Zweieinhalb Stunden Käfig

Die Richmond-San Rafael Bridge führt direkt auf San Quentin zu.

Ein sonniger Sonntagmorgen in der San Francisco Bay Area. Um 7 Uhr fahre ich los, es ist kaum Verkehr auf den Straßen. Ziel ist mal wieder San Quentin, das älteste Staatsgefängnis in Kalifornien. Noch ist der Parkplatz halb leer. Ich reihe mich rechts bei den Wartenden ein, hier sitzen die Besuche für den „East Block“, die Todeskandidaten auf Death Row.

Eine ältere Frau kommt nach mir, fragt mich mit einem Akzent, wann ich dran sei? 8 Uhr antworte ich, sie setzt sich mir gegenüber. Woher sind Sie? Aus der Schweiz, meint sie. Gerade sei sie auf einer Reise durch verschiedene Gefängnisse in den USA, um zum Tode und lebenslänglich Verurteilte zu besuchen. Sie war schon in Texas und Arizona und nun noch Kalifornien, am Dienstag ginge es zurück. Sie gehöre einer Schweizer Organisation an, die in Kontakt mit Gefangenen in den USA sei.

Es warten nur wenige Männer im Vorraum der Besucherschleuse. Viele Frauen sind da, teils stark geschminkt, enge Kleidung und Ausschnitte, hohe Hacken, die wohl so gerade noch erlaubt sind. Als ich dran bin, geht alles recht schnell. Meine Kleidung passt – helle Hose, graues T-Shirt, braunes Sweat-Shirt -, ich habe auch nur Eindollarnoten und Kleingeld dabei, Metall habe ich nicht am Körper. Dann noch einen Stempel auf den rechten Unterarm und ich darf Richtung „Bastille by the Bay“ laufen, dieses alte Gebäude, das an einen mittelalterlichen Kerkerbau erinnert.

Reno wartet schon im Käfig. Ich ziehe ein Sandwich, einen Schokokuchen, Popkorn und noch was Süßes aus dem Automaten, dazu die obligatorischen zwei Dosen Cola. Dann muss er sich aus seinem Rollstuhl erheben, eine Kette mit  Handschellen wird ihm durch einen Schlitz im Gitter um den Bauch gelegt, die Handschellen klicken und er darf sich wieder in den Rollstuhl setzen. Reno ist fast 74 Jahre alt, kann die Hände nicht mehr nach hinten strecken, deshalb die Bauchkette. Die Tür auf seiner Seite wird geöffnet, er wird rausgeschoben, die Tür schließt sich und wird mit einem Schloss gesichert. Erst dann wird auf meiner Seite die Gittertür geöffnet, ich darf in den etwa 1,50 x 2 Meter Käfig treten. Es knallt hinter mir, das Schloss klickt. Dann geht die Tür auf Renos Seite auf, er wird reingeschoben, muss sich wieder aus seinem Rollstuhl erheben und die Bauchkette mit den Schellen wird ihm abgenommen. Eine kurze Umarmung, der Besuch kann beginnen.

Wir sitzen da, plauschen über alles mögliche. Er isst, trinkt, lacht. Ich erzähle ihm von meiner Idee, ein Hörspiel über jemanden in San Quentin zu schreiben. Ob ich ihm dazu einige Fragen schicken könnte? Klar, meint er, schick einfach mal, aber gib mir etwas Zeit. Ich will mehr erfahren über das Leben auf Death Row, wie es sich anfühlt, wie es sich in den fast 40 Jahren verändert hat, seitdem er hier ist. Einiges habe ich ja von meiner Besucherrolle in den letzten 23 Jahren mitbekommen, aber es gibt noch immer viele Fragen, die ich habe. Ich bin gespannt auf seine Antworten und auf das, was ich hoffentlich daraus machen kann und werde.

Nach zweieinhalb Stunden ist der Besuch vorbei. Eine kurze Umarmung, dann erneut die gleiche Prozedur für ihn wie am Anfang. Man sieht ihm die Schmerzen in allen Gliedern an. Aber Regel ist Regel in San Quentin, keine Ausnahmen werden gemacht. Und wie immer atme ich tief durch, als die schwere Metalltür vor mir aufgeht und ich hinaus in die frische Luft, an die Sonne treten kann. Entlang der Bay geht es zurück zum Parkplatz und ich summe vor mich hin….“San Quentin, you’ve been living hell to me“.

