Terror-Trump greift an

"Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der "greatest" im ganzen Land. Foto: AFP.

„Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der „greatest“ im ganzen Land. Foto: AFP.

Er baut auf die Angst. Donald Trump nutzt das jüngste Terrorattentat in New York sofort und gnadenlos aus. Als die selbstgebaute Bombe im Stadtteil Chelsea hochging, noch keinerlei Informationen über Täter oder Hintergrund bekannt waren, erklärte Trump in einer Wahlveranstaltung, dass es ein Terrorangriff gewesen sei. Die Menge buhte und der Donald erklärte, nur er allein könne Amerika retten.

In gleich mehreren Tweets griff er seitdem seine demokratische Kontrahentin an, so, als ob unter einer Trump-Administration der Terror ein Ende finden würde:

„Unter der Führung von Obama & Clinton haben die Amerikaner mehr Angriffe daheim erlebt, als Siege im Ausland. Zeit, den Spielplan zu ändern!“

„Mehr als 10.000 Flüchtlinge aus Syrien kommen. Viele junge Männer, kaum geprüft.“

„Wiedereinmal war jemand, der uns als ok dargestellt wurde, ein Terrorist, der unser Land & seine Bewohner zerstören will – wie kam er durch das System?“

„Hillary Clintons Schwäche als Außenministerin hat Terroristen überall auf der Welt ermutigt.“

Donald Trump ist von sich als Retter, als Heilsbringer überzeugt. Es fehlt nur noch, dass er sich selbst als von Gott gesandt darstellt. Er werde Amerika wieder „great“ machen, das heißt, aufräumen, das Militär stärken, Verhandlungen auf internationaler Ebene bedeuten für ihn Schwäche zeigen. Amerika müsse wieder die führende Nation sein, bedeutet, alle anderen müssen nach der Nase Amerikas, in dem Fall Donald Trumps Zinken tanzen.

Der Mann ist von sich überzeugt, ist selbstverliebt. Eigentlich täglich sitze ich da, schaue mir die Interviews mit ihm auf FOXNews an, lese die Artikel über ihn in diversen Zeitungen und auf Nachrichtenplattformen und frage mich, wie man nur so ein Riesenego haben kann? Klar, jeder, der auf dieser politischen Bühne spielt, muß von sich überzeugt sein. Doch einen wie Trump hat selbst Amerika noch nicht gesehen. Ganz sicher schütteln sie in Hollywood den Kopf, denn in Tinseltown wäre eine Story wie diese noch nicht einmal als Comedy umgesetzt worden. Unglaublich, was derzeit in den USA passiert.

 

 

 

 

Eine vorgegaukelte TV-Debatte

Die Grüne Jill Stein gibt sich kämpferisch. Foto: Reuters.

Die Grüne Jill Stein gibt sich kämpferisch. Foto: Reuters.

Hillary Clinton gegen Donald Trump. Demokraten gegen Republikaner. Ein Zweikampf, nicht wahr? Nein, eigentlich nicht. Noch unzählige weitere Kandidaten kämpfen, sicherlich aussichtslos, um das Präsidialamt. Zwei davon, die Grüne Jill Stein und der Libertarian Gary Johnson, treten sogar US weit an. Sie verlangen, um den Wählerinnen und Wählern eine wirkliche Wahl zu bieten, dass sie auch bei den live übertragenen Fernsehdebatten teilnehmen können.

Doch dem widerspricht die „Commission on Presidential Debates“, eine Organisation, die seit 1988 die Fernsehdebatten organisiert. Die Auflage für Drittkandidaten hat diese Kommission selbst bestimmt. In fünf nationalweiten Umfragen muss ein Kandidat bei mehr als 15 Prozent liegen, damit er mit den beiden Hauptkandidaten auf die Bühne eingeladen wird. Das klingt nach einem fairen Deal, damit man nicht unbedingt den Gummistiefel tragenden Kandidaten, der jedem eine Pony schenken möchte, ein Forum bietet. Allerdings sind die „Green Party“ und die „Libertarian Party“ etablierte Parteien und Jill Stein und Gary Johnson ernstzunehmende Kandidaten.

