Die Christliche Rechte steht zu Trump

Im Wahlkampf 2008 reiste ich in den „Bible Belt“, um dort christlich-konservative Radiosender zu besuchen. Ich wollte wissen, wie sie sich damals im Wahlkampf positionierten. Nach acht Jahren George W. Bush war der Kandidat Mitt Romney auf der republikanischen Seite nicht unumstritten und relativ spät setzte sich Barack Obama gegen Hillary Clinton durch. Und Clinton war das rote Tuch für die Christliche Rechte im Land. Seitdem verfolge ich, was Organisationen, wie „American Family Radio“ und die dazugehörige Association verbreiten. 2016 im Wahlkampf griff ich das Thema erneut auf, denn was mich verwunderte, war, dass die Christliche Rechte sich für Donald Trump einsetzte. Jenen Kandidaten, der mehrfach geschieden war, der eigentlich so gar nicht in das Bild eines „christlichen“ Kandidaten passte:

Fundamentalismus in den USA     

Donald Trump wurde Präsident auch und vor allem durch die Unterstützung der Fundamentalisten in den USA. Und die stehen nach wie vor zu ihm, verteidigen jeden seiner Schritte und auch jeden seiner Fehltritte. Wie auch heute wieder. Täglich wird mir der Rundbrief vom „OneNewsNow News Desk“ der „American Family Association“ zugeschickt. Und in aktuellen Ausgabe geht der Autor Michael Brown auf Trumps Tweets ein, dass doch die vier Abgeordneten der Demokraten, Ayanna Pressley (Mass.), Rashida Tlaib (Mich.), Alexandria Ocasio-Cortez (N.Y.) und Ilhan Omar (Minn.), in die Länder zurückgehen sollten, aus denen sie gekommen sind. Die vier Frauen sind alle „women of color“, drei von ihnen wurden in den USA geboren, eine, Ilhan Omar, kam als Kind mit ihrer Familie aus dem Bürgerkriegsgebiet in Somalia und wurde als Teenager eingebürgert.

Die Tweets und die Kommentare dazu von Donald Trump sind durchaus rassistisch einzustufen. Die Mehrheit der Kommentatoren sieht das so, die Demokraten sehen das so. Bei den Republikanern sieht das schon anders aus. Senator Lindsay Graham sagte zwar auf „Fox and Friends“, der Morgensendung auf FoxNews, dass Trump sowas nicht sagen sollte, aber die Angesprochenen seien ja eh „Kommunisten“ und hassten Israel und die Vereinigten Staaten von Amerika.

Auch die Christliche Rechte verteidigt den Präsidenten. Zwar seien die Tweets „inkorrekt“ gewesen, so Michael Brown im „OneNewsNow“ Rundbrief, da ja drei der Abgeordneten von Geburt an Amerikanerinnen seien. Auch seien sie „unangebracht“, da ja Trump der Präsident aller Amerikaner sei. Doch, so Brown, habe Trump ja nicht einfach gesagt, die vier sollten sich vom Acker machen und dort bleiben „wo sie herkamen“. Nein, Brown betont, der Präsident habe ja geschrieben, wenn sie diese Länder auf Vordermann gebracht haben, könnten sie ja wieder zurück kommen und zeigen, wie sie das gemacht haben. Und so etwas würde kein Rassist sagen, so der Kolumnist Michael Brown. („…a racist would not say, „Then come back here once you help fix these other countries.“) Wenn man das nun weiterspinnt, dann vertritt Brown hier tatsächlich die These, dass Donald Trump nur vorgeschlagen habe, dass die vier Abgeordneten der Demokraten quasi eine Lehrzeit in Somalia, Palästina, Puerto Rico, USA – die Herkunftsländer ihrer Familien (!) – absolvieren und mit ihren Erfahrungen dann die US Regierung beraten sollten.

Das nenne ich dann schon eine leichte Verdrehung der eigentlichen Aussage von Präsident Donald Trump. Aber, die Christliche Rechte muss ja den man weiterhin unterstützen, den sie in Amt und Würden gehoben hat, den sie als Retter von „God’s Country“ ansieht. Ich bin nun mal so richtig gespannt auf weitere Verzwirbelungsargumente im kommenden Wahlkampf, denn egal was Trump auch sagt, wen er auch beleidigt, was er auch verdreht, die fundamentalistischen Christen in den USA finden eine Erklärung.

