Der Blick zurück nach vorne.

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Donald Trumps Wahlsieg schockte viele in den USA. Damit hatten nur die wenigsten Kommentatoren und politischen Beobachter gerechnet. Keiner glaubte ernsthaft, dass Trump nach diesem teils vulgären Wahlkampf voller Plattitüden und 140 Zeichen-Tweets am Ende als Sieger dastehen könnte. Doch der selbstverliebte Milliardär schaffte es und fühlte sich bestätigt.

Mark Peterson ist Geschichtsprofessor und Leiter des “History Departments” an der University of California in Berkeley. Er muss in der Geschichte der USA weit zurück blicken, um einen vergleichbaren Kandidaten zu finden, der es bis ins Weiße Haus schaffte: „Am ehesten wäre da wohl noch Andrew Jackson, der 1828 zum Präsidenten gewählt wurde. Der Grund dafür ist, dass zuvor alle Präsidenten entweder aus Massachusetts oder Virginia kamen, gebildet und mit Collegeabschlüssen waren. Einige hatten ein Jurastudium hinter sich, mit vielen Erfahrungen in der Regierungsarbeit, sie hatten bereits im Kongress oder als Gouverneur ihres Bundesstaates gedient.“

Andrew Jackson hingegen kam aus ärmlichen Verhältnissen in North Carolina, hatte keine Schulbildung und verpflichtete sich schon in jungen Jahren zum Militär. Er arbeitete sich vom “Drummer Boy” hoch zu einem angesehenen Militia Führer in Tennessee. Dort wurde er reich, ließ auf seinen Plantagen Hunderte von Sklaven für sich arbeiten und machte sich einen Namen als unnachgiebiger Anführer des Militärs. Er bekämpfte die Creek Indians in Mississippi und Alabama und wurde von der US Regierung schließlich zum General befördert. Nicht gerade ein Politiker, wie er bis dahin bekannt war, so Peterson: „Er war vor allem für sein gewalttätiges Temperament bekannt, er hatte andere Männer in Duellen erschossen, er hatte die richterliche Verhaftung und die Hinrichtung von zwei Briten in Florida organisiert, obwohl Florida damals noch gar nicht Teil der Vereinigten Staaten war. Er war bekannt dafür, eine gewalttätige und schwierige Person zu sein, ganz anders als alle anderen, die vor ihm gewählt wurden. In sozialer und kultureller Hinsicht ist die Wahl von Donald Trump, einem Geschäftsmann ohne politische Erfahrung, der dafür bekannt ist, grob, vulgär, sehr schwierig zu sein, der von Jackson gleichzusetzen.“

Andrew Jackson kandidierte bereits vier Jahre zuvor für das Präsidentenamt, erhielt auch die meisten Stimmen, doch keine absolute Mehrheit. Deshalb entschied der Kongress – und der votierte für den angeseheneren Kontrahenten John Quincy Adams, berichtet Professor Mark Peterson: 1828 dann, mit dem Gefühl, um die letzte Wahl gebracht worden zu sein, arbeiteten Jackson und viele seiner Unterstützer zusammen, um sich zu organisieren. Und daraus entstand die Demokratische Partei, es war der Beginn der Parteipolitik in einem systematischeren und tief verwurzelteren Sinn. Sie versuchten damals, sich bis hinunter in die Gemeinden und Bezirke zu organisieren, damit sie Jacksons Unterstützer überall ansprechen und die Wahl nicht wieder in die Hände des Kongresses fallen würde.“

Jackson ist auch dafür bekannt, dass er das „spoil system“, die Vetternwirtschaft mit ins Weiße Haus brachte. Nach seiner Wahl und Wiederwahl zum Präsidenten trat er als großer Gönner auf, der seinen Unterstützern Jobs und Aufträge zuspielte. Auch das erinnert an Donald Trump. Trotz des kontroversen Vermächtnisses findet man Andrew Jacksosn Bild nach wie vor auf dem 20 Dollar Schein.

