Der morgendliche Fussballwecker

Somaliländischer Fußball ist laut, vor allem um 6 Uhr morgens.

Nach einem halben Dutzend Muezzin Rufen gegen halb fünf am Morgen döste ich nochmal weg. Nur kurz, denn ab sechs Uhr versammelte sich unterhalb meines Fensters auf einem leeren Grundstück eine Gruppe von Jugendlichen. Lautstark schrien sie durcheinander. Ich hatte keine Ahnung was da nun abging, hörte mir das eine Weile an, stand schließlich auf und schaute raus. Das gute Dutzend Jungen versuchte mit Geschrei Fußballmannschaften zu formen. Um sechs Uhr morgens!

Und dann spielten sie da draussen lautstark auf dem Sandplatz. Meine Nacht war damit vorbei und ich schaute mir das ein paar Minuten in aller Ruhe an. Ein Hin und ein Her, dabei wurde kreuz und quer geschrien. Eine ordentliche Abwehr gab es nicht, jeder versuchte sich mit fragwürdigen Dribbelkunststückchen auf dem Sandplatz durchzutanken. Es ging eigentlich nur um den Torschuss. Ansonsten ein wildes Gebolze. Und das am sehr frühen Morgen, ausgerechnet vor meinem Fenster. Ohne Kaffee!

Am Vorbend traf ich Guuleed, einen 34jährigen Somaliländer, der im Alter von vier Jahren nach dem Ausbruch des Bürgerkriegs in Somaliland nach Deutschland kam, dort aufwuchs und über England vor einem Jahr zurückkehrte. Ich lernte Guuleed vor ein paar Tagen am Flughafen kennen, dort betreibt er mit seinem Partner einen kleinen Verkaufsstand mit Produkten aus Somaliland. Er spricht mit einem rheinischen Dialekt, Guuleed wuchs in Leverkusen auf. Er erzählte mir von seinen Plänen, von seinen Ideen hier. Und wir vereinbarten, dass wir uns nach meiner Rückkehr aus Puntland nochmal treffen würden.

Es gibt Hoffnung für die karge Landschaft am Horn von Afrika.

Gestern wartete ich also im Maansoor Hotel auf ihn. Mit einiger Verspätung kam er. Er fiel gleich auf. Hochgewachsen und in Basketballshorts, dazu eine T-Shirt „Straight Outta Hargeisa“ stand darauf. Guuleed ist voller Energie, redet im 180 Tempo, lacht viel, holt aus, spricht von seinem Land Somaliland. Er hat große Pläne, die nicht einfach so dahin geredet sind. Kurz telefonierte er, lud noch seinen Businesspartner und einen Bekannten von einer deutschen NGO ein, damit die mir ihre Geschäftsidee besser erklären könnten.

Und sie kamen und was ich hörte war mehr als beeindruckend. Ein einfaches Konzept könnte weitreichende Auswirkungen auf Somaliland und die Region am Horn von Afrika haben. Es geht um einen Baum, der hier von einem „Devil’s Tree“ zu einem „Angel’s Tree“ umgewandelt werden soll. Zumindest in den Augen der Viehzüchter und Bauern. Das ist möglich und machbar. Mit Beschneiden und Verwerten wird aus einer Gefahr für Natur und Tiere eine Nutzpflanze. Eine Businessidee würde somit Hoffnung und viele Arbeitsplätze schaffen. Ich war so begeistert, dass ich wohl schon bald wieder zurück nach Hargeisa reisen werde, um mir die Ergebnisse der ersten Testphase genauer anzusehen. Es gibt Hoffnung, eine Aufbruchstimmung, ein Blick nach vorne in Somaliland. Das ist für mich eine ganz neue Erkenntnis am Ende einer weiteren teils sehr anstrengenden und nahegehenden Reise.

