Zupf die Saiten, Dieter!

Dieter Bornschlegel ist ein Ausnahmegitarrist. In den 70er Jahren spielte er mit Guru Guru und Atlantis. Seitdem zupft er alleine seine Songs. Ich habe ihn durch sein Projekt “Dein Schatten” kennengelernt, bei dem er der “Neuen Deutschen Härte” seinen eigenen Stempel aufdrückte. Und das kam richtig gut an, sowohl in den USA und Kanada wie auch in Russland. Wenn “Dein Schatten” im Programm von “Radio Goethe” lief, folgten Rückmeldungen und Fragen “wer ist das?”.

Doch auch das ist schon ein paar Jahre her. Dieter Bornschlegel ist aber Musiker durch und durch und kann es einfach nicht lassen. Er besticht durch seine ganz eigene Art und Weise Gitarre zu spielen. Seinem Spiel zu folgen ist beeindruckend, man fragt sich, zumindest ich als Laie, wie er das macht. Leider bin ich Anfang März nicht vor Ort, aber ich hoffe, die Löwenbar in der Fürther Gustavstraße wird am kommenden Donnerstag, den 5. März, brechend voll sein, wenn Dieter Bornschlegel die Gitarre auf seinen Schoß legt.

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Der Tag des Radios

World Radio Day 2015.

World Radio Day 2015.

Wie oft habe ich das schon gehört: das Radio ist tot! Das kann eigentlich nur jemand sagen, der sich lediglich die lokale, regionale und vielleicht auch noch die nationale Radiolandschaft ansieht und anhört. Es stimmt, es wird kaum noch investiert in den lokalen Hörfunkjournalismus, die Ausbildungsziele sinken, die Musikberieselung aus einer sehr eng gefassten Rotation nimmt zu, und selbst die öffentlich-rechtlichen Sender, einst Bastionen für Information und Anspruch, schließen sich dem Zeitgeist an: Unterhaltung über alles. Die Umstellung von BR-Klassik auf Puls Jugendradio ist meines Erachtens auch ein deutliches Zeichen in diese Richtung.

Vor 30 Jahren begann mit großem Elan der private Rundfunk in Bayern. Im Nürnberger Großraum gab es einige Sender, die kamen und gingen, am Ende wurde das Funkhaus gegründet, ein Zusammenschluß von vier Privatsendern: Radio F, Radio Gong, Radio N1 und Radio Charivari. Ein paar Jahre war ich auch dabei, im Rückblick wohl die schönen Jahre des Lokalfunks, denn einiges war journalistisch möglich und auch gewollt, von dem man heute nur noch träumen kann. Von daher kann ich gut verstehen, dass einige meinen, Radio sei so überflüssig geworden wie der berühmte umfallende Sack Reis im Hafen von Shanghai.

Sendeplakat der Deutschen Welle zum Standort Kigali, Ruanda.

Sendeplakat der Deutschen Welle zum Standort Kigali, Ruanda.

Doch Radio ist viel mehr als nur Berieselung und Bespaßung. Ich hatte das Glück, Radio auch in anderen Teilen der Welt kennenzulernen, hier in den USA, in Afrika, in Afghanistan. Und natürlich gibt es überall die gleiche Entwicklung. Unterhaltung ohne Ende, Moderatoren, die dem Hörer auf dem Schoß sitzen und mir schon morgens um halb sieben sagen, wie toll doch der Tag sei. Grottenschreckliche Comedy, die mit Lachern unterlegt wird, damit man erahnen kann, wann eigentlich gelacht werden sollte. Das ist weit verbreitet.

Dennoch glaube ich an das Radio. Hier in den USA sind es die vielen Community und Collegesender, die Piratenradios, die den demokratischen Grundansatz verteidigen. Hier hört man Programme, Musik, Meinungen, die anders sind, die ehrlich sind, die aus einer ganz anderen Perspektive kommen. Ja, Minderheitenradio wird zum Einschaltfaktor. Und das alles hat sich neben dem riesigen Moloch des kommerziellen Rundfunks in den USA entwickeln und etablieren können und dürfen.

