Trump und seine Afrikapolitik

Die Überschrift ist eigentlich falsch, denn Donald Trump hat keine Afrikapolitik. Das hat er nun auch in einem Tweet belegt. Zum ersten Mal überhaupt in seiner Amtszeit hat Trump das Wort „Africa“ benutzt. Und natürlich war der Grund dafür, dass der amerikanische Präsident von seinem Lieblingssender FoxNews „beraten“ wurde. In der Sendung hatte der Moderator Tucker Carlson über die Bestrebungen in Südafrika berichtet, weißen Farmern würden ihre Ländereien beschlagnahmt werden und es käme zu Morden an weißen Landbesitzern.

Der US Präsident übernahm einfach, ohne Prüfung und ohne Absprache mit seinem eigenen Außenministerium, die Worte von Carlson und tweetete das in die Welt hinaus. Sehr zum Gefallen von rechten Gruppierungen, darunter auch die AfD in Deutschland, die ja vor kurzem selbst einen dementsprechenden Antrag im Bundestag eingereicht hatte. Deren Mitglied im Auswärtigen Ausschusses und des Ausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe, Anton Friesen, meinte dazu: „In Südafrika findet beinahe unbemerkt von der deutschen Öffentlichkeit eine gezielte Verfolgung einer ethnischen Minderheit statt. Die weißen Südafrikaner werden dort diskriminiert, vertrieben und getötet. In den letzten zweieinhalb Jahrzehnten sind über 70.000 weiße Südafrikaner umgebracht worden. Hundertausende sind mittlerweile aus ihrer Heimat geflohen.“ Es verwundert nicht, dass diese Zahlen nicht belegbar sind und genauso wie bei FoxNews und Donald Trump von einer rechts-nationalen Gruppierung in Südafrika stammen.

Das war also das erste Mal, dass Trump überhaupt von Afrika sprach. Zuvor waren es nur die „Shithole Countries“, aus denen Flüchtlinge kommen. Ansonsten überlässt Donald Trump dem Militär und der Christlichen Rechte im Land das weite Feld Afrika. In nahezu allen Ländern des afrikanischen Kontinents sind ohne großes Aufsehen und Wissen der amerikanischen Bevölkerung US Militärbasen installiert worden. Die Christliche Rechte dagegen bestimmt die Außen- und Entwicklungspolitik der USA in Afrika.

So wurden mit der erneut eingeführten „Mexico City Policy“, auch als „Global Gag Rule“ bekannt, Hilfsorganisationen (NGO) unter Druck gesetzt. Die MCP besagt, dass eine NGO, die amerikanische Steuergelder erhält, weder Abtreibungen durchführen, dafür werben oder Frauen an andere Einrichtungen, die Abtreibungen durchführen, verweisen darf. Wer das dennoch tut, bekommt kein Geld mehr aus den USA. Betroffen sind davon unzählige von Gesundheitskliniken und -zentren in zahlreichen afrikanischen Ländern, die u.a. auch im Bereich der HIV Prävention und Behandlung von Aids Patienten, in der Malaria Prävention und in der Versorgung von Kranken arbeiten. Wie es von verschiedenen Organisationen heißt, mussten bereits etliche Kliniken zwischen Mosambik und Kenia die Türen schließen, weil NGOs nicht die MCP unterschreiben wollten, damit Gelder für Kliniken aus den USA gekappt wurden. Betroffen davon vor allem internationale Hilfsorganisationen.

Doch all das geht an Präsident Donald Trump vorbei. „America First“ heißt für ihn ausschließlich den Blick auf die USA zu legen. Die amerikanischen Interessen in Afrika sind nicht unbedingt seine Interessen, von daher überlässt er diese gerne anderen in seinem Umfeld. Der Schaden der Trumpschen Politik in Afrika, in jenen „Shithole Countries“ wird daher erheblich sein.

Schwitzende Klogänger sind verdächtig

Nach den Terroranschlägen des 11. Septembers 2001 setzten die USA sogenannte „Sky Marshals“ auf inneramerikanische Flüge. Mit dieser Polizeieinheit über den Wolken sollten fortan solche Anschläge verhindert werden. Die Marshals sind bewaffnet und sollen im Ernstfall schnell und tatkräftig reagieren können.