Wunderbar Together

Während im Weißen Haus jemand sitzt, der einen mehr als kontroversen „America First“ Kurs fährt und damit nicht nur im eigenen Land viele Amerika Freunde vor den Kopf stößt, versucht man im Ausland zu verstehen, wie man am besten auf diese neuen Zeiten reagiert. Deutschland versucht da mit einer Projektreihe gegenzusteuern. „Wunderbar Together“ ist der Versuch, vielen in Amerika deutlich zu machen oder sie vielmehr daran zu erinnern, wie eng die Freundschaft, Verbundenheit, Partnerschaft zwischen den USA und Deutschland ist.

Das Auswärtige Amt hat dafür ein Deutschlandjahr in den Vereinigten Staaten ausgerufen. Überall im Land wird daran erinnert, was uns verbindet. Viel Geld wird in diesen 12 Monaten ausgegeben und die Projekte reichen von gemeinsamen Festen über Ausstellungen, Konzerte, Konferenzen bis hin zu Radiosendungen mit Musikthemen, wie ich sie derzeit produziere.

Den Anfang macht eine Sendung über „American Forces Network“, AFN. Der Sender der amerikanischen Streitkräfte war für viele in Deutschland sehr prägend. Die Musik, die gespielt wurde, war anders als das, was wir auf den öffentlich-rechtlichen Frequenzen zu hören bekamen. Rock, Blues, Jazz, Country, Funk und R&B, AFN überzeugte durch eine ganz andere Musikauswahl. Auch die DJs moderierten anders, lockerer, als ihre deutschen Kollegen auf den damals noch steifen ARD-Kanälen. Und über die zahlreichen lokalen AFN-Stationen in Deutschland konnte man auch sein Englisch etwas aufpolieren. Ich hörte damals in den 80ern viel AFN-Nuremberg, der aus dem „Bavarian American Hotel“ gegenüber vom Hauptbahnhof sendete. In meinen Jahren bei Radio Gong Nürnberg konnte ich erst über den Umzug von Nürnberg nach Fürth berichten und später dann, beim Abzug der US Army aus dem Großraum Nürnberg, die Verlegung von AFN nach Vilseck. Dort wurde AFN-Nuremberg schließlich zu AFN-Bavaria. Ein wichtiges Kapitel in der mittelfränkischen Radiogeschichte wurde damit beendet.

AFN war (und ist) ein Sender für das US Militär. Doch „American Forces Network“ hatte eine riesige „Shadow Audience“ – Germans. Und darum geht es in dieser Sendung, den Einfluss dieser Radiostation und ihrer vielen Shows und DJs auf eine dankbare deutsche Hörgemeinschaft.

Und hier kann man die Sendung hören:

„Wunderbar Together – AFN and it’s huge impact on Germany“

Einem Heiligen zuhören

Jahrzehntelang war die John Coltrane Church Teil des Fillmore Distrikts von San Francisco, einem einstigen afroamerikanischen Zentrum in der “City by the Bay”, in dem der Jazz und der Blues gefeiert wurde. Davon ist nicht mehr viel übrig geblieben. Auch die Kirche selbst verlor vor ein paar Jahren das Dach über dem Kopf. Die Gentrifizierung verändert alles in der Stadt. Die John Coltrane Church hat mittlerweile neue Räume gefunden, teilt sich nun ein Kirchengebäude mit der St. Cyprian’s Episcopal Church auf Turk Street.

In der Western Addition ist nun das neue Zuhause der John Coltrane Church, zwar nur einige Blocks von dem früheren Standort entfernt, aber hier kommen nicht zufällig Spaziergänger vorbei, neugierig, was die Jazz Klänge zu bedeuten haben. Aber aufgeben stand nie zur Debatte. Das spürt man gleich, wenn man Pastorin Wanika Stephens und den Aktiven in der Gemeinde begegnet. Vor nunmehr 50 Jahren entstand diese einzigartige kleine Kirchengemeinde, die es nur in San Francisco gibt. Für Pastorin Wanika Stephens gehört die Kirche und San Francisco einfach zusammen. Hier war der Summer of Love, hier in der Bay Area wurde die Black Panther Partei gegründet. John Coltrane, Billy Holiday, Miles Davis, Thelonious Monk, Duke Ellington kamen hierher. Es macht also Sinn, dass die Coltrane Church genau von hier kommt.“

