Und es passiert wieder

Eine weiterer Amoklauf in einer Schule. Diesmal in Santa Clarita in Südkalifornien. Die Nachrichtensender sind live dabei, haben ihre Reporter „on the ground“, ihre Hubschrauber in der Luft und die passenden Gesprächspartner live on air. Alle Register der Berichterstattung werden gezogen. Man hat ja Übung bei diesen Geschichten.

Und wieder eine Schiesserei an einer Schule. Diesmal im südkalifornischen Santa Clarita. Foto: AFP.

Und es ist nur eine weitere News Geschichte, die gerade etwas vom „Impeachment“ Verfahren gegen Donald Trump ablenkt. Mehr wird daraus nicht werden. Also, wer glaubt, Schüsse auf Jugendliche in einer Schule würden Folgen haben, der kann gerne daran glauben, doch das ist verschenkte Zeit. Amerika hat gelernt mit Massenschiessereien, mit diesem täglichen Terro und jährlich rund 70.000 Schusswaffenopfern zu leben.

Die Lage in Santa Clarita an der Saugus High School ist noch unübersichtlich. Klar ist zu diesem Zeitpunkt nur, dass ein Mensch verstorben ist, fünf weitere zum Teil schwer verletzt wurden. Der 15jährige Schütze ist gefasst und im Krankenhaus. Das Motiv, der genaue Tathergang sind noch offen. Die Einsatzkräfte haben offensichtlich schnell reagieren können und somit Schlimmeres verhindert.

Vom Präsidenten der Vereinigten Staaten ist bislang dazu nichts zu hören. Er ist mehr damit beschäftigt Unwahrheiten via Twitter zu seinem Ukraine Anruf zu verbreiten. Sinn macht das alles schon lange nicht mehr. Denn eigentlich ist die exzessive Waffengewalt in den USA ein „public health“ Problem, eine nationale Krise sondergleichen, die angegangen werden müsste. Jetzt, sofort und umfassend. Doch es fehlt der politische Wille. Donald Trump macht damit Wahlkampf, dass er erklärt, die Demokraten wollten bei einem Wahlsieg alle Waffen einkassieren. Nur er stehe für das Grundrecht auf Waffenbesitz. Es hat sich nichts tödlichen Schüssen in einer Grundschule, in einer High School, in einer Kirche, in einer Synagoge, in einem Nachtclub, auf einem Country Musik Festival verändert. Von daher wird Santa Clarita nur eine Erwähnung in den Statistiken werden. Noch Fragen? Ich habe keine mehr, nur die, wann wird es wieder passieren?

Ein kultureller Schatz – Geschichte zum Hören.

Eine lange Anreise war das. Von San Francisco ging es über Frankfurt nach Addis Abeba und dann weiter nach Hargeisa, der Hauptstadt von Somaliland. Vor genau einem Jahr war ich das letzte Mal hier. Viel hat sich nicht verändert, zumindest nicht auf den ersten Blick. Die Straßen sind weiterhin eine Katastrophe, Schlagloch folgt auf Schlagloch, es wird nach wie vor viel gehupt, am Straßenrand schlafen Straßenhunde, Ziegen fressen Gräser oder kauen auf Plastikmüll herum, es ist wie immer heiß in der Stadt, ein starker Wind bläst dazu und auch schon die obligatorische Kamelherde überquerte vor mir die Straße.

Geschichte zum Hören.

Mein erstes Interview für diese Geschichte über die Bedeutung und die Kraft der Musik in schwierigen Zeiten ist geführt. Mit dem Leiter des „Hargeisa Cultural Centers„, Jama Musse Jama, habe ich über Musik in Somalia und Somaliland gesprochen. Er hat hier eine umfassende Sammlung somalischer Musik angehäuft, die auf beeindruckende Weise genau das widergibt, nach dem ich suche. Alles ist auf Kassetten festgehalten, nur ein Teil davon bislang digitalisiert. 14.000 Kassetten sind es insgesamt, ein kultureller Schatz der, wenn er nicht bald festgehalten wird, verschwindet. Es ist ein langsamer und kostspieliger Prozess. Und doch, hier ist etwas aufbewahrt, was viel über dieses Land und seine Kultur erzählt. Wie haben Musikerinnen und Musiker wichtige Themen in der Gesellschaft aufgenommen, verarbeitet und weitergegeben?

