Das Tollhaus Republikaner

Bei den Republikanern blickt man nach Iowa, doch irgendwie blickt man gar nicht mehr durch. Der Iowa “Caucus” findet am 1. Februar statt, es ist quasi die erste Vorwahl für die Partei. Schon seit dem Herbst 2014 beackern einige der Kandidaten die weiten Felder im “Hawkeye State”. Allen voran Wisconsins Gouverneur Scott Walker, der schon früh als Geheimfavorit der republikanischen Partei gehandelt wurde. Walker machte sich in seinem Bundesstaat einen Namen damit, dass er die Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes zerlegte, massiv Steuern kürzte, den Haushalt zusammenstrich und auch im Bildungsbereich den dicken Rotstift ansetzte. Das kam an bei Republikanern in Wisconsin und im ganzen Land und fiel auch den Koch Brothers angenehm auf, die seit Jahren die Wahlkämpfe der GOP finanzieren. Sie erwählten Walker als ihren Kandidaten für 2016. Alles sah nach einem “homerun” aus.

Scott Walker hat derzeit nichts zu lachen. Foto: AFP.

Scott Walker hat derzeit nichts zu lachen. Foto: AFP.

Doch dann kam Donald Trump und irgendwie lief auf einmal alles ganz anders als geplant. Und nicht nur bei Scott Walker, auch bei den anderen Kandidaten, die sich ernsthafte Chancen in Iowa und darüberhinaus ausrechneten. Derzeit liegt Trump in Iowa mit 23 Prozent weit vorne. Dahinter der Arzt Ben Carson mit 18 Prozent und an dritter Stelle dann Scott Walker mit gerade mal 8 Prozent. Mit so einem innerparteilichen Stellungskrieg hat man weder im Lager Walker noch im Lager Bush gerechnet. Von den anderen Kandidaten ganz zu schweigen. Zwei politische Außenseiter liegen weit vorne, der Rest der Partei versucht damit umzugehen und driftet immer weiter nach rechts ab. Trump und Carson bestimmen die Diskussion zum Leid der Partei, die sie sich als Plattform gewählt haben.

Scott Walker ist kaum wiederzuerkennen. Das ist nicht nur die Analyse der Kommentatoren in den USA, auch seine einstigen Unterstützer sind irritiert. Sie behaupten, Walker höre zu sehr auf seine Berater aus dem fernen Washington und halte sich zu sehr mit seinen Stellungnahmen zurück. Und wenn, dann reagiere er nur noch auf Trumps Gepoltere und agiere kaum noch.

Der Wahlkampf steht derzeit Kopf. Vor einem halben Jahr hatte niemand mit dieser Situation gerechnet. Aus dem Darling der Partei wurde ein Mitläufer, der in der Debatte kaum noch beachtet wird. Ob er den Trend noch drehen kann ist fraglich. 15 Prozent hinter dem Frontrunner Trump ist keine gute Ausgangslage, um in den Iowa Endspurt zu gehen. Nun versucht man im Walker Lager und auch in den andern PAC, political action commitees, Trumps Ruf zu beschädigen. Was die anderen GOP Kandidaten im Rennen derzeit eint, ist nicht nur ihre Ablehnung von Obama und Clinton, die steht sowieso fest. Was die Reihen der Senatoren, Gouverneure und der vielen Ex-Offiziellen in diesen Wochen verbindet, ist der New Yorker Milliardär. Er muß aus dem Weg geschafft werden, koste es was es wolle, um überhaupt einen Wahlkampf zu erlauben. Man kann sich also vorstellen, dass da einige vertrauliche Telefonate, Gespräche und Treffen zwischen Walker, Bush, Perry, Huckabee, Graham, Christie, Kasich, Cruz, Rubio, Pataki, Jindal, Fiorina, Paul, Santorum stattfinden. Alle gegen einen, zum Wohle der Partei.

“The president of the United States, Donald Trump”

Hm, soll man sich das vorstellen? Wie klingt das, wenn ab Januar 2017 ein Präsident Donald Trump angekündigt wird? Lange Zeit meinte man ja, Trump sei nur ein Showman, ein Selbstdarsteller, ein Wichtigtuer mit markanter Haarwelle. Er kündigte seinen Präsidentschaftswahlkampf an und man dachte, das sei alles nur Strategie für eine neue Reality-TV-Show. Doch nichts, Trump kam, sah und, nein, noch hat er nicht gesiegt, aber er liegt in den Umfragen vorne. Und nicht nur das, Donald Trump hat die republikanische Partei gehörig aufgemischt und durcheinander gebracht.

