Alle sind gleich, nur Weiße sind gleicher

Während die Republikaner einen angst und bange Wahlkampf führen, wollen sich die Demokraten ins rechte Licht rücken. Sie gehen auf Stimmenfang auf dem Rücken von Michael Brown, dem 18jährigen, unbewaffneten Jugenlichen aus Fergusson, der von mehreren Polizeikugeln erschossen wurde. Direkt in Ferguson versuchen die Demokraten schwarze Wähler zu registrieren. In den USA muss man sich als Wähler in Listen eintragen lassen, um an Wahlen teilzunehmen. Das machen nicht viele. Bei der letzten Wahl im April 2014 wurde der Bürgermeister von Ferguson mit gerade mal 1314 Stimmen wiedergewählt. Die Wahlbeteiligung lag bei nur 12 Prozent.

Bei einer Protestveranstaltung greift ein Jugendlicher mit einer Fahnenstange den schwarzen Anwalt und Bürgerrechtler Ted Landsmark an. Das Foto wurde 1976 mit dem Pulitzer Prize ausgezeichnet.

Bei einer Protestveranstaltung greift ein Jugendlicher mit einer Fahnenstange den schwarzen Anwalt und Bürgerrechtler Ted Landsmark an. Das Foto von Stanley Forman wurde 1976 mit dem Pulitzer Prize ausgezeichnet.

Die Demokraten sehen nun ihre Chance. Nicht nur in Ferguson, sondern auch in anderen Städten. Doch die Vorfälle in Ferguson werden im Wahlkampf ausgenutzt. Zweidrittel der Bevölkerung dieser nun bekannten Kleinstadt in Missouri sind Afro-Amerikaner, nur eine verschwindende Minderheit von ihnen ging wählen. Der Bürgermeister ist ein Weißer, fünf der sechs Stadträte sind Weiße. Daneben sind viele der weiteren gewählten Amtsinhaber Weiße. Damit geht die Präsidentenpartei nun auf Stimmenfang, so, als ob die tödlichen Schüsse auf Michael Brown mit einem schwarzen Bürgermeister und einer schwarzen Mehrheit im Stadtrat verhindert hätten werden können.

Man muß sich schon fragen, wer hinter solchen irrsinnigen Wahlkampfkampagnen steckt. Denn auch schwarze Bürgermeister, Staatsanwälte, Polizeichefs und Ratsmitglieder, ja sogar ein schwarzer Präsident, konnten bislang in den USA den alltäglichen Rassismus nicht austreiben. Weder in Ferguson, noch in Oakland, nicht in San Francisco, Chicago, Detroit, New Orleans und vielen anderen Städten und Gemeinden. Die Vorkommnisse in Ferguson haben nur einmal mehr veranschaulicht, dass in Amerika einiges im argen liegt. Der politische Wille, dies radikal und grundlegend anzugehen, fehlt jedoch. Und das in beiden Parteien. Es bleibt also dabei: Alle sind gleich in Amerika, nur Weiße sind gleicher.

 

America Under Attack!

In knapp zehn Wochen wird in den USA gewählt. Das gesamte Abgeordnetenhaus und ein Teil des Senats werden neu besetzt. Die Republikaner erhoffen sich, einen deutlichen Sieg einzufahren, ihre Mehrheit im “House” auszubauen und gleichzeitig die Kontrolle über den Senat zu übernehmen. Damit würde Präsident Obama in den letzten zwei Jahren seiner Amtszeit endgültig ausgebremst werden und die GOP könnte bereits jetzt mit der Beseitigung des “politischen Flurschadens” beginnen, wie sie die Politik Obamas sehen. Alles ist möglich am 4. November. Um sicher zu gehen, dass die republikanischen Wähler auch ihre Stimme abgeben, wird nun – mal wieder – ein Wahlkampf voller Angst vom Zaun gebrochen. Und im Angstschüren sind die Republikaner Weltmeister.

Die Santa Fe Bridge trennt Ciudad Juarez von El Paso. Werden schon bald die ISIS Terroristen über diese Brücke kommen?

