Hillary ist in ihrer eigenen Liga

Das gibt es doch gar nicht. Eine Kandidatin will Präsidentin werden und spricht nicht mit Medienvertretern. Obwohl sie auf Schritt und Tritt von Journalisten verfolgt wird, obwohl Moderatoren, Kommentatoren und Reporter jedes ihrer Worte auf die Goldwaage legen, Hillary schweigt. Sie ist derzeit in der Frühphase ihres Wahlkampfes und reagiert so gar nicht, was da über sie geschrieben, gesprochen und berichtet wird.

Hillary Clinton hat gut lachen. Ihr Wahlkampf läuft ganz nach Plan.

Hillary Clinton hat gut lachen. Ihr Wahlkampf läuft ganz nach Plan.

In der eigenen Partei hat sie mit Bernie Sanders einen Gegenkandidaten, der schon mal vorab erklärte, er werde keine negative Kampagne führen. Also von der Seite braucht Hillary nichts zu fürchten. Und die republikanischen Kandidaten im Feld interessieren sie an dieser Stelle sowieso nicht. Die Republikaner gehen keinem Mikrofon, keiner Kamera und keinem Bleistift aus dem Weg, geben zu allem und nichts ihre Kommentare ab. Und natürlich ist Hillary dabei ein beliebtes Thema. Doch die kümmerts wenig.

Hillary Clinton ist bekannt. Ihr Name braucht keine Erklärung, man weiß, für was sie steht, welche Erfahrungen sie mitbringt, mit welchen Wassern sie gewaschen ist. Clinton ist seit Jahrzehnten im Umgang mit Journalisten geschult. Nach den Skandalen im Weißen Haus versuchte sie ein normales Leben zu führen, als US Senatorin für New York fiel sie kaum auf. Dann kandidierte sie gegen Barack Obama fürs Oval Office und merkte schnell, dass die Medien Obama mehr unterstützten, sie kritischer angingen und am Ende die Medienberichterstattung ein wichtiger Teil im Überraschungserfolg des Jungsenators aus Illinois war. Hillary Clinton verließ sich zu sehr auf ihren Namen, trat abgehoben und auch arrogant auf, was in einigen Interviews so auch immer wieder durchkam.

Nun will sie alles anders machen. Sie ist da, doch abgetaucht. Jeden Tag wird über sie berichtet, doch sprechen, erklären, Standpunkte beziehen, das tut sie nicht. Hillary wartet ab, sie läßt sich nicht vorzeitig aufs Glatteis führen. Einer der größten Skandale in ihrer Zeit als Außenministerin ist ihr ein warnendes Beispiel. Nach dem Terrorangriff im libyschen Bengasi wurde angefragt, ob sie in den Sonntagmorgen Talksendungen als Gast sein könnte. “Madame Secretary” lehnte ab. An ihrer Stelle trat die damalige UN Botschafterin Susan Rice auf, enge Vertraute von Präsident Obama. Sie erklärte, es handele sich nicht um einen Terrorangriff. Und diese Aussage wurde ihr zum Verhängnis, als sie kurz darauf als Nachfolgerin von Hillary Clinton Außenministerin werden wollte. Der US Senat ließ sie durchfallen.

Jüngstes Beispiel eines medialen Fehltritts passierte ausgerechnet dem Republikaner Jeb Bush auf dem quasi Parteisender FOXNews. In einem  Exklusivinterview wurde er gefragt, ob er mit dem Wissen von heute in den Irakkrieg gezogen wäre. Bush bejahte und ein Donnergrollen folgte. Demokraten und Republikaner gleichermaßen stürzten sich auf ihn und erklärten, dass der Einmarsch in den Irak auf fehlerhaften geheimdienstlichen Informationen beruhte. Von daher könne und dürfe man heute nicht mehr sagen, man würde es wieder machen. Jeb Bush versuchte zurückzurudern, doch der Schaden war gemacht.

Hillary Clinton wird dies mit einem Lächeln beobachtet haben. Sie vertritt die Linie, weniger ist mehr. Wenn ich nichts sage, kann auch nichts falsch gedeutet werden.

