„Battleground Korea“ – so klingt Krieg

„Thank you dear god for victory in Korea“ singt Jimmie Osborne. Ein Lied aus dem Jahr 1950, das heute wohl kaum noch jemand kennt. Es ist eines von über 100 Country-, Blues-, Pop- und Gospel-Titel, die Bear Family Records für die Box „Battleground Korea – Songs and Sounds of America’s forgotten war“ zusammen getragen hat. Darunter sind viele obskure Songs, patriotische Lieder, Aufrufe, sich zum Kampf im fernen Korea zu melden. Musiker wie The Louvin Brothers, Fats Domino, Jean Shephard, B.B. King, Gene Autry und Dutzende anderer Künstler werden präsentiert. Umrahmt wird dieser Koreakrieg-Soundtrack von historischen Audioaufnahmen, wie Reden, Radioreportagen, Interviews und „Public Service Announcements“.

Bear Family Records ist mit dieser Box erneut ein Glanzlicht auf dem Plattenmarkt geglückt. Die vier CDs kommen mit einem umfangreichen Buch, in dem nicht nur der dreijährige Kriegsverlauf erklärt wird, sondern auch auf die Musiker, die Songs, das damalige Leben in den USA, der Heimatfront, eingegangen wird. Wie immer hat man sich im Hause Bear Family viel Zeit für diese Veröffentlichung genommen, Berichte, Fakten und viele, viele Bilder zusammen zu getragen.

Auf „Battleground Korea – Songs and Sounds of America’s forgotten war“ wird Geschichte erneut hörbar gemacht. Vor ein paar Jahren veröffentlichte das Label seine große und vielumjubelte Vietnam Krieg Box „Next Stop is Vietnam“. Nun folgt der Fokus auf die militärische Auseinandersetzung, die in den USA ins Vergessen geraten ist, die von vielen kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges offen abgelehnt wurde. Hier in den USA sieht man nur noch wenige Kriegsveteranen mit einer Mütze, einer Jacke oder einem Aufkleber auf dem Auto „Korean War Veteran“. Die Zeitzeugen sterben aus. Und doch, wie die jüngsten politischen Entwicklungen zeigen, der Koreakrieg ist auch nach 65 Jahren Waffenstillstand aktueller denn je. Die Bear Family Box kommt also zur rechten Zeit.

Die Frage ist lediglich, wer damit erreicht werden kann, erreicht werden soll? In einem Zeitalter, in dem minderwertige mp3 Files, soziale Medien, Schlagzeilen und Kurznachrichten den Alltag bestimmen, kann man sich nur wundern, wer sich die Zeit nehmen wird, in diese historische Klangreise einzutauchen, das umfassende Buch zu lesen, die Lieder auf sich wirken zu lassen. Das geht nicht im Schnelldurchlauf, nicht über ein Smartphone, nicht im Vorbeigehen, nicht in einem Tweet. Geschichtsverständnis braucht Zeit, das belegt diese Sammlung.

Es ist der Verdienst dieses kleinen Indie-Labels aus Holste-Oldendorf, immer wieder mit solch umfangreichen, beeindruckenden, wichtigen und historischen Boxen zu überzeugen. Einige davon verkaufen sich sicherlich nicht gut, wie mir Bear Familien Oberhaupt Richard Weize nach der Veröffentlichung von „Beyond Recall“ erklärte,  und dennoch lässt sich das Label nicht von seinem Kurs abbringen. Warum auch, Bear Family Records ist eines der wichtigsten Labels im Veröffentlichen von historischen Boxsets und musikalischem Dokumentieren, gerade im Country und Folk Bereich.

Ich sitze hier an einem sonnigen Samstagmorgen in Oakland in meinem Sessel und höre zu. Reportagen und Lieder, blättere dabei in dem Buch, sehe die vielen Fotos. Es ist bewegend, macht nachdenklich, die Koreakrieg Box ist lebendige Geschichte, ein Hörgenuss sondergleichen und mehr als empfehlenswert. Es ist ein wichtiges Zeitdokument in unserer schnelllebigen und viel zu leicht vergessenden Welt.

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Er erklärte UFOs, die „Twilight Zone“ und Big Foot

Der legendäre Radiomoderator Art Bell. Foto: Reuters.

