Da kriegt man Pickel

Nicht die Tapete macht mich wirr im Kopf.

Nicht die Tapete macht mich wirr im Kopf.

Ich sitze hier in meinem Hotelzimmer in Hargeisa, Somaliland, und mir wird angst und bang. Nein, da schießt niemand draußen, keine blutrünstigen Hundemeuten streunen die Straßen, keine Terrormilizen der Al-Shabaab wollen mir an die Wäsche. Hargeisa und Somaliland sind in diesen Stunden, Tagen und Wochen sicher. Was mir Sorgen bereitet ist was ganz anderes: Donald Trump spricht. CNN überträgt die Wirtschaftsrede des New Yorker Milliardärs aus dem „Economic Club in Detroit“. Und der amerikanische Nachrichtenkanal ist ja weltweit zu sehen. Ganz schlimm!

Donald Trump verspricht das Blaue vom Himmel und will die Uhren zurückdrehen. Steuererleichterungen für Unternehmen, die Energiewende wird wieder gewendet, Trump setzt auf Kohle und Atom und will Umweltschutzmaßnahmen außer Kraft setzen. Dazu Versprechungen an die Automobil- und die Stahlindustrie. Amerika werde wieder reich, so Trump, Jobs würden geschaffen werden und damit könne man die Infrastruktur erneuern, Familien finanziell unterstützen und überall im Land würden „Wolkenkratzer mit amerikanischem Stahl“ in die Höhe schießen. Das ist also Trumps Plan. Fast hätte er sogar noch gesungen. Und ich weiß nicht, ob ich froh oder traurig sein soll, weit weg zu sein.

Und nun die Analyse der CNN-Köpfe. Eine gut formulierte und durchdachte Rede soll das gewesen sein. Endlich, so heißt es, habe Trump konkrete Pläne vorgelegt. Wirklich? Das war kein politischer Plan, das waren leere Versprechungen eines machthungrigen und egozentrischen Kandidaten, der nun einen Ton anschlägt, um „präsidialer“ zu wirken. Wer soll, wer wird darauf hereinfallen?

Am falschen Ort zur falschen Zeit

Da sitze ich im sonnigen Somaliland, trinke somalischen Tee mit Kamelmilch, mache meinen Job, für den ich hier bin und denke mir, das war keine gute Zeitplanung. Natürlich beobachte ich auch von hier, was sich da jenseits des großen Wassers so tut. Tagtäglich lese ich meine Online-Ausgaben der Zeitungen, die ich für meine Arbeit nutze, verfolge Blogs und was ich so in den sozialen Medien finden kann. Und was lese ich? Daheim in den USA zerlegt sich Donald Trump gerade selbst.

Der US Wahlkampf wird auch in Somaliland verfolgt. Foto: Reuters.

Der US Wahlkampf wird auch in Somaliland verfolgt. Foto: Reuters.

Oh, welch‘ Wunder! Das war klar, dass es so weit kommen wird. Seit 16 Monaten tobt, beschimpft, brüllt, belügt, ja, verarscht Donald Trump die amerikanische Nation. Und klar, es grenzt an Fremdschämen, wenn man mitansehen muß, wie viele Amerikaner in Donald Trump den Retter des Abendlandes sehen. Wie viele ihn in den Vorwahlen gewählt haben, seine sinnlos vorgebrachten Verbalflachschüsse glauben. Das ist ehrlich peinlich. Ich bin in den letzten Wochenund Monaten nicht nur einmal gefragt worden, ob ich im Falle einer Trump-Präsidentschaft meinen amerikanischen Pass zurückgeben werde.

Doch ich hatte genau darauf gehofft, was nun passiert. Trump ist so von sich eingenommen, resistent für Kritik, Anmerkungen, Ratschläge, dass er im Endspurt zum Weißen Haus über seinen eigenen Egomanen-Schatten stolpert. Kein Tag vergeht, an dem er nicht in ein Fettnäpfchen tritt. Republikaner links und rechts suchen das Weite, nur raus aus dem Umfeld des Donald. Denn es scheint, Trump reißt nicht nur seine eigene Kampagne mit in die Tiefe, sondern auch die Partei, die ihm eigentlich egal ist.

