Die Neue Deutsche Welle wird nicht alt

Wer bei NDW nur an Markus und Nena, Witzi-Spritzi-Heiterkeit und “Ich will Spass” denkt, der kann gleich weiterklicken. Denn das war die Neue Deutsche Welle ganz und gar nicht. Das, was alles unter dem Begriff NDW zwischen 1977 – 1985 zusammengefasst wurde, gleicht im Rückblick einem musikalischen Erdbeben, das international spürbar wurde. Und es legte das Fundament für die sehr selbstbewusste und deutschsprachige Musikszene ab Mitte der 90er Jahre.

Burghard Rausch von Radio Bremen verwirklicht in diesem Jahr ein Riesenprojekt auf Bear Familiy Records. Vier mal 2 CDs werden mit umfangreichen Informationen über Bands, Musiker und Macher veröffentlicht. Vor mir liegt Teil 1, auf der neben der Nina Hagen Band, der Spider Murphy Gang, Spliff und Nena auch der KFC, Interzone, Morgenrot, Malaria und viele andere teils für mich total unbekannte Bands zu finden sind.

Die Neue Deutsche Welle war ein Phänomen, das nicht nur in Deutschland gefeiert wurde. Auch in England, den USA und Japan schaute und hörte man genau hin, was sich da im Teutonenland so tat. Deshalb auch an dieser Stelle diese Besprechung der NDW Compilation. Als ich 1996 beim Collegesender KUSF mit meiner Sendung anfing, nahm ich mir Zeit durch das umfangreiche Vinylarchiv des Senders zu kramen. Und ich wurde immer wieder fündig. Viele der mehr schrägen, ausgefallenen und experimentierfreudigen Bands von damals konnte ich finden. Da waren Der Plan, Palais Schaumburg, Wirtschaftswunder und zahlreiche andere. In vielen Gesprächen mit KUSF DJs wurde mir deutlich gemacht, dass durch diese Musik sich auch das Bild Deutschlands verändert hatte. Denn die NDW entstand aus dem Punk, aus dem New Wave, aus dem Elektrogefrickel und dem Industrial der 70er Jahre. Die Tschörmans kopierten nicht einfach, was da wellenartig aus dem Ausland auf sie zu kam, sie schufen etwas eigenständiges. Noch heute drehen sich diese Alben auf den Plattentellern in Amerika. Und auch in Japan kriegt man davon nicht genug. Suezan Records veröffentlicht immer wieder Liebhaberboxen mit 45er Singles der damaligen Bands.

bcd17371c5526627e7def8_285x255Lange Zeit fand diese Szene in Deutschland im Abseits statt, kaum beachtet von den grossen Plattenfirmen, der Bravo und den wenigen Musiksendungen auf den drei Fernsehprogrammen. Doch auch das geht auf die NDW zurück, dass sich Musiker und Macher selbst organisierten, eigene Labels und Vertriebe aufbauten, Fanzines produzierten, Auftrittsmöglichkeiten schufen. Und irgendwann merkten die Majors dann auch, dass da Geld zu machen ist und überfluteten den Markt mit allerhand Spritzi-Pop und Gute-Laune-Musik.

Burghard Rausch schafft mit seinen Compilations den großen Blick auf diese paar Jahre der musikalischen Aufbruchstimmung in Deutschland. Er fängt nicht mit den ersten Charterfolgen an, konzentriert sich nicht auf die von Bravo gehypten Starschnitte. Ganz im Gegenteil, Rausch blickt auf die Clubs, die Kassettenszene, die Musiker, die mal hier, mal dort spielten. Und er verfolgt ihre Wege bis heute. Es macht Spass all die Hintergrundinfos zu lesen, musikalisch in die eigene Jugendzeit einzutauchen und immer mal wieder zu merken “Mensch, stimmt, das war ja auch noch da”.

NDW – Aus grauer Städte Mauern. Die Neue Deutsche Welle 1977 – 85” ist keine Partymischung, vielmehr ein umfangreiches Klangbild. Klar, da sind die Hits zum Mitsingen, doch da ist viel mehr zu entdecken. Diese Sammlung ist für all jene, die mehr wissen wollen, die Querverweise lieben, die sich gerne mit musikalischen Wurzeln beschäftigen. Und ja, ich singe hier gerade laut “Blaue Augen” von Ideal mit, all die Hits, ich kann sie noch immer.

“Woi geh und steh, tut ma’s Herz so weh”

Zu Hunderttausenden kamen am Ende des 19. und am Anfang des 20. Jahrhunderts die Einwanderer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in die USA. Die Deutschen und die Schweizer zog es in den Mittleren Westen, vor allem nach Wisconsin, oder “Swissconsin” wie der “deutscheste aller Bundesstaaten” auch genannt wurde. In Chicago dagegen gab es die größte Ansammlung von im Ausland lebenden Österreichern. Sie kamen auf der Suche nach einer neuen Heimat und brachten ihre Sprache, ihre Kultur und ihre Musik mit.

