Eine Folklegende sagt zum Abschied leise Servus

Glenn Yarbrough (rechts) mit den Limeliters.

Glenn Yarbrough (rechts) mit den Limeliters.

Glenn Yarbrough ist tot. Der Name wird nicht vielen in Deutschland etwas sagen. Doch Yarbrough ist sehr eng mit der amerikansichen Folkmusik-Bewegung der 60er Jahre verbunden. 1959 war er Mitbegründer der „Limeliters“, einer Gruppe in der Tradition des „Kingston Trios“. Die Limeliters wurden schnell zu Superstars, traten in Fernsehsendungen auf und repräsentierten den neuen Sound einer jungen Generation.

Schon 1963 jedoch verließ Glenn Yarbrough die Band, um auf Solopfaden zu wandeln. Und das durchaus erfolgreich. Sein bekanntester Hit war „Baby the rain must fall“. Yarbrough setzte sich ein Leben lang für soziale Projekte ein, gründete mit seinen verdienten Millionen Dollar eine Schule für benachteiligte Kinder. Und es zog ihn immer wieder hinaus aufs Meer, Segeln wurde zu seiner Leidenschaft. Immer wieder wollte er den Bruch mit dem Musikbusiness, kehrte aber stets zurück.

2004 lernte ich den gealteten Glenn Yarbrough persönlich kennen. Bei einem privaten Überraschungskonzert im kalifornischen Ojai hatte ich die Gelegenheit mich lange mit ihm zu unterhalten, Fotos zu machen, das Konzert für gerade mal 15 Personen in voller Länge aufzuzeichnen. Er war ein beeindruckender Geschichtenerzähler und ein interessierter Zuhörer. Danach spielte ich seine Musik oftmals im Country und Folk Programm einer deutschen Airline, für die ich zehn Jahre lang das Inflight Radio produzierte und moderierte. Yarbrough hatte viele private und berufliche Rückschläge erlebt. Gleich mehrmals hatte er sein Geld in fragwürdige Projekte investiert, war von anderen ausgenutzt, von Plattenfirmen über den Tisch gezogen worden. Und dennoch, er gab nie auf. Die Musik begleitete ihn ein Leben lang. Als er da auf der Farm stand und seine Lieder sang, blitzte noch einmal die ganze Größe dieses Ausnahmesängers auf. Er hatte sie noch, die Stimme, die Millionen von Fans in den frühen 60ern faszinierte.

Ein paar Monate später traf ich ihn erneut bei einem Weihnachtskonzert. Sein weißer Rauschebart passte perfekt zur Weihnachtsgeschichte, die er vortrug und mit ein paar Liedern musikalisch umrahmte. Ein liebenswürdiger, lächelnder, vom Leben durchaus gezeichneter Mann. Glenn Yarbrough starb am 11. August im Alter von 86 Jahren in Nashville, Tennessee

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Ein Besuch bei den somaliländischen Kollegen

Das Rauchverbot hat sich auch hier durchgesetzt.

Das Rauchverbot hat sich auch in diesen Studios hier durchgesetzt.

Radio Hargeisa ist der öffentliche Rundfunk Somalilands. Seit 1991 ist er in der Hand der somaliländischen Regierung, mit der Ausrufung der Republik Somaliland wurde auch die Kontrolle über die Sendeanlagen übernommen. Die Radiostationen waren bei der Abspaltung von Somalia eines der ersten Ziele der neuen Führung. Mit dem Rundfunk kontrollierte man den Informationsfluss der Bevölkerung.

Viele Jahre lang wurde Radio Hargeisa nur als eine UKW-Station betrieben, die im Sendegebiet der Hauptstadt zu empfangen war. Die finanziellen Mittel fehlten schlichtweg, um das ganze Land abzudecken. Seit 2012 sind die Programme jedoch über einen 100 Kilowatt Transmitter im ganzen Land zu hören. Gesendet werden täglich zehn Stunden Programm (06.30-09.00, 13.00-16.00 und 18.00-22.30).

Tonbänder warten auf ihre Digitalisierung.

Tonbänder warten auf ihre Digitalisierung.

