Eisbrecher Vollkurs voraus

Eisbrecher feierte die Rheinfeier auf der "MS RheinEnergie".

Eisbrecher feierte die Rheinfeier auf der “MS RheinEnergie”.

Eine Rheinfahrt die ist lustig. Seit 18 Jahren produziere ich “Radio Goethe”, seit dem Beginn der Band Eisbrecher laufen die Mannen um Käpt’n Alex regelmäßig im Programm. Damals als Alex Wesselsky bei Megaherz ausstieg, gab er mir kurz danach eine CD mit den ersten Hörbeispielen seines und Noel Pix’ neuem Projekt in die Hand. Es war anders, elektronischer, doch vor allem vielversprechend. Und mit Eisbrecher blühte Alex auf, realisierte vieles, was mit Megaherz musikalisch nicht umgesetzt werden konnte. Das erlebte man am gestrigen Samstagabend erneut beim Jahresabschlußkonzert auf der “MS RheinEnergie”.

Fast 1100 Fans und geladene Gäste waren an Bord, als der Kölner Dom rechts liegen gelassen wurde und die Motoren des Schiffes angeschmissen wurden. Es ging flussaufwärts. Die Zuschauer erlebten ein außergewöhnliches, ja, ein einmaliges Konzert. Draußen zog das Ufer vorbei, innen kochte der Saal mit den besten Songs aus 11 Jahren Eisbrecher. Sänger Alex war der perfekte Unterhalter, Moderator und Anheizer. Die wenigen neuen Gesichter im Publikum wurden fast persönlich in der Eisbrecher Familie willkommen geheißen.

Im Januar wird nun das neue Album “Schock” erscheinen. Zwei Songs daraus präsentierte die Band am Samstagabend. Und wieder wird auch dieses Album in den USA auf Metropolis Records veröffentlicht werden. Damit sind Eisbrecher eine der wenigen deutschsprachigen Bands, die auch weiterhin auf dem US Markt präsent und erfolgreich sind. Ihr Sound kommt an, die Songs sprechen diese universelle Sprache, die man versteht, egal, ob man den Wortspielen von Alex Wesselsky folgen kann oder auch nicht.

Nach dem Konzert erhielt ich noch eine kleine Extra-Zugabe, als Alex erfuhr, dass ich nun die doppelte Staatsbügerschaft besitze. Er setzte – mit Hand auf dem Herzen – zum Singen der amerikanischen Hymne an. Ein besonderes Ständchen zu später Nachtstunde. Persönlich und ganz und gar nicht politisch gemeint. Danke Alex!

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Zwei der Großen in der kleinen Stadt

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Mona Mur und En Esch am Freitag in Fürth.

Nicht allzu viele deutsche Musiker sind den amerikanischen Musikfans ein Begriff. Doch einige haben durchaus einen Namen. Dazu gehören Mona Mur, die in den Anfangsjahren mit den Einstürzenden Neubauten spielte, viele Soloprojekte verwirklichte, eine begehrte Muskerin für Videospielproduktionen und Soundtracks ist und jüngst mit FM Einheit kollaborierte. Und En Esch, ehemaliger Gitarrist und Sänger der legendären Industrialband KMFDM, der gerade die Arbeiten an seiner neuesten Soloplatte fertig gestellt hat.

Beide arbeiten schon seit ein paar Jahren zusammen, tourten in aller Herren Länder und nun stehen auch ein paar Konzerte in Deutschland an, eines davon am Freitag den 19. Dezember um 20 Uhr in Fürth. Im “Kopf und Kragen”, kannte ich bislang auch nicht, musste ich auch erst raussuchen, wo genau das ist… Aber es lohnt sich auf alle Fälle, denn Mona Mur und En Esch laufen regelmäßig mit ihren Alben und den vielen Nebenprojekten im Programm von Radio Goethe. Jüngst erst gab es ein kleines Spezial über die beiden, das man hier hören kann:

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“Kopf und Kragen”, in der Ottostr. 27, Hinterhof EG in Fürth.

 

 

Eine einzigartige Klangreise um die Welt

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Sammlung traditionelle Musik der Unesco, nun veröffentlicht bei Smithsonian Folkways Recordings.

