Und noch einer will es wissen

Chris Christie, Gouverneur von New Jersey, will Präsident werden.

Chris Christie, Gouverneur von New Jersey, will Präsident werden.

Chris Christie könnte eigentlich ein interessanter Kandidat im Rennen ums Weiße Haus sein. Er ist Gouverneur von New Jersey, redegewandt, nicht auf den Mund gefallen, kein engstirniger Republikaner, der nur die Parteilinie fährt. Christie hat in der Vergangenheit gezeigt, dass er durchaus mit Demokraten und auch mit Präsident Barack Obama zusammen arbeiten kann. Er zählt im breiten Feld der republikanischen Kandidaten eher zu den gemäßigteren Stimmen. Und genau das macht seine Wahl unmöglich.

Am Dienstag hat Christie nun offiziell seinen Hut in den Ring geworfen. Anscheinend glaubt er wirklich, dass seine Stimme im lauten Getöse der GOP auffällt. Doch Christie ist vielen zu “links” und sie haben ihm bis heute nicht den Schulterschluss mit Präsident Obama vergessen. Als der Hurricane Sandy New Jersey traf, bot Obama Hilfen an, die Christie dankbar für seinen Staat annahm. Auch verteidigte er die Unterstützung aus Washington. Mit Präsident Obama besprach er das weitere Vorgehen, um die Ausmaße der Katastrophe unter Kontrolle zu bekommen. Obama stand in den letzten Wochen des Wahlkampfes 2012 damit in einem sehr positiven Licht, und das wurde – idiotischerweise – Chris Christie von den eigenen Parteifreunden angekreidet.

Danach erlebte Chris Christie noch so einige weitere Skandale in seinem Staat, darunter “Bridgegate”, bei dem enge Mitarbeiter den Berufsverkehr für Tausende über die George Washington Bridge zum nervenaufreibenden Höllentrip machten. Doch das alles erschütterte ihn nicht. Christie hatte damals schon Ambitionen fürs Weiße Haus. Hinter ihm stehen einige sehr reiche Geldgeber, darunter auch facebook Gründer Mark Zuckerberg, die ihn immer wieder aufforderten zu kandidieren. Nun also ist Christie offizieller Kandidat und will einen Wahlkampf mit “ehrlichen” Worten führen. Große Chancen werden ihm nicht eingeräumt, dafür fehlt ihm eine breite Basis in der Partei.

#LoveWins oder ein Naturgesetz gebrochen

“Gay Pride Weekend” in San Francisco, dem Zentrum der Schwulen und Lesben. Und noch nie kamen so viele Menschen, um zu feiern. Und es waren eben nicht nur homosexuelle Aktivisten, es schien, als ob ganz Nordkalifornien auf den Beinen war. Der amerikanische Verfassungsgerichtshof hatte mit seinem Urteil zum gleichen Recht für alle auf Eheschließung ein deutliches Zeichen gesetzt. Fortan wird es keine Ausnahme mehr geben, ob jemand in diesem Bundesstaat oder in jenem lebt, und es davon abhängt, ob man heiraten darf oder nicht. Der Richterspruch war quasi eine Einladung zur großen Party quer über den Kontinent nach San Francisco geschickt. Und die kam auch an, einen besseren Zeitpunkt hätten sich die Richter im fernen Washington gar nicht aussuchen können.

Der Republikaner Mike Huckabee sieht Naturgesetze außer Kraft gesetzt.

Der republikanische Präsidentschaftskandidat Mike Huckabee sieht die Naturgesetze außer Kraft gesetzt.

Barack Obama twitterte unter seinem Namen POTUS (President of the United States): “Heute ist ein großer Schritt auf dem Marsch für Gleichberechtigung gemacht worden. Schwule und lesbische Paare haben nun das Recht, genau wie jeder andere zu heiraten. #LoveWins”. Doch nicht jeder im Land war begeistert. Die republikanischen Präsidentschaftskandidaten reagierten alle mit eindeutigen Stellungnahmen. Sie sprachen von “Aktivisten Richtern”, von politischen Entscheidungen, die von ungewählten Richtern zum Gesetz gemacht wurden. Einige, wie Lyndsay Graham, erklärten, sie akzeptierten die Entscheidung, werden aber dafür kämpfen, dass das Recht auf Religionsfreiheit und Religionsausübung bestehen bleibe. Andere, wie Mike Huckabee, erklärten, dieser Urteilspruch der Verfassungsrichter komme einer Aushebelung natürlicher Gesetze gleich. Die Dimension dieser Entscheidung sei gleichzusetzen, wie wenn die Juristen richterlich entschieden hätten, dass die Erdanziehungskraft aufgehoben sei. Das ist dann wohl auch eine Meinung.

