Was dieses Land großartig macht

Puerto Rico, Florida und Texas wurden hart von Hurricanes getroffen und hier in Kalifornien lodern Dutzende von Bränden. Nur etwa 80 Kilometer von mir entfernt wälzen sich die Flammen durch das Wine Country von Sonoma und Napa. Der Rauch hat sich wie eine Nebeldecke über die Bay Area gelegt. Ich spreche mit Freunden und Bekannten in Sonoma, bekomme aus der Nähe mit, was passiert und bin dennoch auch beeindruckt von allem. weiter lesen

„The day the music died“

So genau, kann man den Tag wohl nicht festlegen. Auch nicht, ob er in der Vergangenheit, der Gegenwart oder Zukunft liegt. Aber irgendetwas hat sich verändert im Musikgeschäft. Ich klinge da wohl nostalgisch, zeige mein Alter, wenn ich davon spreche, wie ich als Jugendlicher durch die Nürnberger Innenstadt von einem Plattenladen zum nächsten lief, auf der Suche nach Schallplatten und nach den besten Preisen dafür. Adler, Montanus, Phonac, Musik Shop, Francoise, Goofy. Bei Hertie kaufte ich meine erste LP. All die Läden gibt es schon lange nicht mehr.

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„Es gibt keine Mauern zwischen uns“

Eröffnung einer beeindruckenden Ausstellung.

Eigentlich sollte es „nur“ um Teotihuacan gehen. Die Ruinenstadt nordöstlich von Mexiko-City, Weltkulturerbe seit 1987, Anziehungspunkt für Millionen von Touristen. Die neue Ausstellung im de Young Museum in San Francisco ist eine faszinierende Kulturschau, mit weit über 200 Exponaten, die einen tiefen Einblick in die Geschichte des südlichen Nachbarlandes gewährt. weiter lesen

Alcatraz, San Quentin, Angola

Gestern in Alcatraz, heute mit San Quentin gesprochen, morgen geht es nach New Orleans, um mit einem ehemaligen Häftling zu sprechen, der über 40 Jahre in Einzelhaft im berüchtigten Gefängnis Angola untergebracht war.

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Armes Amerika!

Alltagsszene in Downtown Berkeley.

Die Obdachlosigkeit nimmt zu in den USA. Jede Nacht schlafen etwa 600.000 Menschen auf den Straßen dieses Landes, Tendenz steigend. Hier in der San Francisco Bay Area kann niemand mehr das Problem übersehen. Jeder Besucher spricht mich darauf an. Die Zeltcamps unter den Autobahnbrücken in San Francisco, Oakland und Berkeley werden immer größer. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht, denn den Kommunen sind finanziell die Hände gebunden. Die Mietpreise steigen, für eine Einzimmerwohnung in Oakland werden mittlerweile dafür 3500 Dollar verlangt. In San Franciscos Tenderloin, einem sozialen Brennpunkt der Stadt, verlangen versiffte Hotels 150 Dollar und mehr für eine Nacht. Die Städte haben auch nicht das Geld, um sich aus der Krise rauszubauen.

Gestern war ich in Downtown Berkeley unterwegs und sah direkt vor dem Rathaus der Stadt diese Szene. Ein Mann schlief in einem Karton. Passanten liefen daran vorbei, ein ganz normales Bild, an das wir uns alle hier nur zu sehr gewöhnt haben. Amerika 2017 ist an den Rand eines sozialen Kollaps geraten, die ökonomische Schere öffnet sich immer weiter. Es gibt mehr Millionäre, mehr Milliardäre. Es gibt mehr Arme, mehr Obdachlose. Und die vielbeschworene Mittelschicht bleibt auf der Strecke. Donald Trump spricht von Jobs, Jobs, Jobs und kürzt nebenbei Hilfsprogramme für sozial Benachteiligte, Senioren, Food Banks, Schulspeisungen. Trump betoniert gerade den Weg für ein Amerika der Ungleichheit.

Das besondere Oakland

Foodtrucks liefern die kulinarische Vielfalt.

San Francisco ist „The City“, Oakland „The Town“. Hier die glänzende Weltmetropole am Golden Gate, da die stiefschwesterliche Gemeinde auf der anderen Seite der Bay. Oakland wird gerne übersehen. Oakland, eine Stadt, die von Touristen meist gemieden wird. Und doch, es ist die Stadt in meinem Leben geworden, in der ich nun fast am längsten gelebt habe. Meine Wurzeln liegen in Nürnberg, so richtig erwachsen wurde ich in Oakland.