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Daniel Sargent, Lehrbeauftragter an der University of California Berkeley, im Bereich Geschichte, meint, er habe so etwas wie Trump auch noch nicht gesehen. Zwar gebe es Beispiele in der amerikanischen Politik, wie Kandidaten mit provokanten Themen um Wählerstimmen buhlten, wie etwa der Demokrat George Wallace, der in den 1960er Jahren als Befürworter der Rassentrennung zwischen Schwarz und Weiß antrat. Aber selbst Wallace, so Sargent, habe politische Erfahrungen als Gouverneur von Alabama gehabt. Für den Historiker Sargent liegt die Hoffnung derzeit darin, dass nicht alles so werden wird, wie man nach dem Wahlkampf von Trump erwarten muss. Auch dafür gebe es historische Beispiele, so Sargent: Reagan wäre so ein Beispiel, der im Nachhinein ganz anders gesehen werden muss als erwartet. In vieler Hinsicht viel besser als die Ängste und Sorgen, die viele Nicht-Reagan-Wähler im Vorfeld hatten. Als Reagan 1980 gewählt wurde, galt er weithin als Hardliner im Kalten Krieg. Als Kandidat war er schon fast irrational in dem Ausmaß, wie er die Sowjetunion ablehnte. Und doch hat Reagan nach 1985, als Michail Gorbatschow der Generalsekretär der Kommunistischen Partei in der UdSSR wurde, die wohl stärkste und innigste Beziehung zu seinem sowjetischen “Counterpart” gehabt, wie sie kein anderer amerikanischer Präsident in der Zeit des Kalten Krieges hatte.“

Damit hätten wohl nicht gerechnet. Ronald Reagan als hoffnungsvolles Beispiel, dass ein Präsident nicht so schlimm sein muss wie befürchtet: Doch 1980 wäre auch das ein überraschender Gedanke gewesen.

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Zwangsverpflichtung für Trump

Donald Trump hat groß getönt. Mal wieder. Seine Vereidigung werde eine große Party mit Spitzenkünstlern, die sich alle darum reißen würden für ihn zu singen. Doch wenige Wochen vor dem Termin sieht alles ganz anders aus. Einer nach dem anderen auf der A-Liste der amerikanischen Musikgrößen sagt ab. Keine Zeit, kein Interesse oder noch schlimmer, für Donald Trump wollen sie nicht auftreten.

Und der gewählte Präsident zeigt sich wie eh und je… gekränkt. Die Promis würden zwar alle zu der großen Party am 20. Januar kommen wollen, aber er möchte lieber das Volk dabei haben, twitterte Trump. Auch so kann man die laute Klatsche deuten.

Trump ist wütend und wirft, wie es heißt, seinen Mitarbeitern Unfähigkeit vor. Bislang hat sein Vorbereitungsteam es nämlich nicht geschafft auch nur einen namhaften Künstler für seinen großen Tag zu engagieren. „No, thank you“ ist die Antwort, die auf jede Anfrage kommt.

Lediglich der „Mormon Tabernacle Choir“ aus Utah hat bislang zugesagt, auch wenn das einigen im Umfeld des weltbekannten Chors aufstößt. Trump steht für sie für vieles, was gegen den Glauben der Mormonen gerichtet ist. Die „Radio City Rockettes“ aus New York wurden hingegen zwangsverpflichtet. James Dolan, der Chef des Unternehmens „Madison Square Garden Company“, zu dem die 1932 gegründeten Rockettes gehören, willigte einfach ein, ohne mit den Tänzerinnen Rücksprache zu halten. Dolan erklärte, es sei eine Ehre für den gewählten Präsidenten zu performen. Kritik läßt er nicht zu, die Tänzerinnen hätten einen Vertrag. Und Vertrag sei Vertrag.

Das sehen jedoch viele der Rockettes ganz anders. Phoebe Pearl, eine von ihnen, schrieb auf ihrer Instagram Seite: „Normalerweise nutze ich die sozialen Medien nicht dazu, um einen politischen Standpunkt zu vertreten, aber ich bin von Gefühlen überwältigt. Herauszufinden, dass es für uns Rockettes entschieden wurde bei der Präsidentenvereidigung aufzutreten ist mir peinlich und enttäuscht mich. Die Frauen, mit denen ich arbeite sind intelligent und voller Liebe. Die Entscheidung für einen Mann zu performen, der für alles steht, gegen das wir sind, ist schrecklich. Ich spreche nur für mich, aber ihr sollt wissen, nachdem wir diese Nachricht hörten, sind wir nur noch mit Tränen in den Augen und einem schweren Herzen aufgetreten. Wir lassen uns nicht zwingen! #notmypresident“.

