Amerikas Kriege und die Folgekosten

Mehr Milliarden Dollar und Euro für die Verteidigung. Die Militärhaushalte der 29 NATO Länder sollen drastisch nach oben geschraubt werden, das verlangt der amerikanische Präsident Donald Trump. Sein Ziel sei es, die Verteidigungshaushalte aller NATO Länder auf vier Prozent des BIP aufzustocken. Die USA, so Trump, würden schon jetzt weit über vier Prozent für das eigenen Militär aufbringen.

Was Trump allerdings nicht erwähnt und auch in den Medienberichten kaum auftaucht, die USA haben nicht nur eine der größten und teuersten Armeen, die Amerikaner sind auch in unzähligen Ländern aktiv, wo man sich fragen muss, was sie da eigentlich machen. Praktisch in jedem afrikanischen Land sind amerikanische Soldaten stationiert, größtenteils sind das streng geheime Aktionen und Programme. Doch in allen Ländern Afrikas, in denen ich schon unterwegs war, von Ruanda, Kongo, Tschad, Niger bis nach Somalia, überall habe ich amerikanische Militärangehörige getroffen. Hinzu kommen Länder mit US amerikanischer Militärpräsenz in denen die USA in der Vergangenheit größeren Schaden angerichtet oder für Unruhe gesorgt haben.

So marschierten die USA im März 2003 gegen den Willen einiger NATO Partner, darunter auch Deutschland, im Irak ein. Der damalige Präsident George W. Bush und seine Administration wollten der Weltgemeinschaft weismachen, dass Saddam Hussein Giftgas herstelle und lagere und der Einmarsch Teil des „War on Terror“ sei. Auch würden die Iraker die Amerikaner mit Freudenstürmen empfangen, denn sie brächten Freiheit, Demokratie und ein Ende der Tyrannei. Der Plan, dass die Iraker die Eroberung von Bagdad mit wehenden amerikanischen Fähnchen feiern würden, musste schließlich aufgegeben werden. Der Irak und die gesamte Region bis hinunter in den Jemen brennen seitdem lichterloh.

Kein Wunder also, dass die amerikanischen Militärausgaben weitaus höher sind als die von Deutschland und vielen anderen NATO Ländern. Wenn Donald Trump davon spricht, dass die höheren Ausgaben seines Landes im Vergleich zu anderen NATO Partnern ungerecht gegenüber dem amerikanischen Steuerzahler seien, dann sollte er vielleicht zuerst einmal den amerikanischen Steuerzahler darüber aufklären, warum amerikanische Soldaten in Ländern wie Niger, Zentralafrikanische Republik, Äthiopien, Somalia und etlichen anderen Ländern rund um den Globus präsent sind. Denn davon wissen nur wenigsten in den USA.

Der Ton macht die Musik

Seit dem Wahlkampf von Donald Trump hat sich der Ton in den USA verändert. Seit die AfD für deutsche Parlamente kandidiert, hat sich der Ton in Deutschland dramatisch verschärft. Seit Populisten in vielen EU Ländern auf dem Vormarsch sind, hat sich der europäische Ton verschlechtert. Wobei man das Wort „Populismus“ mehr als hinterfragen sollte, denn „auf der Seite des „einfachen Volkes““ stehen Populisten nicht, auch wenn sie das stets erklären. Ganz im Gegenteil, mit Hass und Wut, Übertreibungen und Lügen agitieren sie und spielen damit gefählich mit dem Feuer.

Donald Trump spielt mit dem Feuer. Foto: Reuters.

Donald Trump beschreibt Menschen aus Mexiko, aus Honduras, Guatemala, El Salvador als Vergewaltiger, Kriminelle, als Tiere. Von Flüchtlingen hält er nichts, will sie nun ohne Gerichtsverfahren in die Länder zurück schicken, aus denen sie gekommen sind. Das Asylrecht will er untergraben. Er verkennt die Immigrationsgeschichte seines eigenen Landes, denn aus Deutschland, Irland, Italien, China, Mexiko, Russland, Polen, Somalia, Indien, aus aller Herren Länder kamen über die Jahrhunderte nicht die besten der Besten, wie Trump es nun fordert. Aus all diesen Ländern kamen Flüchtlinge, Notleidende, Menschen auf der Suche nach Wohlstand, nach Sicherheit, nach einem besseren Leben. Familien, Abenteurer, daheim Gescheiterte, und all sie machten und machen Amerika heute aus. Wer diesen wichtigen Grundsatz Amerikas unterschlägt, verkennt, dass Immigranten Amerika groß gemacht haben. MAGA made by Immigrants!

