May

16

2013

Musikalisches Gefühlsbad

Zwei Lieder werden derzeit viel gespielt in den USA. Zwei sehr gefühlvolle Songs. Der eine von Zach Sobiech, ein 18jähriger, der an einer tödlichen Krebserkrankung…ja, “leidet” ist hier das falsche Wort. Zach wurde als 14jähriger mit der raren Krebsform Osteosarcoma diagnostiziert. Doch anstelle aufzugeben, fing er bewußt mit dem Leben an. Vor ein paar Monaten sagten ihm die Ärzte, dass der Krebs zurück gekommen sei und sich ausgebreitet habe. Zach schrieb seinen Song “Clouds”, für ihn eine Art Aufarbeitung seiner Situation. Rainn Wilson, bekannt als Dwight in der Serie “The Office”, fand den Song online, war tief bewegt von der Lebensfreude des jungen Mannes, stellte das Lied auf seine Seite und animierte etliche Schauspielkollegen, darunter auch Bryan Cranston aus der Serie “Breaking Bad”, mit ihm eine besondere Videoversion zu produzieren. Der Song wurde mehrere Millionen mal geladen und ist ein Hit geworden:

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“I drive your truck” ist eine Countrysingle, die ganz nach oben katapultiert wurde. Connie Harrington hörte beim Autofahren im Radio ein Interview mit einem Vater, der seinen Sohn in Afghanistan verloren hat. Jared Monti starb beim Versuch einen anderen Soldaten aus dem Schußfeuer zu bringen. Paul Monti beschrieb in diesem Interview, wie er nach dem Tod den “Pick-up Truck” seines Sohnes fuhr, in dem noch alles von ihm zu finden war. Harrington war tief berührt von dieser Geschichte, fuhr nach Hause und schrieb den Song “I drive your truck”. Country Sänger Lee Brice nahm ihn für sein jüngstes Album auf. Harrington versuchte danach den Vater zu finden, an dessen Namen sie sich nicht mehr erinnern konnte. Nach mehreren Versuchen fand sie Paul Monti, der beeindruckt und bewegt war von diesem Song. Anfangs, so erklärte er, konnte er das Lied nie zu Ende hören. Sein Sohn, Jared Monti, wurde nach seinem Tod noch mit der “Medal of Honor” für seinen mutigen Einsatz ausgezeichnet.

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Apr

30

2013

Zwischen Blut und Wein

Vor einigen Jahren habe ich in einem kleinen Club im Mission Distrikt von San Francisco zum ersten mal Rykarda Parasol gesehen. Da stand sie auf der kleinen Bühne mit ihrer Gitarre. Eine hochgewachsene, sehr dünne, grazile Blondine, die einen einfach in den Bann zog. Ihre Songs sind kleine Geschichten aus Amerika, mal schräg, mal unmittelbar, mal sehr nah. Dazu ihre teils rauchige, teils vernuschelte Stimme. Nach dem Konzert damals schrieb ich sie an und fragte nach einer CD für meine Country Sendung im Lufthansa Radio Programm. Wir trafen uns dann mal in einem CafĂ©, unweit vom Golden Gate Park, redeten und blieben auch anschließend in Kontakt. Rykarda schickte mir immer mal wieder neue Songs, die ich gerne in die Sendung einbaute. Kurz vor ihrer ersten Deutschlandtournee lud ich sie in meine damalige Live-Sendung ins KUSF Studio ein.

Seit ein paar Jahren nun tourt Rykarda Parasol viel durch Europa. Polen, Niederlande, Deutschland….überall findet sie ihr Publikum. Ihre musikalische Mischung ist ein Sound aus Alternative und Dark Country. Ein bißchen Gothic dazu….faszinierend. Rykarda Parasol vertritt die neue Musikszene San Franciscos genauso wie die klangreichen Höhen und Tiefen des Countrysounds. Und sie macht das alles ganz auf ihre spezielle Art, ein wahrer Klanggenuß. Nun tourt sie wieder und diesmal kommt Rykarda Parasol auch nach Nürnberg. Am 11. Mai spielt sie im Festsaal des Künstlerhauses im KunstKulturQuartier. Ein absolutes Highlight im Konzertkalender. Sehr, sehr empfehlenswert!!!

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Apr

7

2013

Der Klang eines Bildes

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Patrick Feaster ist ein Musikethnologe an der Indiana University Bloomington. Er liebt die alten Klänge. Irgendwann war er im Archiv der Uni und fand ein Buch, in dem Photos von alten Grammophon Platten abgedruckt waren. Darunter auch die Aufnahme “Der Handschuh” von Friedrich Schiller vom 11. November 1889. Vorgetragen von Emil Berliner, einem deutschen Auswanderer, der in den USA viele bahnbrechende Erfindungen hatte, darunter auch das Grammophon. Feaster ist überzeugt, dass diese Berliner Aufnahme wohl die älteste Schallplatte überhaupt ist, allerdings nicht die älteste Tonaufnahme.