In den Umfragen, auf die man eigentlich wenig geben sollte, sinkt der New Yorker Milliardär immer weiter. Nun liegt er deutlich hinter Hillary Clinton. Die müsste eigentlich nur noch abwarten und aufpassen, dass sie keinen Fehler macht. Trump richtet sich nämlich gerade selbst. Klar ist mittlerweile, dass viele in der Grand Old Party in den kommenden Jahren lieber die politische Auseinandersetzung mit Hillary Clinton wollen, als einen selbstverliebten und unvorbereiteten Donald Trump im Chefsessel. Und wenn ich sogar hier in Hargeisa, Somaliland, darauf angesprochen werde, was eigentlich in den USA los ist, dann zeigt das mir, dass jemand wie Donald Trump auf keinen Fall zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt werden darf.

(K)ein verrückter Demagoge für die USA

Ich bin wahrlich kein Fan von Hillary Clinton. Irgendwie wurde ich nie richtig warm mit ihr. Und das liegt noch nicht einmal an den Skandalen und Skandälchen, die die Clintons so hinter sich herziehen. Ich mag nicht ihre Art, ihren Ton, ihr Auftreten. Und dann hat sie oft genug ihr Fähnchen nach dem populistischen Wind ausgerichtet, auch nicht gerade etwas, was ich schätze.

Hillary Clinton steht sicherlich nicht für einen Neuanfang, sie wird sicherlich nicht das Land einen können, dafür ist sie zu sehr die Hassfigur weiter Teile der Republikaner und der Konservativen. Mit ihrer Präsidentschaft würde die Blockadehaltung der Republikaner im Kongress und Senat weitergehen, das Schmierentheater von FOXNews fortgeführt werden. Den USA ständen mit einer Präsidentin Hillary Clinton schwierige Zeiten bevor.

Doch dann schaue ich mir die Alternative an und die ist alles andere als überzeugend. Ein Milliardär, der einen Angstwahlkampf führt. Der anscheinend morgens aufwacht, in der Hoffnung, irgendwo sei wieder eine Bombe hochgegangen, habe ein Amokläufer ein Blutbad angerichtet, um diese grausamen Taten für seine Kampagne zu nutzen. Ein „Business Man“, der sich bislang wenig um Arbeitnehmerrechte kümmerte und nun lauthals erklärt, er würde Jobs schaffen, dabei gleichzeitig ankündigt, den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn außer Kraft zu setzen. Ein Xenophob, der zwar erklärt, er mache Geschäfte mit allen, aber die Grenzen der USA schließen will. Ein Mann, der seinen Wahlkampf über twitter mit 140 Zeichen führt. Mit Schlagzeilen und verbalen Tiefschlägen will er ins Weiße Haus einziehen.

Für mich hat Barack Obama in seiner gestrigen Rede auf dem Parteitag der Demokraten die aktuelle Situation genauestens und treffend beschrieben. Hillary Clinton ist sicherlich für viele nicht die Wunschkandidatin, doch Donald Trump ist keine Alternative dazu. Er setzt alles daran, die Grundfeste der USA zu vernichten. Auch wenn vieles in diesem Land nur Glanz und Schein ist, der Reichtum der USA liegt in der Vielseitigkeit, in der Offenheit, in der Akzeptanz des Andersseins. Amerika ist sicherlich nicht das gelobte Land, aber es darf nicht zum Königreich eines gefährlichen Demagogen werden.

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Ein Wahlkampf wie aus 1001 Nacht

Eigentlich fehlen in diesem Wahlkampf nur noch fliegende Teppiche, Flaschengeister und Sandstürme. Ansonsten ist eigentlich alles vorhanden, was man für eine schön-gruselige Märchenstunde für Erwachsene so braucht: Bösewichte und Unholde, Sex and Crime, Verleumdungen, Hinterzimmerabsprachen, Lug, Betrug und Heiterkeit. Wenn man so eine Geschichte in Romanform schreiben wollte, würde man dafür nie einen Verleger finden. Das beweist erneut, die besten Geschichten schreibt das Leben.

