Eisbrecher im SCHOCK-Interview

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Mützen-Tuch-Tausch. Alexander Wesselsky und Nina Pauler.

Hut-Tuch-Tausch nach dem Interview.

Da kommt die neue Platte von Eisbrecher raus, veröffentlicht in Deutschland und den USA, und ich denke mir, mach mal wieder ein Spezial. Kommt ja nicht so oft vor, dass eine deutschsprachige Band in Übersee Erfolg hat (mal abgesehen von Rammstein). Meine frühere Funkhauskollegin Nina Pauler war mehr als bereit dazu, in ihrer ganz eigenen Art ein weiteres Interview mit Sänger Alex Wesselsky zu führen.

Als ich dann das Ergebnis hörte, dachte ich mir, muß ein sehr netter Nachmittag in Augsburg gewesen sein, aber irgendwie ging es im Gespräch nicht soooo sehr um die Musik oder die neue Platte.

So traurig war das Interview nicht.

Ein Märchen aus 1001 Nacht.

Beide hatten Spaß, das hört man. Sie redeten über vieles, lachten viel, insgesamt ein sehr….ja, lebendiges und unterhaltsames Interview, das man durchaus hören sollte. Von daher hier das gesamte Interview, ungeschnitten und unzensiert (Sorry America, I didn’t edit the F-Bomb).

Das Eisbrecher-Spezial zum neuen Album steht auch und wird lokal im Nürnberger Raum am Sonntag den 25. Januar und am Sonntag den 1. Februar auf afk max ausgestrahlt. Dazu noch so ein paar weitere Dutzend Stationen in Übersee, aber auch in Berlin, Hamburg, Weimar, Göppingen, St. Pölten, Bern, Lodz, Windhoek und, und, und….

Es wird kalt, Amerika!

Das neue Eisbrecher Album wird auch wieder in den USA veröffentlicht werden.

Das neue Eisbrecher Album “Schock” wird auch wieder in den USA veröffentlicht werden.

Nun also die Nummer 6. “Schock” heißt das Album und knallt richtig gut. Eisbrecher holen zum nächsten Schlag aus, der sie weit nach vorne katapultieren soll und auch wird. Kompromisslos und mit Vollgas schiebt sich der Eisbrecher voran.

Ohne Zweifel haben sich die Mannen um Sänger Alex Wesselsky fest in der deutschen Musikszene verankert. Das kann man an den Verkaufszahlen ablesen, das kann man an den begeisterten Fans (Rheinfeier 2014) erkennen, das kann man aber auch erneut auf dieser Platte hören. Das Rad wird hier nicht neu erfunden, vielmehr baut die Band auf den fünf Vorgängeralben auf. Der Sound ist kompakt, direkt und auf die 12. Da wird nicht groß gefrickelt, da wird nicht rumgezaudert, da versucht man nicht sich mit Klangexperimenten neuen Hörerschichten zu öffnen. Wer eine Eisbrecher Platte hört, weiß, was er bekommt. Harte Riffs, treibende Beats, stimmige, ja eingängige Melodien und deutsche Texte, die mit “Hooklines” nur so durchsetzt sind.

Die Band lebt vom charismatischen Sänger Alex Wesselsky, der nicht nur ein begnadeter Vocalist ist, sondern auch ein ganz besonderer Frontmann. Hier überschneiden sich die Spuren von Eisbrecher mit denen von Rammstein. Beide Bands haben einen herausragenden Sänger, der live und im Studio in seinem Element ist. Und wenn man das sagt, vermindert das in keinster Weise die Bedeutung von Noel Pix oder Richard Kruspe in ihren Bands. Ganz im Gegenteil, Eisbrecher zeigen auf ihren neuen Album “Schock” das perfekte Zusammenspiel einer Band. Einfach hervorragend!

