Fernab der alten Heimat

Ich bin an einem neuen Thema dran, das ich schon lange mal angehen wollte. Eine große Sendung über die Geschichte der deutschen Einwanderer nach San Francisco und die Bay Area. Über die Jahre habe ich immer mal wieder verschiedene geschichtliche Themen aufgegriffen, das reichte von den deutschsprachigen Hörfunksendungen über die deutsche evangelische Gemeinde bis hin zum Arbeiterbildungsverein in San Francisco, dem einzigen in den USA.

Und nun wird aus all diesen Interviews, gesammelten Dokumenten und Informationen eine große Radiosendung. Dafür war ich gestern im deutschen Altenheim in Oakland, einer Einrichtung, die 1890 gegründet wurde. Unter den Gründungsvätern waren viele einflussreiche deutsche Einwanderer, wie Adolph Sutro, Mortimer Fleischacker, Fritz Rosenbaum.

Die Geschichte der Deutschen in der San Francisco Bay Area geht bis auf die Anfangstage zurück. Während der Goldgräberzeit kamen Einwanderer wie Levi Strauss, die hier eine neue Heimat und Reichtum fanden. Interessant für mich sind vor allem die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts, als in San Francisco das deutsche Haus gebaut wurde, die vielen deutschen Vereine blühten, es Versuche gab politischen Einfluss zu erlangen und es mit dem Erstarken des Nationalsozialismus in Deutschland auch hier an der amerikanischen Westküste eine Spaltung der deutschen Gemeinde gab.

Eine solche Sendung ist wie ein Puzzle, die vielen Einzelteile setzen sich am Ende zu einem Gesamtbild zusammen, wenn möglich zu einem klangvollen Hörbild. Es ist eine Spurensuche, bei der man immer wieder überrascht wird. So auch gestern im Altenheim, dort fand ich alte Programmhefte aus den 1930er Jahren, darunter eines für eine Aufführung des „Pacific Sängerbundes“ vom 20. September 1936. Diese Hefte belegen die bedeutende Rolle der deutschen Immigranten am Golden Gate. Und diese Geschichte sollte erzählt werden.

Das gestörte transatlantische Gefühl

Wohl nichts wird in diesen Tagen mehr beschworen, als die transatlantische Partnerschaft. Hier die USA, dort Deutschland und Europa. Geschichtlich gewachsen, sturmerprobt. Und doch, irgendwie ist da Sand ins Getriebe geraten. Der Atlantikkreuzer will nicht mehr so richtig hin und her tuckern.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Los Angeles. Foto: Bundespräsidialamt.

Der amerikanische Präsident Donald Trump poltert in diesen Tagen verstärkt über Twitter gegen Deutschland. Verbreitet mal wieder Unwahrheiten gegen den langjährigen Partner. Der deutsche Präsident Frank-Walter Steinmeier ist gerade auf Kalifornientour und meint: „Ganz so einfach ist das mit dem transatlantischen Bekenntnis heute nicht mehr.“ Recht hat er, aber das ist so neu nun auch wieder nicht. Die Amerikaner haben Deutschland nie als gleichwertigen Partner angesehen. Nicht unter Reagan, nicht unter Bush Senior, nicht unter Clinton, nicht unter W., nicht unter Obama und eben auch nicht unter Trump. Deutschland war ein Verbündeter, der meistens auf der Seite des großen Bruders Amerika stand. Nur als Gerhard Schröder sich offen gegen George W. Bush wandte, als dieser in seinen Irakkrieg zog, wurde offensichtlich, dass die Amerikaner die Partnerschaft mehr als eine Gefolgschaft sehen.