Nun also sollen die Russen den Email-Server der Demokratischen Partei geknackt haben. Ganz im Entenhausener Panzerknackerstil. Sowieso sind Putin und Trump ja gute Kumpels, auch die Chinesen und der nordkoreanische Pummelpräsident Kim Jong-un mögen Trump lieber als Hillary Clinton. Bei ihm wisse man, woran man sei, außerdem sei der Donald ja ein guter Geschäftsmann, heißt es aus Peking und Pjöngjang. Die Achse des Bösen kehrt also auf Umwegen heim.

Seit eineinhalb Jahren berichte ich über den Wahlkampf. Anfangs sah alles nach einem langweiligen Prozedere aus, Hillary Clinton gegen Jeb Bush. Doch dann ging es Schlag auf Schlag. Hüben wie drüben wurde begeistert gefochten, als Beobachter wußte man gar nicht mehr, wohin man blicken soll, über was man als nächsten berichten sollte. Nun die Parteitage, die den Endspurt zum Weißen Haus einläuten. Und in den USA fragen sich viele, sind das wirklich die beiden besten Kandidaten, die dieses reiche, farbenfrohe, vielseitige Land hervorbringen kann. Hillary Clinton ist keine gute Kandidatin und Donald Trump ist kein guter Kandidat. Wie war das noch mit den Geistern, die man rief? Das ist wohl die bittere Wahrheit Ende Juli 2016.

Ausgerechnet Trump präsentiert sich in seinen Werbespots und in seinen Auftritten als derjenige, der das Land wieder zusammenführen, der Gräben überwinden, Brücken bauen will. Und Hillary Clinton versucht die jungen Menschen im Land zu erreichen, gerade Hillary, die im Kampf gegen Bernie Sanders vieles in Frage stellte, was die Jung- und Neuwähler motivierte. Dieser Wahlkampf stellt alles auf den Kopf. Umfragen sind für die Tonne, beide Kandidaten werden, falls sie sich am Ende durchsetzen können, keine breite Basis in der Bevölkerung finden. Amerika nach 2016 wird ein noch gespalteneres Land sein, als es am Anfang dieser Kampagne war. Auch das ist eine bittere Schlußfolgerung aus diesem Wahlkampf.

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Der Ton macht es aus

Letzte Woche malten die Republikaner in Cleveland den Teufel an die Wand. Nach all den Redebeiträgen hatte ich das Gefühl, ich muss langsam doch mal meine Haustüre abschließen, denn anscheinend warten da draußen bewaffnete Übeltäter und Terroristen, um mich abzuknallen. Wenn man den Republikanern und allen voran Donald Trump Glauben schenken möchte, dann ist es nur eine Frage der Zeit, wann ich, unbewaffnet und naiv, zum Opfer werde. Krisen- und Kriegsgebiete habe ich überlebt, auch mehrere Aufenthalte im Drogenkartellsumpf von Ciudad Juarez, aber die USA scheinen die „Frontline“ im Krieg gegen alles und nichts zu sein. Und dann ist da Trump, der als starker Führer die Amerikaner vor ihrem Weltuntergang retten wird. Es wunderte mich schon, dass in der „Quicken Loans Arena“ nicht einige lautstark „Heil Donald“ riefen.

So ganz anders klingt es bei den Demokraten. Die hatten am Montag ersteinmal mit sich selbst zu kämpfen, denn nach dem Datenklau und den veröffentlichten Emails, in denen deutlich wurde, dass die Parteiführung sich schon frühzeitig auf Hillary Clinton festgelegt hatte, war erst einmal Rambazamba in Philadelphia angesagt. Die Bernie Sanders Anhänger protestierten lautstark und verlangten Konsequenzen. Und die Partei lieferte, u.a. damit, dass die Vorsitzende der Partei, Debbie Wasserman Schultz, mit sofortiger Wirkung ihren Job abgab. Das musste auch sein.