Art Bell ist tot. Schon am vergangenen Freitag verstarb einer der ganz großen amerikanischen Radiomacher im Alter von 72 Jahren. Art Bell war kein Schreihals, kein politischer Talk Show Moderator, kein „Shock-Jock“. Art Bell war vielmehr der König der Nacht. Mit seiner unverkennbaren sonoren Stimme unterhielt er Woche für Woche Millionen von Zuhörern zu später Nachtstunde. Zwischen 1989 und 2003 täglich, danach noch weiter an Wochenenden ließ Bell die Hörerinnen und Hörer zu Wort kommen. In der Hochzeit von „Coast to Coast“ wurde die Sendung auf rund 400 Stationen im ganzen Land ausgestrahlt.

Wer in den 1990er Jahren nachts durch die USA fuhr, kam an dieser einmaligen Radioshow nicht vorbei. Mitten aus dem Nirgendwo in Nevada sendete Art Bell, schaltete seine Hörer zu, lud „Fachleute“ ein, die über alles sprachen, was es da draussen gab und nicht erklärbar erschien. Bells Stimme beruhigte in der Nacht, ihm glaubte man, wenn es um Außerirdische, um UFOs, um Kontakte mit Geistern, um grenzwertige Erfahrungen ging. Er lachte nicht über seine Anrufer, auch wenn diese die seltsamsten Geschichten erzählten.

Art Bell fragte nach, gab Hinweise, Denkanstöße. Lange bevor der Begriff „Fake News“ geboren war, wurden Vermutungen, Halbwahrheiten, Erfundenes, ja, Hirngespinste als Tatsachen, als erlebte Erfahrungen dargestellt. Und als Hörer geriet man zumindest ins Zweifeln, ob da nicht doch etwas um uns herum passiert, was man so einfach nicht erklären kann. Das war das Meisterwerk von Art Bell, der unaufgeregt und überzeugend allem nachging. Mitten in der Nacht wurde er zum vertrauensvollen Begleiter für Schlaflose, Reisende durch Zeit und Raum, Zweifler, Überzeugte des paranormalen Lebens. Area 51, die geheime Militärbasis in der Wüste von Nevada, war ein immer wiederkehrendes Thema. Sichtungen von UFOs, Kontakte mit Außerirdischen, spirituelle Grenzerfahrungen, Art Bell konnte mit allem umgehen.

Etliche seiner Hörerinnen und Hörer, Gäste seiner Show konnte ich einmal auf einem UFO-Kongress in San Jose treffen. Eine Frau, die schon mehrmals auf dem Mars war. Ein Doktor, der erklärte kleine Sonden aus Menschen herausoperiert zu haben, die Außerirdische dort eingepflanzt hatten. Kornkreisexperten, Geisterjäger, UFOlogen. Bei meinen Interviews musste ich an Art Bell denken und wie er mit diesen teils unglaublichen Geschichten umging: ernsthaft, nachfragend, interessiert. Und so bekam ich die wohl einzigartigsten Interviews meiner langen Radiojournalistenkarriere. 2003 übergab Art Bell seine nächtliche „Coast to Coast“ Sendung an George Noory. Bell selbst sendete am Wochenende weiter. Bis zuletzt meldete er sich aus der Einsamkeit Nevadas mit seiner Botschaft: The truth is out there!

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So klingt Nürnberg! Das neue Album von Earth Flight

Irgendwo im dichtgedrängelten Prog-Rock Olymp wird gerade ein Plätzchen frei gemacht. Denn was die Götter des Bombastsounds da im Himmel über dem Frankenland hören verzückt nicht nur sie. “Earth Flight” ist eine 2004 in Nürnberg gegründete Band, die nun ihr drittes Album vorlegt.

„Riverdragons & Elephant Dreams“ heißt die neue Platte der Nürnberger Band „Earth Flight“, die am 20. April erscheint.

“Riverdragons & Elephant Dreams” ist schlichtweg brillant, irgendwo zwischen „Marillion“ und „Porcupine Tree“ anzusiedeln. Und das sagt schon viel über die Qualität und den Sound aus. “Earth Flight” klingen dabei nicht wie eine Lokalcombo, die mal eben ihren Heroen nacheifern will. Hier spielt vielmehr eine Band, die problemlos neben den großen Namen bestehen kann. Perfekt produziert, leicht verspielt, doch immer konzentriert auf den eigenen Sound.

