Trump geht seinen Weg

Ein Radiosender aus der Schweiz fragte mich nach meiner Einschätzung über den gewählten Präsidenten Donald Trump. Es seien ja nun schon seit dem Wahlsieg ein paar Wochen ins Land gegangen, wie sei die Stimmung in den USA? Die ist schwierig zu beschreiben, denn Trump macht in Teilen da weiter, wo er als Wahlkämpfer aufgehört hat. Noch immer kommuniziert er tagtäglich über twitter mit Anhängern und Medien. Gibt Inhalte seiner Gespräche bekannt, so, als ob die Zusammenstellung seines Kabinetts eine weitere Folge von „The Apprentice“ wäre. Dann sind da seine Alleingänge, er wisse alles besser. Das geht soweit, dass die Berufsdiplomaten im „State Department“ nur noch die Hände über dem Kopf zusammen schlagen. Trump stapft derzeit auf internationaler Bühne von einem Fettnäpfchen in das nächste.

Donald Trump hat auch in Indiana gezeigt, er macht vieles anders, nicht unbedingt besser. Foto: Reuters.

Donald Trump hat auch bei seinem Auftritt in Indiana gezeigt, er macht vieles anders, nicht unbedingt besser. Foto: Reuters.

Auch seine Auswahl der engeren Mitarbeiter und Minister läßt bislang nichts Gutes erwarten. Es sind teils Hardliner, die alles über den Haufen werfen wollen, was Obama in acht Jahren aufgebaut hat. Das hat dann nichts mehr mit einem Präsidenten für alle Amerikaner zu tun, wie es Trump großspurig angekündigt hatte. Teils sind seine Erwählten Freunde und Geschäftspartner, die zwar das Business kennen, aber vor allem das Business sich selbst in die Tasche zu schaufeln.

Trump verbreitet über twitter und über sein Umfeld gemischte Informationen. Mal gibt er sich offen und präsidial, um dann wieder knallhart von einer Mauer an der mexikanischen Grenze zu reden, ein Ende von „Obamacare“ zu versprechen, er schimpft gegen die „Lügenpresse“ und fordert harte Strafen für jene, die die amerikanische Fahne verbrennen, was ganz selten vorkommt. Selbst hartgesottene Unterstützer von Trump, wie Sarah Palin und Ann Coulter, zeigen sich mittlerweile irritiert. Der Milliardär aus New York macht vieles unüberlegt und gegen die eigentlichen Grundsätze der republikanischen Partei.

Trump geht seinen Weg, ohne Rücksicht auf andere, ohne Rücksicht auf Verluste. Er läßt sich leiten von den Reaktionen seiner „Fans“. Das konnte man auch wieder bei seinen Auftritten in Indiana und Ohio sehen. Trump badet im Pool der Emotionen, läßt sich feiern, sich hochschaukeln, bekommt dabei Eingebungen, die dann zu politischen Forderungen im Land und weltweit werden. Alles unter dem Mantra „Let’s make America great again“. Das macht ihn nicht nur unkalkulierbar, das macht Donald Trump als Präsidenten auch gefährlich.

Wahlkampf in San Quentin

Sonntagmorgen 8:30. Ich stehe in der Warteschlange vor dem Gefängnis von San Quentin. Um mich herum etwa drei Dutzend Frauen, zumeist Latinas und Afro-Amerikanerinnen, auch ein paar Weiße. Einige Kinder sind auch dabei, warten auf die Kontrolle hinter der ersten Sicherheitsschleuse. Ich besuche mal wieder Reno, den ich seit über 20 Jahren kenne und seitdem ich hier in der Gegend lebe regelmäßig im kalifornischen Todestrakt besuche.

Das Warten und der Gang entlang der San Francisco Bay zum Besucherraum des East-Block ist nichts mehr besonderes, diesen Weg bin ich in den letzten 20 Jahren oft genug gegangen. Heute muß ich zum „Overflow“ Bereich, das ist ein Backsteingebäude gleich neben der Hinrichtungskammer. Auch dort wurden Besuchsmöglichkeiten für Todeskandidaten geschaffen, heißt, Stahlkäfige im Boden verankert, in denen man mit dem Häftling eingesperrt wird.