Der Priester, der Neurochirurg und die Anti-Hillary

Da waren es schon sechs. Das Stelldichein der republikanischen Kandidaten hat gerade erst begonnen, doch das Feld ist schon gut besetzt. Am Sonntagabend erklärte der Neurochirurg Ben Carson seine Kandidatur. Er hat keine politischen Erfahrungen, meint aber, er könne es besser machen als der Amtsinhaber und alle anderen erklärten und wahrscheinlichen Kandidaten im Rennen.

Carly Fiorina will die Angela Merkel der USA werden.

Carly Fiorina will die Angela Merkel der USA werden.

Am Montag dann kam die “Anti-Hillary”, Carly Fiorina, dazu. Die einstige Hewlett-Packard CEO sieht sich als die einzige ernstzunehmende Kandidatin, die Hillary Clinton stoppen kann. Denn mit ihr im Rennen, könnte Hillary nicht die Geschlechterkarte ziehen. Fiorina ist zwar auch eine Außenseiterin im politischen Geschäft, doch ihre langjährigen Business Erfahrungen machen sie zu einer interessanten Aspirantin ums Weiße Haus.

Und dann wird am Dienstag ganz offiziell auch noch Mike Huckabee seine Kandidatur erklären. Der Priester und ehemalige Gouverneur von Arkansas, FOXNews Talk Show Moderator und Präsidentschaftskandidat hat schon Mal ums höchste Amt kandidiert. Er ist mit allen Wassern gewaschen und das Darling der Evangelikalen im Land.

Alle drei haben ein Riesenego, aber das muß man wohl haben, wenn man ins Rennen um das Weiße Haus einsteigt. Jeder und jede ist davon überzeugt, dass er/sie den brutalen und kostspieligen Vorwahlkampf überstehen wird. Sich in den zahlreichen Diskussionsrunden mit den anderen Kandidaten durchsetzen und gleichzeitig die Wähler von ihrem/r “Map for America” überzeugen kann. Keiner der drei hat auch nur angehend eine Chance am Ende ins Oval Office einzuziehen. Sie werden es noch nicht mal bis ans Ende der Vorwahlkämpfe schaffen, doch sie werden das Feld gehörig durcheinander bringen, Geld und Unterstützer für sich gewinnen, Wählerstimmen von anderen abziehen, wie das Mike Huckabee bereits zuvor gezeigt hat

Carson, Fiorina und Huckabee kommen in den ersten Umfragen noch nicht mal über 5 Prozent der Stimmen. Alle drei haben ihre Anhänger in der Partei, am Ende jedoch werden sich die republikanischen Wähler für den Kandidaten entscheiden, der ausreichend Geld, Charisma und Versprechen mit sich bringt. Es geht um eine Anti-Obama und damit eine Anti-Hillary Kampagne. Nur das alleine wird schließlich die Republikaner im Wahlkampf einen.

Die Fronten werden härter

Ich frage mich zur Zeit öfters, wohin diese Entwicklung noch gehen wird. Ferguson und nun Baltimore, davor viele andere Orte in den USA, an denen unbewaffnete Afro-Amerikaner nach Polizeieinsätzen starben. Sind die USA wirklich so rassistisch, dass Schwarze hier zum Abschuß durch weiße Polizisten freigegeben worden sind? Narrenfreiheit für die Polizeieinheiten, die tun und lassen können, was sie wollen? Hat sich nichts seit der Bürgerrechtsbewegung vor 50 Jahren geändert?

Mit der App der ACLU gegen Polizeigewalt.

Mit der App der ACLU gegen Polizeigewalt.