Ein altes 1943 erbautes Gebäude der britischen Kolonialherren beherbegt heute noch immer den Sender. Die Decken sind hoch, die Wände zumeist kahl, viel gibt es hier nicht zu sehen. Die ersten 25 Jahre des Rundfunks in Britisch-Somaliland wurden in dem Buch „Gather Round the Speakers: A History of the First Quarter of Somali Broadcasting 1941-1966“ beschrieben, man kann diesen Bericht von Suleiman M. Adam noch online finden.

Im Archiv liegen auf den Regalen noch Hunderte von alten Tonbändern, daneben CDs. In einem Nebenraum stapeln sich alte „Reel-to-Reel“ Bänder in einer Ecke auf dem Boden. Vergessen, verstaubt, kaum beschriftet. Ein paar Bandmaschinen sind aufgeschraubt, derzeit versucht man das Equipment wieder auf Vordermann zu bringen, um die alten Tonaufnahmen digital speichern zu können. Ein scheinbar aussichtsloses Unterfangen.

Von hier sendet Radio Hargeisa.

Von hier sendet Radio Hargeisa.

Vieles hier wirkt wie eine Behelfsstation, doch dann wird einem auch wieder klar, dass man eigentlich nicht viel fürs Radiomachen braucht. Feinste digitale Studios sind keine Garantie für ein gutes, zielgerichtetes und erfolgreiches Programmmachen. Schon gar nicht in einem Land wie Somaliland. Hier zählt die Handarbeit, die Fähigkeit aus wenig möglichst viel zu machen. Radio ist nach wie vor das wichtigste Medium im Land, wenn man bedenkt, dass der Großteil der Bevölkerung Nomaden sind und in ländlichen, teils sehr abgelegenen Gegenden ohne große Infrastruktur leben. Das Fernsehen kann nur in den wenigen Städten empfangen werden, Zeitungen und auch Onlineangebote sind aufgrund der hohen Analphabetenrate keine wirkliche Konkurrenz für das Radio. Und sowieso ist die somalische Kultur eine Kultur des erzählten Wortes. Die Programme, die Radio Hargeisa ausstrahlt, sind eine Mischung aus Musik, Information, Nachrichten und Religion.

Das eigentliche Sendestudio ist dann doch modernste Technik, zumindest für hier. Ein geräumiger Mastercontrol-Room, hinter einer Scheibe ein Aufnahmestudio, in dem bequem Diskussionsrunden, Musikaufzeichnungen und andere Performances aufgenommen und übertragen werden können. Seit ein paar Jahren gibt es auch einen Live-Stream von Radio Hargeisa. Wer kein Somalisch spricht, wird sprachlich sehr schnell an seine Grenzen stoßen. Doch der Stream gibt nicht nur für begeisterte Radiofans einen Eindruck, wie in diesem Teil der Erde der Hörfunk klingt. Morgen werde ich bei einer Fortbildung weitere „Kollegen“ von Radio Hargeisa kennenlernen, ich bin gespannt auf den Austausch, auf ihre Erfahrungen und ihre Schilderungen ihres Arbeitsalltags.

Eine Stimme wie aus dem Jenseits

Es muß so Ende der 90er Jahre gewesen sein, da hörte ich zum ersten Mal Ralph Stanley. Das war damals beim Collegesender KUSF, ich half bei einer Spätabendsendung aus, kam ins Sendestudio und der DJ vor mir war schon gegangen, hatte aber eine CD zum Durchlaufen eingelegt. Und das war ein Album von Ralph Stanley. Zu der Zeit kannte ich noch nicht viel im Bereich Country, Bluegrass, Gospel und Folk. KUSF war aber ein Sender, der offen für alle Genres war, der eine Playlist zusammenstellte, in der man diese Musik neben Indie-Rock, Noise, Industrial, Weltmusik und total abgefahrenen Sachen hören konnte. In vielerlei Hinsicht hat KUSF meinen musikalischen Horizont erweitert. Und mir eben auch den Zugang zu Ralph Stanley ermöglicht.

Ralph Stanley ist im Alter von 89 Jahren verstorben. Foto: AFP.

