558 Tote durch Polizeikugeln…so far!

Ein erneuter Fall. Wieder ein toter Afro-Amerikaner. Diesmal wurde ein unbewaffneter Schwarzer von einem weißen Campus Polizisten in Cincinnati erschossen. Wegen einer Lapalie, einem fehlenden vorderen Kennzeichen. Doch diesmal klagt der lokale Staatsanwalt auf Mord. Und erneut gibt es eine Diskussion, wie rassistisch die amerikanischen Polizeieinheiten sind.

Foto: AFP

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Die Statistiken zeigen ein klares Bild. 558 Menschen wurden in diesem Jahr (!) durch Polizeikugeln in den USA getötet. 534 Männer und 24 Frauen. Davon waren 468 mit einer “deadly weapon” bewaffnet, 57 waren unbewaffnet. Von all den Getöteten waren 274 Weiße, 140 Schwarze, 86 Hispanics und 20 “Andere”. Man kann diese Statistik nun lesen wie man will, auslegen wie man will, analysieren wie man will. Eines steht fest, Afro-Amerikaner sind im Bezug auf die Gesamtbevölkerung häufiger betroffen, als Weiße. Aber das sind sie auch im Strafvollzug, bei Schulabgängern, bei Obdachlosen.

Diese Statistik der tödlichen Schüsse durch Polizisten belegt eigentlich nur eines. Und zwar, dass Amerika ein grundlegendes Problem hat. Es gibt eine Schieflage in der Gesellschaft, die auch 50 Jahre nach der Bürgerrechtsbewegung noch nicht behoben ist. Und seien wir mal ehrlich, wohl auch nicht zu beheben sein wird, gewollt oder ungewollt. Die Mär vom “American Dream”, vom Hocharbeiten, vom Tellerwäscher zum Millionär ist so gegenwärtig und so falsch wie seit langem nicht mehr. Das wird in diesen Tagen, Wochen und Monaten offensichtlich. Das steht hinter diesen trockenen Statistikzahlen.

Es ist allerdings kein Schwarz-Weiß Bild, das man hier ansetzen kann, also hier die schwarzen Opfer, dort die weißen Täter. Wer so denkt, kommt zwar zu einem Ergebnis, doch zu keiner Lösung. Allerdings will man in den USA auch keine ernstzunehmenden Lösungsvorschläge, das zeigt die Debatte um Waffenbesitz und – gewalt nur zu gut. Selbst der gegenwärtige Wahlkampf macht deutlich, dass es um eine inhaltliche Diskussion schon lange nicht mehr geht. Tödliche Statistiken hin oder her. Es ist eine platte Phrasendrescherei, die am Ende zu nichts führen wird.

Der republikanische Donnerstagabend

Am 6. August ist es so weit. Die erste Fernsehdebatte der republikanischen Kandidaten steht an. Abends um 21 Uhr Ostküstenzeit werden dann die Top Ten Kandidaten in den Umfragen gegeneinander antreten. Zu diesem Zeitpunkt sind es: Donald Trump, Jeb Bush, Scott Walker, Marco Rubio, Ted Cruz, Rand Paul, Mike Huckabee, Ben Carson, Chris Christie und Rick Perry. Diese Gruppe verspricht einiges an Sprengstoff und verbalen Angriffen. Allein Trump feuert ja schon seit Wochen seine Salven auf die Mitkonkurrenten ab. Der vom Donald stark angegangene Perry ballerte jüngst zurück. Und Mike Huckabee hat vor ein paar Tagen Barack Obamas Irandeal als “marching the Israelis to the door of the oven” beschrieben.

Es wird also ein unterhaltsamer Abend mit zahlreichen Tiefschlägen werden, wenn die Kameras und Scheinwerfer angehen. Donald Trump, der derzeitige Frontrunner, wird gewohnt austeilen, um seine Position zu festigen. Auf klare, inhaltliche Aussagen wird man bei dieser von FOXNews live übertragenen Debatte jedoch lange warten müssen.