Neue Bürger braucht das Land

Eine nahegehende Einbürgerungsveranstaltung in Oakland bis Donald Trump sprach.

Sie kamen aus Togo, aus dem Jemen, aus Burma, Afghanistan und von den Fiji Inseln. 1126 Frauen und Männer aus 94 Nationen waren am Mittwochnachmittag ins historische Paramount Theatre nach Oakland gekommen, um hier eingebürgert zu werden. Es war eine bunte, multikulturelle Menschenansammlung, die in zig Sprachen durcheinander sprach. Manche hatten sich fein rausgeputzt für dieses Ereignis, auf das sie lange gewartet hatten, einigen war anzusehen, sie nahmen die Veranstaltung im Vorbeigehen mit.

Anfangs wurden von einem Chor bekannte amerikanische Lieder vorgetragen, darunter auch die alternative Nationalhymne „This land is your land“ von Woody Guthrie. Es war eine entspannte Stimmung, es wurde gelacht, es war teils nahegehend, „America is richer, because of you today“, hieß es. Der Moderator forderte alle Neubürger auf, sich umgehend als Wähler registrieren zu lassen. Wir haben Probleme in diesem Land, nun liegt es an Ihnen, diese mitzulösen, sagte er. Auch wies er daraufhin, dass keiner mehr eine Green Card mit sich herumtragen müsse, denn als Amerikaner habe man nun das Recht einem Polizisten, der einen kontrollieren will, zu sagen: „Officer, I’m an American, I don’t need to show you my immigration papers“.

Interessant wurde es, als ein Video von Präsident Donald Trump eingespielt wurde, in dem er die neuen amerikanischen Staatsbürger begrüsste.

     

Als ich 2013 die US Staatsbürgerschaft annahm, sprach noch Barack Obama zu den „Neuen“ im Land. Viele waren von seinen Worten angetan. Anders jedoch am Mittwoch. Als Trump auf der Leinwand erschien, ging lautes Buhen durch die Reihen. Das hielt während seiner eineinhalb minütigen Rede an. Als es kurz mal leiser wurde, schrie jemand „Fuck you“. Lachen im Saal. Präsident Trump hat sich mit seinem Anti-Immigrationskurs keine Freunde bei den neuen Staatsbürgern und damit Neuwählern gemacht. Jedes Jahr werden rund 750.000 rechtmäßige Immigranten in den USA eingebürgert. Sicherlich werden sich nicht alle als Wähler registrieren lassen, doch die Zeichen stehen für die Republikaner nicht gut. Wer sich so offen gegen Immigranten stellt, wie dieser Präsident, könnte schon bald eine deutliche Antwort darauf bekommen.

Community Radio – abseits des Mainstream

Heute ist es mal wieder so weit. Eine weitere Live-Sendung auf dem Community Sender KKUP in San Jose steht an. KKUP wird im Mai 47 Jahre alt, das heißt, 47 Jahre an Radioprogrammen, die nicht kommerziell sind, von Ehrenamtlichen moderiert und produziert werden, es keine Werbung gibt, der Sender vielmehr durch die Spenden der Hörerinnen und Hörer finanziert wird.

Das ist möglich und es macht einfach Spaß, mit einer Tasche voller CDs die gute Stunde von Oakland nach San Jose zu fahren, um Musik zu spielen, die man sonst wohl auf keiner anderen Station hören kann. Einige, die mich und meinen Musikgeschmack kennen werden sagen, das ist wohl auch gut so, dass man das nicht auf anderen Sendern hört, aber heute habe ich Lust auf eine elektronische Show zwischen Klaus Schulze, Bernd Kistenmacher, Adalbert von Deyen und so einiger wiederveröffentlichter Perlen auf Bureau-B Records. Und für diesen Sound gibt es durchaus viele Fans, gerade auch in der San Francisco Bay Area.

KKUP sendet im Großraum San Jose. Das Programm lässt sich bis runter nach Monterey, im Silicon Valley und hoch bis Oakland und South San Francisco hören, also ein riesiges Sendegebiet. Und ich werde von 15-17 Uhr (PST) „on-air“ sein, um den Sonntagnachmittag mit einer besonderen Musikmischung zu beschallen.