Die Santa Fe Bridge trennt Ciudad Juarez von El Paso. Werden schon bald die ISIS Terroristen über diese Brücke kommen?

In irgendeinem Hinterzimmer der Parteizentrale muß sich folgendes zugetragen haben. Ein paar kluge Köpfe überlegten sich, wie man am besten die Emotionen der Wähler bedienen kann. Einer meinte, man müsse im Wahlkampf mehr auf die Grenzsituation eingehen, denn die sei ja löchrig wie ein Schweizer Käse. All die Illegalen kommen so ins Land, nehmen den hartarbeitenden Amerikanern die Jobs weg, plünderten das Sozialnetz und sowieso seien viele von ihnen auch noch Schwerkriminelle und Bandenmitglieder. Die anderen nickten wohlwollend. Toller Plan.

Der neben ihm saß meinte nur, vielleicht sollte man auch noch die mexikanischen Drogenkartelle mit in dieses Szenario aufnehmen, denn die seien ja wie die Mafia, unkalkulierbar, das schüre Ängste. Alle nickten, guter Plan.

Der Dritte im Bunde überlegte etwas und erklärte dann, die größte Gefahr bliebe dennoch der internationale Terrorismus. ISIS und Al-Qaida, das seien Dauerbrenner. Und sowieso habe die GOP schon mehrere Wahlkämpfe mit diesen Schreckgespenstern des Terrors gewonnen.

Und dann meldete sich der Vierte im Raum. Warum verbinde man nicht all diese Szenarien, das wäre doch dann der SuperGAU des Angstschürens: Die Kämpfer von ISIS, eigentlich im Irak und Syrien aktiv, sind schon in Mexiko gelandet, haben sogar schon eine Terrorzelle in der Grenzstadt Ciudad Juarez aufgebaut. Natürlich ging das nur mit Zustimmung der dort aktiven Drogenkartelle. Nicht genannte Mitarbeiter der Geheimdienste hätten Telefonate, Emails und SMS Botschaften abgehört und abgefangen, in denen ganz deutlich würde, dass ISIS, Ortsgruppe Juarez, Bombenanschläge auf Grenzposten und Einrichtungen im Grenzbereich auf amerikanischer Seite durchführen will. Die Grenzen sind ja durchlässig, von daher ein Klacks für die Islamisten und ihre Kumpels von den Kartellen. America Under Attack!

Ich weiß nun nicht, ob dieses Hinterzimmergespräch tatsächlich so stattgefunden hat. Denkbar wäre es, denn das Horrorszenario, das hier beschrieben wird, ist tatsächlich die Wahlkampfstrategie der Republikaner. Genau so und in dieser Deutlichkeit. In den konservativen Medien von FOXNews und Breitbart bis hin zu Kommentatoren, wie Allen B. West, wird dieser Terrorplan Tag für Tag Zuschauern, Zuhörern und Lesern dargeboten und nimmt immer haarsträubendere Formen an. Ich denke, bis zum Wahltag werden die ISIS Kämpfer auch noch mit nordkoreanischen oder pakistanischen Nuklearwaffen bewaffnet sein. Es sind ja noch knapp zehn Wochen. Alles ist möglich, man muß es nur glauben.

 

In Texas ist was im Trinkwasser

George W. Bush kam aus Texas. Der Cowboy auf der Weltbühne schmiss mit krafvollen Aussagen um sich. “Man ist entweder mit uns, oder gegen uns”, damit gab er die Kampfparole in seinem “Krieg gegen den Terror” aus. Osama bin Laden wollte er, ganz in Wild-West-Manier, “Dead or Alive”. Und die Achse des Bösen ist noch immer ein geläufiges Zitat von Bush.

Rick Perry  sieht die Heimatfront.

Texas Gouverneur Rick Perry befürchtet den Kampf im texanischen Wüstensand.