Dort angekommen muß man zuerst durch eine weitere Schleuse, seinen Leuchtstempel auf dem Unterarm vorzeigen, seinen Ausweis abgeben, dann darf man sich ein paar überteuerte Getränke und Speisen aus den Automaten holen. Die Atmosphäre ist entspannt an diesem Morgen. Dieser Besuchsraum wird im hinteren Bereich auch für die „regular population“, also die „normalen“ Häftlinge mit langjährigen Haftstrafen genutzt. Ein paar Gefangene sprechen mich an, sind freundlich, zeigen mir, wo ich Papiertücher und Pappteller für die Mikrowelle finde. Man ist hier locker entspannt, auch wenn einige der in Jeans gekleideten Zeitgenossen in einer anderen Umgebung angsteinflössend wirken würden.

Wahlkampf in der Warteschlange von San Quentin.

Wahlkampf in der Warteschlange von San Quentin.

Zwei Stunden Besuch mit einem Todeskandidaten gehen schnell vorbei. Wir lachen, machen Witze, er isst seine Burger, trinkt seine Coca Cola, wir teilen uns Popcorn. Wir reden über die Politik, über die zwei Todesstrafen-Abstimmungen, die am Wahltag in Kalifornien auch entschieden werden. Ich erzähle von meinen Reisen, über meinen Hund Käthe, die gerne mal Rehen hinterherhastet und mich danach heiser werden lässt. Reno lacht nur darüber. Über seinen Fall sprechen wir kaum. Eine Umarmung am Schluß. Er wird nach einer Ganzkörperkontrolle wieder in seine kleine Zelle, sein „House“, gebracht, ich spaziere, nachdem es „Clear“ heißt, entlang der Bay zum Parkplatz zurück.

Draußen warten wieder Dutzende von Frauen auf Einlass. Dort liegt auch Karten der sozialistischen „Peace and Freedom Party“ aus. Ein etwas ungewöhnlicher Ort, um Wahlkampf zu führen. Präsidentschaftskandidatin Gloria La Riva und ihr Vize-Kandidat Dennis Banks gehen in der Besucherschlange von San Quentin mit ihrem Ruf nach einer sozialistischen Revolution in den USA auf Wählerfang. Anscheinend glaubt einer ihrer Unterstützer, dass Besucher von Todeskandidaten, Lebenslänglichen oder Langzeithäftlingen besonders offen für die antikapitalistische Losung sind. Viel beachtet wurden die Karten allerdings nicht. Hier hat man anderes im Sinn, als sich über eine (unrealistische) politische Alternative zu Donald Trump und Hillary Clinton Gedanken zu machen.

Terror-Trump greift an

"Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der "greatest" im ganzen Land. Foto: AFP.

„Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der „greatest“ im ganzen Land. Foto: AFP.

Er baut auf die Angst. Donald Trump nutzt das jüngste Terrorattentat in New York sofort und gnadenlos aus. Als die selbstgebaute Bombe im Stadtteil Chelsea hochging, noch keinerlei Informationen über Täter oder Hintergrund bekannt waren, erklärte Trump in einer Wahlveranstaltung, dass es ein Terrorangriff gewesen sei. Die Menge buhte und der Donald erklärte, nur er allein könne Amerika retten.

In gleich mehreren Tweets griff er seitdem seine demokratische Kontrahentin an, so, als ob unter einer Trump-Administration der Terror ein Ende finden würde:

„Unter der Führung von Obama & Clinton haben die Amerikaner mehr Angriffe daheim erlebt, als Siege im Ausland. Zeit, den Spielplan zu ändern!“

„Mehr als 10.000 Flüchtlinge aus Syrien kommen. Viele junge Männer, kaum geprüft.“

„Wiedereinmal war jemand, der uns als ok dargestellt wurde, ein Terrorist, der unser Land & seine Bewohner zerstören will – wie kam er durch das System?“

„Hillary Clintons Schwäche als Außenministerin hat Terroristen überall auf der Welt ermutigt.“

Donald Trump ist von sich als Retter, als Heilsbringer überzeugt. Es fehlt nur noch, dass er sich selbst als von Gott gesandt darstellt. Er werde Amerika wieder „great“ machen, das heißt, aufräumen, das Militär stärken, Verhandlungen auf internationaler Ebene bedeuten für ihn Schwäche zeigen. Amerika müsse wieder die führende Nation sein, bedeutet, alle anderen müssen nach der Nase Amerikas, in dem Fall Donald Trumps Zinken tanzen.