Eine Konzertankündigung für die "Scheidegger Seven" aus dem Jahr 1927. Quelle: Serge Schmidt

Eine Konzertankündigung für die “Scheidegger Seven” von 1927. Quelle: Serge Schmidt

Im August 1927 stehen im “Rice Lake Dance Pavilion” in Wisconsin die “Scheidegger Seven” in Berner Tracht und vor einem großen Bild der Alpen auf der Bühne. Die Gruppe war zwei Jahre zuvor aus Huttwil in die USA übergesiedelt. Vater Fritz Scheidegger und seine Töchter hatten schon in der Schweiz als “Flühjodler vom Emmental” Erfahrungen sammeln können. In den USA touren sie in zwei Jahren durch 38 Bundesstaaten und spielen in New York und Chicago mehrere Schellack Platten ein.

Die “Scheidegger Seven” sind nur ein Beispiel einer lebendigen deutschsprachigen Musikszene in den USA zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Neben zahlreichen Immigranten Musikern, tourten auch Künstler aus der alten Heimat in Übersee, wie die “Moser Brothers” aus der Schweiz, die mit ihren Herzschmerz und Heimweh Liedern zu Superstars in der Neuen Welt wurden. Und auch wenn die Konzerte meist nur in den deutschen und schweizer Clubs stattfanden, so war die deutschsprachige Musik doch ein wichtiger Teil des frühen amerikanischen Musikgeschäfts. Die Deutschen, so werden in den USA alle Deutschsprechenden genannt spielten ihre Musik auf Festen, Hochzeiten, Veranstaltungen. Es war bekannt, dass es auf ihren Feiern immer zünftig zu und her geht. Viel Bier, Tanz und Musik. Als die Aufnahmetechnik kommerziell nutzbar wurde, merkten die Plattenfirmen schnell, dass die Einwanderer durchaus eine große Zielgruppe waren und damit eine zahlkräftige Kundschaft. Die Columbia Phonograph Company reagierte bereits 1909 und schrieb ihren Handelsvertretern:

“Denken Sie daran, dass es in allen Großstädten und in den meisten größeren Städten Stadtteile gibt, wo Leute einer Nationalität zusammenleben. Die meisten von ihnen behalten ihre Gewohnheiten bei und bevorzugen es, sich in der Sprache ihres Heimatlandes zu verständigen. Auf diese Leuten üben Schallplatten in ihrer eigenen Sprache eine unwiderstehliche Attraktion aus und sie werden sie bereitwillig kaufen.”

Auch die Zahlen der veröffentlichten Schallplatten in den USA sprechen eine deutliche Sprache. Im Zeitraum von 1908 bis 1923 bringt Columbia rund 5000 Platten in der A-Serie heraus, A für Amerika,. In der E-Serie, E für Europa, veröffentlicht die Schallplattenfirma im gleichen Zeitraum 6000 Schellack Platten.

Eine umfassende CD Box über die Musik der Immigranten im oberen Mittleren Westen der USA.

Eine umfassende CD Box von James Leary über die Musik der Immigranten im oberen Mittleren Westen der USA.

Doch die “Deutschen” in den USA waren nicht nur Konsumenten, sie prägten mit ihren Jodlern und auch mit ihren Instrumenten gerade die “Roots” Musik Amerikas. Das Jodeln aus der Alpenregion hat seine Spuren in der amerikanischen Musikszene hinterlassen und beeinflusste gerade die frühe Hillbilly und Country Musik. Die Konzertina, eine kleine Ziehharmonika gebaut in Chemnitz, wurde zum Hit in Übersee und ist noch heute in der amerikanischen Polka Szene zu finden. Auch das deutsche Akkordeon der Firma Monarch hat sich in der US-amerikanischen Musik gehalten – besonders in der Cajun-Musik, die francophone Einwanderer in die USA gebracht haben. Und die Mundharmonika aus dem Hause Hohner wurde zu einem Exportschlager in die USA.

Die Spuren der deutschsprachigen Einwanderer in der amerikanischen Musik sind heute nicht mehr allzu offensichtlich. Im Melting Pot USA sind die zahlreichen musikalischen und instrumentalen Einflüsse von so vielen Kulturen einfach aufgegangen. Doch man kann sie finden, wenn man nur will.

Zu dem Thema “Die Musik der deutschsprachigen Immigranten in Amerika” habe ich ein längeres Feature für den Schweizer Rundfunk produziert, das man hier hören kann:

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Weitere Informationen zum Thema der schweizer Musik in Übersee kann man auf der umfangreichen und mit viel Liebe gestalteten Webseite von Serge Schmidt finden.

Zu Fragen der deutschsprachigen Musik empfehle ich die Seite von Christoph Wagner, der schon einige CDs über die Musik der Immigranten für das Münchner Label Trikont veröffentlicht hat. Und dann ist da noch die einzigartige CD Box “Folksongs of another America“, zusammengestellt von Professor James Leary von der University of Wisconsin, die auf dem “Dust to Digital” Label erscheinen wird.