Amerika hat ein ziemlich großes Problem. Ein Gewaltproblem. Die Kugeln weißer Polizisten sind der eine Teil. Ein anderer die Reaktion schwarzer Jugendlicher, wie in Ferguson und nun Baltimore. Das Zerschlagen und Zertrümmern von Läden in der eigenen Nachbarschaft. Bei den Protesten in Oakland im vergangenen November, nach dem Tod von Michael Brown, konnte ich selber mitansehen, wie sinnlos diese Gewalt war. Wahllos wurden unter dem Jubel Umherstehender Autoreifen von parkenden Wagen zerstochen. Keine Polizeiwagen wohlgemerkt, Autos, die in Nachbarschaften zur falschen Zeit am falschen Ort geparkt worden waren. Kein Mercedes, sondern ein alter Nissan. Häuserwände und Fensterfronten von kleinen Friseursalons, Cornerstores, Galerien wurden besprüht und zum Teil zerstört, Läden geplündert. Und als 46jähriger Reporter vor Ort, der ein Aufnahmegerät in der inneren Jackentasche hatte, kam ich selbst in eine brenzlige Situation, denn eine Gruppe vermummter junger Leute hielt mich für einen Zivilpolizisten und umkreiste mich drohend. Was das alles mit einem berechtigten Protest gegen Polizeigewalt und schnell schießende Beamten zu tun hat, muß mir einer Mal in aller Ruhe erklären. Ich verstehe es nicht.

Die Bilder aus Baltimore ähneln dem, was ich hier in Oakland erlebt habe. Und sie werden sich wieder und wieder wiederholen. Denn die Gräben werden tiefer, das Gewaltproblem in den USA steigt nur weiter an. Die Fronten sind nicht einfach so festzumachen. Es ist nicht so, dass hier die Polizei steht, dort die unbewaffneten Afro-Amerikaner. Wenn es so wäre, wäre es einfach zu erklären und auch zu lösen. Es scheint, Gewalt ist eine der Grundfesten der amerikanischen Gesellschaft. Wie sonst läßt es sich erklären, dass in diesem Jahr schon 27 Morde in Oakland passiert sind. Die Opfer vor allem Afro-Amerikaner. Die Täter ebenfalls. Kein Aufschrei, keine Proteste, Alltag eben.

Wer in den USA Polizist werden will muß sich einigen Tests unterziehen, gesundheitliche, psychologische, sportliche. Dazu kommen “Background Checks”, wer wegen Kiffen, zu schnellem Fahren oder anderen Kleinstdelikten auffällig geworden war, fällt durch. Und dann werden die angehenden Beamten in Kursen, die von 12 Wochen (!) bis zu einem Jahr (!) dauern können geschult. Das ist dann die Ausbildung für innerstädtische Kriegszonen, wo Kriminelle mit Maschinengewehren auf sie warten.

Und nein, das ist keine Entschuldigung für Polizisten, die Unbewaffnete in den Rücken schießen. Es ist nur ein Beispiel dafür, dass die USA ein Problem haben, das komplexer ist, als es auf dem ersten Blick erscheint. Klar gibt es hier Rassismus, aber das erklärt nicht alles. Der Wille auf breiter Flur etwas zu ändern ist nicht in Sicht.

Nun wird darüber diskutiert Polizisten mit sogenannten Uniformkameras auszurüsten, damit anschließend die Abläufe, die zu einer Verhaftung oder einem Zwischenfall führten, nachvollziehbar sind. Die “American Civil Liberties Union” (ACLU), die wohl bedeutendste Bürgerrechtsbewegung in den USA hat nun reagiert und eine App für Smartphones online gestellt. Das ganze wurde nach den Unruhen in Ferguson entwickelt. Nun ziehen weitere lokale und regionale Untergruppen nach. Kostenlos kann man die App herunterladen. Damit soll jedem Bürger die Möglichkeit gegeben werden, Polizeiübergriffe und Polizeigewalt zu filmen und den Sound aufzunehmen. Wenn man die Stoptaste drückt, wird das Filmchen automatisch auf den Server der regionalen ACLU Gruppe geladen. Wie es von Seiten der ACLU heißt, wird das Video so vor Zugriffen der Polizei geschützt, auch wenn diese das Telefon beschlagnahmen oder zerstören sollte.

Es ist eine klare Kampfansage in einem nicht enden wollenden Krieg an der Heimatfront. Der einzige Ausweg aus allem ist klar. Die USA müssten nur einmal all das Geld daheim ausgeben, für Bildung, Schulung, Fortbildung, Infrastrukturmaßnahmen, und ja, auch die alltägliche Sicherheit, was seit dem 11. September 2001 international für den “War on Terror” verpulvert wurde… Amerika wäre ein anderes Land.