Klar wird bei all diesen Reaktionen, dass die Republikaner sich in den kommenden Wochen und Monaten in einen Moralwahlkampf verlieren werden, in dem sie von den “Family Values” und den “christlichen” Moralvorstellungen sprechen. Dabei jedoch vergessen, dass Amerika ein anderes Land geworden ist, in dem man so nicht mehr, wie noch 2004 George W. Bush, eine Wahl gewinnen kann. Der Überdemokratin Hillary Clinton kommt das ganz recht, denn sie stellt sich schon seit Jahren als Verfechterin der Homoehe dar. Vergessen ist die Ablehnung von gleichgeschlechtlichen Ehen, als die Clintons noch im Weißen Haus waren. “Don’t ask, don’t tell”, das Gesetz, das Homosexuellen ein offenes Leben im Militär verbot, wurde seinerzeit von Bill Clinton unterschrieben.

Die Woche Obamas

Das Weiße Haus erleuchtete in den Regenbogenfarben der Gay-Community.

Das Weiße Haus erleuchtete in den Regenbogenfarben der Gay-Community.

Es war die Woche von Barack Obama. Höhen und Tiefen, Emotionen, Tränen, Lachen, Freude und Erleichterung. Der oberste Gerichtshof in den USA hatte zwei wichtige Urteile gefällt. Die Gesundheitsreform wurde in ihrer Form von einer deutlichen Mehrheit der Richter bestätigt und dann kam auch noch jenes Urteil, dass die Gleichstellung von homosexuellen Ehen vor dem Gesetz garantiert. Amerika hat damit eine radikale Wende vollzogen. Noch 2004 wurde George W. Bush aufgrund eines Wahlkampfes gegen die Homoehe wiedergewählt. In gerade mal einem Jahrzehnt haben die USA damit eine kulturelle Revolution erlebt, die weithin nachhallen wird. Barack Obama und seine Demokraten feierten beide Entscheidungen. Damit sind zwei ganz wichtige politische Ziele erreicht worden, eine allgemeine Krankenversicherung für jeden Amerikaner und eine Gleichstellung vor dem Gesetz schwuler und lesbischer Lebenspartner.

Nur wenige Stunden später stand der Präsident in Charleston und sprach zu den Trauernden, die zur Gedenkveranstaltung für die Ermordeten der “Emanuel African Methodist Episcopal Church ” gekommen waren. Und dann setzte er zu “Amazing Grace” an, ein bewegender und ergreifender Moment, der viel mehr ausdrückte, als alle Worte seit dem Attentat. Barack Obama, der in der jüngsten Zeit sehr oft von der Afro-Amerikanischen Gemeinde kritisiert wurde, weil er eben nicht die grossen Verbesserungen brachte, mit denen er noch 2008 Wahlkampf gemacht hatte, hat hier in Charleston und an diesem Freitag etwas geschafft, was so lange fehlte. Das da sein, die Anteilnahme, das Mittendrin. Verständnis, Zugehörikeit, tiefe Anteilnahme. Doch vor allem eine sehr große Geste, die in die Geschichte Amerikas eingehen wird. Ein Präsident, der anfängt zu singen, ein Lied, das eine große Bedeutung hat. Einfach so, sicherlich geplant, doch nicht erwartet. Und 6000 Trauernde stimmten mit ein. Es war wieder solch ein Gänsehautmoment, auf den Amerika, doch vor allem die Afro-Amerikaner im Land so lange warten mussten. Hier präsentierte sich ein Präsident, ihr Präsident, der genau den richtigen Ton fand. Keine schwulstigen Worte, sondern tiefe Emotion. Im Leid der Nation ließ sich erneut die Stärke Amerikas erkennen.