Über den Wolken…reist „Big Brother“ mit Dir. Foto: Reuters.

Wie die Tageszeitung Boston Globe nun berichtet haben die Polizisten in 30.000 Fuss Höhe auch noch eine andere Aufgabe, als nur Filme schauend und lecker Airplane Food essend auf den Ernstfall zu warten. Bekannt wurde, dass die Marshals ihre Umgebung genauestens im Auge behalten sollen und das aufgrund einer ausgedruckten Passagierliste. Wer also Kontakte zu jemanden auf der sogenannten und strenggeheimen „No Fly“-Liste hat, wer immer mal wieder in zweifelhafte Gegenden, wie Syrien, Afghanistan, Somalia, Irak und andere „Terrornester“ fliegt, dessen Name wird auf der Passagierliste mit Leuchtstift markiert.

Und dann schreiten die Bundespolizisten zur Tat. Ganz genau wird beobachtet, was der- oder diejenige an Bord so machen. Schlafen sie oder schauen sie sich im Flugzeug um. Lesen sie in aller Ruhe oder schwitzen sie auffällig vor sich hin. Strecken sie die Beine am Sitzplatz aus oder gehen sie öfters auf die Toilette. Alles wird notiert und festgehalten. Und selbst wenn sich die Person auf dem Flug nicht als Terrorist entpuppt, wird anschließend ein schriftlicher Bericht abgegeben und archiviert. Man kann ja nie wissen.

Bürgerrechtler sehen diese nicht richterlich abgesegnete Beobachtung als eine Verletzung der Verfassung an, denn einfach so jemanden zu observieren sei nicht erlaubt. Die TSA, die „Transportation Security Administration“, die das reisende amerikanische Volk überwacht, sieht das ganz anders. Die Marshals machten eigentlich nur das, heißt es, was auch der Cop an der Straßenecke tut, er beobachtet und macht sich Notizen über auffälliges Verhalten von Passanten. Ich kann also nur froh sein, dass ich als leicht schwitzender Passagier mit Studentenblase und Zielort Krisengebiete problemlos im Flieger einschlafen kann. Ansonsten hätte ich wohl für die Flugdauer das wachsame Auge eines Federal Marshals auf mir…„I’m watching you!“

Amerikas Kriege und die Folgekosten

Mehr Milliarden Dollar und Euro für die Verteidigung. Die Militärhaushalte der 29 NATO Länder sollen drastisch nach oben geschraubt werden, das verlangt der amerikanische Präsident Donald Trump. Sein Ziel sei es, die Verteidigungshaushalte aller NATO Länder auf vier Prozent des BIP aufzustocken. Die USA, so Trump, würden schon jetzt weit über vier Prozent für das eigenen Militär aufbringen.

Was Trump allerdings nicht erwähnt und auch in den Medienberichten kaum auftaucht, die USA haben nicht nur eine der größten und teuersten Armeen, die Amerikaner sind auch in unzähligen Ländern aktiv, wo man sich fragen muss, was sie da eigentlich machen. Praktisch in jedem afrikanischen Land sind amerikanische Soldaten stationiert, größtenteils sind das streng geheime Aktionen und Programme. Doch in allen Ländern Afrikas, in denen ich schon unterwegs war, von Ruanda, Kongo, Tschad, Niger bis nach Somalia, überall habe ich amerikanische Militärangehörige getroffen. Hinzu kommen Länder mit US amerikanischer Militärpräsenz in denen die USA in der Vergangenheit größeren Schaden angerichtet oder für Unruhe gesorgt haben.