Doch es sind ja noch mehr Kandidaten im republikanischen Splitterzirkus dabei. FOXNews hat nun Gnade walten lassen und eine zweite Veranstaltung angesetzt. Der Rest der Möchtegernpräsidenten, die es bislang nicht in die vordere Spitzengruppe geschafft haben, dürfen nun am gleichen Abend schon ab 17 Uhr Ostküstenzeit vor die Kameras treten, quasi als Einstimmung für das Hauptevent danach. Mit dabei sind John Kasich, Rick Santorum, Bobby Jindal, Carly Fiorina, George Pataki und Lindsey Graham. Diese Kandidaten haben zumindest ein Prozent in den Umfragen geschafft.

Doch das sind noch lange nicht alle republikanischen Kandidaten fürs Weiße Haus 2016. 18 weitere eher unbekannte Namen stehen zur Wahl, die man aber zumindest einmal erwähnen sollte. Da sind Skip Andrews, George Bailey, Michael Bickelmeyer, Kerry Bowers, Dale Christensen, Brooks Cullison, John Dummett, Jr., Mark Everson, Jack Fellure, Jim Hayden, Chris Hill, Michael Kinlaw, K. Ross Newland, Esteban Oliverez, Michael Petyo, Brian Russell, Jefferson Sherman, Shawna Sterling. Diese Gruppe von Republikanern wird am Donnerstag nicht mit von der Partie sein. Daneben gibt es keine Interviews im Fernsehen, Rundfunk und Print. Aber es zählt wohl der olympische Gedanke, dabei sein ist alles.

34 Republikaner wollen also Präsident werden. Allein diese Zahl zeigt schon, in welchem Zustand die Partei ist. Eine Frage muß also gestellt werden, wird ein möglicher republikanischer Präsident überhaupt die eigenen Reihen hinter sich haben, um regieren zu können?

Nicht gerade präsidial

"Ich sag doch nur, was ich denke", scheint Mike Huckabee hier zu sagen. Er vergleicht den Nukleardeal mit dem Iran mit den Gasöfen der Nazis. Foto: AFP

“Ich sag doch nur, was ich denke”, scheint Mike Huckabee hier zu sagen. Er vergleicht den Nukleardeal mit dem Iran mit den Gasöfen der Nazis. Foto: AFP

Der eine ist der wohl größte Selbstdarsteller im amerikanischen Show- und Politzirkus. Der andere vergleicht einen international ausgehandelten Deal mit dem Iran mit dem Holocaust (“marching the Israelis to the door of the oven”). Noch einer kandidiert auf der Plattform, dass er die Gewerkschaften in seinem Bundesstaat platt gemacht hat. Und dieser dort hat einfach den richtigen Namen für eine Präsidentenwahl. Dann ist da noch ein Texaner, der vor vier Jahren kläglich versagt hat und nun mit Brille, schlauen Sprüchen und einem ständigen Schulterklopfen die Nummer eins werden will. Und da sind noch so ein paar weitere, die eigentlich alles besser können als der Amtsinhaber, doch vor allem durch ihre große Klappe auffallen.

Der republikanische Wahlkampf in den USA ist ein Trauerspiel. Keiner der Kandidaten ist auch nur annähernd dafür geeignet ins Weiße Haus einzuziehen. Als jemand, der in den USA lebt, arbeitet und Steuern zahlt wird es einem ganz angst und bange bei der Aussicht eines GOP Präsidenten. Das liegt zum einen an den Kandidaten selbst, die über twitter und in vorgekauten Kurzaussagen Schlagzeilen für einen Medienkrieg liefern. Zum anderen an dem amerikanischen Wahlkampfzirkus, der schon im vollen Gange ist, und das eineinhalb Jahre vor dem eigentlichen Urnengang.

Es geht nicht um Inhalte, es geht zu diesem Zeitpunkt nur ums Auffallen. Allen voran Donald Trump, der tagtäglich tönt und damit in den Umfragen vorne liegt. Sogar bei den Wählern in den ersten Vorwahlstaaten Iowa und New Hampshire. Trump wird bei der ersten Fernsehdebatte am 6. August von allen Seiten hart rangenommen werden. Das steht fest, das kündigen alle an. Aber ob da Sprüche, wie die des Texaners Rick Perry helfen, der Trump einfach als “Krebsgeschwür in der Partei” ausgemacht hat, helfen, sei dahingestellt. Perry selbst ist nämlich nicht viel besser. Donald Trump verkauft sich als Außenseiter, erfolgreicher Geschäftsmann, der endlich einmal Klartext spricht. Und das kommt bei einem Teil der Republikaner an. Gerade beim sehr aktiven und lautstarken Tea-Party Kreis.