Gary Johnson will mit Clinton und Trump auf die große Bühne. Foto: Reuters.

Gary Johnson will mit Hillary Clinton und Donald Trump auf die große Bühne. Foto: Reuters.

Was vor allem in dieser derzeitigen Debatte über wer und wer nicht auf der großen Bühne mitreden darf aufstößt ist, dass die „Commission on Presidential Debates“ von den Demokraten und den Republikanern gegründet wurde und von Anfang an mit Parteimitgliedern der beiden Altparteien besetzt wurde. Diese Kommission legt die Regeln fest und die sind vor allem gegen Drittkandidaten gerichtet. Denn klar ist, wer zur Fernsehnation sprechen kann, wird Wähler gewinnen, gerade in diesem Wahlkampf mit zwei Kandidaten, die von vielen nicht gewollt werden. Jill Stein könnte für sich viele der Bernie Sanders Wähler gewinnen, Gary Johnson etliche republikanische Wähler von sich überzeugen, wenn, ja, wenn sie nur eine breite Öffentlichkeit erreichen würden. Doch das ist in diesem Wahlkampf unmöglich, in dem ein egozentrischer Außenseiter die Berichterstattung in den Medien dominiert. Wenn dann noch ein Hinterzimmerdeal zwischen den Demokraten und Republikanern gezielt politische Alternativen ausbremst, ist die Demokratie in ihren Grundfesten gefährdet.

Der Radiokönig mag den Immobilienhai nicht

Vor etlichen Jahren, als ich noch eine Antenne am Auto hatte, war ich begeisterter Mittelwellenhörer. Talk Radio war für mich die beste Unterhaltung auf der Fahrt. Die konservativen und politisch abgedrifteten Sean Hannity und Rush Limbaugh, Michael Savage und Barbara Simpson. Und nachts „Coast to Coast AM“ mit Art Bell und George Noory, die über UFOs, Außerirdische, Spuk und Geister, Leben nach dem Tod und allerhand Übernatürlichem sprachen.

Irgendein Depp hat mir jedoch die Antenne abgebrochen, damit änderten sich auch meine Hörgewohnheiten im Auto. Wenn ich heute mal durch Zufall die konservativen Talk Show Köpfe anhöre, kann ich so gar nicht verstehen, wie ich das früher manchmal für Stunden hören konnte, nein, wie ich das ausgehalten habe. Ein Geschrei ist das, ein Geschimpfe, ein Gezeter und an allem sind Barack Obama und Hillary Clinton Schuld. Sean Hannity ist nicht nur in seiner Talksendung, sondern auch in seiner Fernsehsendung auf FOXNews zum Sprachrohr von Donald Trump geworden. Das ist eine Lobhudelei, wie man sie nur selten vernehmen kann.

Rush Limbaugh mit seiner späten Einsicht über Donald Trump. Foto: Reuters.

Rush Limbaugh mag Donald Trump nicht. Foto: Reuters.

Heute jedoch las ich in einem Artikel – und hörte es mir dann auch selbst an -, dass der König der Rechtsaußenmoderatoren, der selbsternannte Hüter der konservativen Werte, Rush Limbaugh, zugab, dass Trump eigentlich kein Konservativer sei, damit kein richtiger Kandidat für die republikanische Partei. Die Einsicht kommt reichlich spät, gerade auch, wenn man

bedenkt, dass viele in der konservativen Bewegung und auch in der Partei monatelang im Vorwahlkampf die Quasselköpfe im Talk Radio händeringend gebeten hatten, doch endlich mal Klartext über Trump zu reden. Doch nichts geschah. Einer nach dem anderen der eigentlichen konservativen Kandidaten stieg aus dem Rennen um das Weiße Haus aus. Am Ende blieb Donald Trump stehen, der so gar nicht in das Bild der republikanischen Partei passte und passt. Limbaugh hatte sich einfach zu lange auf Hillary Clinton eingeschossen, ohne die Konsequenzen seiner Trumpschen Sprachlosigkeit zu erkennen.