Und dann kam First Lady Michelle Obama auf die Bühne, danach Senatorin Elizabeth Warren und schließlich Bernie Sanders selbst. Es wurden innerparteiliche Brücken gebaut und Bernie zeigte seine wahre Größe in diesem Wahlkampf. Monatelang predigte er von der politischen Revolution, am Montagabend forderte er seine Unterstützer auf, Hillary Clinton zu wählen, denn der Gegner sei bei allen Kontroversen und unterschiedlichen Ansätzen nicht Clinton sondern Trump. Sanders führte auf, in welche Richtung sich die USA bewegen würden, wenn Trump ins Weiße Haus einziehen würde. Allein dieses Bild sollte viele davon überzeugen, dass im November mehr auf dem Spiel steht als nur ein gekränktes Ego. Und Bernie Sanders machte es vor. Nun ist es an der Partei selbst, die Reihen zu schließen und den Alptraum Donald Trump als Präsident zu beenden. Trump hat im Vorwahlkampf schon genügend Schaden angerichtet, nicht vorzustellen, was auf nationaler und internationaler Ebene passieren würde, wenn dieser Egomane im Oval Office Platz nimmt.

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Und nun blicken wir nach Philadelphia

Hillary Clinton soll in Philadelphia gefeiert werden. Foto: Reuters.

Hillary Clinton soll in Philadelphia gefeiert werden. Foto: Reuters.

Der Parteitag der Republikaner ist vorbei – nun sind die Demokraten dran. Was ist zu erwarten?

Ich denke, die Demokraten werden sich mit einer Art Gegenparteitag positionieren. Die Republikaner haben ja in der vergangenen Woche ein eher düsteres Bild der USA gezeichnet. In fast jedem Wortbeitrag ging es um die Gefahr und die Angst vor Terroristen und Kriminalität. Und das, obwohl seit 25 Jahren kontinuierlich die Mordrate in den den USA gefallen ist. Trump will mit “Law and Order” die Wähler gewinnen. Clinton hingegen wird auf Jobs setzen und vor allem betonen, dass man das Land wieder zusammen führen muß. Grundsätzlich kann man wohl einen anderen Ton auf dem demokratischen Parteitag erwarten. Der republikanische Konvent war ja schon sehr mit Hassrufen gegen Clinton durchsetzt, wie “Lock her up”. Sowas wird es in Philadelphia nicht geben.

Wie unterscheidet sich der Parteitag von dem der Republikaner, gibt es Besonderheiten?

Der große Unterschied ist sicherlich, dass die Partei geeinter ist als die der Republikaner. Das heißt, man wird US Präsidenten dort sehen, also Bill Clinton und Barack Obama. Man wird kritischen Stimmen in den eigenen Parteireihen Redezeit gewähren, also Bernie Sanders und auch Elizabeth Warren. Beide unterstützen nun Clinton, aber sie vertreten einen anderen Flügel in der Partei. Das tut den Demokraten sogar gut. Es werden sicherlich auch nicht nur zweit- und drittklassige Entertainer und Promis, wie bei den Republikanern, auf der Bühne stehen. Es wird aber auch ein protziges Fest werden. Was auch besonders ist, am Dienstag werden einige Mütter von Afro-Amerikanern sprechen, deren Söhne durch Polizeigewalt getötet wurden. Ein krasser Gegensatz zum „Law and Order“ und „Blue Lifes Matter“ Republikaner Parteitag.

Donald Trump hat die Nominierung angenommen – wie wird sich Hillary Clinton am Parteitag verhalten?

Hillary Clinton wird sich feiern lassen. Ganz sicher. Man wird die einstige First Lady strahlend auf der Bühne erleben. Auf diesen Augenblick hat sie ja lange hingearbeitet. Es war ein anstrengender Wahlkampf, aufreibender als sie erwartet hatte. Niemand hatte mit solch einem Zuspruch für Bernie Sanders gerechnet. Clinton wird das zu schätzen wissen und versuchen die Partei hinter sich zu einen. Das wird durch Zusagen an den linken Flügel der Partei, also dem Sanders-Lager, geschehen, aber die Reihen sollen auch damit geschlossen werden, dass man auf den Gegner blickt. Hillary ist das rote Tuch für die Republikaner. Donald Trump ist auf alle Fälle der absolute politische Alptraum für die Demokraten. Und den will man nun gemeinsam verhindern.

The United States of Schlaraffenland

Friede, Freude, Eierkuchen, dazu Jobs, „Law and Order“ und Flächenbombardements. Amerika wird wieder „great“ gemacht. Nach vier Tagen Wahlparteitag der Republikaner erscheinen die USA als ein Land am Rande des Abgrunds und werden schon bald wieder als „God’s country“, als das gelobte Land auferstehen. All das verspricht er, der Heilsbringer, im weltlichen Leben Donald Trump genannt.