 

Und hier kommt der Nächste

Immer mal wieder versuchen es deutsche Musiker und Bands in den USA groß rauszukommen. Doch bislang haben es nur ganz wenige geschafft. Klar, da sind die Scorpions, da ist Kraftwerk, da ist Rammstein, die man hier drüben als Superstars feiert. Interessant bei Rammstein ist, dass sie es mit deutschen Texten geschafft haben. Sie haben sich nicht verbogen und verdreht, um es im Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu packen. Sie blieben sich und ihrer Musik treu.

Andere Bands und Musiker touren viel durch die USA, sind veröffentlicht und haben auch ihre Fangemeinde. Ich denke an Blind Guardian, an Accept, an Kreator, an die Einstürzenden Neubauten, an Faust und auch an KMFDM, an zahlreiche deutsche Krautrock und Elektro Acts. Viele deutsche Independent Bands sind ebenfalls veröffentlicht und auf Tour. Sie alle haben ihre Nische gefunden und sind damit zufrieden.

Doch es gibt Großangriffe, die nicht funktionieren (können). Tokio Hotel wurden von ihrer Plattenfirma gehypt. Namhafte Konzerthallen, wie das Fillmore in San Francisco, gebucht, Tickets billig verkauft, um die Hallen zu füllen, und jedem Konzertbesucher ein Poster überreicht, darauf, wie hier, “Tokio Hotel in San Francisco”. Der angepeilte Erfolg blieb aus. Im Konzert riefen viele junge Mädchen “sing German”, doch die netten Jungs von Tokio Hotel spulten ihr Programm vor allem auf Englisch runter.

Herbert Grönemeyer spielte live in San Francisco im legendären Bimbo's Club in North Beach.

Herbert Grönemeyer spielte live in San Francisco im legendären Bimbo’s Club in North Beach.

Ähnlich verlief es mit Herbert Grönemeyer. In Deutschland kann er tun und lassen, was er will. In den USA fiel er kaum auf. Seine englischsprachige Platte “I walk” wurde groß angekündigt, Interviews liefen sogar auf National Public Radio mit ihm, denn Grönemeyer brachte den Superstarnamen aus Deutschland mit, war bekannt durch den Klassiker “Das Boot” und sein Duett mit Bono auf der Debut Platte schadete seinem Ansehen auch nicht. Herbert Grönemeyer erklärte mir im Interview, dass er den Versuch in den USA gelassen sieht. Und tatsächlich, er verwirklichte sich wohl eher einen Traum. Auch in seinen Konzerten waren vor allem Deutsche, die ihn einmal in Clubatmosphäre und nicht im großen Stadion oder auf einer Anti-Pegida Demo sehen wollten. Auch sie riefen “Herbert, sing Deutsch”, doch auch Grönemeyer blieb fast nur beim Englischen.

Und jetzt kommt der Rapper Cro über den großen Teich. Seine Single “Traum” wird nun neu und englischsprachig veröffentlicht, ein US Magazin riet seinen Lesern auf eine Reihe internationaler Rap Musiker zu achten, dabei kam Cro sogar auf Platz zwei. Und er selbst zeigt sich durchaus angetan, erklärte er in einem Interview, dass er nun die Chance hat, im Geburtsland des Hip Hop mal einen abzurappen. Die Erfolgsaussichten sind allerdings auch bei Cro gering.

Deutsche Musiker und Bands haben meiner Meinung und Einschätzung nach nur dann in den USA eine wirkliche Chance, wenn sie etwas ganz anderes liefern, als der größte Musikmarkt schon selber hat. Jene Gruppen, die es hier irgendwie geschafft haben einen Fuß in die Tür zu bekommen, sind das beste Beispiel dafür. Die Liste ist lang und vielseitig. Doch Tokio Hotel, Herbert Grönemeyer und auch Cro sind bei dem, was sie machen gut, aber sie können in den USA auch nicht annähernd den gleichen Erfolg feiern, den sie daheim haben.

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Eine weitere Studie für die Tonne

Ich bin weder ein Fan von Spotify noch von Pandora. Diese Musikstreamingdienste haben mich bislang nicht überzeugen können, und werden es wohl auch in Zukunft nicht. Zum einen liegt das ganz offensichtlich an dem, was diese börsennotierten Unternehmen am Ende den Musikern und Bands zahlen; nämlich so gut wie nichts. Da verdienen Investoren eine goldene Nase mit der Musik.

Spotify mit der Erkenntnis des Lebens.

Spotify mit der Erkenntnis des Lebens.

Zum anderen liegt das aber auch an der mangelnden Wertschätzung der Musik als solcher. Irgendwie ist das alles nur noch ein dahinwallendes Etwas geworden. Vielleicht liegt es an meinem Alter, aber ich mag Platten und CDs, mag die Suche danach, den Geruch von Plattenläden, das Gefühl in den Händen, das Durchlesen der Credits, all so Zeugs, was man mit einem Streaming Service nicht bekommt.