Limbaugh erklärte nun seiner Millionenhörerschaft, dass einige der von Trump vorgeschlagenen Sozialprogramme nichts, aber auch gar nichts mit einer konservativen Überzeugung zu tun hätten. Rush Limbaugh hat durchaus Einfluss, aber erreichen wird er mit seinem späten Klarblick nicht viel. Das Problem ist nämlich nun, dass viele Republikaner und Konservative im Land sich eigentlich eingestehen müssten, dass Limbaugh richtig liegt, was bedeutet, dass sie sich in den letzten Monaten vom Schmierentheater des Donald Trump einlullen ließen. Das, so denke ich mal, werden nicht viele tun. Auch ist die Alternative Hillary Clinton für sie Welten entfernt. Eher würden sie sich die Hand abhacken, als ihre Stimme der verhassten Demokratin zu geben. Das Kasperltheater, das man hier Wahl nennt, dauert weiter an.

Was ist das für ein Kandidat?

Wirklich? Die Aussage von Donald Trump, dass Barack Obama in den USA geboren wurde, ist nun eine Top-Nachricht in den USA. Am Freitag erklärte der Milliardär während der Eröffnung des Trump-Hotels in Washington DC, unweit des Weißen Hauses: „President Barack Obama was born in the United States, period.“ Damit will Trump also einen Schlußstrich unter die Verschwörungstheorie setzen, die er reichlich selbst befeuert hat. So einfach ist das für den New Yorker Milliardär. Er war der Oberhirte der „Birther“-Bewegung, nun will er davon nichts mehr wissen.

Donald Trump greift bei jeder Veranstaltung die Medienvertreter an. Foto: Reuters.

Donald Trump greift bei jeder Veranstaltung die Medienvertreter an. Foto: Reuters.

Aber so ganz kann er es dann doch nicht lassen und schob gleich eine weitere Theorie hinterher. Denn eigentlich sei das Hillary Clinton Lager für die Verbreitung dieser Lügengeschichte verantwortlich. Donald Trump meinte ernsthaft, dass im Wahlkampf 2008 die Verschwörungstheorie, Barack Obama sei in Kenia geboren, vom Clinton-Lager gestreut wurde, um den innerparteilichen Konkurrenten zu stoppen. Ganz in typischer Trump-Manier legte der Donald keine Beweise dafür vor, sondern meinte: „Einige Leute sagen das. Ich weiß es nicht, aber die Leute reden eben“. Das ist Trumps Eingeständnis eines Fehlers. Schlußstrich und dann ein neues Kapitel aufschlagen, in dem erneut angegriffen wird.

Ich frage mich beim Lesen solcher „News“, was eigentlich mit diesem Land los ist, dass jemand wie Donald Trump ernsthaft am Tor des Weißen Hauses rüttelt und durchaus Chancen hat am 8. November als „Commander in Chief“ gewählt zu werden? Irgendwas läuft in diesen USA, „home of the brave“, ziemlich falsch. Und der Apfel scheint da nicht weit vom Stamm zu fallen. In einem Interview meinte Donald Trump Jr., dass die Medien (er hätte auch „Lügenpresse“ sagen können) Hillary Clinton nicht hart genug angriffen. Wenn sein Vater solche Lügen wie Hillary von sich geben würde, dann würden sie sofort „die Gasöfen anfeuern“. Das ist der Ton in diesem Wahlkampf! Die Frage, ob sich Trump Senior für diesen Verbalausfall von Trump Junior distanziert hat, stellt sich nicht. Natürlich hat er es nicht.

Was, wenn Trump nicht gewinnt?

In den USA und rund um den Globus stellt man sich eine Frage: Was, wenn Donald Trump die Wahl im November gewinnt? Wie wird sich Amerika verändern, wie die internationalen Beziehungen zwischen den USA und ihren Partnern, wie wird der leicht aufbrausende Trump in Krisen reagieren? Den selbstverliebten Milliardär aus New York will man sich eigentlich nicht so recht im Oval Office vorstellen. Das käme einer Frauke Petry im Bundeskanzleramt gleich. Trump bläst fleissig mit im internationalen Posaunenchor der Rechts-Populisten, die Melodie der AfD und Trumps ähneln sich schon sehr.