Sammlung traditionelle Musik der UNESCO, nun neu und digital veröffentlicht bei Smithsonian Folkways Recordings.

Trommeln, Wasserplätschern, ein Singsang. Man hört Wassertrommeln aus Kamerun. Feldaufnahmen, die aus der Sammlung traditioneller Musik der UNESCO stammen. Nichts ist beschönigt, bereinigt oder aufgearbeitet. Es klingt so, als wenn man daneben sitzen würde. Irgendwo in Afrika. Solche und viele andere Aufnahmen wurden von der UNESCO seit den 50er Jahren zusammen getragen.

2004 verschickte die UNESCO eine Rundmail, in der es hieß, die Plattenfirma, die bislang diese umfangreiche Sammlung auf Schallplatten herausgebracht habe, mache mit diesen Veröffentlichungen im digitalen CD- und mp3-Zeitalter keine Gewinne mehr. Niemand wollte wohl mehr eine LP mit Regengesängen der Aboriginals aus dem Herzen Australiens kaufen.

Diese Mail kam auch auf den Schreibtisch von Atesh Sonneborn, der beim Smithsonian Folkways Plattenlabel in Washington DC für die Programmarbeit zuständig ist. Folkways Records ist eine alte Plattenfirma, die 1948 von Moses Asch gegründet wurde. Bis zu seinem Tod 1986 wurden 2168 Alben veröffentlicht. Ethnische und zeitgenössische Musik aus aller Welt, Literatur- und historische Aufnahmen, Dokumentationen, Soundplatten und allerlei andere teils seltsame “Recordings”. Nach dem Tod von Moses Asch stifteten die Erben diese umfangreiche Klang- und Musiksammlung dem Smithsonian Institut für kulturelles Erbe. Einzige Bedingung: Alle Aufnahmen müssen auch weiterhin einer interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Smithsonian dürfe sich nicht nur die Rosinen aus dem Kuchen picken, wie z. B. die Aufnahmen von Folksänger Woody Guthrie. Ein Deal, der noch heute besteht. Folkways Records wurde Smithsonian Folkways Recordings.

Das Resultat dieser Kooperation zwischen dem Plattenlabel und der Weltkulturorganisation ist ein Monumentalwerk. Zehn Jahre dauerte es für das Label, um überhaupt alle Rechte an den Aufnahmen zu klären und zu bekommen. 127 CDs sind projektiert. Bereits seit Ende April werden pro Woche und ein Jahr lang zwei Platten als CD und Download veröffentlicht. Man kann alles erwerben oder ganz gezielt nach Land und Regionen auswählen. Der Stapel CDs vor mir gleicht einer klanglichen Weltreise. An manchen Orten will man mehr verweilen, ausruhen, eintauchen. Andere hingegen will der Hörer schnell wieder verlassen. Doch das hängt vom persönlichen Geschmack ab. In dieser Sammlung geht es an und um die musikalischen Wurzeln. Hier kann man der Seele von Volksgruppen und, ja, der gesamten Menschheit näherkommen. Es ist Musik, die fast vergessen schien, die lange Jahre nicht mehr gehört wurde. Und wahrscheinlich auch davor nur von Wenigen. Es ist wie eine Jukebox der Menschheit. In 127 CDs um die Welt.

Manches in der Unesco Musiksammlung ist eingängig, anderes eher sperrig. Hier hört man nichts, was auch nur annähernd den Weg in die Hitparaden und Charts der westlichen Welt geschafft hat. Es ist“Roots”-Musik, die Grundlage der Weltmusik. Aus Indien, Afghanistan, Russland, Jemen, Kurdistan und vielen, vielen anderen Ländern.

Das Label Smithsonian Folkways hofft mit dieser Neuauflage der Unesco Musiksammlung auf Käufer vieler ethnischer Gruppen in den USA und anderswo, die fernab der eigenen Heimat mehr über ihre Wurzeln erfahren wollen. Mit dieser Reihe werden Grenzen überschritten; geographisch, musikalisch, spielerisch. Man dreht den Erdball, hört hin und erkennt: Musik ist die einzige globale Sprache.

