Ein seltsamer Wahlkampf

Sieben Kandidaten standen heute Abend auf der Bühne in Manchester, New Hampshire. Drei Gouverneure, zwei Senatoren, ein Immobilieninvestor und ein Neurochirurg. Ein paar von ihnen machen Sinn, ein paar überhaupt keinen und dann sind da noch diejenigen, vor denen man sich nur fürchten kann.

Es läuft auf einen Dreikampf zwischen Cruz, Trump und Rubio hinaus. Foto: AFP.

Es läuft bei den Republikanern auf einen Dreikampf zwischen Ted Cruz, Donald Trump und Marco Rubio hinaus. Foto: AFP.

Die Wahl in New Hampshire wird ein Wendepunkt sein. Einige der Kandidaten haben bereits angekündigt, wenn sie hier nicht besser abschneiden, werden sie sich zurückziehen. Und das sind gerade jene, die am meisten Sinn machen. John Kasich, Gouverneur von Ohio und Chris Christie, Gouverneur von New Jersey. Und auch Jeb Bush, ehemaliger Gouverneur von Florida, wird bei einem Scheitern in New Hampshire sehr genau überlegen müssen, ob er noch weitermachen will und kann. Alle drei überzeugen immer mehr in den Debatten, verweisen auf ihre Bundesstaaten, auf ihre Politik und Erfolge dort. Sie bauen auf das, was sie erreicht haben. Doch irgendwie kommt das beim Wähler nicht an.

In dem Umfragen hat bislang keiner der drei einen großen Sprung nach vorne machen können, und das, obwohl gerade Kasich und Christie viel Zeit und Geld in New Hampshire investiert haben. Wenn sie am Dienstag nicht deutlich aus dem Mitläuferfeld ausbrechen können, ist für sie das Rennen gelaufen. Allein John Kasich hat in New Hampshire 100 „Town Hall Meetings“ abgehalten. Das ist nur hier möglich, woanders im weiten Land ist sowas undenkbar. Und nach der Stimmabgabe in New Hampshire geht es Schlag auf Schlag weiter.

Nach diesem Urnengang werden weitere Kandidaten ausscheiden, das steht fest. Und wie es jetzt aussieht, könnte das ganze auf einen Dreikampf zwischen Ted Cruz, Marco Rubio und Donald Trump hinauslaufen. Damit stände wohl endgültig fest, dass die republikanische Partei nur noch ein Schatten ihrer selbst ist. Von Einheit, Geschlossenheit und der Bereitschaft dieses tief gespaltene Land wieder zusammen zu führen ist man dann Jahre entfernt. Auf Amerika kämen harte Zeiten zu.

Nur einer ist gegen die Todesstrafe

In all den Jahren als Korrespondent in den USA, habe ich ein Thema immer wieder aufgegriffen; die Todesstrafe. Vielleicht liegt es daran, dass das kalifornische Staatsgefängnis von San Quentin mit seiner „Death Row“ fast vor meiner Haustür liegt und ich Häftlinge im dortigen Todestrakt persönlich kenne. Doch vor allem liegt es wohl daran, dass im amerikanischen Strafvollzug all die Ungerechtigkeiten, all die Probleme, all die Fehler der amerikanischen Gesellschaft zu finden sind. Rassismus, soziale Ungleichheit, eine verschrobene Justiz, ein kaputtes Wahlsystem, fehlende soziale Einrichtungen, ein hohes Gewaltpotenzial…. ich könnte weiter ausholen. Und dann sind da genügend Fälle, die deutlich machen, dass im Namen des Volkes Unschuldige in den USA hingerichtet wurden.

Hillary Clinton und Bernie Sanders am Abend in New Hampshire. Foto: AFP.

Hillary Clinton und Bernie Sanders am Abend in New Hampshire. Foto: AFP.