Das Feld der GOP Kandidaten ist mehr als voll. Und das zeigt vor allem, dass die Partei gespalten ist. Keiner will sich hinter einen anderen Kandidaten stellen und diesen unterstützen. Vielmehr will man selbst das Rennen machen. Um dabei überhaupt wahrgenommen zu werden, muß man provozieren, wie Trump oder nun eben auch Mike Huckabee, der den Irandeal mit den Gasöfen der Nazis vergleicht. Die Juden würden bei diesem Deal mal wieder verheizt, so die Aussage Huckabees. Und der Ex-Gouverneur von Arkansas bleibt bei seiner Aussage. Nichts wolle, nichts brauche er da zurück nehmen. Krass, ein Schocker und er ist auf den Frontseiten der amerikanischen Medien. “Any News are good News”. Von einem umsichtigen und weitsichtigen, einem diplomatischen und feinfühligen Präsideten ist in den GOP Reihen also keine Spur zu finden. Derzeit gleicht die Partei eher einer Elefantenherde im Porzellanladen.

“You’re fired Radio Goethe Man”

Politische Berichterstattung ist oftmals zäh und langweilig. Das hoch drei sind Wahlkämpfe. Man versucht eigentlich ständig über nichts zu schreiben, über Nullaussagen, Versprecher, Reaktionen. Und dann ist da Donald Trump, ein Egozentriker, ein Selbstdarsteller, ein von sich so eingenommener Egomane, der einfach alles besser weiß und auf alles eine Antwort kennt. Ich bin mir sicher, Donald Trump würde sogar mir sagen, ich hätte keine Ahnung von der deutschen Musikszene und sollte es sein lassen: “You’re fired Radio Goethe Man”.

Trump legt sich derzeit mit allen und jedem an. Keiner in seiner Partei und darüberhinaus ist vor seinen verbalen Ausbrüchen sicher. Das verspricht einen ungemeinen Unterhaltungseffekt, den man so noch nie im amerikanischen Wahlkampf erlebt hat. Trump teilt aus: Der Texaner und frühere Gouverneur Rick Perry sollte erst einmal einen IQ Test machen bevor er als Kandidat zugelassen wird, denn er verstehe bestimmte Begriffe gar nicht. Arizonas Senator und die graue Eminenz in der Partei, John McCain, sei verrückt und habe keine Ahnung von Politik. Jeb Bush sei eine Null, die nur einen bekannten Namen habe und auf keinem Fall Präsident werden dürfe. Der Ex-George W. Bush Berater, Karl Rove, sei ein unfähiger “Clown”, den FOXNEws einfach nicht mehr als Kommentator einladen solle.

Trump liebt das twittern. In kurzen knappen Sätzen versprüht er sein Gift auf seine innerparteiligen Konkurrenten, verbreitet seine politische Ziele vom Mauerbau, einer starken US Armee, Wirtschafts- und Außenpolitik und liebt es sich hier selbst zu beweihräuchern. Der Milliardär mit der eigenwilligen Haartolle ist das Schicksal der republikanischen Partei. Die Demokraten müssen derzeit überhaupt keinen Wahlkampf führen, denn Trump macht ihn für sie. Er hat eine unvergleichgliche Medienpräsenz, denn jeder weiß, der Donald hält nicht zurück, das schafft Freude, Stimmung und gute Einschaltquoten. In den Umfragen unter republikanischen Wählern steigt und steigt er, derzeit hat er sich sogar etwas vom breiten Feld mit rund 17 Prozent abgesetzt.

