Gleich gehe ich harken

Donald Trump weiß es mal wieder besser. Zwar sind Zweidrittel des kalifornischen Waldes als „National Forest“ ausgeschrieben, also unter seiner Aufsicht, doch der nicht gerade belesene und halbwissbegierige Mann im Oval Office meint, die Kalifornier liegen nur am Strand, bräunen sich die Bäuche und sind schlichtweg faul. Denn was er schon vor ein paar Wochen vorgeschlagen hat, wird einfach nicht im Sonnenstaat umgesetzt.

Trump meinte kurz nach den desaströsen Feuern in Kalifornien, er habe mit dem finnischen Präsidenten Sauli Niinistö gesprochen, der erklärte, so Trump, dass solche Brände in den Wäldern Finnlands nicht passierten, weil die Finnen regelmäßig den Boden harkten und das Laub aufklaubten. Ist logisch, dass da Horden von Finnen durch die nordischen Wälder streifen und Blatt für Blatt aufsammeln. Einziges Problem bei der Geschichte, Sauli Niinistö hat das nie gesagt. Auf Nachfrage gleich mehrerer finnischer und amerikanischer Medien meinte er, er habe mit Donald Trump zu keinem Zeitpunkt über die Wälder Finnlands und Kaliforniens gesprochen. Also, eine weitere bestätigte Lüge des amerikanischen Präsidenten.

Doch egal, Trump legt nach. Während die Kleinstadt Paradise nach den Bränden nicht mehr existiert und der neue kalifornische Gouverneur, Gavin Newsom, den Brandschutz zur Priorität erklärt hat, droht der Präsident ganz offen mit dem Entzug jeglicher Gelder für Kalifornien. Und das vor dem Hintergrund, dass der Bundesstaat am meisten in die US Haushaltskasse einzahlt. Nicht nur das, die stetig steigende Feuergefahr liegt sicherlich nicht an den Blättern, die auf dem Waldboden zu finden sind. Als ich Mitte der 90er Jahre nach Kalifornien zog, gab es eine „Fire Season“. Immer im Herbst, nach dem heißen Sommer und noch vor dem winterlichen Regenfällen, war man gewarnt. Die Schilder zur Brandgefahr standen auf „Extreme“. Doch das ist lange her. Nun gilt das ganze Jahr über hohe oder extreme Feuergefahr in den Wäldern des Bundesstaates.

Der Klimawandel ist hier bereits zu spüren, darin sind sich nahezu alle Klimaforscher einig. Doch Trump hört lieber auf die paar wenigen Pseudo-Wissenschaftler, die ihm das Märchen von der Wetterfee erzählen. Die Menschen können nichts dafür, von daher setzt Trump einfach weiter auf Kohle und Öl, wendet sich gegen ein Umdenken in der Energie- und Verkehrspolitik und haut seine dämlichen Ratschläge raus. Wir Kalifornier sollten also mehr harken und den Waldboden reinemachen. Also, weiß ich ja, was ich heute noch mache. Gummistiefel und Arbeitshose an und wie ein Zwerg aus Schneewittchen „dum-di-dum-di-dum“ pfeifend und eine Rechen geschultert in den Wald marschieren. Alles klar, Mister President!

Alles ok in Point Reyes

San Francisco zieht Jahr für Jahr Millionen von Touristen an. Viele von ihnen besuchen die Golden Gate Bridge, fahren kurz mal hoch in die Marin Headlands, um von dort den Ausblick auf die Brücke, das Golden Gate und dahinter Downtown San Francisco zu genießen. Nur wenige fahren weiter in die Headlands hinein, entlang des legendären Highway 1.

Zum Glück kann man nur sagen, denn kurz danach kommt Point Reyes National Seashore, ein Nationalpark, direkt vor den Toren der Bay Area. Irgendwie wirkt dieser Teil in West-Marin County wie vergessen. Hierhin haben sich zahlreiche Aussteiger zurückgezogen, unzählige Musiker und Künstler leben in der Gegend, die mit den gewaltigen Redwoods beginnt und am oftmals nebeligen Pazifikstrand endet. Und in Point Reyes Station sendet auch KWMR, eine engagierte Community Station, auf der Freitagnacht auch Radio Goethe ausgestrahlt wird.