Und diese Einschätzung hat Donald Trump eben auch. „America First“ heißt für ihn, dass Partner und Freunde sich eben hintenan stellen und das beste – und bitteschön kritiklos – aus der neuen Situation machen. Denn, so Trump, wenn es den USA gut geht, dann geht es auch den anderen gut. Und wem das nicht passt, der ist eben kein Freund der „best nation on earth“. Man erinnere sich hier an die Worte von George W. Bush, als er nach den Terroranschlägen von 9/11 am 30. September 2001 vor den versammelten Kongress trat und erklärte: „Every nation, in every region, now has a decision to make. Either you are with us, or you are with the terrorists.“ Man ist entweder mit den Amerikanern oder gegen sie. Und genau diese Haltung wird von der jetzigen Administration ad absurdum geführt, denn sie hat für Trump und Co Bestand für alles und überall. Da werden Schutzzölle aufgrund der nationalen Sicherheit für Importe aus Kanada und Deutschland ausgerufen. Da werden international ausgehandelte Verträge vom Tisch gewischt, um anschließend Partnern offen zu drohen, wenn sie weiterhin Handel mit bestimmten Ländern betreiben, hätte das Konsequenzen. Da mischt sich der Präsident in die Vergabeentscheidung für eine Weltmeisterschaft 2026 an und erklärt, man werde genau hinsehen, wer für die USA stimmt und danach die Entwicklungshilfegelder dementsprechend anpassen. Das ist zynisch, das ist der neue Ton in der amerikanischen Machtzentrale. Und all das soll eben einfach geschluckt werden – von den Partnern, den Freunden, den Verbündeten.

Donald Trump malt da in seiner Fantasie sein Weltbild in „red, white and blue“. Damit umzugehen ist schlichtweg unmöglich. Hier macht er einen Alleingang, verprellt langjährige Freunde, Partner und enge Verbündete, dort erklärt er sein Verhältnis zu Regierungschefs, die er gerade noch per Twitter übelst angegangen ist, als hervorragend. Ja, was nun? Es ist kein Wunder, dass Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier lieber nach Kalifornien reist als nach Washington, denn dort sucht man den Schulterschluss mit den Europäern – kulturell, wirtschaftlich, politisch. Hier trifft Steinmeier auf Verbündete, die diesen Namen auch verdienen. Auf Freunde, auf Partner, auf all jene, die den Blick nach vorne wagen, auf die Zeit nach Trump und dabei hoffen, dass der Schaden, der nun angerichtet wird, nicht allzu groß sein wird. Kalifornien an der amerikanischen Westküste ist in diesen Tagen Deutschland viel näher als die amerikanische Hauptstadt Washington DC an der Ostküste.

Aus 1 mach 3

Dreigeteilt soll Kalifornien in Zukunft sein.

Im November geht es am Wahltag um einiges. Die große Frage in den USA wird sein, ob die republikanische Mehrheit im Abgeordnetenhaus und im Senat gehalten werden und damit Donald Trump für die nächsten zwei Jahre beruhigt weiter regieren kann. Die Demokraten hoffen auf ihre Chance, auf genügend Wählerinnen und Wähler, die genug haben von Donald Trump und seiner Art, seinem Ton, seinem Getweete.

Doch da steht noch viel mehr an am Wahltag, u.a. Gouverneurswahlen in einigen Bundesstaaten und viele Abstimmungen. Nun hat es in Kalifornien auch eine Initiative auf den Wahlzettel geschafft, die sich „Cal 3 Initiative“ nennt. Nahezu 400.000 Unterschriften wurden gesammelt, damit die Kalifornier darüber abstimmen können, ob aus ihrem Bundesstaat drei Bundesstaaten werden sollen: Nordkalifornien, Kalifornien und Südkalifornien.

Hinter der Aufspaltung des Sonnenstaates steckt der Investor Tim Draper, der mehrere Millionen Dollar in dieses Projekt investiert, und das nicht zum ersten Mal. Schon vor ein paar Jahren trat er an, um Kalifornien zu zerschlagen, damals noch in sechs Teile. Nun also drei, die für sich besser existieren sollen, so Draper, und vor allem besser regiert und repräsentiert werden sollen. Die Opposition formiert sich bereits und wischt das Anliegen des Multimillionärs vom Tisch. Denn mit einer Spaltung Kaliforniens würde der Sonnenstaat auch seine Machtrolle in den Vereinigten Staaten von Amerika verlieren. Es wird also zu einem heißen Kampf um die Einheit Kaliforniens kommen.

Tim Draper erhofft sich mit seiner Kampagne Zeichen für die USA und weltweit zu setzen. Was da am Pazifik passiert könnte also auch interessant für die fränkische Abspaltungsbewegung von Bayern sein. Wobei es hier keinen so großen kulturellen Unterschied zwischen den Nord-, Central- und Südkaliforniern gibt, wie er zwischen den Franken und den Bayern existiert.