So marschierten die USA im März 2003 gegen den Willen einiger NATO Partner, darunter auch Deutschland, im Irak ein. Der damalige Präsident George W. Bush und seine Administration wollten der Weltgemeinschaft weismachen, dass Saddam Hussein Giftgas herstelle und lagere und der Einmarsch Teil des „War on Terror“ sei. Auch würden die Iraker die Amerikaner mit Freudenstürmen empfangen, denn sie brächten Freiheit, Demokratie und ein Ende der Tyrannei. Der Plan, dass die Iraker die Eroberung von Bagdad mit wehenden amerikanischen Fähnchen feiern würden, musste schließlich aufgegeben werden. Der Irak und die gesamte Region bis hinunter in den Jemen brennen seitdem lichterloh.

Kein Wunder also, dass die amerikanischen Militärausgaben weitaus höher sind als die von Deutschland und vielen anderen NATO Ländern. Wenn Donald Trump davon spricht, dass die höheren Ausgaben seines Landes im Vergleich zu anderen NATO Partnern ungerecht gegenüber dem amerikanischen Steuerzahler seien, dann sollte er vielleicht zuerst einmal den amerikanischen Steuerzahler darüber aufklären, warum amerikanische Soldaten in Ländern wie Niger, Zentralafrikanische Republik, Äthiopien, Somalia und etlichen anderen Ländern rund um den Globus präsent sind. Denn davon wissen nur wenigsten in den USA.

Der Ton macht die Musik

Seit dem Wahlkampf von Donald Trump hat sich der Ton in den USA verändert. Seit die AfD für deutsche Parlamente kandidiert, hat sich der Ton in Deutschland dramatisch verschärft. Seit Populisten in vielen EU Ländern auf dem Vormarsch sind, hat sich der europäische Ton verschlechtert. Wobei man das Wort „Populismus“ mehr als hinterfragen sollte, denn „auf der Seite des „einfachen Volkes““ stehen Populisten nicht, auch wenn sie das stets erklären. Ganz im Gegenteil, mit Hass und Wut, Übertreibungen und Lügen agitieren sie und spielen damit gefählich mit dem Feuer.

Donald Trump spielt mit dem Feuer. Foto: Reuters.

Donald Trump beschreibt Menschen aus Mexiko, aus Honduras, Guatemala, El Salvador als Vergewaltiger, Kriminelle, als Tiere. Von Flüchtlingen hält er nichts, will sie nun ohne Gerichtsverfahren in die Länder zurück schicken, aus denen sie gekommen sind. Das Asylrecht will er untergraben. Er verkennt die Immigrationsgeschichte seines eigenen Landes, denn aus Deutschland, Irland, Italien, China, Mexiko, Russland, Polen, Somalia, Indien, aus aller Herren Länder kamen über die Jahrhunderte nicht die besten der Besten, wie Trump es nun fordert. Aus all diesen Ländern kamen Flüchtlinge, Notleidende, Menschen auf der Suche nach Wohlstand, nach Sicherheit, nach einem besseren Leben. Familien, Abenteurer, daheim Gescheiterte, und all sie machten und machen Amerika heute aus. Wer diesen wichtigen Grundsatz Amerikas unterschlägt, verkennt, dass Immigranten Amerika groß gemacht haben. MAGA made by Immigrants!

Es ist nicht viel anders in Deutschland. Auch hier hat sich der Ton verändert. Was ich online in den sozialen Medien lese, was ich von der politischen Berichterstattung in den Fernseh- und Nachrichtensendungen höre und sehe, was ich in den Zeitungen und Magazinen mitbekomme und was ich auf den Straßen erfasse, auch hier werden von Brandstiftern Flüchtlinge und Asylsuchende mit Terroristen, Kriminellen, Verbrechern gleichgesetzt. Es gibt nach jeder schlimmen Straftat eine unsägliche Verallgemeinerung, die diesseits und jenseits des Atlantiks zur Tagesordnung geworden ist. Es ist eine gefährliche Entwicklung, die Menschen zu Schuldigen macht, die eigentlich nur Hilfe suchen, die „das einfache Volk“ gegen Andersaussehende, Anderssprechende, Andersdenkende ausspielen soll. Die Probleme einer Gesellschaft löst man aber nicht durch Spaltung und Ausgrenzung.