Man denke nur an Lieder wie „We shall overcome“ oder auch an die „Moorsoldaten“, Lieder, die herausstechen, die Hoffnung gaben und geben, die verbinden, die eine unglaubliche Kraft ausdrücken. Solche Lieder gibt es auch in Somalia, gibt es wohl in jeder Gesellschaft, in jedem Kulturraum. Songs, die nach der Bombardierung Hargeisas durch die Truppen des somalischen Präsidenten und Diktators Siad Barre Ende der 80er Jahre entstanden. Damals führte der eigene Präsident Krieg gegen die Unabhängigkeitsbewegung in Somaliland. 90 Prozent von Hargeisa wurden total zerstört, in der nächstgrößeren Stadt Burao waren es 70 Prozent. Die Welt blickte damals mal wieder weg.

Es entstanden Lieder in den Flüchtlingslagern im Osten Äthiopiens von denen, die der Gewalt entkommen konnten. Später dann entstanden Songs nach der Unabhängigkeitserklärung Somalilands, der Entwaffnung, der politischen und militärischen Spannungen am Horn von Afrika, der Zerstörung Mogadischus, dem Konflikt mit der Terrororganisation al-Shabaab. Die somalische Musik ist dabei oftmals ein Zusammenspiel zwischen einem Dichter und einem Musiker. Musik als Ausdruck des Gegenwärtigen, als Verarbeitung des Geschehenen, als Zeichen der Hoffnung.

Und dabei kratze ich hier nur an der Oberfläche eines so tiefen und komplexen Themas. Allein schon die Sprachbarrieren sind immens und kaum zu überwinden. Die Auswertung all dieser Tapes, die hier zu finden sind, wäre ein umfassendes Recherche, die vor allem viel Zeit benötigt. Der Anfang im HCC ist jedoch gemacht und es wird weitergehen, vielleicht auch mit internationaler Unterstützung. Es geht um nicht mehr und nicht weniger als um die Bewahrung eines Teilstücks der somalischen Kulturgeschichte, die hier auf diesen teils billigen Kassetten zu finden und zu hören ist.

„Gun Culture“ in the USA

Man redet von der amerikanischen Waffenkultur. Gemeint ist damit, dass „Guns“ einfach dazu gehören. Leicht zu erwerben und das ganz legal. Dazu kommt, dass der Waffenbesitz als uramerikanisch dargestellt wird und irgendwie dazu gehört, wie die Pommes zum Burger, wie Hotdogs zum Baseball, wie Bud Bier zum Football.

Und selbst in einem Laden wie Walmart, der vor wenigen Tagen in El Paso noch Ort eines Amokläufers wurde, sind Waffen zu kaufen. Man stelle sich vor, man kaufe seine Wumme bei Karstadt, Real oder Metro. Doch nicht nur der leichte Zugang und die fehlenden „Background Checks“ gehören zur Waffenkultur in den USA, es ist auch die Verherrlichung des Waffenbesitzes, der Waffennutzung, dieses mit Waffen leben. Ganz deutlich wird das, wenn man sich die T-Shirts ansieht, die es bei Walmart, bei amazon oder in anderen Läden im Angebot gibt. „Smoke a pack a day“ hat nichts mit dem Rauchen einer Schachtel Zigaretten zu tun, sondern vielmehr damit, dass man ein Rudel Wölfe am Tag abknallen will.

Nicht viel besser sind da die Shirts der amerikanischen Fahne als Knarre oder das mit den Bildern einige automatischer oder halbautomischer Waffen, den Tatwaffen bei Massenschießereien. Was soll man denken von jemandem, der so etwas trägt? Was soll man von einem Unternehmen halten, in dessen El Paso Store Menschen durch Schüsse starben und verletzt wurden und die dennoch weiterhin Teil dieser ausufernden „Waffenkultur“ in den USA bleiben wollen. Sowieso hat das nichts mit Kultur zu tun, zumindest nicht mit dem weiten Feld, was ich unter Kultur verstehe. Amerika hat ein Problem und will nichts davon wissen. Das vermeintliche Grundrecht auf Waffenbesitz hat sich verinnerlicht in den USA. Das Recht eines Waffenbesitzers zählt mehr als das Recht auf Sicherheit eines Schulkindes, eines Gläubigen, eines Kunden, eines jeden.

 

 

Blutige 24 Stunden

Es war ein blutiges Wochenende in den USA. In El Paso, Texas, schoss ein 21jähriger in einem Walmart Store wild um sich und tötete 20 Menschen. In Dayton, Ohio, fielen am Samstagabend in einer Bar im Zentrum der Stadt tödliche Schüssen, neun Menschen starben. Dazu ein aktuelles Interview:

Wann passiert es wieder? Foto: Reuters.