Wer verdient an der Musik?

Per App in der Spotify Musikbibliothek.

Per App in der Spotify Musikbibliothek.

Die Sängerin Taylor Swift hat nun ihre Musik aus den Streaming Angeboten wie Spotify zurück gezogen. Sie sagt, andere verdienen da mit ihren Songs. Das sagt eine Musikerin, die gut im Geschäft ist. Spotify reagierte, Firmenchef Daniel Ek erklärte , man habe allein im letzten Jahr eine Milliarde Dollar an die Musikindustrie überwiesen. Wenn die Plattenfirmen das nicht weitergeben würden, läge das Problem dort und nicht bei Spotify. Mal schnell den Schwarzen Peter weiter gereicht. Schon vor einiger Zeit hatte sich auch Purple Schulz von den Streaming Diensten verabschiedet. Es bringe nichts, meinte er auf seiner facebook Seite. Seine Fans erreicht er vielmehr direkt in sozialen Netzwerken oder in Konzerten.

Tatsache ist, dass von dem Musik-Streaming Minimalstbeträge bei den Musikern und Bands ankommen. Andere werden damit reich. Das sieht man derzeit auch hier in der San Francisco Bay Area. Tim Westergren ist der Gründer von Pandora, einem der großen Streaming Services. Und er hat sich gerade ein riesiges Estate in Inverness, Marin County, geleistet. Das wurde auch nur bekannt, weil er derzeit mit den Behörden in West-Marin und den Anwohnern in der Point Reyes Region im Klinsch liegt. Westergren will größere Anbauten durchführen, was nicht jedem gerade gefällt. Der Pandora Gründer wurde mit seinem Streaming Dienst sehr reich, das zeigt er jetzt mal so nebenbei.

Streaming Dienst Pandora wurde zum Erfolg.

Streaming Dienst Pandora wurde zum Erfolg.

Nein, es geht hier nicht um Neid, Tim Westerberg oder auch Daniel Ek sollen verdienen was sie wollen, besitzen was sie können. Aber es geht darum, dass man diesen Erfolg nicht auf dem Rücken anderer macht und wenn, dann sollte man fair dafür bezahlen. Und das machen sowohl Spotify wie auch Pandora nicht. Die Münchner Band Eisbrecher ist in den USA auf Metropolis Records veröffentlicht. Wenn man auf Pandora “Rammstein Radio” wählt, dann ist fast jedes dritte, vierte Lied eines von Eisbrecher. Was die Band damit verdient sei einmal dahingestellt, bislang jedenfalls können sich Eisbrecher keine USA Tournee leisten.

Ja, es hängt viel davon ab, wie die Konsumenten, die Hörer heute Musik nutzen. Die Zeiten sind lange vorbei, als ich als Jugendlicher durch die Nürnberger Plattenläden stöberte, auf der Suche nach Bands, die ich auf AFN, Bayern 3 oder bei Freunden gehört hatte. Das ging vom Radio Adler zum Francoise in der Breiten Gasse, da war der Phonac, der Musik Shop, der Goofy. Auch Hertie, Kaufhof und Karstadt hatten Plattenabteilungen. Dann kam der WOM und dann der Müller und dann machte irgendwann ein Laden nach dem anderen dicht. Spotify und Pandora machen es heute einfach. Einfach für den Kunden. Doch dabei wird vergessen, dass Musik nicht nur ein Konsumgeschäft ist. Die mp3 Tauschbörsen, youtube, iTunes und all die anderen legalen und illegalen Plattenformen haben das Geschäft schon verwässert. Mit Plattenverkäufen verdienen heute nur noch die wenigsten Bands und Musiker etwas. Die Streaming Dienste sind so etwas wie Leichenfledderer. Der Patient ist schon tot, man verschachert nur noch das, was übrig geblieben ist und verdient damit “gutes” Geld. Was danach noch übrig bleibt, wird sich zeigen. Ich glaube, nicht mehr viel.

 

Dieses Lachen steckte an!