An einem Sonntagmittag mit etwas Verspätung beginnt um 12:45 Uhr der Gottesdienst in der John Coltrane Church. Etwa 50 Menschen sind gekommen. Alt und jung, weiß, schwarz, farbig, einige sind zum erste Mal hier, andere kommen seit Jahren. Es ist eine äußerst entspannte Atmosphäre, jeder lächelt hier jeden an. Was sie alle verbindet ist die Musik von John Coltrane, der schon von CD eingespielt wird, als man vorne in der Kirche noch Bilder des Musikers aufhängt, einen kleinen Altar schmückt. Es fällt der Begriff “Baptized in sound” in Anlehnung an die Taufe mit geweihtem Wasser, wird man hier mit dem Klangbild John Coltranes in die Glaubensfamilie aufgenommen. Es war durch diese “Klang Taufe”, die unsere Gründer Bischof King und Mutter Marina 1965 in einem Jazz Workshop in San Francisco erlebten. Sie sahen damals einen Auftritt von John Coltrane und waren total gebannt von der Musik und dem, was sie in dieser Nacht erlebten.“

In einem Jazzclub hätten die beiden den Heiligen Geist durch die Musik erfahren, heisst es auf der Webseite der Gemeinde. Nachdem John Coltrane im Juli 1967 im Alter von gerade mal 40 Jahren verstarb, kam man zu regelmäßigen Hörtreffen mit Freunden zusammen. Und hier spürte man erneut die Kraft von Coltranes Musik und Wort und gründete den Yardbird Tempel. Man orientierte sich an Coltrane, war aktiv mit der Black Panther Party verbunden, organisierte auf den Straßen den Kampf für soziale Gleichheit mit. Mitte der 80er Jahre sprach die “African Orthodox Church” John Coltrane heilig. Der Tempel wurde in “Saint John Will-I-Am Coltrane African Orthodox Church” umbenannt.

Die Gläubigen werden zum Mitspielen eingeladen.

An diesem Sonntag findet zuerst eine Meditation statt. “A love Supreme”, Coltranes Meisterwerk wird gespielt. Ich bin wohl der einzige, der nicht die Augen schließt und die Musik wirken lässt. Für mich ist die Musik von John Coltrane wie beten“, meint Wanika Stephens. „Ich spüre, wie die Musik zu mir spricht, sie erlaubt mir, mich zu öffnen, empfangbar für das zu sein, was der Geist Gottes mir sagen will. Denn genau das ist, was Beten bedeutet. Es ist eine Öffnung des Herzens.“

Nach “A love supreme” stehen viele der Anwesenden auf, teilen mit den anderen, was die Musik für sie bedeutet, in ihnen ausgelöst hat. Danach werden all jene eingeladen nach vorne zu kommen, die ein Instrument mitgebracht haben. Gemeinsam wird die Kirche zum Jazzraum. Für Wanika Stephens ist die „Message“ eine einfache. Wer hierher kommt, soll erfüllter nach Hause gehen können. Ich möchte, dass sie hierher kommen, suchend und findend und glücklich von hier weggehen. Dass sie ein Stück weit dem näher kommen, das Gefühl haben eine Antwort bekommen zu haben.“

Die John Coltrane Church wurde einmal von der New York Times, als hippste Kirche überhaupt bezeichnet. Nach dreieinhalb Stunden Gottesdienst der etwas anderen Art und viel Jazz kann man dem durchaus nur zustimmen. Die Türen der kleinen Gemeinde stehen sonntags für jeden offen. Auch für Besucher aus Deutschland. Und wer schon einmal vorhören möchte. Jeden Dienstag von 12-4pm PST sendet die John Coltrane Church auf KPOO in San Francisco und weltweit im Internet.

Der Beginn von „American Forces Network“

Schon im September 1942 war der Führung im US Militär klar, dass etwas getan werden muss. Die eigenen Soldaten waren unmotiviert, „low GI morale“ hieß es, nachdem eine Befragung ausgewertet worden war. Die Camps der Soldaten waren überfüllt, es gab kaum Freizeit und der Krieg ging gerade erst so richtig los.

AFN Headquarters in Riverside.

Die USO versuchte zwar die Soldaten mit Auftritten abzulenken, auch strahlte die BBC am Wochenende 30 Minuten amerikanische Musik und fünf Minuten Sportnachrichten aus der Heimat für die GIs in England aus, aber all das langte nicht. General Eisenhower wies deshalb seine Leute an, etwas zu finden, was den Soldaten ein Stück weit Heimat im Einsatz liefern könnte. Die Idee für „American Forces Network“ war geboren.

