„We’re gonna give the power back“

Donald Trump sagt: "Two Thumps up for Brexit". Foto: Reuters.

Donald Trump sagt: „Two Thumps up for Brexit“. Foto: Reuters.

Oh, welch‘ Wunder. Donald Trump ist für den Brexit. Gerade ist er für zwei Tage in Schottland, um dort in Turnberry ein neues Golf-Resort zu eröffnen und natürlich wurde er bei der Eröffnung von Journalisten gefragt, was er von dem Votum der Briten hält. Die Antwort kam, “sie nehmen sich ihr Land zurück“, das erinnere ihn an die USA. „Ich sehe Parallelen zu dem, was in den Vereinigten Staaten passiert. Man muss es einfach unterstützen, es ist der Wille des Volkes“.

Der Brexit sei eine „fantastische Sache“, „historisch“, meinte Trump. „Sie sind verärgert über die Grenzen. Darüber, dass Leute ins Land kommen und alles übernehmen. Niemand weiß, wer sie sind. Die Leute sind über viele Dinge wütend. Sie haben wieder die Kontrolle über ihr Land übernommen. Das ist großartig“. Das sind auch Trumps Wahlkampfslogans, für ihn ist die Situation in Großbritannien vergleichbar mit der in den USA. Trumps Außenpolitik.

Darüberhinaus sieht der Donald, ganz Geschäftsmann, auch einen positiven Effekt im Ausstieg der Briten. Denn so werde das englische Pfund geschwächt. „Wenn das Pfund fällt, kommen ganz einfach mehr Leute nach Turnberry. Für Reisen und auch anderes, könnte es richtig gut sein.“ Da meldet sich dann der überhaupt nicht eigennützige Wirtschaftspolitiker Trump zu Wort, auch, wenn seine Golfplätze in Schottland im Besitz seiner Kinder sind. Aber Familie ist Familie.

Donald Trump in Schottland, an einem historischen Tag für Großbritannien und Europa. Man kann nur zu gut erahnen, was auf Amerika und die Welt zukommen würde, falls dieser Mann im Oval Office Platz nehmen sollte. Die USA sollten nicht den gleichen Fehler einer Spaltung machen, wie das gestern die Mehrheit der Briten getan hat.

 

 

 

Ein bißchen Spaß muss sein

John Cole

John Cole

Dieser Wahlkampf hat es in sich. So unterhaltend waren republikanische Präsidentschaftsdebatten noch nie. Die Abendunterhaltung der Fernsehnation bei Bier und Chips, Donald Trump der Star des Abends, der mit seinem Klamauk die Zuschauer unterhält. Besser kann es doch gar nicht sein. Politik wird verramscht mit Plattitüden von der Mauer, den Muslimen, von Lügnern und der Angst vor allem und jedem. Und nicht nur in Amerika schaltet man sich zu, seit gut einem Jahr ist der Wahlkampf und allem voran Donald Trump ein gutes Thema für einen USA-Korrespondenten wie mich geworden. Der Entertainer Trump liefert Stoff für unzählige Sendeminuten und Artikel.

Randall Enos

Randall Enos

US Nachrichtenkanäle, wie FOXNews und CNN, machen den Trumpschen Unsinn zu einem „News Alert“, „BA-DOOM hier kommt der nächste Verbalerguss des Donald“. Interviews mit dem New Yorker Milliardär werden als großes Fernsehevent angekündigt, so, als ob man darin viel neues erwarten könnte. Trump inszeniert sich mit toupiertem Haar selbst. Wenn er davon spricht, Amerika wieder „great“ zu machen, dann spricht er von seinem Amerika im Penthouse in New York City. Natürlich im Trump-Tower gelegen.

