Gemeinsam gegen die Gewalt

Die Politik in den USA tut nichts gegen die Gewalt auf den Straßen, gegen Massenschießereien und alljährlich Zehntausende von Toten und Verletzten durch Schusswaffen. Das ist die Lehre aus El Paso und Dayton. Doch damit wollen sich viele in den USA nicht mehr abfinden. Es bilden sich Koalitionen, um gemeinsam gegen die ausufernde Gewalt vorzugehen.

Fast die Hälfte der Gemeinde hat die Folgen von Schusswaffengewalt schon selbst erlebt.

The Way“ in Berkeley ist eine afro-amerikanische Kirche, die sich einmischt. Gerade die beiden Führungspersonen Pastor Mike und sein Bruder Ben McBride, beide in San Francisco und Oakland aufgewachsen, halten sich nicht zurück. Am heutigen Sonntag feierten sie einen Gottesdienst, der schlichtweg mitreißend war. Politisch, fordernd, kompromisslos. Es ging um das Thema Waffengewalt in den „black communities“ der USA. An einem Punkt forderte Pastor Mike all jene in der Gemeinde auf nach vorne zu kommen, die Angehörige, Freunde oder Bekannte durch Gewalt verloren haben. Nahezu die Hälfte der Kirchenbesucher stand danach um ihn herum, einige hatten Fotos von Verstorbenen mitgebracht. Man umarmte sich, man legte seinem Nachbarn die Hand auf die Schulter, man betete gemeinsam für ein Ende des sinnlosen Sterbens.

Die McBrides reden und beten nicht einfach nur, sie organisieren auch im ganzen Land. Pastor Mike ist einer der treibenden Kräfte in einem Verbund aus Hunderten von „black churches“ in den USA. Das Ziel ist, sich zu organisieren und gemeinsam gegen die Gewalt anzugehen. So will man politischen Druck ausüben. Mit etlichen Präsidentschaftskandidaten der Demokraten hat man bereits gesprochen, auch mit Präsident Donald Trump will man ins Gespräch kommen. Doch am wichtigsten ist es diesen Kirchenvertretern, dass die Mitglieder der etwas anderen, eher unkonventionellen Gemeinde aktiv werden, sich einmischen, ihre Senatoren und Kongressabgeordnete anschreiben und das Wort Jesus Christus‘ „love your enemy“ vorleben. Es liege an jedem von uns selbst, so McBride, die Gewaltspirale zu durchbrechen.

Es sind hoffnungsvolle Worte an diesem Sonntagmorgen auf der University Avenue in Berkeley. Vielleicht etwas naiv, doch sie sind der richtige Ansatz in diesem Land. Die Veränderung beim Waffenbesitz, das Ende der Gewalt durch Schusswaffen muss aus den Kirchen kommen, von den Gläubigen selbst, die den Schutz eines jeden als die eigentliche „Pro Life“ Frage einfordern. Die Kirchen der Schwarzen in den USA machen es vor. Sie haben zu lange der Gewalt in ihren Stadtteilen zusehen müssen, darauf hoffend, dass etwas passiert. Damit ist nun Schluß. Gemeinsam will man den Druck im ganzen Land erhöhen. Es wird höchste Zeit.

Unglaubliche Stille

Es gibt diese Orte, an denen man einfach bleiben möchte. „Meher Mount“ ist so ein Ort. Über die Sulphur Mountain Road kommt man aus dem Ojai Tal auf diese Anhebung. Die Straße windet sich den Berg hinauf. Hinter jeder Kurve wartet ein neuer Ausblick auf das Valley und den Los Padres National Forrest. Und dann biegt man links in die Einfahrt ein. „Welcome“ steht am Eingang.

Meher Mount ist ein, so heißt es, spiritueller Platz. Einer von vielen in diesem kleinen Tal, das ungewöhnlich von Westen nach Osten reicht. Hierher kam am 2. August 1956 Avatar Meher Baba. Schon in den 40er Jahren suchten seine Anhänger einen Ort, „ein bis zwei Stunden außerhalb einer Großstadt“, so die Vorgabe. Gefunden wurde ein über 200 Hektar großes Gelände, das einzigartig ist. Vor einem der Blick auf den Pazifik mit den Channel Islands, hinter einem erhebt sich Topa Topa, ein Gebirgszug, der bis ans Ojai Valley langt.