Um 5:45 Uhr morgens am Independence Day, dem 4. Juli 1943,  wurde zuallererst die Nationalhymne auf AFN ausgestrahlt. Lokal produzierte Sendungen mit den bezeichneden Namen „The Duffel Bag Show“, „Combined Operation“ und „Your Town“ gingen on-air. AFN wurde über Nacht zum Hit für die amerikanischen Soldaten.

Mit dem Gewinn des Krieges kamen die Radiomacher in Uniform auch nach Deutschland. Sie übernahmen zum Teil die Reichssender, nutzten die vorhandende Technik für ihr Unterhaltungsprogramm, berichteten aber auch, was im besetzten Deutschland passierte. Hier zwei Fundstücke aus den frühen Jahren der amerikanischen Besatzung, AFN-Berichte von den Kriegsverbrecherprozessen und den Hinrichtungen in Nürnberg:

Prozess     
Hinrichtung     

Im Januar 1950 ging der  lokale AFN Sender „Tower of Power“ im Nürnberger Grand Hotel („Bavarian American Hotel“) auf Sendung. Hörer gab es mit den vielen Kasernen in und um Nürnberg herum genügend. Nachdem die amerikanischen Truppen mit dem Ende des Golfkriegs aus Nürnberg abzogen, wurde AFN Nuremberg zuerst vom Bahnhof in die Fürther Darby Kaserne verlegt, bevor der Sender dann im September 1995 ganz der Nürnberger Region „Auf Wiedersehen“ sagte und fortan aus Vilseck als AFN Bavaria weiter sendete.

AFN prägte über Jahrzehnte die Hörgewohnheiten der Franken, denn es gab ja mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk auch keine große Alternative. Jeder, der wohl in den 60er, 70er und 80er Jahren in Franken aufwuchs, schaltete ein. Jazz, Blues, Country, Funk and Soul, Rock’n Roll, die Amerikaner hatten einfach den Sound, den man im damals Monopol BR nicht hören konnte. Sie prägten auch viele der lokalen Radiomacher, die in den späten 80ern bei den Privatsendern ihre ersten Gehversuche machten. AFN sendete eigentlich nur für die Soldaten, doch hatte eine riesige „Shadow Audience“ in der deutschen Bevölkerung. Erst spät merkte man beim Soldatensender, dass AFN eigentlich auch Kulturbotschafter Amerikas war. Und das sehr erfolgreich. Heute ist das kaum noch vorstellbar, was „American Forces Network“ mit seinem Programm erreicht hat. AFN prägte das durchaus positive Bild Amerikas in Deutschland maßgeblich mit.

Wie soll man mit Trump umgehen?

Jeden Morgen sitze ich hier mit meiner Kaffeetasse, lese mich durch verschiedene deutsche, amerikanische und weitere Nachrichtenseiten und auch, was Donald Trump in den frühen Morgenstunden mal wieder getweetet hat. Und oftmals fahre ich mir beim Lesen dieser offenen Lügen, rassistisch-nationalistischen Tweets und billigen Beleidigungen durch mein ungekämmtes Kopfhaar. Und ich frage mich, wie ich damit umgehen soll?

Ist es meine Aufgabe als Journalist darüber zu berichten, was Donald Trump da im Kurznachrichtendienst verbreitet? Eigentlich ja, denn seine Worte haben Gewicht und führen zu so manchem Beben rund um den Globus. Doch wie kann man über Trump berichten? Anfangs fand ich sein Auftreten unterhaltsam. Ich erinnere mich an die zahlreichen republikanischen Debatten im Wahlkampf 2016 und es war nur eine Frage der Zeit, wann Trump wieder austeilt. „Lying Ted“, „Low energy Jeb“, „Little Mario“, „Crooked Hillary“. Und dann betonte er, dass er ja mit allen befreundet ist.

Doch Trump hat nie mit dem Wahlkampf aufgehört. Auch als gewählter Präsident verkauft er vor allem sein eigenes Image, es muss sich alles um ihn drehen. Twitter hilft ihm dabei. Und weitere Namen sind auch schon gefunden, wie „Crazy Bernie“ oder „Sleepie, Creepy Joe“. Trump teilt über seinen @realdonaldtrump Account gefälschte Videos, offen hetzerische, rassistische und sexistische Artikel, Kommentare und Bilder, verbreitet Lügen und Halbwahrheiten, verdreht Wahrheiten und Fakten und beleidigt Andersdenkende, politische Konkurrenten, Minderheiten, ja, ganze Völker, werden von ihm als Terroristen, Kriminelle, Vergewaltiger und Mörder bezeichnet. Was soll man da tun?