Und dann sind da eben diese bewegenden, farbigen Soundflächen, die von “Earth Flight” gekonnt wie Klangkünstler gefüllt werden. Nicht überbordend und zugeschwallt, vielmehr mal zärtlich und schleichend, um dann in einem orgiastischen Kollaps zu enden. So muss Progressive Rock 2018 klingen. Nicht angestaubt und der Vergangenheit zugewandt, sondern selbstbewusst und offen durch die Jahrzehnte des musikalischen Erbes wandelnd. “Riverdragons & Elephant Dreams” ist für mich eine der besten Alben “so far” in diesem Jahr. Die Latte liegt nun ziemlich weit oben!

Radio Goethe Hörer in den USA, Kanada, Polen, Slowenien, Afghanistan, Schweiz, Österreich und Deutschland können sich in den kommenden Wochen auf den „neuen“ fränkischen Sound freuen. Probehören und bestellen kann man das Album auf der Bandcamp Seite der Band. Die Record Release Party findet am kommenden Donnerstag, den 19.4., im MUZ-Club statt.

„Cowboys of Peace“ im Wohnzimmer

Die Mata Hari Bar in der Nürnberger Weißgerbergasse kannte ich bislang nicht. Selbst wenn man die Straße entlang läuft, kann es durchaus sein, dass man diese Kneipe übersieht. Gerade mal 30 Leute passen in den kleinen Schankraum und dann ist die Bude richtig kuschelig voll. Und hier fand das jüngste – ausverkaufte – Konzert der Nürnberger Indie-Heroen Shiny Gnomes statt. Als „Wohnzimmerkonzert“ wurde es angekündigt und das traf es ganz gut.

Mit den Shiny Gnomes auf Tuchfühlung in der Mata Hari Bar. Schlagzeugerin Miss Dooright verschwand etwas hinter dem Pfosten und der Lavalampe.

Die paar Dutzend Freunde und Fans mussten zuerst in die Kneipe, dann kam die Band, schloss die Tür und los ging es. Bassist und Schlagzeugerin, Andreas Rösel und Miss Dooright, blockierten den Ein- und Ausgang, Gitarrist Limo stand daneben und Keyboarder Gazi legte sein unterarmlanges Tasteninstrument auf der Bar ab. Es war alles sehr familiär an diesem Abend. „Falls Ihr Getränke wollt, könnt ihr die auch bei mir bestellen“, meinte Limo.

Der eigenwillige Shiny Gnomes Sound zwischen 60er Beat Music, Country und Independent Rock wurde an diesem Abend gefeiert. Die aktuelle Platte „Searchin‘ for Capitola“ stand im Mittelpunkt, eine brillante, teils psychedelische Neuausrichtung der Band. Doch die vier wandelten auch gekonnt durch die Jahrzehnte der Bandgeschichte und endeten mit „Wild Spells“ von der ersten, 1986 veröffentlichten LP.

Dieses „Wohnzimmerkonzert“ der Shiny Gnomes zeigte, warum sie die wohl wichtigste Band aus dem Nürnberger Raum sind. Die Offenheit der Einflüsse, die internationale Weitsicht, die spielerische Freude machen die Shiny Gnomes auch nach 33 Jahren Bandbestehen zu einem Hörgenuss. Noch immer setzen sie neue Akzente, wie man das auch auf der jüngsten Platte hören kann. Die Gnome haben noch immer nichts von ihrem Glanz verloren. Für mich sowieso nicht, erst vorletzte Woche habe ich die Shiny Gnomes in meiner ersten Live-Sendung auf KKUP im Großraum San Jose gespielt. Sie gehören fest zum Klangbild meiner nun auch schon fast 22jährigen Radio Goethe Geschichte dazu.

Wir werden alle alt

      Feature:
Zehn Jahre nach Nirvanas „Nevermind“

Anfang der 1990er Jahre war ich begeistert von dem Sound, der aus dem Nordwesten der USA nach Deutschland schwappte. Es klang so ganz anders, als die 80er „Hair Bands“ in ihren engen Röhrenhosen mit ihren teils schnulzigen Popballaden. Mudhhoney, Nirvana, TAD, Green River, Soundgarden, Pearl Jam, The Walkabouts, Alice in Chains, The Murder City Devils, Screaming Trees mischten mit einem dreckigen Sound eine Welt im Umbruch auf.