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Hillary und Obamacare

Großes Entsetzen und Unverständnis bei den Republikanern. Was war geschehen? Das US Verfassungsgericht hatte am Donnerstag schon zum zweiten Mal und diesmal mit einer 6:3 Mehrheit für die Gesundheitsreform gestimmt. “Obamacare”, wie die Republikaner die verhasste allgemeine Krankenversicherung auch nennen, bleibt also bestehen. In dieser Klage ging es um die finanziellen Beihilfen für Versicherte in allen Bundesstaaten, auch jene, die keine eigenen Versicherungsbörsen eingerichtet hatten. Nur 16 Staaten, demokratisch geführte, hatten dies mit der Einführung der Gesundheitsreform getan. Die republikanisch geführten Bundesstaaten weigerten sich und klagten gegen die Zwangsverordnung.

Senator Ted Cruz ist gegen eine allgemeine Krankenversicherung.

Der republikanische Senator Ted Cruz ist gegen eine allgemeine und verpflichtende Krankenversicherung für jeden.

Nun hat das Gericht entschieden, überraschend deutlich mit den Stimmen des Vorsitzenden Richters John Roberts und Anthony Kennedy, beide eher konservative Juristen. Die Entscheidung ist eine deutliche Abfuhr für die GOP, die zuvor mehr als 50 Mal versucht hatte, im Kongress “Obamacare” zu stoppen, finanziell auszubluten oder auszuhöhlen. Nun also gilt das “law of the land” und bringt den Republikanern ein neues Wahlkampfthema. Senator Ted Cruz, Präsidentschaftsanwärter der GOP, bezeichnete das Urteil als “Schande”. Er kündigte bereits an, dass das Ziel eines jeden republikanischen Präsidenten die totale Streichung der Gesundheitsreform sein müsse. Eine klare Vorgabe also für den Wahlkampf. Neben Hillary nun also auch “Obamacare”, die republikanischen Reihen formieren sich in ihren Angriffsstrategien.

Im Hintergrund sind einige in der Partei jedoch froh über das Urteil, denn so müssen sie im Wahlkampf nicht mit einem eigenen Konzept antreten, wie sie die Millionen von betroffenen Krankenversicherten auffangen würden, denen mit einem Entzug der finanziellen Unterstützung ihre Absicherung flöten gegangen wäre. Das Urteil der obersten Richter zeigt allerdings auch erneut die tiefe Spaltung in der amerikanischen Gesellschaft, die, das steht fest, auch mit der kommenden Wahl nicht überwunden werden kann. “Yes we can” steht mittlerweile nur noch für ein weiter so…ohne “Hope” auf “Change”.

 

We won’t overcome

50 Jahre nach der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung und Amerika ist wieder mittendrin in einer neuen Debatte um Rassismus, Gleichberechtigung, schwarz und weiß. Doch diesmal marschieren nicht mehr die Massen, auch die Radikalisierung der Black Panther Bewegung fehlt, vielmehr spielt sich mehr und mehr in den Tiefen des World Wide Web ab. Die sozialen Netzwerke sind die Waffen. Facebook und twitter anstelle von “We shall overcome” und Sitzblockaden.

Die amerikanische Bürgerrechtsbewegung 1965.

Die amerikanische Bürgerrechtsbewegung 1965.

Die Namen Oscar Grant, Trayvon Martin, Michael Brown, Eric Garner und andere, werden heute so genannt wie Medgar Evers, James Chaney, Vernon Dahmer, Fred Hampton. Immer wieder werden Parallelen zu den Ereignissen vor 50 Jahren gezogen, zumindest wird der Versuch unternommen. Doch die Zeiten haben sich geändert, die breite Bewegung in den USA fehlt. Die Demonstrationen auf der Straße ziehen lange nicht die gleichen Menschenmengen an, wie damals. Das etwas nicht stimmt im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, das ist jedem klar. Nur, welche Lösungen es für die Probleme gibt, das bleibt offen und wird auch offen bleiben.