Was und wer ist amerikanisch? Was und wer ist deutsch? Vielleicht denke ich auch nur so, weil ich der Sohn eines Vertriebenen bin, der seinerzeit von Deutschen als Flüchtling bezeichnet und abgestempelt wurde. Vielleicht denke ich so, weil ich mich noch an den Mauerfall erinnern kann und daran, wie DDR Bürger Willkommen geheißen wurden, die Wiedervereinigung trotz der immensen Kosten für die Bundesbürger als Chance für Deutschland gesehen wurde. Vielleicht denke ich auch nur so, weil ich heute selbst Immigrant bin und daraus kein Geheimnis mache.

Trump und der Ort der Schande

Seit 17 Jahren existiert das US Gefangenenlager Guantanamo Bay auf Kuba. Noch immer sind dort 41 Gefangene ohne Anklage und ohne Prozess untergebracht. Foto: Reuters.

Es war ein zentrales Thema von Barack Obama, direkt nach seinem Amtsantritt am 22. Januar 2009 unterschrieb der damalige Präsident eine präsidiale Anordnung, die besagte, das Gefangenenlager Guantanamo Bay auf Kuba sei zu schließen. Es sei ein Ort der Schande, auf den Amerika alles andere als stolz sein könne, hieß es zur Bergründung. Doch die Republikaner bekämpften vor den Gerichten diese Entscheidung. Sie wollten keine “feindlichen Kämpfer” in bundesstaatlichen Gefängnissen in den USA.

Donald Trump griff das in seinem Wahlkampf auf und erklärte unter dem Jubel seiner Anhänger, er werde Guantanamo nicht nur offen halten, er werde das Lager auch ausbauen. Mit der Wahl Trumps wurde dieses Thema wieder aktuell. Sein Justizminister Jeff Sessions erklärte schon kurz nach seinem Dienstantritt, Guantanamo sei ein – Zitat – “sehr feiner Ort, an dem man solche Kriminelle aufbewahren kann”. Sessions wandte sich auch dagegen, die Gefangenen in die USA zu verlegen, wo sie von der Verfassung garantierte Rechte erhalten würden.

Donald Trump kippte daher am Dienstagabend eine weitere präsidiale Anordnung seines Vorgängers Barack Obama. In seiner Rede erklärte er, er halte ein weiteres Versprechen aus seinem Wahlkampf. Törichterweise, so der Präsident, seien in der Vergangenheit Hunderte von gefährlichen Terroristen aus dem Lager entlassen worden, die anschließend wieder in den Krieg gegen die USA zogen. Auch kündigte er an, dass sein Verteidigungsminister Jim Mattis innerhalb von 90 Tagen einen Plan vorlegen soll, wie man in Zukunft mit verhafteten Extremisten an den zahlreichen Fronten im Krieg gegen den Terror umgehen soll. Das Gefangenenlager Guantanamo Bay spielt dabei eine wichtige Rolle in den Plänen der Administration. Noch immer sitzen dort 41 Häftlinge ohne Anklage und ohne Prozess.

Nationale Sicherheitsexperten der Bush und der Obama Administrationen warfen Trump noch am Abend der “State of the Union” Rede vor, eine eher populistische Entscheidung für seine Basis getroffen zu haben. Denn Guantanomo habe keinerlei Bedeutung für die nationale Sicherheit der USA und isoliere Amerika nur weiter auf der internationalen Ebene.

Meine Reisen in die „Shitholes“ dieser Welt

Donald Trump erklärte Länder wie Haiti, El Salvador und afrikanische Länder zu „Shitholes“. Damit trat er einen „Shitstorm“ los, um beim Thema zu bleiben. Die Aufregung am Donnerstag war groß. Trump reagierte am Freitagmorgen und tweetete wie immer eine Antwort. Klar, alles sei gelogen.

Er habe niemals schlecht über Haiti gesprochen, denn er habe ja eine „wunderbare Beziehung“ zu den Menschen dort. Kein Wort von El Salvador oder den afrikanischen „Dreckslöchern“, die von Trump ebenso benannt wurden. Anscheinend steht der Präsident zu seiner Meinung, obwohl er bislang weder die Länder noch die Menschen dort kennengelernt hat. Aber die Aussage ist nur eine von vielen rassistischen Äußerungen Donald Trumps. Überraschend kam sie nicht (mehr).