"I want to be your next president". Foto: AFP.

“I want to be your next president”. Foto: AFP.

Von daher kann und sollte man ruhig einmal den Gedanken eines Präsidenten Trump durchspielen. Amerika hat in der Vergangenheit gezeigt, das hier nicht alles, aber viel möglich ist. Donald Trump ist ein Quereinsteiger in die Politik, ein erfolgreicher Business Man, der seine Milliarden angehäuft hat. Das beeindruckt viele Wähler, die endlich mal wieder jemanden im Oval Office sehen wollen, der nicht dem politischen Establishment angehört, der schon etwas im wirklichen Leben geleistet hat, der auch mal Klartext spricht. Selbst dann, wenn man als stiller Beobachter des Maulkampfes bei den Republikanern Magenkrämpfe davon bekommt. Und Trump macht den Wahlkampf unterhaltsam. Kein anderer Kandidat hat derzeit so einen Zuspruch von Interessierten und Medienvertretern, wie der Donald.

Klar, der Wahltag ist nicht gerade um die Ecke. Es dauert noch etwas über 14 Monate, bis die Amerikaner ihr Kreuzchen abgeben dürfen. Viel Wasser fließt bis dahin noch den Mississippi runter. Es wird viel passieren, Skandale und Ereignisse werden auch diesen Wahlkampf überschatten. Vielleicht wird auch wieder Mutter Natur zur Wahlkampfhelferin, wie vor vier Jahren, als Hurricane Sandy die Ostküste bearbeitete und danach Präsident Obama als besorgter und engagierter Landesvater auftreten konnte. Man weiß es nicht, doch klar ist, Donald Trump hat durchaus das Zeug Präsident zu werden. In Amerika ist alles möglich. Nicht umsonst sind die USA weltweit als das Land der unbegrenzten Möglichkeiten bekannt.

Die undemokratische Demokraten Partei

Martin O'Malley wirft seiner Partei undemokratisches Verhalten vor. Foto: AFP.

Martin O’Malley wirft seiner demokratischen Partei undemokratisches Verhalten vor. Foto: AFP.

Alle reden so ehrfürchtig über Hillary Clinton, so, als ob sie die Krone der eigenen Partei schon trägt. Doch da sind noch ein paar andere im Rennen, die sich immer lautstarker Gehör verschaffen. So auch gestern beim Sommertreffen des “Democratic National Committee”. Es sollte eine große Schmuseparty für Hillary werden, doch daraus wurde nichts. Gleich zwei weitere Kandidaten warfen dem Partei Establishment und Clinton vor, einfach die Mitglieder und Wähler vor vollendete Tatsachen stellen zu wollen. Senator Bernie Sanders und der frühere Gouverneur von Maryland, Martin O’Malley, griffen direkt an.

O’Malley meinte, das ganze sei ein abgekartetes Spiel. Die wenigen angesetzten Fernsehdebatten würden nur Hillary Clinton zugute kommen und nicht die demokratische Ausrichtung der Partei repräsentieren. “We are the Democratic Party, not the undemocratic party”, erklärte der Ex-Gouvnerneur in Richtung Parteispitze.

Auch Bernie Sanders machte deutlich, dass er das Vorgehen seiner Partei ablehne. Nach den niedrigen Wählerzahlen bei den “Midterm Elections” im vergangenen Jahr müsse man nun versuchen, die gesamte Basis zu erreichen. Nicht “politics as usual” führe zum Gewinn des Weißen Hauses, sondern ein harter Wahlkampf gegen die festgefahrenen wirtschaftlichen und politischen Strukturen im Land.

Sowohl Martin O’Malley wie auch Bernie Sanders fordern mehr Fernsehdebatten, um den Wählern eine sinnvolle Alternative zum Kandidatenzirkus der Republikaner zu bieten. Der Aufstand der Underdogs bei den Demokraten wird jedoch nicht zu viel führen. Hillary Clintons Team zieht schon seit langem in der Parteizentrale die Fäden und hat in den letzten Wochen den Kampf noch intensiviert. Die mögliche Kandidatur von Vize-Präsident Joe Biden könnte für Hillary gefährlich werden. Doch Biden ist sich noch unsicher. Wie die Dinge derzeit aussehen, droht ihr von innen keine Gefahr mehr, Hillary könnte nur noch von außen zu Fall gebracht werden. Und darauf hoffen die Republikaner, sie halten Skandale und Skandälchen von Hillary aus den letzten 25 Jahren in der aktuellen Debatte.