Die Alternative ist keine Alternative. Foto: Reuters.

Die Alternative ist keine Alternative. Foto: Reuters.

Doch was ist, wenn Hillary Clinton die Wahl gewinnt, Trump verliert? Man kann davon ausgehen, dass Hillary Clinton ein ähnliches Schicksal ereilen wird, wie Barack Obama. Alles, was sie politisch anpacken, angehen und verändern wollte, würde von den Republikanern im Kongress und Senat blockiert werden. Clinton ist das rote Tuch für die GOP. Eigentlich dürfte es ja überhaupt kein Kopf-an-Kopf Rennen zwischen Donald Trump und einem weiteren Kandidaten geben. Dass es doch so ist, zeigt nur, wie schwach die Kandidatin Hillary Clinton ist, wie sehr sie selbst in der eigenen Partei, aber vor allem bei Republikanern und Independent-Wählern umstritten ist. Sie ist zwar die Über-Demokratin, aber sicherlich nicht die Brückenbauerin im geteilten Amerika.

Die Frage steht also, was passiert, wenn Donald Trump die Wahl verliert? Schon mehrmals hat er betont, dass das Wahlsystem korrupt sei und das „Establishment“ in Washington den Ausgang bestimmen würde. Heißt, Trump hat schon jetzt eine Erklärung für seine Niederlage zur Hand. Sein Versagen wäre die Schuld der anderen, nicht sein Fehler. Amerika steckt in einer tiefen innenpolitischen und vor allem demokratischen Glaubenskrise. Und damit will ich nicht sagen, dass das System ein abgekartetes Spiel ist, wie es Trump anprangert. Vielmehr sollte man sich die Fakten anschauen, die da sind, dass in den USA alle zwei Jahre das gesamte Abgeordnetenhaus neu gewählt wird, was bedeutet, dass die Parlamentarier immer im Wahlkampf und auf Spendensuche sind. Nicht viel besser ist der Präsidentschaftswahlkampf, der mittlerweile über zwei Jahre lang dauert, mehrere Milliarden Dollar kostet, durch einen unsinnigen und undurchsichtigen Vorwahlkampf läuft, in dem Kleinststaaten wie Iowa und New Hampshire mehr Bedeutung haben als die bevölkerungsreichsten Bundesstaaten Kalifornien und New York. Sinn macht das alles nicht. Und all das führt dann zu einer Kandidatur von Personen wie Trump, die sich selbst als Heilsbringer empfinden.

Doch, was ist, wenn Trump verliert? Wie werden sich die rund 40 Prozent der Wähler verhalten, die auf ihn gebaut, ihm ihre Stimme gegeben haben? Werden sie die Niederlage hinnehmen oder auch das abgekartete Spiel sehen? Die demokratische Krise in den USA würde damit wahrscheinlich nur vergrößert werden. Ein Sieg Hillary Clintons wird dem Land nicht gut tun, egal von welcher Perspektive man es auch betrachtet. Die Alternative wäre ein Sieg Donald Trumps, und das will ich mir gar nicht vorstellen. „We are doomed“ oder ganz schlicht und einfach, wir hier in den USA haben in diesem Jahr die berühmte „A…karte“ gezogen.

Da kriegt man Pickel

Nicht die Tapete macht mich wirr im Kopf.

Nicht die Tapete macht mich wirr im Kopf.

Ich sitze hier in meinem Hotelzimmer in Hargeisa, Somaliland, und mir wird angst und bang. Nein, da schießt niemand draußen, keine blutrünstigen Hundemeuten streunen die Straßen, keine Terrormilizen der Al-Shabaab wollen mir an die Wäsche. Hargeisa und Somaliland sind in diesen Stunden, Tagen und Wochen sicher. Was mir Sorgen bereitet ist was ganz anderes: Donald Trump spricht. CNN überträgt die Wirtschaftsrede des New Yorker Milliardärs aus dem „Economic Club in Detroit“. Und der amerikanische Nachrichtenkanal ist ja weltweit zu sehen. Ganz schlimm!