Der Musikethnologe schaute sich die Bilder genauer an, vergrößerte sie und stellte fest, dass man die Spuren der Platte eindeutig verfolgen konnte und, dass sie klare Strukturen einer Schallplattenrille aufwiesen. Wenn man sie sehen konnte, so meinte Feaster, müßte man sie doch auch hörbar machen können. Also begann ein zeitaufwendiger Prozess, in dem der Musikethnologe die Spur der Schallplatte erst extrem vergrößerte, sie dann begradigte und zerstückelte, um sie danach wieder in einem Computerprogramm zusammen zu setzen. Kleine Fehler bei Schnittstellen und bei der Bildauflösung wurden ausgebessert. Das ganze wurde dann in das Programm “ImageToSound” geladen, das bildliche Daten in eine WAV File umwandelt. Das Ergebnis war mehr als beeindruckend. Die Aufnahme von Emil Berliner aus dem Jahr 1889 war wieder zu hören. Dazu oben der Audiobeitrag.

 

Mar

23

2013

Das Ende einer Karriere

Wann war das nochmal? Das muß so 1989 gewesen sein, als ich Michelle Shocked live gesehen habe. War das Konzert in Nürnberg oder in München? Ich weiß es nicht mehr genau, aber es war klasse. Das war die Tour zu ihrem grandiosen Album “Short Sharp Shocked”. Darauf auch ihr größter Hit “Anchorage”. Michelle Shocked war die Folk-Punk-Anarchistin. Politisch und sozial aktiv und engagiert, offen und “outspoken”. Sie brachte den Aktivismus zurück in das etwas verstaubte Folk Genre.

Michelle Shocked produzierte weiter Musik, veröffentlichte Platten, tingelte durch die Weltgeschichte. Ihre Fans liebten sie. Doch es wurde stiller um sie. Vor fünf Jahren wurde sie “born again”, eine “Wiedergeborene Christin”. Sie schrieb weiter Songs, sie wurde allerdings ruhiger, nachdenklicher, verlor dabei jedoch nicht die Intensität in ihrer Stimme. Und dennoch irgendwas war anders. Michelle Shocked schien nicht mehr die gleiche zu sein.

Vor ein paar Tagen nun wetterte sie in einem Konzert ausgerechnet  in der Schwulen- und Lesbenhochburg San Francisco gegen die gleichgeschlechtliche Ehe. Es sei “der Niedergang der Zivilisation”. Wörtlich erklärte sie dem mehr als erstaunten Publikum: “Ich habe Angst davor, dass die Welt zerstört werden wird, wenn Homosexuelle heiraten dürfen”. Und weiter: “Ihr könnt ruhig auf Twitter gehen und sagen, “Michelle Shocked sagt Gott hasst Homos”.

Mit diesen Aussagen war dann wohl ihre Karriere vorbei. Der Großteil des Publikums verließ daraufhin das Konzert, twitterte und postete, youtube Videos erschienen und es dauerte nicht lange, bis ein Konzertveranstalter nach dem anderen die ausstehenden Konzerte auf der US Tournee absagte. Und es gibt nun sogar eine Online Petition, damit auch noch die europäischen Auftritte gestrichen werden. Michelle Shocked gab sich geschockt, versuchte gegen zu rudern, erklärte, alles sei nur ein Mißverständnis gewesen, doch das nahm und nimmt ihr keiner ab. Radiostationen quer durch die USA weigern sich seitdem Songs der einstmals beliebten Musikerin zu spielen. Das wars dann wohl mit dieser Folk-Stimme. Also, nichts mehr mit Michelle Shocked…und dennoch “Anchorage” ist und bleibt ein toller Song.

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Mar

10

2013

KMFDM Sucks

Also, diesen Ausspruch “KMFDM sucks” sollte man nicht so wörtlich nehmen. “Sucks” ist eine Single vom 93er Album “Angst”. Darin machen KMFDM deutlich, um was es ihnen geht und singen eben auch “KMFDM sucks”….und genau das riefen die Fans am Samstagabend in San Francisco, um die in Hamburg ansässige Band zu einer weiteren Zugabe zu animieren.

We don’t have no lyrics, our message is nil
We hate all DJs, they’re makin’ us ill
Whatever we tell you, is meant to be crap
We hate all music, and especially rap
We don’t like Michael Jackson
We hate Depeche Mode
We don’t care for Madonna
Or Kylie Minogue
KMFDM Sucks!

Und auch wenn sie sich selbst auf den Arm nehmen, derzeit tourt die Band um den Hamburger Sascha Konietzko wieder erfolgreich durch die USA. Portland ausverkauft, San Francisco ausverkauft…nun geht es über Los Angeles Richtung Ostküste und dann zurück zum Abschlußgig am 30. März in Seattle. Ein einziger freier Tag, sonst wird durchgebrettert.

Gestern im Independent in San Francisco war die Bude voll. KMFDM wurden lautstark von Fans empfangen, die seit nunmehr Jahrzehnten die Band begleiten. Sie legten los mit Songs aus dem neuen Album “Kunst”. Und immer wieder kamen Klassiker, von “Anarchy” bis “Tohuvabohu”. Am Ende, als letzte Zugabe, die finale Dröhnung “A drug against war”.

Im Jahr 29 nach Bandgründung hat die Gruppe nichts von ihrem “Drive”, ihrer Energie, ihrer Kraft verloren. Sascha Konietzko ist Anfang 50, man merkt es ihm nicht an, die Hamburger Luft scheint ihm gut zu tun. Er gehört im internationalen Musikgeschäft zu den Pionieren in seinem Bereich. Keine andere Band in diesem Genre hat jemals so eine weltweite und eingeschworene Fangemeinde aufbauen können, und das über einen so langen Zeitraum. Andere kamen, andere gingen, andere wurden massiv beeinflußt. Die Deutschen haben durchaus einen guten Ruf auf der internationalen Bühne, dank Bands wie KMFDM. Sie sind die Topseller auf dem Metropolis Records Label, füllen problemlos die Clubs in Übersee…und haben letztendlich auch Rammstein mit nach oben gebracht. 1997 spielten Rammstein im Vorprogramm von KMFDM und präsentierten ihren Sound einer begeisterten und an der deutschen Musikszene interessierten Fangemeinde.