Ich fahre gerne dorthin, laufe alleine  und nur mit meinem Hund am endlosen Strand entlang, setze mich irgendwo an den Strand, beobachte die gewaltigen Wellen, schaue mir das teils skuril wirkende, angeschwemmte Holz an, genieße den heftigen Wind. Manchmal sieht man Seelöwen, hin und wieder kann man auch einen Wal auf seiner langen Reise von Nord nach Süd beobachten. Einmal konnte ich hier sogar bei einer Seehundrettung mithelfen. Point Reyes National Seashore ist ein ganz besonderer, ja, irgendwie spiritueller Ort zum Abschalten, Durchatmen, Auftanken.

Und da es eben ein „National Seashore“ ist, ist die Gegend nun auch von der Haushaltskrise im fernen Washington betroffen. In den letzten Tagen habe ich viel über Touristen gelesen, die in andern Parks, wie Yellowstone, Death Valley oder Joshua Tree National Park einfach ihren Müll liegen haben lassen, die jagten, dort lebende Tiere aufschreckten, Pflanzen ausrissen, mit Geländewagen und Motorrädern mitten durch die Parks rasten. Das alles, weil keine Parkranger vor Ort waren, es keine Aufsicht gab, ein scheinbar gesetzloser Raum entstanden ist. Trumps Kampf um die Mauer scheint das Beste in einigen Zeitgenossen hervorzubringen.

Anders war es gestern in Point Reyes. Es waren kaum Besucher dort, eigentlich wie immer, nur wenige Autos waren zu sehen. Ein Surfer versuchte die gewaltigen Wellen zu reiten und gab nach einer halben Stunde auf. Er kam nicht über die zweite Welle hinaus, die Strömung war zu stark. Die Toiletten an den Parkplätzen waren geschlossen, am Strand selbst kein Müll, keine Idioten, die sich ausleben mussten. Alles war friedlich, so wie immer. Es waren wunderbar entspannende Stunden an einem meiner Lieblingsorte hier an der kalifornischen Küste.

 

Bombenanschlag im Hafen von Oakland

Die Vancouver auf Fahrt.

Am 3. November 1938 explodierte eine Bombe am Rumpf des „Nazi-Steamers“ Vancouver im Hafen von Oakland und lief auf Grund. Das Schiff war mit einer Stunde Verspätung ausgelaufen und verhinderte somit eine Katastrophe auf offener See. Der damalige deutsche Generalkonsul, Baron Manfred von Killinger, ein Vertrauter Adolf Hitlers, erklärte, dass hinter dem Anschlag nur Kommunisten stecken könnten. Beweise dafür legte er nicht vor. Die Hintermänner der Explosion wurden nie gefunden. Taucher untersuchten das Loch im Rumpf und erkannten gleich, dass der Stahl nach innen gedrückt worden war, damit war klar, es war zweifellos ein Anschlag. Vier der Seeleute wurden verletzt, der Maschinenraum stand unter Wasser. Und die Vancouver war fahruntüchtig. Aus Deutschland mussten Ersatzteile geliefert werden.

Die Vancouver war am 17. Februar 1939 wieder seetüchtig, doch geriet in die Wirren des Zweiten Weltkrieges. Am 31. August wurde dem Schiff mit dem Ausbruch des 2. Weltkrieges in Curacao die Ausfahrt verweigert. Im Mai 1940 beschlagnahmte die holländische Regierung die Vancouver und taufte sie in Curacao um. 1946 kam das Schiff schließlich zur Holland-Amerika-Linie und wurde in Duivendyk umbenannt. 13 Jahre später wurde das Schiff in Tokio abgewrackt.