Viel neues entdeckte ich bei einem längeren Aufenthalt in San Francisco, damals spielten all diese Bands in den unzähligen kleinen Clubs der Stadt, oben auf der Haight Street, im Mission Distrikt oder South of Market. Zurück in Nürnberg machte ich meine ersten Radioschritte bei Radio Z. Und immer wieder griff ich zu den Platten, die auf SubPop Records aus Seattle erschienen. Das Label verkörperte den Sound, der als „Grunge“ bekannt wurde.

1988 wurde das Label offiziell von Bruce Pavitt und Jonathan Poneman gegründet, doch schon zuvor war Pavitt in der lokalen Musikszene aktiv und veröffentlichte das Fanzine „Subterranean Pop“. Immer wieder legte er diesem Kassetten von lokalen Bands bei und war auch DJ beim Sender KCMU, heute KEXP. Die Geschichte von SubPop ist eine Erfolgsgeschichte. Ein Independent Label, das es schaffte, viele große Acts aufzubauen, allen voran Nirvana, die mit ihrem „Bleach“ Album auch im Nürnberger „Trust“ vor zwei Dutzend Zuhörern spielten. Mit dem Folgealbum „Nevermind“ wurden Nirvana, Seattle und SubPop weltweit bekannt. Auf einmal blickten alle auf den verregneten Nordwesten der USA mit seinen Holzfällerhemdenbands.

Zehn Jahre nach der Veröffentlichung von „Nevermind“ reiste ich 2004 nach Seattle, um über das was war und wie sich alles mit dem Erfolg des „Grunge“ veränderte zu berichten. Das Feature kann man oben hören. SubPop blieb nach dem zwischenzeitlich stürmischen Zeiten wie es angefangen hatte, konzentrierte sich auf lokale und regionale Bands, auf den Klang, der einfach so anders war und ist: rau, roh, mit Ecken und Kanten. In diesem Jahr nun feiert das Label sein 30jähriges Bestehen. Ich sitze hier, krame meine alten Platten raus, drehe die Musik auf, beschalle die Nachbarn, erinnere mich an viele geniale Konzerte in so manchen versifften Spelunken und denke mir mit einem Lächeln, „boah, ich bin alt geworden!“

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A spin around the world

Vor ein paar Wochen habe ich an dieser Stelle über das neue Dirtmusic Album „Bu Bir Ruya“ geschrieben, davon geschwärmt, es in den höchsten Tönen gelobt. Ein wunderbare Platte, die von Musikern aus den USA, Australien und der Türkei am Bosporus aufgenommen wurde. Hugo Race ist einer von „Dirtmusic“, der umtriebig und kreativ immer wieder neue Kollaborationen in den verschiedensten Ländern sucht und findet.

Mehr duch Zufall habe ich nun sein Gastspiel auf dem „Space Fest“ 2016 in Danzig gefunden. Race war Teil des stets wechselnden „Pure Phase Ensembles„, das sich einmal im Jahr zusammenfindet, oder besser ausgedrükt, sich Jahr für Jahr für dieses Festival neu gründet. Karol Schwarz ist die treibende Kraft hinter diesem Projekt und dem Label Nasiono Records, auf dem MusikerInnen und Musik zu entdecken sind, die man so gar nicht kennt. Nasiono Records ist ein Zusammenschluss von Musikern, Poeten, Grafikern, Videokünstlern und Kulturmanagern, die die lokale und regionale Kunst-, Kultur- und Musikszene um Danzig stärken, fördern, präsentieren wollen. Ein mitreißendes Projekt, wenn man sich nur die verschiedenen Formationen des „Pure Phase Ensembles“ anhört. Eine ganz wunderbare, komplexe, tiefe, weite, gewaltige Klanglandschaft. Lyrics auf Englisch und Polnisch, all das untermalt von diesem entschleunigten, fessenlnden und hochdramatischen Sound.