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Mar

9

2013

Grönemeyer goes USA

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Herbert Grönemeyer will es nochmal wissen. In Deutschland gibt es für ihn wohl keine Herausforderung mehr, deshalb blickt er über den Atlantik und setzt zum großen Sprung in die USA an. Das erste englischsprachige Album wurde veröffentlicht, als Bonus  Song ein Duett mit U2s Bono, damit den Amerikanern gleich mal klar gemacht wird, dass der Musiker mit dem schwierigen Namen Herbert Grönemeyer in der Superliga der Pop- und Rockstars mitspielt. Und erste Kritiken belegen, der Mann aus Bochum kommt an.

Selten hat ein deutscher Musiker so viel Presse wie jüngst Herbert Grönemeyer bekommen. Nun wurde er sogar von National Public Radio interviewt, eine Seltenheit und gleichzeitig eine deutliche Anerkennung für einen deutschen Künstler. Das Interview ist oben im Audioplayer zu hören.

Feb

9

2013

Modern Talking im Kongo

Veröffentlicht von peltner in der Kategorie DRC/Kongo, Militär, Radio, Ruanda | Kommentar hinterlassen

Ja, muß das denn wirklich auch noch sein? Modern Talking plärrte auf der nächtlichen Taxifahrt durch Goma aus dem Radio. Von einem Ende der Stadt ans andere. Die Millionenstadt war wie ausgestorben, kaum eine Menschenseele auf den Straßen. Überall war es dunkel. Der Taxifahrer hielt an einer Ecke. Kein Sprit mehr, meinte er, doch hier war keine Tankstelle. Er stieg aus, lief zu einem jungen Kongolesen hinüber. Der schüttete erstmal aus einem gelben Kanister Benzin in zwei Plastikwasserflaschen und leerte diese anschließend in den Tank. Weiter ging die nächtliche Fahrt über das holprige Lavagestein, hier auch Straße genannt. Und dazu “Cherie, Cherie Lady”….und danach “You’re my heart, you’re my soul”. Modern Talking im Doppelpack geht gar nicht, erst recht nicht in einem nächtlichen Goma, das für jeden Horrorstreifen als Kulisse herhalten könnte. Mir gruselte es!

Zwei Ecken weiter zieht ein Bewaffneter eine Holzlatte mit Nägeln über die Fahrbahn. Straßenkontrolle. Aussteigen, Rucksack öffnen. Das Auto wird durchsucht. Nichts zu finden. Ein weiterer Soldat kommt von hinten und meint “Muzungu, give me money”. Ich bin schon eingestiegen, weiter geht die Fahrt zum Gästehaus der Caritas, direkt am Lake Kivu.

Der Tag hatte schon früh begonnen. Die Nacht in Gisenyi auf ruandischer Seite verbracht, dann morgens zu Fuß über die Grenze, kurz einchecken im Hotel und weiter zu CARE International. Die Hilfsorganisation hatte angeboten mich in einige Flüchtlingslager mitzunehmen, mir ihre Projekte zu zeigen. Quer durch die Stadt ging es, eine einzige Holperpiste aus Lavagestein und tiefen Schlaglöchern. Links und rechts Barracken, Wohnhütten, kleine Geschäfte und überall Kleinkinder. Im ersten Lager sassen wir mehrere Stunden in einem Bretterschuppen, der das Büro des Lagerpräsidenten war. In der Nebenhütte surrte eine Nähmaschine, immer mal wieder wehte der Geruch der nahen Behelfstoiletten herüber. Der Präsident berichtete von den täglichen Schwierigkeiten, den Übergriffen, dem Versagen der kongolesischen Regierung. Danach saßen an dem kleinen Tisch zwei junge Frauen, die von sexueller Gewalt sprachen. Vergewaltigungen und sexuelle Übergriffe gehören zum Alltag der Frauen im Kongo.

Auf dem Weg zum Auto begleiteten uns Dutzende von Kindern. Einige waren mutig und kamen ganz nahe, um dem Muzungu über die Haare an den Armen zu streichen. Sie lachten dabei. In dem Moment konnte man sogar das ganze Elend um einen herum vergessen.

Jan

25

2013

Ich habe Feuer gemacht

Veröffentlicht von peltner in der Kategorie Gesellschaft, Kultur, Kunst, Musik, Radio | Kommentar hinterlassen

Das muß 1984 gewesen sein. Rührersaal in Nürnberg Reichelsdorf. Purple Schulz spielte dort auf seiner “Verliebte Jungs” Tournee. Eigentlich war das damals so gar nicht meine Musik, doch sein Song “Sehnsucht”, der hatte es in sich. Dieser Schrei, diese Sprachlosigkeit, diese innere Energie, die einfach raus mußte. Das Konzert war klasse, ich war von Purple Schulz, der Band und auch mir selbst überrascht. Fortan stand zwischen Kiss, Uriah Heep und Extrabreit nun auch Purple Schulz im Plattenregal. Seitdem verfolge ich seinen Weg. Mal intensiver, mal weniger. Wir haben uns vor ein paar Jahren mal in Köln auf einen Kaffee getroffen, immer mal wieder lief ein Song von ihm im Programm von Radio Goethe.