Einer jedoch, der auf dem Versorgungsschiff für die Vancouver in Richtung San Francisco an Bord war, war Hans Bartsch. Ihn lernte ich vor fast 15 Jahren kennen, als ich an einem Sonntagmorgen in der „Peter Buhrmann Radioshow“ aushalf und das „Schlesier Lied“ spielte. Hans rief an und den Tränen nahe, dass er dieses Lied aus seiner alten Heimat noch einmal hören konnte. Ich erzählte ihm von meinem Vater, der in Glogau zur Schule ging. Hand lud mich zu sich ein und wir wurden trotz des Altersunterschieds enge Freunde. Hans erzählte gerne vom alten San Francisco, von den vielen deutschen Läden und Handwerkern, von den Festen in der „California Hall“ und auch von seiner eigenen Geschichte.

Auf dem Schiff, mit dem er nach San Francisco kam, geriet er mit einem Offizier aneinander. Der Satz, der Führer sollte das mit den Juden nicht machen, wurde Hans zum Verhängnis. Nach der Abfahrt aus der San Francisco Bay nahm ihn ein anderer Offizier zur Seite und erklärte, ihm drohe in Deutschland ein Gerichtsverfahren wegen Beleidigung Adolf Hitlers. Es sei besser, wenn er von Bord ginge. Und das tat Hans auch. Bei der Durchfahrt des Panama Kanals sprang er über Bord, blieb erst in Panama und ging dann nach Costa Rica, als mit dem Kriegsausbruch eine Rückkehr nach Deutschland unmöglich war.

Mit dem japanischen Angriff auf den Marine Stützpunkt Pearl Harbor auf Hawaii, änderte sich das Leben für ihn genauso wie Tausende Deutschen und Japaner in Mittel- und Südamerika. In einer Nacht- und Nebelaktion verhaftete das FBI mit Zustimmung der jeweiligen Regierungen viele der Staatsangehörigen der nun verfeindeten Nationen. Einer von ihnen war Hans Bartsch, der zuerst in ein Lager nach Pacifica, südlich von San Francisco, gebracht wurde. Dort schaffte er es, den Beamten glaubhaft klar zu machen, dass er eigentlich vor dem Zugriff der Nazis geflohen war. Hans wurde mit der Auflage freigelassen, dass er nach Kriegsende die USA verlassen würde.

Und genau so kam es. Nach der deutschen Kapitulation reiste er kurz nach Kanada, um dann erneut und legal in die USA einzuwandern. In San Francisco warteten sein Job als Mechaniker, seine Wohnung und seine Freunde auf ihn. Hans blieb Deutscher, bis zu seinem Tod 2008. Er war ein eigenwilliger Mann voller spannender, interessanter und witziger Geschichten, der bis zuletzt seinen schlesischen Kopf durchsetzen wollte.

Kalifornien brennt und Trump poltert

      Waldbrände in Kalifornien

Kalifornien brennt erneut. Foto: Reuters.

Es brennt erneut in Kalifornien. Im Norden das Camp Feuer, rund 175 Kilometer von San Francisco entfernt, im Süden das “Woolsey Fire” in den Hügeln um Malibu und dazu noch das Hill Fire in Zentralkalifornien. Nach den verheerenden Bränden vor einem Jahr um Santa Barbara, im Weinanbaugebiet von Sonoma und im Sommer dieses Jahres in Nordkalifornien breiten sich erneut mehrere gewaltige Feuer aus.

Tausende von Häusern wurden bereits zerstört, 30 Menschen starben in den Flammen, die Kleinstadt Paradise in Nordkalifornien wurde total zerstört. Und die Winde fachen die Feuer weiter an. Über weiten Teilen des Bundesstaates hängt eine dicke Rauchglocke, die das Atmen schwer macht. Und diesmal mischt sich Präsident Donald Trump ein und tweetete: „Es gibt keinen Grund für diese massiven, tödlichen und teuren Feuer in Kalifornien außer dem schlechten Forstmanagement”. Damit griff er in einer Katastrophe die Menschen, Feuerwehren und Brandexperten in Kalifornien an, noch bevor er überhaupt ein Wort des Mitgefühls äußerte.