Polen wird in diesen Zeiten von außen vor allem politisch und kritisch betrachtet. Die Nachrichten von einem Rechtsruck, von einer Beschneidung der Medienfreiheit und der Unabhängigkeit der Justiz machen ihre Runde. Aber dieses Label, diese Musik, die Geschichte dahinter erzählt viel mehr von dem östlichen Nachbarn, der für mich einen Kontinent, einen Ozean und nochmals einen halben Kontinent entfernt liegt. Der Blick hinter die Schlagzeilen auf eine lebendige und umtriebige Underground Szene lohnt sich. Musik verbindet, ist eine gemeinsame Sprache. Nach der Entdeckung dieses Labels bin ich neugierig geworden auf die polnische Musik-, Kunst- und Kulturszene, fernab des medialen Gewitters. Die nächste Musiklieferung aus „Gdansk“ ist bereits auf dem langen Weg nach Kalifornien.

 

Wo beginnt und endet die Fairness?

Fairness in der Berichterstattung. Das ist etwas, was immer wieder diskutiert wird. In den USA, in Deutschland, in der Schweiz, Österreich, Ungarn, Türkei und vielen anderen Ländern. Immer wieder ist das auch mit einem Frontalangriff auf öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten und die Medienfreiheit verbunden.

In den USA gab es über Jahrzehnte eine sogenannte „Fairness Doctrine“, die eine ausgewogene Berichterstattung verlangte. Und das hatte geschichtliche Wurzeln, wie Edward Wasserman, Journalismus-Professor und Dekan an der “Graduate School of Journalism” der “University of California” in Berkeley erklärt. „Gerade in den 1930er Jahren war die Angst groß. Die Leute sahen, was in Europa passierte, wie die Macht des Rundfunks eine politische Fraktion bevorzugte. Sie merkten, wie mit der Ausbreitung der elektronischen Medien auch der öffentliche Einfluss wuchs. Und auf einmal wurde das Manipulationsrisiko der neuen Medien deutlich. Ich denke, daraus kam die Idee, auch wenn es in Amerika, anders als in Europa, keinen staatlich kontrollierten Rundfunk gab. Es gab die Notwendigkeit, eine Ausgewogenheit für die Programme einzuführen.“

Aus dieser Angst vor Propaganda und Demokratie gefährdender Medienmacht wuchs der Gedanke der staatlichen Regulierung der Frequenzen. 1949 erließ die staatliche, doch unabhängige Aufsichtsbehörde “Federal Communication Commission”, kurz FCC, eine sogenannte “Fairness Doctrine”. Damit sollte sichergestellt werden, dass lizensierte Radio- und Fernsehsender Sendeplätze für Themen von öffentlichem Interesse einräumen und über diese kontrovers berichten. Mit der Fairness Doctrine wachte die FCC darüber, dass solche Sendungen “ehrlich, gerecht und ausgewogen” sein müssten, meint Professor Wasserman. „Der Grundgedanke war, dass der Rundfunk und das Fernsehen öffentlich waren und daher die ganze Breite der Meinungen in der Öffentlichkeit widerspiegeln müsse, die so auch von der Öffentlichkeit verlangt wird. Man muss beachten, dass man damals nur eine sehr beschränkte Anzahl von Stationen hatte.“

Die “Fairness Doctrine” galt nur für jene lizensierten Sender, die über terrestrische Frequenzen ausgestrahlt wurden. Für die Radio- und Fernsehkanäle im Kabelangebot, das in den 1950er Jahren eingeführt wurde, galt sie nicht, denn diese Sender brauchten für ihre Programme keine FCC-Lizenz. Auch galt die “Fairness Doctrine” nicht für die Presse. Der Grundgedanke hinter dieser ausgewogenen Meinungsregel war gut gemeint, doch nur schwer durchsetzbar, sagt der Journalismus-Professor Edward Wasserman: „Es braucht nicht lange, um zu realisieren, wie schwierig die Umsetzung dieser Doktrin war. Es gibt nicht nur die zwei Seiten, “wir mögen es” oder “wir mögen es nicht”. Das Problem mit, und auch der Nachteil der “Fairness Doctrine” war, es führte dazu, dass die Sender kaum noch über Themen mit öffentlichem Interesse berichteten, denn so wurde Sendezeit verschenkt, für die sich keine Werbekunden gewinnen ließen.“