Nun hat er eine neue Platte herausgebracht “So und nicht anders”. Eine sehr persönliche Scheibe, die ihm selbst sehr am Herzen liegt. Und das hört man. Für die neue Platte geht er auch auf große Deutschlandtournee, am 6. März wird er in Fürth in der Comödie spielen. Nach all den Jahren war es mal an der Zeit mit Purple Schulz ein Interview zu führen.

NZ: Warum hat es so lange mit der neuen Platte gedauert…“So und nicht anders” ist der Titel des neuen Albums, das klingt etwas nach Trotz, nach persönlicher Freiheit, nach “This way or the Highway”… Ist es ein persönliches Album?

Purple Schulz: Ja, ich gebe zu, das Album hat sehr lange gedauert. 15 Jahre sind vergangen seit dem letzten Album und 15 Jahre sind natürlich eine lange Zeit, wenn man sie, wie Tom Hanks, auf einer einsamen Insel verlebt. Ich habe in diesen 15 Jahren wahnsinnig viele Sachen gemacht, habe zwei Kindermusicals geschrieben, ich habe mit den unterschiedlichsten Künstlern zusammen Konzerte gespielt. Hatte eine ganz lange Konzertreihe z.B. mit Heinz-Rudolf Kunze hier in Deutschland, die ging über drei Jahre und das waren rund 180 Konzerte. Ich habe mit dem Ensemble der Kölner Stunksitzung zusammen gearbeitet, Kabarett gemacht und Theater und was weiss ich alles. Also, ich habe mich in den 15 Jahren wirklich nicht gelangweilt, aber habe mich wie gesagt immer nur um die Projekte vor allem auch anderer Künstler gekümmert und dabei ein bißchen aus dem Auge verloren, dass ich ja auch noch was zu sagen habe.

Und ich habe mich dann Ende 2011 von meinem langjährigem Partner Josef Piek getrennt, nach 33 Jahren, mit dem ich wirklich allerhand zusammen eingespielt habe, komponiert hatte und so weiter und sofort. Ja und diese Trennung war nicht einfach, aber sie war die Initialzündung dieses neue Album zu machen, das jetzt heisst “So und nicht anders”. Und natürlich ist das auch ein bißchen provokant, aber ist halt so, ohne diese Trennung wäre das Album nicht so geworden. Und so wie es geworden ist, bin ich mehr als glücklich. Es ist wirklich, ich würde sagen, mein persönlichstes Album, weil ich all die Dinge reingepackt habe, die ich für wichtig erachte.

NZ: Was bedeutet ein neues Album für Dich? Ist es der Drang was raus zu lassen, Geschichten zu erzählen oder eine Art Tagebuch?

Purple Schulz: Ich glaube, jedes Album ist eine Art Tagebuch. Aber bei diesem Album ging es mir in allererster Linie darum Geschichten zu erzählen. Deshalb ist auch am Anfang des Booklets ein Zitat von Jorge Bucay, einem argentinischen Therapeuten. Das Zitat heisst ,,Kindern erzählt man Geschichten zum Einschlafen – Erwachsenen, damit sie aufwachen”. Und das ist für mich auch das Leitmotiv des Albums und aller Texte, die darauf erschienen sind. Ich habe die Hälfte der Texte mit meiner Frau zusammen geschrieben, oben in der Küche.[nbsp]Und wir konnten immer, wenn so ein Text fertig war, runter gehen ins Studio, weil das ganze Album bei mir zu Hause entstanden ist. Das sollte man auch noch sagen, und dadurch wussten wir auch sehr, sehr schnell, was funktioniert und was nicht funktioniert. Es gibt Stücke, die haben vier verschiedene Texte bekommen, bis es dann wirklich so war, wie ich mir das vorgestellt habe. Das Album beginnt auf der Säuglingsstation und es endet auf dem Sterbebett. Zwischendurch ist all das vertreten, was das Leben der heutigen Vierzig- bis Fünfundsechzigjährigen ausmacht. Und das sind Geschichten über Demenz, über pubertierende Kinder, es sind Geschichten über die politische Situation, die wir jetzt im Moment in der Bundesrepublik haben, über Religion, alles, es gibt eigentlich kein Thema, was auf diesem Album ausgespart ist. Und trotzdem ist es eine ganz homogene Geschichte.

Ich würde sagen, es ist mein ernsthaftestes Album, aber auch mein bissigstes. Ja, kann man so sagen, stellenweise. Was auch ganz wunderschön ist, dass ganz viele befreundete Musiker, Musikerinnen mitarbeiteten und meine komplette Familie mitsingt. Das habe ich auch noch nicht erlebt, das war sehr, sehr schön bei der ganzen Produktion zu erleben, dass teilweise oben vier Generationen um den Tisch versammelt waren und gegessen haben in der Pause. Das hat mich sehr glücklich gemacht und ich bin jeden Abend ins Bett gegangen und habe mir sagen können “ey geil, ich habe Feuer gemacht!” Und das war richtig klasse.