Hier oben ist nichts und doch so viel. Ruhe, wirklich absolute Ruhe. Kein Auto ist zu hören, kein Lärm von irgendeinem Laubpuster, kein nerviges Radiogedudel. Nichts. Nur die Vögel zwitschern, manche kreischen, ein paar singen harmonisch. Der Wind streicht durch die Bäume und durch das Gras. Und dann dieser Blick auf dem Meher Mount, direkt vor dem „Baba Tree“, unter dem der Avatar an diesem einen Tag 1956 gesessen hatte. Die Eiche wurde im Thomas Fire im Dezember 2017 fast völlig zerstört und wird nun mit viel Liebe wieder aufgerichtet.

Ein unendlicher Blick. Vor einem das ehemalige Hagman Anwesen, das nun der Scientology „Kirche“ gehört.

Auf einer Bank sitze ich und lasse es einfach wirken. Kalifornien hat einfach wunderbare Orte, wie diesen hier. Das Nachbarhaus ist von hier gut zu sehen und gehörte dem Schauspieler Larry Hagman, bekannt durch seine Rolle des J.R. in Dallas. Vor vielen Jahren war ich einmal dort, traf ihn, sprach mit ihm über seine Arbeit. Er unterstützte viele Projekte in seiner Community Ojai. Das Anwesen wurde nach seinem Tod verkauft. Und die neuen Eigentümer haben eine Festung daraus gemacht. Die Scientology Organisation hat das abgelegene Grundstück erworben und genau hier ein elitäres Behandlungszentrum ihres umstrittenen Narconon Programmes eingerichtet. Bewaffnete Wächter passen auf, dass keiner rein und keiner raus kommt. Doch davon sieht man zum Glück nichts an diesem Ort, nur das Haus, kein freier Blick darauf wird von den Scientologen zugelassen.

Meher Mount ist ein besonderer Ort. Die Ruhe, der Weitblick, die Zeit scheint hier still zu stehen. Irgendwie ist man draussen aus dem, was da weit unter einem passiert und vorbeizieht. Dieser Platz wird Teil einer meiner Geschichten über den spirituellen Ort Ojai, einer kleinen Gemeinde, die viele als ein Zentrum der fließenden Energien, als Vortex sehen, bezeichnen, erfahren. Es ist so eine ganz andere Geschichte, als das, über was ich normalerweise berichte. Aber eine, die sehr nachhallt.

Alabama. Oh, Alabama!

Oh, Alabama!

Im US Bundesstaat Alabama wurde vor wenigen Tagen ein neues Gesetz verabschiedet, dass Abtreibungen selbst nach Vergewaltigungen verbietet. Ärzte, die dennoch einen Schwangerschaftsabbruch durchführen, müssen mit einer langen Gefängnisstrafe rechnen. Damit hat sich Alabama an die Spitze der „Pro Life“ Bewegung in den USA gesetzt. Doch die Washington Post berichtet nun, dass nicht nur der Schutz des Kindes nach einer Vergewaltigung in diesem Bundesstaat wichtig ist, sondern auch das Elternrecht des Vergewaltigers. Alabama ist einer von zwei Bundesstaaten in den USA, die nach wie vor einem „Rapist“ das Vaterrecht zugestehen.

Die Washington Post beschreibt in diesem Artikel den Fall einer jungen Frau, die zu einer Beratungsstelle kam und berichtete, sie sei im Alter von 15 Jahren von ihrem Stiefonkel vergewaltigt und schwanger geworden und habe das Kind entbunden. Der Vergewaltiger, der Vater des Kindes, komme nun nach einer mehrjährigen Haftstrafe wieder auf freiem Fuss und habe bereits Schritte eingeleitet, dass ihm sein Kontaktrecht als Vater eingeräumt wird. Selbst die Beratungsstelle in Alabama war von diesem Sachverhalt überrascht. Nach dem Gesetz in Alabama steht ihm das zu. Nur Minnesota hat ebenfalls solch ein Recht, oder anders ausgedrückt, solch ein Unrecht. In den meisten US Bundesstaaten kann das Recht eines Vaters entzogen werden, manchmal schon beim begründeten Verdacht auf Vergewaltigung, andernfalls nach einer Verurteilung wegen „Rape“.