So macht man Geschichte

Für einen Kandidaten, der eigentlich noch nicht mal ein Kandidat ist, ist er der Lieblingskandidat der Damen und Herren mit tiefen Taschen. Also, wohl ein guter Kandidat. Bislang hielt Hillary Clinton im Wahlkampf 2008 den Rekord. Innerhalb von 100 Tagen sammelte sie damals rund 37 Millionen Dollar an Spenden ein. So viel, wie zuvor noch niemand.

Jeb Bush ist bereit für "the battle of the titans".

Jeb Bush ist bereit für “the battle of the titans”.

Doch der Rekord ist nun geknackt. Jeb Bush gab am Wochenende bekannt, seine Spender hätten Geschichte geschrieben. Hillary sei abgehängt worden. Wie voll die Kriegskasse in 100 Tagen geworden ist, wollte er nicht sagen, nur soviel, es ist mehr.

Jeb Bush sendet damit ein sehr deutliches Zeichen an die anderen Kandidaten seiner Partei: Ihr habt vielleicht die Argumente, ich habe die Kohle. Und bei einem voraussichtlichen Preisschild von 3 Milliarden Dollar fürs Oval Office, ist das ein klare Ansage. Jeb Bush kümmert sich auch nicht gerade um irgendwelche Farmfeste in Iowa, ums Händeschütteln in New Hampshire oder andere Wochenendaktivitäten in den frühen Vorwahlkampfstaaten. Ganz im Gegenteil, er hält sich von allem auffallend fern. Vielmehr konzentriert er sich hinter den Kulissen um die Gespräche mit den zahlkräftigen Parteifinanziers. Er weiß, falls sich Hillary Clinton durchsetzen wird, dann geht es um den Dollarkrieg in den paar Bundesstaaten, in denen die Präsidentschaftswahl entschieden wird.

Das amerikanische Wahlsystem ist nicht gerade sehr demokratisch, wenn man es sich genauer ansieht. Kalifornien ist fest in demokratischer Hand. Texas ist fest in republikanischer Hand. Und so sieht es in vielen Bundesstaaten aus. Der Wahlkampf zwischen der demokratischen und dem republikanischen Kontrahenten wird nur in einer Handvoll Staaten stattfinden, in denen es mal und mal so ausgeht. Dort werden die Wähler monatelang mit Wahlwerbespots, Flugblättern und sonstigem Wahlklimbim zubetoniert, mit Anrufen und Besuchen daheim terrorisiert werden. Ich habe das einmal in Nevada erlebt, es war ein Graus.

Jeb Bush hat nun deutlich erklärt, er ist bereit für den Zweikampf. 12 Runden, kein Problem. Platz da für den Super Heavyweight Fight zwischen Clinton und Bush.

Hillary Clinton als Piñata

Es war lange Zeit ein offenes Geheimnis, dass Hillary Clinton kandidieren wird. Und genauso war es ein offenes Geheimnis, dass die Konservativen im Land mit aller Gewalt gegen die Kandidatur der vehassten Hillary angehen werden. Irgendwie hat man das Gefühl, da seien noch ein paar Rechnungen offen. Die Clintons sind das rote Tuch seit den frühen 90er Jahren. Als Hillary 2008 kandidierte, machte nicht nur der FOXNews und Talk Radio Moderator Sean Hannity gegen sie mobil. Sein “Stop Hillary Train” wurde früh gestoppt, doch ich würde mich nicht wundern, wenn seine Kampagne auch zum Scheitern der damaligen Hillary Kandidatur beigetragen hätte.

Nun wird eine neue Runde eingeläutet. Die alten Clinton Skandale aufgewärmt, ihre Abstimmungen als US Senatorin peinlichst genau durchgesehen, ihre Arbeit als Außenministerin penibelst analysiert, die Machenschaften der Clinton Foundation unter die Lupe genommen. Und heraus kommen mit Sicherheit offene Fragen, die zu Skandalen und Skandälchen aufgebauscht werden können. Die Clintons, die man seit Jahrzehnten glaubt zu kennen, haben noch so einige Leichen im politischen und privaten Keller liegen.