Es ist nicht viel anders in Deutschland. Auch hier hat sich der Ton verändert. Was ich online in den sozialen Medien lese, was ich von der politischen Berichterstattung in den Fernseh- und Nachrichtensendungen höre und sehe, was ich in den Zeitungen und Magazinen mitbekomme und was ich auf den Straßen erfasse, auch hier werden von Brandstiftern Flüchtlinge und Asylsuchende mit Terroristen, Kriminellen, Verbrechern gleichgesetzt. Es gibt nach jeder schlimmen Straftat eine unsägliche Verallgemeinerung, die diesseits und jenseits des Atlantiks zur Tagesordnung geworden ist. Es ist eine gefährliche Entwicklung, die Menschen zu Schuldigen macht, die eigentlich nur Hilfe suchen, die „das einfache Volk“ gegen Andersaussehende, Anderssprechende, Andersdenkende ausspielen soll. Die Probleme einer Gesellschaft löst man aber nicht durch Spaltung und Ausgrenzung.

Was und wer ist amerikanisch? Was und wer ist deutsch? Vielleicht denke ich auch nur so, weil ich der Sohn eines Vertriebenen bin, der seinerzeit von Deutschen als Flüchtling bezeichnet und abgestempelt wurde. Vielleicht denke ich so, weil ich mich noch an den Mauerfall erinnern kann und daran, wie DDR Bürger Willkommen geheißen wurden, die Wiedervereinigung trotz der immensen Kosten für die Bundesbürger als Chance für Deutschland gesehen wurde. Vielleicht denke ich auch nur so, weil ich heute selbst Immigrant bin und daraus kein Geheimnis mache.

Trump und der Ort der Schande

Seit 17 Jahren existiert das US Gefangenenlager Guantanamo Bay auf Kuba. Noch immer sind dort 41 Gefangene ohne Anklage und ohne Prozess untergebracht. Foto: Reuters.

Es war ein zentrales Thema von Barack Obama, direkt nach seinem Amtsantritt am 22. Januar 2009 unterschrieb der damalige Präsident eine präsidiale Anordnung, die besagte, das Gefangenenlager Guantanamo Bay auf Kuba sei zu schließen. Es sei ein Ort der Schande, auf den Amerika alles andere als stolz sein könne, hieß es zur Bergründung. Doch die Republikaner bekämpften vor den Gerichten diese Entscheidung. Sie wollten keine “feindlichen Kämpfer” in bundesstaatlichen Gefängnissen in den USA.

Donald Trump griff das in seinem Wahlkampf auf und erklärte unter dem Jubel seiner Anhänger, er werde Guantanamo nicht nur offen halten, er werde das Lager auch ausbauen. Mit der Wahl Trumps wurde dieses Thema wieder aktuell. Sein Justizminister Jeff Sessions erklärte schon kurz nach seinem Dienstantritt, Guantanamo sei ein – Zitat – “sehr feiner Ort, an dem man solche Kriminelle aufbewahren kann”. Sessions wandte sich auch dagegen, die Gefangenen in die USA zu verlegen, wo sie von der Verfassung garantierte Rechte erhalten würden.

Donald Trump kippte daher am Dienstagabend eine weitere präsidiale Anordnung seines Vorgängers Barack Obama. In seiner Rede erklärte er, er halte ein weiteres Versprechen aus seinem Wahlkampf. Törichterweise, so der Präsident, seien in der Vergangenheit Hunderte von gefährlichen Terroristen aus dem Lager entlassen worden, die anschließend wieder in den Krieg gegen die USA zogen. Auch kündigte er an, dass sein Verteidigungsminister Jim Mattis innerhalb von 90 Tagen einen Plan vorlegen soll, wie man in Zukunft mit verhafteten Extremisten an den zahlreichen Fronten im Krieg gegen den Terror umgehen soll. Das Gefangenenlager Guantanamo Bay spielt dabei eine wichtige Rolle in den Plänen der Administration. Noch immer sitzen dort 41 Häftlinge ohne Anklage und ohne Prozess.