– Was weiß man bis jetzt über die Hintergründe dieser Angriffe?

Es ist noch alles etwas unklar. Tatsache ist, es war ein blutige Nacht. In Chicago wurden sieben Menschen auf einem Spielplatz angeschossen und in Dayton, Ohio starben 9 Menschen, 26 weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Und das, obwohl die Polizei weniger als eine Minute brauchte, um zu reagieren, um den Todesschützen auszuschalten. Er starb bei dem Einsatz. Das Motiv ist noch völlig unklar, auch wurde der Täter noch nicht identifiziert. Hier versucht man gerade einfach damit umzugehen, was in den letzten 24 Stunden passiert ist.

– Beim Amoklauf in El Paso gibt es anscheinend Hinweise auf rassistische Motive. Gibt es da gesicherte Informationen?

Das FBI geht gerade allem nach, was sie über den Täter von El Paso finden können, was er in sozialen Medien gepostet hat, welche Verbindungen er zu Hassgruppen hatte, aber auch, wie er radikalisiert wurde. Das ist derzeit hier die große Frage, wie es dazu kommen konnte, dass der 21jährige 600 Meilen von Dallas nach El Paso fuhr, um dort gezielt gegen Migranten vorzugehen. Der junge Mann wurde ja festgenommen, man erwartet sich davon auch klare Aussagen, die sicherlich in den kommenden Tagen und Wochen veröffentlicht werden. Aber jetzt, noch nicht einmal 24 Stunden nach der Tat ist alles noch zu früh, um ein klares Bild zu haben.

– Die beiden Taten haben viel Bestürzung ausgelöst, Präsident Trump tweetete „thoughts and prayers“, was immer nach solchen Taten passiert. Gibt es Anzeichen dafür, dass sich nun etwas an den Waffengesetzen in den USA ändern könnte?

Ich sage es mal so, ich lebe seit 23 Jahren in den USA. Ich habe in dieser Zeit gelernt, dass es nicht eine Frage des “ob es wieder passieren wird” ist, sondern eher „wann es wieder passieren wird“? Die Gebete und die betroffenen Worte kommen immer wieder, aber die bringen offensichtlich nichts. Und Präsident Donald Trump, der nach der Schiesserei im kalifornischen Gilroy noch über Twitter sein tiefstes Beileid ausdrückte, hat nur ein paar Stunden nach diesem Tweet ein weiteres Tweet abgesetzt, in dem er einen Kandidaten der Republikaner lobt und unterstützt und dabei betont, dass dieser sich für das Grundrecht auf Waffenbesitz einsetzt. Das lese ich als eine Verhöhnung der Opfer. Also, ich sehe hier keine Zweidrittelmehrheit in den USA, um dieses vermeintliche Grundrecht in der Verfassung zu ändern, ich sehe auch keine Mehrheit im Kongress, um jetzt im Wahlkampf Waffengesetze zu verschärfen. Und ich sehe auch keinen Präsidenten, der mit einer präsidialen Anordnung quasi im Alleingang aktiv wird. Kurz gesagt, es wird wieder passieren, irgendwo in den USA, die Frage ist nur wann?

– Es ist Wahlkampf, aber das Thema Waffengesetze ist nicht eines der großen Themen. Wird sich das nun ändern?

Das würde ich so nicht unbedingt unterschreiben, das Thema ist bereits ein großes Thema im Wahlkampf. Einige der Kandidaten auf demokratischer Seite kommen ja sogar aus der “Anti-Gun” Bewegung, wurden dadurch politisch aktiv. Es war bislang sicherlich noch nicht das Hauptthema bei den Demokraten, aber Donald Trump dagegen machte schon deutlich, dass die Wahl 2020 auch eine Wahl um das Recht auf Waffenbesitz aller Amerikaner geht. Das betont er immer wieder über Twitter und auf seinen Massenveranstaltungen. Von daher, die laxen Waffengesetze und dieses vermeintliche Grundrecht werden sicherlich ein grosses Thema sein. Und es wird dazu führen, dass wie immer im Wahlkampf die Verkäufe von Schusswaffen und Munition in die Höhe schnellen werden, denn es wird das Horrorbild verbreitet werden, dass die Demokraten alle Waffen einziehen wollen. Was ja eigentlich ein totaler Blödsinn ist, denn darum geht es bei dieser Diskussion gar nicht…

– Die starke Waffenlobby, die „National Rifle Association“ (NRA) steckt derzeit in der Krise. Könnte diese Schwächung vielleicht gut für das Durchsetzen von schärferen Waffengesetzen sein?