Steve Benson

Steve Benson

Doch dieser Wahlkampf ist auch eine Hochzeit für Comedy Shows und politische Cartoonisten. Mit Lachen wird das ganze Übel leichter verdaulich. In den Late-Night-Sendungen weiß man gar nicht so recht, was man nun vom Tage aufgreifen soll, so groß ist die Auswahl. Und die Karikaturisten können in diesen Monaten ins Volle greifen. Trump liefert tagtäglich und das seit nunmehr über einem Jahr. Der twitter Freund Donald haut einem die Kommentare und Ideen zu allem was derzeit in den USA passiert fast stündlich um die Ohren, eine Steilvorlage für jeden guten Politzeichner. Man muß sich fragen, was mit ihnen passiert, wenn Trump am Ende doch nicht gewinnen wird. Woher bekommen sie dann ihre Ideen? Viele von ihnen werden wohl ideenlos in Rente gehen müssen, wobei in Amerika sicherlich bald wieder ein neuer Trump kommen wird. Man denke nur an Sarah Palin, die durchaus auch einen besonderen Unterhaltungswert hatte. Hier ein paar der außergewöhnlich guten Cartoons zum Endlosthema Donald Trump, gezeichnet von John Cole, Randall Enos und Steve Benson.

Die „Käufliche“ oder der „rassistische Troll“

Wen soll man nur wählen? In diesem Wahlkampf treten zwei Kandidaten gegeneinander an, die in beiden Lagern nicht gerade geliebt werden. Donald Trump spaltet seine derzeitige Wahlheimat, die Republikaner, wie kein anderer vor ihm. In den konservativen Reihen haben viele beschlossen einfach nicht zur Wahl zu gehen. Das ist ihre Entscheidung im Kampf ums Weiße Haus. Mitschuldig an einem Präsidenten Donald Trump wollen sie nicht werden, nach dem Motto „ich hab‘ ihn ja nicht gewählt“. Ganz so weit gehen und Hillary Clinton wählen, um Trump zu stoppen, werden Republikaner dann doch nicht. Lieber eine Nichtwahl oder vielleicht noch eine Stimme für Gary Johnson, den Kandidaten der Libertarian Party.

Bernie Sanders ist nun als Brückenbauer gefragt. Foto: Reuters.

Bernie Sanders ist nun als Brückenbauer gefragt. Foto: Reuters.

Hillary Clinton wird ebenfalls von einem weiten Teil ihrer Demokraten nicht geliebt. Selbst viele Frauen sind von der ersten weiblichen Kandidatin für den Job des „Commander in Chief“ nicht gerade begeistert. Und wenn man im Vorwahlkampf Bernie Sanders unterstützt hat, dann, so scheint es, steht man nun vor der Wahl Beelzebub oder Luzifer, Erhängen oder Erschießungskommando, Ersticken oder Ertrinken. Die Wahl wird zur Unwahl.

52 Prozent der Bernie-Wähler erklärten zwar in den jüngsten Umfragen, dass sie im November mit Bauchkrämpfen für Clinton stimmen werden. Der Grund ist einfach, nicht Hillary überzeugt sie, sondern Trump müsse verhindert werden. 18 Prozent der Befragten meinten, sie werden für Gary Johnson votieren, der durchaus einen soliden Wahlkampf führt und mit guten politischen Ideen überzeugen kann. 22 Prozent der Sanders-Jünger wollen jedoch für den Milliardär aus New York stimmen. Sie sagen, im Weißen Haus müsse endlich ein Außenseiter einziehen. Auch wenn man mit vielen, ja den meisten Äußerungen und politischen Ideen von Trump nicht überein stimme, Trump ließe sich im Vergleich zu Clinton nicht kaufen. Wie man den Sprung von Sanders zu Trump schaffen will ist für mich schleierhaft. Trump steht für alles, für was Sanders nicht steht. Ich hoffe, ich werde bis November noch jemanden treffen, der diesen Richtungswechsel gehen will und dann hier im Blog berichten.

Hillary Clinton hofft derzeit auf eine offizielle Unterstützung durch Bernie Sanders. Denn damit würde Sanders seinen Millionen von Wählern ganz deutlich vor Augen führen, dass der eigentliche Gegner nicht Hillary Clinton heißt, sondern Donald Trump. Jener Trump, der eine Mauer bauen, Muslime nicht einreisen lassen will. Jener Trump, der die Pressefreiheit in den USA beschränken, Umweltgesetze außer Kraft setzen will. Jener Trump, der auf der Weltbühne den harten Macho spielen will, der „Global Warming“ anzweifelt. Sanders ist nun gefragt politische Brücken zur eigenen Partei zu bauen. Nur so lässt sich das Undenkbare für die USA verhindern.