Und Trump, so Waldexperten in Kalifornien, habe keine Ahnung von dem, was er sagt. LeRoy Westerling, ein Klima- und Brandexperte an der Universität in Merced erklärte, dass Trump mit seinen uninformierten Worten eine Krise politisiert. Denn zum einen sind mehr als 50 Prozent der Wälder in Kalifornien im Bundesbesitz, also unter der direkten Kontrolle der Trump-Administration. Zum anderen brennt bei diesen Feuern nach Jahren der Dürre vor allem ausgetrocknetes Unterholz und keine ganzen Wälder. Hinzu kommt, dass Trump auf diesem Weg scheinbar versucht, die ihn unterstützende Holzindustrie in Position zu bringen. Große Waldflächen, das hat der Präsident schon mehrmals gefordert, sollten für die Abholzung freigegeben werden.

Feuer gab es in Kalifornien schon immer, hier redete man von einer “Feuer Saison” im Herbst, nach einem heissen Sommer. Doch davon ist nichts mehr zu spüren. Nun besteht eine Gefahr das ganze Jahr über. Für Klimaexperten sind die gewaltigen Waldbrände in Kalifornien auch ein deutliches Zeichen für den Klimawandel.
Kalifornien muss sich darauf mit neuen Bau- und Sicherheitsvorschriften im gesamten Bundesstaat einstellen. Riesige Brände sind hier im Golden State zur Normalität geworden.

Ein „deutsches“ Auto am Golden Gate

San Francisco war schon immer ein Anziehungspunkt für Menschen aus aller Welt. Nach dem Ende des ersten Weltkrieges, lebte die Stadt in den 1920er Jahren wieder auf. Das Erdbeben von 1906 hatte die „City by the Bay“ fast vollständig zerstört, doch die Menschen hier hatten ihren Pioniergeist bewahrt, bauten alles neu auf. San Francisco boomte und blühte in den Nachkriegsjahren. Und es gab auch damals schon Entrepreneurs, die mit eigenen Ideen überzeugten. Einer von ihnen war Paul Kleiber, ein Schmied, der 1889 als 25jähriger Deutschland verließ und über New York und Chicago Anfang der 1890er Jahre ans Golden Gate kam. Hier arbeitete er in seinem Handwerk, machte sich einen Namen, sparte und eröffnete schon bald seine eigene Werkstatt. Kleiber spezialisierte sich auf Pferdewagen und begann diese im eigenen Design zu produzieren. Nicht nur das, Kleiber verkaufte, reparierte und finanzierte die Wagen auch direkt. So hatte er einen unmittelbaren Zugang zu seinen Kunden.

San Francisco feierte am 17. April 1906 den Auftritt von Enrico Caruso. Nur wenige Stunden später, um 5 Uhr morgens des 18. April bebte die Erde, das alte San Francisco versank in Schutt und Asche. Paul Kleibers “Shop” blieb nahezu vollständig erhalten. Und der Deutsche verlieh seine Kutschen und Karren bereitwillig aus, damit die Menschen von San Francisco ihr letztes Hab und Gut in Sicherheit bringen konnten. Es dauerte Monate bis alle Wagen wieder in Kleibers Halle zurück waren, doch der Schmied verlangte keinen einzigen Cent von niemandem, der mit seinen Wagen unterwegs war. Das brachte ihm in der gebeutelten Bevölkerung von San Francisco den Namen “The honest Blacksmith” ein, der ehrliche Schmied.

Als die Automobilindustrie am Anfang ihrer Entwicklun stand, erkannte Kleiber die Zeichen der Zeit. 1912 verkaufte er seine Kutschenfabrik und gründete die “Kleiber Motor Company” mit Sitz 1424 Folsom Street in San Francisco. Er heuerte deutsche Handwerker an, die alles per Hand an seinem ersten Lieferwagen bauten. Der erste “Truck” wurde an die “Milwaukee Brewing Company” verkauft, die auch in San Francisco ihr Bier verkaufte. Kleiber spezialisierte sich auf Lastwagen, belieferte die verschiedenen Ölfirmen in Kalifornien, Coca Cola und auch die Feuerwehren. Ein Eintonner wurde für 2400 Dollar, ein Fünftonner für 5100 Dollar verkauft.