In afrikanischen Ländern wie Ruanda, dem Kongo, Uganda, Burundi, dem Tschad ist es schwer diese Form von “offenen” Kanälen zu verwirklichen. Der Staat schaut genau hin, was gesendet wird, reglementiert, verbietet, läßt abschalten. Dort ist die Rolle von Auslandssendern, wie der Deutschen Welle, mehr als wichtig, um so neutrale Informationen und durchaus auch kritische Berichterstattungen zu verbreiten. Viele Menschen in Afrika schalten ein, Untersuchungen besagen sogar, dass 75 Prozent der Bevölkerung in Entwicklungsländern Zugang zum Radio hat. Das schafft kein Fernsehen, keine Zeitung, kein Onlinedienst. Radio war, ist und bleibt wichtig.

Doch am 29. März wird die Sendeanlage der Deutschen Welle in der ruandischen Hauptstadt Kigali abgeschaltet. Über diese Sendemasten verbreitete der deutsche Auslandssender seit Jahrzehnten seine Programme in Afrika über Kurzwelle. Der Staat Ruanda wollte das weitläufige Areal zurück haben, bebauen und verlängerte daher nicht mehr die Verträge, die 1963 unterschrieben wurden. Die Deutsche Welle erklärte, man wolle in Zukunft mehr auf Partnerschaften mit UKW Stationen in den verschiedenen Ländern und Smartphone-Apps setzen. “Hier erreichen wir einen stetig wachsenden Hörerkreis in Afrika”, meinte ein Sprecher der DW. Doch das ist ein fataler Irrtum, denn mit UKW Sendern und Apps macht man sich abhängig von anderen, die letztendlich die Kontrolle über die Sendungen des deutschen Auslandssenders haben.

Am Freitag den 13. Februar ist “World Radio Day“, der internationale Tag des Radios, ausgerufen von der UNESCO. Damit soll auf die hohe Bedeutung des Radios hingewiesen werden, dem wohl nach wie vor wichtigsten Medium. Man muß nun genauer hinschauen und hinter die Grenzen der eigenen Region blicken.

Die Grammys sind wirklich für die Tonne

Zehn Dollar kostet die CD neu bei amazon.com, die nun in der Kategorie “Best Historical Album” ausgezeichnet wurde: Hank Williams “The Garden Spot Programs, 1950″. Nichts gegen Hank Williams, nichts gegen den Preis von 10 Dollar, nichts gegen diese 65 Jahre alten Country Aufnahmen. Die Wahl der Grammy Mitglieder zeigt vielmehr, dass sie entweder keine Ahnung von dem haben, was sie da treiben oder die ganze Wahl ein abgekartetes Spiel ist. Einfach unglaublich!

"Black Europe" fiel bei den Grammys durch.

“Black Europe” fiel bei den Grammys durch.

Warum ich mich so aufrege? Ganz einfach, denn zur Wahl stand auch die wahrscheinlich bedeutendste historische Veröffentlichung, die es je gab, gibt und wohl geben wird. “Black Europe: The Sounds And Images Of Black People In Europe Pre-1927“, veröffentlicht auf dem deutschen Label Bear Family Records. Rainer Lotz, Jeffrey Green und Howard Rye haben an diesem einmaligen Monumentalwerk Jahre gearbeitet, in Archiven und Sammlungen in aller Herren Länder nach Aufnahmen gesucht. Die Produzenten und Musikhistoriker haben auf 44 (!) Cds 1244 Aufnahmen zusammen getragen, das ganze mit reichlich Bild- und Hintergrundmaterial zu jedem Song in zwei gebundenen Büchern ergänzt. Hinzu kam ein Label, das sich überzeugen ließ, solch ein aufwendiges Projekt zu unterstützen und zu finanzieren. Mit “Black Europe” wurden in vielerlei Hinsicht neue Maßstäbe gesetzt, an denen sich zukünftige Boxsets messen lassen müssen.

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Was die Grammy Juroren, die höchstwahrscheinlich gesäßfreundlich im Sessel lieber Justin Timberlake und Jay Z hören als knisternde Recordings aus den Anfangszeiten der Aufnahmetechnik, mit so einer Entscheidung sagen ist ganz klar: Egal was, der Aufwand lohnt sich nicht. Wenn historische Aufnahmen, bei aller Wertschätzung für Hank Williams, bei einer Radioperformanceserie aus den 1950er Jahren aufhören, dann haben da einigen Leutchen in der Jury ihren Job verfehlt.