Rammstein haben vor Jahren den Sprung in die USA gewagt, sich als Vorband von KMFDM durch kleinere Clubs nach oben gespielt. Sie überzeugten die Fans mit ihrem Sänger, ihrer Show, ihrem brettharten Sound und ihren deutschen Texten. Eisbrecher könnte ohne weiteres diesem Beispiel folgen. Sie haben das Zeug und vor allem die Songs dafür. Seit über 18 Jahren ist “Radio Goethe” on-air in den USA und Kanada. Die Rückmeldungen, die ich von Hörerinnen und Hörern bekomme, bestätigt genau das; deutsche Texte sind international kein Bremsklotz mehr.

Auch die neue Platte wird Ende Januar auf Metropolis Records in “God’s Country” veröffentlicht. Die Möglichkeiten für Eisbrecher sind unbegrenzt im Land jenseits des großen Wassers. Ein “Schock” wäre es nur, wenn der Eisbrecher lediglich im Heimathafen vertaut bliebe. Deshalb mal hier und klar gesagt: Es wird kalt, Amerika!

So sollte Mittelerde klingen

Zum zehnten Mal schlagen nun die Power Metaller von Blind Guardian zu. “Beyond The Red Mirror” heißt das neue Album, das Ende Januar in die Plattenregale und die Downloadplattformen zwischen Flensburg und Garmisch, zwischen Oakland und Nagasaki kommen wird. Es ist erneut ein brachiales und gewaltiges Meisterwerk. Hier wird das Rad nicht neu erfunden, vielmehr liefern die Krefelder ein durch und durch geniales Album in bekannter Manier ab.

Die neue Platte der Krefelder Band Blind Guardian wird weltweit ihre Fans finden.

Die neue Platte der Krefelder Speed und Power Metal Band Blind Guardian wird weltweit ihre Fans finden.

Mit “The Ninth Wave” wird pompös zum Dröhnland gerufen. Chorklänge eröffnen die Scheibe, treibende Beats, harte Riffs und dazu dieser typische Blind Guardian Gesangspart runden dieses perfekt produzierte Album ab. Gleich drei Chöre und zwei Sinfonieorchester wurden für das Album angeheuert. Mit dieser musikalischen Breitseite tritt der Hörer, die Hörerin wieder in eine unbekannte Dimension, wo sich – ganz in Tolkien Manier – Götter, Tyrannen und Helden die Dinge um die Ohren knallen. “Beyond The Red Mirror” macht da weiter wo 2010 “At The Edge Of Time” die Fans begeistert zurückgelassen hat.

Blind Guardian gehören weltweit zu den erfolgreichsten deutschen Musikexporten. Mehr als zweieinhalb Millionen verkaufter Alben, ausverkaufte Tourneen in den USA, Asien und Europa belegen den Stellenwert der Band. Ich höre mir nun schon zum zigten Male die Platte an und bin begeistert. Wenn ich Luftgitarre spielen könnte, mir die nichtvorhandene Matte vom Kopf schütteln, die Pommesgabel dem Rockolymp entgegen recken wollte, dieses Album wäre wie gemacht dafür. Es knallt gut, genau das richtige für einen drögen Sonnntagnachmittag in Kalifornien. Und wenn “Beyond The Red Mirror” der Soundtrack des Hobbitfilmes gewesen wäre, dann, ja dann, hätte ich durchaus die Endlosschlachten in der Tolkienverfilmung genossen. Denn Blind Guardians Mucke ist wie gemacht für Mittelerde.

Eisbrecher Vollkurs voraus

Eisbrecher feierte die Rheinfeier auf der "MS RheinEnergie".

Eisbrecher feierte die Rheinfeier auf der “MS RheinEnergie”.

Eine Rheinfahrt die ist lustig. Seit 18 Jahren produziere ich “Radio Goethe”, seit dem Beginn der Band Eisbrecher laufen die Mannen um Käpt’n Alex regelmäßig im Programm. Damals als Alex Wesselsky bei Megaherz ausstieg, gab er mir kurz danach eine CD mit den ersten Hörbeispielen seines und Noel Pix’ neuem Projekt in die Hand. Es war anders, elektronischer, doch vor allem vielversprechend. Und mit Eisbrecher blühte Alex auf, realisierte vieles, was mit Megaherz musikalisch nicht umgesetzt werden konnte. Das erlebte man am gestrigen Samstagabend erneut beim Jahresabschlußkonzert auf der “MS RheinEnergie”.