Hillary Clinton ist zur Piñata im Wahlkampf geworden.

Hillary Clinton ist zur Piñata im Wahlkampf geworden.

Der konservative Journalist Peter Schweizer ist Teil der neuen Kampagne gegen Clinton. Sein aktuelles Buch heißt “Clinton Cash” und verfolgt die Arbeit der Clinton Foundation und den gleichzeitigen Reichtum des bekannten Politikerpaares. Hand in Hand gehen da Spenden an die Organisation und sehr lukrative Redebeiträge von Bill und Hillary Clinton. 250.000-300.000 Dollar kassierten sie zum Teil von fragwürdigen Regierungen, die dann auch noch Gelder für die Stiftung locker machten.

Auch Hillarys Amtszeit als Außenministerin wird nun genauestens untersucht. Welche Deals gab es, welche Hinterzimmerverträge wurden unterzeichnet, die dann auch noch zeitgleich mit Überweisungen an die Clinton Foundation zusammen fielen. Den großen Skandal gibt es bislang nicht, das einzige, was gerade von FOXNews aufgeblasen wird ist, ein Urangeschäft mit Russland. Für 600 Millionen Dollar kaufte Russland Schürfrechte, die vom Außenministerium unter Hillary Clinton genehmigt werden mußten. Später stellte sich heraus, dass das russische Bergbauunternehmen hinter dem Deal auf Umwegen 2,35 Millionen Dollar an die Clinton Foundation überwiesen hatte. Zufall oder Skandal?

Die Republikaner und ihr konservatives Umfeld setzen nun nicht mehr nur auf FOXNews und die bekannten Talk Radio Köpfe, sie gaben ihre Informationen auch an die Washington Post und die New York Times weiter. Sie wissen, Hillary kann nur so geschlagen werden, wenn Zweifel im eigenen Lager auftauchen. Und die werden nun Tag für Tag, Woche für Woche gesät.

Hillary Clinton ist die einzige Kandidatin auf weiter Flur bei den Demokraten. Kein anderer hat sich bislang nach vorne getraut, denn es gibt keinen anderen neben der Über-Demokratin, einstigen First Lady, US Senatorin, Außenministerin. Hillary Clinton ist zur Piñata im Wahlkampf geworden. Die Frage ist jetzt, wie lange sie unter den einprasselnden Schlägen durchhalten kann.

Geld regiert die Welt

Die Nachricht kam im republikanischen Lager einem Erdbeben gleich . Die New York Times berichtete, dass sich David Koch und sein Bruder Charles Koch auf einen Kandidaten für die Präsidentschaftswahl geeinigt hätten. Wisconsins Gouverneur Scott Walker soll der Auserwählte sein. Die Koch Brüder sind Milliardäre, ihr Geld machte die Familie im Ölgeschäft. “Koch Industries” ist das zweitgrößte Unternehmen in privater Hand in den USA. Die Kochs fördern schon seit Jahrzehnten mit ihrem Reichtum konservative Institute in den USA, sie galten lange Zeit als die Finanziers der Tea Party Bewegung und ohne ihre Schecks wird kein Republikaner gewählt.

Die Milliardärsbrüder David und Charles Koch.

Die Milliardärsbrüder David und Charles Koch.

Doch nun ließ ein enger Vertrauter der “Koch Brothers” durchblicken, dass noch keine echte Entscheidung getroffen worden sei. Vielmehr werde man im Sommer zu einer Konferenz laden, auf der einige der Kandidaten ihre Positionen verdeutlichen dürfen. Man werde genau hinschauen, was für ein Team der jeweilige Kandidat zusammen gestellt hat, wie er sich präsentiert und vor allem “how they articulate issues the Kochs care about”, also wie sehr der Kandidat die Weltsicht der Brüder in Washington umsetzen würde.