Zwar hat das Abgeordnetenhaus in Alabama kürzlich einen Gesetzentwurf eingebracht, der dieses Elternrecht von Vergewaltigern beenden sollte, doch das Gesetz wurde nicht verabschiedet. Die besagte Textzeile wurde gestrichen, denn einige Parlamentarier meinten, damit würden Jungen, die vergewaltigt wurden, nicht geschützt, da sie ja nicht schwanger werden könnten. Also lebt man in Alabama lieber weiterhin mit dem Elternrecht des Vergewaltigers.

Abtreibungsgegner wittern ihre Chance

Und nun auch Alabama. Zuvor Kentucky, Iowa, North Dakota und Georgia. In etlichen Bundesstaaten der USA wurden die Abtreibungsgesetze massiv verschärft. Ein Arzt der abtreibt, macht sich so zu einem Kriminellen, der für seinen Eingriff mit einer Gefängnis- und einer hohen Geldstrafe bestraft wird. So bald der Herzschlag des Fötus nachzuweisen ist, darf keine Abtreibung mehr durchgeführt werden, so der neue Gesetzestext. Und der ist oftmals schon nach sechs Wochen nachweisbar, das bedeutet, viele Frauen wissen da noch gar nicht, dass sie schwanger sind.

Die amerikanischen Abtreibungsgegner wittern ihre Chance vor dem höchsten Gerichtshof der USA. Foto: Reuters.

Diese „Heartbeat“ genannten Gesetze sollen auch in weiteren Bundesstaaten von republikanisch kontrollierten Parlamenten verabschiedet werden. Vor Gericht werden sie meist abgewiesen, doch das ist das perfide Ziel der Abtreibungsgegner, die nun ihre Chance wittern. Denn Donald Trump hat das politische Gleichgewicht am höchsten Gerichtshof der USA außer Kraft gesetzt. Die „Pro-Life“ Bewegung will nun endlich wieder ihren Tag vor dem Verfassungsgericht bekommen, um dort mit der neuen konservativen Mehrheit das verhasste Abtreibungsrecht abschaffen zu lassen. Sie klagen also gegen die richterliche Abweisung, bis sie am höchsten Gerichtshof in den USA angekommen sind.

Die Republikaner in zahlreichen Bundesstaaten sind da willige Unterstützer dieser extremen Gesetzeswelle. Denn sie wissen, es geht wieder auf die Kongress-, Senats- und Präsidentenwahlen zu und mit dem emotionalen Thema Abtreibung bringt man die eigene fundamentalistische Basis an die Wahlurnen. Die vor allem Christliche Rechte macht mobil, wittert ihre Chance im vermeintlichen Kampf ums Leben. Donald Trump hat sich schon deutlich positioniert. Er steht auf der Seite der Erzkonservativen, beschreibt sich selbst als der größte „Pro-Life“ Präsident in der Geschichte der USA und kann sich damit sicher sein, die Wählerstimmen der Fundamentalisten zu bekommen. „Ich werde immer das Recht auf Leben verteidigen“, meinte er kürzlich in einer Botschaft an die Christliche Rechte.

Sowieso hat Trump das Thema Abtreibung für sich erkannt. In der Entwicklungshilfe liess er alle Familienplanungsprojekte stoppen, die über Abtreibung informieren oder Abtreibungen durchführen. Nicht nur das, Organisationen, die unter anderem auch über Abtreibungen sprechen oder sie auch anbieten wurden die Gelder gestrichen. Dieser Litmus Test hat fatale, oftmals tödliche Folgen gerade in vielen Ländern Afrikas. Doch das ist den  Abtreibungsgegnern in den USA egal.