Falls Donald Trump noch länger im Rennen bleiben sollte, und das ist sehr stark anzunehmen, ist der Wahlkampf schon ein Jahr vor dem eigentlichen Termin im November 2016 entschieden. Trump trampelt wie ein Elefant durch den politischen Porzellanladen und hinterlässt eine Spur der Verwüstung. Von einer geeinten Partei, die regierungsfähig ist, sind die Republikaner meilenweit entfernt. Genau das führt uns Trump in diesen Tagen vor Augen. Der Wahlkampf ist Showbusiness. Von inhaltlichen Debatten will man nichts wissen, Stellung bezogen wird auf Twitter. Und keiner kann das besser als Donald Trump. Er ist als selbsternannter Heilsbringer, als Retter Amerikas in dieses Rennen eingestiegen. “I’m the man” und niemand kann und darf neben ihm bestehen bleiben. Donald Trump wird sicherlich nicht der Kandidat der Republikaner werden, doch er setzt alles daran, dass nach ihm nur verbrannte Erde bleibt. Nicht für den eigentlichen politischen Gegner, sondern für die eigene Partei.

Das große Geld wartet

Nun also auch Scott Walker. Der Gouverneur aus Wisconsin will Präsident werden. Schon seit langem ist er in den Umfragen vorne mit dabei, obwohl noch nichts offiziell war. Doch die Koch Brothers hatten schon hinter den halb geöffneten Kulissen Wahlkampf geführt. Die erzkonservativen Milliardäre erklärten, dass sie im kommenden Wahlkampf fast eine Milliarde Dollar ausgeben wollen. Und ein Großteil wird auf “ihren” Kandidaten, Scott Walker, herab rieseln.

Walker machte sich zum Liebling der Superreichen in den USA, als er aggressiv und offen die Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes in seinem Bundesstaat anging und ihren Einfluss massiv beschränkte. Proteste und Demonstrationen halfen nichts, der 47jährige Scott Walker siegte und konnte sich auch in einer versuchten Abwahl behaupten. Seitdem ist er das Darling der Konservativen.

Scott Walker ist eigentlich der Kandidat im breiten republikanischen Feld, der die Partei nach einem blutigen Vorwahlkampf einen könnte. Wenn er ihn denn übersteht? Er ist kein Selbstdarsteller, wie Donald Trump. Kein politischer Erbe, wie Jeb Bush. Kein kläglich gescheiterter Kandidat, wie Rick Perry, der auf eine zweite Chance hofft. Walker ist jung, dynamisch, zielbewusst, redegewandt. Mit seinem Feldzug gegen die Gewerkschaften zeigte er, dass er keinem Kampf aus dem Weg geht. Mit ihm als Präsidenten hätten die Republikaner einen Mann im Weißen Haus, der die Uhren in vielerlei Hinsicht zurück drehen würde, eben auf GOP Zeitrechnung. Mindestlohn, Gesundheitsreform, Umweltgesetze, Steuergesetze… weg damit. Die Einwanderungs- und Sozialpolitik würde ganz neu ausgerichtet, die Außenpolitik auf amerikanische Interessen getrimmt, die militärische Aufrüstung wieder finanziert werden. Walker ist eigentlich der Wunschkandidat, der die Reihen im Kampf gegen Hillary Clinton schließen könnte. Und, wie die Ankündigung der Koch Brothers bereits zeigt, er würde genügend Geld im teuersten Zweikampf aller Zeiten mitbringen.

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Warum kandidiert eigentlich nicht Donald Duck?

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Der eine Donald tut dem anderen keinen Gefallen.

Der eine Donald tut dem anderen keinen Gefallen.

Aus gegebenem Anlass hier mal ein Audio-Beitrag zum amerikanischen Wahlkampfirrsinn. Donald Trump bestimmt derzeit die Diskussion. FOXNews zieht nah und hat sich auf die illegalen Einwanderer eingeschossen und vergisst dabei zu erwähnen – bewusst oder unbewusst – dass die löchrige Grenze im Süden der USA nicht erst seit dem Amtsantritt von Präsident Barack Obama durchlässig ist. Die aktuelle Debatte zeigt jedoch sehr deutlich, wie tief gespalten Amerika ist. Wer heute noch von “DEN” USA als eine Nation spricht, verkennt die Zeichen der Zeit. Und nichts wird sich daran ändern. Schon gar nicht mit dem Wahltermin im November 2016.