– Die NRA hat mit Präsident Donald Trump den stärksten Kämpfer im Weißen Haus. Er setzt sich regelmäßig, ja fast täglich für Kandidaten ein, die zum Grundrecht auf Waffenbesitz stehen. Die NRA ist sicherlich geschwächt, durch die Skandale, den Umbau der Organisation und auch durch die in gewissen Bereichen Neuausrichtung, aber es gibt diesen engen Schulterschluss mit den Republikanern in Washington und im ganzen Land. Da wird sich in diesem Wahlkampfjahr nichts daran ändern. Denn es gibt ja hier in den USA noch nicht einmal eine klare und ehrliche Diskussion über das Thema Waffen. Sogar die klare Definition, was eine Massenschiesserei ist, gibt es nicht. Selbst das hat die Waffenlobby verhindert. Experten sagen, wenn es drei oder mehr Opfer gibt, dann ist das eine Massenschiesserei. Wenn man diese Definition zugrunde legt, dann gab es in diesem Jahr schon 293 Massenschiessereien. Eigentlich ist die Waffengewalt ein “public health” Problem in den USA, also eine Frage des allgemeinen Wohls. Das müsste man so bei Zehntausenden von Schußopfern in diesem Land auch so sehen, dann allerdings müsste man das als eine nationale Krise einstufen. Aber das passiert nicht, dank des nach wie vor grossen Einflusses der NRA.

Wann ist genug genug?

„God be with you all“, tweetete Donald Trump. 20 Menschen wurden getötet, 26 zum Teil schwer verletzt. Tatort ein Walmart Shopping Center in El Paso, Texas. Erneut war nach der Massenschießerei in Gilroy am vergangenen Sonntag nicht die Frage, ob es wieder, sondern nur wann es wieder passieren wird. Es dauerte noch nicht einmal eine Woche. Dazwischen lagen weitere Schießereien, die die Anzahl der „Mass Shootings“ in den USA in diesem Jahr auf 291 hochschrauben ließ, Stand 3. August 2019.

Kunden verlassen mit erhobenen Händen das Shoppingcenter in El Paso. Foto: Reuters.

Als langjähriger Beobachter solcher Geschehnisse und den danach folgenden frommen Worten frage ich mich immer öfters, warum man Gott um Hilfe anruft, wenn man sich eigentlich ganz einfach selbst helfen könnte. Dass der Präsident seine Worte nicht wirklich ernst meint und sie quasi sagen muss, kann man auch daran absehen, dass er nach diesem Tweet schnell zur Tagesordnung überging und weitere Tweets gegen seine politischen Gegner absetzte. Da war kein Einhalten, da war keine innere Einkehr, da war keine Einsicht. Amerika lebt mit seiner Waffengewalt auf den Straßen und bei diesen Massenschießereien. Egal ob in einer Schule, an einer Universität, im Kindergarten, in einer Kirche, einer Synagoge, einem Kino, einem Supermarkt, am Arbeitsplatz oder auf einem Volksfest, nirgendwo ist man in den USA noch sicher. Geschehen kann es überall. Hier laufen einfach zu viele Bekloppte mit Waffen durch die Gegend. Und wer noch nach wie vor an das Motto der National Rifle Asssociation (NRA) glaubt und es verteidigt „Only a good guy with a gun can stop a bad guy with a gun“, der macht sich mitverantwortlich an dem nahezu alltäglichen Blutbad in den USA. Doch interessiert das wirklich jemanden?

Donald Trump spricht sein Mitgefühl aus und es wirkt wie Hohn. Man muss sich nur die Kommentare unter seinen Tweets ansehen. Da sind Leute, die schreiben, sie hoffen, dass der Präsident hart bleibe bei der nun sicherlich erneut aufkommenden Debatte um strengere Waffengesetze. Andere beschuldigen die Demokraten, dass sie mit ihrer „Hetze“ für solche Schießereien verantwortlich seien. Einer schreibt sogar, ob sich Donald Trump nicht wundere, warum ausgerechnet im Wahlkampf die Zahl der Massenschiessereien zunehme. Stecke dahinter wohl der liberale Milliardär George Soros, wird gefragt?