Der Mann ist von sich überzeugt, ist selbstverliebt. Eigentlich täglich sitze ich da, schaue mir die Interviews mit ihm auf FOXNews an, lese die Artikel über ihn in diversen Zeitungen und auf Nachrichtenplattformen und frage mich, wie man nur so ein Riesenego haben kann? Klar, jeder, der auf dieser politischen Bühne spielt, muß von sich überzeugt sein. Doch einen wie Trump hat selbst Amerika noch nicht gesehen. Ganz sicher schütteln sie in Hollywood den Kopf, denn in Tinseltown wäre eine Story wie diese noch nicht einmal als Comedy umgesetzt worden. Unglaublich, was derzeit in den USA passiert.

 

 

 

 

Eine vorgegaukelte TV-Debatte

Die Grüne Jill Stein gibt sich kämpferisch. Foto: Reuters.

Die Grüne Jill Stein gibt sich kämpferisch. Foto: Reuters.

Hillary Clinton gegen Donald Trump. Demokraten gegen Republikaner. Ein Zweikampf, nicht wahr? Nein, eigentlich nicht. Noch unzählige weitere Kandidaten kämpfen, sicherlich aussichtslos, um das Präsidialamt. Zwei davon, die Grüne Jill Stein und der Libertarian Gary Johnson, treten sogar US weit an. Sie verlangen, um den Wählerinnen und Wählern eine wirkliche Wahl zu bieten, dass sie auch bei den live übertragenen Fernsehdebatten teilnehmen können.

Doch dem widerspricht die „Commission on Presidential Debates“, eine Organisation, die seit 1988 die Fernsehdebatten organisiert. Die Auflage für Drittkandidaten hat diese Kommission selbst bestimmt. In fünf nationalweiten Umfragen muss ein Kandidat bei mehr als 15 Prozent liegen, damit er mit den beiden Hauptkandidaten auf die Bühne eingeladen wird. Das klingt nach einem fairen Deal, damit man nicht unbedingt den Gummistiefel tragenden Kandidaten, der jedem eine Pony schenken möchte, ein Forum bietet. Allerdings sind die „Green Party“ und die „Libertarian Party“ etablierte Parteien und Jill Stein und Gary Johnson ernstzunehmende Kandidaten.

Gary Johnson will mit Clinton und Trump auf die große Bühne. Foto: Reuters.

Gary Johnson will mit Hillary Clinton und Donald Trump auf die große Bühne. Foto: Reuters.

Was vor allem in dieser derzeitigen Debatte über wer und wer nicht auf der großen Bühne mitreden darf aufstößt ist, dass die „Commission on Presidential Debates“ von den Demokraten und den Republikanern gegründet wurde und von Anfang an mit Parteimitgliedern der beiden Altparteien besetzt wurde. Diese Kommission legt die Regeln fest und die sind vor allem gegen Drittkandidaten gerichtet. Denn klar ist, wer zur Fernsehnation sprechen kann, wird Wähler gewinnen, gerade in diesem Wahlkampf mit zwei Kandidaten, die von vielen nicht gewollt werden. Jill Stein könnte für sich viele der Bernie Sanders Wähler gewinnen, Gary Johnson etliche republikanische Wähler von sich überzeugen, wenn, ja, wenn sie nur eine breite Öffentlichkeit erreichen würden. Doch das ist in diesem Wahlkampf unmöglich, in dem ein egozentrischer Außenseiter die Berichterstattung in den Medien dominiert. Wenn dann noch ein Hinterzimmerdeal zwischen den Demokraten und Republikanern gezielt politische Alternativen ausbremst, ist die Demokratie in ihren Grundfesten gefährdet.

Der Radiokönig mag den Immobilienhai nicht

Vor etlichen Jahren, als ich noch eine Antenne am Auto hatte, war ich begeisterter Mittelwellenhörer. Talk Radio war für mich die beste Unterhaltung auf der Fahrt. Die konservativen und politisch abgedrifteten Sean Hannity und Rush Limbaugh, Michael Savage und Barbara Simpson. Und nachts „Coast to Coast AM“ mit Art Bell und George Noory, die über UFOs, Außerirdische, Spuk und Geister, Leben nach dem Tod und allerhand Übernatürlichem sprachen.

