Keine Panik. Wir sind die besten im Ebolakampf.

Das Kabinett von Barack Obama diskutiert über Ebola.

Das Kabinett von Barack Obama diskutiert über Ebola.

Präsident Obama ist naiv. Auch nach sechs Jahren im Amt, er hat es einfach noch nicht gelernt, wie Amerika tickt. Das zeigte er heute erneut in seiner “Weekly Radio Address”, eine wöchentliche Rede an die Nation, die mittlerweile auch zur Videobotschaft geworden ist. In diesen Reden wenden sich die Präsidenten mit aktuellen Fragen, Problemen, Themen an die Bürgerinnen und Bürger. Angefangen hatte damit Franklin Roosevelt. Ronald Reagan belebte 1982 diese Tradition wieder. Bekannt wurde sein Soundcheck vor einer solchen “Radio Address”, als er vorab den Mikrofonpegel mit den Worten testete: “My fellow Americans, I’m pleased to tell you today that I’ve signed legislation that will outlaw Russia forever. We begin bombing in five minutes.”

Reagans Nachfolger behielten die wöchentliche Rede bei und nutzten so den direkten Draht zur Bevölkerung, um ihre Politik zu erklären. George W. Bush und Barack Obama sind die ersten, die auch mit einer wöchentliche Videobotschaft begannen. Und in dieser aktuellen Rede geht es eben um Ebola und den Kampf gegen das Virus. Obama, ganz der kühle und logische Präsident, versucht die Bevölkerung zu beruhigen. Ebola sei unter Kontrolle, es gebe in den USA keine Epidemie. Man solle auf die Wissenschaftler hören, selbst die Statistik zeige, dass Ebola nicht die große Gefahr sei. Und einmal mehr zeigt Obama, dass er im Washingtoner Politzirkus naiv durch die Gegend läuft.

Die Republikaner verlangen Reiseverbote, Kontrollen an allen Flughäfen, eine Schließung der Grenze, eine Isolierung Westafrikas, ein drastisches Durchgreifen. Das republikanische Sprachrohr FOXNews hat bereits seit Wochen den Panikknopf für die Berichterstattung gedrückt. Dramatische Trailer kündigen reißerisch das Thema EBOLA an. Irgendwie und irgendwo finden sie immer wieder Interviewpartner, die noch blutiger, noch grausamer, noch panischer auf die Meinungsmache der FOX Köpfe antworten. Barack Obama reagiert auf seine Weise mit einer naiven, weil logischen wöchentlichen Radioansprache. Er will die Bevölkerung beruhigen, alles sei unter Kontrolle, man beobachte, berate, helfe, wo es geht. Eben auch in Westafrika. Amerika sei die führende Nation im Kampf gegen das tödliche Virus. Doch eins ist klar, positive Meldungen verkaufen sich nicht gut. Amerika will mit Panikmache, Angst und Schuldzuweisungen unterhalten werden.

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Die Heimat ist weit, doch wir sind bereit

Vor kurzem hat bereits Bear Family Records eine umfassende Box mit Liedern aus dem Spanischen Bürgerkrieg veröffentlicht. Ein Monumentalwerk, für das man Zeit, Ruhe und Raum braucht. Aufnahmen, die knistern, die knastern, die voller Geschichte sind. Für 173 Euro nicht gerade billig, aber der Preis für diese 7CD, 1 DVD und ein umfassendes Begleitbuch sind durchaus berechtigt. Ein Liebhaberstück, das ich nur wärmstens empfehlen kann.

"Songs of the Spanish Civil War" erschienen bei Smithsonian Folkways Records.

“Songs of the Spanish Civil War”, neu erschienen bei Smithsonian Folkways Records.