Trump und sein „World Cup“

Die Spiele haben begonnen. Die Spiele können beginnen. Donald Trump hat es geschafft, die Fußballweltmeisterschaft 2026 in die USA zu holen. Und nach Mexiko. Und nach Kanada. Die Lobeshymnen für ihn kämen von überallher, meint Trump. Woher, kann nicht eindeutig mitgeteilt werden, denn darüber schweigt sich der Präsident aus. Aber das ist egal, wichtig ist, die Trump-Spiele 2026 können beginnen. Zuvor hatte der amerikanische Präsident, der „leader of the free world“, all jenen Ländern offen gedroht, die bei der Abstimmung zwischen Marokko und USA (kanada/mexiko) gegen die Vereinigten Staaten von Amerika votieren würden. Man werde, so Trump, genau hinsehen und danach Hilfszahlungen und Entwicklungsgelder gerade an afrikanische Länder neu bewerten. Eine klare Ansage, die nun zum Ergebnis geführt hat, dass dieser Wahl für den Austragungsort 2026 ein etwas bitterer Beigeschmack anhefte. Aber das scheint Donald Trump nicht zu interessieren, ausschlaggebend ist für ihn nur, dass er es geschafft hat: America First auch im Weltfußball!

Ein kniender Protest!

Ein stiller Protest gegen Morde an Afro-Amerikanern wird von Präsident Trump zu einem Politikum. Foto: Reuters.

Vor jedem Punktspiel der amerikanischen Ligen wird die Nationalhymne gespielt. In der NFL und NBA, der MLB und NHL, vor NASCAR Rennen und sogar vor High School Spielen rivalisierender Football Teams. Das ist gewöhnungsbedürftig, gerade wenn man als „Ausländer“ in die USA kommt. Auch nach 21 Jahren in diesem Land und mit einem amerikanischen Pass habe ich mich noch nicht daran gewöhnt. Vor Nationalspielen macht es Sinn für mich, vor alltäglichen Punktspielen wirkt es eher befremdlich. weiter lesen

Die patriotische Football Front

Die NFL, die National Football League, hat immer mal wieder Probleme mit den eigenen Spielern. Greg Hardy von den Carolina Panthers wurde wegen häuslicher Gewalt gegen seine Freundin für schuldig befunden. Doch das war kein Problem für die Dallas Cowboys den „Linebacker“ zu verpflichten. Der Besitzer der Cowboys, Jerry Jones, meinte sogar, Hardy sei „einer der wahren Führungsspieler im Team“. Jones hatte auch schon Josh Brent erneut ins Team geholt, nachdem der alkoholisiert einen Verkehrsunfall verursachte, bei dem sein Mitspieler Jerry Brown ums Leben kam.

Ray Rice von den Baltimore Ravens wurde in einem Aufzug von einer Überwachungskamera gefilmt, wie er seine damalige Verlobte zusammenschlug. Erst liess ihn die NFL fallen, doch dann einigte man sich in einer Klage auf ein Millionen Dollar schweres Abfindungspaket. Und die Fans standen dennoch zu Rice, viele trugen bei Heimspielen T-Shirts mit dem Aufdruck: „Free Ray Rice“.

Gewalt gegen Freundinnen, Partnerinnen, Ehefrauen ist bei NFL-Spielern keine Seltenheit. Auch die Horrorbilder von Tierquälerei und die folgende Verurteilung von Michael Vick hielten gleich mehrere NFL Teams nicht davon ab, den Quarterback wieder anzuheuern. Vick hatte in einem seiner Häuser einen Hundekampfring aufgezogen. „Verlierer“ wurden erdrosselt, erschossen, ertränkt, erhängt oder mit Elektroschocks hingerichtet. Nach seiner Haftstrafe wurde Vick erst von den Philadelphia Eagles, dann den New York Jets und schließlich von den Pittsburgh Steelers unter Vertrag genommen.

Egal, wie brutal und folgenschwer die Straftaten auch waren, die 32 weißen, superreichen Männer, denen die NFL-Teams gehören, hatten nie ein Problem einem „guten“ Spieler zu verzeihen. Frei nach Johanna von Koczian: Das bisschen Blut, Schlagen und Töten ist ja nicht so schlimm, sagt mein Mann.

Colin Kaepernick (rechts) wagt es mit einem Mitspieler während der Nationalhymne zu knien.