Donald Trump ist Jesus

Donald Trump liebt alle. “I love the Chinese people, great people”. “I love the Mexican people. A lot of terrific Mexicans are working for me”. “The Russians. Great people”. Donald Trump hat ein offenes Herz für die Völker dieser Erde. Egal, ob er da mit Krieg, Wirtschaftssanktionen oder Mauern droht, die andere für die Amerikaner zahlen sollen. Trump ist eigentlich der kaptitalistische Jesus, der nun Präsident werden will.

Donald Trump hat derzeit gut Lachen. Foto: AFP.

Donald Trump hat derzeit gut Lachen. Foto: AFP.

Gestern habe ich mir mal wieder eine Wahlkampfrede und ein langes Schmuseinterview mit ihm auf FOXNews angesehen. Trumps Haarwelle lag perfekt, die Lippen ganz spitz berichtete er von all seinen guten Taten, seinen Erfolgen als Geschäftsmann, seinen Kontakten rund um die Welt, die er natürlich nutzen werde, wenn er erst einmal im Weißen Haus sitzt. Und wenn man ihm zuhört, dann versteht man, warum viele Amerikaner, oder viele republikanische Wähler ihn mögen. Trump war und ist erfolgreich. Er hat ein Milliardendollarvermögen angehäuft, viele Geschäftsideen erfolgreich umgesetzt. Seine Art Kontrolle zu übernehmen, ein vielgepriesener “Leader” zu sein, demonstrierte er für alle sichtbar auch in seiner NBC-Sendung “The Apprentice”. Und dann ist da der Donald, dem niemand den Mund verbietet. Er redet Klartext, kümmert sich nicht um politische Korrektheit, um das, was politisch umsetzbar oder nur ein Hirngespinst ist. Trump sagt das, wie ihm gerade ist. Er ist der Gockel auf dem Hof, der da auf dem Misthaufen steht und einfach mal kräht. Alle hören ihm zu und richten ihren Tag nach ihm aus.

Man sollte also Trump langsam ernst nehmen, gerade auch, wenn man ihn, wie das viele Wähler tun, mit den anderen Kandidaten vergleicht. Donald Trump legt einen Lebenslauf vor, mit dem er hausieren geht. Erfolg, Milliardendollarvermögen, gute Kontakte in alle Welt. Ihm gegenüber stehen Kandidaten, Berufspolitiker, die eigentlich noch nicht viel im Leben geschafft haben. Entweder haben sie einen berühmten Namen, wurden vom politischen Establishment der Partei nach vorne gepusht oder werden von reichen Geldgebern im Hintergrund finanziert.

Die Amerikaner lieben Underdogs, gerade, wenn sie selbstbewusst und mit einer Art “American Dream” Vision auftreten. Und genau das macht Trump. In den letzten Wochen hat der Donald gezeigt und bewiesen, dass man ihn weder totschweigen noch übergehen kann. Er bleibt erst einmal im Rennen und wird auch weiterhin mit seinem Gekrähe die politische Debatte mitbestimmen.

Das Erbe Obamas

Heute wird die US Fahne in Havanna gehisst. Damit wird nach 50 Jahren wieder die amerikanische Botschaft in Kuba eröffnet. Ein mehr als symbolischer Akt, der aber auch für die Politik Barack Obamas steht. So langsam, am Ende der Ära Obama, wird immer mehr deutlich, was dieser Präsident geleistet hat. Vor allem, was Barack Obama gegen den erklärten Widerstand der Republikaner erreicht hat.

Foto: AFP

Foto: AFP

Obama wurde von Anfang an von den Republikanern nicht ernst, nicht für voll genommen. Aus welchen Gründen auch immer. Manche Kommentatoren meinten, die offenen Ablehnung habe etwas mit der Hautfarbe zu tun. Andere erklärten, Obama sei zu “europäisch”, zu “sozialistisch”. Egal, was er auch anfing, es wurde blockiert, kritisiert, bekämpft.