1923 war Kleiber Motor Company, die größte Automobilproduktionsstätte westlich des Mississippi. Die Nachfrage war groß nach den solide gebauten und handgefertigten Kleiber Trucks. 1924 entschied der “honest Blacksmith” den Kleinwagenmarkt in den USA aufzumischen. Auch hier setzte der Deutsche auf Handarbeit und einen Rahmen, der eigentlich für Lastwagen bestimmt war. Damit kann man die Kleiber PKW als die ersten SUVs bezeichnen. Das Ende kam mit der Automatisierung der “Car Industry”. Paul Kleiber weigerte sich seine Wagen am Fließband bauen zu lassen. Während ein Auto von Ford 500 Dollar kostete, lag der Preis für einen Kleiber bei 2100 Dollar. 1929 liess daher Paul Kleiber seinen letzten Wagen produzieren. Insgesamt wurden 815 Autos und Lastwagen von Kleiber in San Francisco produziert, die heute vielgesuchte Sammlerstücke sind.

Wieviel kostet das Klopapier?

1850 Dollar und 42 Cent sollte der Flug mit Swiss von Kalifornien über Zürich nach Nürnberg und zurück kosten. Wohlgemerkt Economy oder auch Holzklasse genannt. Dazu muss man natürlich noch einen Sitzplatz reservieren, sonst wird man auf einen Mittelplatz gesetzt, nicht ideal für jemanden der mehr als 120 Pfund wiegt und größer als 1,60 Meter ist. Kurz vor dem Buchen fiel mir dann noch auf, dass da „no baggage allowance“ stand, also kein Koffer erlaubt. Nun bin ich Vielflieger, was mich dann doch etwas wunderte. Also rief ich bei Swiss an.

Über den Wolken muss für die Freiheit bezahlt werden. Foto: Reuters.

Nach etwa 20 Minuten in der Warteschleife meldete sich eine nette Frau mit asiatischem Akzent. Ich schilderte ihr mein Anliegen und fragte, ob da was nicht stimme, denn bei dem Preis müsste doch ein Koffer aufzugeben sein. Nein, meinte die Dame, ich habe ja Klasse S, also den „Spartarif“ gewählt, von daher müsste ich für einen Koffer 60 Dollar extra zahlen. Pro Flug, also insgesamt 120 Dollar. Ich machte die Frau vom Swiss Kundentelefon darauf aufmerksam, dass ich ja seit rund 20 Jahren Kunde der Lufthansa Gruppe sei, dazu gehört auch Swiss, und seit vielen Jahren als „Frequent Flyer“ zwischen den Kontinenten hin und her jette. Eigentlich darf ich ja sogar zwei Koffer mitnehmen. Nein, meinte die Dame erneut, mit dieser Sparpreiskategorie ($1850,42) dürfe ich auch als „Frequent Flyer“ keinen Koffer mitnehmen und müsse für mein aufgegebenes Gepäck zahlen. Auf die Frage, was nun als nächstes kommt, ob ich dann demnächst auch fürs Klopapier zahlen müsse, falls ich über den Wolken mal ein menschliches Bedürfnis hätte, konnte oder wollte sie nichts sagen.

Ich blieb ruhig, sagte der Frau, ich wisse ja, sie könne nichts für die Preisgestaltung, aber es sei doch ein Unding, dass ein so teurer Flug als Spartarif ausgeschildert wird. Und das eben vor dem Hintergrund, dass die Lufthansa Gruppe im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn eingefahren hat, 12 Prozent mehr als im vorausgegangenen Jahr. Ich verstehe auch durchaus die Preisstaffelung, für Geschäftsreisende auf nationalen Flügen oder auch internationalen macht es oftmals keinen Sinn ein Gepäckstück aufzugeben, von daher sollte diese Möglichkeit durchaus bestehen. Aber für jeden normalen Reisenden, der international unterwegs ist, gehört ein Koffer doch dazu. Früher durfte man zwei Koffer a 32 Kg mit sich führen, dann wurde das auf 2 Koffer a 23 Kg verringert. Heute ist es nur noch ein Koffer a 23 Kg und man muss für die Platzreservierung zahlen. Die Frage ist also, was kommt als nächstes? Öh Ha, die Antwort ist also, man muss für jedes Gepäckstück zahlen. Kundenservice sieht dennoch anders aus….schade, schade Ihr Lufthanseaten…