Community Radio in den USA ist etwas Besonderes. Es ist ein wichtiger Teil des öffentlichen Rundfunks. Neben den NPR, den Pacifica und College Stationen, gibt es da auch noch diese Sender, die aus der Community heraus gewachsen sind, von der Community unterstützt werden und für die Community senden. Und da ist wirklich alles dabei, von Klassik bis Country, von Weltmusik bis Punk. Das Angebot ist grenzen- und genrelos und genau darauf kommt es an. Radio ohne Format, ohne einengende Playlist eines Musikchefs. Zu hören ist, was eben zu hören ist, was ein Moderator oder DJ eben an diesem Tag und für seine Show auswählt. Zu hören sind die vielen Stimmen der Menschen, die um uns herum leben, mit ihrem Hintergrund, ihrem Wissen, ihren Besonderheiten. Von daher, einfach mal reinhören, vielleicht heute Nachmittag/heute Nacht….von 00:00 – 2 Uhr deutscher Zeit KKUP einschalten.

Es gibt Tage…

 

Es gibt solche Tage, da bin ich froh, dass ich sehr nah an einem wunderbaren Waldgebiet lebe. Dass ich einen Hund habe, der mich tagtäglich dorthin führt. Dass ich die Möglichkeit habe, in der Nähe dieser gewaltigen und wunderschönen Redwood Bäume zu leben. Dass ich noch immer die Berge runter komme und es auch wieder rauf schaffe, zwar mit erhöhtem Puls und schwitzend, aber immerhin. Heute war so ein Tag. Nach zwei Stunden Auspowern fühlt sich das Leben leichter an.

Man weiß, man lebt auf einer politischen Insel…

…wenn man mit seinem Hund in der Nachbarschaft spazieren geht und ein Trump Männchen am Straßenrand vor einem Schild entdeckt, auf dem steht: Hunde pinkeln hier. Und gleich daneben ein Trump-Kopf der in Voodoo-Technik auf einem Holzstäbchen aufgespießt ist.

Mein Hund wollte dann doch nicht über dem Konterfei des Präsidenten das Bein heben oder in die Hocke gehen, auch, wenn das ein sehr einladendes Schildchen ist und ja gemunkelt wird, dass Trump auf … ach, lassen wir das.

Donald Trump hat hier in Oakland, aber auch in Berkeley, in San Francisco, in der gesamten Bay Area keinen guten Stand. In einigen Orten erhielt er bei der Wahl 2016 sogar weniger Stimmen als die Kandidatin der Grünen, Jill Stein. Und das sagt schon viel über diese Region aus, die traditionell links-demokratisch wählt. Es gibt in den USA ganz sicher viele Gegenden, in denen es anders aussieht, in denen „Lock her up“ und „Build the wall“ Schilder in den Fenstern und am Straßenrand zu sehen sind. Hier fällt mir schon auf, dass auf meiner täglichen Käthe-Pinkel-Tour jemand einen Aufkleber der NRA auf seinem SUV hat. Das ist ungewöhnlich, ja, das ist radikal auf dieser politischen Insel, auf der ich lebe. Aber mal ehrlich, ich glaube nicht, dass ich es fast 23 Jahre in einer „Redneck Area“ irgendwo in „Rural America“ ausgehalten hätte. Da sind mir solche kleinen Überraschungen am Wegesrand schon deutlich angenehmer.

 

Was macht Bernie?

Wenn man sich die Aktivitäten von Bernie Sanders in den sozialen Medien ansieht, dann kann man den Eindruck bekommen, dass der 77jährige noch einmal in den Präsidentschaftswahlkampf eingreifen will. Er mischt sich ein, fordert, wie in diesem Tweet, dazu auf, gemeinsam für die Sache zu kämpfen, dann könne man auch gewinnen. Das lässt sich nun so oder so lesen. Fakt ist, Bernie Sanders spielt erneut mit dem Gedanken zu kandidieren. Aus dem Sanders Umfeld heißt es, eine Entscheidung stehe kurz bevor.

Doch kann der am Wahltag 2020 79jährige noch einmal die Menschen in den USA so begeistern, wie er das im Vorwahlkampf gegen Hillary Clinton geschafft hat? Und dann sind da auch noch etliche andere, vor allem Kandidatinnen, wie Kamala Harris, die eigentlich Sanders politisches Erbe antreten wollen. Harris hat am Sonntag vor 20.000 Menschen in Oakland gezeigt, dass sie durchaus in der Lage ist, eine breite Bewegung gegen die Wiederwahl von Donald Trump aufzubauen. Und das mit einer klaren eigenen politischen Agenda, die durchaus an Bernie Sanders Wahlkampf 2016 erinnert.