 

 

 

Trump geht seinen Weg

Ein Radiosender aus der Schweiz fragte mich nach meiner Einschätzung über den gewählten Präsidenten Donald Trump. Es seien ja nun schon seit dem Wahlsieg ein paar Wochen ins Land gegangen, wie sei die Stimmung in den USA? Die ist schwierig zu beschreiben, denn Trump macht in Teilen da weiter, wo er als Wahlkämpfer aufgehört hat. Noch immer kommuniziert er tagtäglich über twitter mit Anhängern und Medien. Gibt Inhalte seiner Gespräche bekannt, so, als ob die Zusammenstellung seines Kabinetts eine weitere Folge von „The Apprentice“ wäre. Dann sind da seine Alleingänge, er wisse alles besser. Das geht soweit, dass die Berufsdiplomaten im „State Department“ nur noch die Hände über dem Kopf zusammen schlagen. Trump stapft derzeit auf internationaler Bühne von einem Fettnäpfchen in das nächste.

Donald Trump hat auch in Indiana gezeigt, er macht vieles anders, nicht unbedingt besser. Foto: Reuters.

Donald Trump hat auch bei seinem Auftritt in Indiana gezeigt, er macht vieles anders, nicht unbedingt besser. Foto: Reuters.

Auch seine Auswahl der engeren Mitarbeiter und Minister läßt bislang nichts Gutes erwarten. Es sind teils Hardliner, die alles über den Haufen werfen wollen, was Obama in acht Jahren aufgebaut hat. Das hat dann nichts mehr mit einem Präsidenten für alle Amerikaner zu tun, wie es Trump großspurig angekündigt hatte. Teils sind seine Erwählten Freunde und Geschäftspartner, die zwar das Business kennen, aber vor allem das Business sich selbst in die Tasche zu schaufeln.

Trump verbreitet über twitter und über sein Umfeld gemischte Informationen. Mal gibt er sich offen und präsidial, um dann wieder knallhart von einer Mauer an der mexikanischen Grenze zu reden, ein Ende von „Obamacare“ zu versprechen, er schimpft gegen die „Lügenpresse“ und fordert harte Strafen für jene, die die amerikanische Fahne verbrennen, was ganz selten vorkommt. Selbst hartgesottene Unterstützer von Trump, wie Sarah Palin und Ann Coulter, zeigen sich mittlerweile irritiert. Der Milliardär aus New York macht vieles unüberlegt und gegen die eigentlichen Grundsätze der republikanischen Partei.

Trump geht seinen Weg, ohne Rücksicht auf andere, ohne Rücksicht auf Verluste. Er läßt sich leiten von den Reaktionen seiner „Fans“. Das konnte man auch wieder bei seinen Auftritten in Indiana und Ohio sehen. Trump badet im Pool der Emotionen, läßt sich feiern, sich hochschaukeln, bekommt dabei Eingebungen, die dann zu politischen Forderungen im Land und weltweit werden. Alles unter dem Mantra „Let’s make America great again“. Das macht ihn nicht nur unkalkulierbar, das macht Donald Trump als Präsidenten auch gefährlich.

Wahlkampf in San Quentin

Sonntagmorgen 8:30. Ich stehe in der Warteschlange vor dem Gefängnis von San Quentin. Um mich herum etwa drei Dutzend Frauen, zumeist Latinas und Afro-Amerikanerinnen, auch ein paar Weiße. Einige Kinder sind auch dabei, warten auf die Kontrolle hinter der ersten Sicherheitsschleuse. Ich besuche mal wieder Reno, den ich seit über 20 Jahren kenne und seitdem ich hier in der Gegend lebe regelmäßig im kalifornischen Todestrakt besuche.