Als ich vor etlichen Jahren einer guten Freundin von “Car Talk” erzählte, wußte sie anfangs so gar nichts damit anzufangen. Sie arbeitete bei DeutschlandRadio. “Car Talk” war eine der am meisten gehörten Programme auf “National Public Radio”, NPR. Und die wöchentliche Sendung ging genau darum, um Autos. Doch es war keine dröge, ölige, oder funzlige Werkstattsendung, nein, “Car Talk” war eine erfrischende, humorvolle und unglaublich lebendige Show.

Tom und Ray Magliozzi (v.l.n.r.), Moderatoren von "Car Talk".

Tom und Ray Magliozzi (v.l.n.r.), Moderatoren von “Car Talk”.

Die Brüder Ray und Tom Magliozzi aus Boston begannen 1977 auf einer lokalen NPR Station mit ihrer Sendung. Sie nannten sich “Click and Clack, the Tappet Brothers”  und beendeten jede Show mit “Don’t drive like my brother….and don’t drive like my brother”. Zehn Jahre später wurden sie “syndicated”, im NPR Verbund verbreitet. 600 Stationen erreichten die Brüder schließlich mit ihrem Programm. Hörer riefen mit ihren Autoproblemen an, da qualmte es, da quietschte es, da gab es seltsame Geräusche. Oder es ging um Auto relevante Themen. Das reichte von “Was für ein Auto soll ich mir kaufen, wenn ich blond, 1,60 groß und kurzsichtig bin” bis hin zu “Mein Mann meint, ich solle vor dem Starten dreimal das Gaspedal durchdrücken, stimmt das?” Ray und Tom gingen keiner Frage aus dem Weg, ganz im Gegenteil, sie bestachen durch ein Fachwissen, kannten jeden Wagen und erklärten einer mehrere Millionen umfassenden Stammhörerschaft komplizierte Motorenabläufe und mechanische Zusammenabhänge. Und die NPR Gemeinde liebte die beiden Brüder, gerade weil sie anders waren, weil sie lockerer rüberkamen, weil sie lauthals auch über sich selbst lachen konnten. Als Hörer wurde man schlichtweg mitgerissen.

2012 beendeten sie ihre Live-Anruf Show, doch NPR wiederholte einfach alte Sendungen, die Show blieb populär. Nun ist Tom Magliozzi im Alter von 77 Jahren an “Komplikationen der Alzheimer Erkrankung” gestorben, wie es heißt. Damit verliert die amerikanische Radiolandschaft einen der lockersten Moderatoren, einen Menschen mit Sinn für Humor.

Meine Freundin vom DeutschlandRadio hörte sich damals die Sendung ganz an. Sie verstand anfangs nicht viel vom Bostoner Dialekt, aber sie mehr und mehr angetan von der ganz anderen öffentlich-rechtlichen Radiostimme. Doch sie meinte, das würde nie in Deutschland funktionieren….eigentlich schade, denn das Lachen von Tom Magliozzi war einfach nur ansteckend.

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Amerika steht vor einem Erdrutsch

Am Dienstag wird in den USA gewählt. Eigentlich für alles, was es da so gibt. Kongressabgeordnete, Senatoren, Gouverneure, Bürgermeister, Richter, Sheriffs, irgendwelche Board Members, dann Volksentscheide, ich kriege jetzt schon Krämpfe in der Hand, wenn ich an all die Kreuze denke, die ich da am Dienstag machen muß. Es ist wahrlich ein Kreuz mit der Wahl.

Wollen wir mal wählen gehen.

Wollen wir mal wählen gehen.

Und doch, die Republikaner feiern schon jetzt. Sie sind siegessicher, nichts kann schiefgehen, Präsident Obama kriege einen auf die Mütze. Ja, Obama werde für einfach alles abgestraft. Für den neuerlichen Krieg im Irak, für Ebola, für die lausige Wirtschaft, für seine Weicheihaltung gegenüber Putin und natürlich auch für Obamacare, was eh keiner will. Der Triumph ist uns sicher, so die konservativen Meinungsmacher von FOXNews, Washington Times, Rush Limbaugh und seine Gilde der Talk Show Quassler. Eigentlich bräuchte es keine Wahl, eigentlich könnten die Demokraten nur die Schlüssel übergeben, man hätte sich viel Zeit, Energie und vor allem Geld sparen können. So teuer wie diese “Midterm Election” war bislang noch keine. Wir reden hier von Milliarden Dollar.