Und die Weltsicht der “Brothers” ist eindeutig. Von Demokraten halten sie nichts, sie verstehen sich als “pro freedom”, die Märkte bestimmen die Gesetze und Umweltpolitik steht nicht gerade hoch auf ihrer Prioritätenlisten. So haben sie 400 Kongressabgeordnete mit allerlei Grün davon überzeugt – oder gedrängt, ihre Unterschrift unter ein Versprechen zu setzen, dass diese keine Gesetze gegen “Global Warming” unterstützen ohne gleichzeitige drastische Steuererleichterungen. Die Kochs sitzen mit an den Schaltstellen Amerikas.

Bei der letzten Wahl 2012 waren sie alles andere als erfreut, als sich am Ende Mitt Romney im GOP Kandidatenfeld durchsetzte. Sie sahen ihn als einen Abklatsch von Barack Obama, als keine ernstzunehmende Alternative im Kampf für die Rückeroberung des Weißen Hauses.

Der Wahnsinn der Nullnachrichten beginnt

HIllary Clinton geizt beim dem Trinkgeld.

HIllary Clinton geizt beim Trinkgeld.

Au weia! Eineinhalb Jahre Nullnummer und Nullnachrichten liegen vor uns. Jedes Wort, jede Bewegung, jede Geste der Kandidaten wird auf die Goldwaage gelegt. Und allen voran Hillary Clinton. Die ist derzeit nach ihrer offiziellen Verkündung ihrer Kandidatur auf einer Promotour durch jene Bundesstaaten, die zuerst die Vorwahlen haben. Und da passierte es, in Iowa machte ihr Bus vor einem Chipotle Halt, das ist ein mexikanisches Fast Food Restaurant. Hillary und ihre Mitarbeiterin bestellten “chicken burrito bowl, a chicken salad, a blackberry Izzy, and a soda”, wie der Manager des Betriebs danach erklärte. Doch dann geschah es, weder Hillary Clinton noch ihre Begleiterin ließen ein Trinkgeld zurück. Sowieso zahlte die Clinton Begleiterin. “Ihre Rechnung war etwas über 20 Dollar, sie zahlten mit 21 Dollar und steckten das Wechselgeld ein”, so der Restaurantleiter gegenüber der Presse.

Unglaublich! Da ist doch Hillary Clinton auf einer Tour durch die USA, um mit den Bürgern und dem Volk zu bandeln und dann hinterlässt sie nicht einmal ein Trinkgeld bei denen, die es nötig haben. Die Konservativen stürzten sich darauf. Talk Show Moderator Rush Limbaugh machte damit in seiner Sendung auf. Vor wenigen Monaten habe Clinton noch 300.000 Dollar pro Auftritt erhalten und nun könne sie nicht einmal einen Dollar Trinkgeld hinterlassen, so der wortgewaltige Obama und Clinton Hasser. Falsch sei sie, eine Heuchlerin, “out of touch with the American people”, so auch die einhellige Meinung auf FOXNews.

Leider wird dabei übersehen, dass man eigentlich kein Trinkgeld in einem Fast Food Restaurant hinterlässt. Doch auch wenn man das tut, oder eben auch nicht tut, warum ist das nun eine nationale Schlagzeile? Hillary Clinton ist weder Mutter Theresa noch ein heilsbringender Engel. Sie ist Politikerin und kandidiert fürs Weiße Haus. Sie sollte, wie jeder andere Kandidat und Politiker auch, an ihrer und seiner Arbeit gemessen werden. An den Ideen, Inhalten und Konzepten des Wahlkampfs. Doch darauf kommt es wohl wieder einmal nicht an. Es wird ein drei Milliarden Dollar Wahlkampf werden, in dem es mehr um Trinkgeld, Kleidung, Essen und Gesten gehen wird, als um eine sinnvolle und inhaltliche Debatte über den Ist-Zustand und die Zukunft Amerikas. Das für sich sagt sehr viel aus über die eigentliche Lage der Nation.

