“Woi geh und steh, tut ma’s Herz so weh”

Zu Hunderttausenden kamen am Ende des 19. und am Anfang des 20. Jahrhunderts die Einwanderer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in die USA. Die Deutschen und die Schweizer zog es in den Mittleren Westen, vor allem nach Wisconsin, oder “Swissconsin” wie der “deutscheste aller Bundesstaaten” auch genannt wurde. In Chicago dagegen gab es die größte Ansammlung von im Ausland lebenden Österreichern. Sie kamen auf der Suche nach einer neuen Heimat und brachten ihre Sprache, ihre Kultur und ihre Musik mit.

Eine Konzertankündigung für die "Scheidegger Seven" aus dem Jahr 1927. Quelle: Serge Schmidt

Eine Konzertankündigung für die „Scheidegger Seven“ von 1927. Quelle: Serge Schmidt

Im August 1927 stehen im “Rice Lake Dance Pavilion” in Wisconsin die “Scheidegger Seven” in Berner Tracht und vor einem großen Bild der Alpen auf der Bühne. Die Gruppe war zwei Jahre zuvor aus Huttwil in die USA übergesiedelt. Vater Fritz Scheidegger und seine Töchter hatten schon in der Schweiz als “Flühjodler vom Emmental” Erfahrungen sammeln können. In den USA touren sie in zwei Jahren durch 38 Bundesstaaten und spielen in New York und Chicago mehrere Schellack Platten ein.

Die “Scheidegger Seven” sind nur ein Beispiel einer lebendigen deutschsprachigen Musikszene in den USA zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Neben zahlreichen Immigranten Musikern, tourten auch Künstler aus der alten Heimat in Übersee, wie die „Moser Brothers“ aus der Schweiz, die mit ihren Herzschmerz und Heimweh Liedern zu Superstars in der Neuen Welt wurden. Und auch wenn die Konzerte meist nur in den deutschen und schweizer Clubs stattfanden, so war die deutschsprachige Musik doch ein wichtiger Teil des frühen amerikanischen Musikgeschäfts. Die Deutschen, so werden in den USA alle Deutschsprechenden genannt spielten ihre Musik auf Festen, Hochzeiten, Veranstaltungen. Es war bekannt, dass es auf ihren Feiern immer zünftig zu und her geht. Viel Bier, Tanz und Musik. Als die Aufnahmetechnik kommerziell nutzbar wurde, merkten die Plattenfirmen schnell, dass die Einwanderer durchaus eine große Zielgruppe waren und damit eine zahlkräftige Kundschaft. Die Columbia Phonograph Company reagierte bereits 1909 und schrieb ihren Handelsvertretern:

“Denken Sie daran, dass es in allen Großstädten und in den meisten größeren Städten Stadtteile gibt, wo Leute einer Nationalität zusammenleben. Die meisten von ihnen behalten ihre Gewohnheiten bei und bevorzugen es, sich in der Sprache ihres Heimatlandes zu verständigen. Auf diese Leuten üben Schallplatten in ihrer eigenen Sprache eine unwiderstehliche Attraktion aus und sie werden sie bereitwillig kaufen.”

Auch die Zahlen der veröffentlichten Schallplatten in den USA sprechen eine deutliche Sprache. Im Zeitraum von 1908 bis 1923 bringt Columbia rund 5000 Platten in der A-Serie heraus, A für Amerika,. In der E-Serie, E für Europa, veröffentlicht die Schallplattenfirma im gleichen Zeitraum 6000 Schellack Platten.

Eine umfassende CD Box über die Musik der Immigranten im oberen Mittleren Westen der USA.

Eine umfassende CD Box von James Leary über die Musik der Immigranten im oberen Mittleren Westen der USA.

Doch die “Deutschen” in den USA waren nicht nur Konsumenten, sie prägten mit ihren Jodlern und auch mit ihren Instrumenten gerade die “Roots” Musik Amerikas. Das Jodeln aus der Alpenregion hat seine Spuren in der amerikanischen Musikszene hinterlassen und beeinflusste gerade die frühe Hillbilly und Country Musik. Die Konzertina, eine kleine Ziehharmonika gebaut in Chemnitz, wurde zum Hit in Übersee und ist noch heute in der amerikanischen Polka Szene zu finden. Auch das deutsche Akkordeon der Firma Monarch hat sich in der US-amerikanischen Musik gehalten – besonders in der Cajun-Musik, die francophone Einwanderer in die USA gebracht haben. Und die Mundharmonika aus dem Hause Hohner wurde zu einem Exportschlager in die USA.

Die Spuren der deutschsprachigen Einwanderer in der amerikanischen Musik sind heute nicht mehr allzu offensichtlich. Im Melting Pot USA sind die zahlreichen musikalischen und instrumentalen Einflüsse von so vielen Kulturen einfach aufgegangen. Doch man kann sie finden, wenn man nur will.