Fast 1100 Fans und geladene Gäste waren an Bord, als der Kölner Dom rechts liegen gelassen wurde und die Motoren des Schiffes angeschmissen wurden. Es ging flussaufwärts. Die Zuschauer erlebten ein außergewöhnliches, ja, ein einmaliges Konzert. Draußen zog das Ufer vorbei, innen kochte der Saal mit den besten Songs aus 11 Jahren Eisbrecher. Sänger Alex war der perfekte Unterhalter, Moderator und Anheizer. Die wenigen neuen Gesichter im Publikum wurden fast persönlich in der Eisbrecher Familie willkommen geheißen.

Im Januar wird nun das neue Album “Schock” erscheinen. Zwei Songs daraus präsentierte die Band am Samstagabend. Und wieder wird auch dieses Album in den USA auf Metropolis Records veröffentlicht werden. Damit sind Eisbrecher eine der wenigen deutschsprachigen Bands, die auch weiterhin auf dem US Markt präsent und erfolgreich sind. Ihr Sound kommt an, die Songs sprechen diese universelle Sprache, die man versteht, egal, ob man den Wortspielen von Alex Wesselsky folgen kann oder auch nicht.

Nach dem Konzert erhielt ich noch eine kleine Extra-Zugabe, als Alex erfuhr, dass ich nun die doppelte Staatsbügerschaft besitze. Er setzte – mit Hand auf dem Herzen – zum Singen der amerikanischen Hymne an. Ein besonderes Ständchen zu später Nachtstunde. Persönlich und ganz und gar nicht politisch gemeint. Danke Alex!

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Zwei der Großen in der kleinen Stadt

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Mona Mur und En Esch am Freitag in Fürth.

Nicht allzu viele deutsche Musiker sind den amerikanischen Musikfans ein Begriff. Doch einige haben durchaus einen Namen. Dazu gehören Mona Mur, die in den Anfangsjahren mit den Einstürzenden Neubauten spielte, viele Soloprojekte verwirklichte, eine begehrte Muskerin für Videospielproduktionen und Soundtracks ist und jüngst mit FM Einheit kollaborierte. Und En Esch, ehemaliger Gitarrist und Sänger der legendären Industrialband KMFDM, der gerade die Arbeiten an seiner neuesten Soloplatte fertig gestellt hat.

Beide arbeiten schon seit ein paar Jahren zusammen, tourten in aller Herren Länder und nun stehen auch ein paar Konzerte in Deutschland an, eines davon am Freitag den 19. Dezember um 20 Uhr in Fürth. Im “Kopf und Kragen”, kannte ich bislang auch nicht, musste ich auch erst raussuchen, wo genau das ist… Aber es lohnt sich auf alle Fälle, denn Mona Mur und En Esch laufen regelmäßig mit ihren Alben und den vielen Nebenprojekten im Programm von Radio Goethe. Jüngst erst gab es ein kleines Spezial über die beiden, das man hier hören kann:

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“Kopf und Kragen”, in der Ottostr. 27, Hinterhof EG in Fürth.

 

 

Eine einzigartige Klangreise um die Welt

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Sammlung traditionelle Musik der Unesco, nun veröffentlicht bei Smithsonian Folkways Recordings.

Sammlung traditionelle Musik der UNESCO, nun neu und digital veröffentlicht bei Smithsonian Folkways Recordings.

Trommeln, Wasserplätschern, ein Singsang. Man hört Wassertrommeln aus Kamerun. Feldaufnahmen, die aus der Sammlung traditioneller Musik der UNESCO stammen. Nichts ist beschönigt, bereinigt oder aufgearbeitet. Es klingt so, als wenn man daneben sitzen würde. Irgendwo in Afrika. Solche und viele andere Aufnahmen wurden von der UNESCO seit den 50er Jahren zusammen getragen.

