine Gesundheitsreform, auch „Obamacare“ geschimpft, wird nicht so umgesetzt, wenn überhaupt, wie er das erhoffte. Der Unmut gegen dieses Regierungsprojekt wächst in der Bevölkerung. Hillary Clinton selbst stand während der ersten Amtszeit ihres Mannes für den Versuch, eine breite Gesundheitsreform umzusetzen und scheiterte kläglich. Das hat man ihr bis heute nicht vergessen. Der Vergleich zwischen Hillary und Obama wird gezogen werden, auch ihr wird man weiter Reformversuche nachsagen. Ein tödliches Unterfangen nach „Obamacare“. Darüberhinaus ist Obama ein gescheiterter US Präsident, der eigentlich nur wiedergewählt wurde, weil sein Gegenkandidat schwächelte und einen miserablen Wahlkampf fuhr. Hillary müßte auf dem Scherbenhaufen eines Demokraten in den Kampf ziehen, sie müßte sich ganz klar absetzen und distanzieren. Das alleine ist schon eine Schwächung.

Hillary Clinton hat sich zwar als US Senatorin für ihre Wahlheimat New York und dann als Außenministerin einen guten Ruf und Anerkennung erarbeitet, doch es liegen so einige politische Leichen in ihrem Keller, die mit Sicherheit ausgegraben werden. Man denke da nur an den Terroranschlag von Benghazi, damals war Clinton „Secretary of State“. Wie brutal und schmerzhaft das sein kann, das zeigte ihr der Wahlkampf 2008 gegen Barack Obama. Hillary, die schon damals als sichere Kandidatin galt, war verwundbar und wurde öffentlich gedemütigt. Das weiß sie, das hat sie nicht vergessen.

Ein Wahlkampf der Superlative, wie es das Rennen 2016 zweifellos werden wird, verlangt eine Frau oder einen Mann, der sich zuallererst in den eigenen Reihen durchsetzen kann. Beide Parteien werden einen Vorwahlkampf führen, der schon in diesem Jahr beginnen wird, mehr als zwei Jahre vor der eigentlichen Stimmabgabe. Dann geht es in das Rennen gegen den politischen Gegner. Der letzte Marathon ums Weiße Haus kostete über eineinhalb Milliarden Dollar. 2016 wird die Preismarke für Oval Office locker auf über zwei Milliarden Dollar steigen.

Hillary Clinton wird heute in Washington und darüber hinaus respektiert. Doch der Stern der Clintons ist schon länger gesunken. Mittlerweile ist auch vielen Demokraten in den USA klar, dass Bill Clinton kein Überpräsident war, wie das Kennedy oder Reagan waren. Und auch Hillary wird nicht das verwirklichen können, was Barack Obama im Wahlkampf 2008 mit „Hope“ und „Change“ erreichen wollte.

Hillary Clinton wird nicht kandidieren, das steht für mich fest. Doch warum nimmt sie ihren Namen dann nicht aus dem Hut der möglichen Kandidaten? Ganz einfach, so lange sich die Medien, die Öffentlichkeit und auch der politische Gegner auf sie konzentrieren, so lange wird keiner der anderen potenziellen demokratischen Kandidaten verheizt. Und es tut ihrem Ego und auch ihrem Verkaufswert gut, wenn sie so oft wie jetzt als die Heilsbringerin der USA dargestellt wird, wenn sogar politische Kontrahenten erklären, sie wäre besser als Obama gewesen. Eine späte Genugtuung der besonderen Art.

Zu diesem Zeitpunkt wäre ich also mehr als überrascht, wenn die einstige First Lady ins Rennen einsteigt. Denn fest steht für mich, sie hätte nach acht Jahren Obama keine Chance ins Weiße Haus einzuziehen.

Run Hillary, Run!

Hillary Clinton ist derzeit auf Wohlfühltour. Ganz persönlich und wohl auch beruflich. 200.000 Dollar kassiert sie für einen Auftritt. Davon hat sie in den letzten paar Tagen gleich mehrere hingelegt. Das tut dem eigenen Konto und ihrer „Kriegskasse“ gut. Denn egal wohin Hillary Clinton in diesen Tagen auch kommt, eine Frage taucht immer wieder auf, auch wenn sie die Medienvertreter regelmäßig aussperrt: Madame Secretary, are you running for office in 2016?

Ob sie nun für den Job im Weißen Haus kandidieren wird oder nicht, da hüllt sich die ehemalige First Lady und Ex-Außenministerin in Schweigen. Sie habe noch keine Entscheidung getroffen, meint sie. Doch Clintons Einfluß auf die Partei ist ungebrochen. Viele in der demokratischen Partei hoffen auf eine Kandidatur von Hillary Clinton, denn durch ihre Zeit als US Senatorin und als Außenministerin hat sich Clinton einen guten Namen gemacht. Zwar ist Hillary für die „Tea Party“ Vertreter der republikanischen  Partei nach wie vor ein rotes Tuch, aber daran stört sie sich selbst so gar nicht. Sie lotet derzeit in den vielen Auftritten ihre Chancen aus und fühlt bei der Basis der Partei vor. Was ihr wichtig zu sein scheint ist, dass sie nicht wieder so einen teuren, persönlichen und kräftezehrenden Vorwahlkampf wie gegen Barack Obama führen muß. Sie will die Partei geschlossen hinter sich wissen, wenn sie denn in den Ring steigt.

Hillary Clinton hat die Energie, die Durchsetzungkraft, die Vision, das Auftreten, die „Starpower“, um die Demokraten hinter sich zu vereinen. Und sie kann viel Geld für einen sündhaft teuren Präsidentschaftswahlkampf sammeln. Das hat sie bewiesen, das gehört für sie zum politischen Tagesgeschäft dazu. Sogar Teile der Republikaner wollen Hillary Clinton als Kandidatin sehen, denn mit ihr weiß man, was man im Weißen Haus bekommt.

2016 werden die Karten ganz neu gemischt, bislang haben sich nur Republikaner in den Vordergrund gedrängt, die eher, wie Senator Ted Cruz, den radikalen Flügel der Partei repräsentieren. Der gerade phänomenal wiedergewählte, schwergewichtige Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, ist zwar in der Mitte des politischen Spektrums beliebt, doch wohl nicht bei den Erzkonservativen in seiner eigenen Partei durchsetzbar. Christie wird noch immer vorgeworfen, sein Schulterschluß mit Barack Obama nach Hurricane Sandy und nur wenige Tage vor dem Wahltag 2012, habe Mitt Romney die Wahl gekostet. Auch ist Christie in vielen sozialpolitischen Bereichen zu liberal für die „Tea Party“. Die Republikaner werden sich also ein Gemetzel im Vorfeld der Wahl 2016 liefern. Davon könnte Hillary Clinton profitieren. Doch alles wäre hinfällig, wenn Vize-Präsident Joe Biden doch noch seine Kandidatur erklärt. Allerdings ist das mehr als fraglich.