Ralph Stanley ist im Alter von 89 Jahren verstorben. Foto: AFP.

Ich saß an diesem Abend im Studio, eigentlich hätte ich die CD ausfaden und meine Musikauswahl spielen können, die da zwischen Einstürzende Neubauten und Rammstein lag. Doch ich ließ das Album von Ralph Stanley weiterlaufen. Was mich gleich beeindruckte war sein Banjo-Spiel, seine Stimme, die von der anderen Seite des Jordan zu kommen schien. Die Schwere seiner Lieder, das Tragische in seinem Gesang. An manchen Stellen, diese unglaubliche Tiefe und Traurigkeit in den Songs, die mich berührte. Und dann diese Hoffnung, diese Helligkeit, dieser tiefe Glaube. Ralph Stanley war ein Meister des emotionalen Spiels.

Aus dieser ersten, sehr ungewöhnlichen Hörefahrung wurde eine große Verehrung für den Musiker aus Virginia. Immer mal wieder baute ich Lieder von Ralph Stanley in meine Country & Folk Sendung auf einer großen deutschen Airline ein. Und einige Rückmeldungen bestätigten mich in meiner Auswahl. Am Donnerstag nun ist Ralph Stanley, einer der größten Bluegrassmusiker aller Zeiten im Alter von 89 Jahren verstorben. Er hinterlässt einen reichen Schatz an Musik, Lieder, die zum kulturellen Erbe der USA geworden sind.

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7 Lieder zur Beharrlichkeit

      Danielle de Picciotto & Alexander Hacke
Danielle de Picciotto und Alexander Hacke melden sich gemeinsam mit "Perseverantia" zurück.

Danielle de Picciotto und Alexander Hacke melden sich gemeinsam mit „Perseverantia“ zurück.

Die Einstürzenden Neubauten sind weltbekannt. Ihre eigenwillige, offene und grenzenverschiebende Auslegung was Musik ist, kann und sein sollte, hat sie zu bedeutenden Kulturbotschaftern Deutschlands gemacht. Hier in den USA können nur wenige den Bandnamen aussprechen, DJs kündigen sie manchmal als die „Crashing New Buildings“ an. Einer der Neubautenmitglieder ist Alexander Hacke, ein ruheloser, umtriebiger Klangbastler. Und der ist seit einigen Jahren fest mit der in Berlin lebenden Amerikanerin Danielle de Picciotto liiert, selbst eine kreative und vielseitige Multimediakünstlerin, die schreibt, malt, filmt, zeichnet und eben auch Musik macht.

Danielle de Picciotto und Alexander Hacke sind vielbeschäftigt, mal hier, mal dort, mal in Übersee. Eigene Projekte und Auftragsarbeiten wechseln sich ab. Nun haben sich die beiden wieder für ein gemeinsames Album zusammen getan. „Perseverantia“ heißt es und untermalt tönend die Beharrlichkeit dieses Künstlerduos, das sich auf dieser Veröffentlichung wahrlich gefunden und ergänzt hat. Es ist kein Hitalbum, ganz im Gegenteil. „Perseverantia“ ist wie ein vielschichtiger Soundtrack voller Klangebenen, auf die man sich als Hörer einlassen muß. Man wird gefordert, nicht berieselt. Man braucht Zeit, um dieses Werk zu erfassen, zu erhören.

Im Interview (Audioplayer oben) mit Danielle de Picciotto und Alexander Hacke sprechen die beiden über das neue Album, die Kunst, ihr Leben. Die Fragen schickte ich von hier nach dort, die Antworten kamen aus Berlin zurück nach Oakland.

Goldene Zeiten für Eisbrecher

      Eisbrecher im Interview
Alex Wesselsky im Interview.

Alex Wesselsky im Interview.

Es kommt ja nicht oft vor, dass man eine Band vom Demoband bis zur goldenen Schallplatte begleitet. Doch genau das ist mit Eisbrecher passiert. Ich weiß noch, als Alex Wesselsky überraschend bei Megaherz ausstieg, um mit Noel Pixx Eisbrecher zu gründen. Er drückte mir eine sechs Songs umfassende CD in die Hand und meinte nur: „Hör mal rein“. Darauf die erste Version von „Schwarze Witwe“ und auch eine Coverversion des NDW-Klassikers „Zauberstab“ von Zsa-Zsa.