NZ: Du bist schon seit Ewigkeiten im Geschäft, hast Riesenerfolge mit “Sehnsucht” und “Verliebte Jungs” gehabt. Die Musikindustrie hat sich verändert, lohnt es sich noch, ein Album zu veröffentlichen?

Purple Schulz: 2012/2013 ein Album zu veröffentlichen ist natürlich was anderes als es das vor 30 Jahren war. Die Musikindustrie hat sich komplett geändert, die ganze Medienlandschaft hat sich verändert. Ich hab das gesehen auf der Promotions Tour für das neue Album. Es ist alles anders als damals und wirtschaftlich macht es eigentlich überhaupt keinen Sinn ein Album rauszubringen, weil man an einem Album kaum noch was verdient. An Downloads sowieso schon mal nicht. Das einzige, wo Musiker an einem Album noch was verdienen, ist, wenn sie nach den Konzerten was verkaufen und das mache ich immer, weil ich signiere das dann auch. Da habe ich dann auch wirklich das direkte Feedback von den Fans, die in die Konzerte kommen. Obwohl, Feedback hat man natürlich auch über die ganzen Social Networks, wie facebook oder über youtube, wo ich einen Haufen Videos reingestellt habe. Die übrigens mein jüngster Sohn filmt und schneidet, der Dominik, der auch Gitarrist ist, aber er ist ein fantastischer Filmer und hat diese wunderschönen Purple Schulz Videos vom neuen Album gemacht.

NZ: Im Rückblick, was waren für Dich die schönsten Momente Deiner langen Karriere?

Purple Schulz: Unvergessen sind für mich die Konzerte in der ehemaligen DDR, als die Mauer noch stand. Dann das große Konzert mit Herbert Grönemeyer, Toten Hosen und Rio Reiser gegen die Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf. Aber es gibt natürlich auch diese ganz kleinen Konzerte, wenn man nur vor 150-200 Leuten in einem kleinen Theater spielt, wo man eigentlich diese opulenten Werke reduziert auf ein Gerüst mit Klavier und Gitarre. Das ist hoch spannend, was da dabei raus kommt. Man ist den Stücken sehr, sehr nahe und man ist dem Publikum unfassbar nahe. Das finde ich eine ganz aufregende und spannende Geschichte. Das sind Konzerte, die ich auch sehr, gerne spiele.

NZ: Was würdest Du heute anders machen?

Purple Schulz: Es gibt ja so ein bestimmtes Image von Purple Schulz, das geprägt ist durch die Songs, die heute noch im Radio laufen, das sind halt überwiegend die Titel aus den 80er Jahren. Das sind so Songs wie “Verliebte Jungs”, “Kleine Seen”, “Nur mit Dir”, mit denen ich eigentlich nicht mehr sehr viel am Hut habe, aber natürlich spiele ich sie noch in meinem Programm, weil die Fans die hören wollen. Das ist mein “Satisfaction”, das muss ich einfach spielen, da komme ich nicht drum rum, völlig klar und macht ja auch Spaß. Aber die Reaktion darauf ist, dass das mit dem heutigen Purple Schulz nichts mehr zu tun hat. Und da kann das schon sein, dass ein alter Titel zu einer Altlast wird, den man mit sich rum schleppt.

Bei “Sehnsucht” ist das z.B. nicht der Fall. “Sehnsucht” ist ein Stück aus dem Jahr 1983, das 1984 einen sensationellen Erfolg hatte und mit dem ich aber heute noch auf die Bühne gehen kann und es immer noch so frisch präsentieren kann, als wäre es gestern geschrieben worden. Das ist halt der Unterschied bei den Songs. Wenn man was anders machen würde im Laufe der Jahre, dann ist es vielleicht zu reflektieren, was ist eigentlich in 20 Jahren mit diesem Song? Also, das überlege ich mir schon, wenn ich den Text schreibe, weil ich möchte gerne Sachen machen, die nicht nur Substanz haben, sondern auch sich über Jahrzehnte behaupten können. Ich denke, das macht gute Musik aus. Gute Musik hat nichts mit Moden zu tun. Moden interessieren mich in der Musik überhaupt nicht und auch keine Trends und neue Produktionsgeschichten, das ist für mich völlig uninteressant. Für mich steht der Song im Vordergrund, die Geschichte, der Text, das ist für mich wichtig. Diese Geschichte muss man rüber bringen, wie in einem Film, für mich ist das nichts anderes wie Filme machen.

NZ: Du trittst immer wieder mit anderen Musikern auf, auch auf Deiner neuen Platte hast Du Gastmusiker, wie Heinz-Rudolf Kunze oder Christina Lux, eingeladen. Wie wichtig ist Dir der Austausch mit anderen?

Purple Schulz: Durch das gemeinsame Musizieren kommt man vielen Dingen richtig nahe, man entdeckt auch wieder ganz neue Facetten innerhalb der eigenen Sachen, die man geschrieben hat. Das ist eine tolle Erfahrung. Es ist aber auch so, dass sich all diese Musiker, die auf dem Album mitgewirkt haben, echt in den Dienst dieser Sache gestellt haben, das fand ich sehr beeindruckend. Es ging all diesen Menschen gar nicht darum sich irgendwo am Instrument zu profilieren, sondern die Geschichte rüber zu bringen, die Atmosphäre mit aufzubauen. Ich glaube, das ist auch, warum diese Songs die Hörer sehr, sehr tief und sehr, sehr emotional treffen. Also, ich merke das an den Reaktionen, die ich zurück bekomme, wirklich überwältigend teilweise. Ich hatte schon Leute hier sitzen, hier unten bei mir im Studio, denen ich z.B. einen Titel vorgestellt habe, erwachsene Menschen, die anfingen hemmungslos zu weinen, weil auf einmal diese Musik und diese Geschichte etwas bei ihnen ausgelöst haben, was ganz, ganz tief verborgen war bis dahin.