Nun hat Smithsonian Folkways eine alte Platte neu aufgelegt. “Songs of the Spanish Civil War”, im Original bereits in den 1960er Jahren erschienen. Die CD umfasst 24 Lieder, darunter Songs der amerikanischen Lincoln Brigade, Lieder von Ernst Busch und Woody Guthrie. Kampflieder voller Wehmut, Hoffnung, Siegeswillen. Folkways hat hier wieder tief im reichen Archiv gegraben und eine Perle herausgebracht, die durchaus auch aus deutscher Sicht beachtet werden sollte. Ernst Busch singt hier auf Deutsch, er gehörte zweifellos zu den bekanntesten Musikern, die in den Spanischen Bürgerkrieg zogen. Er unterhielt die anti-faschistischen Kämpfer aus aller Welt mit seinen kraftvoll vorgetragenen Liedern. “Die Heimat ist weit, doch wir sind bereit”, sang Busch. Daneben auch das Lied der  Moorsoldaten oder “Peat Bog Soldiers” (unten zu hören), das bereits 1933 im Konzentrationslager Börgermoor geschrieben worden war. Ernst Busch sang dieses Lied in Spanien, die internationalen Brigaden nahmen es mit in ihre Heimatländer. Die Moorsoldaten wurde eines der wichtigsten und weit verbreitetsten Anti-Faschismus Lieder des 20. Jahrhunderts.

“Songs of the Spanish Civil War” ist eine beeindruckende Liedersammlung, angereichert durch ein umfangreiches Booklet. Man kann die CD oder den Download direkt beim Label bestellen.

Moorsoldaten oder “Peat Bog Soldiers”:

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Ich lass das mal mit dem Arzt

Ich habe da ein kleines Problem. Eigentlich wollte ich nach meiner Rückkehr hier in Oakland zum Arzt gehen, doch allein die Tatsache, dass ich in Afrika unterwegs war, birgt nun ein Problem. Denn es gibt da ja die einfache Rechnung: Afrika + Unpässlichkeit = Ebola.

Ebola ist das Topthema auf der CDC Webseite.

Ebola ist das Topthema auf der CDC Webseite.

Amerika “liebt” Horrorszenarien. Al Qaida baut Terrorzellen in den USA auf. Saddam Hussein hat riesige Arsenale mit chemischen und biologischen Waffen. Die Terrorgruppe Islamischer Staat steht schon in Ciudad Juarez an der amerikanischen Grenze, um mit Unterstützung der Drogenkartelle Attentate zu planen. Die Flüchtlinge aus Guatemala, Honduras und El Salvador werden das amerikanische Sozialnetz vernichten. Ach ja, dann sind da noch Kuba, weiße Haie an Stränden, gelegentlich ein Berglöwe in einer Nachbarschaft, Pädophile hinter jedem Busch und Strauch. Und, und, und nun eben auch noch Ebola. Damit lassen sich 24 Stunden “Nachrichtenkanäle” füllen.

Amerika reagiert panisch. Die Medien stürzen sich darauf, berichten über etwas, was fast nirgendwo im Land auch nur aktuell ist. Gestern Abend stand tatsächlich in den 23 Uhr Nachrichten ein Reporter eines lokalen Fernsehsenders für einen Live-Bericht (!) am Flughafen von San Francisco. “Wird SFO bald Ebola Testtechnologie bekommen?”, fragte er. Hallo!!! Es gibt keine direkten Flüge von Freetown in Sierra Leone oder Monrovia in Liberia nach San Francisco. Also, was soll das?

Die konservativen Meinungsmacher von FOXNews, wie Sean Hannity, die Radio Talkshow Brabbler, wie Michael Savage, die Online Kolumnisten, wie Ann Coulter, sie alle sehen die Ebola Krise als eine politische Krise im Land. Barack Obama verfolge das Weltbürgertum, nur so sei zu erklären, warum es keine Reisebeschränkungen nach Westafrika gebe. Zwischen den Zeilen kann man da die rassistischen Töne durchhören, er sei ja ein Schwarzer, da wolle er seine Brüder und Schwestern in Afrika nicht vor den Kopf stoßen. Erneut zeige sich jedoch die Führungsschwäche des “Commander in Chief”. Egal, was Obama auch macht, es ist für seine Berufskritiker nicht genug. Der zuständige Chef des “Center for Disease Control” (CDC) müßte umgehend entlassen werden, die Grenzen dicht gemacht, Reisewarnungen und Reiseverbote ausgesprochen werden, kein Amerikaner dürfe mehr in die betroffenen Länder reisen. Man hat den Eindruck, das Ebola Virus lauert hinter jeder Ecke und wartet nur darauf einen Amerikaner, “a good patriot” zu infizieren. Obama, der Weichling, lasse es zu, dass “god’s country” verseucht wird, so die Meinung der vielbeachteten Meinungsmacher.