Aus all diesen Gründen und noch vielen mehr lehne ich die Todesstrafe ab. Sie kann nicht gerecht sein. Für mich, der seit 20 Jahren hier drüben lebt, und nun seit ein paar Jahren auch in den USA als Bürger wählen darf, ist es immer wieder erstaunlich, wie weit verbreitet die „Rübe ab“-Mentalität, das Eintreten für die Höchststrafe bei Politikern verbreitet ist. Und ich rede hier nicht nur von Republikanern, sondern auch von Demokraten.

Im derzeitigen Wahlkampf sind auf republikanischer Seite alle Kandidaten für die Todesstrafe. Bei den Demokraten erklärte heute Abend Hillary Clinton in einer Fernsehdebatte auf MSNBC, dass sie bei bestimmten Fällen die Todesstrafe unterstütze. Also, ein Ja mit Einschränkungen. Aber eben ein Ja. Genau so ein Ja, wie es auch Barack Obama im Wahlkampf vertrat. Auch Bill Clinton war für die Todesstrafe.

Nur Bernie Sanders, der Senator aus Vermont, ist da anderer Meinung, er sagte: die Todesstrafe sei falsch, eben weil sie nicht gerecht sein kann und weil Unschuldige in den USA hingerichtet wurden. Da ist jemand, der Klartext redet, ohne Rücksicht auf Verluste. Der keinen Negativwahlkampf führen will, der komplizierte Sachverhalte anspricht, sie erklärt, seinen Standpunkt vertritt. Doch vor allem ist da einer, der ehrlich ist. Er redet für niemanden, nur für sich selbst.

Gestern im „Town Hall Meeting“ wurde Sanders gefragt, ob er religiös im Sinne von organisierter Religion sei. Sanders überlegte kurz und meinte dann, seine Religion sei hinzuschauen, wenn Kinder in den USA in Armut leben, wenn heimkehrende Veteranen obdachlos seien, wenn die Einkommensschere in diesem Land immer weiter auseinander geht. Das zu Erkennen treibe ihn an. Was daran „populistisch“ sein soll, kann ich nicht sagen. Vor allem nicht in einem Land wie den USA. Doch als „Populisten“ bezeichnete DIE ZEIT-Herausgeber Josef Joffe Bernie Sanders in der aktuellen Ausgabe auf der Titelseite und nannte ihn in einem Satz mit Donald Trump und Ted Cruz. Auch eine Meinung, Herr Joffe, die ich mit einem leichten Kopfschütteln einfach mal so stehen lassen möchte.

Wo führt das noch hin?

Der amerikanische Wahlkampf ist in vollem Gange. Donald Trump beschuldigt Ted Cruz, dass dieser in Iowa geschummelt hat, sich mit unrechten Dingen nach vorne mogelte. Jetzt beginnt der harte Faustkampf. Donald Trump ist das Verlieren nicht gewöhnt, er wird jetzt zum Beisser. Unterdessen haben zwei weitere Kandidaten ihr Ausscheiden aus dem Rennen verkündet. Senator Rand Paul und der letztmalige Gewinner von Iowa, Rick Santorum, haben das Ende ihre Kandidatur bekannt gegeben. Paul will sich nun um seine Wiederwahl als Senator von Kentucky kümmern. Das Feld lichtet sich immer mehr. Nach den Vorwahlen in New Hampshire nächste Woche, werden wohl weitere Namen von der ellenlangen Liste der Republikaner gestrichen werden.

Ted Cruz hat Donald Trump die Tour versaut. Foto: AFP.

Ted Cruz hat Donald Trump die Tour versaut. Foto: AFP.

Interessant auch, was die Kandidaten in Iowa für jede ihrer Wahlstimmen investiert haben. Es war ein langer Wahlkampf in diesem eigentlich unbedeutenden Bundesstaat. Umso mehr Zeit und Geld wurde in die Kampagnen gesteckt. Allen voran Jeb Bush, der von April bis zum Wahltag in Iowa 27,4 Millionen Dollar im „Hawkeye State“ gelassen hat. Damit zahlte Bush pro erhaltener Stimme $ 5200. Dahinter kommen Ben Carson ($ 3100), Carly Fiorina ($ 2200), Chris Christie ($ 1800), Rand Paul, Mike Huckabee und John Kasich (jeweils $ 1500), Rick Santorum ($ 900), Ted Cruz ($ 700), Marco Rubio ($ 600) und Donald Trump ($ 300).