In den Pop, Rock, HipHop, R&B, eben den verkaufsstarken Genres, gewinnen immer die üblich Verdächtigen. Von daher waren die Grammys in diesen Bereichen immer so absolut unbedeutend für jemanden, der auch nur ein bisschen Ahnung und Interesse an der Musik und ihrer Entwicklung hat. Aber die Entscheidung in diesem Jahr in der Kategorie “historisches Album”…. Ich hätte gerne geschrieben, sie macht mich sprachlos. Aber dem ist nicht so, wie man hier sieht. Ich kann nur hoffen, dass Musiksammler und -historiker, wie Rainer Lotz, und Labels, wie Bear Family, sich von solch einer Klamaukveranstaltung in Los Angeles nicht entmutigen lassen. “Black Europe” ist und bleibt eine einzigartige Klang-, Sprach- und Musiksammlung, deren Wert man überhaupt nicht in Worte fassen kann.

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Eisbrecher im SCHOCK-Interview

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Mützen-Tuch-Tausch. Alexander Wesselsky und Nina Pauler.

Hut-Tuch-Tausch nach dem Interview.

Da kommt die neue Platte von Eisbrecher raus, veröffentlicht in Deutschland und den USA, und ich denke mir, mach mal wieder ein Spezial. Kommt ja nicht so oft vor, dass eine deutschsprachige Band in Übersee Erfolg hat (mal abgesehen von Rammstein). Meine frühere Funkhauskollegin Nina Pauler war mehr als bereit dazu, in ihrer ganz eigenen Art ein weiteres Interview mit Sänger Alex Wesselsky zu führen.

Als ich dann das Ergebnis hörte, dachte ich mir, muß ein sehr netter Nachmittag in Augsburg gewesen sein, aber irgendwie ging es im Gespräch nicht soooo sehr um die Musik oder die neue Platte.

So traurig war das Interview nicht.

Ein Märchen aus 1001 Nacht.

Beide hatten Spaß, das hört man. Sie redeten über vieles, lachten viel, insgesamt ein sehr….ja, lebendiges und unterhaltsames Interview, das man durchaus hören sollte. Von daher hier das gesamte Interview, ungeschnitten und unzensiert (Sorry America, I didn’t edit the F-Bomb).

Das Eisbrecher-Spezial zum neuen Album steht auch und wird lokal im Nürnberger Raum am Sonntag den 25. Januar und am Sonntag den 1. Februar auf afk max ausgestrahlt. Dazu noch so ein paar weitere Dutzend Stationen in Übersee, aber auch in Berlin, Hamburg, Weimar, Göppingen, St. Pölten, Bern, Lodz, Windhoek und, und, und….

Es wird kalt, Amerika!

Das neue Eisbrecher Album wird auch wieder in den USA veröffentlicht werden.

Das neue Eisbrecher Album “Schock” wird auch wieder in den USA veröffentlicht werden.

Nun also die Nummer 6. “Schock” heißt das Album und knallt richtig gut. Eisbrecher holen zum nächsten Schlag aus, der sie weit nach vorne katapultieren soll und auch wird. Kompromisslos und mit Vollgas schiebt sich der Eisbrecher voran.

Ohne Zweifel haben sich die Mannen um Sänger Alex Wesselsky fest in der deutschen Musikszene verankert. Das kann man an den Verkaufszahlen ablesen, das kann man an den begeisterten Fans (Rheinfeier 2014) erkennen, das kann man aber auch erneut auf dieser Platte hören. Das Rad wird hier nicht neu erfunden, vielmehr baut die Band auf den fünf Vorgängeralben auf. Der Sound ist kompakt, direkt und auf die 12. Da wird nicht groß gefrickelt, da wird nicht rumgezaudert, da versucht man nicht sich mit Klangexperimenten neuen Hörerschichten zu öffnen. Wer eine Eisbrecher Platte hört, weiß, was er bekommt. Harte Riffs, treibende Beats, stimmige, ja eingängige Melodien und deutsche Texte, die mit “Hooklines” nur so durchsetzt sind.