Und nun wieder zu meinem angedachten Arztbesuch. Ich glaube, es ist verständlich, dass ich erst einmal ein bisschen warte. Schmerzen hin, Schmerzen her. Unwohlsein hin, Unwohlsein her. Bevor ich mir das antue, erneut jemanden vor mir im Schutzanzug zu sehen, lasse ich lieber noch etwas Wasser die Pegnitz runterfließen. Die mit ihrer Panikmache gehen mir gerade ziemlich auf den Geist. Hier und da. Denn durch die Ebolakrise bekomme ich noch nicht mal meine Tschadthemen in den Medien unter. Die Afrikaberichterstattung drehe sich derzeit nur um Ebola, heißt es. So, als ob der Kontinent eh nur aus Krankheiten und Seuchen besteht.

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You’re not too old for Rock’n Roll

Maggie's Madness "Waking up the dead".

Maggie’s Madness “Waking up the dead”.

Vorletzte Woche saß ich bei einer Theateraufführung im Gemeinschaftshaus Langwasser. Ein 80er Jahre Musical ohne eine richtige Story, aber unterhaltsam produziert. Da dachte ich zurück an die 80er, als ich genau an dem Ort Maggie’s Madness sah. Die Nürnberger Hard Rocker rockten damals das Haus. Einige der Musiker arbeiteten im Goofy Plattenladen (kennt den noch jemand?), in dem ich damals Stammgast war. Erst war er in einem kleinen Laden in einer Passage, die von der Breiten Gasse abging, später dann im hinteren Bereich des Atlantik Kinos zwischen Karolinenstrasse und Brunnengasse. Ein Laden für Hard Rock und Metal Fans. Und da arbeitete u.a. auch der Sänger von Maggie’s Madness.

Und nun sitze ich hier in meinem Haus in Kalifornien und höre “Waking up the dead”, die Rückkehr von Maggie’s Madness. Mit neuem Sänger, etwas gealtet, den Sound aufgefrischt wollen es die Jungs  um Frank Zellner noch mal wissen. Warum, das ist nicht ganz klar, aber vielleicht gibt es noch mehrere wie mich, die immer mal wieder auf ebay oder anderen Plattenbörsen nach alten Maggie’s Madness LPs suchen. Nun kommt also “Waking up the dead” heraus, 18 Songs, die in den 80er Jahren geschrieben und 2014 im Nürnberger Starlight Sound Studio neu eingespielt wurden. Das ganze klingt wie schon mal gehört (ach was!) und dennoch irgendwie zeitlos. Ich glaube, hier geht es gar nicht so sehr um ein großartiges Comeback, hier haben sich vielmehr Musiker zusammen getan, um noch einmal ihre guten alten Rock Songs zu spielen. Und das ist ihnen hervorragend gelungen.

Von Höchstadt nach San Francisco – “I love se Cable Car”

Der Höchstädter Atze Bauer auf Cable Car Tour durch San Francisco.

Der Höchstädter Atze Bauer auf Cable Car Tour durch San Francisco.

Was lange währt oder so. Vor 15 Jahren hatte ich Besuch aus Franken. Atze Bauer kam vorbei und war schlichtweg angetan von der Cable Car in San Francisco. Nach einer SF Stadttour fragte er mich, ob er sich mal mein Aufnahmegerät ausleihen dürfe, er wolle ein paar Töne auf einer Cable Car Fahrt aufzeichnen.