Als die “Fairness Doctrine” 1987 unter Präsident Ronald Reagan außer Kraft gesetzt wurde, geschah dies nicht aus politischen, sondern vorrangig aus wirtschaftlichen Gründen. Doch damit wurden die Schleusentore für eine nicht mehr zu kontrollierende Entwicklung geöffnet. Mit dem Aus der Regulierung kam der Aufstieg des meinungsbetonten “Talk Radios”, von vielen auch als “Hate Radio” bezeichnet. Rush Limbaugh, Michael Savage, Sean Hannity, Mark Levin und viele andere tobten, ja, wüteten fortan verbal on-air. Grenzen wurden ihnen kaum noch gesetzt. Im Sommer 1996 ging mit FoxNews ein weiterer Fernsehnachrichtenkanal on-air, der das Nachrichtenbusiness gehörig durcheinander wirbelte. Auch wenn FoxNews von sich behauptet “fair and balanced” zu sein, der Rechtsruck in der Berichterstattung war nicht zu übersehen. FoxNews drückte, so Wasserman, den Medien in den USA trotz relativ geringer Einschaltquoten den eigenen Stempel auf und veränderte die News-Landschaft. „Wenn man sich die Zahlen ansieht, dann ist FoxNews sehr profitabel, aber sie haben keine hohen Zuschauerzahlen. Als ich mir das zuletzt ansah, hatte die populärste FoxNews-Sendung am Abend die gleiche Einschaltquote wie die lokalen Nachrichten des CBS Senders in New York City.

Wäre eine neue “Fairness Doctrine” in den USA nötig, um Mäßigung in den Medien durchzusetzen? Tatsächlich ist die Forderung wieder aufgetaucht – aber unter umgekehrten Vorzeichen: durch Donald Trump, der sich von den Medien, außer von FoxNews, ungerecht behandelt fühlt und mehr positive Beiträge über sich hören und sehen will. Edward Wasserman, Dekan am Journalismus-Lehrstuhl der Uni Berkeley, sieht für eine Neuauflage allerdings keine Chance. „Ich glaube, man kann sie nicht umsetzen. Die Vielfalt der Meinungen würde beschränkt werden. Auch würden die Leute mit viel Geld so eine Leitlinie bis vors Verfassungsgericht bringen und die obersten Richter würden sie sofort kippen. Es gibt heute auch so viele unterschiedliche Kanäle, denken Sie auch ans Internet. Wenn man sich ansieht, woher die Leute heutzutage ihre Informationen bekommen, wie viele Kanäle müsste man überwachen, um sicher zu gehen, dass die “Fairness Doctrine” auch eingehalten wird. Es ist unmöglich, sie hat ausgedient.“

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Heute hat die Welt Geburtstag

Rammstein sind ein weltweites Phänomen, und das schon seit fast 25 Jahren. Die Band aus Berlin spielt in gleicher Besetzung und das ist erstaunlich in diesem Geschäft. Nun gewährt Keyboarder Flake einen Einblick in das Innenleben der Band. Sein zweites Buch „Heute hat die Welt Geburtstag“ ist ein Abriss von einem Tag auf Tour, gespickt mit Anekdoten aus seinem und dem Leben der Band.

Es ist eine enge Gemeinschaft, die als Rammstein die musikalische Welt aufgerollt hat. Erklären kann es eigentlich niemand, dass die sechs Musiker mit ihrem Sound und ihren deutschen Texten rund um den Globus so erfolgreich sind. Lange Zeit wurden sie vom deutschen Feuilleton genauso belächelt wie von den staatlichen Kulturexperten. Ganz wichtige Musikjournalisten warfen ihnen sogar eine Nähe zur Nazi-Ideologie vor, weil Sänger Till Lindemann angeblich das „R“ rolle wie Adolf Hitler es getan haben soll. Das ist natürlich totaler Quatsch. Weder rollt Lindemann das „R“ wie der einstige Führrrrerrr des tausendjährigen Reiches, noch sind Rammstein auch nur in der Nähe der verblendeten Geschichtsverfälscher auszumachen.

Aber zurück zum eigentlichen Thema. Flake hat bereits sein zweites Buch vorgelegt. Nach „Der Tastenficker“ feiert nun also die Welt Geburtstag. Und Flake erzählt witzig und voller Humor vom Alltag in der Band. Flake kommt dabei immer wieder als Schwachmat voller Ängste rüber, er beschreibt sich selbst als das schwache Glied in der Band, der eigentlich nur durch Zufall dabei ist. Aber wenn man zwischen den Zeilen liest, dann merkt man schnell, dass Rammstein eine eingeschworene Gruppe ist, die jeden der Mitglieder braucht, um den Erfolgsweg weiterzugehen. Die sechs Musiker ergänzen sich auf ihre Weise.

