Popcorn, Chips und ein nette Flasche Wein

Jetzt wird richtig am Wahlkampfrad gedreht. Eigentlich sollten Hillary Clinton und Bernie Sanders noch eine Fernsehdebatte vor der abschließenden Vorwahl in Kalifornien führen. Doch Hillary zickt rum. Sie hält sich nicht an die eigentlich abgemachten Termine. Bernie regte sich vor ein paar Tagen darüber so richtig auf, beschuldigte die demokratische Parteiführung, ein abgekartetes Spiel zu führen. Am Montag meinte der Senator aus Vermont auf einer Wahlkampfveranstaltung: „Vor ein paar Monaten, hatten wir uns auf ein einige Debatten geeinigt, darunter eine hier in Kalifornien. Ich muß sagen, ich empfinde es als eine Beleidigung für Kalifornien – unseren größten Bundesstaat – dass sie nicht darauf vorbereitet ist, mit mir eine Diskussion darüber zu führen, wie wir die großen Krisen angehen, die uns bevorstehen.“

Bernie Sanders Wahlkampfmanager, Jeff Weaver, brachte daraufhin eine mögliche Debatte zwischen Sanders und Trump ins Gespräch. Am Donnerstag war #BernieTrumpDebate eines der meist benutzten Hashtags auf twitter. Der Donald ließ sich da nicht lumpen und antwortete am Donnerstagnachmittag auf einer Pressekonferenz: „Ich würde gerne mit Bernie eine Debatte führen. Aber ich will damit viel Geld für gemeinnützige Organisationen sammeln. Was wir machen sollten ist, wir sollten Geld, vielleicht 10-15 Millionen Dollar für Gesundheitsprojekte von Frauen zusammenkriegen, das wäre eine gute Sache. Ich kenne das Fernsehgeschäft sehr gut, ich glaube, es würde sehr hohe Einschaltquoten bringen. Es sollte in einer großen Arena sein. Und wir können jede Menge Spaß damit haben.“

Und dann antwortete Bernie Sanders in einem Tweet: „Ich freue mich, dass @realDonaldTrump der Debatte zugestimmt hat. Laßt es uns im größtmöglichen Stadium machen.“ Am Nachmittag fügte er dann noch auf einer Wahlkampfveranstaltung in Ventura hinzu: „Es scheint, Donald Trump will eine Debatte. Ich kann es kaum erwarten“.

Der Showkampf kann beginnen, es wird ein vielbeachteter und vielgesehener Fernsehabend. Der Verlierer steht auch schon fest: Hillary Clinton!

„The most dangerous place in the world“

Ich war in der mexikanische Grenzstadt Ciuadad Juarez zu Fuß unterwegs, als dort im Jahr 3600 Menschen ermordet wurden.

      Besuch in Ciudad Juarez

Mit der Bundeswehr war ich zweimal in Afghanistan. Nach der Landung in Kunduz bekam ich gleich eine kugelsichere Weste und einen Stahlhelm verpasst, im gepanzerten Fahrzeug ging es die kurze Strecke vom Flughafen in die Kaserne der Deutschen. Ich reiste in den Ostkongo, um über die dortige Krise zu berichten, sprach im Rebellengebiet der M23 mit dem Präsidenten, während vor der Tür bewaffnete Soldaten mit Maschinengewehren und Raketenwerfern standen.

      Besuch im Ostkongo

Es ging in den Tschad. Im Süden des Landes herrschte eine Flüchtlingskrise, das Chaos aus der benachbarten Zentralafrikanischen Republik drohte in den Tschad überzuschwappen.

      Besuch im Tschad

Dann ging es nach Somalia, ans Horn von Afrika. Einen funktionierenden Staat gibt es dort nicht mehr, seit 25 Jahren ist das Land gespalten, Teile versinken im Chaos, werden von Terrorgruppen, wie der Al-Shabaab Miliz, tyrannisiert.

      Besuch in Somalia

Ach ja, und hier drüben war ich auch mal in Los Angeles unterwegs, um dort auf Spurensuche nach den Gangs zu gehen, denn LA gilt als die Hauptstadt der Banden und kriminellen Organisationen in den USA.