Ein halbes Jahr später schickte mir Atze eine CD, darauf das Lied “I love se Cable Car”. Ein Ohrwurm schlechthin. Und das sage nicht nur ich, das befanden auch die Hörer meiner Sendung in und außerhalb von San Francisco. In den letzten 15 Jahren war “I love se Cable Car” das am meisten gewünschte Lied, und dass, obwohl es nur auf der ersten Radio Goethe Compilation erschienen ist. Ja, Atze stiftete den Song auch noch für einen guten Zweck, damals fiel der Transmitter von KUSF in San Francisco aus und einige deutsche Bands halfen mit einer Benefiz-CD. Neben Atze Bauer waren aus dem Nürnberger Großraum noch Fiddler’s Green, Fade und die Shiny Gnomes vertreten. Dazu noch In Extremo, Megaherz, Faust, Hiss und viele andere. Den Cable Car Song hatte ich damals auch ans Cable Car Museum geschickt, die ganz begeistert von diesem etwas anderen und ungewöhnlichen Liebeslied waren.

Aber es geht ja hier um “I love se Cable Car” und den aktuellen Bezug zu diesem besonderen “Evergreen”. Vor ein paar Wochen war Atze erneut zu Besuch. Diesmal hatte er eine feine, kleine Videokamera dabei, mit der er einfach alles filmte, was ihm vor die Linse kam. Er machte Aufnahmen von seinen ersten (und wahrscheinlich letzten) Surfversuchen, vom “Bush-Man” in Fisherman’s Wharf, vom Essen und Trinken und natürlich von einer Cable Car Fahrt. Und das Ergebnis dieser letzten Kalifornienreise ist nun nach 15 Jahren das passende Video zur Radio Goethe Hitsingle “I love se Cable Car”. Idee, Kameraführung, Schnitt, Technik, Mix usw. alles Atze Bauer. Ein Selfie-Video, wie es wohl besser nicht sein könnte. Und warum hat das 15 Jahre gedauert? Die knappe Antwort des selbsternannten Höchstädter Liederchaoten, er habe erst seit kurzer Zeit ein Videoschneideprogramm mit dem er einigermaßen umgehen könne. Und, “für einen Cable Car Clip wurde es ja mal Zeit.” Stimmt Atze, deshalb nun hier und heute die Weltpremiere des Videos zu “I love se Cable Car”. Klicken, klicken, klicken, der Song verdient den Erfolg.

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Was ist eigentlich mit der Mittelwelle?

In Deutschland hört so gut wie niemand mehr Radioprogramme auf der Mittelwelle. Ganz anders in den USA. Talk Radio und Sportsendungen, 24 Stunden Nachrichtenkanäle, nostalgische Musikprogramme und ethnische Sendungen, das alles kann mann auf der AM Frequenz finden. Noch, muß man sagen, denn die Hörer schalten um.

Ende der 70er Jahre hörten mehr als die Hälfte der Amerikaner Radio über die Mittelwelle. Heute sind es gerade mal noch 11,5 Prozent. Noch 1990 wurden 45 Prozent der Hörfunklizenzen von der Aufsichtsbehörde FCC an Stationen auf der Mittelwelle vergeben. 2014 stehen 10,700 UKW Sender 4700 Mittelwellenstationen gegenüber. Der Trend ist eindeutig, mehr und mehr Hörer schalten weg. Marktanteile gehen verloren. AM Stationen werden abgeschaltet.

Ein KFWB-AM Poster aus besseren Zeiten.

Ein KFWB-AM Poster aus besseren Zeiten.

KFWB-AM ein Radio Powerhouse in Los Angeles wurde noch vor den glorreichen Radiotagen von Warner Brothers Mitbegründer Sam Warner aufgebaut. KFWB war jahrzehntelang der Sender in Los Angeles. In den Anfängen des Rock’n Roll wurde die Station auch “Color Radio” genannt, denn hier ging es nur um Musik und die Mischung kam an. Später wandelte man sich zum führenden Nachrichtenkanal mit Außenbüros in ganz Kalifornien. Lange ist es her. In einer Juliwoche zog KFWB nur noch 172.000 Hörer an. Zu wenig im wichtigsten Radiomarkt der USA. Der Topsender, Musikkanal KBIG-FM, erreichte im gleichen Zeitraum fast 3,5 Millionen Hörer. Die Chefetage von KFWB zog die Konsequenzen, ab Ende September wird das Nachrichtenflagschiff ein Sportkanal. Damit will man gezielt Hörergruppen ansprechen, die noch immer die Mittelwelle einschalten.