Donald Trump verspricht das Blaue vom Himmel und will die Uhren zurückdrehen. Steuererleichterungen für Unternehmen, die Energiewende wird wieder gewendet, Trump setzt auf Kohle und Atom und will Umweltschutzmaßnahmen außer Kraft setzen. Dazu Versprechungen an die Automobil- und die Stahlindustrie. Amerika werde wieder reich, so Trump, Jobs würden geschaffen werden und damit könne man die Infrastruktur erneuern, Familien finanziell unterstützen und überall im Land würden „Wolkenkratzer mit amerikanischem Stahl“ in die Höhe schießen. Das ist also Trumps Plan. Fast hätte er sogar noch gesungen. Und ich weiß nicht, ob ich froh oder traurig sein soll, weit weg zu sein.

Und nun die Analyse der CNN-Köpfe. Eine gut formulierte und durchdachte Rede soll das gewesen sein. Endlich, so heißt es, habe Trump konkrete Pläne vorgelegt. Wirklich? Das war kein politischer Plan, das waren leere Versprechungen eines machthungrigen und egozentrischen Kandidaten, der nun einen Ton anschlägt, um „präsidialer“ zu wirken. Wer soll, wer wird darauf hereinfallen?

Am falschen Ort zur falschen Zeit

Da sitze ich im sonnigen Somaliland, trinke somalischen Tee mit Kamelmilch, mache meinen Job, für den ich hier bin und denke mir, das war keine gute Zeitplanung. Natürlich beobachte ich auch von hier, was sich da jenseits des großen Wassers so tut. Tagtäglich lese ich meine Online-Ausgaben der Zeitungen, die ich für meine Arbeit nutze, verfolge Blogs und was ich so in den sozialen Medien finden kann. Und was lese ich? Daheim in den USA zerlegt sich Donald Trump gerade selbst.

Der US Wahlkampf wird auch in Somaliland verfolgt. Foto: Reuters.

Der US Wahlkampf wird auch in Somaliland verfolgt. Foto: Reuters.

Oh, welch‘ Wunder! Das war klar, dass es so weit kommen wird. Seit 16 Monaten tobt, beschimpft, brüllt, belügt, ja, verarscht Donald Trump die amerikanische Nation. Und klar, es grenzt an Fremdschämen, wenn man mitansehen muß, wie viele Amerikaner in Donald Trump den Retter des Abendlandes sehen. Wie viele ihn in den Vorwahlen gewählt haben, seine sinnlos vorgebrachten Verbalflachschüsse glauben. Das ist ehrlich peinlich. Ich bin in den letzten Wochenund Monaten nicht nur einmal gefragt worden, ob ich im Falle einer Trump-Präsidentschaft meinen amerikanischen Pass zurückgeben werde.

Doch ich hatte genau darauf gehofft, was nun passiert. Trump ist so von sich eingenommen, resistent für Kritik, Anmerkungen, Ratschläge, dass er im Endspurt zum Weißen Haus über seinen eigenen Egomanen-Schatten stolpert. Kein Tag vergeht, an dem er nicht in ein Fettnäpfchen tritt. Republikaner links und rechts suchen das Weite, nur raus aus dem Umfeld des Donald. Denn es scheint, Trump reißt nicht nur seine eigene Kampagne mit in die Tiefe, sondern auch die Partei, die ihm eigentlich egal ist.

In den Umfragen, auf die man eigentlich wenig geben sollte, sinkt der New Yorker Milliardär immer weiter. Nun liegt er deutlich hinter Hillary Clinton. Die müsste eigentlich nur noch abwarten und aufpassen, dass sie keinen Fehler macht. Trump richtet sich nämlich gerade selbst. Klar ist mittlerweile, dass viele in der Grand Old Party in den kommenden Jahren lieber die politische Auseinandersetzung mit Hillary Clinton wollen, als einen selbstverliebten und unvorbereiteten Donald Trump im Chefsessel. Und wenn ich sogar hier in Hargeisa, Somaliland, darauf angesprochen werde, was eigentlich in den USA los ist, dann zeigt das mir, dass jemand wie Donald Trump auf keinen Fall zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt werden darf.