Zu dem Thema “Die Musik der deutschsprachigen Immigranten in Amerika” habe ich ein längeres Feature für den Schweizer Rundfunk produziert, das man hier hören kann:

Deutschsprachige Musik     

Weitere Informationen zum Thema der schweizer Musik in Übersee kann man auf der umfangreichen und mit viel Liebe gestalteten Webseite von Serge Schmidt finden.

Zu Fragen der deutschsprachigen Musik empfehle ich die Seite von Christoph Wagner, der schon einige CDs über die Musik der Immigranten für das Münchner Label Trikont veröffentlicht hat. Und dann ist da noch die einzigartige CD Box „Folksongs of another America„, zusammengestellt von Professor James Leary von der University of Wisconsin, die auf dem „Dust to Digital“ Label erscheinen wird.

 

Terminator terminates se Ex-wife

Arnold Schwarzenegger Portrait ohne seine Exfrau.

Arnold Schwarzenegger Portrait ohne seine Exfrau.

„I’ll be back“. Eines der bekanntesten Zitate der Filmgeschichte und des Österreichers Arnold Schwarzenegger. Und nun ist er wieder zurück. Der Governator kam noch einmal nach Sacramento, um sein Portrait im Regierungsgebäude aufhängen und enthüllen zu lassen. Schon kurz nach seiner Wahl zum Gouverneur von Kalifornien beauftragte der ehemalige Bodybuilder den österreichischen Künstler Gottfried Helnwein ihn zu malen. Helnwein ist vor allem durch seine Plattencover für Bands wie die Scorpions oder auch Rammstein bekannt geworden.

Helnwein malte also für Schwarzenegger, als die Welt noch in Ordnung war im Hause des „First Couples“ von Kalifornien. Doch dann kam heraus, dass Arni eine Affäre mit der Haushälterin hatte und diese von ihm ein Kind bekam. Maria Shriver ließ sich scheiden, das einstige Power-Couple ging fortan getrennte Wege. Doch da gab es dieses kleine Problem. Helnwein hatte auf Wunsch von Arnold Schwarzenegger Maria Shriver auf dem offiziellen Gouverneurs Portrait verewigt. Auf einem Anstecker am Revers des Ex-Regierungschefs, direkt über dem Herzen des Republikaners, war die Frau seines Lebens zu sehen. Also, was tun. Mit blauer Farbe wurde das Bild von Maria übertüncht. Bei genauem Hinsehen sieht man genau da einen Schmierfleck auf dem Portrait, wo vorher die First Lady lächelte.

Eigentlich sollte das „Nachbessern“ ein Geheimnis bleiben, sogar Künstler Helnwein verschwieg die Feinabstimmung. Doch über geheime Kanäle wurde nun bekannt, dass Arnold lieber alleine auf dem Portrait sein wollte. „Hasta la vista, Baby“, ein klare Ansage des Terminators an seine Ex.

„Hello, I’m German“

Deutsch ist weit verbreitet in den USA. Das ist nichts neues. Immer wieder treffe ich hier Menschen, die mich erst aufgrund meines Akzents fragen, woher ich komme, um mir dann zu sagen, sie seien auch Deutsche. Na ja, nicht direkt. Ur-Urgroßmutter kam von dort. Woher? Keine Ahnung „somewhere from the Rhine river“. Andere erklären ganz klar, dass sie ein Fünftel Deutsche seien. Was das nun bedeutet, habe ich bis heute noch nicht rausgefunden. Deutsch sein ist also weit verbreitet in den USA und steht für alte Werte.

Nun hat das Slate Magazin die Daten einer Umfrage ausgewertet, in der es auch um die Sprachen geht, die in amerikanischen Haushalten verbreitet sind. Die beiden Hauptantworten waren klar: Englisch, Spanisch. Doch an dritter Stelle wurde oftmals Deutsch genannt. Slate hat daraus die Drittsprachen auf die USA Landkarte übertragen. Nach wie vor ist Deutsch also in jenen Teilen Amerikas zu finden, in denen sich die Einwanderer jahrhundertelang sesshaft gemacht haben.

Die Aussage, man spricht Deutsch, sagt allerdings nichts darüber aus, ob man mehr sagen kann als „Prost“ oder „Bratwurst“ auf dem lokalen Oktoberfest. Ist ja auch Deutsch, von daher, ich kann ja auch Türkisch, zumindest bis 10 zählen, „Merhaba, „Güle Güle“ und „Inschallah“ sagen. Und doch, viele Amerikaner sehen nach wie vor ihre (Teil)Wurzeln im Deutschen. Die deutsche Sprache ist dennoch in den USA am Aussterben. Universitäten und High Schools im ganzen Land schaffen immer öfters ihre Deutschprogramme ab. Die Teilnehmerzahlen an Deutschkursen sinken, die Einrichtungen müssen sparen, mit einem Rotstift ist alles vorbei. Deutsche Radioprogramme und Zeitungen werden dicht gemacht, die Hörer- und Leserschaft stirbt aus. Man versucht zwar von Seiten der Botschaft, der Konsulate und der Goethe-Institue gegen zu steuern, doch wenn sogar der deutsche Auslandssender „Deutsche Welle“ seine deutschsprachige Berichterstattung ganz einstellt und die mit Steuergeldern geförderte „Intitiative Musik“ keine deutschsprachigen Bands in den USA präsentieren will, dann ist das eine klare Ansage. Deutsch ist nicht mehr zeitgemäß.