NZ: So richtig bekannt wurdest Du zur Zeit der Neuen Deutschen Welle mit der “Neuen Heimat” und dann mit Deiner ersten Soloplatte. Hätte ein Purple Schulz heute noch die Chance auf den Erfolg, mit Musik, die zwischen mehreren Genres daheim ist?

Purple Schulz: Dazu muss man sagen, “So und nicht anders” ist eigentlich meine erste Soloplatte. “Verliebte Junges”, das war ja damals noch das Album von Purple Schulz und Purple Schulz war damals eigentlich ein Trio, bestehend aus Josef Piek (Gitarrist), Dieter Hoff (Schlagzeuger) und mir. Nur war es in den 80er Jahren so, dass die Künstler in Deutschland echt über die Frontleute verkauft wurden. Es gab halt Künstler wie Wolf Maahn, Klaus Lage, Herbert Grönemeyer, Herwig Mitteregger und insofern hat man auch beschlossen die Band nach mir zu benennen, weil ich nun mal der Mann bin, der da vorne steht und singt.

Ob das so richtig war, weiß ich nicht, aber es entsprach schon der Tatsache, weil ich doch schon sehr viel nach außen von dem repräsentiert habe, worum es in den Geschichten geht. Da ich ja heute so ein Wanderer bin zwischen Liedermachern und Pop Musikern – übrigens das Wort Pop benutze ich immer noch im althergebrachtem Sinn. Pop war damals eine Musik, die hat alles möglich gemacht. Popmusik, wie wir sie von den Beatles kennen, in der war alles machbar. Ganz im Gegensatz in der Popmusik von heute, man hat heute diese bescheuerten Radioformate, wo gar nichts mehr machbar ist. Wenn du heute ein etwas anderer Künstler bist, bekommst du einfach keine Schnitte bei den Medien. Das ist leider so und da muss man sich mit abfinden, fällt nicht immer leicht, aber ich weiß, dass es trotzdem genug Leute gibt, die diesen Bullshit gar nicht mehr hören und die kommen dann zu mir.

NZ: Wie siehst Du die heutige deutsche und deutschsprachige Musikszene?

Purple Schulz: Es gibt einen Haufen junger Bands, vor allen Dingen fantastische Sänger in Deutschland und es gibt auch ein paar gute Texter, aber im großen und ganzen finde ich im Moment die deutsche Musikszene eher uninteressant, weil da passiert nicht sehr viel Innovatives.

NZ: Was ist Musik für Dich, wie wichtig ist Dir das Songschreiben, das Auftreten, das Aufnehmen Deiner Lieder?

Purple Schulz: Musik ist für mich das Transportmittel für Emotionen. Konzerte sind für mich richtige kleine Feiern, wo man die eigene Kreativität natürlich ein bißchen feiert, wo man aber auch den Austausch hat mit den Leuten. Für mich sind die Konzerte eigentlich das Allerwichtigste und so eine CD, an der man ja sowieso nichts verdient, ist eigentlich mehr oder weniger so ein Vehikel, um wieder auf die Bühne zu kommen, so muss man sich das Konzertgeschäft vorstellen. Das ist auch der Grund, warum Prince z.B. eine CD kostenlos zum Konzertticket dazulegt. Was natürlich auf der anderen Seite schade ist, dass der Wert dadurch natürlich völlig ins Hintertreffen gerät. Das ist eine sehr traurige Entwicklung, können wir Künstler eigentlich nur damit auffangen, dass wir liebevolle Booklets dazu legen, wenn wir ein Album rausbringen, und, dass wir zeigen, dass das, was wir machen wirklich mit Herz machen. Dass es nicht in erster Linie darum geht, hier irgendwelche großartigen Umsätze zu erzielen, das kann man sowieso nur, wenn man mit einer Major Company zusammen arbeitet, die aber dann wiederum soviel Geld in die Promotion steckt und es dem Künstler durch die Hintertür wieder abnimmt. Für mich ist das völlig inakzeptabel und völlig uninteressant. Ich bin lieber autark, habe hier mein Studio, arbeite nach meinem Zeitplan, arbeite mit meinen Leuten und bin einfach frei. Das ist für mich das Entscheidende. Ich bin jetzt 56 Jahre alt und ich habe keinen Bock hier irgendwelche Rechte abzugeben, auf Jahre weg. Solche Fehler habe ich früher gemacht.

 

 

 

Dec

31

2012

Das Ende des deutschen Radios

Veröffentlicht von peltner in der Kategorie Deutsche in den USA, Gesellschaft, Kultur, Musik, Radio, USA | 1 Kommentar

Nur noch 33 deutsche Radiosendungen gibt es in den USA. Das Ende des deutschen und deutschsprachigen Rundfunks in Amerika ist damit in Sicht. Anfang der 70er Jahre gab es noch weit über 120 Programme, die fest verankert waren in der deutschen Community. Etliche der Radiomacher produzierten darüberhinaus auch noch lokale Fernsehprogramme auf offenen Kanälen, finanziert durch Werbung von Lufthansa, Siemens, dem deutschen Feinkostladen, Metzger und Automechaniker an der Ecke.