Eisbrecher spielten sich kontinuierlich nach vorne, vor allem spielten sie sich aus dem Schatten von Megaherz ins Rampenlicht. Und das durchaus auch Dank ihres Frontmanns Alex, der wie für die Bühne geschaffen wurde. Für mich ist er einer der mitreißendsten und charismatischsten Sänger im deutschen Musikgeschäft. Es ging stetig voran, bergauf für die Band, von einer Platte zur nächsten machten Eisbrecher mehr auf sich aufmerksam. Und ich nervte mit jeder neuen Veröffentlichung, bei jedem neuen Interview mit der Frage, wann spielen Eisbrecher endlich live in den USA.

Dazu kam es bislang noch immer nicht, doch Eisbrecher sind seit ein paar Jahren in den USA auf Metropolis Records veröffentlicht. Die Verkaufszahlen sind durchaus ok, wie mir auch Label-Besitzer Dave Heckman vor einiger Zeit erklärte. Eisbrecher, so Heckman, haben ihre treue Fanbase in den USA und Kanada. Auf den Streamingdiensten Spotify und Pandora donnert der Eisbrecher vielbeachtet im Fahrtwind von Rammstein durch die Weiten des musikalischen Klangraums.

Die doppelte Goldauszeichnung für Eisbrecher.

Die doppelte Goldauszeichnung für Eisbrecher.

Und nun saßen wir am letzten Wochenende mal wieder zusammen. Diesmal im Zenith in München, um über die Band, Amerika und das Musikgeschäft zu sprechen (siehe/höre oben). Alex Wesselsky ist ein „outspoken“ Musiker, der das sagt, was er denkt und auch dazu steht. Hinter und auch auf der Bühne. Das macht jedes Interview mit ihm interessant, spannend und auch lebendig. Als er abends im Konzert die Europafahne entfaltete, hörte man einige Buh-Rufe. Doch genau darauf hatte er es abgesehen, Alex ist ein überzeugter Europäer und steht auch in der derzeitigen Krise dazu. Der Zweimetermann redet niemandem nach dem Maul – Bravo!

Nach dem kraftvollen, energiegeladenen Konzert kam dann noch die kleine Feier zur doppelten Goldplattenauszeichnung für die beiden Studioalben „Schock“ (2015) und „Die Hölle muss warten“ (2012). Ich durfte dabei sein, dachte an dieses erste Demoband vor zig Jahren und freute mich einfach für die Band, die hart und unermüdlich für diesen Moment gerockt hatte. Mit gleich zwei goldenen Schallplatten hat sich Eisbrecher endgültig in der Bundesliga der deutschsprachigen Rockbands etabliert. Gratulation zu diesem beeindruckenden Erfolg.

Da dreht sich Donna Summer im Grab herum

Mit den Toten kann man es ja machen. Der deutsche Auslandssender, die Deutsche Welle, setzt seit ein paar Jahren auf eine neue Zielgruppe. Die Jugendlichen in aller Welt sollen angesprochen werden. Dafür begeistert man sich nun auch für Rammstein, deren CDs man in den 90er Jahren noch nicht einmal mit spitzen Fingern anfassen, geschweige denn über die weltweiten Frequenzen spielen wollte. Nun gut, man denkt um. Bravo dw!

Donna Summer - the German Superstar.

Donna Summer – the German Superstar.