20 Tote, 26 Verletzte, eine weitere Community unter Schock. Ändern wird sich nichts. Die Opferliste wird länger, der Verkauf der Knarren wird nicht abbrechen, gerade auch, weil Präsident Donald Trump das „Horrorbild“ einer demokratischen Präsidentin oder eines demokratischen Präsidenten an die Wand malt. Diese, so Trump, würden sich gegen das Grundrecht auf Waffenbesitz einsetzen und den Amerikanern ihre Knarren wegnehmen wollen. Totaler Blödsinn, aber es gibt genügend Menschen in diesem Land, die das ernsthaft glauben. Und ja, ich frage mich auch, warum ich an Tagen wie diesen nichts von der sogenannten „Right for Life“ Bewegung, der Christliche Rechte in den USA höre? Das Recht auf den Waffenbesitz zählt auch für diese „Lebenschützer“ mehr als das Recht auf Leben eines jeden Amerikaners.

Die NRA erleidet eine Niederlage

„Defend Freedom“ ist der Schlachtruf der National Rifle Association, der Waffenlobby in den USA. Und um diesen Ruf möglichst weit zu hören, wurde im Wahlkampfjahr 2016 NRATV gegründet, ein eigener Online-Fernsehkanal. So wollte man den eigenen Kandidaten Donald Trump verstärkt unterstützen und mit eigenem Programm die Reihen der Waffenliebhaber schließen.

Das Licht geht aus im NRATV Studio. Foto: Reuters.

Doch nun geht das Licht im Studio aus. Die NRA gab bekannt, dass man mit dem heutigen Tag das Live-Streaming beenden werde. Die Gründe sind vielfach. Zum einen steckt die Waffenlobby in finanziellen Schwierigkeiten und muss an allen Ecken und Enden sparen. Zum anderen folgten nicht allzu viele Gun-Liebhaber dem Programm. Im Januar waren es nur noch 49,000 „unique visitors“. Was den meisten NRA Mitgliedern nicht gefiel war, dass der eigene Waffensender sich als konservatives Sprachrohr darstellte, immer weniger über Waffen an sich berichtete, und sich stattdessen verstärkt in den Kulturkrieg in Amerika einmischte. So wurden nicht nur Pro-NRA Politiker unterstützt, sondern auch innenpolitische Themen aufgegriffen, die nichts mit der eigentlichen Grundidee der NRA zu tun haben und diese deutlich politisch rechts kommentiert.

Nun also ist Schluss mit NRATV. Der Verlust ist überschaubar, denn der Sender konnte nie mit anderen Online Angeboten der konservativen Medien in den USA, wie Breitbart, gleichziehen. Dennoch ist das Abschalten von NRATV eine Niederlage für die Waffenlobby, die sich seit der Wahl von Donald Trump als unantastbar ansah. Doch selbst die Wahl von Trump war für die NRA ein Problem. Mit Barack Obama oder einem anderen Demokraten im Weißen Haus konnte jederzeit damit gearbeitet werden, dass versucht werde, die Rechte eines Waffenbesitzers zu beschneiden. Mit Trump in Amt und Würden fiel dieses Horrorbild weg. In Zahlen ausgedrückt bedeutete dies, dass der Verkauf von Waffen seit 2016 um 16,5 Prozent sank. Auch die neue Strategie der NRA konnte das nicht aufhalten. Anstelle der Demokraten wurden in den Werbeclips der Waffennarren illegale Einwanderer und IS-Terrortrupps als Gefahr dargestellt. Doch so richtig zog dieses Schreckensbild von langbärtigen, islamistischen Terroristen, die die Häuser von hilflosen amerikanischen Kleinfamilien im Mittleren Westen stürmen selbst in NRA-Hochburgen wie Montana und Idaho nicht.

Die National Rifle Association ist derzeit im Umbruch. In der Führungskriege ist ein offener Kampf ausgebrochen. Es geht um viel Geld, überhöhte Spesen, Macht. Doch man sollte die NRA noch nicht abschreiben. Im kommenden Jahr ist Wahlkampf und der alte Gegner wird dann wohl wieder ziehen – die Demokraten. Deren Präsidentschaftskandidaten fordern schon jetzt lautstark mehr Waffenkontrollen im eigenen Land.

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Trump und die Kriegsverbrecher im eigenen Land

Es ist bekannt, dass die USA unter Donald Trump den internationalen Strafgerichtshof in Den Haag ablehnen. Kein Amerikaner, so heißt es, soll von ausländischen Richtern abgeurteilt werden dürfen. Damit wolle man vor allem US Soldaten schützen, die auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen im Einsatz sind.