Auch wenn viele in Amerika und im Ausland gerne dieses schwarz-weiß Bild von den USA zeichnen und zeichnen wollen. Es geht nicht nur um Polizeigewalt,  um eine Reduzierung auf dieses symbolische Bild weißer Polizist/Staatsmacht gegen Afro-Amerikaner/Unterdrückte. In den USA gibt es vielmehr strukturelle Probleme, die nicht zu ändern sind. Damals nicht und auch heute nicht. Man denke nur an das Bildungs-, das Wahl-, das Sozialsystem, um nur drei Beispiele zu nennen. Der Wille fehlt auf breiter Basis, um Amerika ganz neu zu gestalten. Das wird auch wieder im Wahlkampf deutlich, wo von “God’s Country”, vom “best place on earth” geredet und vom “American Dream” geschwärmt wird. Man sollte endlich aufhören Amerika als Fantasialand darzustellen und vielmehr eine nüchterne, doch ehrliche Analyse der amerikanischen Gesellschaft vorantreiben. Doch damit, das ist klar, lassen sich keine Wahlen gewinnen. Fazit…es wird sich also nichts ändern. Zumindest nicht zum Besseren.

Der Preis ist mehr als heiß

Wer amerikanischer Präsident werden will, der kann sich weder in der Partei hochdienen noch mittellos sein. Das wird bei der kommenden Präsidentenwahl mehr als deutlich. Irgendwie muß man einiges schon von vornherein mitbringen, um überhaupt dabei sein zu können. Der veranschlagte Gesamtpreis im Wahlkampf wird auf fünf Milliarden Dollar geschätzt, mehr als doppelt so viel, wie die Wahl 2012 gekostet hat. Allein das Team um Hillary Clinton geht davon aus, dass die einstige First Lady zwischen 1,5 und 2 Milliarden Dollar an Spenden einsammeln wird, um das Oval Office beziehen zu können. Hillary Clinton wird alle bisherigen Rekorde sprengen.

Nur ein Teil der republikanischen Kandidaten im Rennen ums Weiße Haus.

Nur ein Teil der republikanischen Kandidaten im Rennen ums Weiße Haus.

Auf der republikanischen Seite ist Jeb Bush der Spendenking. Ihm öffnen sich alle Türen, auf ihn setzt das Establishment der Partei, obwohl neben ihm noch weitere namhafte Kandidaten im Rennen sind. Im Gegensatz zu Hillary Clinton muß sich Bush allerdings einem harten Vorwahlkampf stellen. Ihm droht sogar das politische Aus in den Vorwahlen, falls er sich in den Debatten und den ersten Bundesstaaten nicht durchsetzen kann. Fast 30 Republikaner sind bereits im Rennen, um von ihrer Partei gekrönt zu werden, darunter zahlreiche bekannte Namen, wie Rick Perry, Scott Walker, Rand Paul, Donald Trump, Chris Christie, Marco Rubio, Ted Cruz, Rick Santorum, Mike Huckabee, Carly Fiorina und Lindsay Graham. Sie alle kämpfen um die Wählergunst, doch vor allem um Spendengelder, um überhaupt bis zu den ersten Vorwahlen in Iowa und New Hampshire zu kommen. Die in den Umfragen besten zehn werden ab August in einigen Fernsehdebatten zu sehen und zu hören sein. Wer da nicht dabei ist, kann gleich die Segel streichen.

Hillary dagegen ist die Kandidatur ihrer Partei sicher. Hier gibt es auf weiter Flur keinen ernstzunehmenden Kontrahenten. Alles ist auf Clinton ausgerichtet. Sie kann also weiterhin durchs Land tingeln, Gespräche mit Normalbürgern führen, politische Reden halten und sich gelassen geben. Viel Geld braucht sie dabei erst einmal nicht auszugeben, die Medien berichten sowieso über jedes Detail ihrer Kampagne. Ob sie was sagt, was sie sagt, was sie trägt, wie ihre Frisur liegt. Alles ist derzeit eine Nachricht wert.

Das eigentliche Problem bei allem ist, dass der Wahltag erst am 8. November 2016 ist. Vorher wird es Debatten und Vorwahlen, Wahlkampfgetöse und Werbespots ohne Ende geben. Am Tag X dann wird man drei Kreuze machen und schon nach vorne blicken, denn der nächste Wahltag im US amerikanischen Politzirkus rückt dann schon wieder deutlich näher.