 

Hillary eint die Partei…die andere

“Washington Insider”. “Teil der Washingtoner Maschine”. “Von Gestern”. “Dritte Obama Amtszeit”. “Korrupt”. Das sind nur einige der Aussagen von führenden Republikanern, darunter auch Präsidentschaftskandidaten der GOP, nachdem Hillary Clinton ihre Kandidatur offiziell bekannt machte. Eigentlich sind sich die Republikaner spinnefeind, die Gräben sind tief zwischen den Flügeln der Partei. Aber was sie eint ist ihre Abneigung und ihr Hass gegenüber Hillary Clinton.

Die bekam das gleich mal zu spüren, was in den nächsten eineinhalb Jahren auf sie einprasseln wird. Doch Hillary Clinton hat eine dicke Haut. Sie kennt das Geschäft, als ihr Mann erst Gouverneur dann Präsident war. Als sie Senatorin, dann Präsidentschaftskandidatin und schließlich Außenministerin wurde. Kein anderer weit und breit im Kandidatenfeld kann so viele positive wie negative Erfahrungen in der Politik vorweisen.

Dennoch war die geballte Ladung überraschend. Kandidat Rand Paul wartete gleich mit einem Filmchen auf, der in einigen Bundesstaaten über die Mattscheibe laufen wird und dazu im Internet weit verbreitet wurde. Jeb Bush, noch nicht erklärter Kandidat, rief seine Anhänger zu Spenden auf, denn Hillary Clinton wolle in diesem Wahlkampf 1,7 Milliarden Dollar eintreiben. Der Kampf sie zu stoppen werde teuer, so Bush. Kandidat Ted Cruz erklärte, Clinton habe die USA unsicherer gemacht, denn unter ihr als Außenministerin mußten “wir den Aufstieg Russlands, des Iran und ISIS” mitansehen. Und Marco Rubio, der am Montag als dritter republikanischer Kandidat seinen Namen in den Wahlkampfhut warf, meinte, diese Wahl gehe um Kandidaten, die “nicht im 20. Jahrhundert hängen geblieben sind”. Eine klare Breitseite gegen Clinton.

Hillary selbst zeigte sich unbeeindruckt und reagierte gar nicht auf die Angriffe. Und da hat sie wohl recht, man muß nicht alles kommentieren, was da im Wahlkampf erzählt und erklärt und gebrabbelt wird.

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Hoppla, jetzt komm ich

Erst die großartige Ankündigung vor ein paar Tagen “Breaking News, Hillary Clinton is going to announce her candidacy on Sunday” und nun ist Sonntag und sie hat es doch tatsächlich gemacht. “Breaking News”!!! Welch Wunder, Hillary Clinton kandidiert und die 24 Stunden Nachrichtenkanäle drehen am Rad. Das Video, in dem sie ihre Kandidatur erklärt wird analysiert bis zum Abwinken.

Klar ist, Hillary positioniert sich, will, wie eigentlich alle Kandidaten, die Mittelschicht stärken. Und sie geht gleich mal mit einer klaren Haltung für gleichgeschlechtliche Ehen auf Konfrontationskurs mit einigen der republikanischen Hardliner. Die einstige First Lady, Senatorin und Außenministerin macht Schlagzeilen mit einem “bewußt zurückhaltenden” Wahlkampfauftakt. Keine große Rede, vielmehr ein Video, dass die Kandidatin im Herzen Amerikas zeigt. Eine Kämpferin für Dich und mich. Und man hat das Gefühl, sie hat aus der Vergangenheit gelernt. Da ist sicherlich die erfahrene Politikerin, die mit allen Wassern gewaschen ist. Doch da ist auch eine Frau, die weiß, sie muß für jede Stimme kämpfen. Der Sieg ist ihr nicht gewiss, der Wahlkampf ist kein Selbstläufer. Und diese Erkenntnis macht Hillary Clinton am heutigen Sonntag durchaus sympathischer.