Donald Trump gibt eine Pressekonferenz. Foto: Reuters.

Muss ich als Journalist darüber berichten, Trumps Tweets kopieren und zitieren, also auch die Unwahrheiten und Beleidigungen nennen und damit weiter verbreiten? Oder kann ich das einfach ignorieren, wie Trump das Präsidentenamt neu definiert und demokratische Festen unterminiert? Ich habe keine Antwort darauf, denn was ich auch sehe ist, dass die Leserinnen und Leser dieses Blogs mehr auf Beiträge über Trump klicken, als auf Beiträge über meine Besuche in Flüchtlingslagern, über die Todesstrafe, über Musik oder Kultur. Das zeigt mir, dass wir alle in einem seltsamen Trumpschen Kreislauf sind, wo der amerikanische Präsident den Medienalltag bestimmt. Oft mit wichtigen politischen Entscheidungen, viel öfter noch mit unsinnigen, kindlichen, ja, bescheuerten Tweets. Vieles, über was ich in den letzten zwei Jahren berichtet habe, muss auch von Redaktionsseite unter der Trumpschen Lampe betrachtet werden. Da werden lange vor Trump geplante Ausstellungen über die Mode im Islam oder Kulturschätze Mexikos politisiert. Immer wird irgendwie die Brücke zu Donald Trump geschlagen. Amerika ohne Trump gibt es so gut wie gar nicht mehr in der Arbeit von in den USA lebenden und arbeitenden Journalisten.

Was ich mir wünschte, wäre eine verstärkte Zusammenarbeit mit amerikanischen und internationalen Journalisten in den USA. Gemeinsame Regeln finden, wie man über diesen Mann berichtet, der die Demokratie, die Meinungsfreiheit, die Arbeit von Journalisten unterminiert und gefährdet. Denn man sollte sich immer wieder in Erinnerung rufen, dass Donald Trump die Medien, die ihn nicht speichelleckend hofieren, als „Enemy of the people“ bezeichnet. Als Volksfeinde! Das machen eigentlich nur Diktatoren, die keine Kritik und Widerworte an ihrer Person und ihrem Verhalten zulassen. Der Wahlkampf 2020 läuft sich warm. Es wird schlimm werden, von daher muss man darüber nachdenken und darüber reden, wie man bis zum Wahltag über Donald Trump berichten wird. Denn macht man sich mit der Wiedergabe seiner Worte nicht zum unfreiwilligen Gehilfen seiner möglichen Wiederwahl?

Hinter Rammstein geht’s noch weiter

Eisbrecher ist eine Band, die in den USA auf Metropolis Records veröffentlicht ist. Auf den Streaming Diensten Spotify und Pandora laufen sie rauf und runter. Wer dort Rammstein hören will, kommt um die Zugabe Eisbrecher nicht herum. Es gibt sogar einen Eisbrecher Fanclub in den USA. Doch all das langt nicht aus, um eine Tour in Amerika zu organisieren. Zumindest eine ohne finanziellen Verlust.

Eisbrecher würden ja gerne durch die USA touren. Foto: Eisbrecher.

Es gibt viele Gründe, warum deutsche und vor allem deutschsprachige Bands den Schritt über den großen Teich nicht wagen. Da ist zuallererst die Größe des Landes, eine Tour quer durch die USA macht wenig Sinn, denn die Wege sind lang und zwischen den Küsten muss man ganz gezielt auswählen, wo man spielen will. Es gibt zwar interessante College Towns im Mittleren Westen, aber dennoch, es bleibt ein Risiko als fremdsprachige Band zu touren. Auf regulären Rockradiosendern kommen diese Bands kaum vor, es sei denn man schaltet Spartensendungen ein, wie ich eine seit 23 Jahren produziere. Auch von offizieller Seite kann man da wenig Unterstützung erwarten. Das Goethe-Institut macht meist einen grossen Bogen um härtere deutsche Klänge mit deutschen Texten. Lange Zeit wurde noch nicht einmal über Rammstein gesprochen, obwohl das der Zugang schlechthin zu jungen Deutschlernenden war. Auf amerikanischer Seite legt man nicht viel Wert auf einen aktiven Kulturaustausch. Visa werden nicht oder zum Teil verspätet ausgestellt, was die Planung einer Tour erschwert. Das ist schon seit langem so, doch mit der Trump-Administration wurde die Situation noch einmal verschärft.