Die Wahl zwischen Beelzebub und Luzifer?

Hillary Clinton will für die Mittelschicht kämpfen. Hillary Clinton will sich gegen Rassismus einsetzen. Hillary Clinton will den Zugang zu Waffen einschränken. Hillary Clinton vereint die Republikaner. Und in ihrer eigenen Partei wird keiner so richtig warm mit ihr. Die Über-Demokratin wird die Präsidentschaftskandidaten der Demokraten, daran geht kein Weg vorbei. Und dennoch, nur die wenigsten in den eigenen Reihen sind derzeit von ihr so richtig überzeugt. Darauf bauen auch die Republikaner, die sie als Superreiche hinstellen, die schon seit Jahrzehnten keinen Bezug mehr zu den Normalproblemen amerikanischer Bürger hat. Als Gouverneursehefrau, als First Lady, als Senatorin, als Außenministerin, immer unter dem Begleitschutz von Highway Patrol oder dann Secret Service.

Hillary Clinton bei ihrem Auftritt in San Francisco.

Hillary Clinton bei ihrem Auftritt in San Francisco.

Viele Demokraten wissen, ohne sie braucht man gar nicht in diesen Wahlkampf zu ziehen. Das hat Hillary auch wieder am Wochenende in San Francisco demonstriert. Als Hauptrednerin auf der Konferenz der amerikanischen Bürgermeister beleuchtete sie die Probleme der US Kommunen. Sogar republikanisch geführte Städte und ihre Vertreter waren von ihr überzeugt. Und nach dem offiziellen Programm ging es dann gleich weiter zum Geldsammeln. Bis zu 50.000 Dollar zahlten finanzstarke Unterstützer, um mit ihr zu speisen und ein Foto mit der lächelnden Hillary zu bekommen. Das ist auch die Stärke der Kandidatin, auf die die Partei nicht verzichten kann. Hillary Clinton ist das Zugpferd der Demokraten, die die Milliarden benötigten Dollar für den Wahlkampf problemlos einfahren kann.

Die eigenen Parteigenossen sind hin und hergerissen. Sie ist ohne Zweifel die beste Kandidatin, die man sich wünschen kann. Sie hat den Namen, den Bekanntheitsgrad, die Aura und die Erfahrung. Doch da sind auch die politischen Leichen, die sie mitbringt, die Abgehobenheit und die Garantie darauf, ihre engen Verbindungen zu Wall Street und dem “Big Business”. Und es ist klar, falls sie gewählt werden sollte, dass die Republikaner alles, aber auch wirklich alles blockieren würden, was von ihrem “White House” vorgeschlagen wird. Das hat man in den letzten Jahren immer wieder mit Präsident Obama beobachten können, dessen Politik gezielt ausgebremst wurde. Aus welchen Gründen auch immer. Bei Hillary kann man schon jetzt sagen, dass sie für die Republikaner ein rotes Tuch ist und von daher sie bei nichts und niemand unterstützen werden. Die Ablehnung Hillary Clintons ist darüberhinaus das einizge Thema, was die fragmentierte republikanische Partei in diesem Wahlkampf eint. Keine gute Basis für einen sachlichen Wahlkampf.

Hau den Donald

Hau den Donald, bis er platzt.

Hau den Donald, bis er platzt.

Mexikaner sind Drogenkuriere, Vergewaltiger, Kriminelle. So beschrieb Donald Trump in dieser Woche die südlichen Nachbarn bei seiner Ankündigung US Präsident zu werden. Und ja, er werde eine hohe Mauer entlang der Grenze bauen lassen. Mit Mauern kenne er, der Immobilienmogul, sich sehr gut aus. Keine amerikanischen Steuergelder würden für die Grenzsicherung ausgegeben werden. Die Mexikaner selbst würden dafür zahlen, dass da Stein auf Stein gesetzt wird.

Ganz so kriminell scheinen die Mexikaner dann doch nicht zu sein. Da sind durchaus einige gewiefte Geschäftsleute im Nachbarland zu finden, die auf ganz legale Weise ihr Geld verdienen. So wie Dalton Avalos Ramirez, der in dieser Woche eine Donald Trump Piñata auf den Markt brachte, als Antwort auf Trumps unverschämte und herabwürdigende Kommentare.