Anders jedoch sieht es da im Fall Colin Kaepernick aus, dem ehemaligen Quarterback der San Francisco 49ers. Kaepernick hat weder um sich geschlagen, ist nicht besoffen oder bedröhnt und mit weitreichenden Folgen durch die Gegend gefahren, hat auch keinem anderen und keinem Tier etwas zuleide getan. Kaepernick hat sich vielmehr hingekniet. Das war alles. Und zwar immer wieder dann, wenn in den Stadien die Nationalhymne angestimmt wurde. Der Footballspieler wollte so ein Zeichen setzen: „Ich werde nicht stehen, um stolz auf die Fahne eines Landes zu sein, in dem Schwarze und Menschen mit dunkler Hautfarbe unterdrückt werden. Für mich ist das wichtiger als Football und es wäre verlogen von mir, das nicht wahrzunehmen. Da liegen Menschen in den Straßen, da bekommen andere bezahlten Sonderurlaub und kommen mit Mord durch.“ Damit spielte Kaepernick auf die „Black Lives Matter“ Bewegung an, auf die zahlreichen Toten nach Polizeiaktionen und die oftmals Straffreiheit der Beamten.

Fan Protest gegen Colin Kaepernick. Fotos: Reuters.

Das war zu viel für die NFL. Zwar schlossen sich einige Mitspieler dem Protest an, auch in zahlreichen High Schools und Colleges knieten sich Footballspieler fortan in Solidarität mit Kaepernick und der „Black Lives Matter“ Movement auf dem Spielfeld hin, doch die Aktion spaltete das Land. Aufruhr in den Stadien, wenn die 49ers spielten, „Fans“ verbrannten Trikots von Kaepernick und posteten die Videos auf youtube, FOXNews berichtete ausführlich darüber, Kaepernick solle doch nach Kuba oder Russland gehen, wenn es ihm hier nicht passe.

Seit März 2017 ist Colin Kaepernick ohne Vertrag. Nicht weil er ein schlechter Spieler oder nicht in Form ist, sondern vielmehr weil kein Team ihm einen Vertrag geben will aus Angst, ein paar „patriotische“ Fans würden ihre Jahrestickets zurückgeben. Das ist die NFL, das ist Amerika im Jahr 2017. Wer einer Frau vor einer Überwachungskamera brutalst ins Gesicht schlägt, wer Spaß daran hat zuzusehen, wie sich Hunde zerfleischen, wer sich und andere besoffen im Straßenverkehr gefährdet, der ist in der „National Football League“ jederzeit wieder willkommen. Wer dagegen ein politisches Statement abgibt, wer den (Schein-)Patriotismus der USA hinterfragt und sei es nur dadurch während des Absingens der Nationalhymne nicht zu stehen, der wird aus der „Sportlerfamilie“ der NFL verbannt. Wie verlogen und heuchlerisch kann der Sport eigentlich noch sein?

 

 

Und ein weiterer Dopinskandal

Gibt es eigentlich noch eine Sportart, in der nicht gedopt wird? Die Radfahrer, Leichtathleten, Baseballspieler, Kraftsportler sind bekannt für ihren schnellen Griff zu Pillen und Ampullen. Dass man damit leicht auf den Hund kommen kann, ist bekannt, aber wird kaum beachtet. Langzeitfolgen und -schäden werden von Trainern, Funktionären, Politikern und selbst Athleten leichtfertig übergangen. Wichtig ist der vermeintliche Erfolg, auch wenn der durch einen großen Beschiss zustande kommt. Fair ist das nicht, aber was zählt Fairness schon im heutigen lukrativen Sportzirkus.

Greyhound Rennen sind noch immer beliebt in Florida: Foto: Reuters.

Und nun weitet sich der Skandal sogar noch aus, der „Hundesport“ ist davon betroffen. Es geht um viel Geld und da sind alle Tricks erlaubt. Anfang der 90er Jahre verwetteten die Amerikaner nahezu drei Milliarden Dollar auf die Rennen der „Greyhounds“.  Seitdem jedoch fielen die Einnahmen drastisch, Skandale um Tierquälerei machten die Runde. 40 Bundesstaaten verboten seitdem die Rennen, Anlagen wurden geschlossen. Florida ist heute das Zentrum des Hundesports, wenn es um Windhundrennen geht. Von den derzeit noch bestehenden 19 Rennstrecken in den USA liegen allein 12 im sonnigen Florida.