In San Francisco war KCBS auf Mittelwelle 740 lange Zeit der Sender für News, Verkehr und Wetter. Doch auch hier wurde man von der technischen Entwicklung überrollt. Nach wie vor wird Radio in den USA vor allem im Auto gehört, die Ballungsgebiete mit ihrer Endlos “Rush Hour” laden dazu praktisch ein. Allerdings hat der Hörer mehr Möglichkeiten, und vor allem in besserer Soundqualität zur Hand bekommen. Auf Knopfdruck lassen sich Satellitenprogramme oder Internetradios einschalten. Für Verkehrsmeldungen klickt man auf die Smartphone App, die Mittelwelle scheint überflüssig geworden zu sein. Und als BMW einen Elektrowagen ohne AM im Radioangebot vorstellte, mit der Begründung, die Batterie des Wagens würde den Mittelwellenempfang beeinflussen, gingen Schockwellen durch die amerikanische Radiolandschaft. KCBS strahlt nun auch sein Programm auf der UKW 106,9 aus, einfach, um mehr Hörer zu erreichen.

Die Mittelwelle in den USA scheint angezählt zu sein. Und doch, noch immer setzen Radiobegeisterte auf diese “nostalgische” Welle. Gerade die zahlreichen ethnischen Programme in den USA sind hier zu hören. Die Mittelwelle ist billiger für Feierabendradiomacher und selektive Zielprogramme. Dazu kommt, dass AM eine deutlich größere Region abdecken kann als UKW.

Jahrzehntelang Teil der deutschen Community in der San Francisco Bay Area - die Peter Buhrmann Radio Show.

Jahrzehntelang Teil der deutschen Community in der San Francisco Bay Area – die Peter Buhrmann Radio Show.

Jahrzehntelang wurde das deutsche Programm “Peter Buhrmann Radioshow” auf der Mittelwelle in Nordkalifornien ausgestrahlt. Nach dem Ausscheiden des Moderators übernahm das deutsche Kulturzentrum in Oakland, der Excelsior Center, die Sendung. Anfangs startete man auf der UKW 92,3 durch, bevor man wieder auf einen Mittelwellensender KEST 1450 umstieg. Auf der FM Frequenz wurden zu wenige Hörer erreicht. Mit KEST kann man auch die entfernteren Gemeinden in Nordkalifornien versorgen. Das Programm “Excelsior German Radio” ist etwas für “Liebhaber” des handgemachten Hörfunks. Da schaltet sich schon mal eine “Moderatorin” per Telefon dazu, um Songs an- und abzumoderieren. Es geht hier nicht um einen flotten Musikfluss, um eine flüssige Moderation, um Witzi-Spritzi-Heiterkeit, ganz im Gegenteil. Das “Excelsior German Radio” richtet sich an die vielen Immigranten, die vor langer Zeit hierher kamen, und ja, die selbst in die Jahre gekommen sind. Das Programm hat sich über die Jahre nicht groß verändert. So klang es in den 70ern, den 80ern, den 90ern und noch heute. Ein Nostalgieprogramm auf einer nostalgischen Frequenz. Es hat seinen Charme, doch für wie lange noch?

America Under Attack!

In knapp zehn Wochen wird in den USA gewählt. Das gesamte Abgeordnetenhaus und ein Teil des Senats werden neu besetzt. Die Republikaner erhoffen sich, einen deutlichen Sieg einzufahren, ihre Mehrheit im “House” auszubauen und gleichzeitig die Kontrolle über den Senat zu übernehmen. Damit würde Präsident Obama in den letzten zwei Jahren seiner Amtszeit endgültig ausgebremst werden und die GOP könnte bereits jetzt mit der Beseitigung des “politischen Flurschadens” beginnen, wie sie die Politik Obamas sehen. Alles ist möglich am 4. November. Um sicher zu gehen, dass die republikanischen Wähler auch ihre Stimme abgeben, wird nun – mal wieder – ein Wahlkampf voller Angst vom Zaun gebrochen. Und im Angstschüren sind die Republikaner Weltmeister.

Die Santa Fe Bridge trennt Ciudad Juarez von El Paso. Werden schon bald die ISIS Terroristen über diese Brücke kommen?