Ja, man kann sicherlich auch neue Musik über Spotify und Pandora finden, aber es kommt bei den Bands nichts an, wenn man die nur streamt und eben nicht das eigentliche Produkt, die Musik, kauft. Aber anscheinend bin ich eh nicht mehr in der Zielgruppe dieser Firmen, denn die haben nun in einer Untersuchung festgestellt, dass man ab 33 keine neue Musik mehr hört. Wenn ich mich hier so umschaue, dann haben die mich nicht gefragt.

In einer Datenauswertung aller US Spotify Nutzer durch das Musikdatenunternehmen “The Echo Nest” kam nun heraus, dass ich mit fast 47 Jahren eigentlich kein Interesse mehr an jungen Bands habe. Ja, die neue Pearl Jam würde ich mir anhören, vielleicht auch noch die nächste Platte der Einstürzenden Neubauten, aber was sich aktuell in den Charts so tut, ist nicht mehr mein Bier, so die Untersuchung.

Stimmt nur indirekt, denn ja, ich schaue weder für Radio Goethe auf die Charts, noch bei meinen sonstigen Hörgewohnheiten. Ganz ehrlich, die Top Ten Singles und Alben langweilen mich meist nur. Es freut mich zwar, wenn eine mir bekannte Band mal ganz nach oben kommt, wie Eisbrecher mit ihrem Album “Schock”, aber die Musik, die ich so höre, auch neue Musik, steigt in keine Charts ein. Ich weiß, ich weiß, ich mache Randgruppenradio. Das Fazit also ist, dass sowohl Spotify, wie auch die dämliche Datenauswertung für die Katz’ sind. Das Geld, was da für eine Analyse ausgegeben wurde, hätte man besser mal an die Musiker weiter überwiesen.

Goodnight Saigon

Vor 40 Jahren, am 30. April 1975, endete mit der Einnahme Saigons der Vietnamkrieg. 20 Jahre lang war das Land in Südostasien Spielball im Kalten Krieg. Vietnam veränderte die westlichen Gesellschaften. Die 68er Protestbewegungen wären ohne die Eskalation im Dschungel von Vietnam kaum denkbar gewesen. Hunderttausende gingen in Washington, Berlin, Paris und anderen Städten auf die Straßen. Der Krieg spaltete und provozierte und schuf eine unvergleichliche, politisierte Heimatfront.

Nach der Niederlage Amerikas, wurden die heimkehrenden Soldaten als Kindermörder beschimpft. Viele von ihnen vielen durch das soziale Netz. Irgendwie wollte man schnell einen Schlußstrich unter diese militärische Schmach ziehen und das ganze vergessen. Doch ohne Erfolg. Patriotische Filme wie “Rambo” oder “Missing in Action” versuchten daheim, die Niederlage in einen Sieg umzumünzen. Noch heute, 40 Jahre nach Kriegsende, laufen regelmäßig Dokumentationen über den Einsatz in Vietnam. Kürzlich sah ich einen beeindruckenden Film über das Massaker von My Lai, in dem viele Soldaten, die damals vor Ort waren, berichteten. Vietnam ist noch immer eine offene Wunde im amerikanischen Selbstverständnis.

"...Next Stop is Vietnam", eine weitere beeindruckende CD-Box von Bear Family Records.

“…Next Stop is Vietnam” von Bear Family Records.

Eine beeindruckende Sammlung, wie die Zeit damals klang, hat Bear Family Records zusammengetragen. Auf 13 CDs kann man die Musik, Rock- und Folksongs, Propagandalieder und Anti-Kriegs Hymnen hören. Dazu Propaganda-Durchsagen, Frontberichterstattungen und mitgeschnittene nordvietnamesische Hörfunktexte gelesen von Jane Fonda und Hanoi Hannah. In jahrelanger Recherchearbeit hat das deutsche Label hier eine umfangreiche und umfassende Anthologie dieses Krieges veröffentlicht. Ein grandioses Meisterwerk, für das man sich sehr viel Zeit nehmen sollte.

…Next Stop is Vietnam” ist eine unvergleichliche Musiksammlung, die Musikfans und Historiker gleichermaßen faszinieren wird. All die Tracks zeigen, wie gespalten damals die USA waren…und wie sie es auch noch immer sind. Es ist eine Box, die einfach nur hervorragend ist, auch wenn ich als erklärter Bear Family Records Fan vielleicht voreingenommen bin. Aber so viel ich weiß, gibt es kein auch nur annähernd so komplettes Klangbild wie dieses hier. “…Next Stop is Vietnam” ist ein Zeitdokument. Die Box kommt mit einem 300 Seiten umfassenden Buch mit vielen Fotos, Informationen und Hintergrundberichten. 40 Jahre nach Kriegsende ist alles noch so nah und lebendig wie damals. Eine zeitlose und klangvolle Reise in eines der wichtigsten Kapitel der jüngsten amerikanischen Geschichte. Einfach nur genial!