Noch ein paar Tage, dann ist diese Wahl vorbei, dann beginnt die heiße Phase des Präsidentenwahlkampfes. Einige stehen schon in den Startlöchern und warten darauf, dass es los geht. Beide Parteien müssen einen Kandidaten ausloten. Es wird hart, es wird brutal, es wird teuer. Aber warten wir erstmal den Dienstag ab, dann entscheidet sich, ob Obama überhaupt noch mitregieren darf, oder ob er einfach legale Schachzüge anwendet, um ein paar politische Punkte in seinem Programm noch umzusetzen. Bis Januar 2017 hat er Zeit. Und ich kriege am Dienstag einen schönen Aufkleber “I voted”. Na, wenn das keine Belohnung ist.

Keine Panik. Wir sind die besten im Ebolakampf.

Das Kabinett von Barack Obama diskutiert über Ebola.

Das Kabinett von Barack Obama diskutiert über Ebola.

Präsident Obama ist naiv. Auch nach sechs Jahren im Amt, er hat es einfach noch nicht gelernt, wie Amerika tickt. Das zeigte er heute erneut in seiner “Weekly Radio Address”, eine wöchentliche Rede an die Nation, die mittlerweile auch zur Videobotschaft geworden ist. In diesen Reden wenden sich die Präsidenten mit aktuellen Fragen, Problemen, Themen an die Bürgerinnen und Bürger. Angefangen hatte damit Franklin Roosevelt. Ronald Reagan belebte 1982 diese Tradition wieder. Bekannt wurde sein Soundcheck vor einer solchen “Radio Address”, als er vorab den Mikrofonpegel mit den Worten testete: “My fellow Americans, I’m pleased to tell you today that I’ve signed legislation that will outlaw Russia forever. We begin bombing in five minutes.”

Reagans Nachfolger behielten die wöchentliche Rede bei und nutzten so den direkten Draht zur Bevölkerung, um ihre Politik zu erklären. George W. Bush und Barack Obama sind die ersten, die auch mit einer wöchentliche Videobotschaft begannen. Und in dieser aktuellen Rede geht es eben um Ebola und den Kampf gegen das Virus. Obama, ganz der kühle und logische Präsident, versucht die Bevölkerung zu beruhigen. Ebola sei unter Kontrolle, es gebe in den USA keine Epidemie. Man solle auf die Wissenschaftler hören, selbst die Statistik zeige, dass Ebola nicht die große Gefahr sei. Und einmal mehr zeigt Obama, dass er im Washingtoner Politzirkus naiv durch die Gegend läuft.

Die Republikaner verlangen Reiseverbote, Kontrollen an allen Flughäfen, eine Schließung der Grenze, eine Isolierung Westafrikas, ein drastisches Durchgreifen. Das republikanische Sprachrohr FOXNews hat bereits seit Wochen den Panikknopf für die Berichterstattung gedrückt. Dramatische Trailer kündigen reißerisch das Thema EBOLA an. Irgendwie und irgendwo finden sie immer wieder Interviewpartner, die noch blutiger, noch grausamer, noch panischer auf die Meinungsmache der FOX Köpfe antworten. Barack Obama reagiert auf seine Weise mit einer naiven, weil logischen wöchentlichen Radioansprache. Er will die Bevölkerung beruhigen, alles sei unter Kontrolle, man beobachte, berate, helfe, wo es geht. Eben auch in Westafrika. Amerika sei die führende Nation im Kampf gegen das tödliche Virus. Doch eins ist klar, positive Meldungen verkaufen sich nicht gut. Amerika will mit Panikmache, Angst und Schuldzuweisungen unterhalten werden.