Die Santa Fe Bridge trennt Ciudad Juarez von El Paso. Werden schon bald die ISIS Terroristen über diese Brücke kommen?

In irgendeinem Hinterzimmer der Parteizentrale muß sich folgendes zugetragen haben. Ein paar kluge Köpfe überlegten sich, wie man am besten die Emotionen der Wähler bedienen kann. Einer meinte, man müsse im Wahlkampf mehr auf die Grenzsituation eingehen, denn die sei ja löchrig wie ein Schweizer Käse. All die Illegalen kommen so ins Land, nehmen den hartarbeitenden Amerikanern die Jobs weg, plünderten das Sozialnetz und sowieso seien viele von ihnen auch noch Schwerkriminelle und Bandenmitglieder. Die anderen nickten wohlwollend. Toller Plan.

Der neben ihm saß meinte nur, vielleicht sollte man auch noch die mexikanischen Drogenkartelle mit in dieses Szenario aufnehmen, denn die seien ja wie die Mafia, unkalkulierbar, das schüre Ängste. Alle nickten, guter Plan.

Der Dritte im Bunde überlegte etwas und erklärte dann, die größte Gefahr bliebe dennoch der internationale Terrorismus. ISIS und Al-Qaida, das seien Dauerbrenner. Und sowieso habe die GOP schon mehrere Wahlkämpfe mit diesen Schreckgespenstern des Terrors gewonnen.

Und dann meldete sich der Vierte im Raum. Warum verbinde man nicht all diese Szenarien, das wäre doch dann der SuperGAU des Angstschürens: Die Kämpfer von ISIS, eigentlich im Irak und Syrien aktiv, sind schon in Mexiko gelandet, haben sogar schon eine Terrorzelle in der Grenzstadt Ciudad Juarez aufgebaut. Natürlich ging das nur mit Zustimmung der dort aktiven Drogenkartelle. Nicht genannte Mitarbeiter der Geheimdienste hätten Telefonate, Emails und SMS Botschaften abgehört und abgefangen, in denen ganz deutlich würde, dass ISIS, Ortsgruppe Juarez, Bombenanschläge auf Grenzposten und Einrichtungen im Grenzbereich auf amerikanischer Seite durchführen will. Die Grenzen sind ja durchlässig, von daher ein Klacks für die Islamisten und ihre Kumpels von den Kartellen. America Under Attack!

Ich weiß nun nicht, ob dieses Hinterzimmergespräch tatsächlich so stattgefunden hat. Denkbar wäre es, denn das Horrorszenario, das hier beschrieben wird, ist tatsächlich die Wahlkampfstrategie der Republikaner. Genau so und in dieser Deutlichkeit. In den konservativen Medien von FOXNews und Breitbart bis hin zu Kommentatoren, wie Allen B. West, wird dieser Terrorplan Tag für Tag Zuschauern, Zuhörern und Lesern dargeboten und nimmt immer haarsträubendere Formen an. Ich denke, bis zum Wahltag werden die ISIS Kämpfer auch noch mit nordkoreanischen oder pakistanischen Nuklearwaffen bewaffnet sein. Es sind ja noch knapp zehn Wochen. Alles ist möglich, man muß es nur glauben.

 

“Fuck you und dann bring dich um”

“I was made for….” sicherlich nicht “loving you”. Gene Simmons, seines Zeichens KISS Bassist, ist von sich mehr als überzeugt. Seit Jahrzehnten hat er zwar mit seiner Band kein akzeptables Album mehr veröffentlicht, doch ein Großmaul ist er noch immer. Er gibt zu allem und jedem seinen Senf dazu, egal, ob ihn fragt oder nicht.

KISS Bassist Gene Simmons: "Spring doch"

KISS Bassist Gene Simmons: “Spring doch.”

Simmons erklärte, Alkoholiker und Drogensüchtige heulten nur rum, hätten keinen “Arsch in der Hose” und wollten keine Verantwortung übernehmen. Der 64jährige weiter: “Sie meinen, “die Welt ist so schlecht. Meine Mutter war in einem Nazi Konzentrationslager”. Ich will den ganzen Scheiss von der schlechten Welt nicht hören. Und für einen 20jährigen, der in Seattle lebt und sagt, er sei depressiv. Fuck you und dann bring dich um”. Er sei derjenige, der schreit “Spring”, wenn er einen Selbstmörder auf einer Brücke stehen sehe.