Die Band lebt vom charismatischen Sänger Alex Wesselsky, der nicht nur ein begnadeter Vocalist ist, sondern auch ein ganz besonderer Frontmann. Hier überschneiden sich die Spuren von Eisbrecher mit denen von Rammstein. Beide Bands haben einen herausragenden Sänger, der live und im Studio in seinem Element ist. Und wenn man das sagt, vermindert das in keinster Weise die Bedeutung von Noel Pix oder Richard Kruspe in ihren Bands. Ganz im Gegenteil, Eisbrecher zeigen auf ihren neuen Album “Schock” das perfekte Zusammenspiel einer Band. Einfach hervorragend!

Rammstein haben vor Jahren den Sprung in die USA gewagt, sich als Vorband von KMFDM durch kleinere Clubs nach oben gespielt. Sie überzeugten die Fans mit ihrem Sänger, ihrer Show, ihrem brettharten Sound und ihren deutschen Texten. Eisbrecher könnte ohne weiteres diesem Beispiel folgen. Sie haben das Zeug und vor allem die Songs dafür. Seit über 18 Jahren ist “Radio Goethe” on-air in den USA und Kanada. Die Rückmeldungen, die ich von Hörerinnen und Hörern bekomme, bestätigt genau das; deutsche Texte sind international kein Bremsklotz mehr.

Auch die neue Platte wird Ende Januar auf Metropolis Records in “God’s Country” veröffentlicht. Die Möglichkeiten für Eisbrecher sind unbegrenzt im Land jenseits des großen Wassers. Ein “Schock” wäre es nur, wenn der Eisbrecher lediglich im Heimathafen vertaut bliebe. Deshalb mal hier und klar gesagt: Es wird kalt, Amerika!

So sollte Mittelerde klingen

Zum zehnten Mal schlagen nun die Power Metaller von Blind Guardian zu. “Beyond The Red Mirror” heißt das neue Album, das Ende Januar in die Plattenregale und die Downloadplattformen zwischen Flensburg und Garmisch, zwischen Oakland und Nagasaki kommen wird. Es ist erneut ein brachiales und gewaltiges Meisterwerk. Hier wird das Rad nicht neu erfunden, vielmehr liefern die Krefelder ein durch und durch geniales Album in bekannter Manier ab.

Die neue Platte der Krefelder Band Blind Guardian wird weltweit ihre Fans finden.

Die neue Platte der Krefelder Speed und Power Metal Band Blind Guardian wird weltweit ihre Fans finden.

Mit “The Ninth Wave” wird pompös zum Dröhnland gerufen. Chorklänge eröffnen die Scheibe, treibende Beats, harte Riffs und dazu dieser typische Blind Guardian Gesangspart runden dieses perfekt produzierte Album ab. Gleich drei Chöre und zwei Sinfonieorchester wurden für das Album angeheuert. Mit dieser musikalischen Breitseite tritt der Hörer, die Hörerin wieder in eine unbekannte Dimension, wo sich – ganz in Tolkien Manier – Götter, Tyrannen und Helden die Dinge um die Ohren knallen. “Beyond The Red Mirror” macht da weiter wo 2010 “At The Edge Of Time” die Fans begeistert zurückgelassen hat.

Blind Guardian gehören weltweit zu den erfolgreichsten deutschen Musikexporten. Mehr als zweieinhalb Millionen verkaufter Alben, ausverkaufte Tourneen in den USA, Asien und Europa belegen den Stellenwert der Band. Ich höre mir nun schon zum zigten Male die Platte an und bin begeistert. Wenn ich Luftgitarre spielen könnte, mir die nichtvorhandene Matte vom Kopf schütteln, die Pommesgabel dem Rockolymp entgegen recken wollte, dieses Album wäre wie gemacht dafür. Es knallt gut, genau das richtige für einen drögen Sonnntagnachmittag in Kalifornien. Und wenn “Beyond The Red Mirror” der Soundtrack des Hobbitfilmes gewesen wäre, dann, ja dann, hätte ich durchaus die Endlosschlachten in der Tolkienverfilmung genossen. Denn Blind Guardians Mucke ist wie gemacht für Mittelerde.