Doch das ist lange vorbei. Moderatoren und Hörer sind ins Alter gekommen. Etliche der “Hosts” sind über 80. Erst am vergangenen Sonntag verabschiedete sich Gunter Auerbach zum letzten mal am Ende seiner Sendung. Er war seit 1966 on-air. Damit gibt es nur noch 32 Sendungen. Die Deutschen in Amerika verlieren mit jedem Programm ein wichtiges Teilstück ihrer Geschichte. Ein paar deutschsprachige Zeitungen dümpeln vor sich hin. Die wenigen Radioprogramme werden auch bald verschwinden. Das wars dann. Schluß. Aus die Maus.

Und ja, vielleicht muß es so kommen, vielleicht muss es so sein. Wenn kein Interesse mehr da ist, wenn kaum noch Hörer einschalten, wenn junge oder jüngere Deutsche sich nicht verpflichten lassen wollen, an jedem Wochenende eine Sendung zu moderieren, und das auch noch kostenlos, dann ist es wohl Zeit, das Licht im Sendestudio auszumachen. Doch was sehr, sehr bedauerlich ist, ist die Tatsache, dass einfach Schluß ist und nichts von der reichen deutschen und deutschsprachigen Rundfunkgeschichte in Amerika dokumentiert wurde. Die USA sind ein Land der Immigranten. Jeder, egal woher er kam, brachte etwas mit in diesen Multikulti Hexenkessel. Die Medien der Zuwanderer dokumentierten genau das. Der Einfluss und die Bedeutung der ethnischen Medien wurde einfach übersehen von “Mainstream America”. Die Sendungen wurden so gut wie nie aufgezeichnet, es gab keine Hörerbefragungen, keine Analysen, keine wissenschaftlichen Untersuchungen. Schade, denn damit geht ein wichtiger Teil der amerikanischen Geschichte für immer verloren.

Hier eine kürzlich aktualisierte Liste der noch ausgestrahlten Radioprogramme in den USA (Quelle Kent Williams, November 2012):

New York:
German Hit Parade
Monday, 8:00 – 9:00 pm ET
Wednesday, 8:00 – 9:00 pm ET
Thursday, 4:00 – 5:00 am ET
WHPC 90.3 FM (New York City-Garden City)
Uwe Riggers
German Hour
Sunday, 10:00 – 11:00 am ET
WKNY 1490 AM (Kingston)
Hans Safer
German Radio Program (Federation of German-American Societies)
Saturday, 2:00 – 4:30 pm ET
WGMC 90.1 FM (Rochester)
George Hoffmann
The German Show
Sunday, 4:00 – 5:00 pm ET
WXRL 1300AM (Buffalo)
Herman Endres Jr.

Pennsylvania:
The German Austrian Show
Sunday, 9:00 – 9:30 am ET
WGPA 1100 AM (Bethlehem)
Bud Williams
German American Program
Sunday, 10:00 am – 12:00 pm ET
WNWR 1540 AM (Philadelphia)
German Hour
Sunday, 4:00 pm – 5:00 pm ET
WPIT 730 AM (Pittsburgh)
Heino Coelle

Ohio:
German Radio Hour
Saturday, 8:00 – 9:00 pm ET
WCPN 90.3 FM (Cleveland)
Joe Wendel
Lustige Musikanten German Program
Sunday, 10:00 am – 12:00 pm ET
WCSB 89.3 FM (Cleveland)
Joe Wendell & Ruth Kleine Marino
German Variety Show
Sunday, 1:00 pm – 2:00 pm ET
WDLW 1380AM (Cleveland)
George Jerjev
German Musical Variety Show
Sunday, 2pm – 3pm ET
1330 WELW AM (Cleveland)
Judy Wehner-Moran
German Radio Program
Tuesday 6-9pm ET
Sundays 4 – 5pm ET
WKTX -AM 830 (Youngstown)
Herb Haller & Hilde Kobetitsch
German-American Show
Sunday, 9:00 am – 11:00 am ET
WCWA 1230AM (Toledo)
WIOT 104.7FM (Toledo)
Tim Pecsenye & Jack Renz
German Tunes of the Queen City
Wednesday, 5:00 – 8:00 pm ET
WAIF 88.3 FM (Cincinnati)
Dieter Waldowski & Gebhard Erler
Over the Rhine Showcase
Sunday, 2:00 – 6:00 pm ET
WOBO 88.7 FM (Cincinnati)
Jim King
Wolf’s International Musica
Wolfgang’s Musikalische Kammer
Wednesday, 1:00 -3:00 pm ET
WVQC 95.7FM (Cincinnati)
Wolfgang Grossmann

Indiana:
German Music Hour
Sunday, 4:00 – 5:00 pm ET
WICR 88.7 FM (Indianapolis)
Manfred Witt

Illinois:
Deutschland Echo
Saturday, 9:00 – 11:00 am CT
Sunday, 9:00 – 11:00 am CT
WNWI 1080 AM (Chicago)
Armin Homann