      Besuch in Los Angeles
Donald Trump redet mal wieder Unsinn. Foto: Reuters.

Donald Trump redet mal wieder Unsinn. Foto: Reuters.

Das sind nur ein paar der „Reiseziele“, die ich in den letzten Jahren angesteuert habe. Waffen, Gewalt, Not und Elend gab es auf all diesen Trips zu sehen. Doch anscheinend hätte ich für den „Nervenkitzel“ gar nicht so weit fahren müssen, denn der angehende republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump erklärte nun in seiner allumfassenden Kenntnis des amerikanischen Alltags in einem Interview mit der New York Times: „There are places in America that are among the most dangerous in the world. You go to places like Oakland, or Ferguson. The crime numbers are worse. Seriously.“ Oakland ist, laut Trump, also vergleichbar mit den Krisenherden dieser Welt.

Was stimmt, meine neue Heimatstadt in Kalifornien hat ein Gewaltproblem. Die FBI Statistik für 2014 belegt, dass es in dem Jahr 6900 Gewaltverbrechen in Oakland gab, darunter 80 Morde. Doch das ist nichts besonderes für die USA. Vergleichbare Städte, wie Miami oder New Orleans, liegen noch darüber. Oakland ist also nicht gefährlicher als andere US Städte.

Die Reaktion in Oakland ließ nicht lange auf sich warten. Bürgermeisterin Libby Schaaf, geboren und aufgewachsen in Oakland und eine erklärte Hillary Clinton Unterstützerin, twitterte und postete diese Nachricht auf facebook: „Let me be clear, regarding @nytimes story, the most dangerous place in America is Donald Trump’s mouth.“ Dazu muß ich glaube ich nichts mehr hinzufügen!

Ein Präsident für alle Einwohner

Wahlkampf ist ein Politzirkus. Das wird in diesem Präsidentschaftswahlkampf nur allzu deutlich. Vollmundige Töne, große Versprechen, ein lautes Tam-Tam. Und dann ist da einer wie Bernie Sanders, der eigentlich so gar nicht in das geleckte Politbild passt. Die Haare wirr, der Anzug zerknautscht, er wirkt wie der etwas mürrisch dreinblickende Senior im Zeitungscafé. Doch Sanders begeistert vor allem die jungen Leute in den USA. Sein Wahlkampf ist eine Welle, die derzeit das ganze Land erfasst.

Bernie Sanders Action-Figur.

Bernie Sanders Action-Figur.

Das ganze Land wohlgemerkt. Bernie Sanders ist der einzige Kandidat, der gezielt und bewußt und ohne großen Pressezirkus die Reservate der Indianer, der Ureinwohner Amerikas aufsucht. Zuletzt fuhr er nach Pine Ridge, abgelegen in South Dakota, um dort mit den Bewohnern zu sprechen. Bernie Sanders will von ihnen hören, denn er weiß, gerade die „Native Americans“ sind nach wie mehr als benachteiligt, sind am äußersten Rande der Gesellschaft zu finden. Allein im Reservat Pine Ridge verlassen 70 Prozent der High School Schüler die Schule ohne Abschluss. Die Arbeitslosigkeit ist riesig, wie auch die Drogen- und Alkoholprobleme.

Bernie Sanders ist der einzige Kandidat, der auch in den Fernsehdebatten von sich aus die Problematiken in den Reservaten angesprochen hat. Und das wurde gehört. Zwei Prozent der amerikanischen Bevölkerung sind „Native American“. Viele von ihnen unterstützen Sanders im Wahlkampf, gerade weil er glaubwürdig ist und sich nicht verbiegt. Was der Senator aus Vermont in seinem Wahlkampf geschafft hat, ist, den Blick auf die Ränder der Gesellschaft zu werfen. Er reist und rauscht nicht an mit großen Versprechen, fabuliert nicht von „the greatest nation“. Er spricht vielmehr die Probleme dieses Landes an, in dem es nach wie vor Reservate gibt, in denen Menschen ohne Hoffnung und Zukunft leben.