US Soldaten im Irak. Foto: Reuters

Man kann davon halten, was man will, doch was Donald Trump nun vor hat, geht da noch einen Schritt weiter. Er will Soldaten begnadigen, die im Irak und Afghanistan feindliche Kämpfer erschossen, erstochen und auf deren Leichen uriniert haben. Er will Navy SEALs vor ihrer Strafe bewahren, die nicht nur bewaffnete Gegner erschossen, sondern auch gezielt auf Zivilisten geschossen haben. Und nicht nur das, Trump will sogar den „Special Operations Chief“ der Navy SEALs, Edward Gallagher, begnadigen, bevor dieser überhaupt abgeurteilt wurde. Gallagher ist angeklagt auf unbewaffnete Zivilisten geschossen zu haben, darunter auch ein kleines Mädchen und Gallagher soll einen Iraker erstochen haben, der für eine medizinische Untersuchung in ein Feldlazarett gebracht worden war.

Nicholas Slatten war für die Sicherheitsfirma „Blackwater“ im Einsatz und wurde 2007 dafür verurteilt auf Dutzende unbewaffnete Irakter geschossen zu haben. Mathew Golstey, ein Army Green Beret, erhielt 210 eine Gefängnisstrafe für den Mord an einen unbewaffneten Afghanen. Und eine Gruppe von Scharfschützen des Marine Corps wurde dafür verurteilt, dass sie auf die Leichen von getöteten Taliban Kämpfern pinkelten.

Alles kein Ding, sagt Donald Trump und hat seinem Justizministerium aufgetragen, die nötigen Begnadigungspapiere fertig zu machen. Trump, der bekanntlich wegen „bone spurs“ (Knochensporne) seinen Militärdienst und damit seinen Einsatz in Vietnam umgehen konnte, sieht diese Art von Begnadigungen als Zeichen der „militärischen Härte“ an. Schon im Wahlkampf 2016 erklärte er, dass er kein Problem mit Folter habe, „Water Boarding“ als hilfreiches Mittel für Militär-Verhöre ansehe und sowieso der Überzeugung sei, dass die Familien von Terroristen getötet werden müssten.

Mit seinen nun bevorstehenden Begnadigungen will Trump wohl im Wahlkampf den Schulterschluss mit den Millionen von Soldaten und Veteranen schließen, ihnen quasi sagen: ich stehe an eurer Seite und egal was ihr macht, ich schütze euch. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Trump mißachtet jeglichen Verhaltenscode des Militärs, tritt mit seinen Begnadigungen von Mördern, wild um sich ballernden Scharfschützen und auf Leichname pissenden Soldaten wieder einmal auf die Grundwerte Amerikas. Für jene Werte für die Männer und Frauen in Uniform in die entlegensten Winkel geschickt werden, um sie zu verteidigen. Ja, jeder Kriegs- und Kampfeinsatz ist eine physische und psychische Herausforderung für jeden einzelnen Soldaten. Und dennoch gibt es internationale Verträge und Abmachungen und auch ein 1193seitiges „Law of War Manual“ des amerikanischen Militärs, in dem ausführlich der Schutz der eigenen Soldaten, von gegnerischen Soldaten und von Zivilisten dargelegt wird. Doch selbst dieses wichtige Dokument scheint in der Trump Ära keine Rolle mehr zu spielen. Dieser Präsident und seine Entscheidungen werden unglaubliche Folgen für Amerika und Amerikaner im Ausland haben.

Terrorgefahr im Wüstensand

Wer nach Black Rock City fährt, lässt den Alltag hinter sich. Es ist ein einwöchiges Utopia, was da im Wüstensand von Nevada entsteht. Kunst, Kultur, Anderssein, Selbstverwirklichung und Selbstdarstellung, ein Zusammensein, ein Miteinander ohne Geld, in dem geteilt und aufeinander zugegangen wird. Bislang, doch das soll sich ändern.

Natürlich gibt es auch Kritikpunkte am alljährlichen Burning Man Event, doch die Organisatoren haben endlich erkannt, das etwas getan werden muss, um dieses einzigartige Treffen der Burners in seiner Grundform und mit den gesetzten Werten zu erhalten.