Gestern Abend klickte ich mal wieder durch die Sender und blieb bei Kanal 32 hängen. KMTP-TV ist ein offener Kanal in der San Francisco Bay Area, die Deutsche Welle hat sich hier Sendezeit gekauft. Und es lief PopXport, das Musikmagazin „Made in Germany“. Diesmal ging es um „The ten most successful German acts of the 70s“. Na, das ist doch ein Thema, bei dem ich gerne zuschaue und dranbleibe. Aber dann kam es. Auf Platz 10 die Scorpions, auf Platz 9 Tangerine Dream, auf Platz 8 Eruption, auf Platz 7 Les Humphries Singers, auf Platz 6 Baccara, auf Platz 5 Kraftwerk, auf Platz 4 Silver Convention, auf Platz 3 James Last, auf Platz 2 Boney M und auf dem Spitzenplatz – tata – die Nummer 1 der deutschen Acts in den 70ern setzte die Deutsche Welle Donna Summer.

So…was stimmt mit dieser Liste nicht? Wenn ich die Logik der deutschen Auslandsradiospezialisten weiter verfolge, dann müssten da eigentlich auch David Bowie, Iggy Pop, Lou Reed, Brian Eno, Mike Batt und viele andere stehen, denn die haben auch in Deutschland in den 70ern gelebt, gearbeitet, Platten aufgenommen. David Bowie veröffentlichte sogar Songs, die „Neuköln“ und „V-2 Schneider“ hießen und man denke nur daran, dass er von den „Helden für einen Tag“ sang. Also, Kollegen, deutscher geht es ja wohl nicht mehr!

Dass Deutschland in den 70er Jahren durchaus eine Rolle auf der internationalen Musikbühne spielte, ist unbestritten. Mit Frank Farian werkelte da einer der bedeutendsten und erfolgreichsten Produzenten seiner Zeit. Mit den Musicland Studios in München und den Hansa Studios in Berlin gab es weltweit geschätzte Aufnahmemöglichkeiten. Und dann gab es da auch noch eine ganze Reihe von wichtigen Bands, die international ihre Spuren hinterließen. Klar, Kraftwerk, Tangerine Dream, Can, Faust uva. Gerade deshalb braucht man die Amerikanerin Donna Summers nicht posthum und noch ein paar weitere Gruppen zu  „German acts“ umschreiben.

Liebe Deutsche Welle, das kommt einfach etwas komisch bei mir und anderen hier drüben in den USA an. Das wäre ungefähr so, als ob ich Fiddler’s Green zu einer Los Angeles Band machen würde, weil sie ihre Platte „Spin Around“ in den Sound Image Studios in LA aufgenommen haben. Ich glaube, wenn ich das damals nach meinem Studiobesuch geschrieben hätte, hätten sich wohl einige zurecht an den Kopf gefasst.

Hong Kong, Taiwan, China Expansion?

Seit nunmehr 19 Jahren halte ich hier an der amerikanischen Westküste die fränkische Flagge hoch. Zumindest musikalisch. Denn seit Beginn von Radio Goethe im November 1996 auf dem Collegesender der University of San Francisco, KUSF, sind Bands aus der „alten Heimat“ fester Bestandteil meiner Playlist. Von den guten Freunden von Fiddler’s Green über eine meiner Lieblingsalben, mc creatrix der Shiny Gnomes, bis hin zu Dutzenden anderen Bands, wie The Robocop Kraus, JBO, Fade, Blue Manner Haze, Wrongkong, Smokestack Lightnin‘, Be My Island uva. Ach ja, auch Atze Bauer war hier schon live on-air. Und kürzlich brachte mein Freund Martin Schano die jüngste Straßenkreuzer CD mit. Die fränkische Musikszene ist gut vertreten im Sendernetzwerk von Radio Goethe, derzeit sind das rund 40 Stationen in acht Ländern.

Radio Goethe goes China?

Radio Goethe goes China?

Online sehe ich, dass viele Hörer sich aus China, aus Hong Kong und Taiwan zuschalten. Freut mich natürlich, dass die deutsche Musikszene auch dort ankommt, auch wenn ich kein Wort chinesisch spreche. Nun bekam ich eine Mail, dass jemand in China einige Radio Goethe Webadressen registrieren will: radiogoethe.asia, radiogoethe.cn, radiogoethe.co.in, radiogoethe.com.cn, radiogoethe.com.hk, radiogoethe.com.tw, radiogoethe.hk, radiogoethe.in, radiogoethe.net.cn, radiogoethe.org.cn,
radiogoethe.tw und ob ich das angewiesen, erlaubt, dem zugestimmt hätte.