Der Andreasgraben der Republikaner

Es gibt noch immer Republikaner, die glauben, Donald Trump ist der richtige Mann für die Partei. Der richtige Kandidat, um Hillary Clinton zu schlagen. Der richtige Präsident, um Amerika wieder „great“ zu machen. Doch es gibt mehr und mehr Stimmen in der Partei, die das anzweifeln. Sie sagen, Donald Trump beschädigt mit seiner Kandidatur die Partei. Unter der Oberfläche brodelt es. Der innerparteiliche Graben wird tiefer und unüberwindbar breiter.

Donald Trump fährt derzeit die republikanische Partei vor die Mauer. Foto: Reuters.

Donald Trump führt derzeit die republikanische Partei vor und fährt die „Grand Old Party“ vor die Mauer. Foto: Reuters.

Die „Stop Trump“-Initiative gibt es mittlerweile auch innerhalb der Grand Old Party. Teil dieser Kampagne sind Hunderte von Delegierte zum Wahlkonvent in Cleveland, Ohio. Es wird ganz offen überlegt, wie man Trump noch stoppen kann. Auf geradem Weg wird das wohl nicht mehr möglich sein, doch mit einigen Verfahrenstricks könnte die Kandidatur noch augehebelt werden, so die Hoffnung der innerparteilicehn Trump-Gegner. Sie werfen ihm vor, erst für Abtreibung, Homo-Ehe und strengere Waffengesetze gewesen zu sein und nun das Gegenteil zu behaupten. Außenpolitisch habe er keine Ahnung und gefährde dadurch nur die nationale Sicherheit der USA. Und auch seine Verbalangriffe gegen Latinos, Muslime, Frauen und andere beschädigten nur die Partei. Deshalb verlangen zahlreiche Republikaner, dass die Delegierten nicht an einen Kandidaten gebunden sein sollten, sondern vielmehr frei entscheiden dürfen. Mehr als 400 von ihnen unterstützen diese Idee. Das Donald Trump Lager wirft ihnen vor, dass dahinter die einstigen Konkurrenten Jeb Bush und Ted Cruz stecken, die als schlechte Verlierer so doch noch ihre Chance wittern würden. Die beiden haben die Vorwürfe bereits deutlich zurück gewiesen, doch Trump hält an seiner Verschwörungstheorie fest.

Die Parteiführung lehnt solche Parteitagspläne (noch) ab, die jedoch vor allem zeigen, dass die Republikaner im wichtigen Wahljahr tief gespalten sind. Von einer einheitlichen Linie war und ist nichts zu sehen. Donald Trump besticht weiterhin durch vage Äußerungen und verbale Tiefschläge. Zwar kündigte er am Montag nach dem Rausschmiss seines Wahlkampfmanagers Corey Lewandowski an, nun fokussiert auf die Novemberwahl zuzumarschieren, aber so richtig will ihm das niemand glauben. Donald Trump ist und bleibt eben Donald Trump.

Unterdessen wurde bekannt, dass dem New Yorker Milliardär das Geld ausgeht. Nur noch 1,3 Millionen Dollar sollen auf dem Trump Wahlkonto liegen. Zu wenig Bargeld für eine nationale Kampagne. Auch das beunruhigt immer mehr Republikaner, denn bislang hat Trump es nicht geschafft, seine ungebrochene Popularität zu harten Dollars zu machen. Auch Großsponsoren für Trumps Kandidatur blieben bislang aus. Er braucht dringend Geld, denn der Wahlkampf kostet jeden Kandidaten mehr als eine Milliarde Dollar.

Es war nur eine Frage der Zeit

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Wieder ist es passiert. Eine Schießerei in den USA. 50 Tote, 53 Verletzte, ein Täter, der legal Waffen kaufte, um seine tödliche Mission zu erfüllen. Es ist zu leicht in diesem Land an Waffen zu kommen.