Da passt so gar nicht rein, was nun in einem 372seitigen Umweltbericht des „Bureau of Land Management“ (BLM) veröffentlicht wurde. Die Behörde, die die Aufsicht über „Federal Land“ hat, damit also auch die Aufsicht über die Black Rock Desert in Nevada, wo das Burning Man Fest stattfindet, will nun unglaubliche Auflagen durchsetzen. Darunter auch die Terrorabwehr. Burning Man sei zu einem Ziel geworden, so heisst es. Die internationale Popularität, die mangelnde Kontrolle der Besucher, die fehlende Absicherung nach draussen, all das würde es leicht machen, dort einen Anschlag in welcher Form auch immer duchzuführen. Gefordert werden deshalb feste Zäune, die das riesige Areal umgrenzen, dazu eine eigene private Sicherheitsfirma, die jeden Besucher und jedes Vehikel genauestens kontrollieren soll. Die Kosten für Burning Man würden explodieren, die Ticketpreise noch weiter ansteigen.

Nach der Massenschiesserei auf ein Country Musikfestival in Las Vegas glaubt man bei BLM nun also auch sich im Wüstensand auf etwas vorbereiten zu müssen, was wohl im Jahr 2019 zur Normalität geworden ist. Alles und jeder ist zu einem Anschlagsziel geworden. Angst regiert das Leben. Ein Zaun und verstärkte Kontrollen sollen also die vermeintliche Sicherheit bieten, die es nicht gibt, nicht geben kann. Black Rock City soll also in eine Reihe mit Paris, London, Berlin, Madrid, New York und Las Vegas gestellt werden. Das Schild am Eingang von Burning Man „Welcome Home“ wird damit zum Rückspiegel zu den Orten, aus denen man kam. Ade Utopia! Dem Alltag unserer Zeit kann man damit auch für eine Woche nicht mehr entkommen.

Und ich dachte schon, es war schlimm

Der Wahlkampf 2016 war wohl der schlimmste, den ich je gesehen und über den ich berichtet habe. Und ich rede noch nicht einmal vom Ergebnis. Alleine, wie der Wahlkampf geführt wurde, der Vorwahlkampf und dann das Duell zwischen Donald Trump und Hillary Clinton, schockte viele, auch mich. Das lag sicherlich am Ton, den Donald Trump bestimmte, vorgab und in Perfektion durchführte. Er beschimpfte seine Mitbewerber, verhöhnte sie, machte sich lustig über andere, drohte und log ohne Konsequenzen. Seine Anhänger liebten gerade diesen „direkten“, diesen „ehrlichen“ Ton. Ein Außenseiter, der Washington aufräumen würde.

Er ist immer im Recht. Foto: Reuters.

Doch der Wahlkampf 2016 war nichts gegen das, was uns nun erwartet. Gerade jetzt, nach der Veröffentlichung des Mueller Berichtes über die Einflussnahme Russlands auf den Wahlkampf Donald Trumps muss man auf alles gefasst sein. Auch darauf, was passieren könnte, wenn Donald Trump nicht wiedergewählt werden sollte. Man will in einem schwergewaffneten Land mit so einigen ‚Nutcases“ gar nicht daran denken. Er sieht sich nun im Recht, er hat Aufwind, bereitet schon jetzt eine breite Kampagne gegen die Demokraten und die verhassten Medien vor. Das ist nichts neues, doch das, was kommen wird, haben wir so noch nicht gesehen. Jetzt geht es erst richtig los. Trump sieht sich als Opfer, als Verfechter der Wahrheit, als erfolgreicher Präsident, als derjenige, der ein Bollwerk gegen die unpatriotische, sozialistische Demokratenfront, gegen islamistische Terroristen, gegen vergewaltigende, mordende und kriminelle Horden aus Mexiko und Mittelamerika errichtet.

Der Bericht entlastet Trump, ja, sein Wahlkampfteam hat wohl keine direkten Absprachen mit russischen Interessensgruppen getroffen. Das langt dem Präsidenten, um nun zum Sturm zu blasen. Was Trump und seine Mitstreiter allerdings nicht erwähnen, ist, dass sie Hilfe aus Moskau bekommen haben, die angenommen und sich eben nicht distanziert haben. Auch verschweigt Team-Trump, dass der Präsident wohl Rechtsbeugung begangen hat, in dem er Einfluss auf die Ermittlungen genommen hat. Sowieso haben der Präsident und seine Berater den gesamten Mueller Bericht noch gar nicht gelesen, sondern nur eine vierseitige Zusammenfassung des von Trump eingesetzten Justizministers. Aber egal, Schwamm drüber. Trump sieht die Welt sowieso so, wie sie im gefällt und passt.