Das Haus wurde mir von der Dorfgemeinschaft in einer kleinen Gemeinde im südlichen Niger angeboten. Wir hatten trotz der ernüchternden Situation um uns herum viel Spaß an diesem Tag.

Erschreckend war auch die Reaktion der Trump-Basis, die die durchaus rassistischen und beleidigenden Worte ihres Führers relativierten. So spreche man eben in der Kneipe, so sehen „Amerikaner“ diese unterentwickelten Orte, Trump verstehe einfach seine Wähler und drücke das aus, was sie denken. So, die einhellige Meinung auf FOXNews. Nun, ich bin auch Amerikaner, selbst Immigrant, wenn auch nicht aus einem „Shithole Country“, doch ich kenne einige der Länder, die unter den Trumpschen Hammer kamen: Niger, Somalia, die Demokratische Republik Kongo, den Tschad. Der Grund, warum Menschen fliehen, zu Flüchtlingen werden, ihre Heimat verlassen, ist sicherlich nicht der, dass sie meinen in den USA ein Lotterleben führen zu können. Oftmals hängt der Grund für die Flucht oder die Eskalation der Situation vor Ort auch mit der amerikanischen Außenpolitik zusammen. Wenn man, wie Trump, die Diplomatie nun fast nur noch auf Militäreinsätze und militärische Drohgebärden beschränkt, offene Stellen in den Botschaften nicht besetzt, wichtige Entwicklungshilfegelder kürzt oder ganz streicht, der braucht sich nicht zu wundern, wenn Menschen sich auf den Weg machen. Niemand wird geboren um ein Flüchtling zu werden.

Der fehlerlose Trump

Donald Trump dreht sich die Welt, wie sie ihm gefällt. Sogar den Tod von vier US Soldaten im Niger will Trump für sich nutzen. Erst reagiert er gar nicht darauf, kein Ton an die Öffentlichkeit und schon gar nicht an die Angehörigen, wartet 12 Tage ab, um dann auf die Frage eines Reporters zu antworten, dass er das sowieso viel besser mache als Barack Obama und all seine Vorgänger. Er schreibe Briefe an die Hinterbliebenen, manchmal rufe er auch an, aber er mache viel mehr und alles viel besser als alle Präsidenten vor ihm. Ist klar! weiter lesen

Ein bisschen Deutsch auf NPR

Vor zwei Wochen kam die Mail aus dem Redaktionsraum von „Here and Now“, einer Sendung auf National Public Radio (NPR). Sie hätten Radio Goethe im Internet gefunden, mehrmals reingehört, für gut befunden und würden mich deshalb gerne für ihre DJ-Serie interviewen. Gerne doch, schrieb ich zurück. Letzte Woche fuhr ich rüber zum lokalen Sender KQED, vom dem eine Schaltung nach Boston gelegt wurde. Vorab hatte ich einige Songs an den Produzenten der Sendung überspielt, darunter auch ein Lied von den Nürnbergern Shiny Gnomes. „Heartmoon“, zwar schon etwas älter von der Platte „MC Creatrix“, aber für mich nach wie vor ein unglaublich gutes Stück, eines meiner Lieblingslieder.

Es entwickelte sich ein sehr angenehmes Gespräch mit Moderator Jeremy Hobson über die ausgewählten Lieder und über die deutsche Musikszene. Heute wurde der Beitrag, etwas gekürzt, aber mit den Einspielungen der Titel auf „Here and Now“ über NPR und NPR Berlin ausgestrahlt. Zu hören ist das ganze auch hier auf der Webseite von „Here and Now„.