Die Piñata kommt auf Feiern zum Einsatz. Gefüllt mit Süßigkeiten hängt sie an einem Ast, Kindern werden die Augen verbunden und anschließend schlagen sie mit einem Stock oder Baseballschläger darauf ein, bis die Süßigkeiten herausfallen. Die neue Piñata ist bereits ein Hit in Mexiko, auf den Donald wird in den kommenden Wochen und Monaten fleissig eingeprügelt werden. Im Norden der Grenze politisch, im Süden eher symbolisch.

Lasst mich Euer Führer sein

Donald Trump kandidiert nun also wirklich. Und das ist erstaunlich, denn eigentlich traut man es ihm gar nicht zu, dass er mit Absicht in eine Sackgasse rast, in der er am Ende nicht mehr so leicht die Kurve kratzen kann. In diesem Fall fährt er seine Karre sogar mit Vollgas gegen die Wand am Ende der Straße, quasi nach dem Motto, danach muß es ja weiter gehen. Und das mit 180 Km/h. Trump scheint ernsthaft zu glauben, dass er sich entweder die Wahlen kaufen kann oder, dass die Amerikaner wirklich so dumm sind, einen Politclown ins Weiße Haus zu wählen. Ok, ich weiß, was nun viele sagen werden: George W. Bush. Aber selbst “W” hatte im Vergleich zu Trump noch politisches Feingefühl.

“Ich werde eine große Mauer bauen, und niemand baut Mauern besser als ich…an unserer südlichen Grenze. Und ich werde Mexiko dafür zahlen lassen.” Sowas hätte selbst Bush nicht gesagt. Doch solche Sprüche kamen in der sehr unterhaltsamen, doch durchgehend peinlichen Auftaktrede des republikanischen Möchtegernpräsidenten, die er gestern in seinem Trump Tower in New York City gehalten hat.

Donald Trump zeigt eine Liste seiner Reichtümer. "Ich bin stolz drauf!"

Donald Trump zeigt eine Liste seiner Reichtümer. “Ich bin stolz drauf!”

Nein, er müsse nicht angeben, meinte Donald Trump. “Because you know what? I don’t have to brag.” Einer wie Trump ist einfach nur stolz auf seinen Reichtum, den er da am Dienstag mit 8,737 Milliarden Dollar angibt. Deshalb sagt er auch von sich: “I’m really rich.” Um dann gleich nachzuschieben: “I’m proud of my net worth. I’ve done an amazing job.” Und falls es die da hinten in der hintersten Reihe nicht gehört haben: I’m really proud of my success. I really am.” Wer sagt bitte so etwas von sich selbst bei der Ankündigung amerikanischer Präsident zu werden? Ach ja, Donald Trump.

In seiner wirklich vielbeachteten Rede hat er 195 mal das Wort “Ich” benutzt. “Mein” oder “Mich” 50 mal und “Ich habe” und “Ich würde” nochmals 12 mal. Das sind insgesamt 257 Eigenreferenzen. Das steht dann im Vergleich zu gerade sieben Erwähnungen von “Amerika” und “Amerikanisch”. Kein Wunder also, dass eigentlich niemand der Konkurrenten, auf demokratischer Seite sowieso nicht, aber auch nicht auf republikanischer Seite gut weg kommt. Alles nur Versager und Nullnummern für Trump. “Wir brauchen derzeit einen wirklich großen Führer. Wir brauchen jemanden an der Spitze, der “The Art of the Deal” geschrieben hat”. Die Frage ergibt sich von selbst, wer das Buch geschrieben hat…Donald Trump. Falls also “Big D” gewählt werden sollte – Gott bewahre uns davor -, aber falls es dennoch so weit kommen sollte, dann würden wohl aus den “Vereinigten Staaten von Amerika” die “Vereinigten Staaten von Donald Trump” werden. “You’re fired”, ja, dann würde ich wohl auch meinen Job verlieren.