Donald, bitte bleib’ im Rennen!

Wenn das so weitergeht, dann habe ich echt genug zu schreiben und es bleibt einseitig, denn wer will schon über Lindsey Graham oder Ben Carson schreiben? Donald Trump hört einfach nicht auf und schlägt weiter wie ein wilder Derwisch um sich. Man muß sich schon fragen, ob da nicht irgendwer um ihn herum ist, der den Mut hat, dem Donald zu sagen “Junge, hör mal auf, es gibt auch noch andere Themen”.

Donald Trump hat was gegen Mexikaner.

Donald Trump hat was gegen Mexikaner.

Donald Trump hat nun eine dreiseitige Presseerklärung veröffentlicht, in dem er seinen Konflikt mit illegalen Einwanderern aus Mexiko noch etwas weiter auf die Spitze treibt. Wohin will er eigentlich, er ist doch schon oben auf dem Gipfel des unglaublichen Irrsinns? Trump erklärte nun: “Die mexikanische Regierung schiebt die unerwünschten Leute in die Vereinigten Staaten ab. Sie sind, in vielen Fällen, Kriminelle, Drogendealer, Vergewaltiger usw.”.

Klare Worte eines Präsidentschaftskandidaten, der nicht Präsident werden will. Hat ihm noch keiner gesagt, dass er ohne die Unterstützung der Latinos im Land nicht Präsident werden kann? Zumindest muß man Donald Trump zugute halten, dass er sich im Wahlkampf nicht verstellt. Er sagt das, was er denkt und meint. Keine Schönfärberei, keine hongisüßen Anbiederungen, man weiß, was man mit ihm bekommen würde. Einen Alptraum im Weißen Haus.

Ich bin nur froh, dass Donald Trump so ein großes Ego hat, es wird in den nächsten Wochen und Monaten nicht langweilig. Und ich bin froh, dass ich noch einen deutschen Pass habe, denn falls alles schief läuft und der Donald sich doch am Ende durchsetzen sollte, es gibt einen Ausweg: einen Direktflug SFO – FRA!

 

 

Wollen wir wetten?

Ich sag es mal so, und das wird viele beruhigen, Donald Trump wird nicht amerikanischer Präsident. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und behaupte, Trumps Tage im Wahlkampfzirkus sind gezählt. Auch wenn er in den Umfragen unter republikanischen Wählern derzeit auf Rang 2 liegt, mit sage und schreibe 10 Prozent (!), Trump hat sich in all seiner Überheblichkeit und Arroganz zu weit aus dem Fenster gelehnt. Derzeit erlebt er einen freien Fall.

Donald Trump ist der beste Wahlkämpfer für Hillary Clinton.

Donald Trump ist der beste Wahlkämpfer für Hillary Clinton.

Am Wochenende zitierte er auf Twitter einen anderen Nutzer, der erklärte, Jeb Bush sei nur deshalb so lax gegenüber illegalen Einwanderern aus Mexiko, weil seine Frau selbst aus Mexiko stamme. Nach 24 Stunden wurde der Trump Tweet zwar vom Trump Team gelöscht, aber der Schaden war nicht mehr gut zu machen. Donald Trump, der in seiner Ankündigung Präsident zu werden, ankündigte, entlang der mexikanischen Grenze eine Mauer bauen zu lassen, die auch noch von Mexiko bezahlt werden würde, weil vom südlichen Nachbarn vor allem Mörder und Vergewaltiger kämen, hat jedes Maß verloren. Trump ist davon überzeugt im Recht zu sein, er sieht sich als unangreifbar, glaubt, er kann den Ton in diesem Wahlkampf bestimmen. Er greift auf breiter Flur an, teilt verbal gegen seine Mitkonkurrenten um die Kandidatur der GOP aus. Nur wenige von ihnen melden sich zu Wort, trauen sich ihn offen zu kritisieren, und das aus gutem Grund. Der Milliardär Trump war in den letzten Jahren großer Geldgeber für den einen oder anderen Kandidaten, für dessen Projekte und Ziele.