Rammstein haben gezeigt, dass deutschsprachige Bands durchaus eine Chance in den USA und Kanada haben. Um die Jahrtausendwende gab es Online-Foren und Fanseiten für Bands wie Oomph!, Megaherz, Stahlhammer u.a. auf denen sich NDH-Fans über Musik, Texte und Sound austauschten und danach auch über deutsche Kultur, Filme, Politik diskutierten. Rammstein stießen die Tür weit auf, das Interesse war da, doch von Seiten der deutschen Plattenindustrie und auch der deutschen Kulturprofis wurde nichts nachgeschoben. Ein großes Versagen.

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Nun kämpfen die Bands wieder alleine für sich, was nicht einfach ist von Deutschland aus. Einige, wie Eisbrecher, haben ein Label, doch viele der US Labels sind zu klein, um eine größere Tour eigenhändig zu stemmen. Auch Megaherz würde gerne durch die USA touren und versuchen Kontakte aufzubauen. Die Münchner hatten viele Jahre einen sehr aktiven Fanclub in den USA, die vor Rammstein Konzerten sogar Flyer an die R+ Fans verteilten, um sie wissen zu lassen, dass es hinter dem Rammstein Horizont noch weitere gute, deutschsprachige Bands zu entdecken gibt.

Von den Online-Foren und den Fanseiten ist nicht mehr viel geblieben, teils verschwanden sie ganz, teils wurden sie seit Jahren nicht mehr aktualisiert. Eisbrecherfans in den USA und Kanada haben sich auf Facebook zusammen getan, auch in der Hoffnung, die Band davon überzeugen zu können, dass es hier drüben eine Nachfrage nach ihrem Sound gibt. Doch Sänger Alex Wesselsky hat nun in einem RG-Interview erneut klar gestellt, dass es vorerst wohl keine Konzerte in Übersee geben wird.

Eisbrecher Interview     

 

Vinyl Liebhaber Festtag

Die letzten Langspielplatten, die ich mir besorgt habe sind die Box „The Complete Commodore Jazz Recordings Volume 1“, die Wiederveröffentlichung der „Star Band De Dakar“, Galya Bisengalieva, Aidan Baker, LCC und schließlich noch historische Aufnahmen „Into the storm – the coming of war 1939“. Vinyl hat noch immer einen Platz in meiner Sammlung und vor allem in meinem Ohr.

Und nun wirft der diesjährige Record Store Day am 13. April schon seine Schatten voraus. Die Liste mit den Sonderauflagen für den Tag werden am 28. Februar veröffentlicht und klar ist auch, dass Pearl Jam als offizielle Record Store Day Botschafter fungieren werden. Und die Mannen um Eddie Vedder passen richtig gut, denn Pearl Jam haben immer schon Vinyl Veröffentlichungen unterstützt und sind, wie sie selbst sagen, Fans der klassischen Plattenläden.

Klar, es gibt Kritiker, die sagen, der ganze internationale Record Store Day sei zu einem kommerziellen Event verkommen. Das kann man stehen lassen, aber muss dennoch erkennen, dass viele Musikliebhaber an diesem Tag ausziehen, um die einzelnen Plattenläden in ihrer Nachbarschaft und ihrer Stadt zu erkunden. Meist ist die Stimmung gut, auch wenn man in den Warteschlangen vor den Läden steht. Es wird sich ausgetauscht, was man in diesem Jahr sucht und klar, da sind auch Profis darunter, die nur einkaufen, um gleich danach mit einem Aufschlag auf irgendeiner Online-Plattform wieder zu verkaufen. Und dennoch, der Record Store Day ist was besonderes. Ich stehe nicht um 6 Uhr morgens in der Schlange, um die absoluten Raritäten zu ergattern. Ich besuche lieber an dem Tag einige Plattenläden, in die ich nicht so oft komme. Mir macht es einfach Spass, durch die vielen Kisten mit speziellen Veröffentlichungen zu suchen und dann auch noch anderes in den Stores zu finden. Es gibt was für Sammler, aber auch für einfache Vinyl-Begeisterte, wie mich.