Kein Wunder, dass Bernie-Fans nun mit einer Kickstarter-Kampagne eine Bernie-Actionfigur umgesetzt haben. Sanders ist zwar nicht der muskelbepackte Marvel-Comic Held, aber er legt mit diesem Wahlkampf den Finger in die Wunden Amerikas. Das ist ehrlich und glaubwürdig und, ja, heldenhaft in einem Land, in dem noch immer viele der Meinung sind, „America is the best place on earth“.

Wir saufen uns Amerika schön

bud_12oz_bottle_jkr_summer_sxs_custom-fd48dd472d2795a78bab5e43af37169ba87f698a-s800-c85In diesem Sommer heißt es nicht mehr „Bitte ein Bud“, sondern „Please one America“. Die Großbrauerei Anheuser-Busch hat angekündigt, ihr Budweiser Bier ab Ende Mai bis zu den Wahlen im November als „America“ umzubenennen. Dieses Jahr, so die Braumeister, sei ein Jahr des Patriotismus. Zum ersten Mal wird das Fußballturnier „Copa America Centenario“ in den USA abgehalten, daneben stehen die olympischen Spiele in Brasilien an und natürlich wird auch noch gewählt im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Alles ein Grund, stolz zu sein, Flagge zu zeigen, Amerika zu trinken, wobei die Namensänderung die Plörre auch nicht besser schmecken läßt.

Die Häme ließ nicht lang auf sich warten. Einige Kommentatoren verwiesen darauf, dass die „amerikanische“ Brauerei Anheuser-Busch 2008 für 50 Milliarden Dollar an die belgische InBev Gruppe verkauft wurde. Von Patriotismus war im Angesicht des harten Dollar da nicht viel zu sehen. Auch ist die Frage, ob es dann ein „America Light“ zu kaufen gibt und was man mit den leeren Dosen anstell soll? Darf man diese einfach wegschmeißen und zerknüllen oder kommt das dann der Flaggenschändung gleich? Einer, der von der Idee ganz begeistert ist und schon meint, das hänge alles mit seinem Wahlkampf zusammen ist der republikanische Kandidat Donald Trump. „We’ll make America great again“, ist sein Wahlspruch. Darauf also ein „America“. Wir saufen uns das Land wieder schön.

YouTube Preview Image

Mein Kreuzchen machen

IMG_5718Mit einem Kreuzchen komme ich hier nicht weit. In meinem County, Alameda, werden Linien gezogen. Das ist hier so, in anderen Counties, in anderen Bundesstaaten ist das wieder ganz anders. Ein einheitliches System gibt es in den USA nicht.

Der US Präsidentschaftswahlkampf kommt nun auch nach Kalifornien. Diesmal haben die Stimmen sogar eine Bedeutung, nicht mehr bei den Republikanern, da ist Donald Trump durch. Doch bei den Demokraten könnte sich noch was tun. Bernie Sanders rechnet sich noch was aus, und mit einem Sieg gegen die Frontrunnerin Hillary Clinton im bevölkerungsreichsten Bundesstaat könnte er mit breiter Brust nach Philadelphia zum Parteikonvent fahren.

IMG_5720Ich bin als „Independent“ registriert und darf dennoch bei den Demokraten im Vorwahlkampf mit abstimmen. Daneben wird am 7. Juni noch über einiges mehr entschieden. Ein paar weitere Vorwahlen für verschiedene politische Ämter stehen an, darunter für den US Kongress und Senat , für den kalifornischen Senat und „Assembly“ (Landtag). Und dann darf man seinen Strich auch bei Richtern und Schulaufsichtsbehörden ziehen. Keine Ahnung, wer da kandidiert und warum ich die wählen soll. Ich glaube, ich konzentriere mich auf die Ämter und Personen, die ich kenne und fange erst gar nicht mit solchen Wahlen für Richter, Behöreden oder U-Bahn Gremien an. Was soll das auch?

America is ready

Trump Shirts gehen weg wie warme Semmel.

Trump Shirts gehen weg wie warme Semmeln.

Bis zu den Wahlen ist es noch etwas hin, aber Amerika ist bereit. Zumindest, wenn man sich die Angebote in den Touristenshops in Washington DC ansieht, wie hier in einem Laden in der gewaltigen Union Station.