Doch damit könnte es bald vorbei sein, denn Doping macht die Runde. In den ersten vier Monaten dieses Jahres wurden gleich 12 Hunde mit Kokain im Blut ertappt. Darunter auch einige Champions, die den Besitzern und den Wettenden fette Gewinne einrannten. Es sind keine Einzelfälle mehr, seit 2008 wurden 62 Kokainhunde bei „Greyhound Races“ überführt. Doping ist also weit verbreitet im „Hunderennsport“, egal, was das für Konsequenzen für die Vierbeiner hat und haben wird. Der harte Dollar zählt, wer schert sich schon um das Wohlbefinden der Tiere? Ein bißchen Dope im Blut macht die Beine locker und führt zum (Schein)Sieg. Damit muß Schluss sein, Florida sollte sich dem Verbot von Hunderennen in den USA anschließen.

Let’s have a party

Warriors Partysperrzone Oakland.

Eine Million Menschen werden am morgigen Donnerstag erwartet, um mit den Golden State Warriors ihre NBA-Meisterschaft zu feiern. ‚The Town“, wie sich Oakland als kleine Schwester neben „The City“ San Francisco auch nennt, wird im Ausnahmezustand sein. Weite Teile von Downtown Oakland, rund um den Lake Merritt, werden abgesperrt sein. Oakland wird wie schon vor zwei Jahren im nationalen Scheinwerferlicht stehen.

Die Warriors haben eine fast perfekte Saison hingelegt. Nur im Spiel 4 um die Meisterschaft gegen die Cleveland Cavaliers verlor das Team um Stephen Curry. Doch am Montag beendeten die Warriors die letzte Hoffnung von LeBron James und seinen Cavaliers. Das Oakland Team war und ist in der derzeitigen Form fast unschlagbar. Die NBA Championship musste einfach in diesem Jahr erneut nach Oakland kommen.

Nun also steht die Siegesfeier und die -parade an. Oakland feiert und setzt sich damit noch einmal von San Francisco ab. Denn solche Meisterfeiern am Lake Merritt werden schon bald der Vergangenheit angehören. Nach den Raiders, die nach Las Vegas ziehen, verlassen auch die Warriors „The Town“. Seit 1971 spielten sie im Coliseum, der mittlerweile ältesten Halle in der NBA-Liga. Die Golden State Warriors ziehen auf die andere Seite der Bay nach San Francisco, wo sie ab der Saison 2018-19 im neugebauten, 18.000 Sitze fassenden „Chase Center“ aufspielen werden. Oakland konnte beide Profi-Teams nicht halten, auch wenn beide sehr stark mit den Menschen in Oak-Town verbunden sind. Aber nun wird erst einmal die fünfte Meisterschaft gefeiert. Oakland hat sich diese Party verdient. Go Warriors!

Der Abgang der Raiders

Oakland ist Raiders Nation. Das American Football Team ist fest verankert in der Stadt, seiner Geschichte, seiner Bewohner. Und die Raiders haben Tradition und eine Fankultur, die vielleicht vergleichbar ist mit der so einiger Traditionsvereine in der Fussballbundesliga. Die Fans strömen bunt verkleidet, teils martialisch zu den Spielen der Raiders. Doch das wird schon bald der Vergangenheit angehören.

Die Fans der Raiders setzten sich vergeblich für ihr Team in Oakland ein. Foto: AFP.

Die „National Football League“, NFL, hat nun fast einstimmig entschieden, dass die Raiders in die Glanz- und Glitzer Wüstenstadt Las Vegas umziehen dürfen. Eine mehr als umstrittene Entscheidung, denn Las Vegas lockt mit Steuermitteln, Oakland weigerte sich, einen Stadionneubau aus öffentlichen Geldern zu finanzieren. Bürgermeisterin Libby Schaaf wollte die Raiders halten und dafür Privatgelder anzapfen. Lediglich benötigte Infrastrukturmaßnahmen im Umfeld des geplanten, neuen Stadions sollten von der Stadt übernommen werden. Schaaf führte an, dass Oakland noch immer Millionen Dollar Schulden von der letzten Stadionsanierung in den frühen 90er Jahren abbezahlt. Geld, das eigentlich dringend an anderer Stelle im Stadthaushalt gebraucht würde.

Die NFL setzte also lieber auf das große Geld im Spielerparadies Las Vegas, als auf Tradition in der East Bay. Jeder der Besitzer eines NFL Teams erhält für den Umzug etwa 25 Millionen Dollar ausgehändigt. Für die Superreichen Sportmannschaftsbesitzer gab es also eigentlich keinen Grund, die Raiders in Oakland zu belassen. Geld regiert die Welt und schon sehr lange im professionellen Sport.