Jemand, der Homosexuelle hasst, aus welchem Grund auch immer, würde nie auf die Idee kommen, alleine in einen „Gay“-Club zu gehen, um dort ein paar Schwule und Lesben zu verkloppen. Er hätte keine Chance. Nein, der Täter fühlt sich stark, weil er durch seine Bewaffnung ein Ungleichgewicht schafft, um so das zu erreichen, was er erreichen will: ein Blutbad anrichten. Und das heißt ganz und gar nicht, dass ich dafür bin, dass jeder auf der Straße in Wild-West-Manier mit einer Knarre durch die Gegend laufen sollte, um sich bei einem Angriff „verteidigen“ zu können. Der Ruf nach dieser Art der Selbstverteidigung ist schlichtweg schwachsinnig.

Was nach so einer Tat immer besonders wirkt, ist, wie schnell die Opfer politisiert werden. Eigentlich müsste die amerikanische Gesellschaft zusammenrücken und erkennen, dass irgendwas nicht stimmt. Die USA sind das einzige Land der Welt, in dem eine Massenschießerei nach der anderen, ein Amoklauf nach dem anderen geschieht. Es ist hier nie die Frage ob, sondern wann es wieder passieren wird. Donald Trump erklärte via twitter, es müsse etwas passieren, er habe ja davor gewarnt. Was er im Schnellschuss meinte war, allen Muslimen die Einreise vorerst zu verbieten. Übersehen hat Trump dabei, dass der Täter in den USA geboren wurde, ein amerikanischer Staatsbürger war. Trump warf, wie viele andere Republikaner am Sonntag, Barack Obama Führungsschwäche vor. Führungsschwäche deshalb, weil Obama nicht grundsätzlich vom „radikalen Islamismus“ sprechen will. Nicht jeder Muslim ist für Obama ein gefährlicher Fanatiker. Das wird ihm von Trump und Konsorten angekreidet, so, als ob unter Präsident Trump ein Blutbad, wie das in Orlando nicht mehr passieren würde.

Die Tat in der Nacht zum Sonntag war die mit der höchsten Opferzahl in der Geschichte der USA. 50 Tote, 53 Verletzte. Und schon jetzt kann man mit Sicherheit sagen, dass sich auch danach nichts an den Waffengesetzen in den USA ändern wird. Weder ein Amoklauf an einer High School, noch an einer Universität, in einer Grundschule, in einem Kino, in einer Kirche haben bislang zu Verschärfungen geführt. Warum also sollten ausgerechnet tödliche Schüsse in einem „Gay“-Club zu einer Reform eines vermeintlichen Grundrechtes führen? Keine Chance! Die Zeit tickt bereits bis zum nächsten Mal.

 

10% stimmten für Hillary

Etwas stimmt nicht in der amerikanischen Demokratie. Nehmen wir das Beispiel Kalifornien. Normalerweise findet im Golden State kein Vorwahlkampf statt, bis die Bürgerinnen und Bürger in Kalifornien an die Reihe kommen, ist meist alles schon entschieden. Da kann man sagen, man geht nicht wählen, „bringt ja nichts“.

Mickey Mouse stand zum Glück in Kalifornien nicht zur Wahl. Foto: Reuters.

Mickey Mouse stand zum Glück in Kalifornien nicht zur Wahl. Foto: Reuters.

Doch diesmal war das anders. Es gab ein Duell zwischen zwei Kandidaten, und nicht nur das, es ging dabei nicht nur um zwei Köpfe, Hillary Clinton und Bernie Sanders lieferten sich einen inhaltlichen Wahlkampf. Was will man mehr? Hinzu kam, dass der Senator aus Vermont vor riesigen Menschenmengen sprach, Begeisterung mit seiner Message nach einer politischen Revolution auslöste. Clinton, die noch vor wenigen Monaten uneinholbar vorne lag, lieferte sich am Ende ein Kopf an Kopf Renngen gegen Sanders.