Musik ist ein wichtiger Teil meines täglichen Lebens. Nicht nur für die Sendungen, die ich produziere und moderiere. Nicht nur für die musikalischen Untermalungen und Betonungen in Beiträgen und Features. Musik ist einfach da und mein Geschmack hat sich über die Jahre gewandelt, ich würde sagen erweitert. Da sind noch immer zeitlose Platten, die mich seit nunmehr fast 40 Jahren begleiten, aber da ist auch viel neues hinzu gekommen, mit dem ich früher so gar nichts anfangen konnte. Ambient, Avantgarde und Drone, dazu viel ethnische Musik, vor allem aus dem Nahen Osten und Afrika. Musik ist nicht nur ein wunderbarer, faszinierender und tiefer Klangschatz, es sind auch die vielen Geschichten, die mit den Liedern, den Melodien, den Texten, der Entstehung verbunden sind.

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Community Radio – abseits des Mainstream

Heute ist es mal wieder so weit. Eine weitere Live-Sendung auf dem Community Sender KKUP in San Jose steht an. KKUP wird im Mai 47 Jahre alt, das heißt, 47 Jahre an Radioprogrammen, die nicht kommerziell sind, von Ehrenamtlichen moderiert und produziert werden, es keine Werbung gibt, der Sender vielmehr durch die Spenden der Hörerinnen und Hörer finanziert wird.

Das ist möglich und es macht einfach Spaß, mit einer Tasche voller CDs die gute Stunde von Oakland nach San Jose zu fahren, um Musik zu spielen, die man sonst wohl auf keiner anderen Station hören kann. Einige, die mich und meinen Musikgeschmack kennen werden sagen, das ist wohl auch gut so, dass man das nicht auf anderen Sendern hört, aber heute habe ich Lust auf eine elektronische Show zwischen Klaus Schulze, Bernd Kistenmacher, Adalbert von Deyen und so einiger wiederveröffentlichter Perlen auf Bureau-B Records. Und für diesen Sound gibt es durchaus viele Fans, gerade auch in der San Francisco Bay Area.

KKUP sendet im Großraum San Jose. Das Programm lässt sich bis runter nach Monterey, im Silicon Valley und hoch bis Oakland und South San Francisco hören, also ein riesiges Sendegebiet. Und ich werde von 15-17 Uhr (PST) „on-air“ sein, um den Sonntagnachmittag mit einer besonderen Musikmischung zu beschallen.

Community Radio in den USA ist etwas Besonderes. Es ist ein wichtiger Teil des öffentlichen Rundfunks. Neben den NPR, den Pacifica und College Stationen, gibt es da auch noch diese Sender, die aus der Community heraus gewachsen sind, von der Community unterstützt werden und für die Community senden. Und da ist wirklich alles dabei, von Klassik bis Country, von Weltmusik bis Punk. Das Angebot ist grenzen- und genrelos und genau darauf kommt es an. Radio ohne Format, ohne einengende Playlist eines Musikchefs. Zu hören ist, was eben zu hören ist, was ein Moderator oder DJ eben an diesem Tag und für seine Show auswählt. Zu hören sind die vielen Stimmen der Menschen, die um uns herum leben, mit ihrem Hintergrund, ihrem Wissen, ihren Besonderheiten. Von daher, einfach mal reinhören, vielleicht heute Nachmittag/heute Nacht….von 00:00 – 2 Uhr deutscher Zeit KKUP einschalten.

Lieder erkennen

Vor kurzem durfte ich mal wieder bei KKUP on-air gehen, um an einem Sonntagnachmittag für offene und interessierte Hörerinnen und Hörer im Großraum San Jose meine Musikmischung zu spielen. Das reichte von Sirom und Dirtmusic, über Studio Shap Shap und Senyawa und den Shiny Gnomes, bis hin zu Dolphin Midwives, Einstürzende Neubauten und Mika Vainio.

Einige dieser Platten und CDs sind nicht gerade bekannt, schon gar nicht in den USA. Und dennoch hat das neue Playlisten-System „Spinitron“ alle meiner Songs erkannt. Früher musste man Titel, Band und Länge selbst eingeben, nun wird der Song schon kurz nach den ersten Tönen automatisch registriert und in die Playlisten des Senders eingefügt. Ich war begeistert. Zuvor noch dachte ich, bei meiner eher internationalen und teils ausgefallenen Musikauswahl müsste ich viel selbst eingeben, aber es kam ganz anders. Spinitron erkannte sowohl die Musik aus dem Niger, wie auch einen Song auf einer limitierten Auflage eines finnischen Soundtüftlers.