Eisbrecher Vollkurs voraus

Eisbrecher feierte die Rheinfeier auf der "MS RheinEnergie".

Eisbrecher feierte die Rheinfeier auf der “MS RheinEnergie”.

Eine Rheinfahrt die ist lustig. Seit 18 Jahren produziere ich “Radio Goethe”, seit dem Beginn der Band Eisbrecher laufen die Mannen um Käpt’n Alex regelmäßig im Programm. Damals als Alex Wesselsky bei Megaherz ausstieg, gab er mir kurz danach eine CD mit den ersten Hörbeispielen seines und Noel Pix’ neuem Projekt in die Hand. Es war anders, elektronischer, doch vor allem vielversprechend. Und mit Eisbrecher blühte Alex auf, realisierte vieles, was mit Megaherz musikalisch nicht umgesetzt werden konnte. Das erlebte man am gestrigen Samstagabend erneut beim Jahresabschlußkonzert auf der “MS RheinEnergie”.

Fast 1100 Fans und geladene Gäste waren an Bord, als der Kölner Dom rechts liegen gelassen wurde und die Motoren des Schiffes angeschmissen wurden. Es ging flussaufwärts. Die Zuschauer erlebten ein außergewöhnliches, ja, ein einmaliges Konzert. Draußen zog das Ufer vorbei, innen kochte der Saal mit den besten Songs aus 11 Jahren Eisbrecher. Sänger Alex war der perfekte Unterhalter, Moderator und Anheizer. Die wenigen neuen Gesichter im Publikum wurden fast persönlich in der Eisbrecher Familie willkommen geheißen.

Im Januar wird nun das neue Album “Schock” erscheinen. Zwei Songs daraus präsentierte die Band am Samstagabend. Und wieder wird auch dieses Album in den USA auf Metropolis Records veröffentlicht werden. Damit sind Eisbrecher eine der wenigen deutschsprachigen Bands, die auch weiterhin auf dem US Markt präsent und erfolgreich sind. Ihr Sound kommt an, die Songs sprechen diese universelle Sprache, die man versteht, egal, ob man den Wortspielen von Alex Wesselsky folgen kann oder auch nicht.

Nach dem Konzert erhielt ich noch eine kleine Extra-Zugabe, als Alex erfuhr, dass ich nun die doppelte Staatsbügerschaft besitze. Er setzte – mit Hand auf dem Herzen – zum Singen der amerikanischen Hymne an. Ein besonderes Ständchen zu später Nachtstunde. Persönlich und ganz und gar nicht politisch gemeint. Danke Alex!

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Zwei der Großen in der kleinen Stadt

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Mona Mur und En Esch am Freitag in Fürth.

Nicht allzu viele deutsche Musiker sind den amerikanischen Musikfans ein Begriff. Doch einige haben durchaus einen Namen. Dazu gehören Mona Mur, die in den Anfangsjahren mit den Einstürzenden Neubauten spielte, viele Soloprojekte verwirklichte, eine begehrte Muskerin für Videospielproduktionen und Soundtracks ist und jüngst mit FM Einheit kollaborierte. Und En Esch, ehemaliger Gitarrist und Sänger der legendären Industrialband KMFDM, der gerade die Arbeiten an seiner neuesten Soloplatte fertig gestellt hat.

Beide arbeiten schon seit ein paar Jahren zusammen, tourten in aller Herren Länder und nun stehen auch ein paar Konzerte in Deutschland an, eines davon am Freitag den 19. Dezember um 20 Uhr in Fürth. Im “Kopf und Kragen”, kannte ich bislang auch nicht, musste ich auch erst raussuchen, wo genau das ist… Aber es lohnt sich auf alle Fälle, denn Mona Mur und En Esch laufen regelmäßig mit ihren Alben und den vielen Nebenprojekten im Programm von Radio Goethe. Jüngst erst gab es ein kleines Spezial über die beiden, das man hier hören kann:

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“Kopf und Kragen”, in der Ottostr. 27, Hinterhof EG in Fürth.