Langsam nimmt das Angebot zwar ab, es sind ja nur noch wenige Kandidaten im Rennen. Hillary, Trump und Bernie T-Shirts, Tassen, Kühlschrankmagneten, Spielkarten. Alles, was das Herz eines leidenschaftlichen Politik-Fans begehrt. Am besten scheinen die Donald Trump und Bernie Sanders Artikel zu laufen. Die Anzahl der Produkte ist überwältigend und vielseitig. Sowas bekommt man für die Bundestagswahl mit ihren Kanzlerkandidaten nicht zu sehen.

Offizielle Artikel der Kandidaten sind das nicht, von daher stellt sich die Frage, wer damit vor allem das große Geld macht. Und nein, ich habe mir kein Andenken an den weltweit beachteten Proll-Wahlkampf von Trump gekauft. Und ich kenne auch niemandem, dem ich auch nur aus Spass eine Ted Cruz Tasse mitbringen würde, ohne sie danach an den Kopf geknallt zu bekommen. Wobei die sogar 50 Prozent billiger war!

Die Welt ist so einfach

Donald Trump ist durch. Und das mit einem inhaltslosen Wahlkampf. Trump fiel im letzten Jahr vor allem durch Angriffe auf seine Mitkonkurrenten auf, weniger für seine Ziele und Programme. Denn „Wir bauen eine Mauer“, „Wir lassen keine Moslems mehr ins Land“, „Wir bomben den IS in die Steinzeit“ und vor allem „Wir machen Amerika wieder großartig“ bewerte ich nicht gerade als eine sehr zukunftsweisende, überdachte und zielgerichtete Politik.

Donald Trump und die heile, amerikanische Welt. Foto: Reuters.

Donald Trump und die heile, amerikanische Welt. Foto: Reuters.

Interessant ist derzeit, was bei den Republikanern passiert. Auf der einen Seite distanzieren sich mehr und mehr Parteimitglieder von Trump, betonen, wie die Bushs, Mitt Romney und John McCain, sie werden den Milliardär nicht unterstützen. Und dann sind da auf der anderen Seite jene, die nun Donald Trump über den Klee loben. Allen voran der konservative Nachrichtenkanal FOXNews.

Moderator Sean Hannity lädt nun regelmäßig Gesprächspartner ein, die Donald Trumps Sichtweise erklären. Er sagt: „Wir bauen eine Mauer“. Und die Gäste holen dann aus, dass das ein wichtiger Beitrag zur nationalen Sicherheit sei, Amerikaner schütze, Terroristen, Drogendealer und illegale Grenzgänger fernhalte. Sie führen Zahlen und Statistiken an, sagen eigentlich all das, was Donald Trump nicht gesagt hat. Und dieses Spielchen wiederholt sich. Trump haut etwas raus und Hannitys Gäste erklären das für das FOXNews Publikum.

Das ist ungefähr so, als wenn ich mir an einem heißen Sommertag ein Eis kaufe und „lecker“ sage. Jemand beobachtet mich dabei und meint dann, das sei ein kluger Mann, er behält in dieser Hitze einen kühlen Kopf. Mit diesem Eis, gekauft beim kleinen Laden an der Ecke, unterstützt er dessen Familie, damit die Kinder später aufs College gehen können. Eine Erklärung, die da nicht hingehört.

Donald Trump wird derzeit viel unterstellt. Von beiden Seiten. Die einen spinnen das Bild von einem rassistischen, frauenfeindlichen, unkalkulierbaren, unerfahrenen und selbstverliebten Milliardär. Die anderen sehen in ihm den erfolgreichen Geschäftsmann, den Außenseiter, den Klartextredner, der vor niemandem und nichts zurückweicht. Genau so einen bräuchte das Land, heißt es.