In Rüstung „we trust“

In der Nürnberger Zeitung steht heute ein Artikel über die gestiegenen Rüstungsausgaben weltweit. Die USA gaben im vergangenen Jahr 611 Milliarden Dollar für ihre Armee aus, China 215, Russland 69,2, Saudi Arabien 63,7. Deutschland liegt mit 41.1 Milliarden Dollar auf dem neunten Rang. Diese Zahlen werden in diesem Jahr weiter steigen. In den Vereinigten Staaten unter Donald Trump wird das Militär aufgerüstet und Trump selbst setzt die NATO Mitgliedsländer unter Druck, auch ihre Wehretats aufzustocken. Die Welt ist damit wieder in einer kostspieligen und verheerenden Rüstungsspirale angekommen.

Doch diese Zahlen drücken nur einen Teil der Rüstungsdebatte aus. Der frühere Korrespondent Markus Bickel berichtete lange Jahre aus den Krisengebieten dieser Welt, aus Sarajevo, Beirut, Bagdad und Damaskus. Er reiste viel in all die umliegenden Länder der arabischen und nordafrikanischen Welt. Seit Anfang des Jahres ist er der Leiter der Zeitschrift „Amnesty Journal“, dem Magazin von amnesty international in Deutschland. In seinem nun erschienen Buch „Die Profiteure des Terrors“ blickt Bickel auf ein Kapitel der Rüstungsindustrie, das nur zu gerne übersehen wird. Der internationale und legale Waffenhandel ist hier zu einem gewinnbringenden Exportschlager geworden und dort zu einer Manifestierung alter und überholter Strukturen. Hinzu kommt die beabsichtigte und auch unbeachsichtigte Bewaffnung von Terrorregimen und -gruppen. Ein kleiner Kreis deutscher Politiker unterstützt mit einem „Ja-Wort“ im Bundessicherheitsrat Tod und Verderben, Terror und Unterdrückung in zahlreichen Ländern. Deutsche Waffen sind beliebt in aller Welt und leichter erhältlich, als man glauben mag. Gerade das zeigt Markus Bickel in seinem Buch auf.

Es geht um Bündnistreue, um politische und militärische Partnerschaften, die immer wieder zu bedenklichen Exporten führen. Saudi Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar sind nicht gerade bekannt als Hüter der Menschenrechte. Der Krieg im Jemen beleuchtet die ganze militärische Macht Saudi Arabiens. Deutsche Waffen sind im Einsatz, auch und vor allem gegen die Bevölkerung. Was die Bundesregierung immer wieder öffentlich einfordert ist die Kontrolle der Waffenlieferungen. Man wolle nicht, dass die Waffen in die falschen Hände geraten oder gegen Zivilisten eingesetzt werden. Doch das ist Augenwischerei, wie Markus Bickel in „Die Profiteure des Terrors“ ausführlich beschreibt. Eine Kontrolle ist mit der Auslieferung von Schußwaffen und Rüstungsgerät nicht mehr zu garantieren.

Man muß nur selbst in Krisen- und Konfliktländer reisen, um die Schwemme an Waffen zu sehen. Allein in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara, in denen ich mehrfach unterwegs war, wird geschätzt, dass weit über 30 Millionen Schußwaffen im Umlauf sind. Nun denke man an den Irak, an Syrien, an Afghanistan. Von einer Kontrolle kann da nicht die Rede sein. Eigentlich überall haben Länder wie Deutschland, Frankreich, England und vor allem die USA die „Bad Hombres“, wie Donald Trump gerne Terroristen und Kriminelle nennt, bewaffnet. Der Islamische Staat wurde nur noch stärker durch die Waffen aus dem Westen. Und die kamen aus eroberten amerikanischen Depots und aus Waffenlieferungen im Kampf gegen den syrischen Diktator Baschar al-Assad.

Markus Bickel legt in seinem lesenswerten und umfassenden Buch die Wege offen, jene Wege, die von Deutschland aus in Krisengebiete gehen und sich dort verlaufen. „Profiteure des Terrors“ ist eine Anklage gegen das Wegsehen. Das Siegel „Made in Germany“, u.a. auch produziert in Nürnberg, geht uns schließlich alle an.

Markus Bickel, Profiteure des Terrors, Westend Verlag, 18 Euro.

Gelandet und doch nicht angekommen

Im Landeanflug auf den Flughafen von Hargeisa, Somaliland. Die Landschaft weit, leer und sehr trocken.