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Die Heimat ist weit, doch wir sind bereit

Vor kurzem hat bereits Bear Family Records eine umfassende Box mit Liedern aus dem Spanischen Bürgerkrieg veröffentlicht. Ein Monumentalwerk, für das man Zeit, Ruhe und Raum braucht. Aufnahmen, die knistern, die knastern, die voller Geschichte sind. Für 173 Euro nicht gerade billig, aber der Preis für diese 7CD, 1 DVD und ein umfassendes Begleitbuch sind durchaus berechtigt. Ein Liebhaberstück, das ich nur wärmstens empfehlen kann.

"Songs of the Spanish Civil War" erschienen bei Smithsonian Folkways Records.

“Songs of the Spanish Civil War”, neu erschienen bei Smithsonian Folkways Records.

Nun hat Smithsonian Folkways eine alte Platte neu aufgelegt. “Songs of the Spanish Civil War”, im Original bereits in den 1960er Jahren erschienen. Die CD umfasst 24 Lieder, darunter Songs der amerikanischen Lincoln Brigade, Lieder von Ernst Busch und Woody Guthrie. Kampflieder voller Wehmut, Hoffnung, Siegeswillen. Folkways hat hier wieder tief im reichen Archiv gegraben und eine Perle herausgebracht, die durchaus auch aus deutscher Sicht beachtet werden sollte. Ernst Busch singt hier auf Deutsch, er gehörte zweifellos zu den bekanntesten Musikern, die in den Spanischen Bürgerkrieg zogen. Er unterhielt die anti-faschistischen Kämpfer aus aller Welt mit seinen kraftvoll vorgetragenen Liedern. “Die Heimat ist weit, doch wir sind bereit”, sang Busch. Daneben auch das Lied der  Moorsoldaten oder “Peat Bog Soldiers” (unten zu hören), das bereits 1933 im Konzentrationslager Börgermoor geschrieben worden war. Ernst Busch sang dieses Lied in Spanien, die internationalen Brigaden nahmen es mit in ihre Heimatländer. Die Moorsoldaten wurde eines der wichtigsten und weit verbreitetsten Anti-Faschismus Lieder des 20. Jahrhunderts.

“Songs of the Spanish Civil War” ist eine beeindruckende Liedersammlung, angereichert durch ein umfangreiches Booklet. Man kann die CD oder den Download direkt beim Label bestellen.

Moorsoldaten oder “Peat Bog Soldiers”:

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Ich lass das mal mit dem Arzt

Ich habe da ein kleines Problem. Eigentlich wollte ich nach meiner Rückkehr hier in Oakland zum Arzt gehen, doch allein die Tatsache, dass ich in Afrika unterwegs war, birgt nun ein Problem. Denn es gibt da ja die einfache Rechnung: Afrika + Unpässlichkeit = Ebola.

Ebola ist das Topthema auf der CDC Webseite.

Ebola ist das Topthema auf der CDC Webseite.

Amerika “liebt” Horrorszenarien. Al Qaida baut Terrorzellen in den USA auf. Saddam Hussein hat riesige Arsenale mit chemischen und biologischen Waffen. Die Terrorgruppe Islamischer Staat steht schon in Ciudad Juarez an der amerikanischen Grenze, um mit Unterstützung der Drogenkartelle Attentate zu planen. Die Flüchtlinge aus Guatemala, Honduras und El Salvador werden das amerikanische Sozialnetz vernichten. Ach ja, dann sind da noch Kuba, weiße Haie an Stränden, gelegentlich ein Berglöwe in einer Nachbarschaft, Pädophile hinter jedem Busch und Strauch. Und, und, und nun eben auch noch Ebola. Damit lassen sich 24 Stunden “Nachrichtenkanäle” füllen.

Amerika reagiert panisch. Die Medien stürzen sich darauf, berichten über etwas, was fast nirgendwo im Land auch nur aktuell ist. Gestern Abend stand tatsächlich in den 23 Uhr Nachrichten ein Reporter eines lokalen Fernsehsenders für einen Live-Bericht (!) am Flughafen von San Francisco. “Wird SFO bald Ebola Testtechnologie bekommen?”, fragte er. Hallo!!! Es gibt keine direkten Flüge von Freetown in Sierra Leone oder Monrovia in Liberia nach San Francisco. Also, was soll das?