Und Donald Trump selbst scheint zu glauben, er sei der Heilsbringer, auf den dieses Land, ja die Welt gewartet hat. Anders läßt sich sein Auftreten nicht deuten. Spannend wird nun in den kommenden Monaten sein, wie Trump sich „präsidial“ geben wird, ob er das überhaupt kann? Denn eigentlich wollen seine Fans das gar nicht. Sie wollen den Provokateur, der lauthals andere beschimpft, der einen US Senator mit „Little Mario“ abtut, der einen ehemaligen Gouverneur, Sohn und Bruder zweier Präsidenten mit „low energy“ umschreibt, der einen Mitkonkurrenten nur als „Lying Ted“ betitelt. Trumps Anhänger wollen solche wahrlich bescheuerten Vorschläge von der Mauer und den Flächenbombardements, den Grenzkontrollen für Moslems, dem Ausstieg aus NATO und UN lautstark feiern. Und sie wollen die Welt nicht erklärt bekommen, sie wollen es nur kurz und knapp in provokanten Tönen hören.

Trump redet von einem Amerika, das es schon lange nicht mehr gibt, vielleicht auch nie gegeben hat. Eine Illusion, wie dieser „American Dream“, der hier immer und immer wieder beschworen wird. „We’ll make America great again“, was soll das eigentlich heißen? Trump schwärmt von einem Land, wie es vielleicht in den 50er Jahren einmal war. Als die Autoindustrie in Detroit boomte, die Schlote der amerikanischen Industrie qualmten, die USA das gelobte Land waren. Für Weiße wohlgemerkt. Damit will ich nicht sagen, dass Trump ein Rassist ist, er beschreibt vielmehr eine heile, amerikanische Scheinwelt, die es so nie gab und nie geben wird. Doch genau auf diesem Bild ist Amerika aufgebaut, vom Tellerwäscher zum Millionär, „God’s Country“ und „the best place on earth“. Für Außenstehende wirkt das anmaßend, befremdlich, ja, abstoßend. In diesem Wahlkampf wird jedoch deutlich, dass noch immer ein Teil der Amerikaner genau diese Mär von der großen Nation hören will. Trump kam, sah und lieferte. Zu hoffen ist nur, dass er nicht auch noch damit siegt.

Hillary lächelt und schweigt

Auch wenn bei den Demokraten noch nicht alles entschieden ist, schon jetzt blickt man in den USA gespannt auf den Zweikampf Donald Trump gegen Hillary Clinton. In den politischen Talk-Shows auf FOXNews, CNN, MSNBC und PBS wird schon darüber diskutiert, wie der New Yorker Milliardär wohl gegen „Madame Secretary“ vorgehen wird, wie seine Angriffstrategie aussehen könnte, welche Tiefschläge sich Donald Trump erlaubt.

Hillary Clinton hält sich da noch bedeckt. In einem Interview antwortete sie mit einem Lächeln auf die Frage, ob sie glaube Trump sei ein Rassist mit den Worten, das sollten die Wähler für sich entscheiden. Doch kaum war die Vorwahl in Indiana entschieden, Ted Cruz und John Kasich hatten Trump das Feld überlassen und die Parteiführung der Republikaner krönte den Superegomanen zum Kandidaten, da reagierte das Hillary-Lager. Ohne Kommentar ließ man Trump und führende Republikaner sprechen. Man schnitt nur Auszüge aus vielen Interviews und Stellungnahmen zusammen. Und das sagt alles über den Kandidaten der einst gefeierten Lincoln- und Reagan-Partei aus. Das Finale im Rennen um das Weiße Haus ist eröffnet:

YouTube Preview Image

America will be great again…really?

Er ist nicht mehr zu stoppen. Zumindest nicht bis zum Wahltag im November. Foto: Reuters.

Er ist nicht mehr zu stoppen. Zumindest nicht bis zum Wahltag im November. Foto: Reuters.

Erst Ted Cruz am Wahlabend, nun auch John Kasich am Tag danach. Donald Trump ist der letzte im Rennen um die Nominierung der Republikaner. Sein Sieg in Indiana untermauerte noch einmal, dass ohne ihn in der republikanischen Partei nichts mehr geht. Zumindest bis zum Wahltag im November. Denn das hausgemachte Problem namens Trump spaltet nicht nur die Partei, sondern stellt sie auch vor eine ungewisse Zukunft. Mit dem grandiosen Sieg des New Yorker Milliardärs ist er damit auch zum quasi Sprecher und Vorsitzenden geworden. Sein Wort zählt, die Kritiker werden zum Stillschweigen verdonnert.