2004 verschickte die UNESCO eine Rundmail, in der es hieß, die Plattenfirma, die bislang diese umfangreiche Sammlung auf Schallplatten herausgebracht habe, mache mit diesen Veröffentlichungen im digitalen CD- und mp3-Zeitalter keine Gewinne mehr. Niemand wollte wohl mehr eine LP mit Regengesängen der Aboriginals aus dem Herzen Australiens kaufen.

Diese Mail kam auch auf den Schreibtisch von Atesh Sonneborn, der beim Smithsonian Folkways Plattenlabel in Washington DC für die Programmarbeit zuständig ist. Folkways Records ist eine alte Plattenfirma, die 1948 von Moses Asch gegründet wurde. Bis zu seinem Tod 1986 wurden 2168 Alben veröffentlicht. Ethnische und zeitgenössische Musik aus aller Welt, Literatur- und historische Aufnahmen, Dokumentationen, Soundplatten und allerlei andere teils seltsame “Recordings”. Nach dem Tod von Moses Asch stifteten die Erben diese umfangreiche Klang- und Musiksammlung dem Smithsonian Institut für kulturelles Erbe. Einzige Bedingung: Alle Aufnahmen müssen auch weiterhin einer interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Smithsonian dürfe sich nicht nur die Rosinen aus dem Kuchen picken, wie z. B. die Aufnahmen von Folksänger Woody Guthrie. Ein Deal, der noch heute besteht. Folkways Records wurde Smithsonian Folkways Recordings.

Das Resultat dieser Kooperation zwischen dem Plattenlabel und der Weltkulturorganisation ist ein Monumentalwerk. Zehn Jahre dauerte es für das Label, um überhaupt alle Rechte an den Aufnahmen zu klären und zu bekommen. 127 CDs sind projektiert. Bereits seit Ende April werden pro Woche und ein Jahr lang zwei Platten als CD und Download veröffentlicht. Man kann alles erwerben oder ganz gezielt nach Land und Regionen auswählen. Der Stapel CDs vor mir gleicht einer klanglichen Weltreise. An manchen Orten will man mehr verweilen, ausruhen, eintauchen. Andere hingegen will der Hörer schnell wieder verlassen. Doch das hängt vom persönlichen Geschmack ab. In dieser Sammlung geht es an und um die musikalischen Wurzeln. Hier kann man der Seele von Volksgruppen und, ja, der gesamten Menschheit näherkommen. Es ist Musik, die fast vergessen schien, die lange Jahre nicht mehr gehört wurde. Und wahrscheinlich auch davor nur von Wenigen. Es ist wie eine Jukebox der Menschheit. In 127 CDs um die Welt.

Manches in der Unesco Musiksammlung ist eingängig, anderes eher sperrig. Hier hört man nichts, was auch nur annähernd den Weg in die Hitparaden und Charts der westlichen Welt geschafft hat. Es ist“Roots”-Musik, die Grundlage der Weltmusik. Aus Indien, Afghanistan, Russland, Jemen, Kurdistan und vielen, vielen anderen Ländern.

Das Label Smithsonian Folkways hofft mit dieser Neuauflage der Unesco Musiksammlung auf Käufer vieler ethnischer Gruppen in den USA und anderswo, die fernab der eigenen Heimat mehr über ihre Wurzeln erfahren wollen. Mit dieser Reihe werden Grenzen überschritten; geographisch, musikalisch, spielerisch. Man dreht den Erdball, hört hin und erkennt: Musik ist die einzige globale Sprache.

Wer verdient an der Musik?

Per App in der Spotify Musikbibliothek.

Per App in der Spotify Musikbibliothek.