Insgesamt gingen in Iowa 186,874 registrierte Republikaner zurAbstimmung, 171,109 Wähler waren auf der demokratischen Seite dabei. Das sind insgesamt 357,983 Iowarer, oder anders ausgedrückt 15,7 Prozent der möglichen Wähler im Bundesstaat. Und diesmal wurde sogar noch ein Rekord von 2012 gebrochen. Von einer aktiven Demoktratie kann man da wohl nicht mehr sprechen. Und wenn man sich dann noch überlegt, dass der Iowa Caucus auf ein weltweites Interesse gestoßen ist, dann fragt man sich schon, warum der umfallende Sack an der Ecke im Hafen von Shanghai nicht genausoviel Aufmerksamkeit erzielt.

 

Trump ist „nur“ Zweiter

Das war es dann wohl mit Donald Trump. Klar, Iowa ist nicht die USA, aber so eine Niederlage dürfte den Donald schon wurmen. Großmäulig ging er in die Abstimmung und versagte kläglich. Ja, er wurde Zweiter, aber das passt so gar nicht zu einem, der meinte, er kann das Feld von hinten problemlos aufrollen. Iowa war der Anfang vom Ende der Trump-Show. Der Egomane aus New York City kam auf dem Land ins Straucheln.

Natürlich wird Donald Trump jetzt (noch) nicht in den Sack hauen, aber sein Image des erfolgreichen Milliardärs, der im Wahlkampf alles unbeschadet sagen kann und dennoch in den Umfragen steigt, ist dahin. Umfragen sind nicht Wahlergebnisse, das ist die Lektion des Abends. Und sein Widersacher Ted Cruz setzte sich mit seiner erzkonservativen Weltanschauung durch. Kurz hinter Trump Marco Rubio, es läuft also in den kommenden Wochen auf einen Dreikampf hinaus. Alle anderen Kandidaten lagen in Iowa weit abgeschlagen.

Gleich zwei Namen haben bereits kurz nach Bekanntwerden der ersten Ergebnisse die Segel gestrichen. Mike Huckabee bei den Republikanern und Martin O’Malley bei den Demokraten. Huckabee hatte 2008 noch die Wahlen in Iowa gewonnen.

"Talking about a revolution, sounds (not anymore) like a a whisper". Bernie Sanders ist die wirkliche Überraschung dieses Wahlkampfes. Foto: Reuters.

„Talking about a revolution, sounds (not anymore) like a a whisper“. Bernie Sanders ist die wirkliche Überraschung dieses Wahlkampfes. Foto: Reuters.

Spannend am Abend der Zweikampf zwischen Hillary Clinton und Bernie Sanders, der auf ein Patt hinausläuft und eigentlich eine Niederlage für Clinton ist. Denn sie hatte alles generalstabsmäßig vorbereitet und dann kam der erklärte „demokratische Sozialist“ Sanders auf die Bühne und machte alles kaputt. Anfangs lag er in Iowa fast 50 Prozent hinter Hillary und nun gleichauf. Es ist ein bisschen so wie vor acht Jahren, auch Obama gewann überraschend mit „Hope“ und „Change“ und „Yes, we can“ Iowa. Oder man erinnere sich an den Grünen Ralph Nader im Jahr 2000. Beide mobilisierten vor allem viele junge Wähler, die von der Message begeistert waren. Und Sanders ist ja eher auf der Linie eines europäischen Sozialdemokraten und steht nicht für die Politik eines Fidel Castro, Erich Honeckers oder eines Hugo Chavez, auch wenn er hier in den USA so dargestellt wird. Sanders kommt an bei den Jungen, beim linken Flügel der Partei, gerade sein anderer Ton, gegen das politische Establishment.