 

 

“It’s D-Day, Baby”

Für viele Amerikaner ist klar, Donald Trump hat 9 Milliarden Gründe, um ins Rennen ums Weiße Haus einzusteigen. Am heutigen Dienstag will der Donald in einer Rede sein Vermögen präsentieren und, wie angenommen wird, sich ganz offiziell ins republikanische Kandidatenfeld einreihen. Er sieht sich selbst als Enterpreneur, als erfolgreicher Businessman, als ein politischer Außenseiter, der aber problemlos die politischen Wasser im In- und Ausland meistern kann. Das habe er, so Trump immer wieder gerne schulterklopfend, oft genug bewiesen.

Donald Trump kommt 2016 nach Washington DC.

Eigentlich sollte  hier nur das neue Trump Hotel in Washington DC entstehen. Doch nun ist das Plakat auch zu einem Wahlkampfplakat geworden: TRUMP – coming 2016.

Für andere steht eine mögliche Kandidatur Trumps als Sinnbild dafür, was alles mit dem amerikanischen Wahlsystem falsch läuft. Da ist einer mit einem Riesenego, der es braucht, dass auf seinen Gebäuden in gewaltigen Lettern T R U M P steht. Einer, der meint, sein Erfolg als Immobilieninvestor berechtige ihn dazu, auf alles eine Antwort zu haben. Natürlich die richtige Antwort. Allein die jüngsten Auftritte von Donald Trump auf verschiedenen republikanischen Veranstaltungen machten klar, dass eine Kandidatur des berühmtesten “Comb-Overs” zum unterhaltsamen Spektakel wird. Denn Trump läßt keine Meinung und keinen anderen neben ihm gelten. Nur er und sonst keiner.

“Big D” wird also wohl wahrscheinlich heute seine Kandidatur erklären. Er muß, um überhaupt wahrgenommen zu werden. Denn ab August beginnen die Fernsehdebatten auf der republikanischen Kandidatenseite. Und wer da auf dem Podium mitdiskutieren will, muß zum einen offiziell seine Kandidatur erklärt und die nötigen Papiere eingereicht haben. Zum anderen muß er in den Umfragen unter den ersten zehn liegen. Die Liste der GOP Möchtegerne ist lang, der Kampf erbittert. Einen klaren Spitzenreiter gibt es nicht, keiner hat sich bislang vom Feld abgesetzt.

Donald Trump wird das auch nicht. Er wird das ganze nur auflockern und dann irgendwann einen passenden Abgang finden, denn eingestehen, dass er eigentlich eine politische Nullnummer ist, ein Entertainer, ein politischer Clown, der so gar nichts im Politzirkus zu suchen hat, das wird der Donald nie zugeben. Man kann sich schon jetzt auf Tiefschläge, auf unterhaltsame Seitenhiebe gegen die anderen Kandidaten einstellen. Trump schielte schon 2012 auf eine Kandidatur, machte dann aber mehr von sich reden, als er beweisen wollte, dass Barack Obama nicht auf Hawaii geboren wurde und somit kein Amerikaner und somit nicht berechtigt sei, US Präsident zu sein. Jüngst verkündete Donald Trump, dass er eine absolut sichere Strategie gegen die ISIS Terrorgruppe habe, aber, gefragt, wie denn aussehe, meinte er,  er werde diese sicherlich nicht veröffentlichen, denn sonst könnte sie ja jemand klauen.

Trump ist, wie man hier drüben so schön sagt, “full of it”. Er palavert, rückt sich in den Vordergrund, schafft mit seinem Auftreten gute Einschaltquoten. Und vielleicht ist es gerade das, was die Republikaner in diesem Wahlkampf brauchen, Aufmerksamkeit. Denn viele der Parolen und viele der Kandidaten sind so was von gestern. Den Blick nach vorne gibt es fast gar nicht, die meisten berufen sich auf die Größe Amerikas aus längst vergangenen Zeiten, auf “God’s Country”, auf den “American Dream”. Da kommt einer wie Trump gerade richtig, Politik ist ja eh nur Entertainment.

Und als ich das hier alles schrieb, aalte sich zur gleichen Zeit Donald Trump im Trump Tower von New York City im Rampenlicht und erklärte: “I will be the greatest jobs president that God ever created”. Noch Fragen?!

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