Nö, habe ich nicht. Keine Ahnung, was das nun soll, ob da jemand im fernen Osten „unerlaubterweise“ einen Radio Goethe Ableger gründen will, mir quasi die Millionen von chinesischen Hörerinnen und Hörer strittig machen, einen Radiokrieg lostreten, ein „battle of the DJs“ beginnen möchte. Ich weiß es nicht, aber dann soll er mal machen. Ich glaub‘ ja eher, dass da jemand wirklich meint, man könne mit einem kulturellen Programm zur Musikszene aus Deutschland, Österreich und der Schweiz Geld machen. Kann man nicht, warum auch? Aber viel Glück, ich bin gespannt.

Die Musik des anderen Amerika

Amerika ist das Land der Einwanderer. Und doch wurde lange Zeit bewusst und unbewusst übersehen, dass die Immigranten ihre eigene Kultur und Sprache mit in die Neue Welt brachten und diese auch pflegten. Seit einiger Zeit beginnt man in die USA auf den kulturellen und ethnischen Reichtum zu blicken, der durch die Einwanderer ins Land kam. Jüngst wurde eine umfassende CD Box mit dem Titel “Folksongs of another America” veröffentlicht, die sich auf die Region des Mittleren Westens konzentriert.

Sidney Robertson war eine von drei Musikethnologen, die in den späten 30er und Anfang der 40er Jahre versuchten, die reichhaltigen Musikwurzeln der Upper Midwest Region in den USA zu dokumentieren. Neben ihr reisten noch Alan Lomax („The man who recorded the world“) und Helene Stratman-Thomas durch Wisconsin, Minnesota und die UP, die Upper Peninsula, of Michigan.

Es sind Feldaufnahmen, die eine Region Amerikas präsentieren, wie sie so noch nie zu hören war. Zusammengefasst sind sie nun als “Folksongs of Another America” bei Dust to Digital Records erschienen. Professor James Leary von der University of Wisconin in Madison steckt hinter dieser Veröffentlichung, an dem er fast zehn Jahre lang arbeitete: „Das Projekt, an dem Alan Lomax, Stratman-Thomas und Sidney Robertson involviert waren, war, den Wert der Kulturvielfalt und des Pluralismus zu zeigen. Ich denke, sie haben auch erkannt, dass nach ein paar Generationen die Kinder und Enkel nicht mehr die Sprache sprechen. Es gibt also noch diesen kritischen Moment, wenn man in der Lage ist, dieses Material zu sammeln.“

Wer von der amerikanischen Folk Music spricht, denkt vor allem an die englischsprachigen Lieder. Doch Amerika, das zeigt vor allem die Upper Midwest Region, hat viel mehr zu bieten. James Leary weiß, dass lange Zeit die fremdsprachigen Lieder der Einwanderer nicht beachtet wurden, auch wenn sie von den drei Musiksammlern für die Library of Congress schon früh aufgezeichnet wurden. Von Seiten der Regierung wurde jedoch ein “English only” ausgegeben, die Songs verschwanden im Archiv. 75 Jahre später wollte Leary jedoch zeigen, dass Amerika ein Land der kulturellen Sprachenvielfalt ist: „Für mich sind American Indians Amerikaner. Viele der frühen Siedler in den Vereinigten Staaten, bevor das Land überhaupt eine Nation wurde, sprachen eine andere Sprache als Englisch. Deutsch, Holländisch, Schwedisch, diese Sprachen sind genauso legitim. Und auch in meiner Heimatregion hörte man viele verschiedene Sprachen. Ich denke also, es ist sehr wichtig, diese Lieder als amerikanische Lieder zu präsentieren und sie denen vorzuhalten, die glauben, jeder sprach hier sofort Englisch und, dass nur das Englische das richtige ist.