„Heute hat die Welt Geburtstag“ ist ein unterhaltsames Buch, bei dem man immer wieder lächeln und lachen muss. Flake ist ein genauer Beobachter, der gekonnt Situationen, auch peinliche oder nicht geplante, beschreiben kann. Das macht das Buch zu einem lebendigen und höchst lesenswerten Bericht. Klar, ich mag die Musik von Rammstein, habe Flake und die anderen schon mehrmals selbst interviewt, zum ersten Mal, als sie eine noch unbekannte Vorband von KMFDM in einem kleinen Club in Palo Alto waren.

Das ist lange her. Rammstein gingen danach konsequent ihren Weg. Sie haben es im Laufe der Jahre geschafft, ganz ungeplant Sprach- und Kulturbotschafter zu werden. Man muss sich nur mal die DVD „Völkerball“ von Rammstein ansehen, um das zu begreifen. Die Band spielt da in Frankreich, England, Japan und Russland und überall singen junge Leute lautstark die wohlgemerkt deutschen Texte der Berliner mit. Als jemand, der seit 22 Jahren in den USA lebt, hier Radio macht und viel mit Hörern in Kontakt ist, weiss ich das sehr zu schätzen, was Rammstein für die deutsche Kultur- und Sprachförderung erreicht haben. Zwar unbeabsichtigt und fernab jeglicher staatlicher Unterstützung, aber deshalb umso willkommener.

Flakes Buch „Heute hat die Welt Geburtstag“ zeigt die sehr menschliche Seite hinter der harten Fassade dieser Band. Erschienen ist das Buch für 20 Euro im S. Fischer Verlag, und ich kann es nur wärmstens empfehlen.

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Die Macht des Kulturbanausen

Der neue Haushaltsplan aus dem Hause Donald Trump liegt vor. Und wie zu erwarten, und wie schon gestern an dieser Stelle berichtet, will der Präsident mehr Dollars fürs Militär ausgeben und viel weniger für notleidende Menschen und Hilfsprogramme in den USA und in Übersee. Der Mann, der mit einem goldenen Löffel im Mund geboren wurde, der von sich selbst sagt, er sei „sehr, sehr reich“, spricht zwar gerne von den „vergessenen Amerikanern“, davon, dass Amerikaner auch „Dreamer“ seien, aber er hält nicht das, was er in seinen Reden und Tweets verspricht. Trump spaltet das Land weiter, politisch, kulturell und sozial.

Vielleicht hat er sein Buch gelesen, das von einem „Ghost Writer“ geschrieben wurde. Foto: Reuters.

Da ist es nicht überraschend, dass Donald Trump auch den Rotstift bei den Kulturausgaben des Staates ansetzt. Die „National Endowment for the Arts“ würde von 150 Millionen Dollar auf 29 Millionen Dollar zusammen gestrichen werden. Die „National Endowment for the Humanities“ erhielte statt 150 Millionen Dollar nur noch 42 Millionen Dollar. Und das „Institute for Museum and Library Services“ bekäme nur noch 23 Millionen Dollar anstelle der 208 Millionen Dollar. Trump ist auch kein Fan des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, er schaut lieber „Fox and Friends“ als Ernie, Bert und ihre Freunde in der Sesamstrasse. Die Ausgaben für die „Corporation for Public Broadcasting“ würde von 408 Millionen Dollar im Jahr auf 15 Millionen Dollar gekürzt werden. All das würde das Aus für diese wichtigen Kulturprogramme bedeuten.

Was das bedeutet ist klar. Donald Trump will die Kulturlandschaft in den USA verändern, wenn nicht sogar in ihrer jetzigen Form ganz abschaffen. Der güldene Donald mit seinen Goldpalästen hält nicht viel von der Kunst und schon gar nicht von der kritischen Kunst. Er versteht nicht, warum man im Twitter-Zeitalter noch Büchereien braucht, warum die Wissenschaft und die Forschung durch den Staat gefördert werden muss. Die Qualität einer Gesellschaft kann man auch daran erkennen, wie sehr sie die Freiheit der Kunst und Kultur, der Forschung, der Medien unterstützt. All das liegt im Trump-Zeitalter auf der Schlachtbank, Donald Trump wetzt bereits das Fleischermesser. Im vergangenen Jahr konnte der Kahlschlag im Kongress noch abgewendet werden. Ob das wieder so passiert muss abgewartet werden.