Der Ausgang war dann ernüchternd, Hillary Clinton siegte mit rund 12 Prozentpunkten vor Bernie Sanders. Der hatte es nicht geschafft seine junge „Fanbasis“ – von Wählerbasis kann man hier nicht mehr sprechen – an die Wahlurnen zu bringen. Insgesamt lag die Wahlbeteiligung bei dieser Vorwahl bei gerade mal 30 Prozent. Und das sind nicht 30 Prozent von 100 Prozent Wahlberechtigten. Nein, nur 70 Prozent aller Wahlberechtigter im Bundesstaat Kalifornien sind auch als Wähler registriert. Anders als in Deutschland, wo jeder Wahlberechtigte automatisch von der Stadt, in der er oder sie gemeldet ist eine Wahlkarte zugeschickt bekommt, muß man sich in den USA selbst registrieren. Die Hürde liegt damit höher, entschuldigt aber nicht dafür, dass von den Wahlregistrierten nur 30 Prozent ihre Stimme abgaben.

Dieser Wahlausgang bedeutet, dass im bevölkerungsreichsten Bundesstaat der USA gerade mal 10 Prozent der Bürgerinnen und Bürger für Hillary Clinton gestimmt haben. Von der großen „Jugendbewegung“ für Bernie Sanders hat man in den Wahllokalen nicht viel gespürt. Die Erst- und Jungwähler sollten nun also bis zum Wahltag im November eine Lektion darin erhalten, dass eine Wahl die Stimmabgabe bedeutet und nicht nur das lärmende Getöse auf der Straße. So viel anders ist es in Deutschland ja auch nicht, nur die USA sind hier leider Spitzenklasse.

Die Revolution entlässt ihre Kinder

Das war dann doch ein deutlicheres Ergebnis als erwartet. 55,9 zu 43,1 Prozent sah der Sieg oder die Niederlage aus, wie man es eben sehen will. Kalifornien „didn’t feel the Bern“. Der Traum für Bernie Sanders Präsidentschaftskandidat der Demokraten zu werden ist damit ausgeträumt. Sanders verlor sogar in den äußerst progressiven und liberalen Bezirken wie San Francisco, Alameda (Oakland), Contra Costa (Berkeley). Ein Problem, dass für den Senator in Kalifornien alles entscheidend war, die Wählerbeteiligung war niedrig, was bedeutet, die vielen jungen und Neuwähler in seinen Reihen nutzten ihr Wahlrecht nicht. Vielleicht sollte man da in Zukunft ansetzen und ihnen erklären, gewählt wird nicht lautstark und mit Pappschild auf der Straße, sondern in Wahllokalen.

Bernie Sanders wird mit erhobener Faust aus dem Rennen scheiden. Foto: Reuters.

Bernie Sanders wird mit erhobener Faust aus dem Rennen scheiden. Doch damit ist er nicht am Ende. Foto: Reuters.

Hillary Clinton schrieb am Dienstagabend Geschichte. Sie ist mit den Siegen in New Jersey, New Mexico, South Dakota und Kalifornien die erste Frau, die zur Präsidentschaftskandidatin einer der beiden großen US-Parteien wird. Daran führt kein Weg mehr vorbei. Bernie Sanders weiß das, auch wenn er am Wahlabend erklärte, er werde bis zum Parteitag in Philadelphia Ende Juli weitermachen. Sanders wird, ja muß einen Rückzug antreten. Das Gespräch mit Barack Obama am Donnerstag in Washington wird schon als ein erstes Zeichen eines geordneten Ausstiegs aus dem Wahlkampf gesehen. Der Präsident und auch Hillary Clinton hatte nur gute Worte für die mitreißende Kampagne des Senators. Bernie Sanders machte am Dienstagabend auch deutlich, dass eines der Hauptziele in dieser Wahl sei, Donald Trump zu stoppen. Dessen aggressiver, xenophober, schmieriger und verletzender Wahlkampf ohne Rücksicht auf Verluste dürfe nicht zu einem Sieg im November führen. Damit machte der Senator klar, dass er sich auf alle Fälle hinter Hillary Clinton stellen wird.