Donald Trump denkt groß. Foto: Reuters.

Donald Trump denkt groß. Foto: Reuters.

Vier Tage Jubelveranstaltung, Lobreden auf einen Mann, dem so einige glauben, das Land mit simplen Parolen und wütenden Brandreden wieder auf den bewährten Kurs zu bringen, der selbst so nie in den USA gefahren wurde. Kapitän Trump ist bereit für die Kaffeeausfahrt. Ein starker Führer für eine geschwächte Nation, so empfinden es manche. Die meisten der Republikaner jedoch sehen sich vor die Wahl gestellt Hillary Clinton oder Donald Trump. Sie schlucken lieber die Kröte mit Überkämmfrisur, als die verhasste Hillary zu wählen oder sie mit einer Nichtwahl indirekt zu unterstützen.

Was Donald Trump da am Donnerstagabend in Cleveland alles versprochen hat, wird selbst er im Falle einer Wahl nicht einhalten können. Trump malt da bunte Bilder des Schlaraffenlandes in die aufgeheizte Luft der „Quicken Loans Arena“. Es fehlten wirklich nur noch die Versprechungen von Schokoladenbrunnen, Limonadenbächen, Gummibärchen an den Bäumen. Er wolle der „Law and Order“-Präsident werden, mit ihm werde die Kriminalität ausgemerzt. Wie er das schaffen will, dazu schwieg er. Er werde der Jobs-Präsident werden, Firmen dazu anhalten wieder in den USA zu produzieren und Unternehmen, die im Ausland fertigen wollen, mit Strafzahlungen belegen. Kein Wort davon, dass Trump jahrelang die Fanartikel aus seinem Shop, seine Bücher, seine Spiele, all die Produkte mit „Trump“ darauf, in China produzieren ließ. Kein Wort davon, dass viele Amerikaner die produzierenden Jobs gar nicht mehr wollen, die der Milliardär in seinem dreistöckigen New Yorker Penthouse verspricht. Er werde die internationalen Verträge aufkündigen und neu verhandeln, Jubel im Saal, vielleicht auch deshalb, weil man gerade an die Märchenstunde mit Onkel Donald erinnert wird. NAFTA, NATO, UN, TTIP, Iran-Nuklear Deal, all das und mehr will Trump neu aushandeln und dabei amerikanische Führungsqualitäten beweisen. Er ist ja der „Deal Maker“. So, als ob sich Clinton, Bush, Obama in den letzten 25 Jahren da ganz einfach über den Tisch haben ziehen lassen. Ach ja, Donald Trump will ja auch noch die Mauer an der mexikanischen Grenze bauen lassen. Und klar, Mexiko zahlt dafür. Die ersten 100 Tage in der Trump-Adminstration werden „busy“ sein.

Es ist dieser „American Dream“, den Trump da derzeit ins amerikanische Bewußtsein hämmert. Wir sind die beste, die innovativste, die größte Nation der Welt. Wenn wir wollen, können wir alles, sogar den Terrorismus besiegen, ein Land ohne Kriminalität sein, der Weltwirtschaft die Nase zeigen, „America First“. Und dann ist da auch noch Gott auf unserer Seite, immerhin wurde er ja nach jedem Wortbeitrag angerufen. Da kann doch nun wahrlich nichts mehr schief gehen mit Trumps Plänen. Es sei denn, sein „American Dream“ würde dann doch zu einem „American Nightmare“ werden.

 

Die Partei der Angst

Wenn man sich so die Reden auf dem republikanischen Wahlparteitag anhört, dann steht es nicht gut um dieses Land. Raub, Mord, Vergewaltigung, Terror. Eigentlich müsste hinter jedem Busch ein böser Bube, Kerl oder höchstwahrscheinlich ein „radical, extreme Islamist“ warten, um mir am liebsten sofort und gleich die Kehle durchzuschneiden, mich mit einer vollautomatischen Knarre zu durchsieben und dazu noch „Allahu Akbar“ rufen. All die Reden auf dem Parteikonvent der Republikaner drehen sich um ein Land, in dem einen nur angst und bange sein kann.