Man sollte auch mal ein Jahr zurückblicken. Damals sah alles nach einem Zweikampf Jeb Bush gegen Hillary Clinton aus. Die Kommentatoren stöhnten, das könne nur ein gähnend langweiliger Wahlkampf zweier Politik-Dynastien geben. Und nun ist alles anders. Politik wurde zum Entertainment, Elefantenrunden im Fernsehen erzielen Einschaltquoten wie American Football Spiele. Deutlich wird auch, dass die beiden Parteien ein ziemlich großes Problem haben, denn ihnen laufen die Wähler weg. Die wollen vielmehr einen Washington-Außenseiter wählen, als jemanden, der von den Parteibossen in die vorderste Reihe geschoben wurde. Alles in allem, es bleibt spannend…und unterhaltsam.

 

Der Wahlzug hat den Bahnhof verlassen

Der "Iowa Caucus" ist komplizierter als nur ein Kreuzchen zu machen. Foto: Reuters.

In Iowa geht es nicht nur um ein Kreuzchen zu machen. Foto: Reuters.

Jetzt geht’s los. Was sich seit zwei Jahren angekündigt hat und worüber Korrespondenten und Kommentatoren bis zum Abwinken berichtet haben, findet nun endlich einen Anfang. Die Vorwahlen in den USA beginnen. Am Montag den 1. Februar stimmen die Parteimitglieder der Demokraten und der Republikaner in Iowa ab. Aber es ist kein normaler Urnengang, vielmehr treffen sich in jeweils 1681 “Nachbarschaftstreffen” Frauen und Männer in Schulen, Büchereien, Kirchen und sogar Privathäusern, um Delegierte für 99 Bezirksparteitage zu bestimmen. Danach wählen diese Delegierten auf den Bezirksparteitagen dann die Delegierten für die republikanischen und demokratischen Wahlparteitage in Iowa, auf denen schließlich die eigentlichen Wahlmänner und –frauen für die Parteitage im Juli in Cleveland (Republikaner) und Philadelphia (Demokraten) bestimmt werden. Das klingt nicht nur kompliziert, das ist es auch, vor allem wenn man bedenkt, dass in Iowa nur ein Prozent der gesamten Delegierten nominiert werden. Doch Iowa ist seit 1972 der erste Bundesstaat in dem gewählt wird. Darauf konzentrieren sich die Kandidaten schon früh, investieren viel Geld und vor allem Zeit, um in kleinen Runden mit den Wählern direkt in Kontakt zu treten.
Nach dem Auftakt im “Hawkeye State” geht es Schlag auf Schlag weiter. Eine Woche später wird im Kleinstaat New Hampshire gewählt, bereits diese zweite Stimmabgabe gilt für einige Kandidaten als Stimmungsbarometer. So hat der Republikaner John Kasich, immerhin Gouverneur von Ohio, angekündigt, falls er in New Hampshire nicht endlich punkten kann, wird er sich aus dem Rennen verabschieden.
Nach New Hampshire wenden sich die Kandidaten Nevada und South Carolina zu. Und am 1. März steht der “Super Dienstag” an. In 14 Bundesstaaten wird gewählt, danach werden sich die Reihen der Kandidaten mehr als lichten. Kalifornien, der bevölkerungsreichste Bundesstaat in den USA, wählt erst am 7. Juni, wenn alles schon entschieden ist, die Kandidaten in beiden Lagern feststehen. Nach den Parteitagen in Cleveland und Philadelphia auf denen die Präsidentschaftsanwärter gekrönt werden, beginnt das eigentliche Politikduell. Und auch dann konzentriert sich der Wahlkampf vor allem auf ein paar wenige sogenannte “Swing States”, Bundesstaaten, die mal demokratisch, mal republikanisch wählen. Alle anderen “States” sind bereits politisch vergeben, heißt, in ihnen tendiert eine sichere Mehrheit für den demokratischen oder republikanischen Kandidaten. Die Wahl wird also nicht in den bevölkerungsreichen Staaten New York oder Kalifornien entschieden, sondern in Nevada, Colorado, Iowa, Ohio, Virginia, Florida und New Hampshire. Wer dort gewinnt holt den Jackpot, den Einzug ins Weiße Haus. Damit wird das Wahlergebnis schon feststehen, bevor am 8. November an der amerikanischen Westküste, in Alaska und auf Hawaii die Wahllokale geschlossen haben.