Nationale Sicherheitsexperten der Bush und der Obama Administrationen warfen Trump noch am Abend der “State of the Union” Rede vor, eine eher populistische Entscheidung für seine Basis getroffen zu haben. Denn Guantanomo habe keinerlei Bedeutung für die nationale Sicherheit der USA und isoliere Amerika nur weiter auf der internationalen Ebene.

Meine Reisen in die „Shitholes“ dieser Welt

Donald Trump erklärte Länder wie Haiti, El Salvador und afrikanische Länder zu „Shitholes“. Damit trat er einen „Shitstorm“ los, um beim Thema zu bleiben. Die Aufregung am Donnerstag war groß. Trump reagierte am Freitagmorgen und tweetete wie immer eine Antwort. Klar, alles sei gelogen.

Er habe niemals schlecht über Haiti gesprochen, denn er habe ja eine „wunderbare Beziehung“ zu den Menschen dort. Kein Wort von El Salvador oder den afrikanischen „Dreckslöchern“, die von Trump ebenso benannt wurden. Anscheinend steht der Präsident zu seiner Meinung, obwohl er bislang weder die Länder noch die Menschen dort kennengelernt hat. Aber die Aussage ist nur eine von vielen rassistischen Äußerungen Donald Trumps. Überraschend kam sie nicht (mehr).

Das Haus wurde mir von der Dorfgemeinschaft in einer kleinen Gemeinde im südlichen Niger angeboten. Wir hatten trotz der ernüchternden Situation um uns herum viel Spaß an diesem Tag.

Erschreckend war auch die Reaktion der Trump-Basis, die die durchaus rassistischen und beleidigenden Worte ihres Führers relativierten. So spreche man eben in der Kneipe, so sehen „Amerikaner“ diese unterentwickelten Orte, Trump verstehe einfach seine Wähler und drücke das aus, was sie denken. So, die einhellige Meinung auf FOXNews. Nun, ich bin auch Amerikaner, selbst Immigrant, wenn auch nicht aus einem „Shithole Country“, doch ich kenne einige der Länder, die unter den Trumpschen Hammer kamen: Niger, Somalia, die Demokratische Republik Kongo, den Tschad. Der Grund, warum Menschen fliehen, zu Flüchtlingen werden, ihre Heimat verlassen, ist sicherlich nicht der, dass sie meinen in den USA ein Lotterleben führen zu können. Oftmals hängt der Grund für die Flucht oder die Eskalation der Situation vor Ort auch mit der amerikanischen Außenpolitik zusammen. Wenn man, wie Trump, die Diplomatie nun fast nur noch auf Militäreinsätze und militärische Drohgebärden beschränkt, offene Stellen in den Botschaften nicht besetzt, wichtige Entwicklungshilfegelder kürzt oder ganz streicht, der braucht sich nicht zu wundern, wenn Menschen sich auf den Weg machen. Niemand wird geboren um ein Flüchtling zu werden.

Der fehlerlose Trump

Donald Trump dreht sich die Welt, wie sie ihm gefällt. Sogar den Tod von vier US Soldaten im Niger will Trump für sich nutzen. Erst reagiert er gar nicht darauf, kein Ton an die Öffentlichkeit und schon gar nicht an die Angehörigen, wartet 12 Tage ab, um dann auf die Frage eines Reporters zu antworten, dass er das sowieso viel besser mache als Barack Obama und all seine Vorgänger. Er schreibe Briefe an die Hinterbliebenen, manchmal rufe er auch an, aber er mache viel mehr und alles viel besser als alle Präsidenten vor ihm. Ist klar! weiter lesen

Ein bisschen Deutsch auf NPR

Vor zwei Wochen kam die Mail aus dem Redaktionsraum von „Here and Now“, einer Sendung auf National Public Radio (NPR). Sie hätten Radio Goethe im Internet gefunden, mehrmals reingehört, für gut befunden und würden mich deshalb gerne für ihre DJ-Serie interviewen. Gerne doch, schrieb ich zurück. Letzte Woche fuhr ich rüber zum lokalen Sender KQED, vom dem eine Schaltung nach Boston gelegt wurde. Vorab hatte ich einige Songs an den Produzenten der Sendung überspielt, darunter auch ein Lied von den Nürnbergern Shiny Gnomes. „Heartmoon“, zwar schon etwas älter von der Platte „MC Creatrix“, aber für mich nach wie vor ein unglaublich gutes Stück, eines meiner Lieblingslieder.