Nachdem das außenpolitische Feld nun gewonnen scheint, machen sich die „Pro-Life“ Kämpfer nun an die Innenpolitik. Trump hat mit seiner Richterwahl den Boden bereitet. Amerika erlebt in diesen Monaten einen neuen, heftigen Kulturkampf. Die Wahl 2020 hat damit eine ganz neue Dimension erreicht.

Trump ist Gott

Eigentlich signiert man ja als Autor nur seine eigenen Bücher. Von daher ist es zumindest etwas verwunderlich, dass Donald Trump bei seinem kürzlichen Besuch in Alabama gleich in mehreren Bibeln seine Unterschrift reinkritzelte. Natürlich verteidigten seine Anhänger ihn gleich und erklärten, Trump habe nur das unterschrieben, was ihm hingehalten wurde und nicht signierte Bibel-Kopien unters Volk gebracht. Auch wurde darauf hingewiesen, dass Melania Trump ebenfalls in der Heiligen Schrift unterzeichnete. Ob es das nun besser macht, sei dahingestellt. Aber Trump scheint ja schon seit langem auf einer göttlichen Mission im Land zu sein. Foto: Reuters.

Es war einmal eine kleine Hexe…

Otfried Preusslers kleine Hexe, Hänsel und Gretel und die böse Hexe im Wald und dann noch die „Wicked Witch“ im „Wizard of Oz“. Das waren so die Hexenbilder, mit denen ich aufgewachsen bin, die mein Hexenbild prägten. Warzen, Besen und ein brodelnder Kessel. Doch die Realität der Hexen hat so gar nichts mit diesen Bildern zu tun, wie ich jüngst feststellen konnte. Die San Francisco Bay Area ist ein Zentrum der Hexenbewegung und hier lernte ich weibliche und männliche Hexen kennen.

Am Anfang stand die Webseite des “Covenant of the Goddess”, eines Hexenbundes. Mehr durch Zufall stieß ich darauf und dachte mir, das könnte eine schöne Geschichte für die Religionssendung eines bundesweit ausgestrahlten Radiosenders sein. Ich schrieb an die Email Adresse des Covenant, ob es möglich wäre, ein Interview zu führen und an einem Treffen teilzunehmen. Die Antwort kam, ob ich zu einem Telefoninterview bereit wäre. War ich. An einem Dienstag rief mich eine Vertreterin des „Northern California Chapter“ an und interviewte mich. Warum, weshalb, wieso….Hexen sind etwas zurückhaltend.

Nach einigen Tagen meldete sich „Macha“ bei mir. Sie wäre zu einem Interview bereit und ja, ich könnte bei ihr Zuhause vorbeikommen. Gespannt fuhr ich in die Nord-Bay. In einem unscheinbaren Haus wohnte die Hexe. Für eine Stunde sprachen wir über „Witches“ und Wicca, die Mysterienreligion. „Macha“ berichtete, dass sie sogar regelmäßig als Priesterin im Staatsgefängnis von San Quentin sei, um sich dort mit Angehörigen des Wicca Glaubens auszutauschen und eine Zeremonie zu feiern. Zum Schluss fragte ich, ob Macha auch einen Besen habe. Sie lachte und meinte, ich solle ihr folgen. Und da standen sie, gleich mehrere Besen in der Abstellkammer.

Eine Woche später erhielt ich wieder eine Mail. Don Frew und Anna Korn würden mich gerne kennenlernen. Sie leiten die “Adocentyn Research Library”, eine Bücherei des Paganismus. Ein unscheinbares Haus mit einer Ladenfront in einer Seitenstraße in Albany, einer Kleinstadt gleich neben Berkeley. Nichts deutet darauf hin, dass sich hier eine Bibliothek der etwas anderen Art befindet. Don und Anna warteten schon, sie wirken wie Alt-Hippies, nahmen sich für den Besucher viel Zeit, um über Wicca und das Hexentum zu sprechen. Der “Covenant of the Goddess” sei ein Netzwerk von Hexen, erzählte Don Frew. „Es ist keine Kirche. Gegründet wurde der Covenant 1975, um Hexen dieselben religiösen Rechte und Sicherheiten einzuräumen, wie anderen religiösen Organisationen. Dieser Hexen Verbund hat sich von Kalifornien aus in den gesamten Vereinigten Staaten ausgebreitet.“