Das Warten und der Gang entlang der San Francisco Bay zum Besucherraum des East-Block ist nichts mehr besonderes, diesen Weg bin ich in den letzten 20 Jahren oft genug gegangen. Heute muß ich zum „Overflow“ Bereich, das ist ein Backsteingebäude gleich neben der Hinrichtungskammer. Auch dort wurden Besuchsmöglichkeiten für Todeskandidaten geschaffen, heißt, Stahlkäfige im Boden verankert, in denen man mit dem Häftling eingesperrt wird.

Dort angekommen muß man zuerst durch eine weitere Schleuse, seinen Leuchtstempel auf dem Unterarm vorzeigen, seinen Ausweis abgeben, dann darf man sich ein paar überteuerte Getränke und Speisen aus den Automaten holen. Die Atmosphäre ist entspannt an diesem Morgen. Dieser Besuchsraum wird im hinteren Bereich auch für die „regular population“, also die „normalen“ Häftlinge mit langjährigen Haftstrafen genutzt. Ein paar Gefangene sprechen mich an, sind freundlich, zeigen mir, wo ich Papiertücher und Pappteller für die Mikrowelle finde. Man ist hier locker entspannt, auch wenn einige der in Jeans gekleideten Zeitgenossen in einer anderen Umgebung angsteinflössend wirken würden.

Wahlkampf in der Warteschlange von San Quentin.

Wahlkampf in der Warteschlange von San Quentin.

Zwei Stunden Besuch mit einem Todeskandidaten gehen schnell vorbei. Wir lachen, machen Witze, er isst seine Burger, trinkt seine Coca Cola, wir teilen uns Popcorn. Wir reden über die Politik, über die zwei Todesstrafen-Abstimmungen, die am Wahltag in Kalifornien auch entschieden werden. Ich erzähle von meinen Reisen, über meinen Hund Käthe, die gerne mal Rehen hinterherhastet und mich danach heiser werden lässt. Reno lacht nur darüber. Über seinen Fall sprechen wir kaum. Eine Umarmung am Schluß. Er wird nach einer Ganzkörperkontrolle wieder in seine kleine Zelle, sein „House“, gebracht, ich spaziere, nachdem es „Clear“ heißt, entlang der Bay zum Parkplatz zurück.

Draußen warten wieder Dutzende von Frauen auf Einlass. Dort liegt auch Karten der sozialistischen „Peace and Freedom Party“ aus. Ein etwas ungewöhnlicher Ort, um Wahlkampf zu führen. Präsidentschaftskandidatin Gloria La Riva und ihr Vize-Kandidat Dennis Banks gehen in der Besucherschlange von San Quentin mit ihrem Ruf nach einer sozialistischen Revolution in den USA auf Wählerfang. Anscheinend glaubt einer ihrer Unterstützer, dass Besucher von Todeskandidaten, Lebenslänglichen oder Langzeithäftlingen besonders offen für die antikapitalistische Losung sind. Viel beachtet wurden die Karten allerdings nicht. Hier hat man anderes im Sinn, als sich über eine (unrealistische) politische Alternative zu Donald Trump und Hillary Clinton Gedanken zu machen.

Terror-Trump greift an

"Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der "greatest" im ganzen Land. Foto: AFP.

„Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der „greatest“ im ganzen Land. Foto: AFP.

Er baut auf die Angst. Donald Trump nutzt das jüngste Terrorattentat in New York sofort und gnadenlos aus. Als die selbstgebaute Bombe im Stadtteil Chelsea hochging, noch keinerlei Informationen über Täter oder Hintergrund bekannt waren, erklärte Trump in einer Wahlveranstaltung, dass es ein Terrorangriff gewesen sei. Die Menge buhte und der Donald erklärte, nur er allein könne Amerika retten.