Happy, Happy, es ist Hakenkreuztag

Was es nicht alles gibt! Vom Weltknoblauchtag bis zum Welt-UFO-Tag, vom Welthändewaschentag bis zum Welttoilettentag, der in diesem Jahr auf den Weltmännertag fällt. Wie kam es nur dazu!? Doch irgendwie habe ich den jüngsten Festtag völlig verpaßt. Am vergangenen Samstag war Hakenkreuztag. Kein Witz. Die „Internationale Raelian Bewegung“ versucht dieses alte Symbol „des Friedens und der Schönheit“ zu rehabilitieren. Sicherlich ein ganz einfaches Unterfangen.

Zum dritten Hakenkreuztag charterte man z.B. ein Kleinflugzeug und flog über New Jersey. Dabei hängte man eine riesige Hakenkreuzfahne aus dem Fenster. Auch schön! Einige Kommentare auf Twitter lassen jedoch erkennen, dass die Leute da am Boden so gar nicht begriffen, was das Spektatkel sollte. „Warum flog gerade ein Flugzeug mit einem riesigen Hakenkreuz über unser Boot…What the Fuck“ schrieb kerripaliwoda. Und Miguelina Nunez erklärte im Kurznachrichtendienst: „Es ist ein wunderbarer Tag und so ein Idiot fliegt mit einem Hakenkreuzbanner hin und her über Manhattan“.

Jüdische Verbände erhielten besorgte Anrufe, was es denn mit der Aktion auf sich habe. Don Pripstein vom „Jewish Community Center“ in Long Beach Island hatte überhaupt kein Verständnis für das Fahnenflattern. Viele seiner Mitglieder hätten den Holocaust im Zeichen des Hakenkreuzes noch gut im Gedächtnis, da könne man nicht einfach versuchen so ein Symbol anders zu sehen oder wieder sehen zu wollen.

Die Raelian Bewegung versucht hingegen auch das Hakenkreuz etwas sexy wirken zu lassen. Für eine Aktion in Venice Beach, Kalifornien ließ man neben großen aufblasbaren Bällen ein paar Bikini Girls auflaufen. Spassss und Spiel mit dem Hakenkreuz. Also mal ehrlich, der Österreicher mit dem rollenden „R“ und der Hakenkreuzbinde am Arm hatte sicherlich nie so viel Freude mit seinem Markenzeichen. Na, wenn das nicht dem Ansehen des Hakenkreuzes hilft.

 

 

 

Der grüne Gouvernator geht in die Lüfte

Arnold Schwarzenegger

Deutsche Delegationen kommen gerne nach Kalifornien, Sommer, Sonne und Urlaubsatmosphäre sind schon etwas besonderes. Dazu kommt, dass der westliche Bundesstaat und Deutschland viel gemeinsam haben. Beide setzen verstärkt auf Umwelt- und Zukunftstechnologien. Gouverneur Arnold Schwarzenegger, selbst als Republikaner ins Amt gewählt, präsentiert sich gerne als grüner Politiker, der Kalifornien als umweltfreundlichsten Staat in den USA darstellt. Ganz bewusst sucht er den Schulterschluss mit Europa. Im Amtssitz in Sacramento kommen deshalb auch immer wieder Umweltpolitiker und Vertreter von „grünen“ Produkten und Unternehmen zusammen.

Doch der einstige Mister Universum langweilt sich in Sacramento. Die kalifornische Hauptstadt hat er selbst einmal als „lahmes Dorf“ bezeichnet. Seinen Wohnsitz hat Schwarzenegger deshalb weiterhin in Brentwood, am Rande von Los Angeles, rund 600 Kilometer von Sacramento entfernt. Aber, da er ja zumindest unter der Woche seinen Geschäften als Regierungschef nachgehen muss, jettet der „grüne Gouverneur“ tagtäglich im privaten Gulfstream Jet hin und her. Multimillionär Schwarzenegger hat kein Problem damit, die 10.000 Dollar pro Flugstunde aus seiner eigenen Tasche zu zahlen. Er sei lieber am Abend bei seiner Familie, als in einer Hotel Suite in Sacramento zu sein, begründet er den luftigen Taxitrip.

Auf den Vorwurf, er verseuche mit seinem Rumgefliege nur die Luft, antwortete Schwarzenegger, er kaufe sich „Carbon Credits“, damit er die freigesetzten Treibhausgase seines eigenen Gulfstream Jets ausgleichen kann.
Politikerkollegen schlugen dem Gouvernator schon vor, er solle sich in Sacramento doch ein nettes, passendes Haus kaufen. Das könne er ja nach seinem Ausscheiden aus dem Amt grosszügig dem nächsten Regierungschef überlassen.