Doch anscheinend war George W. nicht der einzige aus Texas, mit einem etwas verblendeten Weltbild. Dem texanischen Gouverneur Rick Perry steht derzeit zwar das Wasser bis zum Hals. Er hat ein Verfahren am Hals, das im nicht nur den Job kosten, sondern auch eine lange Haftstrafe einbringen könnte. Doch das hält ihn nicht davon ab, mit kraftvollen Worten das Anti-Terrorschwert zu schwingen. Für Perry steht fest, dass die Terroristen von ISIS bereits in den USA sind. Und klar, Obama ist daran schuld, denn der lasse ja die Grenze zu Mexiko offen. Über dieses 3000 Kilometer weite Tor fallen, so Perry, die Islamisten ein. Der Gouverneur zeichnet das Bild einer Heimatfront, der sich Amerika stellen muß. Was da gerade im Wüstensand des Irak passiert, wird schon bald im Wüstensand des Lonestar States Texas abgehen.

Louie Gohmert will keine Muslimbrüder im Weißen Haus.

Louie Gohmert fürchtet den Einfluß der Muslimbrüder auf Obama im Weißen Haus.

Doch Perry ist nicht der einzige Texaner, der derzeit mit brachialer Meinungsmache auf sich aufmerksam macht. Ihm zumindest kann man noch unterstellen, dass er mit seiner Schweizer Käse Grenzhypothese schon mal die Reihen hinter sich schließen will, denn Rick Perry will Präsident werden. Das erste mal hat er es 2012 peinlichst verbockt, nun will er es richtg machen, und das eben mit markigen Worten.

Louie Gohmert heißt der republikanische Kongressabgeordnete aus Texas, der Barack Obama unterstellt, nicht für den harten Kampf gegen die Islamisten im Irak, Afghanistan, Syrien und anderswo bereit zu sein. Denn die Obama Adminstration sei “unterwandert von der Muslimbruderschaft”. Mehrere Berater des Präsidenten seien Muslimbrüder, selbst nach dem Bostoner Bombenanschlag im vergangenen Jahr verhinderten diese eine klare Aufklärung, so Gohmert. Der Abgeordnete forderte einen sofortigen Stopp der muslimischen Einflußnahme auf Barack Hussein Obama.

Also, irgendwas muß doch im texanischen Wasser sein, anders lassen sich solche Äußerungen doch nicht erklären.

Die Geister, die man rief

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Barack Obama am Wochenende im "Rose Garden" des Weißen Hauses.

Der amerikanische Präsident Barack Obama am Wochenende vor Pressevertretern im “Rose Garden” des Weißen Hauses.

Amerikanische Bomberpiloten kennen sich langsam aus im Irak. Zum dritten mal wird eine größere Angriffswelle auf Stellungen im Irak geflogen. Diesmal heißt der Gegner “Islamischer Staat”. Keine Bodentruppen sollen eingesetzt werden, das wird immer wieder betont, die Lösungen werden aus der Luft gesucht.

Hinzu kommt, dass die CIA bereits Waffen an die Kurden im Norden liefert. Sollen die sich doch mit den Terroristen des “IS” rumschlagen, auch wenn die USA maßgeblich an der katastrophalen Lage im Irak mitverantwortlich sind. Barack Obama versucht sich zu erklären, die Republikaner werfen ihm eine lasche Kampagne vor. Da hätte er es auch gleich sein lassen könnnen, meint John McCain. Die Aussagen der republikanischen Spitzenpolitiker lassen schon mal ahnen, was auf Amerika und die Welt zukommen wird, wenn 2016 ein neuer, ein republikanischer Kandidat zum Präsidenten bestimmt wird. Die Kommentare von McCain, Graham oder auch King machen mir zumindest deutlich, warum der “Kriegspräsident” Obama 2008 mit dem Friedensnobelpreis geehrt wurde: Es hätte schlimmer kommen können.

Ein aktueller Audiobeitrag zu Reaktionen in den USA auf den neuen Militäreinsatz im Irak.

Krisen? Welche Krisen?

Gestern Abend flog Präsident Barack Obama in der Bay Area ein. Um 21:20 Uhr landete “Air Force One” auf dem San Francisco International Airport. Obama übernachtete in der Stadt, um am heutigen Mittwoch zwei “Fundraiser” abzuhalten. Der 18. Klingelbeuteltrip von Obama as Präsident in die Bay Area. Preisschild für ein Ehepaar 32,400 Dollar. Von SF geht es gleich weiter nach LA, auch dort wird Geld gesammelt.