Wisconsin:
Heimatecho
Saturday, 8:00 – 9:00 am CT
WJYI-AM JOY1340 (Milwaukee)
Bob Ziegenbein
Continental Showcase
Saturday, 1:00 – 4:30 pm CT
WJYI-AM JOY1340 (Milwaukee)
Robert Deglau
Bethany Lutheran Church Service (in German)
Saturday, 4:30 – 5:00 pm CT
WJYI-AM JOY1340 (Milwaukee)
Eberhard Klatt
German Music Program
Monday-Friday, 4:30 – 5:00 pm CT
WTKM-FM 104.9 (Hartford)
Hallo Deutschland
Sunday, 9:00 – 10:00 pm CT
WTKM-FM 104.9 (Hartford)
Bob Zigenbein

Missouri:
German Talk Radio
Sunday, 2:00 – 3:00 pm CT
WEW 770 AM (St. Louis)
John McKinistry
German Hit Parade
Sunday, 2:30 – 5:00 pm CT
WGNU 920 AM (St. Louis)
Alfred Goerlich

Virginia:
Gemuetlichkeit
Saturday, 1:00 – 2:00 pm ET
WKGM 940AM (Norfolk)
Inge Fischer-White

Florida:
Deutsche Funksendung / German Radio Show
GRS (Tampa – Online only at: germanradioshow.com)
Susanne Nielsen
German Interlude
Sunday, 5:15 – 6:00 pm ET
WPIO 89.3 FM (Titusville)
Ruth Mlodzianowski

Texas:
German Radio Texas Style (since 1953)
GRTS (New Braunfels/San Antonio – Online only at: nbgermanmusic.com)

Colorado:
Musical Greetings From Germany
Sunday, 12:00 – 3:00 pm MST
GRTVD (Denver – Online only at: www.grtvd.com)
Gunter Auerbach

Nevada:
Las Vegas German Show
Sunday, 9:00 – 11:00 am PT
KLAV AM 1230 (Las Vegas)
Silvia Brunn

California:
Excelsior German Radio Show
Sunday, 10:00 – 11:30 am PT
AM 1400 KVTO (San Francisco)
Marie Hoffmann & Anthony Schaller

Radio Goethe (syndicated)
Arndt Peltner

 

 

Dec

18

2012

Ich glaub’ es hackt

Veröffentlicht von peltner in der Kategorie Gesellschaft, Kultur, Radio, Recht, USA | 1 Kommentar

In Newtown, Connecticut werden die Opfer des Amoklaufes beerdigt und in weiten Teilen der USA überlegt die Waffenlobby, wie sie mit diesem neuen Massaker umgehen soll. 20 ermordete Kleinkinder sind dann wohl doch etwas viel, um die Debatte über verschärfte Waffengesetze in den USA einfach mal schnell abzuwürgen. Doch auch dieser Amoklauf verlangsamt nicht das Interesse an den Schießeisen in den USA. Die Gun Stores sind überfüllt, die Gun Shows mehr als gut besucht. Noch schnell ein Sturmgewehr einkaufen, ein paar weitere Glocks besorgen und vor allem Munition bunkern, bevor der Sozialist im Weißen Haus mit seinem Waffenverbot durchkommt. Das ist dann wohl der Ruf nach den Milizen, von denen die Gründerväter der Vereinigten Staaten gesprochen haben. Wegen Obama und seiner Politik gebe es das Grundrecht auf Waffenbesitz, so die schießwütigen Amerikaner in einschlägigen Online Foren.

Aber auch dieses jüngste Massaker stört  einige nicht, mit krassen Argumenten die Diskussion anzuheizen. Einige Politiker, vor allem aus den Südstaaten, fordern, dass Lehrer von nun an bewaffnet zur Schule gehen sollten. Eine Tat, wie die von Newtown, wäre nicht geschehen, wenn die Direktorin der Schule eine Knarre im Büro gehabt und sofort reagiert hätte. Bumm, Bumm….Amokläufer durchlöchert. Klar, die Logik ist ganz in Wild West Manier.

Auch der Polizeichef von St. Louis fordert die Bewaffnung der Lehrer. Ein deutliches Zeichen an Schwachmaten, die ein Massaker verüben wollen. Am besten noch ein leuchtendrotes Schild am Schulhauseingang: Achtung hier wird zurück geballert. Die konservative Rechte in den USA sieht sich zur Zeit in die Ecke gedrängt. Ein Teil fordert die freie Vergabe von Schußwaffen, nur so könnten Gemetzel verhindert werden, andere, wie der Talk-Show-König Rush Limbaugh sieht die Debatte um strengere Waffenkontrollen als einen klaren Angriff auf die amerikanische Verfassung. Er sprach in seiner Radiosendung von einem vorgeschobenen Grund, um die politische Bibel der Rechten auszuhöhlen. Erst falle das zweite Grundrecht, dann kämen andere dran, auf dem Weg eine sozialistische Agenda in den USA zu verwirklichen…..da kann man nur zu sagen, Rush Limbaugh spinnt, auch wenn ihm pro Woche rund 20 Millionen Amerikaner zuhören.

Interessanterweise hat sich der Medienmogul und FOXNews Besitzer Rupert Murdoch, der mittlerweile Amerikaner geworden ist, für strengere Waffengesetze in den USA ausgesprochen. Aber damit kann es nicht weit her sein, auf seinem Kabelkanal FOXNews wird auch weiterhin das vermeintliche Grundrecht auf Waffenbesitz und die Angst vor einer Weltregierung geschürt.

 

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