Es entwickelte sich ein sehr angenehmes Gespräch mit Moderator Jeremy Hobson über die ausgewählten Lieder und über die deutsche Musikszene. Heute wurde der Beitrag, etwas gekürzt, aber mit den Einspielungen der Titel auf „Here and Now“ über NPR und NPR Berlin ausgestrahlt. Zu hören ist das ganze auch hier auf der Webseite von „Here and Now„.

In Rüstung „we trust“

In der Nürnberger Zeitung steht heute ein Artikel über die gestiegenen Rüstungsausgaben weltweit. Die USA gaben im vergangenen Jahr 611 Milliarden Dollar für ihre Armee aus, China 215, Russland 69,2, Saudi Arabien 63,7. Deutschland liegt mit 41.1 Milliarden Dollar auf dem neunten Rang. Diese Zahlen werden in diesem Jahr weiter steigen. In den Vereinigten Staaten unter Donald Trump wird das Militär aufgerüstet und Trump selbst setzt die NATO Mitgliedsländer unter Druck, auch ihre Wehretats aufzustocken. Die Welt ist damit wieder in einer kostspieligen und verheerenden Rüstungsspirale angekommen.

Doch diese Zahlen drücken nur einen Teil der Rüstungsdebatte aus. Der frühere Korrespondent Markus Bickel berichtete lange Jahre aus den Krisengebieten dieser Welt, aus Sarajevo, Beirut, Bagdad und Damaskus. Er reiste viel in all die umliegenden Länder der arabischen und nordafrikanischen Welt. Seit Anfang des Jahres ist er der Leiter der Zeitschrift „Amnesty Journal“, dem Magazin von amnesty international in Deutschland. In seinem nun erschienen Buch „Die Profiteure des Terrors“ blickt Bickel auf ein Kapitel der Rüstungsindustrie, das nur zu gerne übersehen wird. Der internationale und legale Waffenhandel ist hier zu einem gewinnbringenden Exportschlager geworden und dort zu einer Manifestierung alter und überholter Strukturen. Hinzu kommt die beabsichtigte und auch unbeachsichtigte Bewaffnung von Terrorregimen und -gruppen. Ein kleiner Kreis deutscher Politiker unterstützt mit einem „Ja-Wort“ im Bundessicherheitsrat Tod und Verderben, Terror und Unterdrückung in zahlreichen Ländern. Deutsche Waffen sind beliebt in aller Welt und leichter erhältlich, als man glauben mag. Gerade das zeigt Markus Bickel in seinem Buch auf.

Es geht um Bündnistreue, um politische und militärische Partnerschaften, die immer wieder zu bedenklichen Exporten führen. Saudi Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar sind nicht gerade bekannt als Hüter der Menschenrechte. Der Krieg im Jemen beleuchtet die ganze militärische Macht Saudi Arabiens. Deutsche Waffen sind im Einsatz, auch und vor allem gegen die Bevölkerung. Was die Bundesregierung immer wieder öffentlich einfordert ist die Kontrolle der Waffenlieferungen. Man wolle nicht, dass die Waffen in die falschen Hände geraten oder gegen Zivilisten eingesetzt werden. Doch das ist Augenwischerei, wie Markus Bickel in „Die Profiteure des Terrors“ ausführlich beschreibt. Eine Kontrolle ist mit der Auslieferung von Schußwaffen und Rüstungsgerät nicht mehr zu garantieren.

Man muß nur selbst in Krisen- und Konfliktländer reisen, um die Schwemme an Waffen zu sehen. Allein in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara, in denen ich mehrfach unterwegs war, wird geschätzt, dass weit über 30 Millionen Schußwaffen im Umlauf sind. Nun denke man an den Irak, an Syrien, an Afghanistan. Von einer Kontrolle kann da nicht die Rede sein. Eigentlich überall haben Länder wie Deutschland, Frankreich, England und vor allem die USA die „Bad Hombres“, wie Donald Trump gerne Terroristen und Kriminelle nennt, bewaffnet. Der Islamische Staat wurde nur noch stärker durch die Waffen aus dem Westen. Und die kamen aus eroberten amerikanischen Depots und aus Waffenlieferungen im Kampf gegen den syrischen Diktator Baschar al-Assad.