Irgendein Depp hat mir jedoch die Antenne abgebrochen, damit änderten sich auch meine Hörgewohnheiten im Auto. Wenn ich heute mal durch Zufall die konservativen Talk Show Köpfe anhöre, kann ich so gar nicht verstehen, wie ich das früher manchmal für Stunden hören konnte, nein, wie ich das ausgehalten habe. Ein Geschrei ist das, ein Geschimpfe, ein Gezeter und an allem sind Barack Obama und Hillary Clinton Schuld. Sean Hannity ist nicht nur in seiner Talksendung, sondern auch in seiner Fernsehsendung auf FOXNews zum Sprachrohr von Donald Trump geworden. Das ist eine Lobhudelei, wie man sie nur selten vernehmen kann.

Rush Limbaugh mit seiner späten Einsicht über Donald Trump. Foto: Reuters.

Rush Limbaugh mag Donald Trump nicht. Foto: Reuters.

Heute jedoch las ich in einem Artikel – und hörte es mir dann auch selbst an -, dass der König der Rechtsaußenmoderatoren, der selbsternannte Hüter der konservativen Werte, Rush Limbaugh, zugab, dass Trump eigentlich kein Konservativer sei, damit kein richtiger Kandidat für die republikanische Partei. Die Einsicht kommt reichlich spät, gerade auch, wenn man

bedenkt, dass viele in der konservativen Bewegung und auch in der Partei monatelang im Vorwahlkampf die Quasselköpfe im Talk Radio händeringend gebeten hatten, doch endlich mal Klartext über Trump zu reden. Doch nichts geschah. Einer nach dem anderen der eigentlichen konservativen Kandidaten stieg aus dem Rennen um das Weiße Haus aus. Am Ende blieb Donald Trump stehen, der so gar nicht in das Bild der republikanischen Partei passte und passt. Limbaugh hatte sich einfach zu lange auf Hillary Clinton eingeschossen, ohne die Konsequenzen seiner Trumpschen Sprachlosigkeit zu erkennen.

Limbaugh erklärte nun seiner Millionenhörerschaft, dass einige der von Trump vorgeschlagenen Sozialprogramme nichts, aber auch gar nichts mit einer konservativen Überzeugung zu tun hätten. Rush Limbaugh hat durchaus Einfluss, aber erreichen wird er mit seinem späten Klarblick nicht viel. Das Problem ist nämlich nun, dass viele Republikaner und Konservative im Land sich eigentlich eingestehen müssten, dass Limbaugh richtig liegt, was bedeutet, dass sie sich in den letzten Monaten vom Schmierentheater des Donald Trump einlullen ließen. Das, so denke ich mal, werden nicht viele tun. Auch ist die Alternative Hillary Clinton für sie Welten entfernt. Eher würden sie sich die Hand abhacken, als ihre Stimme der verhassten Demokratin zu geben. Das Kasperltheater, das man hier Wahl nennt, dauert weiter an.

Was ist das für ein Kandidat?

Wirklich? Die Aussage von Donald Trump, dass Barack Obama in den USA geboren wurde, ist nun eine Top-Nachricht in den USA. Am Freitag erklärte der Milliardär während der Eröffnung des Trump-Hotels in Washington DC, unweit des Weißen Hauses: „President Barack Obama was born in the United States, period.“ Damit will Trump also einen Schlußstrich unter die Verschwörungstheorie setzen, die er reichlich selbst befeuert hat. So einfach ist das für den New Yorker Milliardär. Er war der Oberhirte der „Birther“-Bewegung, nun will er davon nichts mehr wissen.

Donald Trump greift bei jeder Veranstaltung die Medienvertreter an. Foto: Reuters.

Donald Trump greift bei jeder Veranstaltung die Medienvertreter an. Foto: Reuters.