Die konservativen Meinungsmacher von FOXNews, wie Sean Hannity, die Radio Talkshow Brabbler, wie Michael Savage, die Online Kolumnisten, wie Ann Coulter, sie alle sehen die Ebola Krise als eine politische Krise im Land. Barack Obama verfolge das Weltbürgertum, nur so sei zu erklären, warum es keine Reisebeschränkungen nach Westafrika gebe. Zwischen den Zeilen kann man da die rassistischen Töne durchhören, er sei ja ein Schwarzer, da wolle er seine Brüder und Schwestern in Afrika nicht vor den Kopf stoßen. Erneut zeige sich jedoch die Führungsschwäche des “Commander in Chief”. Egal, was Obama auch macht, es ist für seine Berufskritiker nicht genug. Der zuständige Chef des “Center for Disease Control” (CDC) müßte umgehend entlassen werden, die Grenzen dicht gemacht, Reisewarnungen und Reiseverbote ausgesprochen werden, kein Amerikaner dürfe mehr in die betroffenen Länder reisen. Man hat den Eindruck, das Ebola Virus lauert hinter jeder Ecke und wartet nur darauf einen Amerikaner, “a good patriot” zu infizieren. Obama, der Weichling, lasse es zu, dass “god’s country” verseucht wird, so die Meinung der vielbeachteten Meinungsmacher.

Und nun wieder zu meinem angedachten Arztbesuch. Ich glaube, es ist verständlich, dass ich erst einmal ein bisschen warte. Schmerzen hin, Schmerzen her. Unwohlsein hin, Unwohlsein her. Bevor ich mir das antue, erneut jemanden vor mir im Schutzanzug zu sehen, lasse ich lieber noch etwas Wasser die Pegnitz runterfließen. Die mit ihrer Panikmache gehen mir gerade ziemlich auf den Geist. Hier und da. Denn durch die Ebolakrise bekomme ich noch nicht mal meine Tschadthemen in den Medien unter. Die Afrikaberichterstattung drehe sich derzeit nur um Ebola, heißt es. So, als ob der Kontinent eh nur aus Krankheiten und Seuchen besteht.

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You’re not too old for Rock’n Roll

Maggie's Madness "Waking up the dead".

Maggie’s Madness “Waking up the dead”.

Vorletzte Woche saß ich bei einer Theateraufführung im Gemeinschaftshaus Langwasser. Ein 80er Jahre Musical ohne eine richtige Story, aber unterhaltsam produziert. Da dachte ich zurück an die 80er, als ich genau an dem Ort Maggie’s Madness sah. Die Nürnberger Hard Rocker rockten damals das Haus. Einige der Musiker arbeiteten im Goofy Plattenladen (kennt den noch jemand?), in dem ich damals Stammgast war. Erst war er in einem kleinen Laden in einer Passage, die von der Breiten Gasse abging, später dann im hinteren Bereich des Atlantik Kinos zwischen Karolinenstrasse und Brunnengasse. Ein Laden für Hard Rock und Metal Fans. Und da arbeitete u.a. auch der Sänger von Maggie’s Madness.

Und nun sitze ich hier in meinem Haus in Kalifornien und höre “Waking up the dead”, die Rückkehr von Maggie’s Madness. Mit neuem Sänger, etwas gealtet, den Sound aufgefrischt wollen es die Jungs  um Frank Zellner noch mal wissen. Warum, das ist nicht ganz klar, aber vielleicht gibt es noch mehrere wie mich, die immer mal wieder auf ebay oder anderen Plattenbörsen nach alten Maggie’s Madness LPs suchen. Nun kommt also “Waking up the dead” heraus, 18 Songs, die in den 80er Jahren geschrieben und 2014 im Nürnberger Starlight Sound Studio neu eingespielt wurden. Das ganze klingt wie schon mal gehört (ach was!) und dennoch irgendwie zeitlos. Ich glaube, hier geht es gar nicht so sehr um ein großartiges Comeback, hier haben sich vielmehr Musiker zusammen getan, um noch einmal ihre guten alten Rock Songs zu spielen. Und das ist ihnen hervorragend gelungen.