Markus Bickel legt in seinem lesenswerten und umfassenden Buch die Wege offen, jene Wege, die von Deutschland aus in Krisengebiete gehen und sich dort verlaufen. „Profiteure des Terrors“ ist eine Anklage gegen das Wegsehen. Das Siegel „Made in Germany“, u.a. auch produziert in Nürnberg, geht uns schließlich alle an.

Markus Bickel, Profiteure des Terrors, Westend Verlag, 18 Euro.

Gelandet und doch nicht angekommen

Im Landeanflug auf den Flughafen von Hargeisa, Somaliland. Die Landschaft weit, leer und sehr trocken.

Ich bin da und doch ist noch alles so weit weg. Der Anflug auf Hargeisa zeigte ein Land, das schon immer mit der Trockenheit zu kämpfen hatte. Viel Wasser gab es hier noch nie, doch die Menschen haben sich angepasst. Die aktuelle Situation bedeutet jedoch eine Krise, die nur sehr schwer zu fassen ist.

Gleich in vier Ländern haben die Vereinten Nationen einen „Famine“, eine Hungerkatastrophe ausgerufen. Betroffen sind geschätzte 20 Millionen Menschen. Das hat eine Dimension erreicht, die kaum noch zu kontrollieren ist. Allein diese Zahl sagt aus, dass viele Menschen sterben werden. Denn die koordinierten Hilfsmaßnahmen, die umgehend anlaufen müssten, bleiben aus. Die USA als wichtigster „Donor“ der UN ziehen sich zurück. In Europa, so scheint es, blickt man mehr auf die eigenen Probleme, die Flüchtlingskrise, der Brexit, anstehende Wahlen. Bereits im Februar hatten führende Politiker am Horn von Afrika auf die drohende Katastrophe hingewiesen und einen Appell an die internationale Gemeinschaft gerichtet. Viel ist nicht passiert. Bis Ende Juli müssten vier Milliarden Euro zusammen kommen, bislang sind es gerade mal zehn Prozent davon. Die Türkei, als eines der wenigen Länder, startete eine direkte Soforthilfe. Doch das langt einfach nicht aus. Die drohende Hungerkatastrophe in gleich mehreren afrikanischen Ländern und im Jemen darf nicht ausgesessen werden.

Zahlreiche internationale Hilfsorganisationen sind hier in Somaliland, Puntland und South-Central Somalia vor Ort, darunter auch CARE, die schon lange am Horn von Afrika aktiv und über lokale Organisationen sehr gut vernetzt sind. Das zahlt sich nun aus. In den kommenden Monaten sollen „1,6 Millionen Menschen mit Wasser, Lebensmitteln und Hygieneartikeln in den am stärksten betroffenen Regionen“ versorgt werden. Doch auch dafür wird viel Geld gebraucht. Ich wurde in den letzten Wochen und Tagen mehrfach gefragt, wohin man Geld spenden sollte, wenn man helfen möchte. Meine Antwort war und ist immer die gleiche, gerade weil ich seit ein paar Jahren mehrfach mit CARE unterwegs war, im Kongo, im Tschad, im Niger und eben mehrmals am Horn von Afrika, und so direkt die Arbeit dieser Hilfsorganisation vor Ort und ihre Projekte sehen konnte. Von daher hier der Link zu CARE Deutschland.

Dieses Ziel von CARE, 1,6 Millionen Menschen zu erreichen, zeigt allerdings auch, dass es nicht nur der Hunger ist, der hier tödlich zuschlägt. Die Wasserknappheit, die Dürre führt im vierten Jahr erneut zum Ausfall der Ernte. Doch auch das Vieh stirbt, aus Mangel an Nahrung und Wasser. Damit wird die Zukunft Hunderttausender Somalier mittel- und langfristig vernichtet. Hinzu kommt, dass die Menschen in den ländlichen Gegenden Wasser aus verseuchten Pfützen nutzen, Krankheiten breiten sich rasend schnell aus. CARE spricht von einem Kampf an mehreren Fronten und das in einem Land, dass in weiten Teilen im Chaos und im Terror versinkt.