Was nun in den nächsten eineinhalb Jahren kommen wird, ist der Kampf der Fakten gegen die Trumpsche Weltsicht. Trump gibt vor, wie man ihn, seine Politik und seine Visionen zu sehen und bewerten hat, wie die „Fakten“ darin einzuordnen sind. Er spricht gerne von sich als „größten“ und „erfolgreichsten“ Präsidenten aller Zeiten. Alles andere ist „Fake News“. Und er wird immer wieder darauf verweisen, wie der „Witchhunt“ gegen ihn nichts gebracht hat. Es wird ein brutaler und teurer Wahlkampf werden, bei dem es nicht mehr um seriöse Debatten, um einen politischen Diskurs, um einen Austausch der Ideen gehen wird. Vielmehr wird es um Tiefschläge gehen, das Verbreiten von Halbwahrheiten und Lügen, das Nachtreten, das Verleumden, das Vernichten des Gegners. Trump wird genau das tun, darin kennt er sich aus. Was danach kommt ist fraglich. Doch der Schaden, den Donald Trump angerichtet hat und noch anrichten wird ist wohl nicht mehr zu beheben. Ich dachte immer, es gibt nur ein Amerika vor und nach 9/11. Doch nun wird es auch noch ein Amerika vor und nach Donald Trump geben. Nichts wird mehr so sein, wie es einst mal wahr!

Trump der Rassist?

Der Ton macht die Musik. Foto: Reuters.

In den USA wird seit den Anschlägen in Christchurch, Neuseeland, wieder heftigst darüber diskutiert, ob Präsident Donald Trump ein Rassist ist? Mitarbeiter des Weißen Hauses wiesen diesen Vorwurf in den Politsendungen am Sonntag weit von sich, Trump sei kein Rassist, hieß es. Auch seine Basis verteidigt den Präsidenten vehement, allen voran die Moderatoren im Talk Radio und auf FOXNews. Und Trump selbst erklärt, der Attentäter von Christchurch sei eine gestörte Persönlichkeit gewesen, allerdings sehe er nicht, dass „White Supremacy“ weltweit auf dem Vormarsch sei.

Und doch, mit Trump ist jemand im Weißen Haus, der zumindest das Wohlwollen der rechten, nationalistischen und rassistischen Szene in den USA hat. Vor gut einem Jahr produzierte ich ein Feature über die Militia Bewegung in den USA. Und diese bewaffneten, zumeist, Rechtsaußen Gruppen fühlen sich durch Donald Trump in Amt und Würden bestätigt. Selbst der Ku Klux Klan in den USA hat Gefallen an Donald Trump gefunden.

Militias in den USA     

Doch das ist nicht alles, was auffällig ist. Der Aufmarsch rechter, rassistischer und nationalistischer Gruppen in Charlottesville, Virginia. Das Attentat auf Gläubige in Charleston, South Carolina. Die tödlichen Schüsse in der Synagoge in Pittsburgh, Pennsylvania und schliesslich der Terroranschlag in Christchurch, Neuseeland. Dazwischen liegen noch weitere Angriffe, Anschläge, Schießereien, mit Toten und vielen Verletzten, die alle einen rechten Hintergrund haben. Sie alle verbindet, dass sich die Täter von der Wahl Donald Trumps bestärkt und in ihrer Tat bestätigt fühlten. Seine „America First“ Kampagne wurde am rechten politischen Rand deutlich wahrgenommen. Denn für sie gilt, das weiße, christliche Amerika wird von Sozialisten, Islamisten, Andersdenkenden angegriffen und muss deshalb verteidigt werden. Der Kampfruf „America First“ passt da genau dazu.

Donald Trump ist sicherlich kein direkter Unterstützer dieser Rechtsaußenbewegung. Diese Gruppen gab es schon immer, hier in den USA genauso wie in anderen westlichen Ländern. Doch Trump hat mit seinen Aktionen, seiner Wortwahl, seiner offenen Hetze, seinem rassistischen Unterton gegen Mexikaner, Latinos und Muslime den Boden für ein Wiedererstarken dieser Bewegung bereitet. Indirekt ist er damit zu einem Förderer gewaltbereiter und verblendeter Gruppierungen geworden. Irgendwas muss doch selbst seinen Unterstützern auffallen, wenn sich der Ku Klux Klan, marschierende Nazis in Charlottesville, Attentäter in Charleston und Pittsburgh und nun auch in Christchurch auf Donald Trump berufen. Seine Worte werden gehört, nicht nur die, dass Amerika wieder mehr im eigenen Land produzieren soll, sondern eben auch die eines weißen Amerikas, in dem Andersdenkende, Andersgläubige und Andersaussehende gestoppt werden müssen. „America First“ ist zum Schlachtruf der Rechten weltweit geworden.