Doch Obama hat viel erreicht. Eine Gesundheitsreform, die sich zwar noch einspielen muss, doch sie ist da und auch von den obersten Richtern im Land abgesegnet. Eine Umwelt- und Außenpolitik, die sich sehen lassen kann. Ansätze für eine verbesserte Sozial- und Arbeitsmarktpolitik. Obama, den viele Konservative und vor allem die Kommentatoren auf FOXNews noch immer als schlechtesten Präsidenten in der Geschichte der USA abtun, genau dieser Obama hat dem Land seinen Stempel aufgedrückt. Und ja, das alles muß man aus einer amerikanischen Perspektive aus betrachten.

Bei den nächsten Wahlen geht es auch darum, ob Amerika diesen Weg weiter gehen wird. Mit Hillary Clinton im Weißen Haus werden die Grabenkämpfe zwischen Republikanern und dem “White House” fortgeführt. Die politische Opposition würde dann die Skandale und Skandälchen der Clintons im Rampenlicht halten, um alles zu beschädigen, was Hillary anstellt. Doch Hillary Clinton scheint die richtige Kandidatin zu sein, um sich diesem Druck entgegen zu stellen. Sie ist erfahren, hat eine dicke Haut, läßt sich nicht leicht aus der Ruhe bringen und vor allem ist sie mit allen Wassern gewaschen. Seit 25 Jahren versuchen die Republikaner die Clintons ins Abseits zu drängen. Vergeblich. Hillary Clinton könnte eine dritte und vierte Amtszeit für Barack Obama bedeuten. Es könnte ein Gewinn für die USA werden.

So etwas wie Spannung

Die Republikaner treten sich im Vorwahlkampf auf die Füße. Weit über 30 Kandidaten sind im Rennen, 16 davon bekannt und mit einer Chance, zehn von ihnen debattierten am vergangenen Donnerstag. Donald Trump führt nach wie vor in den Umfragen, dahinter hat sich alles etwas aufgemischt. Mal kommt Jeb Bush nach vorne, dann wieder Scott Walker oder Ben Carson. Trump zieht derzeit bei der Tea Party Fraktion, die seine klaren und deutlichen Worte, gerade in Bezug auf die Grenzsicherheit lieben. Trump sagt, was rund 20 Prozent in der Partei denken. Seine Skandale und lockeren Sprüche, die mal etwas rassistisch mal ein wenig sexistisch sind, schrecken diese amerikanischen Patrioten nicht ab.

Bernie Sanders "belästigt" Hillary Clinton in den Umfragen. Foto: AFP.

Bernie Sanders “belästigt” Hillary Clinton in den Umfragen. Foto: AFP.

Doch diese 20 Prozent werden am Ende nicht reichen. Donald Trump wird weder der Kandidat der Republikaner, noch hat er als Independent Kandidat eine Chance das Rennen zu machen. Einer der derzeit hinter ihm liegenden wird die Krone der Partei bekommen und sich in den Vorwahlen durchsetzen. Das gewaltige Kandidatenfeld wird sich in den kommenden Monaten noch deutlich lichten. Denn dem einen fehlt das Geld, dem anderen die nötige Durchschlagskraft, um überhaupt noch in den Umfragen wahrgenommen zu werden.

Anders bei den Demokraten, da scheint alles gelaufen zu sein. Wären da nicht ein paar Medienvertreter, die Scheinerfolge des durchaus überzeugenden Bernie Sanders zu einer Überraschung aufblasen und schon den Fall der Überdemokratin Hillary Clinton voraussagen. Jüngst geschehen nach einer Umfrage in New Hampshire, als 442 (!) potenzielle demokratische Wähler befragt wurden und danach Bernie Sanders mit 44-37 Punkten vor Hillary Clinton lag. Der Boston Herald titelte danach “Bernie overtakes Hillary in N.H.” Von einem Überholen kann keine Rede sein. Hier wird künstlich ein Zweikampf beschrieben, den es so nicht gibt.

Hillary Clinton ist und bleibt die Kandidatin der Partei, auch wenn viele lieber jemand anderes sehen würden. Doch an ihr kommt in diesem Wahlkampf keiner vorbei – weder bei den Demokraten noch bei den Republikanern.