Alan Lomax, Sidney Robertson und Helene Stratman-Thomas haben in mehreren Reisen in einem Zeitraum von acht Jahren mehr als 2000 Aufnahmen zusammen getragen. Leary hat auf “Folksongs of another America” 186 Lieder ausgewählt, die repräsentativ für die sprachliche und kulturelle Vielfalt der Gegend sind. Das reicht von finnischen bis serbischen Songs, von französichen bis litauischen, dänischen, walisischen, polnischen, luxemburgischen, schweizer und deutschen Liedern, wie eine Aufnahme von Herman Meyers, „Was war an diesem Baum?“, vom September 1938, aufgezeichnet von Alan Lomax.

James Leary arbeitete jahrelang an dieser Veröffentlichung. Er bereinigte digital die alten Aufnahmen und trug viele Informationen zusammen, die in den Original Notizen der drei Ethnologen nicht vorhanden waren. Er suchte nach Fotos für das Begleitbuch, kontaktierte Nachfahren der Musiker und übersetzte alle fremdsprachigen Lieder mit Hilfe von Kollegen anderer Fremdsprachenabteilungen der University of Wisconsin. Eine Ausnahmeleistung, die jedoch erst den ganzen Wert des Kulturmischmaschs des oberen Mittleren Westens für den Hörer zugänglich macht. Und obwohl man hier nur alte Aufnahmen hört, ist die eigentliche Botschaft dieser visionären Arbeit aus den 30er und 40er Jahren für James Leary klar: „Heute sorgt man sich in Amerika über die Einwanderung, was die Immigranten mitbringen und ob sie überhaupt ins Land gelassen werden sollen. Und genauso ist es ja auch in Europa. Ich finde, diese Lieder zeigen, dass Neuankömmlinge in einem Land, auch wenn sie Teile ihrer Sprache, ihrer Kultur und Tradition behalten, zur gleichen Zeit offen sind und etwas im positiven Sinne beisteuern. Wenn man sich das ansieht, wie es damals war, kann das eine gute Lektion für heute und morgen sein.“

Die 5CD und eine DVD umfassende Sammlung “Folksongs of another America” ist bei Dust to Digital Records und University of Wisconsin Press erschienen.

 

Tohuvabohu über San Francisco

Seit über 30 Jahren machen KMFDM ihr Ding. Eigentlich ist das vor allem der Hamburger Sascha Konietzko, der lange Jahre in den USA lebte und das Land der unbegrenzten Möglichkeiten als das Kernland für den Erfolg von KMFDM betrachtet. Vor ein paar Jahren zog es ihn zurück in die Hansestadt, wo er heute mit Frau, Sängerin Lucia, und Tochter lebt.

Das Altenteil war die Luftveränderung allerings nicht. Nach wie vor wird getourt. Lautstark, brachial und immer mit einer Prise gesunder Aggression unterlegt. Am Mittwoch war mal wieder San Francisco dran, als Teil der aktuellen USA/Kanada Tournee. Keine andere „deutsche“ Band hat es bislang geschafft, so erfolgreich und so oft quer durchs Land zu touren. KMFDM stehen für eine Breitseite, die nach wie vor alte und auch viele neue Fans anzieht und begeistert. Es ist eine Mischung aus Heavy Guitar Riffs und Industrial Klängen. Dazu englische und deutsche Lyrics. Gerade solche, bei denen Amerikaner mitsingen können. Der Saal tobte beim Song „Hauruck“.

Was KMFDM auch ausmachen, ist ihre Art Stellung zu beziehen. Als George W. Bush die Truppen und das Land für den zweiten Kriegseinsatz im Irak mobilisierte, lebte Sascha Konietzko noch in Seattle. 2003 erschien dann WWIII, ein hartes, kompromissloses Album. Darauf auch „Stars & Stripes, eine Abrechnung mit dem blinden Patriotismus, der zu der Zeit alles in den USA beherrschte. Es war ein einsamer Ruf in einer fast gleichgeschalteten und kleinlauten Musikszene.

KMFDM haben auch nach über 30 Jahren im Geschäft noch diese ungebändigte Energie und Kraft. Ihre Konzerte ziehen nach wie vor. Der Großteil der anstehenden Tour liegt noch vor der Band. Man sollte sie sehen, wenn man gerade in der Stadt ist…irgendwo in „God’s Country“. KMFDM sind noch immer eine erfrischende Abwechslung im musikalischen, amerikanischen Einheitsbrei.