Die San Francisco Bay Area ist ein Zentrum dieser spirituellen Bewegung in den USA. Der liberale Geist, die damals noch billigen Mieten, der Aktionismus zog viele in den 1960er und 1970er Jahren ans Golden Gate. Hier lebten, hier arbeiteten sie und trafen Gleichgesinnte. Mit der erstarkenden Frauenbewegung in Berkeley, Oakland und San Francisco entwickelte sich auch die Suche nach der Weiblichkeit im Glauben. Und man fand es in der Natur, der Umwelt, der Mutter Erde, wie der 58jährige Hexer Don Frew erklärt: „Es bedeutet, dass ich daran glaube, dass sich das Göttliche in und durch die natürliche Welt manifestiert. Ja, es gibt eine übernatürliche Gottheit, aber ich fühle mich mehr mit einem Baum verbunden, mit der Sonne über uns, mit diesem Tisch hier. All das drückt das Göttliche aus. Und ich versuche mein Leben in Harmonie damit auszurichten. Meine Rituale damit abzustimmen, mit den Gesichtern des Mondes, mit den Jahreszeiten, mit dem Lauf des Lebens. Das alles ist der Weg hin zu einem harmonischen Leben.“

Auf meine Bitte und mein Drängen doch an einem Treffen teilnehmen zu können, erhielt ich immer wieder Absagen. Einige Mitglieder wären dazu nicht bereit, ich könnte mir stattdessen ein Video ansehen, hieß es. Und dann kam die Einladung zu einem „Spiral Dance“. Nur wenige Meilen von der Pagan-Bücherei entfernt liegt Richmond. Und dort in einem alten Fabrikgelände, direkt an der San Francisco Bay gelegen, trafen sich an einem Samstagabend mehrere Hundert Hexen und Gläubige des Paganismus zu einem “Spiral Dance”, einem Gruppentanz, der Gemeinschaft und Wiedergeburt ausdrücken soll.

Die Einladung kam von Starhawk, der Organisatorin dieses Treffens. Sie ist eine ältere Frau und die wohl bekannteste Hexe in den USA ist. Sie hat unzählige Bücher über die Bewegung, den Wicca Glauben, die Wiedergeburt des Hexentums geschrieben. Man kennt sie, bevor wir ein ruhiges Plätzchen für ein Interview finden konnten, umarmten etliche Frauen und Männer die 67jährige, wechselten ein paar Worte mit ihr, sagten ihr, wie sehr sie sich auf den Abend freuten. „Eine Hexe zu sein bedeutet für mich“, so Starhawk, „sich den alten in der Natur basierenden Traditionen aus Europa und dem Nahen Osten zu verpflichten Sie gründen sich in dem Glauben, dass die Erde heilig ist, dass jeder von uns heilig ist und den göttlichen Geist verkörpert, der in allem lebt. Und das greift auf die alten Traditionen der Kräuterkunde und der Verbindung zur Natur zurück.“

Starhawk schreibt unter anderem auch für die Religionsbeilage der Washington Post, ist Kommentatorin auf mehreren einschlägigen Online Plattformen und begeherte Rednerin in den USA und Europa. „Einige Leute wollen sich nicht als Hexe bezeichnen. Ich laufe auch nicht mit einem Schild herum, auf dem steht “Hallo, ich bin eine Hexe’. Aber für mich ist es wichtig, dieses Wort zurück zu bekommen, denn damit konfrontiert man die gesamte Geschichte. Dieses Wort und für was es steht, für die Idee einer Frau als Heilerin, eine mächtige Frau, die als gefährlich und angstvoll gesehen wird. Wenn wir uns dem stellen, dann gehen wir dagegen an, dann beginnen wir mit einem Wandel tief verborgener Unterstellungen in unserer Kultur, die für mich die Ungleichheit der Geschlechter bestärken.“