Trump hat viele in den eigenen Parteireihen und darüberhinaus auf dem Weg zu seiner Nominierung verprellt. Zahlreiche Republikaner haben bereits angekündigt ihn nicht zu behindern oder innerparteilich zu bekämpfen, aber ihn eben auch nicht im Wahlkampf zu unterstützen. Wichtige Geldgeber, wie die Koch-Brothers, hatten auch schon angedeutet, dem Donald keine Schecks zu schreiben. Und das heißt viel, denn das rote Tuch der Koch-Brothers und vieler andere war, ist und bleibt Hillary Clinton.

Viele in der republikanischen Partei gehen davon aus und hoffen innerlich, dass Hillary Clinton die Wahl im November gewinnen wird. Trump wäre dann von einem Tag auf den anderen eine Nullnummer, abgeschrieben, vergessen. Vier Jahre Hillary sollten genügen, um die eigene Partei wieder zu stärken, zu einen, aufzubauen, so der Plan B. Und schon jetzt geht das Gerangel im Hintergrund los. Marco Rubio und auch Ted Cruz, beide Mitte 40, werden als Hoffnungsträger ihrer Partei gesehen. Sie hätten Zeit, ihre neuen Versuch auf das Präsidentenamt vorzubereiten. Ganz strategisch, akribisch, durchdacht, genau so, wie das auch die verhasste Hillary Clinton getan hat. Der Wahlkampf 2016 ist noch lange nicht vorbei, da werden schon jetzt die ersten Gehversuche für 2020 unternommen.

Niemand mag Ted Cruz

Der eine beschreibt ihn als „leibhaftigen Luzifer“ (John Boehner), die andere als unappetitliche „Leber mit Zwiebeln“ (Ana Navarro). Das übertrifft sogar noch die Schmährufe von Donald Trump, der Ted Cruz nur als „Lying Ted“ betitelt. Und Trump scheint wohl richtig zu liegen, denn die großspurige Allianz zwischen Cruz und Kasich, um den New Yorker Milliardär noch zu stoppen, scheint null und nichtig zu sein.

Kann dieses Gesicht lügen? Foto: Reuters.

Kann dieses Gesicht lügen? Foto: Reuters.

Vor ein paar Tagen hieß es noch, die beiden Kandidaten hätten sich darauf geeinigt, dass Ted Cruz sich auf Indiana konzentriert, John Kasich auf Oregon und New Mexico. Beide wollten sich dabei nicht in die Quere kommen, um so die Wählerstimmen bündeln zu können. Kasich zog sich daraufhin aus Indiana zurück. Doch am Donnerstagmorgen erklärte Cruz gegenüber überraschten Reportern: „Es gibt keine Allianz“. Nur wenige Minuten später kam die Antwort des Kasich-Lagers per Twitter: „Ich kann Lügner nicht ausstehen“. Lachender Dritter ist Donald Trump, der nur sagt: „I told you so“.

Auch die Strategie von Ted Cruz mit Carly Fiorina bereits eine Vize-Präsidentschaftskandidatin zu präsentieren war ein Schuß in den Ofen. Die Kommentatoren und Late-Night-Comedy Shows hatten einen wahren „Field Day“. Sie machten sich über Cruz lustig, dass der, obwohl er eigentlich keine Chance hat Kandidat seiner Partei zu werden, eine Stellvertreterin präsentiert. Und das mit den Worten, dass Fiorina für den Job als „Commander in Chief“ mehr als geeignet wäre, wenn ihm etwas im Weißen Haus passierte. Eine Steilvorlage für bitteren Humor. Und selbst erzkonservative Kommentatoren und Aktivisten, wie Ann Coulter, twitterten, sie warte nur darauf, dass Cruz nun auch noch seinen Kandidaten fürs Innen- und Verteidigungsministerium vorstellt.

Ted Cruz‘ Zeit läuft ab. Am Dienstag wird in Indiana gewählt, in dieser Wahl muß er liefern. Doch in den Umfragen sieht alles nach einer weiteren Niederlage für ihn und nach einem weiteren Sieg für Donald Trump aus. Wenn das eintrifft, dann war es das für den Texaner. Und mal ehrlich, darüber wird kaum jemand im Land so richtig traurig sein.