Die Cleveland-Show des Donald Trump. Foto: Reuters.

Die Cleveland-Show des Donald Trump. Foto: Reuters.

Mit dieser Aussage wollen Trump & Co punkten, ins Weiße Haus einziehen, „Leader of the free world“ werden. Amerika soll so wieder „great“ werden, in dem zuerst einmal die USA schlecht geredet werden. Denn Tatsache ist, seit 25 Jahren fällt die Kriminalitätsrate. Die Mordrate ist noch immer sehr hoch, aber sie hat sich halbiert. Was sich verändert hat, ist, die allgegenwärtige, polarisierende und blutige Berichterstattung über Gewaltverbrechen. Das gab es so bislang nicht. Und darauf baut Trump.

Sowieso ist die Cleveland-Show des Donald Trump die Heiligsprechung eines Mannes, der diese viertägige Bauchpinselei mehr als genießt. Für einen Egozentriker wie Trump muß das doch der absolute Kick sein, wenn ihm tagelang gehuldigt, er in allen Reden als der Retter der „YOU-ESSS-AAAA“ und des Abendlandes gepriesen, ohne ihn, so scheint es, das Land und die Kultur dem Untergang preisgegeben wird.

Donald Trump soll die Partei auf diesem Wahlkonvent einen, klar ist, das wird er nicht schaffen. Wahrscheinlich will er es auch gar nicht. Die Rednerliste weist keine kritischen Stimmen auf, sie sind nicht zugelassen. Nur Stars und Sternchen, zweit- und drittklassige Politiker, nervige Blogger und Kommentatoren, bekannt aus dem Hausfunk der GOP, FOXNews, stehen am Rednerpult. Das einzige was immer wieder die gesamte „Quicken Loans Arena“ zum Jubeln bringt ist der gemeinsame Hass auf Hillary Clinton. Nicht Trump und seine fehlende politische Vision einen die Partei, sondern einzig und allein jene Frau, die für sie all das repräsentiert, was in den USA schief läuft. Auch eine Art der politischen Einheit. Die Zukunft des Landes wird auf einem Hassgebilde aufgebaut.

Mit der Wumme zum Parteitag

San Bernardino, Orlando, Dallas, Baton Rouge, nur ein paar Orte, an denen Bewaffnete in diesem Jahr wild durch die Gegend ballerten, ein Blutbad anrichteten. Die Polizei in den USA ist sichtlich nervös geworden. Man weiß nie, was bei einem Einsatz passieren könnte.

Und nun findet der Parteitag der Republikaner in Cleveland, Ohio, statt. Eine Partei feiert sich selbst und ihren exzentrischen Kandidaten Donald Trump. Eine Partei, die für das vermeintliche Grundrecht auf Waffenbesitz eintritt, allgemein und überall. Selbst der egozentrische Milliardär hat davon immer wieder im Wahlkampf getönt und erklärt, viele der Terrorattacken im Land hätten durch die „good guys“ mit Knarre verhindert werden können.

Man darf, wenn man will, seine Knarre offen zeigen. Foto: Reuters.

Man darf, wenn man will, seine Knarre offen zeigen. Foto: Reuters.

Es scheint, die Republikaner bekommen jetzt die Quittung für ihre langjährige Blockade von sinnvollen Waffengesetzen. Denn Ohio ist ein Bundesstaat mit einem „open carry “ Gesetz. Heißt, den Bürgerinnen und Bürgern ist es erlaubt offen mit Schußwaffen durch die Gegend zu laufen, sie bei sich zu führen und der Welt zu zeigen, man sei bewaffnet. Das Problem bei allem ist nur, dass solche Wahlparteitage immer auch etwas verstörte Zeitgenossen und radikale Gruppen anziehen, teils gewaltsame Proteste sind vor dem eigentlichen Parteitagsort vorbestimmt. Die „Quicken Loans Arena“ ist zwar gut gesichert, doch die Polizei wird sich mit Sicherheit einer bewaffneten Menge gegenüber sehen. Wer davon ein „good guy“ und wer ein „bad guy“ ist, lässt sich so schnell nicht klären. Nur ein kleiner Sicherheitsbereich, nur zugänglich für den inneren Zirkel der Partei und den Kandidaten, abgesichert vom Secret Service, ist ausgenommen. Ansonsten darf man überall in Cleveland, auch im rund 1,7 Quadratmeilen umfassenden Eventbereich offen seine Wumme tragen.