In gleich mehreren Tweets griff er seitdem seine demokratische Kontrahentin an, so, als ob unter einer Trump-Administration der Terror ein Ende finden würde:

„Unter der Führung von Obama & Clinton haben die Amerikaner mehr Angriffe daheim erlebt, als Siege im Ausland. Zeit, den Spielplan zu ändern!“

„Mehr als 10.000 Flüchtlinge aus Syrien kommen. Viele junge Männer, kaum geprüft.“

„Wiedereinmal war jemand, der uns als ok dargestellt wurde, ein Terrorist, der unser Land & seine Bewohner zerstören will – wie kam er durch das System?“

„Hillary Clintons Schwäche als Außenministerin hat Terroristen überall auf der Welt ermutigt.“

Donald Trump ist von sich als Retter, als Heilsbringer überzeugt. Es fehlt nur noch, dass er sich selbst als von Gott gesandt darstellt. Er werde Amerika wieder „great“ machen, das heißt, aufräumen, das Militär stärken, Verhandlungen auf internationaler Ebene bedeuten für ihn Schwäche zeigen. Amerika müsse wieder die führende Nation sein, bedeutet, alle anderen müssen nach der Nase Amerikas, in dem Fall Donald Trumps Zinken tanzen.

Der Mann ist von sich überzeugt, ist selbstverliebt. Eigentlich täglich sitze ich da, schaue mir die Interviews mit ihm auf FOXNews an, lese die Artikel über ihn in diversen Zeitungen und auf Nachrichtenplattformen und frage mich, wie man nur so ein Riesenego haben kann? Klar, jeder, der auf dieser politischen Bühne spielt, muß von sich überzeugt sein. Doch einen wie Trump hat selbst Amerika noch nicht gesehen. Ganz sicher schütteln sie in Hollywood den Kopf, denn in Tinseltown wäre eine Story wie diese noch nicht einmal als Comedy umgesetzt worden. Unglaublich, was derzeit in den USA passiert.

 

 

 

 

Eine vorgegaukelte TV-Debatte

Die Grüne Jill Stein gibt sich kämpferisch. Foto: Reuters.

Die Grüne Jill Stein gibt sich kämpferisch. Foto: Reuters.

Hillary Clinton gegen Donald Trump. Demokraten gegen Republikaner. Ein Zweikampf, nicht wahr? Nein, eigentlich nicht. Noch unzählige weitere Kandidaten kämpfen, sicherlich aussichtslos, um das Präsidialamt. Zwei davon, die Grüne Jill Stein und der Libertarian Gary Johnson, treten sogar US weit an. Sie verlangen, um den Wählerinnen und Wählern eine wirkliche Wahl zu bieten, dass sie auch bei den live übertragenen Fernsehdebatten teilnehmen können.

Doch dem widerspricht die „Commission on Presidential Debates“, eine Organisation, die seit 1988 die Fernsehdebatten organisiert. Die Auflage für Drittkandidaten hat diese Kommission selbst bestimmt. In fünf nationalweiten Umfragen muss ein Kandidat bei mehr als 15 Prozent liegen, damit er mit den beiden Hauptkandidaten auf die Bühne eingeladen wird. Das klingt nach einem fairen Deal, damit man nicht unbedingt den Gummistiefel tragenden Kandidaten, der jedem eine Pony schenken möchte, ein Forum bietet. Allerdings sind die „Green Party“ und die „Libertarian Party“ etablierte Parteien und Jill Stein und Gary Johnson ernstzunehmende Kandidaten.

Gary Johnson will mit Clinton und Trump auf die große Bühne. Foto: Reuters.

Gary Johnson will mit Hillary Clinton und Donald Trump auf die große Bühne. Foto: Reuters.

Was vor allem in dieser derzeitigen Debatte über wer und wer nicht auf der großen Bühne mitreden darf aufstößt ist, dass die „Commission on Presidential Debates“ von den Demokraten und den Republikanern gegründet wurde und von Anfang an mit Parteimitgliedern der beiden Altparteien besetzt wurde. Diese Kommission legt die Regeln fest und die sind vor allem gegen Drittkandidaten gerichtet. Denn klar ist, wer zur Fernsehnation sprechen kann, wird Wähler gewinnen, gerade in diesem Wahlkampf mit zwei Kandidaten, die von vielen nicht gewollt werden. Jill Stein könnte für sich viele der Bernie Sanders Wähler gewinnen, Gary Johnson etliche republikanische Wähler von sich überzeugen, wenn, ja, wenn sie nur eine breite Öffentlichkeit erreichen würden. Doch das ist in diesem Wahlkampf unmöglich, in dem ein egozentrischer Außenseiter die Berichterstattung in den Medien dominiert. Wenn dann noch ein Hinterzimmerdeal zwischen den Demokraten und Republikanern gezielt politische Alternativen ausbremst, ist die Demokratie in ihren Grundfesten gefährdet.