Die Welt hören

Kurdische Musik ist Teil der UNESCO Sammlung.

Kurdische Musik ist Teil der UNESCO Sammlung.

Gestern lag mal wieder ein Paket vor meiner Tür. Darin eine weitere Lieferung der monumentalen Serie “UNESCO Collection of Traditional Music“, neu veröffentlicht vom Smithsonian Folkways Label. Eine grandiose Klangreise rund um den Globus. Diesmal geht es an über 40 Schauplätze. Wenn man diesen Schatz an Musik hebt, wenn man sich öffnet für teils sehr fremde Kulturen, Sprachen, Instrumente, Melodien, dann merkt man, dass uns alle eigentlich die Musik verbindet. Was hier in Liedern ausgedrückt wird ist einzigartig schön. Auch wenn ich keinen blassen Schimmer von dem habe, was die Musiker vom südpazifischen Inselstaat Vanuatu singen, oder um was es sich in den Aufnahmen der afghanischen Musik in der Zeit des Bürgerkrieges von 1979 – 2001 dreht, oder was die japanischen Trommler da schreien, oder was die kurdischen Tamburaspieler in ihrem Stück umschreiben möchten. Es ist einfach eine musikalische Weltreise voller Emotionen, Bildern, Klangkreationen.

Auch Musik aus Vanuatu findet man in der Sammlung.

Auch Musik aus Vanuatu findet man in der Sammlung.

Hier spielen hervorragende Musiker, die einen tief in ihren Kulturkreis ziehen neben Laien, die einfach nur ihre traditionellen Lieder aufzeichnen wollten. Da wird falsch geatmet, da wird manchmal der Ton nicht richtig getroffen, da stimmt die Mikrofonierung nicht, und doch, es sind geschichtliche Dokumente, die man in dieser Sammlung zu hören bekommt. Diese Lieder waren nie in den Charts, werden auch nicht in den Superstarfernsehprogrammen nachgesungen, im Radio werden sie wahrscheinlich auch nicht gespielt werden.

Doch was die UNESCO hier in Jahrzehnten an Musik gesammelt hat und nun neu auf Folkways Recordings veröffentlicht wurde, ist weitaus mehr als nur eine beeindruckende Sammlung fürs Archiv. Hier hört man die Welt in einer Sprache, die wir alle verstehen sollten, die uns verbindet; Musik. Als Hörer dieser Klangsammlung ist man gefordert hinzuhören, denn es ist oftmals nicht eingängig, es ist sperrig, fremdartig in vielerlei Hinsicht. Doch ich finde, der Aufwand lohnt sich, sich die Zeit zu nehmen, sich auf das einzulassen, was man hier hört und erfährt. Ich weiß, ich wiederhole mich und muß es dennoch erneut ganz deutlich sagen, die “UNESCO Collection of Traditional Music” ist eine einzigartige Musiksammlung, die man hören sollte.

 

Der Ausverkauf von San Francisco

Seit 1987 kenne ich San Francisco. Anfangs für ein paar Jahre als regelmäßiger Tourist, dann als Jahrespraktikant in einer Einrichtung für mißhandelte und sexuell mißbrauchte Kinder am Alamo Square. Danach kam ein dreimonatiges Praktikum bei einer deutschsprachigen Zeitung und schließlich zog ich im Sommer 1996 ganz in die “City by the Bay”. In all den Jahren habe ich viele Stadtteile kennen und lieben gelernt, erlebt und durchlebt. Haight/Ashbury, die Mission, Outer Richmond, Sunset, Castro, Tenderloin, South of Market.

Anfang der 90er Jahre tauchte ich voll ins Bar und Clubleben der Mission ein. Das waren die Zeiten der irrwitzigen “Open Mic Poetry Readings”, als Mike Boner nur in Nylonstrumpfhose auf der kleinen Bühne der “Chameleon Lounge” auf der Valencia stand und seltsame Sachen vortrug. Danach einer, der im Alkoholsuff ein Gedicht schrieb, doch dann seine eigene krakelige Handschrift nicht mehr lesen konnte. San Francisco war wild. Überall passierte etwas. Dann kam der DotCom Boom und viele Künstler, Musiker, Autoren zogen weg. Teils nach Oakland, teils in andere Teile der USA, teils sogar nach Berlin. Damals gab es eine enge Verbindung zwischen der nordkalifornischen Metropole und der deutschen Hauptstadt.

Das Lucky 13 auf der Market Street soll schon bald nicht mehr sein.

Das Lucky 13 auf der Market Street soll schon bald nicht mehr sein.

Ich wohnte Ende der 90er Jahre schon in Oakland, aber war wöchentlich mit Freunden unterwegs. Wir zogen durch die Dive Bars, die noch da waren. Ich weiß gar nicht, wie der Club in Chinatown hieß, doch dort spielte der “Extreme Elvis” ein denkwürdiges Konzert. Oben eine chinesische Bar, hinten ging dann eine enge Treppe in den Keller runter. Die Decke war niedrig, von Brandschutz hatte hier noch niemand gehört. Und dann kam er, der “Extreme Elvis”. Ein sehr beleibter Elvis Imitator, der schon nach wenigen Minuten nackt auf der kleinen Bühne stand und dann seinen schwitzigen Körper durch die Menge schob, vor allem auf kreischende Frauen zu.