Die Sängerin Taylor Swift hat nun ihre Musik aus den Streaming Angeboten wie Spotify zurück gezogen. Sie sagt, andere verdienen da mit ihren Songs. Das sagt eine Musikerin, die gut im Geschäft ist. Spotify reagierte, Firmenchef Daniel Ek erklärte , man habe allein im letzten Jahr eine Milliarde Dollar an die Musikindustrie überwiesen. Wenn die Plattenfirmen das nicht weitergeben würden, läge das Problem dort und nicht bei Spotify. Mal schnell den Schwarzen Peter weiter gereicht. Schon vor einiger Zeit hatte sich auch Purple Schulz von den Streaming Diensten verabschiedet. Es bringe nichts, meinte er auf seiner facebook Seite. Seine Fans erreicht er vielmehr direkt in sozialen Netzwerken oder in Konzerten.

Tatsache ist, dass von dem Musik-Streaming Minimalstbeträge bei den Musikern und Bands ankommen. Andere werden damit reich. Das sieht man derzeit auch hier in der San Francisco Bay Area. Tim Westergren ist der Gründer von Pandora, einem der großen Streaming Services. Und er hat sich gerade ein riesiges Estate in Inverness, Marin County, geleistet. Das wurde auch nur bekannt, weil er derzeit mit den Behörden in West-Marin und den Anwohnern in der Point Reyes Region im Klinsch liegt. Westergren will größere Anbauten durchführen, was nicht jedem gerade gefällt. Der Pandora Gründer wurde mit seinem Streaming Dienst sehr reich, das zeigt er jetzt mal so nebenbei.

Streaming Dienst Pandora wurde zum Erfolg.

Streaming Dienst Pandora wurde zum Erfolg.

Nein, es geht hier nicht um Neid, Tim Westerberg oder auch Daniel Ek sollen verdienen was sie wollen, besitzen was sie können. Aber es geht darum, dass man diesen Erfolg nicht auf dem Rücken anderer macht und wenn, dann sollte man fair dafür bezahlen. Und das machen sowohl Spotify wie auch Pandora nicht. Die Münchner Band Eisbrecher ist in den USA auf Metropolis Records veröffentlicht. Wenn man auf Pandora “Rammstein Radio” wählt, dann ist fast jedes dritte, vierte Lied eines von Eisbrecher. Was die Band damit verdient sei einmal dahingestellt, bislang jedenfalls können sich Eisbrecher keine USA Tournee leisten.

Ja, es hängt viel davon ab, wie die Konsumenten, die Hörer heute Musik nutzen. Die Zeiten sind lange vorbei, als ich als Jugendlicher durch die Nürnberger Plattenläden stöberte, auf der Suche nach Bands, die ich auf AFN, Bayern 3 oder bei Freunden gehört hatte. Das ging vom Radio Adler zum Francoise in der Breiten Gasse, da war der Phonac, der Musik Shop, der Goofy. Auch Hertie, Kaufhof und Karstadt hatten Plattenabteilungen. Dann kam der WOM und dann der Müller und dann machte irgendwann ein Laden nach dem anderen dicht. Spotify und Pandora machen es heute einfach. Einfach für den Kunden. Doch dabei wird vergessen, dass Musik nicht nur ein Konsumgeschäft ist. Die mp3 Tauschbörsen, youtube, iTunes und all die anderen legalen und illegalen Plattenformen haben das Geschäft schon verwässert. Mit Plattenverkäufen verdienen heute nur noch die wenigsten Bands und Musiker etwas. Die Streaming Dienste sind so etwas wie Leichenfledderer. Der Patient ist schon tot, man verschachert nur noch das, was übrig geblieben ist und verdient damit “gutes” Geld. Was danach noch übrig bleibt, wird sich zeigen. Ich glaube, nicht mehr viel.

 

Dieses Lachen steckte an!