Ich bin ja nicht gerade der große Kenner solcher technischer Entwicklungen, aber dennoch frage ich mich, wie das möglich sein kann, dass ein Musikerkennungssystem für College-, Community- und Bildungssender all die Aufnahmen richtig erkennt und registriert, die noch nicht einmal in den USA erhältlich sind und zum Teil gar nicht richtig erschienen sind? Für mich war es faszinierend mit jedem Song zu beobachten, wie lange das System braucht, um die Lieder zu erfassen. Grandios!

Puntland Patrioten und ein Radiosender

Ich komme ja aus einem Land, in dem der Patriotismus groß geschrieben wird. Und erst recht in diesen „America First“ Zeiten, in denen ein Kulturkrieg um Fahne und Nationalhymne entfacht ist. In denen ein Präsident ein Amerika in höchsten Tönen beschreibt, das es nie gegeben hat. Egal, Patriotismus gehört zu Amerika dazu wie das  vielzitierte Amen in der Kirche.

Und nun bin ich hier in Puntland. Bewaffnete Soldaten und Polizisten sieht man überall im Stadtgebiet von Garowe, der Haupststadt der autonomen Republik. Und wenn ich unterwegs bin, d.h. kurze Strecken zu Interviews fahre, dann habe ich gleich mehrere von ihnen an meiner Seite. Sie stehen dann vor dem Gebäude und „sichern“ die Gegend ab. Vor wem und vor was ist mir nicht ganz klar.

Zwei der Interviews heute waren mit Ministern der puntländischen Regierung. Und beide erklärten, Puntland sei „one hundred percent secure“, also quasi bombensicher. Puntland habe sich hervorragend in den letzten paar Jahren entwickelt, mehrmals fiel sogar das Wort „paradise“. Ja, Puntland hat sich entwickelt, seitdem ich vor ein paar Jahren zum ersten Mal hier war. Und ja, die Region könnte paradisisch sein, wenn ich nur an die langen Sandstrände und das klare Meerwasser denke, doch zum Paradies gehört wohl mehr dazu als nur ein netter angedachter „Beach Day“ am längsten Strand von Afrika.

Am späten Nachmittag dann ein Besuch an der „Puntland State University“, eine von drei Universitäten in Garowe. 1800 Studierende sind hier eingeschrieben, meist in den Fächern Sozialwissenschaften und Business. Auch ein paar Ingenieure werden hier ausgebildet, obwohl das Land gerade die für den Aufbau einer funktionierenden Infrastruktur mehr als benötigt. Einige, die das studieren, werden sogar in GIZ Projekten (Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit) im Land miteinbezogen. Es gibt also einen Bedarf und eine Zukunft für lokale Ingenieure in Puntland.

Besuch bei PSU Radio in Garowe, Puntland.

Auch eher unterbesetzt ist der Medienzweig der PSU. Journalismus wird noch nicht als eigener Beruf gesehen. Und doch, es gibt einen eigenen Radiosender an der Uni – PSU Radio. Ein Tagesprogramm zu aktuellen Fragen. Von Nachrichten hält man sich fern, spricht aber on-air über Korruption, Umweltprobleme, Klimawandel, soziale Fragen. Auch Rückkehrer von Tariib kommen zu Wort, um junge Leute, die mit der Idee der langen Reise nach Europa spielen, davon zu überzeugen, dass sie nicht gehen, hier bleiben, an der Zukunft im eigenen Land mitarbeiten. Kannst Du uns mit einem Sender in Deutschland verbinden? Die Frage kommt unvorbereitet, aber es wäre nicht das erste Mal, dass ich ein Uniradio mit einer Station in Deutschland verbinde. Zuletzt war es ein Sender aus dem ostkongolesischen Goma mit einer Station in Berlin.

Und die Idee gefällt mir, dass junge Radiomacher aus Puntland Hörerinnen und Hörer in Deutschland finden. Eine kleine Radiobrücke könnte zu einem spannenden Kulturprojekt werden. Radio ist so einfach und doch so wichtig. Gerade die Community Sender, die handgemacht, direkt, manchmal holprig sind, aber eben nicht begradigt wuden in ihrem Klangbild. Multikulturelle Programme neben Fremdsprachensendungen, Musik weit abseits der Charts und alles mit einem lokalen Ton. Der Besuch bei PSU Radio hat dieser Reise nach Puntland einen schönen Abschluss gegeben.