„Stars & Stripes“

A tyrant is a man who allows his people no freedom
Who is puffed-up by pride
Driven by the lust of power
Impelled by greed
Provoked by thirst for fame

Divided and conquered
Gripped by fear
Wishful thinking that it can’t happen hear
It’s well underways but nobody knows
A repeat of history
That’s how it goes

Tell the people that they’re under attack
By man-eating foes from mars or iraq
Mobilize outrage
Muzzle dissent
Send in the troops
Strike the pre-empt

Stars & stripes
Learn how to fight
We come together by the dawn of the light
Oh so proudly we hail as the rockets red glare
Stars & stripes

Control the airwaves
Fuel the reaction
Use every weapon of mass-distraction
Turn active people into passive consumers
Feed ‚em bogus polls and harebrained rumours

Cut back civil rights
Make no mistake
Tell ‚em homeland security is now at stake
Whip up a frenzy keep ‚em suspended
Don’t let ‚em know that their liberty’s ended

Everything goes in the desperate states
The veneer of democracy rapidly fades
Wreak total havoc on all opposition
In any event fulfill your mission

Totalitarian media sensation
You will give ‚em domination
Never mind they call you a liar and thief
By now you’re undisputed commander-in-chief

„Any Day Now“

Am Dienstagmorgen um 2:41 Uhr bebte die Erde in der San Francisco Bay Area. Genau an der Stadtgrenze von Fremont und Union City in der East-Bay, in einer Tiefe von vier Meilen war das Epicenter des Bebens. Auf der Richterskala wurde eine Stärke von 4,0 gemessen. Die Wissenschaftler des „US Geological Survey“ (USGS) gehen nun davon aus, dass die Hayward Spalte reif für ein „Major Quake“ sei. „Any Day Now“ könnte es passieren, hieß es am Dienstag.

Foto: USGS

Foto: USGS

Die Hayward Spalte zieht sich von der San Pablo Bay im Norden bis runter nach Fremont, u.a. durch Berkeley und Oakland. Von meinem Haus ist es Luftlinie vielleicht gerade mal eineinhalb Kilometer bis dahin. „Any Day Now“ ist eine deutliche Warnung an alle, die in der Nähe und in der Region leben. Man soll vorbereitet sein, heißt es. Was das bedeutet ist sei dem Hurricane Katrina jedem klar, denn erst einmal wird man auf sich selbst gestellt sein. Falls das große Beben kommt, sollte man in der Lage sein, sich drei Tage lang selbst versorgen zu können. Das heißt sich und seine Familie, Haustiere und eventuell hilfsbedürftigen Nachbarn. Nahrung, Wasser, Decken, Kleidung zum Wechseln, Planen oder Zelte, falls das Haus nach dem Beben und den Nachbeben unbewohnbar ist. Dazu Bargeld, denn Kreditkarten und Bankautomaten werden nicht funktionieren, Taschenlampen, Batterie betriebene Rundfunkgeräte. Alles sollte an einem sicheren Ort gelagert und griffbereit sein. Eigentlich sieht die Liste so aus, als ob man zum Burning Man Festival in die Wüste fährt.

„Any Day Now“ heißt nicht morgen, heißt nicht übermorgen, heißt nicht nächste Woche. Es bedeutet vielmehr, dass man jederzeit damit rechnen und sich eben vorbereiten sollte. Dass man mit Nachbarn und Freunden spricht, wer sich um Kinder im Kindergarten und in der Schule kümmert, wer die Haustiere versorgt, falls man selbst nicht zu Hause ist. „Any Day Now“ ist keine Panikmache der Erdbebenforscher des USGS, sondern nur ein Hinweis darauf, dass die Hayward Spalte überfällig ist. Eigentlich rappelt es gewaltig alle 140 Jahre. Das letzte Mal war es 1868, vor 147 Jahren. Bis zum Beben 1906 in San Francisco galt dieses Hayward Erdbeben als das “Great San Francisco Earthquake.” Die Uhr läuft also ab für uns.