Bye-Bye Texas Ricky

Sag zum Abschied leise Servus. Rick Perrys Wahlkampf ist vorbei. Foto: AFP.

Sag’ zum Abschied leise Servus.  Foto: AFP.

Anfang August schrieb ich schon davon, nun ist es wohl auch offiziell. Der ehemalige Gouverneur von Texas, Rick Perry, streicht die Segel. Nachdem Perry es nicht geschafft hatte, den offiziellen “Cut” für die erste Fernsehdebatte von FOXNews zu machen, war klar, das Ende ist nah. Nun wurde bekannt, dass Rick Perry seine Mitarbeiter in der Wahlkampfzentrale in Austin und in einigen Büros in den verschiedenen Bundesstaaten nicht mehr zahlen kann. Den Mitarbeitern stehe es frei, sich einen neuen Job zu suchen. Die Spenden wurden immer weniger, derzeit fließt so gut wie gar kein Geld mehr in sein PAC, sein Political Action Committee. Zwar erklärte ein Sprecher, die meisten Perry Unterstützer arbeiteten auch weiterhin für das große Ziel, Rick Perry for President, aber das ist wohl nur ein Wunschtraum.

Rick Perry, der bereits vor vier Jahren sang und klanglos unterging, hoffte auf eine zweite Chance. Er bereitete sich seit Jahren vor, änderte sein Aussehen und sein Auftreten, informierte sich über die Innen- und Außenpolitik und plante einen texanischen Wahlkampf zu führen. Er als längster und erfolgreicher Gouverneur des Lone-Star-State glaubte wirklich, seine politische Botschaft kommt an.

Doch Perry konnte zu keinem Zeitpunkt aus dem Schatten der anderen Kandidaten heraustreten. Mit 16 bekannten Namen im Rennen, darunter einige “Heavy Weights” der Partei, und den ständigen direkten Attacken von Donald Trump, der Perry riet, erst einmal einen Intelligenztest machen zu lassen, ging der Texaner unter. Nun also das endgültige und frühe Aus. Rick Perry wird nun wohl einen Job in der texanischen Ölindustrie annehmen. Damit kann er zumindest mehr Geld machen, als als President of the United States of America.

Hillary und ihr la-la Wahlkampf

Hillary Clinton ist derzeit ganz gelassen. Foto: AFP.

Hillary Clinton ist derzeit ganz gelassen. Foto: AFP.

Für was steht eigentlich Hillary Clinton, die zur Zeit entspannt und lächelnd durch die Lande reist? Auf ihrer Wahlkampfwebseite sind vier Punkte angegeben, die für sie zentral sind. Unter “The Four Fights” findet man; “Building an economy for tomorrow”, “Strengthening America’s Families”, “Defending America and our core values” und “Revitalizing our democracy”. Nun frage ich mich, welcher Kandidat im Rennen eigentlich nicht für eine zukunftsfähige Wirtschaft, ein familienfreundliches und sicheres Amerika und eine Demokratisierungsreform der USA sein kann. Ich glaube, das würden sogar die republikanischen Kandidaten unterschreiben.

Hillary Clinton führt einen thematischen Wahlkampf von gestern. Ihre politischen Eckpunkte werden mit allerhand patriotischen Verklausulierungen angereichert. Das soll also ihr Programm für Amerika und all der anstehenden Probleme sein! Wie sie so eine Einigung des tief gespaltenen Landes schaffen will, ist eine ganz andere Frage. Hillary Clintons Zenit ist bereits seit langem überschritten, und doch ist sie die einzige Kandidatin der Demokraten. Der Name Clinton zieht einfach noch immer. Mit der katastrophalen Lage in der republikanischen Partei und einem Kamikaze Donald im Rennen, sieht auch noch alles nach einer Präsidentin Hillary Clinton aus. Die Aussichten sind so oder so nicht so gut.

Die Handgranate in der Partei

Alle sind doof, nur ich nicht, scheint Donald Trump hier zu sagen. Foto: AFP.

Alle sind doof, nur ich nicht, scheint Donald Trump hier zu sagen. Foto: AFP.