„The Town“ hat viel zu bieten. Kunst und Kultur, eine „Waterfront“, wunderbare Kneipen und Restaurants, kleine, heimelige Nachbarschaften, Redwood Trees und fantastische Ausblicke. Und da sind die vielen Angebote, die Oakland zu etwas ganz besonderem machen. Gestern Abend fand wie an jedem Freitag wieder „Friday Nights at the OMCA“ statt. Das „California Museum of Oakland“ ist dabei bis 22 Uhr geöffnet, Live-Musik, Bars und ein gutes Dutzend Foodtrucks laden die wunderbar vielfältige und vielgesichtige Community von Oakland ein. Das Museum wird so zu einem Treff- und Mittelpunkt der Stadt.

Partystimmung am Freitagabend im Museum.

Die Dorothea Lange Ausstellung „Politics of Seeing„, die derzeit noch im Museum zu finden ist, kann man sich mehrmals ansehen. Langes Fotos sind zeitlos, hochpolitisch, engagiert. Gerade in diesen Tagen der politischen Krise in den USA. Farbenfroh dagegen die Roy De Forest Bilder „Of dogs and other people„. Nicht ganz mein Geschmack, aber ein erhellender Gegensatz zu der Schwere im Nachbarraum. Dazu noch die vielen anderen Ausstellungsstücke des OMCA.

Und draussen tobte der Bär. Oben ein jüngerer Ukule Spieler mit einem älteren Trompeter. Unten eine Latinoband, die traditionelle Elemente mit Hip Hop vermischte. Am Strassenrand Foodtrucks, die alles servierten von mongolischem BBQ bis zu Sushi-Burritos. Was diese Abende im Museum ausmacht sind jedoch die Menschen, die zusammen kommen. Hier kann man diese multikulturelle Vielfalt Oaklands erkennen und wertschätzen. Jeder lächelt, unterhält sich, genießt diese gemeinsamen Stunden im Herzen von „The Town“.

Die patriotische Football Front

Die NFL, die National Football League, hat immer mal wieder Probleme mit den eigenen Spielern. Greg Hardy von den Carolina Panthers wurde wegen häuslicher Gewalt gegen seine Freundin für schuldig befunden. Doch das war kein Problem für die Dallas Cowboys den „Linebacker“ zu verpflichten. Der Besitzer der Cowboys, Jerry Jones, meinte sogar, Hardy sei „einer der wahren Führungsspieler im Team“. Jones hatte auch schon Josh Brent erneut ins Team geholt, nachdem der alkoholisiert einen Verkehrsunfall verursachte, bei dem sein Mitspieler Jerry Brown ums Leben kam.

Ray Rice von den Baltimore Ravens wurde in einem Aufzug von einer Überwachungskamera gefilmt, wie er seine damalige Verlobte zusammenschlug. Erst liess ihn die NFL fallen, doch dann einigte man sich in einer Klage auf ein Millionen Dollar schweres Abfindungspaket. Und die Fans standen dennoch zu Rice, viele trugen bei Heimspielen T-Shirts mit dem Aufdruck: „Free Ray Rice“.

Gewalt gegen Freundinnen, Partnerinnen, Ehefrauen ist bei NFL-Spielern keine Seltenheit. Auch die Horrorbilder von Tierquälerei und die folgende Verurteilung von Michael Vick hielten gleich mehrere NFL Teams nicht davon ab, den Quarterback wieder anzuheuern. Vick hatte in einem seiner Häuser einen Hundekampfring aufgezogen. „Verlierer“ wurden erdrosselt, erschossen, ertränkt, erhängt oder mit Elektroschocks hingerichtet. Nach seiner Haftstrafe wurde Vick erst von den Philadelphia Eagles, dann den New York Jets und schließlich von den Pittsburgh Steelers unter Vertrag genommen.

Egal, wie brutal und folgenschwer die Straftaten auch waren, die 32 weißen, superreichen Männer, denen die NFL-Teams gehören, hatten nie ein Problem einem „guten“ Spieler zu verzeihen. Frei nach Johanna von Koczian: Das bisschen Blut, Schlagen und Töten ist ja nicht so schlimm, sagt mein Mann.

Colin Kaepernick (rechts) wagt es mit einem Mitspieler während der Nationalhymne zu knien.

Anders jedoch sieht es da im Fall Colin Kaepernick aus, dem ehemaligen Quarterback der San Francisco 49ers. Kaepernick hat weder um sich geschlagen, ist nicht besoffen oder bedröhnt und mit weitreichenden Folgen durch die Gegend gefahren, hat auch keinem anderen und keinem Tier etwas zuleide getan. Kaepernick hat sich vielmehr hingekniet. Das war alles. Und zwar immer wieder dann, wenn in den Stadien die Nationalhymne angestimmt wurde. Der Footballspieler wollte so ein Zeichen setzen: „Ich werde nicht stehen, um stolz auf die Fahne eines Landes zu sein, in dem Schwarze und Menschen mit dunkler Hautfarbe unterdrückt werden. Für mich ist das wichtiger als Football und es wäre verlogen von mir, das nicht wahrzunehmen. Da liegen Menschen in den Straßen, da bekommen andere bezahlten Sonderurlaub und kommen mit Mord durch.“ Damit spielte Kaepernick auf die „Black Lives Matter“ Bewegung an, auf die zahlreichen Toten nach Polizeiaktionen und die oftmals Straffreiheit der Beamten.