Nazis in San Francisco

An der Adresse 1960 Jackson Street in San Francisco, gleich gegenüber dem Haus der Schriftstellerin Danielle Steel, wehen heute friedlich die deutsche und die europäische Fahne. Das Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland befindet sich in einem altehrwürdigen Gebäude, errichtet 1917 und erweitert 1924 von der Witwe des schwedischen Reeders William Matson.

Manfred Freiherr von Killinger 1934 im Staatstheater von Dresden gleich hinter Adolf Hitler.

Bis 1941 hatte das damalige Deutsche Reich sein Generalkonsulat im achten Stock 26 O’Farrell Street, direkt in Downtown San Francisco gelegen. Und hier hielt eine Zeitlang einer der verblendesten Nationalsozialisten die Fäden in der Hand. 1937 wurde Manfred Freiherr von Killinger als Generalkonsul an der amerikanischen Westküste eingesetzt. Der frühere NSDAP Reichstagspolitiker war kurzfristig sogar Ministerpräsident von Sachsen. Berüchtigt war er allerdings als  erklärter Anti-Semit und SA Mitglied, der 1921 direkt am Attentat auf den Zentrum-Politiker Matthias Erzberger beteiligt war. Nach dem Röhm-Putsch wechselte Killinger zunächst zum Volksgerichtshof, bevor er ins Auswärtige Amt berufen und am 14. Juni 1937 als neuer Generalkonsul nach San Francisco entsandt wurde.

Killinger sollte zwei Aufgaben erfüllen. Zum einen die Spionage Aktivitäten der Nazis an der Westküste ausweiten und koordinieren. Zum anderen den Versuch des Amerikadeutschen Volksbundes unterstützen, die deutschen Vereine in den USA auf einen einheitlichen Kurs Hitler-Deutschlands zu bringen. Die Aktivitäten des Generalkonsuls reichten von Seattle bis hinunter nach San Diego. Gewaltige Nazi-Aufmärsche im Cow Palace in South San Francisco waren das Ergebnis. Auch die Traumfabrik Hollywood in Los Angeles war ein Ziel der deutschen Diplomaten, wie ich schon vor ein paar Jahren in dem Audio-Beitrag über Ben Urwands Buch „The Collaboration – Hollywood’s Pact with Hitler“ darstellte.

Manfred Freiherr von Killinger erreichte sein Ziel nicht. In San Francisco organisierten sich, auch unter der Führung von deutschen Sozialdemokraten und Gewerkschaftsmitgliedern des einzigen Arbeiterbildungsvereins in den USA, die Mitglieder der Seeleute- und Hafenarbeitergewerkschaft, Maritime Union of the Pacific, gegen Killinger und erreichten schließlich die Abberufung des umstrittenen deutschen Generalkonsuls. Ende 1938 wurde der Diplomat nach Slowenien und Rumänien geschickt. In Bukarest machte er sich an der Verfolgung und Deportation von Juden mitschuldig. Als die Rote Armee in Bukarest einrückte, nahm sich der Freiherr am 2. September 1944 das Leben.

Auf diese Episode bin ich im Zuge meiner Recherchen zu einer Langen Nacht gestossen, die sich um die Geschichte der deutschen Einwanderer nach San Francisco und die Bay Area drehen wird. Die Sendung wird voraussichtlich Ende 2018 ausgestrahlt werden.

Fernab der alten Heimat

Ich bin an einem neuen Thema dran, das ich schon lange mal angehen wollte. Eine große Sendung über die Geschichte der deutschen Einwanderer nach San Francisco und die Bay Area. Über die Jahre habe ich immer mal wieder verschiedene geschichtliche Themen aufgegriffen, das reichte von den deutschsprachigen Hörfunksendungen über die deutsche evangelische Gemeinde bis hin zum Arbeiterbildungsverein in San Francisco, dem einzigen in den USA.