(K)ein verrückter Demagoge für die USA

Ich bin wahrlich kein Fan von Hillary Clinton. Irgendwie wurde ich nie richtig warm mit ihr. Und das liegt noch nicht einmal an den Skandalen und Skandälchen, die die Clintons so hinter sich herziehen. Ich mag nicht ihre Art, ihren Ton, ihr Auftreten. Und dann hat sie oft genug ihr Fähnchen nach dem populistischen Wind ausgerichtet, auch nicht gerade etwas, was ich schätze.

Hillary Clinton steht sicherlich nicht für einen Neuanfang, sie wird sicherlich nicht das Land einen können, dafür ist sie zu sehr die Hassfigur weiter Teile der Republikaner und der Konservativen. Mit ihrer Präsidentschaft würde die Blockadehaltung der Republikaner im Kongress und Senat weitergehen, das Schmierentheater von FOXNews fortgeführt werden. Den USA ständen mit einer Präsidentin Hillary Clinton schwierige Zeiten bevor.

Doch dann schaue ich mir die Alternative an und die ist alles andere als überzeugend. Ein Milliardär, der einen Angstwahlkampf führt. Der anscheinend morgens aufwacht, in der Hoffnung, irgendwo sei wieder eine Bombe hochgegangen, habe ein Amokläufer ein Blutbad angerichtet, um diese grausamen Taten für seine Kampagne zu nutzen. Ein „Business Man“, der sich bislang wenig um Arbeitnehmerrechte kümmerte und nun lauthals erklärt, er würde Jobs schaffen, dabei gleichzeitig ankündigt, den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn außer Kraft zu setzen. Ein Xenophob, der zwar erklärt, er mache Geschäfte mit allen, aber die Grenzen der USA schließen will. Ein Mann, der seinen Wahlkampf über twitter mit 140 Zeichen führt. Mit Schlagzeilen und verbalen Tiefschlägen will er ins Weiße Haus einziehen.

Für mich hat Barack Obama in seiner gestrigen Rede auf dem Parteitag der Demokraten die aktuelle Situation genauestens und treffend beschrieben. Hillary Clinton ist sicherlich für viele nicht die Wunschkandidatin, doch Donald Trump ist keine Alternative dazu. Er setzt alles daran, die Grundfeste der USA zu vernichten. Auch wenn vieles in diesem Land nur Glanz und Schein ist, der Reichtum der USA liegt in der Vielseitigkeit, in der Offenheit, in der Akzeptanz des Andersseins. Amerika ist sicherlich nicht das gelobte Land, aber es darf nicht zum Königreich eines gefährlichen Demagogen werden.

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Ein Wahlkampf wie aus 1001 Nacht

Eigentlich fehlen in diesem Wahlkampf nur noch fliegende Teppiche, Flaschengeister und Sandstürme. Ansonsten ist eigentlich alles vorhanden, was man für eine schön-gruselige Märchenstunde für Erwachsene so braucht: Bösewichte und Unholde, Sex and Crime, Verleumdungen, Hinterzimmerabsprachen, Lug, Betrug und Heiterkeit. Wenn man so eine Geschichte in Romanform schreiben wollte, würde man dafür nie einen Verleger finden. Das beweist erneut, die besten Geschichten schreibt das Leben.

Nun also sollen die Russen den Email-Server der Demokratischen Partei geknackt haben. Ganz im Entenhausener Panzerknackerstil. Sowieso sind Putin und Trump ja gute Kumpels, auch die Chinesen und der nordkoreanische Pummelpräsident Kim Jong-un mögen Trump lieber als Hillary Clinton. Bei ihm wisse man, woran man sei, außerdem sei der Donald ja ein guter Geschäftsmann, heißt es aus Peking und Pjöngjang. Die Achse des Bösen kehrt also auf Umwegen heim.