Zu helfen ist schwer und dann auch wieder nicht. Zumindest müssen die, die hier vor Ort helfen wollen und können, die finanziellen Möglichkeiten haben, um die Sofort- und Nothilfe umzusetzen. Eine Diskussion über den Sinn und Zweck von Entwicklungshilfe loszutreten, wie mir dies ein Vertreter der sogenannten AfD aufs Auge drücken wollte, halte ich an diesem Punkt für mehr als zynisch. Es gibt Möglichkeiten zu helfen, nutzen wir sie.

Radio mittendrin und zwischen den Welten

In diesen Tagen der kritischen Medienbeschauung tut es gut, wenn man mal in einem Sendestudio sitzt, das so ganz anders ist. KKUP 91.5 fm in Cupertino ist eine Community Station, die seit fast 45 Jahren ohne Werbung und ohne Sponsoren auskommt. Nur die Hörer unterstützen diesen einzigartigen Sender im Herzen des Silicon Valleys. Und das spricht für die Qualität und die vielen Sendungen auf dieser Station. Nicht umsonst nennt sich KKUP auch „People’s Radio“.

Don hatte mich in seine Sendung „No Pigeonholes“ eingeladen („The longest running program of home tapes and small studio productions in the world. Send us your home recordings for airplay!“). Don ist vor allem auf KOWS Radio in Sonoma County aktiv, doch noch immer sendet er auf seiner alten Station. Dafür fährt er alle zwei Wochen zwei Stunden hin und zwei Stunden zurück, quer durch den Alptraumverkehr der Bay Area. Auf KOWS wird auch allwöchentlich Radio Goethe ausgestrahlt.

Diese Art Community Radio ist eines der wichtigen Elemene der amerikanischen Medienlandschaft. Hier hört man Stimmen, Musik und Sichtweisen, die es sonst nirgends im streng formatierten Rundfunk (mehr) gibt. Es ist Handarbeit. Don kam mit einer Kiste CDs und Platten und Kassetten. Er spielt wahrlich Musik, die es sonst nirgends zu hören gibt. Musik aus Heimstudios, keine Coversachen, sondern eigene Songs. Und heute durfte ich das, mit einigen Sachen von mir anreichern, das reichte von Kraftwerk und den Einstürzenden Neubauten, über Faust und meine „Lieblinge“ Infamis bis hin zu Studio Shap Shap aus dem Niger. Wir ergänzten uns ganz gut und sowieso macht Live-Radio viel mehr Spaß, als eine vorproduzierte Sendung. Vor allem Live-Radio, bei dem man Zeit zum Atmen hat und die Musik selbst bestimmen kann, Geschichten dazu erzählt, Musik nicht nur als Gedudel im Hintergrund laufen läßt. Wetter, Verkehr und Pollenflug interessieren weder im Studio noch die Hörer vor dem Radio. KKUP hat eine starke Frenquenz in der South-Bay und kann auch übers Internet gehört. Einschalten lohnt sich garantiert!

Die Zukunft des Journalismus

Auf die Medien und die Journalisten wird ja in diesen Wochen und Monaten gerne eingeprügelt. Nicht nur Donald Trump hat seine Sündenböcke gefunden, die er unter dem Jubel seiner Anhänger beschimpft, verunglimpft und verbal bespuckt, auch die seltsame deutsche Bürgerbewegung Pegida und die sogenannte „Alternative für Deutschland“ sprechen gerne von der „Lügenpresse“.

Heute war ich auf Einladung einer alten Kollegin von KUSF, die für den Nachfolgesender „San Francisco Community Radio“ Medienarbeit an Schulen unterrichtet, am „Lycée Français de San Francisco„. Ihn ihrer Klasse waren zehn junge Schüler, die mich interviewten, Fragen stellten zu meiner Arbeit, meinem Werdegang und wie das so ist, Journalist zu sein. Sie hatten zuvor mit Farinaz Agharabi Fragen vorbereitet und die reichten von in welchen Ländern ich schon war, wie lange ich schon als Journalist arbeite, wie es dazu überhaupt kam als Journalist zu arbeiten, bis hin ob es auch mal gefährlich werde. Eine Frage jedoch ließ mich selbst nachdenken: ob ich gerne Journalist bin?