Hillary Clinton ist bekannt wie ein bunter Hund und doch kennt ein Großteil der Wähler sie gar nicht oder nur wenig. Viele der Neuwähler waren während der Präsidentschaft von Bill Clinton zu jung, um über die engagierte First Lady mehr zu wissen. Die Skandale ihres Mannes liegen weit zurück. Als Senatorin für New York fiel sie kaum auf. Als Präsidentschaftskandidatin der Demokraten fiel sie durch. Dann als Außenministerin in der ersten Obama Administration machte sie eine gute Figur. Hillary Clinton ist heute Großmutter und bereit fürs Oval Office, das sagt sie von sich selbst. Sie habe Humor, höre zu, habe viel aus den Erfahrungen der letzten Jahre gelernt. Man kann gespannt sein, Amerika hätte durchaus mal eine Frau an der Spitze verdient.

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Platz da für Hillary!

Nun macht sie es also doch. Am Sonntag steht ihre offizielle Verkündung an, Hillary Clinton will Präsidentin werden. “Breaking News” blitzte gleich mehrfach über die Nachrichten Apps auf meinen Smart Phone auf. Etwas inflationär, denn so eine Überraschung war das nun auch wieder nicht. Und doch bin ich etwas perplex darüber, denn ich war fest davon überzeut, dass Hillary Clinton nicht kandidieren wird. Einfach aus dem Grund, weil sie nicht gewinnen kann.

Hillary Clinton will Barack Obama beerben.

Hillary Clinton will Barack Obama beerben.

Aber auf mich hört ja keiner… Nein, mal ehrlich, ich glaube nicht, dass nach acht Jahren Obama Administration ein Demokrat eine Chance hat. Und erst recht nicht eine Hillary Clinton. Klar, man weiß, was man mit ihr bekommt. Eine Politikerin durch und durch, die national und international hohes Ansehen hat. Den Washingtoner Politzirkus von allen Seiten her kennt. Aber klar ist auch, dass wohl keine andere Politikerin die Nation so sehr teilt. Clinton hat ihre Leichen im Keller, die nun Stück für Stück ausgegraben werden. Seitdem sie Außenministerin war und es den Terrorangriff auf das amerikanische Konsulat im lybischen Benghazi gab, halten die Republikaner diesen Vorfall wach. Clinton wird für die mangelnde Sicherheit in der diplomatischen Außenstellung, für das langsame Reagieren und das anschließende Vertuschen der Tatsachen verantwortlich gemacht.

Dann sind da die jüngsten Skandale um ihren Emailverkehr als Außenministerin und die Spenden von fragwürdigen Regierungen an die “Clinton Stiftung”. Nicht zu vergessen ist Hillary Clintons Zeit als First Lady, als sie Anfang der 90er Jahre versuchte eine allgemeine Krankenversicherung durchzusetzen. Clinton scheiterte, Obama schaffte es schließlich. Doch diese “Health Reform” steht auf tönernen Füßen und mobilisiert derzeit die republikanische Basis im Wahlkampf. Die verhasste “Obamacare” müsse weg, fordern alle republikanischen Kandidaten. Hillary Clinton steht also für eine Weiterführung der Versicherungspflicht in den USA, ein rotes Tuch für die Konservativen im Land.

Die Kandidatin Clinton wird nach einem langen, teuren und brutalen Vorwahlkampf in den Reihen der GOP die Republikaner zusammen bringen. Sie werden sich auf ihre Gegnerin konzentrieren, Hillary Clinton ist seit nunmehr Jahrzehnten das Hassbild in der Reagan Partei. Was für Hillary Clinton spricht, ist, dass sich auf der demokratischen Seite kein weiterer ernstzunehmender Kandidat nach vorne trauen wird. Alles wird auf “Madame Secretary” zulaufen. Die Demokraten können sich geeint präsentieren.

Hillary Clinton will nun am Sonntag in einem Video, veröffentlicht auf den Social Network Plattformen, ihre Kandidatur bekannt geben. Danach reist sie als offizielle Präsidentschaftsanwärterin in einige Bundesstaaten, die die ersten Vorwahlen abhalten werden. Schon seit Wochen hatte sich dieser Tag angekündigt. Strategisch und fast militärisch wurde der Tag X vorbereitet. Nun ist er da. Mit der Kandidatur der Überdemokratin Hillary Clinton wird damit der Wahlkampf 2016 ganz offiziell eingeläutet. Ausgang noch ungewiss.