Trump wird es nicht

Donald Trump hier, Donald Trump da. In den Umfragen liegt er weit vor seinen Mitkonkurrenten. Der Spiegel hat dem Donald sogar eine Titelstory gewidmet. Alle reden schon von einem Präsidenten Trump. Doch daraus wird nichts. Und das aus einem ganz einfachen Grund. Donald Trumps Unterstützer sind keine Wähler, darauf läuft es jedoch am Ende hinaus.

Alles nur aus Liebe zu den USA. Foto: Reuters.

Alles nur aus Liebe zu den USA. Foto: Reuters.

Die Umfragen laufen immer gleich ab. Als Republikaner registrierte Wähler werden telefonisch gefragt, für wen sie denn stimmen würden, wenn am kommenden Dienstag Wahltag wäre. Die meisten der 500 Ausgesuchten gaben dann immer Trump an. Danach jubeln die einen, weinen die anderen, und wieder andere erklären, das kann doch alles gar nicht stimmen. Was bei diesen Umfragen meist hinten runter fällt ist die Tatsache, dass jemand am Telefon viel erzählen kann, wenn der Abend lang ist. In Wählerstimmen muß sich das nicht unbedingt ausdrücken. Und da hat Donald Trump ein riesiges Problem, wie nun genauere Untersuchungen seiner Unterstützer zeigen.

Trumps „Supporter“ bestechen vor allem dadurch, dass sie nicht wählen gehen. Ein Großteil von ihnen hat nicht an den letzten vier Wahlen teilgenommen. Die Hauptaufgabe des Donald wird also nun sein, die lautstarke Gruppe in seinen Veranstaltungen, die ihn quasi schon als Heilsgott preisen, zu den Wahlurnen zu bringen. Das ist nicht einfach, denn am Boden ist Trump nicht so verwurzelt und organisiert wie das andere Kandidaten sind. Der Milliardär ist zwar auf allen Titelseiten, in allen Talk Show Sendungen, auf allen Frequenzen zu finden, zu sehen, zu hören, doch draußen im Land fehlt es ihm an „Bodentruppen“, die von Tür zu Tür gehen, seine Unterstützer zu Wählern machen.

Aus diesem Grund sind die anderen Kandidaten (noch) relativ gelassen, auch wenn Donald Trump in den Umfragen die Schallmauer durchbrochen zu haben scheint. Ted Cruz, Marco Rubio, Jeb Bush, sie alle haben ihre Basis in Iowa, New Hampshire und den anderen Bundesstaaten, ihre Unterstützergruppen, die auch wählen werden. Donald Trump muß am Montag liefern, ansonsten wird sein Kartenhaus aus Häme und Hass schnell zusammen brechen. „You’re fired“ könnte schon sehr bald ihm gelten.

Donalds Kopf ist kurz vorm Platzen

Donald Trump hat ein Ego so groß wie….ja, welchen Vergleich könnte man hier anbringen? Der Mann ist einfach so von sich überzeugt, dass man nach dem Lesen der neuesten Berichte darüber sprachlos ist, was er nun wieder vom Zaun gelassen hat. Diesmal geht es um die nächste republikanische Debatte, live ausgestrahlt am Donnerstagabend auf FOXNews. Trump drohte erneut, zum dritten Mal schon, dass er nicht teilnehmen werde, wenn die Moderatorin Megyn Kelly nicht ausgestauscht werden würde. Dieser wirft er Parteilichkeit vor, weil Kelly ihn mehrfach in Interviews direkt konfrontierte. Er war sich seiner Sache ganz sicher, das war auch nicht anders zu erwarten. Trump twitterte: „It will never happen. Fox will drop Kelly if it means no Trump. Nobody will watch w/o Trump.“ Niemand also würde die GOP-Debatte ohne den großen Donald ansehen, so der Milliardär siegessicher.