Die Washington Post brachte es auf den Punkt: “Donald Trump landete auf der republikanischen Bühne wie eine Handgranate”. Das sagt alles. Trump, ganz der Showman, bringt zur Zeit die Republikaner zur Implosion. Niemand scheint ihm in der Partei gewachsen zu sein und dennoch müssen seine Kontrahenten zugeben, dass er ein Gefühl für die Stimmung eines großen Teils der republikanischen Wähler hat. Trump provoziert, rechtfertigt, scheint unangreifbar und erklärt auch noch, falls die Partei nicht ihn als Kandidaten nimmt, es eben alleine, als Independent, zu machen.

Die anderen Kandidaten fallen kaum auf auf dieser Bühne. Alles konzentriert sich auf Donald Trump, wartet auf seine Reaktionen und Provokationen. Und der Donald liefert immer und immer wieder. Er schimpft über die politische Korrektheit in den USA, man könne sich nicht um die Wortwahl sorgen, wenn Terroristen Amerikanern die Köpfe abschlagen. Die Probleme seien zu groß, um sich darum zu kümmern, ob man in einer politischen Auseinandersetzung einem anderen auf die Füße tritt. Und die Amtszeit von Jeb Bushs Bruder George W. Bush war schrecklich, denn der habe am Ende Obama gebracht.

Es gab ein paar Ansätze auch über Inhalte zu diskutieren. Über das amerikanische Sozialnetz, über Sicherheitspolitik, aber so richtig Zeit und Raum war dafür nicht. Die nächste Debatte steht bereits fest, am 16. September geht es weiter. Interessant wird in den kommenden Wochen sein, wie die Republikaner auf den Trump Faktor reagieren, denn lange kann die Partei das nicht mehr aushalten, wenn sie überhaupt eine Chance gegen Super-Hillary haben will.

 

Der Nichtwahlkampf der Demokraten

Alles läuft auf Hillary hinaus. In den innerparteilichen Umfragen führt sie mit fast 60 Prozent unangefochten. Traumzahlen im Vergleich zum politischen Wahlzirkus der Republikaner, bei dem der Frontrunner Donald Trump noch nicht einmal 20 Prozent in den Umfragen erreicht. Doch in der demokratischen Partei sind nicht alle mit der Überdemokratin zufrieden. Und erst recht nicht mit den anderen Alternativkandidaten. Sie haben, um es milde auszudrücken, schon verloren. Aus diesem Grund werden derzeit Namen gehandelt, um überhaupt so etwas wie einen Vorwahlkampf in Gang zu setzen. Sogar der Clinton Kritiker und Starbucks Vorstandsvorsitzender Howard Schultz wird bereits von Demokraten bedrängt, ins Rennen einzusteigen. Er als politischer Außenseiter und erfolgreicher Unternehmer wäre für einige in der Partei eine ernstzunehmende Alternative zu Super-Hillary.

Joe Biden soll es eventuell noch richten. Foto: AFP

Joe Biden soll es eventuell noch richten. Foto: AFP

Doch der 62jährige ziert sich noch. Sowieso fliegen derzeit wilde Meldungen durch die politische Landschaft. Von wem sie genau gestreut werden, ist nicht zu erkennen. Ob von Demokraten selbst oder von den Republikanern, die von ihrem eigenen Chaos Wahlkampf ablenken wollen.

Wie es heißt, wird auch auf Vize-Präsident Joe Biden eingeredet, dass er für eine Kandidatur bereit sein sollte. Es heißt, Biden und seine Familie hätten auch schon mit Wahlkampfstrategen gesprochen, ob so etwas überhaupt Sinn machen würde. Doch offiziell ist das nicht. Biden hat bislang dazu nichts gesagt. Vielmehr hofft man bei den Demokraten darauf, dass Joe Biden zur Verfügung steht, falls es doch noch Probleme für Hillary Clinton geben sollte. Die EMail Affäre, Benghasi, die Clinton Stiftung, all das könnte zu einer politischen Implosion ihrer Wahlkampfträume führen.

Könnte. Denn daran glauben und vor allem darauf hoffen eigentlich nur die Republikaner, die sich derzeit in “Walking Dead”-Manier die Köpfe einschlagen. Und wer auch immer am Ende aus diesem Massenboxen als Sieger hervorgehen wird, verwundbar mit deutlichen blauen Flecken, der wird sich einer frisch ausgeruhten Schwergewichtlerin gegenüber sehen, die nur darauf wartet, ihre “Punches” zu setzen. Die Wahl ist eigentlich schon entschieden, wenn Hillary es nicht selbst noch versaut.