Deutliche Worte eines gealterten Rockstars, der außer großen Worten nicht mehr viel zu melden hat. Sein Kollege, Motley Crue’s Nikki Sixx, meinte in seiner Radiosendung, dass er Gene Simmons zwar möge, aber der einfach nicht begreife, dass er eine Vorbildfunktion habe. “Da draußen ist ein 20jähriger, der KISS Fan ist und das liest und sich denkt; “Ja, er hat recht, Ich sollte mich einfach umbringen”. Sixx hoffe, dass Simmons nicht erst selbst den Freitod eines Familienmitglieds erleben müsse, um die Dinge anders zu sehen.

 

Spanien im Herzen – España en el corazon

Spanien im Herzen - Lieder des Spanischen Bürgerkrieges.

Spanien im Herzen – Lieder des Spanischen Bürgerkrieges.

Musik ist eine universelle Sprache. Man muß nicht unbedingt die Texte, die Sprache der Komponisten und Sänger verstehen. Musik spricht Gefühle an, drückt Emotionen aus. Hoffnung, Trauer, Wut, Freude, Liebe, Enttäuschung läßt sich klanglich umsetzen. Die CD Box “Spanien im Herzen” beinhaltet all das und noch viel mehr. Hier hört man Lieder des Spanischen Bürgerkrieges zwischen 1936 und 1939. Die noch junge spanische Republik kämpfte gegen den Franco Faschismus. Auf beiden Seiten der Fronten waren Deutsche im Einsatz. Hier die Internationalen Brigaden, dort die Legion Condor.

Der spanische Bürgerkrieg wurde künstlerisch in vielerlei Hinsicht thematisiert und aufgearbeitet. Und noch immer, fast 80 Jahre nach Ausbruch dieser “ersten Schlacht des Zweiten Weltkrieges”, faszinieren Bilder, Skulpturen, Erzählungen, Lieder. Ja, ihre Bedeutung und ihre Tiefe werden immer wieder aufs neue entdeckt. Picassos Gemälde “Guernica” oder Ernest Hemingways Roman “Wem die Stunde schlägt”, dazu die Aufnahmen von Pete Seeger und Ernst Busch sind nur einige Beispiele.

35.000 bis 40.000 Freiwillige aus 53 Ländern zog es nach Spanien. Kommunisten, Sozialisten, Gewerkschaftler, Linke, die gegen den Faschismus ins Feld ziehen wollten. Darunter zahlreiche Künstler und Kulturschaffende, die aktiv zur Waffe griffen oder sich als Berichterstatter einsetzten. Auf den blutigen Schlachtfeldern entstand Jahrhundertkunst, die auch heute noch lebendig ist. Der “Mythos Spanien” wurde erzeugt, “zu dem sich Linksdenkende in aller Welt bis heute bekennen – auch mit dem Wissen, dass es sich hier am Ende um Kunst einer Niederlage handelt”, schreibt Jürgen Schebera in seinem Vorwort zu dieser umfassenden CD Box “Spanien im Herzen – Lieder des Spanischen Bürgerkrieges”, die nun bei Bear Family Records erschienen ist.

Auf 7 CDs kann man die Kampflieder von damals hören, die teils noch auf Schellackplatten aufgenommen wurden. Manchens knistert und knastert, doch das verleiht dem Zuhörer nur noch mehr das Gefühl, diesen Zeitsprung zu gehen. Die Mitglieder der Internationalen Brigaden haben diese Songs in alle Welt verbreitet. Hier findet man 120 Spanienlieder, teils sind sie bekannt, wie das von mir geliebte “Moorsoldatenlied”. Aber vieles ist unbekannt, vor allem die Lieder der republikanischen Armee. Es ist eine einzigartige Klangreise in ein Geschichtskapitel, dass im Rückblick auf das 20. Jahrhundert in Europa zu oft nur am Rande beachtet wird. Begleitet wird die Liedersammlung von einem umfangreichen und dreisprachigen Buch, in dem jedes Lied beschrieben, Zusammenhänge und Hintergründe erklärt werden. Dazu gibt es reichlich Bildmaterial, Fotografien und Plakate. Die DVD mit der Dokumentation “300 Juden gegen Franco” vollendet diese einzigartige Box.