Bernie Sanders ist nach wie vor bei seiner Basis beliebt. Viele hoffen darauf, dass er noch einmal kandidiert, dass er mit seinen für die USA progressiven Forderungen Donald Trump aus dem Weißen Haus jagt. Doch Sanders sollte nicht mehr in den Ring steigen, vielmehr geht es darum, eine geeinte demokratische Partei in den Wahlkampf zu führen mit einer Kandidatin, die am Ende gewinnen kann. Bernie Sanders wäre der richtige Kandidat 2016 gewesen, doch Hillary Clinton setzte sich mit unfairen Mitteln im eigenen Lager durch, um dann kläglich gegen den Populisten Trump zu scheitern. Die Zeit ist nun reif für eine Frau, die es schaffen kann. Sanders ist wichtig im Senat und für die demokratische Kandidatin, die gegen Trump antreten wird, denn, „when we stand together, we can win“.

„Kamala Harris for President“

Kamala Harris kandidiert     

Sie wurde in Oakland geboren und hier verkündete sie am Sonntagnachmittag ganz offiziell ihre Kandidatur für das PräsidentInnenamt. 20.000 Menschen kamen, um diese Worte zu hören. Weit über 200 Medienvertreter waren anwesend, um über die Ankündigung zu berichten. Die 54jährige Kamala Harris will für die Demokraten gegen Donald Trump antreten.

Sie ist nicht die einzige im demokratischen Lager, die in den politischen Zweikampf mit Trump ziehen wird. Doch Harris hat durchaus Chancen, sich in der eigenen Partei durchzusetzen. Das zeigte auch der Auftritt am Sonntag vor dem Rathaus in Oakland. Sie wurde gefeiert und mit „Kamala, Kamala“ Rufen angefeuert. Der Name Donald Trump fiel kein einziges Mal und doch drehte sich viel in Harris‘ Rede um ihn. Es war eine durchaus patriotische Rede. Die US Senatorin erklärte, sie liebe dieses Land, die vielen verschiedenen Gesichter, die Offenheit, die multikulturelle Vielfalt. Allein das grenzt sie schon von einem „America First“ rufenden Mauerpräsidenten ab.

Zuvor trug ein Oakland Gospel Chor die Nationalhymne vor, eine Schülerin sprach die „Pledge of Allegiance“, den Fahneneid und nicht gerade wenige US-Flaggen waren am Rathaus angebracht. Dazu noch die Fahnen aller 50 Bundesstaaten. Es war auch und gerade eine Veranstaltung für die Fernsehnation, Harris wollte damit zeigen, dass sie nicht nur eine Kandidatin aus der liberalen Bay Area ist, sondern eine Kandidatin für ganz Amerika sein will.

Was diese Rede auch bemerkenswert machte, ist, dass Harris nicht einfach nur auf Amtsinhaber Trump einschlug. Das wäre an diesem Nachmittag, an diesem Ort einfach gewesen. Nein, Kamala Harris betonte auch, für was sie kämpfen will. Für eine allegemeine Krankenversicherung, für ein Grundrecht auf bezahlbare Bildung, für die Stärkung von Frauen, für eine Anhebung des allgemeinen Einkommens, für die Wiederherstellung der internationalen Rolle Amerikas, für „Science Facts“ und gegen „Science Fiction“ im Kampf gegen den Klimawandel. Harris ist nicht einfach eine Anti-Trump Kandidatin. Hier sprach eine Politikerin, die einen langen, beschwerlichen und teuren Weg vor sich hat. Sie appellierte an die Menschen mit ihr zu kämpfen, denn nur gemeinsam habe man eine Chance. Allein der Ton dieser Rede ließ aufhorchen. Harris versprach, einen respektvollen Wahlkampf zu führen…auch wenn das nicht leicht werden wird. Ihre Worte erinnerten an die von Michelle Obama: „When they go low, we go high“. Auf Kamala Harris sollte man in den kommenen Monaten achten, sie hat durchaus eine Chance, die erste amerikanische Präsidentin zu werden.