Und nun wird aus all diesen Interviews, gesammelten Dokumenten und Informationen eine große Radiosendung. Dafür war ich gestern im deutschen Altenheim in Oakland, einer Einrichtung, die 1890 gegründet wurde. Unter den Gründungsvätern waren viele einflussreiche deutsche Einwanderer, wie Adolph Sutro, Mortimer Fleischacker, Fritz Rosenbaum.

Die Geschichte der Deutschen in der San Francisco Bay Area geht bis auf die Anfangstage zurück. Während der Goldgräberzeit kamen Einwanderer wie Levi Strauss, die hier eine neue Heimat und Reichtum fanden. Interessant für mich sind vor allem die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts, als in San Francisco das deutsche Haus gebaut wurde, die vielen deutschen Vereine blühten, es Versuche gab politischen Einfluss zu erlangen und es mit dem Erstarken des Nationalsozialismus in Deutschland auch hier an der amerikanischen Westküste eine Spaltung der deutschen Gemeinde gab.

Eine solche Sendung ist wie ein Puzzle, die vielen Einzelteile setzen sich am Ende zu einem Gesamtbild zusammen, wenn möglich zu einem klangvollen Hörbild. Es ist eine Spurensuche, bei der man immer wieder überrascht wird. So auch gestern im Altenheim, dort fand ich alte Programmhefte aus den 1930er Jahren, darunter eines für eine Aufführung des „Pacific Sängerbundes“ vom 20. September 1936. Diese Hefte belegen die bedeutende Rolle der deutschen Immigranten am Golden Gate. Und diese Geschichte sollte erzählt werden.

Das gestörte transatlantische Gefühl

Wohl nichts wird in diesen Tagen mehr beschworen, als die transatlantische Partnerschaft. Hier die USA, dort Deutschland und Europa. Geschichtlich gewachsen, sturmerprobt. Und doch, irgendwie ist da Sand ins Getriebe geraten. Der Atlantikkreuzer will nicht mehr so richtig hin und her tuckern.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Los Angeles. Foto: Bundespräsidialamt.

Der amerikanische Präsident Donald Trump poltert in diesen Tagen verstärkt über Twitter gegen Deutschland. Verbreitet mal wieder Unwahrheiten gegen den langjährigen Partner. Der deutsche Präsident Frank-Walter Steinmeier ist gerade auf Kalifornientour und meint: „Ganz so einfach ist das mit dem transatlantischen Bekenntnis heute nicht mehr.“ Recht hat er, aber das ist so neu nun auch wieder nicht. Die Amerikaner haben Deutschland nie als gleichwertigen Partner angesehen. Nicht unter Reagan, nicht unter Bush Senior, nicht unter Clinton, nicht unter W., nicht unter Obama und eben auch nicht unter Trump. Deutschland war ein Verbündeter, der meistens auf der Seite des großen Bruders Amerika stand. Nur als Gerhard Schröder sich offen gegen George W. Bush wandte, als dieser in seinen Irakkrieg zog, wurde offensichtlich, dass die Amerikaner die Partnerschaft mehr als eine Gefolgschaft sehen.

Und diese Einschätzung hat Donald Trump eben auch. „America First“ heißt für ihn, dass Partner und Freunde sich eben hintenan stellen und das beste – und bitteschön kritiklos – aus der neuen Situation machen. Denn, so Trump, wenn es den USA gut geht, dann geht es auch den anderen gut. Und wem das nicht passt, der ist eben kein Freund der „best nation on earth“. Man erinnere sich hier an die Worte von George W. Bush, als er nach den Terroranschlägen von 9/11 am 30. September 2001 vor den versammelten Kongress trat und erklärte: „Every nation, in every region, now has a decision to make. Either you are with us, or you are with the terrorists.“ Man ist entweder mit den Amerikanern oder gegen sie. Und genau diese Haltung wird von der jetzigen Administration ad absurdum geführt, denn sie hat für Trump und Co Bestand für alles und überall. Da werden Schutzzölle aufgrund der nationalen Sicherheit für Importe aus Kanada und Deutschland ausgerufen. Da werden international ausgehandelte Verträge vom Tisch gewischt, um anschließend Partnern offen zu drohen, wenn sie weiterhin Handel mit bestimmten Ländern betreiben, hätte das Konsequenzen. Da mischt sich der Präsident in die Vergabeentscheidung für eine Weltmeisterschaft 2026 an und erklärt, man werde genau hinsehen, wer für die USA stimmt und danach die Entwicklungshilfegelder dementsprechend anpassen. Das ist zynisch, das ist der neue Ton in der amerikanischen Machtzentrale. Und all das soll eben einfach geschluckt werden – von den Partnern, den Freunden, den Verbündeten.