Keiner ist wichtiger als Donald Trump. Foto: Reuters.

Keiner ist wichtiger als Donald Trump. Foto: Reuters.

Doch Trump machte die Rechnung ohne den FOXNews Chef, Roger Ailes. Der erklärte auf seinem Sender; „Megyn Kelly ist eine ausgezeichnete Journalistin, hinter der der gesamte Sender steht. Sie wird auf alle Fälle am Donnerstagabend auf der Bühne sein“. Klare Ansage, die der Donald wohl so nicht stehen lassen konnte. Am Dienstag meinte er zur Presse, er werde „höchstwahrscheinlich“ am Donnerstag nicht dabei sein, denn er plane eine Veranstaltung in Iowa für verletzte Soldaten und Veteranen. Sein Wahlkampfmanager ging noch einen Schritt weiter und erklärte, Trump werde „ganz sicher“ nicht an der Debatte teilnehmen.

Ich bin sicherlich kein Fan von FOXNews, auch wenn ich den Unterhaltungswert des „fair and balanced“ Kanals sehr schätze. Aber diesmal unterstütze ich die Entscheidung des Senders und ihres Bosses Roger Ailes. Es kann nicht angehen, dass ein politischer Kandidat in die Senderfreiheit eingreift, nur weil eine Moderatorin ihm in der Vergangenheit kritische Fragen zu Frauen und Latinos gestellt hatte. Der Entschluss auch ohne Trump an Megyn Kelly festzuhalten ist im Angesicht des täglichen Quotenkampfes hoch anzurechnen, denn eine republikanische Debatte ohne Trump wird kaum genießbar sein. Der Unterhaltungswert geht gegen Null, denn die Republikaner sind bislang weniger inhaltlich aufgefallen, eher mehr durch die Verbalattacken eines Donald Trump.

Aber der ist sich sicher, dass ihm wenige Tage vor dem Urnengang in Iowa nicht mehr viel passieren kann. In der jüngsten Umfrage der Washington Post und ABC liegt Donald Trump US weit mit sage und schreibe 37 Prozent vorne. Auf Platz 2 kommt Ted Cruz mit 21 Prozent. An dritter Stelle liegt Marco Rubio mit 11 Prozent. Anschließend der Rest des Feldes. John Kasich, Gouverneur von Ohio und selbst Kandidat, erklärte, New Hampshire, der zweite Urnengang, wird alles entscheidend sein. Bislang hat Trump nichts stürzen können. Es ist also mehr als unwahrscheinlich, dass der superreiche Egomane in Iowa und New Hampshire noch ein Waterloo erleben wird. Denn in einer CNN Umfrage führt Trump den Reigen mit 41 Prozent vor Cruz (19 Prozent) und Rubio (8 Prozent) an.

Soll ich langsam daran glauben, dass Donald Trump die Kandidatur der Republikaner gewinnt und womöglich auch ins Weiße Haus einziehen könnte? Nein. Ganz klar, nein. Ich habe in diesem Land schon viel Seltsames, Unlogisches und Aberwitziges erlebt. Aber das wird nicht passieren. Falls doch, falls Donald Trump mit Sarah Palin kandidieren und gewinnen sollte, werde ich Reisejournalist. Irgendwo da jenseits der Grenzen zu den Verblödeten Staaten von Amerika.

 

Ein starkes demokratisches Kandidatenfeld

      Letzte Debatte vor den Vorwahlen
Bernie Sanders macht Hillary Clinton das Leben schwer. Foto: Reuters.

Bernie Sanders macht Hillary Clinton das Leben schwer. Foto: Reuters.