Ja, bin ich. Ich glaube, es ist der richtige Beruf für mich. Und das sagte ich ihnen auch. Ich bin neugierig und meistens bekommt man als Journalist auf seine Fragen Antworten. Ich reise viel und an Orte, die keine Urlaubsziele sind. Treffe Menschen, die ich wohl nie treffen würde, wenn ich nicht Journalist wäre. Viele von ihnen erzählen mir aus ihrem Leben. Oftmals sind es schlimme Erlebnisse, Erfahrungen und Umstände, von denen mir berichtet wird. Und doch sind da auch viele schöne Augenblicke, die ich nicht missen möchte. Im umkämpften Osten des Kongos gab es einmal einen Besuch in einem entlegenen Dorf, das immer wieder von Milizen angegriffen wurde. Das Dorf wurde geplündert, Frauen vergewaltigt, Männer brutalst zusammen geschlagen, erniedrigt, auch getötet. Als wir damals in dieses Dorf fuhren, wartete die evangelische Gemeinde rund eineinhalb Kilometer vor dem Dorf an der Straße, um uns zu empfangen. Wir stiegen aus und gingen gemeinsam mit ihnen, tanzend und singend, zu der kleinen Kirche aus Holzstöcken und Stroh. Und dort berichteten sie von den Schrecken ihres Alltags. Sie wußten, dass ich „nur“ ein Journalist bin, und doch war da jemand, der einfach mal zuhörte, Interesse zeigte.

Irgendwo in Ruanda liegt ein Fußballplatz.

In Puntland, dem nordöstlichen Teil von Somalia, spielte ich mit jungen Männern Fußball. Draußen standen unsere „Bewacher“ mit ihren Maschinengewehren und ich zog mir die kurze Hose an, schnürte die Turnschuhe und wartete auf meinen Einsatz. Wir sprachen nicht dieselbe Sprache und die jungen Kerle kurvten um diesen alten Sack aus Nürnberg problemlos herum, doch es war ein Erlebnis, das sich nur schwer in Worte fassen lässt. Normalität in einem geplagten Alltag. Fußball war auch in Ruanda so ein Erlebnis für mich. Irgendwo auf dem Weg zwischen Kigali und Gisenyi fuhren wir an einem Feld vorbei, auf dem ein gutes Dutzend Kinder in Fetzen bekleidet und barfuss Fußball spielte. Ihr Ball war nicht aus Leder, sondern aus Bananenblättern. Hart und dennoch rund. Damit spielten sie. Anfangs waren sie überrascht, als ich mitspielen wollte, doch dann lachten sie und spielten einfach weiter mit mir.

Und dann war da der Niger. In irgendeinem Dorf im Süden des Landes. Ich war mit CARE unterwegs, wir sprachen über die Auswirkungen des „Global Warming“ – Dürre und Hunger. Und dann saßen wir mit einer Frau und ihrem Sohn in ihrer Hütte. Einfach und kahl und lachten. Oder im Tschad, in einem Flüchtlingslager für Menschen aus der Zentralafrikanischen Republik, die viel, die sehr viel Schlimmes auf der Flucht erlebt hatten. Es war erst 10 Uhr morgens, doch schon sehr heiß und drückend. Ein Termin führte uns zu einem Brunnen, der von CARE gebohrt wurde. Auch dort wartete schon eine Gruppe von Frauen, Männern und Jugendlichen auf uns. Sie zeigten uns den Brunnen, wie er funktioniert und instand gehalten wird. Doch dann wurden Lieder gesungen, es wurde ausgelassen getanzt, die Besucher so willkommen geheißen.

Viele solcher kleinen, doch für mich großen Momente, machen den Job als Journalist aus. Und sie sind zahlreich. Die Menschen, mit denen ich spreche, die Orte, die ich sehe, die vielen Freundschaften, die ich über die Jahre schließen konnte. Die reichen von Mitarbeitern des Auswärtigen Amtes, des Goethe-Instituts und Hilfsorganisationen bis hin zu Musikern und sogar einer Bundestagsabgeordneten. Journalist sein bedeutet hinzusehen und hinzuhören. Und es war schön, dieses Interesse heute im „Lycée Français de San Francisco“ zu sehen. Mädchen und Jungen, die Fragen hatten, die Antworten verlangten, die neugierig waren. Der Journalismus hat eine Zukunft, wenn man junge Menschen an die Tiefe und auch an die Schönheit dieses Berufes heranführt.