Und auch seine Unterstützer sollten das tun. Zwar umwirbt Donald Trump frustrierte Bernie Sanders Wähler mit den Worten, das Wahlsystem sei ein abgekartetes Spiel und er als Außenseiter sei für sie die richtige Alternative zum Senator. Doch darüber kann man nur lachen. Inhaltlich sind beide soweit voneinander entfernt wie Sonne und Mond. Bernie Sanders wird nun in den kommenden Tagen und Wochen an seiner Handschrift im Wahlprogramm der Demokraten arbeiten. Hillary Clinton wird das schlucken müssen, sie weiß, ohne den Senator aus Vermont wird sie nicht ins Weiße Haus einziehen können.

Am Ende steht der Anfang

Morgen wird in Kalifornien gewählt. Dann auch noch in New Jersey, Montana, New Mexico, North Dakota, South Dakota. Hillary Clinton braucht noch 30 Delegiertenstimmen, dann hat sie die Latte von 2383 überwunden. Das wird also morgen passieren. Hillary Clinton ist durch, obwohl sie das „nur“ mithilfe der Superdelegiertenstimmen schafft. Auch wenn viele der Meinung sind, dazu zähle ich auch mich, dass das ganze Theater von Vorwahlen ein einziger Witz ist, wenn am Ende von der Partei gesetzte Superderdelegierte den Ausgang entscheiden. Aber so sind die Parteiregeln der Demokraten und daran wird sich auch nichts ändern. Bernie Sanders und seine Wähler sind dabei die deutlichen Verlierer.

Hillary Clinton macht den Sack am Dienstag zu. Foto: Reuters.

Hillary Clinton macht den Sack am Dienstag zu. Foto: Reuters.

Hillary Clinton wird damit die Kandidatin der Demokraten, diejenige, die den Einzug Donald Trumps ins Weiße Haus verhindern soll (und muß). Nach einem endlosen Vorwahlkampf, einer Schlacht, wie sie Amerika noch nicht gesehen hat, beginnt nun also das Duell der beiden politischen Gegner. Demokraten gegen Republikaner. In den kommenden Wochen und Monaten kommt es zu einem brutalen, teuren und sicherlich nicht fairen Wahlkampf. Trump hat bereits bewiesen, dass er gerne und auch täglich austeilt. Seine Verbalschläge haben mit Fairness nichts zu tun. Donald Trump kennt nur Donald Trump, wenn er sagt „I will make America great again“, dann sieht er eigentlich nur das „ME“ in Amerika. Trump ist ein Egomane und Selbstdarsteller und gefährlich obendrein.

Hillary Clinton hat in der letzten Woche damit begonnen, gezielter gegen Trump vorzugehen. Ihre Rede zur Außenpolitik läßt bereits darauf schließen, dass sie sich von dem tönenden Milliardär nicht einschüchtern läßt. Hillary hat sich in ihren Zeiten als First Lady, als Senatorin, als Präsidentschaftskandidatin und Außenministerin eine dicke Haut angelegt. Und sie kann selbst zuschlagen. Die Clinton-Maschine kommt gerade erst in Gang. Der Wahlkamp 2016 wird mit Sicherheit in die Geschichtsbücher eingehen.

Im Golden State soll es Gold für Bernie geben

Hillary Clinton wird am kommenden Dienstag die Kandidatin ihrer Partei. Die in den Vorwahlen gewonnenen Delegiertenstimmen und die sich für sie ausgesprochenen Parteidelegierten werden ausreichen, um ihr eine Mehrheit auf dem Parteikonvent zu verschaffen. Ein demokratischer Prozess der Demokraten ist das nicht, denn viele der „Super Delegates“ hatten sich bereits vor der offiziellen Kandidaturverkündung von Bernie Sanders auf die Seite Clintons geschlagen.