Ich bin da und doch ist noch alles so weit weg. Der Anflug auf Hargeisa zeigte ein Land, das schon immer mit der Trockenheit zu kämpfen hatte. Viel Wasser gab es hier noch nie, doch die Menschen haben sich angepasst. Die aktuelle Situation bedeutet jedoch eine Krise, die nur sehr schwer zu fassen ist.

Gleich in vier Ländern haben die Vereinten Nationen einen „Famine“, eine Hungerkatastrophe ausgerufen. Betroffen sind geschätzte 20 Millionen Menschen. Das hat eine Dimension erreicht, die kaum noch zu kontrollieren ist. Allein diese Zahl sagt aus, dass viele Menschen sterben werden. Denn die koordinierten Hilfsmaßnahmen, die umgehend anlaufen müssten, bleiben aus. Die USA als wichtigster „Donor“ der UN ziehen sich zurück. In Europa, so scheint es, blickt man mehr auf die eigenen Probleme, die Flüchtlingskrise, der Brexit, anstehende Wahlen. Bereits im Februar hatten führende Politiker am Horn von Afrika auf die drohende Katastrophe hingewiesen und einen Appell an die internationale Gemeinschaft gerichtet. Viel ist nicht passiert. Bis Ende Juli müssten vier Milliarden Euro zusammen kommen, bislang sind es gerade mal zehn Prozent davon. Die Türkei, als eines der wenigen Länder, startete eine direkte Soforthilfe. Doch das langt einfach nicht aus. Die drohende Hungerkatastrophe in gleich mehreren afrikanischen Ländern und im Jemen darf nicht ausgesessen werden.

Zahlreiche internationale Hilfsorganisationen sind hier in Somaliland, Puntland und South-Central Somalia vor Ort, darunter auch CARE, die schon lange am Horn von Afrika aktiv und über lokale Organisationen sehr gut vernetzt sind. Das zahlt sich nun aus. In den kommenden Monaten sollen „1,6 Millionen Menschen mit Wasser, Lebensmitteln und Hygieneartikeln in den am stärksten betroffenen Regionen“ versorgt werden. Doch auch dafür wird viel Geld gebraucht. Ich wurde in den letzten Wochen und Tagen mehrfach gefragt, wohin man Geld spenden sollte, wenn man helfen möchte. Meine Antwort war und ist immer die gleiche, gerade weil ich seit ein paar Jahren mehrfach mit CARE unterwegs war, im Kongo, im Tschad, im Niger und eben mehrmals am Horn von Afrika, und so direkt die Arbeit dieser Hilfsorganisation vor Ort und ihre Projekte sehen konnte. Von daher hier der Link zu CARE Deutschland.

Dieses Ziel von CARE, 1,6 Millionen Menschen zu erreichen, zeigt allerdings auch, dass es nicht nur der Hunger ist, der hier tödlich zuschlägt. Die Wasserknappheit, die Dürre führt im vierten Jahr erneut zum Ausfall der Ernte. Doch auch das Vieh stirbt, aus Mangel an Nahrung und Wasser. Damit wird die Zukunft Hunderttausender Somalier mittel- und langfristig vernichtet. Hinzu kommt, dass die Menschen in den ländlichen Gegenden Wasser aus verseuchten Pfützen nutzen, Krankheiten breiten sich rasend schnell aus. CARE spricht von einem Kampf an mehreren Fronten und das in einem Land, dass in weiten Teilen im Chaos und im Terror versinkt.

Zu helfen ist schwer und dann auch wieder nicht. Zumindest müssen die, die hier vor Ort helfen wollen und können, die finanziellen Möglichkeiten haben, um die Sofort- und Nothilfe umzusetzen. Eine Diskussion über den Sinn und Zweck von Entwicklungshilfe loszutreten, wie mir dies ein Vertreter der sogenannten AfD aufs Auge drücken wollte, halte ich an diesem Punkt für mehr als zynisch. Es gibt Möglichkeiten zu helfen, nutzen wir sie.