Seit eineinhalb Jahren berichte ich über den Wahlkampf. Anfangs sah alles nach einem langweiligen Prozedere aus, Hillary Clinton gegen Jeb Bush. Doch dann ging es Schlag auf Schlag. Hüben wie drüben wurde begeistert gefochten, als Beobachter wußte man gar nicht mehr, wohin man blicken soll, über was man als nächsten berichten sollte. Nun die Parteitage, die den Endspurt zum Weißen Haus einläuten. Und in den USA fragen sich viele, sind das wirklich die beiden besten Kandidaten, die dieses reiche, farbenfrohe, vielseitige Land hervorbringen kann. Hillary Clinton ist keine gute Kandidatin und Donald Trump ist kein guter Kandidat. Wie war das noch mit den Geistern, die man rief? Das ist wohl die bittere Wahrheit Ende Juli 2016.

Ausgerechnet Trump präsentiert sich in seinen Werbespots und in seinen Auftritten als derjenige, der das Land wieder zusammenführen, der Gräben überwinden, Brücken bauen will. Und Hillary Clinton versucht die jungen Menschen im Land zu erreichen, gerade Hillary, die im Kampf gegen Bernie Sanders vieles in Frage stellte, was die Jung- und Neuwähler motivierte. Dieser Wahlkampf stellt alles auf den Kopf. Umfragen sind für die Tonne, beide Kandidaten werden, falls sie sich am Ende durchsetzen können, keine breite Basis in der Bevölkerung finden. Amerika nach 2016 wird ein noch gespalteneres Land sein, als es am Anfang dieser Kampagne war. Auch das ist eine bittere Schlußfolgerung aus diesem Wahlkampf.

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Der Ton macht es aus

Letzte Woche malten die Republikaner in Cleveland den Teufel an die Wand. Nach all den Redebeiträgen hatte ich das Gefühl, ich muss langsam doch mal meine Haustüre abschließen, denn anscheinend warten da draußen bewaffnete Übeltäter und Terroristen, um mich abzuknallen. Wenn man den Republikanern und allen voran Donald Trump Glauben schenken möchte, dann ist es nur eine Frage der Zeit, wann ich, unbewaffnet und naiv, zum Opfer werde. Krisen- und Kriegsgebiete habe ich überlebt, auch mehrere Aufenthalte im Drogenkartellsumpf von Ciudad Juarez, aber die USA scheinen die „Frontline“ im Krieg gegen alles und nichts zu sein. Und dann ist da Trump, der als starker Führer die Amerikaner vor ihrem Weltuntergang retten wird. Es wunderte mich schon, dass in der „Quicken Loans Arena“ nicht einige lautstark „Heil Donald“ riefen.

So ganz anders klingt es bei den Demokraten. Die hatten am Montag ersteinmal mit sich selbst zu kämpfen, denn nach dem Datenklau und den veröffentlichten Emails, in denen deutlich wurde, dass die Parteiführung sich schon frühzeitig auf Hillary Clinton festgelegt hatte, war erst einmal Rambazamba in Philadelphia angesagt. Die Bernie Sanders Anhänger protestierten lautstark und verlangten Konsequenzen. Und die Partei lieferte, u.a. damit, dass die Vorsitzende der Partei, Debbie Wasserman Schultz, mit sofortiger Wirkung ihren Job abgab. Das musste auch sein.

Und dann kam First Lady Michelle Obama auf die Bühne, danach Senatorin Elizabeth Warren und schließlich Bernie Sanders selbst. Es wurden innerparteiliche Brücken gebaut und Bernie zeigte seine wahre Größe in diesem Wahlkampf. Monatelang predigte er von der politischen Revolution, am Montagabend forderte er seine Unterstützer auf, Hillary Clinton zu wählen, denn der Gegner sei bei allen Kontroversen und unterschiedlichen Ansätzen nicht Clinton sondern Trump. Sanders führte auf, in welche Richtung sich die USA bewegen würden, wenn Trump ins Weiße Haus einziehen würde. Allein dieses Bild sollte viele davon überzeugen, dass im November mehr auf dem Spiel steht als nur ein gekränktes Ego. Und Bernie Sanders machte es vor. Nun ist es an der Partei selbst, die Reihen zu schließen und den Alptraum Donald Trump als Präsident zu beenden. Trump hat im Vorwahlkampf schon genügend Schaden angerichtet, nicht vorzustellen, was auf nationaler und internationaler Ebene passieren würde, wenn dieser Egomane im Oval Office Platz nimmt.

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