Der Präsident der lokalen Polizeigewerkschaft, Stephen Loomis, forderte sogar den republikanischen Gouverneur John Kasich auf, für die Tage des Parteitages ein Verbot des „open carry“ Gesetzes, zumindest für Cleveland auszusprechen. Doch Kasich weigerte sich und erklärte: „Ein Gouverneur von Ohio hat nicht die Macht willkürlich ein in der Bundes- und Landesverfassung garantiertes Grundrecht zu suspendieren“. Klare Worte, man kann nur hoffen, dass niemand diese Worte in den kommenden Tagen bereuen wird.

 

 

Donald Trump hatte diesmal Recht

Gerade lief das erste gemeinsame Interview von Donald Trump und Mike Pence in der Sendung „60 Minutes“ auf CBS. Und ich muss sagen, Trump hat sich für den richtigen Vize-Kandidaten entschieden. Pence weiß wie er die absurden Ideen und Verbalergüsse von Trump in richtige Worte packen muss, um so zu überzeugen. In diesem Wahlkampf wird Donald Trump den direkten Angriff gegen Hillary Clinton fahren und Mike Pence diskret aber treffend von den Seiten zustoßen. Das wurde auch in diesem Interview deutlich. Trump redet von „lying, crooked Hillary“, Worte, die Pence nie sagen würde.

Er könnte Donald Trump über die Ziellinie helfen. Mike Pence, Gouverneur von Indiana. Foto: Reuters.

Er könnte Donald Trump über die Ziellinie helfen. Mike Pence, Gouverneur von Indiana. Foto: Reuters.

Mike Pence ist der Gouverneur von Indiana, war zuvor für 12 Jahre Kongressabgeordneter. Er ist beliebt bei den christlichen Fundamentalisten und hat nach wie vor sehr gute Kontakte zu den alten Kollegen im Kongress. Er weiß, wie die Maschinen in Washington funktionieren. Und er hat Erfahrungen in der Regierungsarbeit, etwas das Donald Trump fehlt. Pence erschien auch in diesem Interview auf CBS als ruhiger und kühler Kopf neben dem Egomanen Trump. Zum ersten Mal kam ich ins Grübeln, ob Donald Trump nicht doch der nächste Präsident der USA sein könnte. Auch seine deutlichen Worte nach den Terrorangriffen in Orlando, in Paris, den Schießereien in Dallas und heute in Baton Rouge zeigen einen Kandidaten, der zumindest verbal etlichen Wählern eine Sicherheit bietet. „Border“, „Security“, „Law and Order“, „Make America great again“, das sind die Slogans mit denen Donald Trump seit nunmehr über einem Jahr die Amerikaner bombardiert und bearbeitet. Es scheint Früchte zu tragen, immerhin konnte er sich in einem brutalen Vorwahlkampf durchsetzen.

Amerika ist sicherlich nicht weit offen für den selbsternannten „law and order“ Kandidaten Trump und seine katastrophalen Aussagen. Wenn die Demokraten nach acht Jahren Obama verlieren, dann liegt das einzig und allein an Hillary Clinton, einer Kandidatin, die nicht hätte antreten dürfen. Clinton war und ist das rote Tuch der Republikaner und der gesamten konservativen Bewegung im Land. Und wie der Vorwahlkampf zeigte, ist sie selbst in den eigenen Reihen mehr als umstritten. Hillary hat zu viele politische Skandale überlebt und zu viele politische Leichen im Keller angehäuft. Niemand in den USA hat all die Kontroversen um Hillary Clinton vergessen und das Trump-Lager gräbt derzeit alles wieder aus, auch für jene Wählerinnen und Wähler, die während der Bill Clinton Administration noch gar nicht auf der Welt waren.

Ich bin gespannt, wie sich die nächsten Wochen und Monate entwickeln werden. Und ja, das unwohle Gefühl weicht gerade nicht. Trump/Pence könnten…. nein, sie können nicht. Oder doch?