Was soll man da noch sagen? Die Fernsehdebatten gingen am Montag mit dem letzten Aufeinandertreffen der demokratischen Kandidaten zu Ende. Es war ein „Town Hall Meeting“ mit Wählern in Iowa. Und es war gut. Inhaltlich, sachlich, ohne Tiefschläge. Die Kandidaten beschworen die Einheit der eigenen Partei, hatten positive Worte für ihre Mitstreiter, setzten auf ihre Stärken. So sollte es sein. Die demokratische Debatte für die Präsidentschaftswahl 2016 war um Welten besser, als die andauernde Schwarzmalerei im republikanischen Lager. Dort scheint es nur darum zu gehen, wer ein größeres Ego hat und wer Präsident Obama noch mehr anlasten kann.

Egal, nun beginnen mit der Stimmabgabe in Iowa in sechs Tagen die Vorwahlen, danach folgt New Hampshire. Bis ich hier in Kalifornien dran komme, ist die Wahl entschieden. Also zumindest, wer gegen wen antreten wird. Und wenn man bedenkt, dass Kalifornien der bevölkerungsreichste Bundesstaat in den USA ist und wahltechnisch so gut wie keine Rolle spielt…aber ich wiederhole mich nur, wenn ich sage, das amerikanische Wahlsystem ist nicht gerade das beste.

Die Toten wollen Hillary nicht

Wann es damit anfing, weiß keiner mehr so genau. Amerikaner hinterlassen ihren Angehörigen ganz konkrete Anweisungen, was im Falle ihres Ablebens zu tun ist. Das reicht bis zur Ausformulierung der Traueranzeige. Auffallend ist in letzter Zeit, dass die Verstorbenen oftmals noch einen ganz konkreten letzten Wunsch haben. Da steht dann, „An Stelle von Blumen, wählen Sie bitte nicht für Hillary Clinton.“

Keine Liebe von den Sterbenden für Hillary Clinton. Foto: Reuters.

Keine Liebe von den Sterbenden für Hillary Clinton. Foto: Reuters.

Auch Stimmabgaben für oder gegen andere Politiker gibt es, aber die Toten haben sich vor allem auf Hillary festgelegt. Nun kann man darüber rätseln, ob Sterbende mehr wissen, als wir Lebenden, aber das lasse ich jetzt einfach mal unbeantwortet. Die Nachrufe mit politischer Kampfansage sind im ganzen Land verbreitet. Meist sind sie freundlich gehalten, wie im obigen Fall des Kaliforniers Arnold P. Mininger, der im November verstarb. Im Nekrolog von Michael Klein aus Michigan hingegen steht: „Eigensinnig (bitte wählen Sie nicht für Hillary!), direkt, manchmal auch etwas mürrisch“. Und dann ist da die Traueranzeige von Karl Kmentt aus Ohio, der sein frühes Ableben nur aus einem Grund bedauert: „Sein größter Kummer war, NICHT die Möglichkeit gehabt zu haben, gegen Hillary Clinton in der nächsten Präsidentenwahl zu stimmen“.

Solche Anzeigen häufen sich, sind jedoch nicht ganz neu. 2009 verstarb im Alter von 99 Jahren Sara Francis Buckner in Tallahassee, Florida. In ihrem Nachruf stand, dass sie keine Feministin gewesen sei und dann, „eine der größten politischen Enttäuschungen für Sara Francis war, dass ihr im vergangenen Jahr die Möglichkeit genommen wurde, gegen Hillary Clinton als Präsidentin zu wählen“. Man kann sicher sein, dass Buckner keine Obama-Anhängerin war und dem politischen Jungspund die Chance der Gegenstimme mehr als übel nahm.

Wie die verschiedenen politischen Lager zu diesen Wahlaufrufen aus dem Jenseits stehen, ist nicht bekannt. Ich glaube, wir heften diesen Blogeintrag einfach unter „Seltsames aus dem Land der Unbegrenzten Möglichkeiten“ ab.