Barack Obama bei seiner Ankunft am Dienstagabend in San Francisco.

Barack Obama bei seiner Ankunft in San Francisco.

Der Nahe Osten brennt, in der Ukraine steppt der russische Bär, an der US amerikanischen Grenze gibt es eine humanitäre Krise und ein Gericht in den USA hat einen wichtigen Teilpunkt der Obamaschen Gesundheitsreform gekippt. Aber der Präsident nippt lieber an Cocktails, diniert mit guten Freunden und lacht breit in die Kameras. Von Krisen keine Rede, das Leben geht weiter, sprich der nächste Wahlkampf muß ja auch finanziert werden.

Am Mittwoch ist zufälligerweise auch Hillary Clinton in San Francisco. Sie sammelt keine Spenden, noch nicht. Ganz im Gegenteil, Clinton ist hier, um sich verschiedene Projekte anzusehen, Bürgernähe zu zeigen und weiter die Gerüchteküche anzuheizen, ob sie denn nun fürs Präsidentenamt kandidieren wird oder nicht.

Obama gibt derzeit mit seinen Reiseaktivitäten und seinen eher unklaren Aussagen Steilvorlagen für den politischen Gegner. Die bekunden in Interviews, dass sie “diesen Präsidenten nicht mehr verstehen”, so John McCain. Einige erklären sogar, dass Obama bereits “ausgecheckt” hat, so als ob er bereits sein Amt hinter sich gelassen hat. Doch auch Demokraten sind derzeit etwas verwirrt über die Reiselust ihres vordersten Mannes. Auch wenn die “Fundraiser” bereits vor zwei Wochen geplant waren, also vor der Gaza Invasion und dem Abschuß der malaysischen Maschine, so hätte das Weiße Haus anders reagieren müssen, heißt es aus der Präsidentenpartei. Obama und seine Vertrauten lassen die Kritik an sich abperlen. Der Präsident sei immer telefonisch erreichbar, heißt es. Stimmt, beim Krabbencocktail kann man durchaus auch über Waffenexporte, bombardierte Städte und Weltkrisen sprechen.

Das Lied von “La Bestia”

Werbekampagne der USA südlich der Grenze.

Werbekampagne der USA südlich der Grenze.

Sie kommen aus Guatemala, Honduras, El Salvador und Mexiko. Illegal kommen sie über die Grenze, in der Hoffnung in den USA das gelobte Land zu finden. Arbeit, Sicherheit, eine Zukunft. Zehntausende sind es schon und Tag für Tag werden es mehr. Irgendwie hat sich in diesen Ländern die Nachricht verbreitet, wer kommt darf bleiben. Vor allem Minderjährige würden nicht zurück geschickt werden, heißt es. Die Menschen fliehen aus wirtschaftlichen Gründen und vor der eskalierenden Gewalt in den mittelamerikanischen Ländern.

Die Konservativen in den USA haben die Grenzfrage zum Wahlkampfthema gemacht, so, als ob Barack Obama alleine für die Situation an der “Border” verantwortlich ist. Doch die Krise hat schon lange vor der Amtsübernahme Obamas begonnen. Doch nun demonstrieren bewaffnete Milizen und “aufgebrachte” Bürger entlang der Grenze gegen die Aufnahme der Flüchtlinge, schreien ihnen lauthalts entgegen: “Geht zurück, woher ihr kommt”. Obama besteche durch Abwarten, Passivität, durch politisches Kalkül, heißt es. Er wolle durch sein Nichtstun erreichen, dass die Latinos im Land in Zukunft die Demokraten wählen, so der Vorwurf der Schreihälse.