Bear Family Records hat hier erneut ein historisches Meisterstück veröffentlicht. Im schnelllebigen Musikgeschäft zwischen digitalem Download, One-Hit-Wonders und sogenannten Talentshows läßt einen diese CD Sammlung in ihrer Größe lächeln. Es geht also doch noch. Man hört zu, man hört hin, man beschäftigt sich mit der Musik, mit der Geschichte, mit den Umständen, die zu diesen Liedern geführt haben. Eine wunderbare CD-Box, höchst empfehlenswert für all jene, die mehr wollen, als nur von Musik beschallt und abgelenkt zu werden, für all jene, die Musik als universelle Sprache erkennen.

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Das amerikanische Jahrhundert zum Hören

Troubadours - Folk And The Roots Of American Music

Troubadours – Folk And The Roots Of American Music

Die amerikanische Folk Music wird seit rund einhundert Jahren aufgezeichnet. Gitarre, Banjo, Mundharmonika, Gesang. Ganz schlicht, ganz einfach, doch umso ausdrucksstärker. Da wird nicht geschnörkelt, da wird nicht viel Zeit mit Solos verloren, da wird gesungen, um eine Botschaft zu vermitteln. Folk Music war die Grundlage für vieles, was wir heute hören. Einige Namen stechen heraus, wie Woody Guthrie, Pete Seeger, Bob Dylan oder Joan Baez. Doch es gibt viel mehr Stimmen zu entdecken.

Bear Family Records liefert mit der vierteiligen CD Serie “Troubadours – Folk and the Roots of American Music” eine umfassende Sammlung. Viermal drei CDs. Folk Music zum Eintauchen. Geschichten aus dem amerikanischen Jahrhundert. Vom Gewerkschaftskampf, der Wirtschaftskrise, den Kriegen und der Bürgerrechtsbewegung. Folk Music hat sich eingemischt, war zum hochpolitisch, hat Standpunkte bezogen, hat einen Soundtrack für das Leben am Rande des “American Dream” geliefert.

Diese CD Reihe ist eine fantastische Liedersammlung aus teils bekannten und noch mehr unbekannten Songs und Künstlern. Es ist eine Dokumentation, die zum Einmischen, zum Hinsehen, zum Nachlesen auffordert. “Which side are you on” zum Beispiel, ein Lied aus dem Jahr 1941, gesungen von den Almanac Singers. Dahinter steckten  Millard Lampell, Lee Hays, Pete Seeger und Woody Guthrie. Nur zwei Jahre lang existierte diese Formation, doch sie war Teil einer durchaus bedeutenden Anti-Rassismus, Anti-Kriegs und Pro-Gewerkschafts Bewegung in den USA. Im Rückblick auf die 40er Jahre wird das leider allzuoft übersehen. Amerika war (und ist) nicht nur Kriegsmaschinerie.

Die vierteilige Serie “Troubadours – Folk and the Roots of American Music” auf insgesamt 12 CDs, begleitet von umfangreichen Booklets fordert den Hörer richtiggehend dazu auf, sich mit diesem Teil der amerikanischen Geschichte zu befassen. Und es lohnt sich in vielerlei Hinsicht. Es ist eine etwas andere Lehrstunde, es sind diese Geschichten, die mich persönlich anziehen, begeistern. Manches rauscht, manches knistert, das macht gar nichts aus, ganz im Gegenteil, es bringt einem der Musik nur näher. Hier hört man die Wurzeln, hier kann man verfolgen, welche Einflüsse die frühen Pioniere, wie die Carter Family, auf die nächste und die übernächste Generation hatten.

Amerika, Deine Musik. “Troubadours – Folk and the Roots of American Music” ist ein wunderbares Geschichtsalbum zum Hören.