Als ich vor etlichen Jahren einer guten Freundin von “Car Talk” erzählte, wußte sie anfangs so gar nichts damit anzufangen. Sie arbeitete bei DeutschlandRadio. “Car Talk” war eine der am meisten gehörten Programme auf “National Public Radio”, NPR. Und die wöchentliche Sendung ging genau darum, um Autos. Doch es war keine dröge, ölige, oder funzlige Werkstattsendung, nein, “Car Talk” war eine erfrischende, humorvolle und unglaublich lebendige Show.

Tom und Ray Magliozzi (v.l.n.r.), Moderatoren von "Car Talk".

Tom und Ray Magliozzi (v.l.n.r.), Moderatoren von “Car Talk”.

Die Brüder Ray und Tom Magliozzi aus Boston begannen 1977 auf einer lokalen NPR Station mit ihrer Sendung. Sie nannten sich “Click and Clack, the Tappet Brothers”  und beendeten jede Show mit “Don’t drive like my brother….and don’t drive like my brother”. Zehn Jahre später wurden sie “syndicated”, im NPR Verbund verbreitet. 600 Stationen erreichten die Brüder schließlich mit ihrem Programm. Hörer riefen mit ihren Autoproblemen an, da qualmte es, da quietschte es, da gab es seltsame Geräusche. Oder es ging um Auto relevante Themen. Das reichte von “Was für ein Auto soll ich mir kaufen, wenn ich blond, 1,60 groß und kurzsichtig bin” bis hin zu “Mein Mann meint, ich solle vor dem Starten dreimal das Gaspedal durchdrücken, stimmt das?” Ray und Tom gingen keiner Frage aus dem Weg, ganz im Gegenteil, sie bestachen durch ein Fachwissen, kannten jeden Wagen und erklärten einer mehrere Millionen umfassenden Stammhörerschaft komplizierte Motorenabläufe und mechanische Zusammenabhänge. Und die NPR Gemeinde liebte die beiden Brüder, gerade weil sie anders waren, weil sie lockerer rüberkamen, weil sie lauthals auch über sich selbst lachen konnten. Als Hörer wurde man schlichtweg mitgerissen.

2012 beendeten sie ihre Live-Anruf Show, doch NPR wiederholte einfach alte Sendungen, die Show blieb populär. Nun ist Tom Magliozzi im Alter von 77 Jahren an “Komplikationen der Alzheimer Erkrankung” gestorben, wie es heißt. Damit verliert die amerikanische Radiolandschaft einen der lockersten Moderatoren, einen Menschen mit Sinn für Humor.

Meine Freundin vom DeutschlandRadio hörte sich damals die Sendung ganz an. Sie verstand anfangs nicht viel vom Bostoner Dialekt, aber sie mehr und mehr angetan von der ganz anderen öffentlich-rechtlichen Radiostimme. Doch sie meinte, das würde nie in Deutschland funktionieren….eigentlich schade, denn das Lachen von Tom Magliozzi war einfach nur ansteckend.

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Amerika steht vor einem Erdrutsch

Am Dienstag wird in den USA gewählt. Eigentlich für alles, was es da so gibt. Kongressabgeordnete, Senatoren, Gouverneure, Bürgermeister, Richter, Sheriffs, irgendwelche Board Members, dann Volksentscheide, ich kriege jetzt schon Krämpfe in der Hand, wenn ich an all die Kreuze denke, die ich da am Dienstag machen muß. Es ist wahrlich ein Kreuz mit der Wahl.

Wollen wir mal wählen gehen.

Wollen wir mal wählen gehen.

Und doch, die Republikaner feiern schon jetzt. Sie sind siegessicher, nichts kann schiefgehen, Präsident Obama kriege einen auf die Mütze. Ja, Obama werde für einfach alles abgestraft. Für den neuerlichen Krieg im Irak, für Ebola, für die lausige Wirtschaft, für seine Weicheihaltung gegenüber Putin und natürlich auch für Obamacare, was eh keiner will. Der Triumph ist uns sicher, so die konservativen Meinungsmacher von FOXNews, Washington Times, Rush Limbaugh und seine Gilde der Talk Show Quassler. Eigentlich bräuchte es keine Wahl, eigentlich könnten die Demokraten nur die Schlüssel übergeben, man hätte sich viel Zeit, Energie und vor allem Geld sparen können. So teuer wie diese “Midterm Election” war bislang noch keine. Wir reden hier von Milliarden Dollar.