Schon seit Wochen wird allerdings gehandelt. Eine umfassende Einwanderungsreform wird im republikanisch dominierten Kongress zwar ausgebremst. Lieber schimpft man, als zu handeln. Doch die USA sind in den betroffenen Ländern aktiv. Es gibt Gespräche auf politischer Ebene, Angebote des FBI, im Gangkrieg zu helfen, die Gewalt unter Kontrolle zu bekommen. Und man fährt eine massive in Washington produzierte Werbekampagne, die besagt, kommt nicht in die USA. Es gibt weder eine Amnestie für Illegale, noch eine Aussicht auf Asyl und auch Kinder und Jugendliche würden zurück in ihre Heimatländer geschickt werden. Darüberhinaus ist der Weg Richtung Norden viel zu gefährlich, vor allem für unbegleitete Minderjährige, wird in der Kampagne immer wieder betont. Dafür wurden Anzeigen in Zeitungen geschaltet, Werbespots und Lieder produziert. Der Song “La Bestia”, der Güterzug auf dem die Flüchtlinge gegen Norden fahren, wurde sogar zu einem Hit. Doch all das hat die Zahlen der Illegalen nicht nach unten gedrückt. Sie hören die Message der Amerikaner, doch hören auf die Geschichten und Berichte derjenigen, die es in die USA geschafft haben. Der Menschenstrom Richtung Norden geht unvermindert weiter.

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Die Grenze und “American Pie”

Barack Obama trifft Rick Perry in Austin.

Barack Obama trifft Rick Perry in Austin.

Barack Obama kam und Rick Perry schüttelte ihm die Hand. Der Präsident und der Gouverneur erkannten nach einem kurzen Gespräch, dass sie gar nicht so weit politisch auseinander liegen. Zumindest nicht in der Frage der Grenzsicherung. An der US amerikanisch-mexikanischen Grenze spielt sich seit Wochen und Monaten eine humanitäre Katastrophe ab. Zehntausende von Flüchtlingen, darunter seit Oktober rund 60.000 unbegleitete Minderjährige aus Honduras, Guatemala und El Salvador, müssen in Notunterkünften untergebracht und versorgt werden. Die Grenze wirkt wie ein Schweizer Käse, die alles andere als sicher ist.

Es geht um Geld, um viel Geld. Barack Obama fordert vom US Kongress 3,7 Milliarden Dollar extra und schnell zur Verfügung zu stellen, um die Asylverfahren zu beschleunigen. Das Geld würde für mehr Richter, mehr Anwälte, die Versorgung der Flüchtlinge und auch neues Equipment für die Grenzpolizei eingesetzt. Doch im republikanisch dominierten Kongress geht derzeit nichts voran. Vor allem dann nicht, wenn Barack Obama einen Vorschlag macht. Der Präsident erklärte denn auch nach seinem Gespräch mit Rick Perry: “Wenn ich ein Gesetz vorschlagen würde, das Apfelkuchen amerikanisch sei, würde es wahrscheinlich Opfer der Parteipolitik werden”.

Barack Obama appellierte an Gouverneur Rick Perry Einfluß auf die republikanischen Kongressabgeordneten aus Texas zu nehmen, die bislang im Zentrum der Blockade stehen. Wenn diese der Initiative Obamas folgen würden, dann, so Obama, könnte schnell auf die Krise reagiert werden.

Unterdessen wurden die kritischen Stimmen aus dem Lager der Demokraten lauter, die dem Präsidenten vorwerfen, schlecht beraten zu werden. Er sollte sich die Situation an der Grenze selbst ansehen, was Obama bislang ablehnte. Die Grenzkrise könnte so zu Obamas “Katrina” werden. Amtsvorgänger George W. Bush hatte sich nach dem Hurricane Katrina lange geweigert, sich selbst ein Bild von der Katastrophe zu machen. Dafür wurde er von allen Seiten heftigst kritisiert. Das Weiße Haus wehrt sich gegen diese Vorwürfe und erklärt, die Lage an der Grenze sei oberste Priorität. Auch habe Vize-Präsident Joe Biden mit den Präsidenten von Guatemala, Honduras und El Salavador telefoniert, um auf sie einzuwirken. Auch habe man 300 Millionen Dollar für die Rückführung und Wiedereingliederung der Flüchtlinge angeboten. Die offenen Grenze zu Mexiko ist zu einem heißen Wahlkampfthema geworden.