Es ist nicht nur so, dass wir in Amerika mit Donald Trump einen Präsidenten haben, der militärisch aufrüstet, der die Grenzen dicht macht, der die USA international isoliert, der tagtäglich Stimmung gegen Andersdenkende macht. Donald Trump, das zeigt sich mit seinen Budgetvorschlägen, scheint ein ungebildeter Mann zu sein, der nur seine Weltsicht kennt und zulässt. Und diese alternative Trump-Welt ist leider mehr als beschränkt.

Let’s Make American Radio Great Again

Bear Family Records, das Independent Plattenlabel aus Holste-Oldendorf, hat es mal wieder geschafft. Ich sitze da und grinse wie ein Honigkuchenpferd vor mich hin. Beschwingliche Musik klingt aus dem CD Player, mein rechter Fuss wippt im Takt mit. „At the Louisiana Hayride tonight“ heißt diese 20 Cds umfassende Box, die nicht nur ein wunderbares Kapitel der amerikanischen Radiogeschichte dokumentiert, sondern auch fantastische Musik präsentiert.

Von 1948 bis in 1960er Jahre sendete KWKH aus Shreveport, Louisiana, eine wöchentliche Live-Radiosendung am Samstagabend. Es waren nicht die Topentertainer ihrer Zeit, wie sie die „Grand Old Opry“ in Nashville anzog. Der „Louisiana Hayride“ brachte vielmehr die kommenden Stars, darunter Johnny Cash, Hank Williams, The Stanley Brothers, Johnny Horton, Carl Perkins, Hank Snow, Jim Reeves, George Jones und nicht zu vergessen Elvis Presley und viele, viele mehr. Die Musik wurde als „Folk“ und „Hillbilly“ bezeichnet, das Genre „Country“ war noch nicht bekannt.

Die Aufnahmen auf diesen 20 Cds sind mitreißend, unterhaltsam, voller Energie. Sie stammen aus der Hochzeit des Live-Radios, als aus einem Auditorium in Shreveport die „United States of America“ via CBS beschallt wurden. Samstagabend für Samstagabend wurde der klassische amerikanische Sound vor einem Live-Publikum über den Äther geschickt. Moderationen, kleine Showeinlagen und Witze, kurze Interviews mit neuen Musikern (darunter auch Elvis Presley) beleben diese „Recordings“. Viele der Songs sind bekannt, manche werden wiederentdeckt, viele hört man zum ersten Mal.

Amerika präsentiert sich hier als heile Welt, Shreveport war damals eine boomende Metropole. Es ist auch eine weiße Welt. In dem umfangreichen Begleitbuch zur Geschichte des „Louisiana Hayride“ findet man kein schwarzes Gesicht. Nicht auf der Bühne und nicht im Publikum. Es waren andere Zeiten. Und doch klingt hier das weite Land Amerikas durch, der kulturelle „Melting Pot“, denn viele der musikalischen Einflüsse, gerade aus dem schwarzen Gospel und dem „Rhythm & Blues“, hielten Einzug in den Folk und Country und in die Musik von Elvis Presley.

Seit Stunden sitze ich nun hier und höre die Aufnahmen von „At the Louisiana Hayride tonight“. Ich kann nicht sagen, welcher Song, welcher Künstler mir am besten gefällt. Es ist das Gesamtbild, was hier wirkt. Musiker wie Johnny Cash und Elvis Presley neben für mich ganz unbekannten Künstlern. Das Live, ungefiltert, ungeschönt. Der Sound manchmal dünn und doch ist es so ein breites, klangvolles Hörereignis. Geschichte trifft auf Kultur, Old Time Country auf die Fragen von heute. Und beim Abspielen all dieser Cds denke ich mir, wie schade es ist, dass es diese Art des Live-Radios nicht mehr gibt. Diese Offenheit und Direktheit ging schon lange verloren. Viel zu viel ist heute streng formatiert, kommt aus der Konserve, ist geglättet und begradigt und mit Effekten überzogen worden. Bear Family Records hat hier erneut eine wunderbare Box vorgelegt, die einfach nur begeistert. Die deutlich macht, wie schön das Zuhören sein kann.

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