Mit den Raiders wandert nun ein zweites Profi-Team aus Oakland ab. Die Golden State Warriors werden zukünftig in San Francisco auf Körbejagd gehen. Nur die Oakland A’s bleiben als traditionsreiches, aber nicht gerade erfolgreiches Underdog Team meiner neuen Heimatstadt erhalten. Und das ist dann schon fast wieder wie in Nünberg….back to the roots!

Der Superbowl in Amerika

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Es ist das größte Sportereignis in den USA – der Superbowl, das Endspiel um die Meisterschaft im American Football. Dieses Jahr wird er in Santa Clara, dem Heimstadion der 49ers ausgetragen, einer Kleinstadt bei San Jose. Doch die gesamte San Francisco Bay Area ist im Ausnahmezustand. In Downtown San Francisco wurden ganze Straßenzüge für „Superbowl City“ gesperrt. Dort treffen sich die Fans für Aktivitäten, Konzerte und zum Fanartikeleinkauf. Die Stadt ist voller Fans, das Verkehrschaos garantiert. Raketenabwehrsysteme wurden aufgefahren, Scharfschützen sind auf den Dächern auszumachen.

Alles außenrum ist auch Superlative. Hotelzimmer in San Francisco kosten bis zu einer Million Dollar, Tickets für das Spiel inbegriffen. Die letzten Einzelkarten gingen für über 30.000 Dollar an den Mann oder die Frau. Zwei Wochen lang herrschte Partystimmung in der „City by the Bay“. Stars und Sternchen waren vor Ort, darunter Jamie Foxx, Vince Vaughn, Snoop Dogg, Justin Bieber, Beyonce, die Red Hot Chili Peppers, Alicia Keyes.

In der Superbowl Woche essen die Amerikaner so viele Kalorien, wie in keiner anderen Woche des Jahres. „Junk Food“ aus Chips, Burger, Chicken Wings, allem möglich Fritiertem und viel Bier ergeben rund 6000 Kalorien pro Tag. Die zweitverfressenste Woche in den USA ist nicht Thanksgiving oder Weihnachten, es ist die Woche vor der Superbowlwoche. Man probiert quasi, was man die Woche danach verspeisen will.

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Die Werbeclips während des Endspiels sind sündhaft teuer, mehrere Millionen Dollar kostet allein die Sendezeit. Einige davon unterhaltsam, andere nervig, ein paar durchaus künstlerisch wertvoll. Drei fand ich besonders gut, schräg, witzig: den Audi-Clip, die Mountain Dew Werbung und das Video für die mexikanischen Avocados.

Der einzig wahre "Bowl" ist "Puppy Bowl".

Der einzig wahre „Bowl“ ist „Puppy Bowl“.

Und ein Klassiker am Rande des Superbowls ist immer der „Puppy Bowl“, übertragen vom Fernsehsender Animal Planet. Es ist eine Benefiz-Sendung zugunsten von Tierheimen. Eine Stunde lang kann man kleinen Hunden in einem als Football Stadion dekorierten Spielzimmer zusehen, das ganze mit Live-Kommentar. Die „Puppies“ kommen dafür aus verschiedenen Tierheimen im ganzen Land und können adoptiert werden. Und wer die Sendung um drei Uhr nachmittags verpasst, keine Sorge, sie wird zwölfmal hintereinander wiederholt.

Gewalt gehört wohl dazu

Die Bay Area ist derzeit im Football-Fieber. Am Sonntag findet der 50. Superbowl im niegelnagelneuen Heimstadion der San Francisco 49ers statt, die nun eigentlich in Santa Clara spielen, einer Kleinstadt bei San Jose. Deshalb sind die Parties auch überall, in Santa Clara, in San Jose und eben auch in San Francisco. Ein Verkehrschaos sondergleichen, in Downtown SF sind Straßen für „Superbowl City“ gesperrt, auf der man exklusive Taschen für $ 3500 oder spezielle Leder Baseball Caps für $ 2500 Dollar erwerben kann. Die Hotels in der Region bieten „Special Packages“ an, die Luxusausgaben kosten eine Million Dollar, Tickets inklusive. Na, wer hat, der hat!