Fan Protest gegen Colin Kaepernick. Fotos: Reuters.

Das war zu viel für die NFL. Zwar schlossen sich einige Mitspieler dem Protest an, auch in zahlreichen High Schools und Colleges knieten sich Footballspieler fortan in Solidarität mit Kaepernick und der „Black Lives Matter“ Movement auf dem Spielfeld hin, doch die Aktion spaltete das Land. Aufruhr in den Stadien, wenn die 49ers spielten, „Fans“ verbrannten Trikots von Kaepernick und posteten die Videos auf youtube, FOXNews berichtete ausführlich darüber, Kaepernick solle doch nach Kuba oder Russland gehen, wenn es ihm hier nicht passe.

Seit März 2017 ist Colin Kaepernick ohne Vertrag. Nicht weil er ein schlechter Spieler oder nicht in Form ist, sondern vielmehr weil kein Team ihm einen Vertrag geben will aus Angst, ein paar „patriotische“ Fans würden ihre Jahrestickets zurückgeben. Das ist die NFL, das ist Amerika im Jahr 2017. Wer einer Frau vor einer Überwachungskamera brutalst ins Gesicht schlägt, wer Spaß daran hat zuzusehen, wie sich Hunde zerfleischen, wer sich und andere besoffen im Straßenverkehr gefährdet, der ist in der „National Football League“ jederzeit wieder willkommen. Wer dagegen ein politisches Statement abgibt, wer den (Schein-)Patriotismus der USA hinterfragt und sei es nur dadurch während des Absingens der Nationalhymne nicht zu stehen, der wird aus der „Sportlerfamilie“ der NFL verbannt. Wie verlogen und heuchlerisch kann der Sport eigentlich noch sein?

 

 

Wir bauen uns aus der Krise

Das „Woodminster Amphitheatre“ wurde mit öffentlichen Geldern aus dem WPA Programm erbaut.

Was amerikanische Politiker seit Jahren fordern, und das quer über die parteipolitischen Grenzen hinweg, ist ein Investionsplan für die Infrastruktur im Land. Denn es bröckelt und zerfällt zwischen New York und San Diego. Das Vorbild ist die „Works Progress Administration“ (WPA), die in den 1930er Jahren Baumaßnahmen überall in den USA anordnete, die Amerika aus der damaligen Wirtschaftskrise bringen sollten. Es waren Straßen, Wohnhäuser, Schulen, Gesundheits-, Kinderbetreuungs- und Freizeiteinrichtungen, in allen Orten und Städten wurde gehämmert und gebaut.

Hier in Oakland wurde u.a. das Woodminster Amphitheatre mit Geldern der „Works Progress Administration“ errichtet. Ein Theater in den Hügeln von Oakland, direkt im Joaquin Miller Park gelegen. Grandiose Ausblicke, Redwood Trees und eine einmalige Atmosphäre gibt es kostenlos dazu. Heute ist das Woodminister ein Geheimtipp in der Bay Area. Immer an den Wochenenden im Sommer werden Musicals unter freiem Himmel aufgeführt, wie jüngst auch vor vollen Sitzreihen „Mamma Mia!“. Lauthals wurde mitgesungen und mitgefeiert. Schon vorher trafen sich die meisten vor den Toren des Woodminster, um den Abend im Park mit einem Picknick einzuläuten. Das Gläschen und die Flasche Wein darf man dann ruhig mit zu seinem Platz nehmen, das fördert die entspannte Stimmung in den Oakland Hills.

Ob bei den jüngsten Trumpschen Plänen für die Förderung der Infrastrukturmaßnahmen im ganzen Land auch solche Veranstaltungsorte wie das Woodminster Amphitheatre eingeplant sind, sei dahingestellt. Wahrscheinlich ist es nicht, wenn man Donald Trumps Ansage zugrunde legt, öffentliche Gelder für die Kunst- und Kulturförderung der „National Endowment for the Arts“ und der „National Endowment for the Humanities“ vollkommen zu streichen. Doch dieser alte Veranstaltungsort ist eine wahre Perle in Oakland, die viele hier noch nicht einmal kennen. Wer also im Sommer als Tourist nach San Francisco reist, sollte durchaus auch mal den Blick auf meine zweite Heimatstadt Oakland werfen, hier gibt es einiges zu entdecken, etwas ab vom hektischen Leben in der „City by the Bay“. weiter lesen

Made in America

Präsident Donald Trump ruft die „Made in America“ Woche aus. Ausgerechnet jener Mann, der viel Geld mit der Auslagerung der Produktion für seine Produkte gemacht hat. Auch seine Tochter Ivanka Trump hat sich eine goldene Nase mit ihrer Modereihe verdient, denn Ivanka lässt in Indonesien, Vietnam, China und Mexiko nähen. Die Trumps zahlen gerne Hungerlöhne in Südostasien und Mittelamerika für ihre überteuren Klamotten, Hauptsache „Trump“ steht drauf.