Aber so ganz kann er es dann doch nicht lassen und schob gleich eine weitere Theorie hinterher. Denn eigentlich sei das Hillary Clinton Lager für die Verbreitung dieser Lügengeschichte verantwortlich. Donald Trump meinte ernsthaft, dass im Wahlkampf 2008 die Verschwörungstheorie, Barack Obama sei in Kenia geboren, vom Clinton-Lager gestreut wurde, um den innerparteilichen Konkurrenten zu stoppen. Ganz in typischer Trump-Manier legte der Donald keine Beweise dafür vor, sondern meinte: „Einige Leute sagen das. Ich weiß es nicht, aber die Leute reden eben“. Das ist Trumps Eingeständnis eines Fehlers. Schlußstrich und dann ein neues Kapitel aufschlagen, in dem erneut angegriffen wird.

Ich frage mich beim Lesen solcher „News“, was eigentlich mit diesem Land los ist, dass jemand wie Donald Trump ernsthaft am Tor des Weißen Hauses rüttelt und durchaus Chancen hat am 8. November als „Commander in Chief“ gewählt zu werden? Irgendwas läuft in diesen USA, „home of the brave“, ziemlich falsch. Und der Apfel scheint da nicht weit vom Stamm zu fallen. In einem Interview meinte Donald Trump Jr., dass die Medien (er hätte auch „Lügenpresse“ sagen können) Hillary Clinton nicht hart genug angriffen. Wenn sein Vater solche Lügen wie Hillary von sich geben würde, dann würden sie sofort „die Gasöfen anfeuern“. Das ist der Ton in diesem Wahlkampf! Die Frage, ob sich Trump Senior für diesen Verbalausfall von Trump Junior distanziert hat, stellt sich nicht. Natürlich hat er es nicht.

Was, wenn Trump nicht gewinnt?

In den USA und rund um den Globus stellt man sich eine Frage: Was, wenn Donald Trump die Wahl im November gewinnt? Wie wird sich Amerika verändern, wie die internationalen Beziehungen zwischen den USA und ihren Partnern, wie wird der leicht aufbrausende Trump in Krisen reagieren? Den selbstverliebten Milliardär aus New York will man sich eigentlich nicht so recht im Oval Office vorstellen. Das käme einer Frauke Petry im Bundeskanzleramt gleich. Trump bläst fleissig mit im internationalen Posaunenchor der Rechts-Populisten, die Melodie der AfD und Trumps ähneln sich schon sehr.

Die Alternative ist keine Alternative. Foto: Reuters.

Die Alternative ist keine Alternative. Foto: Reuters.

Doch was ist, wenn Hillary Clinton die Wahl gewinnt, Trump verliert? Man kann davon ausgehen, dass Hillary Clinton ein ähnliches Schicksal ereilen wird, wie Barack Obama. Alles, was sie politisch anpacken, angehen und verändern wollte, würde von den Republikanern im Kongress und Senat blockiert werden. Clinton ist das rote Tuch für die GOP. Eigentlich dürfte es ja überhaupt kein Kopf-an-Kopf Rennen zwischen Donald Trump und einem weiteren Kandidaten geben. Dass es doch so ist, zeigt nur, wie schwach die Kandidatin Hillary Clinton ist, wie sehr sie selbst in der eigenen Partei, aber vor allem bei Republikanern und Independent-Wählern umstritten ist. Sie ist zwar die Über-Demokratin, aber sicherlich nicht die Brückenbauerin im geteilten Amerika.

Die Frage steht also, was passiert, wenn Donald Trump die Wahl verliert? Schon mehrmals hat er betont, dass das Wahlsystem korrupt sei und das „Establishment“ in Washington den Ausgang bestimmen würde. Heißt, Trump hat schon jetzt eine Erklärung für seine Niederlage zur Hand. Sein Versagen wäre die Schuld der anderen, nicht sein Fehler. Amerika steckt in einer tiefen innenpolitischen und vor allem demokratischen Glaubenskrise. Und damit will ich nicht sagen, dass das System ein abgekartetes Spiel ist, wie es Trump anprangert. Vielmehr sollte man sich die Fakten anschauen, die da sind, dass in den USA alle zwei Jahre das gesamte Abgeordnetenhaus neu gewählt wird, was bedeutet, dass die Parlamentarier immer im Wahlkampf und auf Spendensuche sind. Nicht viel besser ist der Präsidentschaftswahlkampf, der mittlerweile über zwei Jahre lang dauert, mehrere Milliarden Dollar kostet, durch einen unsinnigen und undurchsichtigen Vorwahlkampf läuft, in dem Kleinststaaten wie Iowa und New Hampshire mehr Bedeutung haben als die bevölkerungsreichsten Bundesstaaten Kalifornien und New York. Sinn macht das alles nicht. Und all das führt dann zu einer Kandidatur von Personen wie Trump, die sich selbst als Heilsbringer empfinden.