Der Radiokönig mag den Immobilienhai nicht

Vor etlichen Jahren, als ich noch eine Antenne am Auto hatte, war ich begeisterter Mittelwellenhörer. Talk Radio war für mich die beste Unterhaltung auf der Fahrt. Die konservativen und politisch abgedrifteten Sean Hannity und Rush Limbaugh, Michael Savage und Barbara Simpson. Und nachts „Coast to Coast AM“ mit Art Bell und George Noory, die über UFOs, Außerirdische, Spuk und Geister, Leben nach dem Tod und allerhand Übernatürlichem sprachen.

Irgendein Depp hat mir jedoch die Antenne abgebrochen, damit änderten sich auch meine Hörgewohnheiten im Auto. Wenn ich heute mal durch Zufall die konservativen Talk Show Köpfe anhöre, kann ich so gar nicht verstehen, wie ich das früher manchmal für Stunden hören konnte, nein, wie ich das ausgehalten habe. Ein Geschrei ist das, ein Geschimpfe, ein Gezeter und an allem sind Barack Obama und Hillary Clinton Schuld. Sean Hannity ist nicht nur in seiner Talksendung, sondern auch in seiner Fernsehsendung auf FOXNews zum Sprachrohr von Donald Trump geworden. Das ist eine Lobhudelei, wie man sie nur selten vernehmen kann.

Rush Limbaugh mit seiner späten Einsicht über Donald Trump. Foto: Reuters.

Rush Limbaugh mag Donald Trump nicht. Foto: Reuters.

Heute jedoch las ich in einem Artikel – und hörte es mir dann auch selbst an -, dass der König der Rechtsaußenmoderatoren, der selbsternannte Hüter der konservativen Werte, Rush Limbaugh, zugab, dass Trump eigentlich kein Konservativer sei, damit kein richtiger Kandidat für die republikanische Partei. Die Einsicht kommt reichlich spät, gerade auch, wenn man

bedenkt, dass viele in der konservativen Bewegung und auch in der Partei monatelang im Vorwahlkampf die Quasselköpfe im Talk Radio händeringend gebeten hatten, doch endlich mal Klartext über Trump zu reden. Doch nichts geschah. Einer nach dem anderen der eigentlichen konservativen Kandidaten stieg aus dem Rennen um das Weiße Haus aus. Am Ende blieb Donald Trump stehen, der so gar nicht in das Bild der republikanischen Partei passte und passt. Limbaugh hatte sich einfach zu lange auf Hillary Clinton eingeschossen, ohne die Konsequenzen seiner Trumpschen Sprachlosigkeit zu erkennen.

Limbaugh erklärte nun seiner Millionenhörerschaft, dass einige der von Trump vorgeschlagenen Sozialprogramme nichts, aber auch gar nichts mit einer konservativen Überzeugung zu tun hätten. Rush Limbaugh hat durchaus Einfluss, aber erreichen wird er mit seinem späten Klarblick nicht viel. Das Problem ist nämlich nun, dass viele Republikaner und Konservative im Land sich eigentlich eingestehen müssten, dass Limbaugh richtig liegt, was bedeutet, dass sie sich in den letzten Monaten vom Schmierentheater des Donald Trump einlullen ließen. Das, so denke ich mal, werden nicht viele tun. Auch ist die Alternative Hillary Clinton für sie Welten entfernt. Eher würden sie sich die Hand abhacken, als ihre Stimme der verhassten Demokratin zu geben. Das Kasperltheater, das man hier Wahl nennt, dauert weiter an.

Was ist das für ein Kandidat?