Bernie Sanders will nicht aufgeben, er kämpft weiter, will mit Wahlsiegen und guten Ergebnissen beim letzten Super-Tuesday mit Stimmabgaben in New Jersey, Montana, North Dakota, South Dakota, New Mexico und vor allem Kalifornien gestärkt aus der letzten Kurve des Wahlkampfes kommen. Sanders setzt in diesen letzten Tagen alles auf einen Wahlsieg im „Golden State“. Vor ein paar Monaten war das noch in weiter Ferne, der Senator aus Vermont lag abgeschlagen und deutlich hinter der Über-Demokratin. Doch die letzten Umfragen zeigen Sanders fast gleichauf mit Clinton. Ein Sieg am Dienstag in Kalifornien würde das Hillary-Team im Mark treffen. Hillary Clinton reagierte bereits, setzte mehr Wahlveranstaltungen zwischen San Diego und Eureka an, ihr Mann Bill Clinton tingelt ebenfalls durch den westlichen Bundesstaat.

Und Sanders? Der tritt vor Tausenden auf, wie in Oakland vor geschätzten 11.000 Zuhörern, die Menschen, die ihn sehen wollten reihten sich in eine Schlange ein, die sich um sechs Downtown Häuserblocks zog. Und dann veröffentlichte Sanders im Endspurt um Kalifornien weitere Spots, mit Themen, die den Bundesstaat betreffen. Der Senator trifft einfach den richtigen Ton in seinem Wahkampf. Wenn ich mir meine Nachbarschaft hier in Oakland ansehe, dann könnte es wirklich am kommenden Dienstag zu diesem Erdrutschsieg für den 74jährigen kommen:

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Bernie, ich und 10.000 andere

Oakland hat an diesem Memorial Day den „Bern“ gefühlt. Gleich zwei Veranstaltungen waren angesetzt. Zur größeren, direkt vor dem Rathaus der Stadt, kamen weit über Zehntausend Menschen. Etwa eine Stunde vor dem eigentlichen Redebeginn kam ich an, die Menschenschlange wickelte sich da um etliche Downtown-Blocks. Nur langsam ging es voran, denn der Secrete Service hatte alles abgesperrt, jeder, der zum Veranstaltungsort kommen wollte, mußte seine Taschen durchsuchen lassen und durch Metalldetektoren gehen. Und die wurden von TSA-Beamten bedient, die derzeit an allen Flughäfen in den USA fehlen. Mit Donald Trump, Hillary Clinton und Bernie Sanders gibt es damit gleich drei Nebeneinsatzbereiche für die TSA-Mitarbeiter.

Die Oakland Polizei, war für den äußeren Bereich zuständig, der Secret Service für die direkte Sicherung des Auftrittsortes. Auf den Dächern rund um den Frank-Ogawa-Plaza standen Uniformierte mit Fernrohren, vor der Bühne die Männer mit Stirnacken, Anzug, Sonnenbrille und dem Knopf im Ohr.

Bernie Sanders hatte ein Heimspiel in Oakland. Hier in der Bay Area ist Bernie-Land, überall sieht man die „Lawn Signs“, die Rasenschilder für den demokratischen Sozialisten. Die Bay Area ist der progressviste Teil des Landes, hier spricht man offen über und unterstützt die politische Revolution, die Bernie Sanders fordert. In seiner vielbejubelten Rede sprach er all das an, was ihn in diesem Wahlkampf so bekannt gemacht hat. Er forderte einen Mindestlohn von 15 Dollar, eine Umverteilung des Reichtums in den USA, stärkere Umweltschutzmaßnahmen, gleiche Rechte für alle. Sanders führte Deutschland als Beispiel dafür an, dass eine kostenlose Hochschulbildung auch in den USA möglich sei.

Bernie Sanders präsentierte sich erneut als der Kandidat der Demokraten, der die Massen bewegen kann. Viele junge Wähler waren dort, doch nicht nur. Sanders verlangte von seinen Zuhörern, dass sie in der kommenden Woche Geschichte schreiben, denn auf Kalifornien komme es in dieser Vorwahl an. Der direkte Sieg von Sanders ist fast unmöglich, doch der Senator aus Vermont will mit Siegen aus dem letzten Super-Tuesday zum Wahlkonvent der Demokraten ziehen, um dort die neue Plattform der Demokraten maßgeblich zu prägen.