Ich fühle mich schon fast dazu hingerissen zu schreiben “waren das noch Zeiten”. Aber damit klingt man so altklug, und das will ich mit fast 47 ja nun wirklich noch nicht sein. Doch San Francisco hat sich verändert, erneut verändert. Mit dem Wirtschaftscrash vor ein paar Jahren erholte sich die Lage leicht, doch damit ist nun Schluß. Die Mieten und Grundstückspreise steigen ins Unvorstellbare. Für eine Einzimmerwohnung zahlt man mittlerweile 3600 Dollar Monatsmiete, so viel wie nirgends sonst in den USA. Für leere Grundstücke in einigermaßen guten Gegenden legen Investoren auch schon mal 1,3 Millionen Dollar auf den Tisch, um darauf sündhaft teure Luxus Condos zu bauen.

Der Wohnraum ist knapp in San Francisco, das Geld liegt auf der Straße, noch nie lebten hier so viele Millionäre wie heute. Es ist eine neue Goldgräberzeit angebrochen. Einige machen richtig fett Kohle mit Vermietungen, Hauskäufen, Renovierungen und Neubauten. Klar, dass da nach jeder Möglichkeit gesucht wird. Wer hier und heute seine Wohnung verliert, findet in San Francisco keine Bleibe mehr. Eine Bekannte von mir muß nach 25 Jahren in San Francisco wegziehen, da ihr Vermieter Eigennutzung angemeldet hat. Sie hat keine Chance eine neue Wohnung zu finden.

Der Trend macht auch vor alteingesessenen Kneipen nicht halt. In der Mission mussten vor kurzem gleich zwei Bars dichtmachen, der “Lexington Club” und “Esta Noche”. Der Besitzer des Hauses, in dem der “Elbo Room” an der Valencia Street untergebracht ist, hat beantragt, das Haus abreißen zu dürfen, um Luxuswohnungen bauen. Und nun die Nachricht, dass auch das “Lucky 13″ verschwinden soll. Der Grundstücksbesitzer will das Haus aus dem Jahr 1906 platt machen lassen, um hier neu zu bauen. Das “Lucky 13″ fällt jedem deutschsprachigen Touristen gleich auf, der mit einer der historischen Straßenbahnen die Market hoch zum Castro Viertel fährt. Draußen am Haus hängt das gelbe Umleitungsschild aus Deutschland.

Der “Elbo Room” auf der Valencia ist ein bekannter Musikclub, unten eine Bar, oben Konzerte. Und “Lucky 13″ ist so eine Dive Bar, wie man sie sich vorstellt. Die Jukebox hat nur Punkplatten, eine lange Theke, gutes Bier, alles wirkt etwas schmudellig, aber so passend für San Francisco. Hier legten auch immer die KUSF DJs ihre schräge Mischung auf. Ob das “Lucky 13″ nun weichen wird ist noch nicht ganz klar, das Haus könnte unter Denkmalschutz stehen. Doch die Richtung ist klar, alles wird erneuert, anders gemacht, um möglichst viel Profit zu erzielen. San Francisco verliert sich derzeit im Geldsegen. Am Ende wird eine begradigte und beschönigte Glanz- und Glittermetropole bleiben, in der die wenigsten nur noch leben können, die diese Stadt ausmachte und noch ausmacht. Man wird wehmütig, wenn man an die vielen Geschichten aus längst vergangen Tagen denkt. Oh weh!

Düsseldorf ist überall

Rüdiger Esch beschreibt in Electri_City die Düsseldorfer Musikszene.

Rüdiger Esch über die Düsseldorfer Musikszene.

Wer von der deutschen Musikszene spricht, denkt vor allem an Berlin. Klar, in der Hauptstadt ist viel passiert. Doch viel wichtiger für die internationale Musikszene war Düsseldorf. Was dort in den 70er und Anfang der 80er Jahre im Bereich der elektronischen Musik passierte war einmalig. Keine lokale Musikszene war so prägend, wie diese. Von Los Angeles bis Tokio verneigen sich die Musikfans und -kritiker vor dieser Stadt.

Als ich im Herbst 1996 zum ersten Mal zu KUSF San Francisco ging, um dort meine Sendung anzubieten, schaute ich mir auch in aller Ruhe das riesige Platten und CD Archiv des legendären Collegesenders durch. Und dort fand ich etliches aus Deutschland, hochgeschätzt von den DJs der Freeform Radiostation. Im Rückblick waren es vor allem Düsseldorfer Bands. Ich muß zugeben, damals war mir selbst die Bedeutung Düsseldorfs nicht bewußt. Klar, ich kannte Bands wie Kraftwerk, DAF und auch Die Krupps, aber das große Bild vermochte ich (noch) nicht zu sehen.