Als es draussen dunkel wurde, begann in dem alten Fabrikgebäude die Zeremonie. Über Lautsprecher wurde bekannt gegeben, dass ein deutscher Radiojournalist anwesend sei, der aber niemanden in seinen Aufnahmen erkennbar machen werde. Hexen wollen nicht so einfach erkannt werden. In einem riesigen Kreis saßen etwa 600 Menschen zusammen, sangen, lachten, weinten gemeinsam. Die Namen von Verstorbenenen wurden vorgetragen. Reden und Gesang folgten. Und dann begann der eigentliche “Spiral Dance” mit Trommelschlag und Gesang. Zwei endlos wirkende Menschenschlangen bewegten sich im Kreis und kamen sich dabei immer näher. Eine positive und durchaus mitreißende Energie machte sich in der Halle breit, die Community lebte auf und rückte zusammen. Vieles wirkte wie in Trance.

In den USA leben nach Starhakws Aussagen etwa 3-4 Millionen Menschen, die sich als Hexen bekennen, die dem Wicca Glauben angehören. Genaue Zahlen gibt es allerdings nicht. Doch eins wurde an diesem Abend in Richmond deutlich, die San Francisco Bay Area ist ein Zentrum von Wicca, Hexen, dem Glauben an die Natur, an die Weiblichkeit in der Religion. Die Hexen, die ich kennenlernte durfte, haben so gar nichts mit dem gruseligen Bild aus Kindertagen zu tun. Es geht um Harmonie, um ein Miteinander, darum, gemeinsam und bewußt zu leben. In diesen Zeiten ist das durchaus eine Bereicherung.

Gott hat uns Trump gebracht

Christliche Rechte für Trump     

Hat uns Gott wirklich Donald Trump gebracht? Man will es nicht glauben, doch Tatsache ist, die christlichen Fundamentalisten in den USA setzten schon früh auf den zum dritten Mal verheirateten, skandalumwitterten „Pussy Grabber“ Donald Trump als ihren Kandidaten gegen die verhasste Hillary Clinton. Darüber dreht sich auch das zu hörende Radiofeature im Audioplayer.

Doch das war vor dem Wahltag. Die Christliche Rechte steht nach wie vor zu ihrem Mann im Weißen Haus. Angetrieben durch die Taten von Vize-Präsident Mike Pence wird Trump zum Gottgesandten hochstilisiert, zum Retter Amerikas, der amerikanischen Werte, zum Beschützer der „God’s nation“. Und nun folgt ein Film, der in dieser Woche in rund 1200 Kinos in den ganzen USA angelaufen ist. Gefeiert wird darin der Messias Trump, in den die Fundamentalisten all ihre Hoffnung und ihren Glauben legen, dass er aus diesem Land einen Gottesstaat formen möge.

Produziert wurde dieser Film u.a. von den Filmstudenten der Liberty University, jener Universität, die als Eliteschmiede der Christlichen Rechte gilt. So konnten die Produktionskosten niedrig gehalten werden. Erzählt wird die „wahre“ Geschichte des früheren Feuerwehrmannes Mark Taylor, der 2011 eine Eingebung von Gott gehabt haben will. Beim Fernsehschauen klickte er auf einen Kanal, auf dem ein Interview mit Donald Trump lief. Und Gott sprach zu Taylor: “You are hearing the voice of the next president.”

Der ehemalige „Fire Fighter“ sprang also ins Höllenfeuer, um seinen Mitbürgern die frohe Botschaft zu verkünden und schrieb „The Trump Prophecies“. Doch das waren nicht die einzigen göttlichen Eingaben, die Taylor von ganz oben erhielt. Er verkündete auch, dass Barack Obama wegen Hochverrats angeklagt wird und Trump die Verhaftung von „Tausenden korrupter Offizieller (zulässt), die Teil eines riesigen, satanischen Pädophilen Ringes sind“. Darüberhinaus meinte der selbsternannte göttliche Spritzenmann, dass Präsident Trump die Pharmaindustrie dazu zwingen werde, endlich wirksame Therapien gegen Krebs und Alzheimer zu veröffentlichen, denn die werden von den Pharmabossen zurückgehalten. Noch Fragen? Wenn nicht, dann viel Spaß mit diesem Bericht zum Film „The Trump Prophecy“ des Christlichen Networks CBN:

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