Anders macht es da das kleine, aber feine Modelabel „American Giant„. T-Shirts, Shorts und Sweat-Shirts, die in den USA von Anfang bis zum Ende hergestellt werden. „High Quality“ und das zu einem fairen Preis. Ja, man zahlt mehr dafür, aber der gesamte Produktionsprozess findet in den USA, im eigenen Land, statt.Faire Löhne, weniger Belastung für die Umwelt, sichere Arbeitsplätze.

Trump redet und erklärt, die Rahmenbedinungen seien in den USA nicht gegeben, deshalb müsse er jetzt alles ändern, dann könnten er  und seine Tochter auch „Made in USA“ anbieten. Darüber kann man bei „American Giant“ nur lachen. Die Headquarters sind in San Francisco, südlich der Market Street zu finden. Von Anfang an galt, produziert wird hier. Genäht wird an verschiedenen Orten in den USA. Eine Nähhalle von „American Giant“ konnte ich südlich von San Francsico selbst besuchen. Über meinen Besuch bei der kleinen Firma produzierte ich bereits vor einigen Jahren einen Radiobeitrag, den man hier hören kann, von Trump war damals noch nicht die Rede. „American Giant“ ist (noch) nicht die große Marke, aber die Produkte sind mehr als konkurrenzfähig, qualitativ hochwertig und eben quasi vor der eigenen Haustür gefertigt. „Think globally, buy locally“, ein Grundatz, von dem Donald Trump noch weit, weit entfernt ist.

 

Keine Autofahrerstadt

Wer in der Bay Area lebt, weiß es schon lange. Autofahren in und um San Francisco herum ist eine Qual und kein billiger Spass. Nun ist es quasi auch amtlich. Die Finanzwebseite Wallet Hub untersuchte die 100 größten Städte in den USA und kam zu dem Schluß, dass Autofahren in San Francisco am schlimmsten ist. Auf Platz 2 folgt gleich Oakland. Wenn man sich nun vorstellt, dass viele Pendler tagtäglich zwischen den beiden Städten hin und her tuckern, kann man sich den (Aggressions)stau durchaus vorstellen.

Ein normales Bild in und um San Francisco herum – Stau. Foto: AFP.

Untersucht wurden Fahrbedingungen und der Unterhalt eines Autos in den Städten. Der Berufsverkehr beginnt hier früh und endet spät. Wenn ich, der in Oakland lebe, einen Termin in San Francisco habe, versuche ich ihn auf die Zeit zwischen 11 und 14 Uhr zu legen, ansonsten kann ich nahezu zwei Stunden extra für die An- und Abfahrt einplanen. Wer über die Bay Bridge muss, ist doppelt verloren. Der I80 gleicht dauerhaft einem Parkplatz, auf der Verbindung 24er zu 580er zur Bay Bridge ist so gut wie immer  stockender Verkehr. Die Planer dieses Verkehrsknotenpunkts müssten heute noch  für diesen baulichen Schwachsinn bestraft werden.

Seit ein paar Jahren nimmt der Verkehr stetig zu. Gab es mit dem Börsencrash eine kleine Verschnaufpause und wieder ein vernünftiges Fahrvergnügen, hat sich das wieder total gewandelt. Stillstand und Ruhe bewahren ist angesagt. Die San Francisco Bay Area ist wieder Anziehungspunkt für viele geworden, das erkennt man auf den Straßen. Doch hier setzt man vor allem auf den Individualverkehr, nicht auf den öffentlichen Nahverkehr, was mit der Bay relativ einfach wäre. Es ist darüberhinaus teuer ein Auto zu unterhalten, selbst wenn man es noch nicht einmal fährt. Die Preise fürs monatliche Parken gleichen der Miete eines WG-Zimmers. Die Versicherung ist hoch und auch der Sprit ist der teuerste im Land. In San Francisco zahlt man für die Gallone mindestens $ 3,20, in Tulsa, Oklahoma, dagegen nur $1,85. Wer in der Stadt wohnt und arbeitet kann auf Bus, Bahn und Fahrrad umsteigen, wer pendeln muss kann nur draufzahlen und sich fragen, ob es die Lebensqualität hier wirklich wert ist.