 

 

 

Hillarys Aufmarsch beginnt

Am 1. Februar beginnen in Iowa die amerikanischen Vorwahlen. Eine Woche später geben die Wähler dann in New Hampshire ihre Stimme ab. Danach geht es Schlag auf Schlag. Am „Super Tuesday“, dem 1. März, könnte in beiden Lagern schon alles entschieden sein. Wird es Trump gegen Clinton oder kann sich hier und dort noch ein anderer nach vorne drängeln. Derzeit laufen in beiden Parteien die Maschinen auf Hochtouren. Im republikanischen Lager will man eine Kandidatur von Donald Trump verhindern, bei den Demokraten soll auf alle Fälle am Ende Hillary Clinton ins Rennen ums Weiße Haus gehen.

Damit die Über-Demokratin es auch schafft, wird nun alles in den Ring geworfen, was die Partei aufzubieten hat. Namhafte Kollegen und auch Hollywoodpromis ziehen durch die Gemeindehallen in Iowa, um die Wähler von Hillary zu überzeugen. Denn die jüngsten Umfragen sehen nicht gut für Clinton aus. Sowohl in Iowa, wie auch kurz danach in New Hampshire droht ein politisches Erdbeben. Schon 2008 verlor Hillary überraschenderweise in Iowa, das Ende ist bekannt. Das will man verhindern, denn in der Zentrale der Demokraten glaubt man zu wissen, dass ein „demokratischer Sozialist“, wie sich Bernie Sanders selbst bezeichnet, kaum eine Chance beim Urnengang im November hätte.

Unterstützer von Bernie Sanders. Foto: Reuters.

Unterstützer von Bernie Sanders. Foto: Reuters.

Doch Bernie reitet weiter auf der Erfolgswelle. Hier in der liberalen Hochburg der San Francisco Bay Area hat Sanders ein Heimspiel. Überall sieht man die Autoaufkleber mit „Feel the Bern“. Und auch in den Unistädten von Iowa, New Hampshire und den anderen Bundesstaaten zieht Bernie Sanders Zehntausende in seine Wahlveranstaltungen, wie auch der jüngste Werbeclip von ihm zeigt. Und das ist Sanders wie er leibt und lebt. Bernie führt keinen negativen Wahlkampf, sondern gibt sich einfach so, wie er ist. Das kommt an, das erinnert an Ralph Nader, der im Wahlkampf 2000 gemeinsam mit Pearl Jam und Patti Smith auf der Bühne stand und mit seiner Botschaft Stadien füllte.

Sanders, aber auch Trump, Carson und Cruz machen erneut deutlich, dass das amerikanische Wahlsystem ein kaputtes und längst überholtes System ist. Die Wahl der reichen, weißen Männer ist überholt, wie sie einst in der Verfassung festgeschrieben wurde. Heute wollen die Wähler besser repräsentiert werden, als nur von den Demokraten oder Republikanern. Doch die Meinung eines Großteils der Amerikaner wird nach dem Urnengang mit den abgegebenen Wahlzetteln auf die Halde gekippt. Es fehlen Drittparteien in den USA, die eine Chance haben, im Kongress und im Senat gehört zu werden. Nur so kann sich das Klima, die Blockadehaltung, das Frontdenken, das Aussitzen der Probleme in Washington verändern.

Bernie Sanders ist ein ernstzunehmender Kandidat, mit ihm als Präsidenten ginge sicherlich ein Ruck durchs Land, wenn…ja wenn die USA für eine grundlegende Wahlreform bereit wären. Doch das wird nicht passieren. Von daher macht man hier so weiter wie bisher. Deshalb wird Hillary Clinton die Vorwahlen gewinnen, deshalb hat sie gute Chancen ins Weiße Haus einzuziehen. Alles bleibt beim Alten. „Same procedure as last time“. Die Amerikaner zeigen leider in diesen Wochen und Monaten mal wieder, dass sie nicht gerade die Hüter des demokratischen Urgedankens sind.

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