„The Female Barack Obama“

„The Female Barack Obama“

Kamala Harris ist eben nicht einfach „nur“ der weibliche Barack Obama. Eigentlich ist die Behauptung, die nun durch die Presse geistert, rassistisch und sexistisch zugleich. Denn sie beschränkt Harris auf die gleiche Hautfarbe wie Obama- sie ist die Tocher einer Inderin und eines Jamaikaners – und mindert ihre durchaus beeindruckende Karriere als Juristin und Politikerin.

Die kalifornische Senatorin Kamala Harris will Präsidentin werden. Foto: Reuters.

Nun also kandidiert sie offiziell. In einem Fernsehinterview am Martin-Luther-King-Day gab sie ihre Kandidatur bekannt. Am kommenden Sonntag soll eine große Kick-off Veranstaltung in Oakland folgen. Hier in Oakland, in ihrem Heimatstaat, wird es ein Büro für ihren Wahlkampf geben. Die Headquarters werden in Baltimore, dem „East-Oakland“ sein.

Kamala Harris beobachte ich schon länger. Sie ist eine erklärte Todesstrafengegnerin, die auch unter erheblichem Druck zu ihrer Überzeugung steht. Als Staatsanwältin von San Francisco musste sie 2004 einen Mann anklagen, der zuvor einen Polizisten erschossen hatte. Es ist üblich, dass bei Polizistenmord die Todesstrafe verlangt wird. Doch Harris blieb bei ihrer Haltung, bei dem, was sie im Wahlkampf für den Posten des „District Attorneys“ gesagt hatte: Sie werde keine Todesstrafe fordern. Der Druck in San Franciso war groß, auch und vor allem von Seiten der Polizeieinheiten, der „Peace Officers“. Kamala Harris verlangte hingegen eine lebenslängliche Haftstrafe ohne Aussicht auf Begnadigung für David Hill.

Dieser Fall stoppte nicht ihre Karriere. Harris wurde gewählte Justizministerin von Kalifornien und schließlich US-Senatorin. Nun will sie den nächsten Schritt gehen und wirft ihren Hut in den Ring. Kamala Harris hat sich entschieden, an diesem „blutigen Kampf“, wie sie es in einem Interview beschrieb, teilzunehmen. Es wird brutal, hässlich und teuer werden. Doch die 54jährige ist bereit und hat schon jetzt eine beeindruckende Gruppe an Unterstützern um sich gesammelt. Es wird spannend….

Gleich gehe ich harken

Donald Trump weiß es mal wieder besser. Zwar sind Zweidrittel des kalifornischen Waldes als „National Forest“ ausgeschrieben, also unter seiner Aufsicht, doch der nicht gerade belesene und halbwissbegierige Mann im Oval Office meint, die Kalifornier liegen nur am Strand, bräunen sich die Bäuche und sind schlichtweg faul. Denn was er schon vor ein paar Wochen vorgeschlagen hat, wird einfach nicht im Sonnenstaat umgesetzt.

Trump meinte kurz nach den desaströsen Feuern in Kalifornien, er habe mit dem finnischen Präsidenten Sauli Niinistö gesprochen, der erklärte, so Trump, dass solche Brände in den Wäldern Finnlands nicht passierten, weil die Finnen regelmäßig den Boden harkten und das Laub aufklaubten. Ist logisch, dass da Horden von Finnen durch die nordischen Wälder streifen und Blatt für Blatt aufsammeln. Einziges Problem bei der Geschichte, Sauli Niinistö hat das nie gesagt. Auf Nachfrage gleich mehrerer finnischer und amerikanischer Medien meinte er, er habe mit Donald Trump zu keinem Zeitpunkt über die Wälder Finnlands und Kaliforniens gesprochen. Also, eine weitere bestätigte Lüge des amerikanischen Präsidenten.

Doch egal, Trump legt nach. Während die Kleinstadt Paradise nach den Bränden nicht mehr existiert und der neue kalifornische Gouverneur, Gavin Newsom, den Brandschutz zur Priorität erklärt hat, droht der Präsident ganz offen mit dem Entzug jeglicher Gelder für Kalifornien. Und das vor dem Hintergrund, dass der Bundesstaat am meisten in die US Haushaltskasse einzahlt. Nicht nur das, die stetig steigende Feuergefahr liegt sicherlich nicht an den Blättern, die auf dem Waldboden zu finden sind. Als ich Mitte der 90er Jahre nach Kalifornien zog, gab es eine „Fire Season“. Immer im Herbst, nach dem heißen Sommer und noch vor dem winterlichen Regenfällen, war man gewarnt. Die Schilder zur Brandgefahr standen auf „Extreme“. Doch das ist lange her. Nun gilt das ganze Jahr über hohe oder extreme Feuergefahr in den Wäldern des Bundesstaates.