 

 

Eine einzigartige Klangreise um die Welt

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Sammlung traditionelle Musik der Unesco, nun veröffentlicht bei Smithsonian Folkways Recordings.

Sammlung traditionelle Musik der UNESCO, nun neu und digital veröffentlicht bei Smithsonian Folkways Recordings.

Trommeln, Wasserplätschern, ein Singsang. Man hört Wassertrommeln aus Kamerun. Feldaufnahmen, die aus der Sammlung traditioneller Musik der UNESCO stammen. Nichts ist beschönigt, bereinigt oder aufgearbeitet. Es klingt so, als wenn man daneben sitzen würde. Irgendwo in Afrika. Solche und viele andere Aufnahmen wurden von der UNESCO seit den 50er Jahren zusammen getragen.

2004 verschickte die UNESCO eine Rundmail, in der es hieß, die Plattenfirma, die bislang diese umfangreiche Sammlung auf Schallplatten herausgebracht habe, mache mit diesen Veröffentlichungen im digitalen CD- und mp3-Zeitalter keine Gewinne mehr. Niemand wollte wohl mehr eine LP mit Regengesängen der Aboriginals aus dem Herzen Australiens kaufen.

Diese Mail kam auch auf den Schreibtisch von Atesh Sonneborn, der beim Smithsonian Folkways Plattenlabel in Washington DC für die Programmarbeit zuständig ist. Folkways Records ist eine alte Plattenfirma, die 1948 von Moses Asch gegründet wurde. Bis zu seinem Tod 1986 wurden 2168 Alben veröffentlicht. Ethnische und zeitgenössische Musik aus aller Welt, Literatur- und historische Aufnahmen, Dokumentationen, Soundplatten und allerlei andere teils seltsame “Recordings”. Nach dem Tod von Moses Asch stifteten die Erben diese umfangreiche Klang- und Musiksammlung dem Smithsonian Institut für kulturelles Erbe. Einzige Bedingung: Alle Aufnahmen müssen auch weiterhin einer interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Smithsonian dürfe sich nicht nur die Rosinen aus dem Kuchen picken, wie z. B. die Aufnahmen von Folksänger Woody Guthrie. Ein Deal, der noch heute besteht. Folkways Records wurde Smithsonian Folkways Recordings.

Das Resultat dieser Kooperation zwischen dem Plattenlabel und der Weltkulturorganisation ist ein Monumentalwerk. Zehn Jahre dauerte es für das Label, um überhaupt alle Rechte an den Aufnahmen zu klären und zu bekommen. 127 CDs sind projektiert. Bereits seit Ende April werden pro Woche und ein Jahr lang zwei Platten als CD und Download veröffentlicht. Man kann alles erwerben oder ganz gezielt nach Land und Regionen auswählen. Der Stapel CDs vor mir gleicht einer klanglichen Weltreise. An manchen Orten will man mehr verweilen, ausruhen, eintauchen. Andere hingegen will der Hörer schnell wieder verlassen. Doch das hängt vom persönlichen Geschmack ab. In dieser Sammlung geht es an und um die musikalischen Wurzeln. Hier kann man der Seele von Volksgruppen und, ja, der gesamten Menschheit näherkommen. Es ist Musik, die fast vergessen schien, die lange Jahre nicht mehr gehört wurde. Und wahrscheinlich auch davor nur von Wenigen. Es ist wie eine Jukebox der Menschheit. In 127 CDs um die Welt.

Manches in der Unesco Musiksammlung ist eingängig, anderes eher sperrig. Hier hört man nichts, was auch nur annähernd den Weg in die Hitparaden und Charts der westlichen Welt geschafft hat. Es ist“Roots”-Musik, die Grundlage der Weltmusik. Aus Indien, Afghanistan, Russland, Jemen, Kurdistan und vielen, vielen anderen Ländern.

Das Label Smithsonian Folkways hofft mit dieser Neuauflage der Unesco Musiksammlung auf Käufer vieler ethnischer Gruppen in den USA und anderswo, die fernab der eigenen Heimat mehr über ihre Wurzeln erfahren wollen. Mit dieser Reihe werden Grenzen überschritten; geographisch, musikalisch, spielerisch. Man dreht den Erdball, hört hin und erkennt: Musik ist die einzige globale Sprache.