Doch, was ist, wenn Trump verliert? Wie werden sich die rund 40 Prozent der Wähler verhalten, die auf ihn gebaut, ihm ihre Stimme gegeben haben? Werden sie die Niederlage hinnehmen oder auch das abgekartete Spiel sehen? Die demokratische Krise in den USA würde damit wahrscheinlich nur vergrößert werden. Ein Sieg Hillary Clintons wird dem Land nicht gut tun, egal von welcher Perspektive man es auch betrachtet. Die Alternative wäre ein Sieg Donald Trumps, und das will ich mir gar nicht vorstellen. „We are doomed“ oder ganz schlicht und einfach, wir hier in den USA haben in diesem Jahr die berühmte „A…karte“ gezogen.

Da kriegt man Pickel

Nicht die Tapete macht mich wirr im Kopf.

Nicht die Tapete macht mich wirr im Kopf.

Ich sitze hier in meinem Hotelzimmer in Hargeisa, Somaliland, und mir wird angst und bang. Nein, da schießt niemand draußen, keine blutrünstigen Hundemeuten streunen die Straßen, keine Terrormilizen der Al-Shabaab wollen mir an die Wäsche. Hargeisa und Somaliland sind in diesen Stunden, Tagen und Wochen sicher. Was mir Sorgen bereitet ist was ganz anderes: Donald Trump spricht. CNN überträgt die Wirtschaftsrede des New Yorker Milliardärs aus dem „Economic Club in Detroit“. Und der amerikanische Nachrichtenkanal ist ja weltweit zu sehen. Ganz schlimm!

Donald Trump verspricht das Blaue vom Himmel und will die Uhren zurückdrehen. Steuererleichterungen für Unternehmen, die Energiewende wird wieder gewendet, Trump setzt auf Kohle und Atom und will Umweltschutzmaßnahmen außer Kraft setzen. Dazu Versprechungen an die Automobil- und die Stahlindustrie. Amerika werde wieder reich, so Trump, Jobs würden geschaffen werden und damit könne man die Infrastruktur erneuern, Familien finanziell unterstützen und überall im Land würden „Wolkenkratzer mit amerikanischem Stahl“ in die Höhe schießen. Das ist also Trumps Plan. Fast hätte er sogar noch gesungen. Und ich weiß nicht, ob ich froh oder traurig sein soll, weit weg zu sein.

Und nun die Analyse der CNN-Köpfe. Eine gut formulierte und durchdachte Rede soll das gewesen sein. Endlich, so heißt es, habe Trump konkrete Pläne vorgelegt. Wirklich? Das war kein politischer Plan, das waren leere Versprechungen eines machthungrigen und egozentrischen Kandidaten, der nun einen Ton anschlägt, um „präsidialer“ zu wirken. Wer soll, wer wird darauf hereinfallen?

Am falschen Ort zur falschen Zeit

Da sitze ich im sonnigen Somaliland, trinke somalischen Tee mit Kamelmilch, mache meinen Job, für den ich hier bin und denke mir, das war keine gute Zeitplanung. Natürlich beobachte ich auch von hier, was sich da jenseits des großen Wassers so tut. Tagtäglich lese ich meine Online-Ausgaben der Zeitungen, die ich für meine Arbeit nutze, verfolge Blogs und was ich so in den sozialen Medien finden kann. Und was lese ich? Daheim in den USA zerlegt sich Donald Trump gerade selbst.

Der US Wahlkampf wird auch in Somaliland verfolgt. Foto: Reuters.

Der US Wahlkampf wird auch in Somaliland verfolgt. Foto: Reuters.

Oh, welch‘ Wunder! Das war klar, dass es so weit kommen wird. Seit 16 Monaten tobt, beschimpft, brüllt, belügt, ja, verarscht Donald Trump die amerikanische Nation. Und klar, es grenzt an Fremdschämen, wenn man mitansehen muß, wie viele Amerikaner in Donald Trump den Retter des Abendlandes sehen. Wie viele ihn in den Vorwahlen gewählt haben, seine sinnlos vorgebrachten Verbalflachschüsse glauben. Das ist ehrlich peinlich. Ich bin in den letzten Wochenund Monaten nicht nur einmal gefragt worden, ob ich im Falle einer Trump-Präsidentschaft meinen amerikanischen Pass zurückgeben werde.