Wirklich? Die Aussage von Donald Trump, dass Barack Obama in den USA geboren wurde, ist nun eine Top-Nachricht in den USA. Am Freitag erklärte der Milliardär während der Eröffnung des Trump-Hotels in Washington DC, unweit des Weißen Hauses: „President Barack Obama was born in the United States, period.“ Damit will Trump also einen Schlußstrich unter die Verschwörungstheorie setzen, die er reichlich selbst befeuert hat. So einfach ist das für den New Yorker Milliardär. Er war der Oberhirte der „Birther“-Bewegung, nun will er davon nichts mehr wissen.

Donald Trump greift bei jeder Veranstaltung die Medienvertreter an. Foto: Reuters.

Donald Trump greift bei jeder Veranstaltung die Medienvertreter an. Foto: Reuters.

Aber so ganz kann er es dann doch nicht lassen und schob gleich eine weitere Theorie hinterher. Denn eigentlich sei das Hillary Clinton Lager für die Verbreitung dieser Lügengeschichte verantwortlich. Donald Trump meinte ernsthaft, dass im Wahlkampf 2008 die Verschwörungstheorie, Barack Obama sei in Kenia geboren, vom Clinton-Lager gestreut wurde, um den innerparteilichen Konkurrenten zu stoppen. Ganz in typischer Trump-Manier legte der Donald keine Beweise dafür vor, sondern meinte: „Einige Leute sagen das. Ich weiß es nicht, aber die Leute reden eben“. Das ist Trumps Eingeständnis eines Fehlers. Schlußstrich und dann ein neues Kapitel aufschlagen, in dem erneut angegriffen wird.

Ich frage mich beim Lesen solcher „News“, was eigentlich mit diesem Land los ist, dass jemand wie Donald Trump ernsthaft am Tor des Weißen Hauses rüttelt und durchaus Chancen hat am 8. November als „Commander in Chief“ gewählt zu werden? Irgendwas läuft in diesen USA, „home of the brave“, ziemlich falsch. Und der Apfel scheint da nicht weit vom Stamm zu fallen. In einem Interview meinte Donald Trump Jr., dass die Medien (er hätte auch „Lügenpresse“ sagen können) Hillary Clinton nicht hart genug angriffen. Wenn sein Vater solche Lügen wie Hillary von sich geben würde, dann würden sie sofort „die Gasöfen anfeuern“. Das ist der Ton in diesem Wahlkampf! Die Frage, ob sich Trump Senior für diesen Verbalausfall von Trump Junior distanziert hat, stellt sich nicht. Natürlich hat er es nicht.

Was, wenn Trump nicht gewinnt?

In den USA und rund um den Globus stellt man sich eine Frage: Was, wenn Donald Trump die Wahl im November gewinnt? Wie wird sich Amerika verändern, wie die internationalen Beziehungen zwischen den USA und ihren Partnern, wie wird der leicht aufbrausende Trump in Krisen reagieren? Den selbstverliebten Milliardär aus New York will man sich eigentlich nicht so recht im Oval Office vorstellen. Das käme einer Frauke Petry im Bundeskanzleramt gleich. Trump bläst fleissig mit im internationalen Posaunenchor der Rechts-Populisten, die Melodie der AfD und Trumps ähneln sich schon sehr.

Die Alternative ist keine Alternative. Foto: Reuters.

Die Alternative ist keine Alternative. Foto: Reuters.

Doch was ist, wenn Hillary Clinton die Wahl gewinnt, Trump verliert? Man kann davon ausgehen, dass Hillary Clinton ein ähnliches Schicksal ereilen wird, wie Barack Obama. Alles, was sie politisch anpacken, angehen und verändern wollte, würde von den Republikanern im Kongress und Senat blockiert werden. Clinton ist das rote Tuch für die GOP. Eigentlich dürfte es ja überhaupt kein Kopf-an-Kopf Rennen zwischen Donald Trump und einem weiteren Kandidaten geben. Dass es doch so ist, zeigt nur, wie schwach die Kandidatin Hillary Clinton ist, wie sehr sie selbst in der eigenen Partei, aber vor allem bei Republikanern und Independent-Wählern umstritten ist. Sie ist zwar die Über-Demokratin, aber sicherlich nicht die Brückenbauerin im geteilten Amerika.