 

 

Handschlag mit dem Teufel

Für einen Handschlag komme er nicht raus zum Flughafen nach Austin. Kurz und knapp verneinte Texas Gouverneur Rick Perry die Einladung, Barack Obama bei seiner Ankunft in Texas zu begrüßen. Perry schlug vor, dass der Präsident sich Zeit für ein ausgiebiges Gespräch nehmen sollte, um über die katastrophale Lage an der Grenze zu Mexiko zu sprechen.

Gouverneur Rick Perry will sich nicht mit Präsident Obama treffen.

Rick Perry will sich nicht mit Präsident Obama treffen.

Barack Obama kommt jedoch noch aus politischen Gründen in den “Lonestar State”. Er reist nach Texas, um dort an gleich mehreren Veranstaltungen für demokratische Kandidaten teilzunehmen, sprich Geld in die Wahlkampfkassen zu fluten. Die Tagespolitik bleibt da außen vor. Zwar erklärte das Büro von Obama, man werde bei einem runden Tisch auch über die Grenzfrage sprechen und dazu würde man Rick Perry gerne einladen, doch das scheint Perry nicht genug zu sein.

Der Gouverneur hat für sich die offene Grenze als offene Wunde Obamas definiert und bohrt darin fast täglich genüßlich herum. Am Sonntag erklärte er in der Sendung “This Week” auf ABC: “Ich glaube, ihn (Obama) kümmert es nicht besonders, ob die Grenzen der Vereinigten Staaten gesichert sind”. Rick Perry, der 2012 als republikanischer Präsidentschaftskandidat gleich mehrere Aussetzer im Wahlkampf hatte und frühzeitig die Segel streichen mußte, positioniert sich derzeit. Alles sieht danach aus, dass er erneut ins Rennen ums Weiße Haus gehen will. Die illegalen Immigrantenströme aus dem Süden sind dabei ein Thema, das die Republikaner vereint. Und er als Gouverneur eines betroffenen Grenzstaates schafft es derzeit fast jeden Tag in die nationalen Medien zu kommen. Ein Handschlag mit dem “Teufel Obama”, wie ihn die politische Rechte in der GOP nennt, wäre da ein falsches Bild.

Die illegale Einwanderungswelle aus dem Süden treibt zur Zeit die verschiedensten politischen Wahlkämpfe an. Demokraten und Republikaner gleichermaßen haben überhaupt kein Interesse der Situation Herr zu werden. Sie setzen auf Zeit und spielen damit mit der Not und dem Leid Zehntausender, die in den USA (noch immer) das gelobte Land sehen.

 

 

Obama sucht Nachfolger(in)

Senatorin Elizabeth Warren im Gespräch mit Barack Obama. Wird sie die erste US Präsidentin werden?

Senatorin Elizabeth Warren im Gespräch mit Barack Obama. Wird sie die erste US Präsidentin werden?

Hillary Clinton ist auf Werbetour für ihr Buch in Deutschland und die erste Frage, die ihr überall gestellt wird ist, wann sie endlich ihre Kandidatur bekannt geben wird? Als ob sie das wirklich in Deutschland preisgeben würde. Ganz abgesehen davon, dass ich nicht glaube, dass Hillary Clinton überhaupt kandidieren wird, und das aus mehreren Gründen, Amtsinhaber Barack Obama scheint sich schon auf eine Nachfolgerin festgelegt zu haben. Und die heißt eben nicht Hillary Clinton. Mit der einstigen First Lady, Senatorin, Außenministerin, doch vor allem innerparteilichen Kontrahentin im Rennen um das Weiße Haus 2008, verbindet Obama so etwas wie eine Hass-Liebe. Hillary ist eine begnadete Politikerin, die voll und ganz in ihrer Rolle als Chef-Diplomatin in der Obama Adminstration aufging. Doch Ehemann Bill Clinton hat nie einen Hehl daraus gemacht, was er eigentlich von Barack hält; nämlich gar nichts. Ein “Nobody” sei Obama, der mit schönen Worten, aber ohne Inhalte die Wahl gewonnen habe. Seine Frau hätte die Herausforderungen nach acht Jahren George W. Bush besser gemeistert, als der Jung-Senator aus Illinois, so der Ex-Präsident Bill Clinton.