Nun aber wird klar, dass Donald Trump die Wahl entscheidet. Zugunsten der verhassten Hillary Clinton, die eigentlich gar nichts machen muß, ausser sich unters Volk zu mischen, Kaffee zu trinken und Donuts zu essen. Trump richtet es schon, richtet seine eigene Partei, führt sie zum Schafott. Denn seine Äußerungen gegen Mexikaner und seine anschließenden rechthaberischen Erklärungsversuche, dazu die etwas gezwungen wirkende Reaktion aus der republikanischen Partei, zeigen eines, die Republikaner sind nicht offen für eine der wohl wichtigsten Wählergruppen in den USA – die Latinos.

Donald Trump hat, so scheint es nun, schon frühzeitig die Wahl entschieden. Sein Rundumschlag wurde zum Tiefschlag, von dem sich wohl keiner der Kandidaten seiner Partei mehr erholen wird. Auch dann nicht, und das ist stark anzunehmen, wenn sich Donald Trump in absehbarer Zeit als Kandidat zurückziehen wird. Wahrscheinlich wird er dann erklären, seine Geschäfte leiden unter der Doppelbelastung Kandidat und Immobilienmogul. Klar, ein Donald Trump würde nie zugeben, dass er totalen Bockmist gebaut hat. Dazu ist der schillernde Donald nicht groß genug.

Das Land der Mörder und Vergewaltiger

Donald Trump sieht sich mal wieder im Recht.

Donald Trump sieht sich mal wieder im Recht.

Spiegel Online schreibt “Es wird einsam um Donald Trump”. Hm, irgendwie habe ich das nicht mitbekommen. Zwar ist die Aufregung groß, dass Trump in seiner Präsidentschaftsankündigung die Mehrheit der illegalen Einwanderer aus Mexiko als Mörder und Vergewaltiger bezeichnet hat. Der Latino Sender “Univsion” kündigte daraufhin die Zusammenarbeit mit dem Milliardär und ließ erklären, “Univision” werde nicht die Miss Universe Wahl übertragen. Trump, ganz Geschäftsmann, kündigte umgehend eine 500 Millionen Dollar Klage an. Auch das Warenhaus Macy’s trennte sich von seiner Donald Trump Klamottenmarke. Und NBC beendete die Zusammenarbeit mit dem Reality-TV Star.

Das waren so die Reaktionen, die man erwarten konnte. Klar, auch in der “Daily Show” von Jon Stewart und in Kommentaren wurde der Donald zurecht angegangen. Aber auch das war zu erwarten. Überraschend ist vielmehr, wie ruhig es in den eigenen Parteireihen blieb. Ein paar der Kandidaten für die republikanische Nominierung, zeigten Trump zwar den Zeigefinger “Du, Du, Du…sowas sagt man aber nicht”, damit war die Sache auch gegessen, abgehakt, neues Theam. Der Großteil seiner innerparteilichen Konkurrenten hüllte sich allerdings in Schweigen. Aus gutem Grund, denn Donald Trump stieg nach seinem verbalen Tiefschlag in den Umfragen. Lag er vorher bei gerade mal 3 Prozent und im hinteren Teil des Kandidatenfeldes, stieg der Donald anschließend in der Gunst der republikanischen Wähler auf Platz 2 und gilt nun als ernstzunehmender Kandidat. Er sei einer, so die republikanische Basis, der sich für die Grenzsicherheit einsetzt, eine Mauer bauen will und kann, klare Worte spricht und sich nicht einschüchtern läßt.

Als am Mittwoch in San Francisco eine 32jährige Frau am Pier 14 erschossen wurde, sah sich Donald Trump auch noch bestätigt. Der mutmaßliche Täter, Francisco Sanchez, war zuvor fünfmal (!) als illegaler Einwanderer nach Mexiko abgeschoben worden. Zuletzt sass er im März im Gefängnis von San Francisco und wurde trotz Überstellungsantrag der Einwanderungsbehörde INS aus der Haft entlassen. San Francisco ist bekannt dafür, nicht mit den Bundesbehörden zusammen zu arbeiten. Diesmal ging diese Einstellung nach hinten los, eine junge Frau starb durch die Kugeln eines illegalen und mehrfach abgeschobenen Einwanders, der nach seiner Verhaftung erklärte, er  habe “nur” auf Seelöwen im Wasser geschossen. Die Stadt kann nun mit einer Millionen Dollar schweren Privatklage rechnen.