Noch ein paar Tage, dann ist diese Wahl vorbei, dann beginnt die heiße Phase des Präsidentenwahlkampfes. Einige stehen schon in den Startlöchern und warten darauf, dass es los geht. Beide Parteien müssen einen Kandidaten ausloten. Es wird hart, es wird brutal, es wird teuer. Aber warten wir erstmal den Dienstag ab, dann entscheidet sich, ob Obama überhaupt noch mitregieren darf, oder ob er einfach legale Schachzüge anwendet, um ein paar politische Punkte in seinem Programm noch umzusetzen. Bis Januar 2017 hat er Zeit. Und ich kriege am Dienstag einen schönen Aufkleber “I voted”. Na, wenn das keine Belohnung ist.

Keine Panik. Wir sind die besten im Ebolakampf.

Das Kabinett von Barack Obama diskutiert über Ebola.

Das Kabinett von Barack Obama diskutiert über Ebola.

Präsident Obama ist naiv. Auch nach sechs Jahren im Amt, er hat es einfach noch nicht gelernt, wie Amerika tickt. Das zeigte er heute erneut in seiner “Weekly Radio Address”, eine wöchentliche Rede an die Nation, die mittlerweile auch zur Videobotschaft geworden ist. In diesen Reden wenden sich die Präsidenten mit aktuellen Fragen, Problemen, Themen an die Bürgerinnen und Bürger. Angefangen hatte damit Franklin Roosevelt. Ronald Reagan belebte 1982 diese Tradition wieder. Bekannt wurde sein Soundcheck vor einer solchen “Radio Address”, als er vorab den Mikrofonpegel mit den Worten testete: “My fellow Americans, I’m pleased to tell you today that I’ve signed legislation that will outlaw Russia forever. We begin bombing in five minutes.”

Reagans Nachfolger behielten die wöchentliche Rede bei und nutzten so den direkten Draht zur Bevölkerung, um ihre Politik zu erklären. George W. Bush und Barack Obama sind die ersten, die auch mit einer wöchentliche Videobotschaft begannen. Und in dieser aktuellen Rede geht es eben um Ebola und den Kampf gegen das Virus. Obama, ganz der kühle und logische Präsident, versucht die Bevölkerung zu beruhigen. Ebola sei unter Kontrolle, es gebe in den USA keine Epidemie. Man solle auf die Wissenschaftler hören, selbst die Statistik zeige, dass Ebola nicht die große Gefahr sei. Und einmal mehr zeigt Obama, dass er im Washingtoner Politzirkus naiv durch die Gegend läuft.

Die Republikaner verlangen Reiseverbote, Kontrollen an allen Flughäfen, eine Schließung der Grenze, eine Isolierung Westafrikas, ein drastisches Durchgreifen. Das republikanische Sprachrohr FOXNews hat bereits seit Wochen den Panikknopf für die Berichterstattung gedrückt. Dramatische Trailer kündigen reißerisch das Thema EBOLA an. Irgendwie und irgendwo finden sie immer wieder Interviewpartner, die noch blutiger, noch grausamer, noch panischer auf die Meinungsmache der FOX Köpfe antworten. Barack Obama reagiert auf seine Weise mit einer naiven, weil logischen wöchentlichen Radioansprache. Er will die Bevölkerung beruhigen, alles sei unter Kontrolle, man beobachte, berate, helfe, wo es geht. Eben auch in Westafrika. Amerika sei die führende Nation im Kampf gegen das tödliche Virus. Doch eins ist klar, positive Meldungen verkaufen sich nicht gut. Amerika will mit Panikmache, Angst und Schuldzuweisungen unterhalten werden.

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