All das scheint Barack Obama nicht vergessen zu haben, denn er setzt bereits auf eine andere Kandidatin, Massachusetts Senatorin Elizabeth Warren. Sie gilt als Vertraute von Obama, als Unterstützerin seiner Politik, als Erbin seines politischen Vermächtnisses. Hillary, so heißt es aus dem Weißen Haus, würde einiges rückgängig machen oder zumindest aufweichen, was Obama in harten Kämpfen mit den Republikanern durchgesetzt hat. Offiziell wird sich Barack Obama zu dieser Personenwahl nicht äußern, doch die Obama Beraterin Valerie Jarrett hat sich bereits mehrmals mit Elizabeth Warren getroffen, um sie von einer Kandidatur zu überzeugen. Dabei sei es auch ums Geld gegangen. Jarrett habe Warren zugesichert, dass Obama seine “Geldmaschine” für sie einsetzen werde.

Die 65jährige Elizabeth Warren war vor ihrer Wahl zur US Senatorin für den Bundesstaat Massachusetts Rechtswissenschaftlerin an der Harvard Universität. Ihr Spezialgebiet liegt auf Insolvenzrecht. Warren ist beliebt beim progressiven Flügel der demokratischen Partei und könnte als Kandidatin die Basis der Demokraten und Linken ansprechen.

Obamas chaotische Kruschkiste

Präsident Barack Obama will aber kann nicht mehr regieren.

Präsident Barack Obama will aber kann nicht mehr regieren.

Der Montag war nicht gerade Barack Obamas Tag. Der Sprecher des Kongresses, der Republikaner John Boehner, drohte schon vor ein paar Tagen mit einer Klage. Obama hätte seine Befugnisse mehrmals überschritten. Kein guter Wochenstart. Dann urteilte am Montagmorgen das Verfassungsgericht in einer 5:4 Entscheidung, dass in bestimmten Fällen, Unternehmen nicht für Verhütungsmittel bei Frauen aufkommen müssen, wenn dies gegen die religiösen Überzeugungen der Inhaber verstößt. Das war ein Punkt in der Gesundheitsreform, auch “Obamacare” genannt, die nun immer weiter ausgehöhlt wird.

Schließlich trat Barack Obama selbst vor die Presse, um über die Situation an der mexikanischen Grenze zu sprechen, die außer Kontrolle gerät. Es war eine Verzweiflungstat, denn klar ist, es wird so schnell keine “Immigration Reform” geben. Im November stehen die Kongresswahlen an und die ultrakonservative Tea Party Strömung hat bereits mehrfach lautstark erklärt, dass sie jeden Kandidaten angehen werde, der für eine Amnestie, eine Entkriminalisierung von illegalen Grenzgängern und eine Einbürgerung durch die Hintertür eintritt. Also, nichts wird passieren.

Obama will ja, aber er hat da einen Scherbenhaufen in Washington. Das wurde am Montag ganz deutlich. Außenpolitisch läuft es auch nicht so. Die Republikaner schießen sich weiter auf den Terrorangriff von Bengasi und die Eskalation im Irak ein. Obama habe auf breiter Strecke total versagt, das wird in jedem Interview betont. 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Unterdessen fallen die Umfragewerte weiter für den Präsidenten. Was die Republikaner und die Tea Party Konservativen im Land hervorragend können, ist mit dem Finger auf den politischen Gegner zu zeigen. Allen voran Barack Obama, den sie als “Totalausfall” und als den “unfähigsten Präsidenten” seit 100 Jahren bezeichnen. Obama sei schlimmer als Carter, und das will was heißen bei den Republikanern. Bislang war Jimmy Carter das rote Tuch im GOP Lager.

Das Chaos in Washington wird so bald kein Ende nehmen. Ein “Blame Game” läuft, Ausgang ist noch ungewiss, der politische Stillstand ist erreicht. Kein Wunder, dass immer Amerikaner sich von der Politik in Washington abwenden. Das Showbusiness wird an der anderen Küste in Hollywood einfach besser und unterhaltsamer produziert.