Happy Birthday GGB

New York hat „Lady Liberty“, wir haben unsere Golden Gate Bridge. Beide ragen hoch hinaus, sind von weitem zu sehen und symbolisieren das, für was Amerika mal stand und für was das Land berühmt wurde: Freiheit, Offenheit, den „American Dream“.

An diesem Wochenende wurde die Golden Gate Bridge 79 Jahre alt. Nach etwas über vier Jahren Bauzeit wurde sie am 27. Mai 1937 eröffnet. Kosten 35 Millionen Dollar, damit lag man noch unter dem kalkulierten Budget. Es war die zweite große Brücke, die in San Francisco gebaut wurde. Zuerst wurde die Bay Bridge in Richtung Oakland ein halbes Jahr zuvor, am 12. November 1936 eröffnet.

Die Golden Gate Bridge ist das Wahrzeichen der Stadt, Nordkaliforniens, des Westens der USA. Eine Touristenattraktion, wie kaum ein anderer Ort. Tausende laufen jeden Tag über die Brücke, fahren die steile Straße in die Marin Headlands hinauf, um den perfekten Blick, das perfekte Foto auf das Golden Gate, die Bridge und dahinter San Francisco zu haben. Und immer wieder hört man die Worte: „Die ist ja gar nicht gold“. Beeindruckend ist es, wenn man mit einem Schiff auf das Golden Gate zufährt und dann schon von weitem die gewaltigen Türme sehen kann. Ich hatte einmal die Möglichkeit eine Stunde oben auf dem Südtower zu sein. Das war eine der faszinierendsten Stunden meines Lebens. Der Ausblick, die Ruhe da oben, ich erinnere mich, wie überrascht ich war, nichts vom Verkehr unter mir zu hören. Der Wind trägt den Lärm in die Bay. Mit einem kleinen, engen Aufzug ging es ganz nach oben, von dort über eine Stiege auf das Dach der Brücke, wo die gewaltigen Nebelhörner angebracht sind. Und da stand ich dann, ließ es einfach nur wirken.

Im kommenden Jahr wird die Golden Gate Bridge 80 Jahre alt, ein Grund zum Feiern. Das Bauwerk an sich ist eine Party wert, doch man sollte sich auch an das erinnern, für was diese Brücke steht. Das wird leider in diesem Land und gerade in diesen Zeiten zu sehr vergessen.

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Arbeiten auf Hawai’i?

Auf Hawai’i herrscht Lehrermangel. Die Behörden gehen davon aus, dass in diesem Herbst rund 1600 Stellen offen sind. Von daher klingeln die Alarmglocken, Lehrer müssen her, wie, das hat man noch nicht endgültig geklärt. Allerdings sucht man nun schon mal auf dem amerikanischen Festland nach geschulten Fachkräften und auch in Übersee, denn um den Job als Lehrkraft annehmen zu können braucht man nicht amerikanischer Staatsbürger zu sein. Lediglich die Arbeitserlaubnis für die USA muß man besitzen.

Auf Hawai'i läßt es sich leben. Foto: Reuters.

Auf Hawai’i läßt es sich leben. Foto: Reuters.

Der Hawai’i Schuldistrikt will den Umzug für Neulehrer finanziell unterstützen. Bis zu 10.000 Dollar sollen Fachkräfte erhalten, die sich verpflichten für drei Jahre anzuheuern. Vor allem für die Insel Oahu werden Lehrkräfte gesucht. Die Inselgruppe im Pazifik ist kein billiges Pflaster, gerade das hat zu der jetzigen Situation geführt. Lehrer auf Hawai’i verdienen gerade mal etwa 35.000 Dollar im ersten Jahr. In San Francisco liegt das Einstiegsgehalt bei 50.000 Dollar, doch auch hier ist das zu wenig zum Leben bei derzeitig monatlichen Mietpreisen um die 3500 Dollar.

Wer also in Nürnberg, im Frankenland oder wo auch immer dieser Blog gelesen wird Interesse an einer Lehrerstelle auf Hawai’i hat, der kann sich an das Hawai’i State Department of Education wenden. Ein paar Jahre in der Sonne mit dem „Mahalo“-Gefühl, es könnte schlimmer sein.