Und das liberale San Francisco gab Donald Trump eine Steilvorlage im Wahlkampf. Der sah sich durch diese Nachricht von der Westküste in seinen Behauptungen bestätigt und twitterte zuerst sein Beileid an die Familie von Kathryn Steinle, um dann nachzuschieben: “Wo sind nun all die anderen Kandidaten, nachdem dieser tragische Mord passierte, wegen der nicht gesicherten Grenze”….und dann: “Wir brauchen eine Mauer”.

 

 

Mach mir den Nader

Hillary Clinton will Präsidentin werden. Eigentlich steht schon fest, dass sie die Kandidatin ihrer Partei ist. Der Vorwahlkampf kann also abgehakt werden. Doch da ist einer im Rennen, der ihr da etwas in die Suppe spucken will. Senator Bernie Sanders, der als sozialistischer Demokrat beschrieben wird, ist sicherlich ein Außenseiter, doch einer, den man mehr als beachten sollte. Seit Ende April hat er 15 Millionen Dollar an Wahlkampfspenden eingesammelt. Und das nicht von finanzstarken Spendern, sondern von mehr als 250.000 Unterstützern. Bernie Sanders macht einen auf Ralph Nader, den Kandidaten der Grünen im Wahlkampf 2000.

Bernie Sanders will Präsident werden.

Vermonts Senator Bernie Sanders will Präsident werden.

Wurde der 73jährige Demokrat aus Vermont am Anfang noch belächelt, wird man im Clinton Lager langsam nervös. Denn wie auch im Gore Wahlkampf 2000 begeistert Sanders, wie damals Nader, eine breite und vor allem junge Gruppe von Unterstützern, die einen Basiswahlkampf führen können und führen wollen. Allein in Madison, Wisconsin, kamen am Mittwoch 10.000 Menschen zu einer Veranstaltung des Senators. Sanders ist der Außenseiter, der mit seinen Forderungen nach einem akzeptablen Mindestlohn und einer höheren Besteuerung von Wall Street Unternehmen gerade im linken Flügel der Partei punktet.

Hillarys Wahlkampf ist perfekt. Die Kandidatin hat ihre minutiös geplanten Auftritte. Ihre Stellungnahmen zu aktuellen Themen werden von einem Heer an Mitarbeitern ausgearbeitet. Geld spielt keine Rolle für die Wahlkampfmaschine Hillary Clinton. Und dann ist da Bernie Sanders, sein Haar wild, der Anzug zerknittert, er wirkt wie der nette Großvater. Doch genau das kommt an. Kein Styling, keine Selbstverleugnung, keine Warmduscherei. Ihm geht es um die Themen, die Message, das Absetzen vom demokratischen Establishment. Er stellt Forderungen, setzt sich ein für Mindestlohn und Umweltschutz, für einen sozialen Aufbruch in den USA, für höhere Steuern für diejenigen, die seit Jahrzehnten nicht zur Kasse gebeten wurden.

Bernie Sanders ist der der neue Ralph Nader. Ein Idealist, der sich nicht anpassen will und wird. Es ist erfrischend zu sehen, dass es in den USA noch Kandidaten gibt, die mit Sachkenntnis und Inhalten aufwarten. Und das in einem Wahlkampf, der bislang vor allem von dümmlichen Sprüchen und Geld, sehr viel Geld, bestimmt wird. Aber das wichtigste dabei ist, dass die Botschaft von Sanders ankommt. Die vielen Unterstützer zeigen, dass der Wille nach einem Wandel im amerikanischen Politzirkus groß ist. Bernie Sanders könnte mit seinem Basiswahlkampf Hillary Clintons perfekte Wahlparty noch gehörig stören. Und das wäre durchaus wünschenswert.