Das hat sich über die Jahre geändert. Nach vielen Interviews und Gesprächen mit Musikern, dem Verbinden der Punkte auf der Soundkarte, das Nachlesen, wer wo mit wem gespielt hat führte dazu, dass ich immer neugieriger wurde. Und nun liegt da “Electri_City” vor mir, das Buch vom Krupps Bassisten Rüdiger Esch geschrieben. Für mich eine Antwort auf viele der noch offenen Fragen. Es ist eine Collage aus Interviews mit Zeitzeugen. Musiker aus der Region erinnern sich, Wegbegleiter berichten, dabei entsteht ein Bild, dass die ganze Dimension dieser elektronischen Musikstadt vor einem entfaltet wird.

Kraftwerk sind sicherlich die wichtigsten Vertreter, sie sind international am bekanntesten. Doch da gibt es so viel mehr zu entdecken, auch heute noch. DAF, Neu!, Klaus Dinger, Michael Rother, La Düsseldorf, Wolfgang Flür…und von all jenen Bands gehen weitere Klangpfade ab: Fehlfarben, Rheingold, Wolfgang Riechmann, Harmonia… Und da ist natürlich auch die unschätzbare Arbeit und Weitsicht von Produzent Conny Plank. Was er damals produzierte war ein Gütesiegel auf der internationalen Bühne. Bands wie Heaven 17, OMD, Depeche Mode, Visage, doch auch David Bowie, Brian Eno und Iggy Pop wurden vom Düsseldorfer Sound inspiriert und beeinflusst. Nur wenige der Düsseldorfer Bands erzielten mit ihrer elektronischen Pionierarbeit große Erfolge. Die hatten andere, gerade jene Bands aus England.

Der Soundtrack zum Buch ist auf Grönland Records erschienen.

Der Soundtrack ist auf Grönland Records erschienen.

Rüdiger Esch “connects the dots” in “Electri_City”. Ein spannend zu lesendes Buch, das einfach Lust auf eine ausgiebige Plattensuche macht. Einiges habe ich schon hier, anderes konnte ich schon finden, wieder anderes steht auf meiner Liste. Begleitend zum Buch erschien die Compilation beim Herbert Grönemeyer Label “Grönland”. Nicht verwunderlich warum gerade dort, veröffentlicht Grönemeyer doch schon seit Jahren solche musikalischen Perlen von Neu! bis Conny Plank auf seinem Label.

Was Esch hier hervorragend leistet, ist den roten Faden zu finden ohne zu kommentieren. Er läßt einfach die Zeitzeugen sprechen und es so stehen. Einige von ihnen, wie Chrislo Haas, Conny Plank oder auch Klaus Dinger sind schon verstorben. Man wundert sich anfangs, warum die Kraftwerk Gründer Ralf Hütter und Florian Schneider nicht zu Wort kommen. Doch deren Geheimniskrämerei ist Verpflichtung, auch heute noch. Viele aus ihrem Umfeld reden und zeichnen so ein Bild der genialen Protagonisten und Soundtüftler, die doch auf ihrem Weg teils skrupellos vorangingen.

Die Stadt an der Düssel ist der Ursprung der elektronischen Musik. Was heute in New York, San Francisco, London, Tokio produziert wird, geht auf seltsame Weise auf die Klangtüfteleien einiger experimentierfreudiger Musiker in Düsseldorf zurück. “Electri_City” ist ein Buch für Musikfans und Musikhistoriker. Für all jene, die mehr wissen, die Zusammenhänge erkennen und Musik auch ein stückweit verstehen wollen. Absolut empfehlenswert.

Electri_City – Elektronische Musik aus Düsseldorf

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Zupf die Saiten, Dieter!

Dieter Bornschlegel ist ein Ausnahmegitarrist. In den 70er Jahren spielte er mit Guru Guru und Atlantis. Seitdem zupft er alleine seine Songs. Ich habe ihn durch sein Projekt “Dein Schatten” kennengelernt, bei dem er der “Neuen Deutschen Härte” seinen eigenen Stempel aufdrückte. Und das kam richtig gut an, sowohl in den USA und Kanada wie auch in Russland. Wenn “Dein Schatten” im Programm von “Radio Goethe” lief, folgten Rückmeldungen und Fragen “wer ist das?”.

Doch auch das ist schon ein paar Jahre her. Dieter Bornschlegel ist aber Musiker durch und durch und kann es einfach nicht lassen. Er besticht durch seine ganz eigene Art und Weise Gitarre zu spielen. Seinem Spiel zu folgen ist beeindruckend, man fragt sich, zumindest ich als Laie, wie er das macht. Leider bin ich Anfang März nicht vor Ort, aber ich hoffe, die Löwenbar in der Fürther Gustavstraße wird am kommenden Donnerstag, den 5. März, brechend voll sein, wenn Dieter Bornschlegel die Gitarre auf seinen Schoß legt.