Doch ich hatte genau darauf gehofft, was nun passiert. Trump ist so von sich eingenommen, resistent für Kritik, Anmerkungen, Ratschläge, dass er im Endspurt zum Weißen Haus über seinen eigenen Egomanen-Schatten stolpert. Kein Tag vergeht, an dem er nicht in ein Fettnäpfchen tritt. Republikaner links und rechts suchen das Weite, nur raus aus dem Umfeld des Donald. Denn es scheint, Trump reißt nicht nur seine eigene Kampagne mit in die Tiefe, sondern auch die Partei, die ihm eigentlich egal ist.

In den Umfragen, auf die man eigentlich wenig geben sollte, sinkt der New Yorker Milliardär immer weiter. Nun liegt er deutlich hinter Hillary Clinton. Die müsste eigentlich nur noch abwarten und aufpassen, dass sie keinen Fehler macht. Trump richtet sich nämlich gerade selbst. Klar ist mittlerweile, dass viele in der Grand Old Party in den kommenden Jahren lieber die politische Auseinandersetzung mit Hillary Clinton wollen, als einen selbstverliebten und unvorbereiteten Donald Trump im Chefsessel. Und wenn ich sogar hier in Hargeisa, Somaliland, darauf angesprochen werde, was eigentlich in den USA los ist, dann zeigt das mir, dass jemand wie Donald Trump auf keinen Fall zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt werden darf.

(K)ein verrückter Demagoge für die USA

Ich bin wahrlich kein Fan von Hillary Clinton. Irgendwie wurde ich nie richtig warm mit ihr. Und das liegt noch nicht einmal an den Skandalen und Skandälchen, die die Clintons so hinter sich herziehen. Ich mag nicht ihre Art, ihren Ton, ihr Auftreten. Und dann hat sie oft genug ihr Fähnchen nach dem populistischen Wind ausgerichtet, auch nicht gerade etwas, was ich schätze.

Hillary Clinton steht sicherlich nicht für einen Neuanfang, sie wird sicherlich nicht das Land einen können, dafür ist sie zu sehr die Hassfigur weiter Teile der Republikaner und der Konservativen. Mit ihrer Präsidentschaft würde die Blockadehaltung der Republikaner im Kongress und Senat weitergehen, das Schmierentheater von FOXNews fortgeführt werden. Den USA ständen mit einer Präsidentin Hillary Clinton schwierige Zeiten bevor.

Doch dann schaue ich mir die Alternative an und die ist alles andere als überzeugend. Ein Milliardär, der einen Angstwahlkampf führt. Der anscheinend morgens aufwacht, in der Hoffnung, irgendwo sei wieder eine Bombe hochgegangen, habe ein Amokläufer ein Blutbad angerichtet, um diese grausamen Taten für seine Kampagne zu nutzen. Ein „Business Man“, der sich bislang wenig um Arbeitnehmerrechte kümmerte und nun lauthals erklärt, er würde Jobs schaffen, dabei gleichzeitig ankündigt, den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn außer Kraft zu setzen. Ein Xenophob, der zwar erklärt, er mache Geschäfte mit allen, aber die Grenzen der USA schließen will. Ein Mann, der seinen Wahlkampf über twitter mit 140 Zeichen führt. Mit Schlagzeilen und verbalen Tiefschlägen will er ins Weiße Haus einziehen.

Für mich hat Barack Obama in seiner gestrigen Rede auf dem Parteitag der Demokraten die aktuelle Situation genauestens und treffend beschrieben. Hillary Clinton ist sicherlich für viele nicht die Wunschkandidatin, doch Donald Trump ist keine Alternative dazu. Er setzt alles daran, die Grundfeste der USA zu vernichten. Auch wenn vieles in diesem Land nur Glanz und Schein ist, der Reichtum der USA liegt in der Vielseitigkeit, in der Offenheit, in der Akzeptanz des Andersseins. Amerika ist sicherlich nicht das gelobte Land, aber es darf nicht zum Königreich eines gefährlichen Demagogen werden.

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