Donald Trump malt da in seiner Fantasie sein Weltbild in „red, white and blue“. Damit umzugehen ist schlichtweg unmöglich. Hier macht er einen Alleingang, verprellt langjährige Freunde, Partner und enge Verbündete, dort erklärt er sein Verhältnis zu Regierungschefs, die er gerade noch per Twitter übelst angegangen ist, als hervorragend. Ja, was nun? Es ist kein Wunder, dass Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier lieber nach Kalifornien reist als nach Washington, denn dort sucht man den Schulterschluss mit den Europäern – kulturell, wirtschaftlich, politisch. Hier trifft Steinmeier auf Verbündete, die diesen Namen auch verdienen. Auf Freunde, auf Partner, auf all jene, die den Blick nach vorne wagen, auf die Zeit nach Trump und dabei hoffen, dass der Schaden, der nun angerichtet wird, nicht allzu groß sein wird. Kalifornien an der amerikanischen Westküste ist in diesen Tagen Deutschland viel näher als die amerikanische Hauptstadt Washington DC an der Ostküste.

Aus 1 mach 3

Dreigeteilt soll Kalifornien in Zukunft sein.

Im November geht es am Wahltag um einiges. Die große Frage in den USA wird sein, ob die republikanische Mehrheit im Abgeordnetenhaus und im Senat gehalten werden und damit Donald Trump für die nächsten zwei Jahre beruhigt weiter regieren kann. Die Demokraten hoffen auf ihre Chance, auf genügend Wählerinnen und Wähler, die genug haben von Donald Trump und seiner Art, seinem Ton, seinem Getweete.

Doch da steht noch viel mehr an am Wahltag, u.a. Gouverneurswahlen in einigen Bundesstaaten und viele Abstimmungen. Nun hat es in Kalifornien auch eine Initiative auf den Wahlzettel geschafft, die sich „Cal 3 Initiative“ nennt. Nahezu 400.000 Unterschriften wurden gesammelt, damit die Kalifornier darüber abstimmen können, ob aus ihrem Bundesstaat drei Bundesstaaten werden sollen: Nordkalifornien, Kalifornien und Südkalifornien.

Hinter der Aufspaltung des Sonnenstaates steckt der Investor Tim Draper, der mehrere Millionen Dollar in dieses Projekt investiert, und das nicht zum ersten Mal. Schon vor ein paar Jahren trat er an, um Kalifornien zu zerschlagen, damals noch in sechs Teile. Nun also drei, die für sich besser existieren sollen, so Draper, und vor allem besser regiert und repräsentiert werden sollen. Die Opposition formiert sich bereits und wischt das Anliegen des Multimillionärs vom Tisch. Denn mit einer Spaltung Kaliforniens würde der Sonnenstaat auch seine Machtrolle in den Vereinigten Staaten von Amerika verlieren. Es wird also zu einem heißen Kampf um die Einheit Kaliforniens kommen.

Tim Draper erhofft sich mit seiner Kampagne Zeichen für die USA und weltweit zu setzen. Was da am Pazifik passiert könnte also auch interessant für die fränkische Abspaltungsbewegung von Bayern sein. Wobei es hier keinen so großen kulturellen Unterschied zwischen den Nord-, Central- und Südkaliforniern gibt, wie er zwischen den Franken und den Bayern existiert.