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Der Tag des Radios

World Radio Day 2015.

World Radio Day 2015.

Wie oft habe ich das schon gehört: das Radio ist tot! Das kann eigentlich nur jemand sagen, der sich lediglich die lokale, regionale und vielleicht auch noch die nationale Radiolandschaft ansieht und anhört. Es stimmt, es wird kaum noch investiert in den lokalen Hörfunkjournalismus, die Ausbildungsziele sinken, die Musikberieselung aus einer sehr eng gefassten Rotation nimmt zu, und selbst die öffentlich-rechtlichen Sender, einst Bastionen für Information und Anspruch, schließen sich dem Zeitgeist an: Unterhaltung über alles. Die Umstellung von BR-Klassik auf Puls Jugendradio ist meines Erachtens auch ein deutliches Zeichen in diese Richtung.

Vor 30 Jahren begann mit großem Elan der private Rundfunk in Bayern. Im Nürnberger Großraum gab es einige Sender, die kamen und gingen, am Ende wurde das Funkhaus gegründet, ein Zusammenschluß von vier Privatsendern: Radio F, Radio Gong, Radio N1 und Radio Charivari. Ein paar Jahre war ich auch dabei, im Rückblick wohl die schönen Jahre des Lokalfunks, denn einiges war journalistisch möglich und auch gewollt, von dem man heute nur noch träumen kann. Von daher kann ich gut verstehen, dass einige meinen, Radio sei so überflüssig geworden wie der berühmte umfallende Sack Reis im Hafen von Shanghai.

Sendeplakat der Deutschen Welle zum Standort Kigali, Ruanda.

Sendeplakat der Deutschen Welle zum Standort Kigali, Ruanda.

Doch Radio ist viel mehr als nur Berieselung und Bespaßung. Ich hatte das Glück, Radio auch in anderen Teilen der Welt kennenzulernen, hier in den USA, in Afrika, in Afghanistan. Und natürlich gibt es überall die gleiche Entwicklung. Unterhaltung ohne Ende, Moderatoren, die dem Hörer auf dem Schoß sitzen und mir schon morgens um halb sieben sagen, wie toll doch der Tag sei. Grottenschreckliche Comedy, die mit Lachern unterlegt wird, damit man erahnen kann, wann eigentlich gelacht werden sollte. Das ist weit verbreitet.

Dennoch glaube ich an das Radio. Hier in den USA sind es die vielen Community und Collegesender, die Piratenradios, die den demokratischen Grundansatz verteidigen. Hier hört man Programme, Musik, Meinungen, die anders sind, die ehrlich sind, die aus einer ganz anderen Perspektive kommen. Ja, Minderheitenradio wird zum Einschaltfaktor. Und das alles hat sich neben dem riesigen Moloch des kommerziellen Rundfunks in den USA entwickeln und etablieren können und dürfen.

In afrikanischen Ländern wie Ruanda, dem Kongo, Uganda, Burundi, dem Tschad ist es schwer diese Form von “offenen” Kanälen zu verwirklichen. Der Staat schaut genau hin, was gesendet wird, reglementiert, verbietet, läßt abschalten. Dort ist die Rolle von Auslandssendern, wie der Deutschen Welle, mehr als wichtig, um so neutrale Informationen und durchaus auch kritische Berichterstattungen zu verbreiten. Viele Menschen in Afrika schalten ein, Untersuchungen besagen sogar, dass 75 Prozent der Bevölkerung in Entwicklungsländern Zugang zum Radio hat. Das schafft kein Fernsehen, keine Zeitung, kein Onlinedienst. Radio war, ist und bleibt wichtig.

Doch am 29. März wird die Sendeanlage der Deutschen Welle in der ruandischen Hauptstadt Kigali abgeschaltet. Über diese Sendemasten verbreitete der deutsche Auslandssender seit Jahrzehnten seine Programme in Afrika über Kurzwelle. Der Staat Ruanda wollte das weitläufige Areal zurück haben, bebauen und verlängerte daher nicht mehr die Verträge, die 1963 unterschrieben wurden. Die Deutsche Welle erklärte, man wolle in Zukunft mehr auf Partnerschaften mit UKW Stationen in den verschiedenen Ländern und Smartphone-Apps setzen. “Hier erreichen wir einen stetig wachsenden Hörerkreis in Afrika”, meinte ein Sprecher der DW. Doch das ist ein fataler Irrtum, denn mit UKW Sendern und Apps macht man sich abhängig von anderen, die letztendlich die Kontrolle über die Sendungen des deutschen Auslandssenders haben.

Am Freitag den 13. Februar ist “World Radio Day“, der internationale Tag des Radios, ausgerufen von der UNESCO. Damit soll auf die hohe Bedeutung des Radios hingewiesen werden, dem wohl nach wie vor wichtigsten Medium. Man muß nun genauer hinschauen und hinter die Grenzen der eigenen Region blicken.