Wer verdient an der Musik?

Per App in der Spotify Musikbibliothek.

Per App in der Spotify Musikbibliothek.

Die Sängerin Taylor Swift hat nun ihre Musik aus den Streaming Angeboten wie Spotify zurück gezogen. Sie sagt, andere verdienen da mit ihren Songs. Das sagt eine Musikerin, die gut im Geschäft ist. Spotify reagierte, Firmenchef Daniel Ek erklärte , man habe allein im letzten Jahr eine Milliarde Dollar an die Musikindustrie überwiesen. Wenn die Plattenfirmen das nicht weitergeben würden, läge das Problem dort und nicht bei Spotify. Mal schnell den Schwarzen Peter weiter gereicht. Schon vor einiger Zeit hatte sich auch Purple Schulz von den Streaming Diensten verabschiedet. Es bringe nichts, meinte er auf seiner facebook Seite. Seine Fans erreicht er vielmehr direkt in sozialen Netzwerken oder in Konzerten.

Tatsache ist, dass von dem Musik-Streaming Minimalstbeträge bei den Musikern und Bands ankommen. Andere werden damit reich. Das sieht man derzeit auch hier in der San Francisco Bay Area. Tim Westergren ist der Gründer von Pandora, einem der großen Streaming Services. Und er hat sich gerade ein riesiges Estate in Inverness, Marin County, geleistet. Das wurde auch nur bekannt, weil er derzeit mit den Behörden in West-Marin und den Anwohnern in der Point Reyes Region im Klinsch liegt. Westergren will größere Anbauten durchführen, was nicht jedem gerade gefällt. Der Pandora Gründer wurde mit seinem Streaming Dienst sehr reich, das zeigt er jetzt mal so nebenbei.

Streaming Dienst Pandora wurde zum Erfolg.

Streaming Dienst Pandora wurde zum Erfolg.

Nein, es geht hier nicht um Neid, Tim Westerberg oder auch Daniel Ek sollen verdienen was sie wollen, besitzen was sie können. Aber es geht darum, dass man diesen Erfolg nicht auf dem Rücken anderer macht und wenn, dann sollte man fair dafür bezahlen. Und das machen sowohl Spotify wie auch Pandora nicht. Die Münchner Band Eisbrecher ist in den USA auf Metropolis Records veröffentlicht. Wenn man auf Pandora “Rammstein Radio” wählt, dann ist fast jedes dritte, vierte Lied eines von Eisbrecher. Was die Band damit verdient sei einmal dahingestellt, bislang jedenfalls können sich Eisbrecher keine USA Tournee leisten.

Ja, es hängt viel davon ab, wie die Konsumenten, die Hörer heute Musik nutzen. Die Zeiten sind lange vorbei, als ich als Jugendlicher durch die Nürnberger Plattenläden stöberte, auf der Suche nach Bands, die ich auf AFN, Bayern 3 oder bei Freunden gehört hatte. Das ging vom Radio Adler zum Francoise in der Breiten Gasse, da war der Phonac, der Musik Shop, der Goofy. Auch Hertie, Kaufhof und Karstadt hatten Plattenabteilungen. Dann kam der WOM und dann der Müller und dann machte irgendwann ein Laden nach dem anderen dicht. Spotify und Pandora machen es heute einfach. Einfach für den Kunden. Doch dabei wird vergessen, dass Musik nicht nur ein Konsumgeschäft ist. Die mp3 Tauschbörsen, youtube, iTunes und all die anderen legalen und illegalen Plattenformen haben das Geschäft schon verwässert. Mit Plattenverkäufen verdienen heute nur noch die wenigsten Bands und Musiker etwas. Die Streaming Dienste sind so etwas wie Leichenfledderer. Der Patient ist schon tot, man verschachert nur noch das, was übrig geblieben ist und verdient damit “gutes” Geld. Was danach noch übrig bleibt, wird sich zeigen. Ich glaube, nicht mehr viel.