Die „National Football League“, NFL, ist ein Riesengeschäft. Die Werbeclips während des Endspiels kosten mehrere Millionen Dollar für 30 Sekunden. Eines der letzten Tickets für das Endspiel ging gerade für $ 27.000 an einen „Fan“. Diesen Geldfluss will man schön fließen lassen, da passen Nachrichten von Gewalt so gar nicht ins Bild. Um das Image der harten und muskelbepackten Kerle etwas aufzupolieren, tragen viele in der NFL im Herbst die Farbe Pink, um so ihre Unterstützung im Kampf gegen Brustkrebs zu zeigen.

Alles gut und schön, das dachten sich auch die Frauen von „Made By Women“, einem Zusammschluß von mehreren Filmschaffenden in Hollywood. Sie produzierten einen Clip, der sicherlich nicht während des Superbowls gezeigt werden wird, der aber im Internet viele Zuschauer findet. Thematisiert wird die Gewalt gegen Frauen durch NFL-Spieler. Immer wieder machen Footballspieler Schlagzeilen, in dem sie durch Gewaltexzesse gegen ihre Freundinnen und Frauen auffallen. Es kommt zu Anklagen, Gerichtsverfahren und die NFL kehrt dann alles still und leise unter den Teppich. So zuletzt geschehen im Fall Greg Hardy von den Dallas Cowboys. Der hatte eine frühere Freundin verprügelt und ihr angedroht sie umzubringen. Nach der Verurteilung und einer kurzen Zwangspause wurde er wieder ins Team aufgenommen. Die Stimmen gerade bei Frauengruppen werden lauter, die fordern, wer gewalttätig gegenüber Frauen ist, sollte keinen Weg mehr zurück in die beste Liga der Welt bekommen. Insgesamt hat die NFL ein Gewaltrproblem, doch im stereoiden Muskelalltag wird darüber nicht gerne geredet.

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„Be a man without a gun“

Ein Doppelmord in Oakland. Und ein Oaklandisher Basketballstar, der klare Worte findet. Die NBA hat sich nun mit der Anti-Waffen Gruppe „Everytown for Gun Safety“ zusammen getan, finanziert vom ehemaligen New Yorker Bürgermeister und Milliardär Michael Bloomberg, um für mehr Waffenkontrolle und Hintergrundchecks zu werben. In einer neuen Werbeclip-Kampagne, die an Weihnachten im Fernsehen gestartet wird und online bereits zu sehen ist, kommen NBA Stars und Hinterbliebene von Waffengewalt zu Wort. Einer von ihnen ist Stephen Curry, Superstar der Golden State Warriors, dem in Oakland ansässigen Team.

Die NBA ist die erste professionelle Liga in den USA, die sich politisch so weit aus dem Fenster lehnt. Viele der Teams sind zwar in den Großstädten Nordamerikas ansässig, in denen man tagtäglich mit der Waffengewalt kämpft, doch Basketball ist im ganzen Land populär. Die NBA vertraut auf die Logik der Fans. Auch schon in der Vergangenheit setzte man sich für soziale Projekte ein, darunter „Habitat for Humanity“ und die „Boys and Girls Clubs“ der USA.

Der Grund, warum die Offiziellen sich nun für mehr „Gun Control“ einsetzen, liegt vor allem auch in den NBA-Spielern selbst, die schon seit längerem politisch Standpunkte beziehen. 2012 trug das Team der Miami Heat bei einem Heimspiel Kapuzenpullover in Solidarität mit dem erschossenen Teenager Trayvon Martin. Unter den Spielern war auch der Superstar LeBron James. 2014 trugen James und auch andere NBA Stars beim Warmmachen vor ihren Spielen T-Shirts mit der Aufschrift „I can’t breathe“, die letzten Worte des Afro-Amerikaners Eric Garner, der bei einer Polizeikontrolle ums Leben kam.

Die NBA bezieht nun Stellung. Diese deutlichen Worte stoßen bei Kommunen im ganzen Land und Gewaltpräventionsorganisationen, wie „Prevention Institute“ auf Wohlwollen. Endlich, so sagt man, könnten junge Afro-Amerikaner andere Vorbilder sehen, die ohne Waffen erfolgreich sind und das auch betonen. „Be a man without a gun“ kommt an, hoffentlich erfolgreich.

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