Der Klimawandel ist hier bereits zu spüren, darin sind sich nahezu alle Klimaforscher einig. Doch Trump hört lieber auf die paar wenigen Pseudo-Wissenschaftler, die ihm das Märchen von der Wetterfee erzählen. Die Menschen können nichts dafür, von daher setzt Trump einfach weiter auf Kohle und Öl, wendet sich gegen ein Umdenken in der Energie- und Verkehrspolitik und haut seine dämlichen Ratschläge raus. Wir Kalifornier sollten also mehr harken und den Waldboden reinemachen. Also, weiß ich ja, was ich heute noch mache. Gummistiefel und Arbeitshose an und wie ein Zwerg aus Schneewittchen „dum-di-dum-di-dum“ pfeifend und eine Rechen geschultert in den Wald marschieren. Alles klar, Mister President!

Farmer aller Länder vereinigt Euch

Über meine Webseite radiogoethe.org bekomme ich immer wieder so einige Anfragen. Mir werden dubiose Gäste für die Sendung angeboten, Schlager und Volksmusik Lieder landen im Postfach, Praktikanten und freie Journalisten möchten im Sender „Radio Goethe“ arbeiten, was mir nur zeigt, all jene haben noch nie in das Einstundenprogramm reingehört. Und nun kam auch mal wieder eine Mail von einer „Casting Agentur“.

Vor ein paar Jahren wurde ich schon kontaktiert, ob ich nicht Interesse daran hätte, in einer „Auswanderer Sendung“ mitzumachen. Als sie mir sagten, ein Kamerateam würde dann eine Woche lang quasi rund um die Uhr hier filmen, winkte ich dankend ab. Ich bin nicht gerade ein Morgenmensch und brauche weder nach dem Aufstehen die richtige Ausleuchtung, noch will ich dabei gefilmt werden, wie ich mit meinem Hund morgens um den Block laufe. Ganz zu schweigen davon, dass ich in meinem chaotischen Büro und Musikarchiv meine Ruhe und meine Freiheit als freier Journalist sehr genieße.

Jetzt aber kam zum zweiten Mal diese Anfrage hier: „Wir sind eine TV-Produktionsfirma mit Sitz im Herzen von Berlin und produzieren für einen großen Sender RTL die Sendung „Bauer sucht Frau“. Da es uns ein Anliegen ist, nicht nur den Bauern in Deutschland bei der Suche nach der Partnerin fürs Leben zu helfen, sondern auch deutschsprachigen Bauern aus dem Ausland – hier meine Frage: Haben Sie Kontakt zu alleinstehenden, deutschsprachigen Landwirten?“

Schon nach der ersten Kontaktaufnahme vor ein paar Monaten schrieb ich zurück, dass ich hier in Oakland keine Farmer kennen würde und mir im Wine Country bislang noch kein deutschsprechender Junggesellen-Winzer in die Quere kam. Damals, wie auch jetzt, verwies ich die Dame von der TV-Produktionsfirma auf den Mittleren Westen, nach Wisconsin, Iowa, Illinois. Die Chancen wären dort wohl deutlich besser, einen deutschsprechenden Bauern zu finden, denn das ist Farm Country und gerade dorthin zog es viele deutsche Immigranten. Und, dort werden die deutsche Sprache und deutsche Traditionen noch gepflegt.

In ihrer Mail verweist die Firma auch darauf, dass sie schon Partnerinnen für Farmer in Namibia und Kanada gefunden haben: „Bei unserem Teilnehmer Gerald aus Namibia hat es auch geklappt, er hat seine Anna, die er durch uns kennengelernt hat, dieses Jahr geheiratet. Auch bei Andreas aus Kanada und Jörn, der ebenfalls in Namibia lebt, sieht es momentan nach großer Liebe aus.“ Das freut mich natürlich sehr, dass das Konzept „Bauer sucht Frau“ auch international „gut“ ankommt….gesehen habe ich die Show leider noch nie, ich glaube, ich werde auch weiterhin passen. Aber gerne gebe ich hier für interessierte deutschsprachige Farmer, Bauern und Landwirte in den USA die Email Adresse der Produktionsfirma weiter – casting@bauer-sucht-frau.deund wünsche viel Glück.