Die Frage steht also, was passiert, wenn Donald Trump die Wahl verliert? Schon mehrmals hat er betont, dass das Wahlsystem korrupt sei und das „Establishment“ in Washington den Ausgang bestimmen würde. Heißt, Trump hat schon jetzt eine Erklärung für seine Niederlage zur Hand. Sein Versagen wäre die Schuld der anderen, nicht sein Fehler. Amerika steckt in einer tiefen innenpolitischen und vor allem demokratischen Glaubenskrise. Und damit will ich nicht sagen, dass das System ein abgekartetes Spiel ist, wie es Trump anprangert. Vielmehr sollte man sich die Fakten anschauen, die da sind, dass in den USA alle zwei Jahre das gesamte Abgeordnetenhaus neu gewählt wird, was bedeutet, dass die Parlamentarier immer im Wahlkampf und auf Spendensuche sind. Nicht viel besser ist der Präsidentschaftswahlkampf, der mittlerweile über zwei Jahre lang dauert, mehrere Milliarden Dollar kostet, durch einen unsinnigen und undurchsichtigen Vorwahlkampf läuft, in dem Kleinststaaten wie Iowa und New Hampshire mehr Bedeutung haben als die bevölkerungsreichsten Bundesstaaten Kalifornien und New York. Sinn macht das alles nicht. Und all das führt dann zu einer Kandidatur von Personen wie Trump, die sich selbst als Heilsbringer empfinden.

Doch, was ist, wenn Trump verliert? Wie werden sich die rund 40 Prozent der Wähler verhalten, die auf ihn gebaut, ihm ihre Stimme gegeben haben? Werden sie die Niederlage hinnehmen oder auch das abgekartete Spiel sehen? Die demokratische Krise in den USA würde damit wahrscheinlich nur vergrößert werden. Ein Sieg Hillary Clintons wird dem Land nicht gut tun, egal von welcher Perspektive man es auch betrachtet. Die Alternative wäre ein Sieg Donald Trumps, und das will ich mir gar nicht vorstellen. „We are doomed“ oder ganz schlicht und einfach, wir hier in den USA haben in diesem Jahr die berühmte „A…karte“ gezogen.

Da kriegt man Pickel

Nicht die Tapete macht mich wirr im Kopf.

Nicht die Tapete macht mich wirr im Kopf.

Ich sitze hier in meinem Hotelzimmer in Hargeisa, Somaliland, und mir wird angst und bang. Nein, da schießt niemand draußen, keine blutrünstigen Hundemeuten streunen die Straßen, keine Terrormilizen der Al-Shabaab wollen mir an die Wäsche. Hargeisa und Somaliland sind in diesen Stunden, Tagen und Wochen sicher. Was mir Sorgen bereitet ist was ganz anderes: Donald Trump spricht. CNN überträgt die Wirtschaftsrede des New Yorker Milliardärs aus dem „Economic Club in Detroit“. Und der amerikanische Nachrichtenkanal ist ja weltweit zu sehen. Ganz schlimm!

Donald Trump verspricht das Blaue vom Himmel und will die Uhren zurückdrehen. Steuererleichterungen für Unternehmen, die Energiewende wird wieder gewendet, Trump setzt auf Kohle und Atom und will Umweltschutzmaßnahmen außer Kraft setzen. Dazu Versprechungen an die Automobil- und die Stahlindustrie. Amerika werde wieder reich, so Trump, Jobs würden geschaffen werden und damit könne man die Infrastruktur erneuern, Familien finanziell unterstützen und überall im Land würden „Wolkenkratzer mit amerikanischem Stahl“ in die Höhe schießen. Das ist also Trumps Plan. Fast hätte er sogar noch gesungen. Und ich weiß nicht, ob ich froh oder traurig sein soll, weit weg zu sein.

Und nun die Analyse der CNN-Köpfe. Eine gut formulierte und durchdachte Rede soll das gewesen sein. Endlich, so heißt es, habe Trump konkrete Pläne vorgelegt. Wirklich? Das war kein politischer Plan, das waren leere Versprechungen eines machthungrigen und egozentrischen Kandidaten, der nun einen Ton anschlägt, um „präsidialer“ zu wirken. Wer soll, wer wird darauf hereinfallen?