„Ich sehe das Ende der Todesstrafe“

Vor ein paar Tagen traf ich in ihrem kleinen Downtown Büro Jeanne Woodford. Sie ist Direktorin von Death Penalty Focus, der größten Todesstrafengegner Organisation in den USA. Lange Zeit drängte ich auf dieses Interview, doch Woodford ist beschäftigt. Am Wahltag im November stimmen die Wähler auch über die Zukunft der „Death Penalty“ in Kalifornien ab. Und die Kampagne für eine Aussetzung der Höchststrafe wird von ihr geleitet.

Death Penalty Focus hätte keine bessere Frau für diese Aufgabe finden können. Mehr als 25 Jahre arbeitete sie selbst in San Quentin, war u.a. Gefängnisdirektorin, mußte dabei vier Hinrichtungen ausführen, arbeitete anschließend für die Schwarzenegger Administration an einer Gefängnisreform. Jeanne Woodford ist ein respektierte und geachtete Frau, belesen, erfahren, analysierend. Ihr macht bei diesem Thema niemand etwas vor. Sie kennt die Fakten und den Alltag auf Death Row, sie weiß, welche Folgen Hinrichtungen für Angehörige der Opfer und des Täters, genauso wie für die Gefänfnismitarbeiter haben. Doch sie kennt vor allem die Zahlen, die belegen, dass die Todesstrafe zu teuer und einfach nicht effektiv ist. Es sei eine „falsche und gescheiterte Politik“, die nichts, aber auch gar nichts mit der „öffentlichen Sicherheit“ zu tun habe.

Jeanne Woodford wirkt im Interview konzentriert doch auch distanziert, nur selten läßt sie persönliche Gedanken und Empfindungen durchblicken. Und wenn doch, wird schnell klar, dass sie sich aus ganzem Herzen zur Aufgabe gemacht hat, ihre langjährigen Erfahrungen im Kampf gegen die Todesstrafe zu nutzen. Immer mehr Bundesstaaten in den USA schaffen die Todesstrafe ab. Woodford ist sich daher sicher: „Es gibt einen Wendepunkt, an dem das US Verfassungsgericht sagt, die Todesstrafe ist nicht länger sozial akzeptabel. An dem Punkt wird sie als nicht verfassungskonform eingestuft. Ich bin mir sicher, in den nächsten 10-15 Jahren wird die Todesstrafe in den USA abgeschafft werden“.

 

 

Tokio Hotel und die Video Music Awards

Was sich schon auf ihrer US-Tournee abzeichnete ist jetzt auch amtlich. Tokio Hotel sind eine der „hottesten“ Bands dieser Tage. Fans von Magdeburg bis San Francisco, von Oberasbach (Gruss an meine Nichte) bis Ojai, Kalifornien, fahren voll auf die vier Jungs ab. Und das zu Recht. Tokio Hotel haben in den letzten paar Jahren stetig auf diesen Erfolg hingearbeitet und deshalb kann und muss man sagen, sie haben es sich richtig verdient.

Mit einem Major Label im Rücken wurde die Werbetrommel gerührt. Und das hat nun gewirkt. Tokio Hotel wurden mit dem „Video Music Award“ als bester Newcomer ausgezeichnet. Und die Fans sind begeistert, hier einige „Fan-Reaktionen“:

YouTube Preview Image YouTube Preview Image YouTube Preview Image

Tokio Hotel

Am Donnerstag berichtete meine Nürnberger Kollegin Nina Pauler in den

Radio Goethe Magazine Nachrichten     
vom umjubelten New Yorker Auftritt der deutschen Teenie Band. Und ich muss gestehen, das war für mich neu. Irgendwie hatte ich das total verschlafen, obwohl ich viel mit der deutschen Gemeinde in den USA und viel mit der deutschen Musikszene zu tun habe. Aber das lief anscheinend in anderen Kanälen ab.

Am Freitag dann bekam ich über einen Rundbrief der Deutschlehrer in den USA einen Link der New York Times zugeschickt, in dem der Auftritt von Tokio Hotel besprochen wurde. Und da wurde auch von weiteren Konzerten und einer bevorstehenden CD-Veröffentlichung berichtet. Ich bin gespannt, ob sich der Erfolg einstellen wird, denn der amerikanische Markt ist sicherlich mehr als interessant für deutsche Acts, aber eben auch sehr, sehr schwierig zu beackern. Tokio Hotel haben den Rückhalt einer grossen Plattenfirma in Deutschland und wohl auch hier in den USA. Das ist ein Vorteil, aber keine Garantie für einen langfristigen Erfolg.

Das Beispiel Rammstein zeigt beides. Rammstein sind oft und lange quer durch die Vereinigten Staaten getourt, haben gerade durch ihre Live-Präsenz überzeugt und viele Fans dazu gewonnen. Und sie haben mit Universal einen starken Partner. Doch obwohl Rammstein in den USA rund eine Million CDs verkauft haben, hat sich der Erfolg nie richtig messen lassen.

Touren sind teuer und aufwändig und ein Major Label wie Universal will schnell grosse Erfolge sehen. Und amerikanische Plattenleute lassen sich nicht gerne von Ablegern in Deutschland Bands vor die Nase halten, die man noch nicht mal versteht, und die man nur schwer vermarkten kann. Radio Promotion war immer ein Problem für Rammstein. College Radios spielten nur zu gern die Metallrocker aus Berlin, aber kommerzielle Sender beschränkten sich meist auf die englischen Versionen von „Du hast“ und „Engel“. Deutsche Texte kommen hier so gut wie kaum im Radio vor. Auch die erfolgreichen NDW-Hits Nenas „99 Luftballons“, Peter Schillings „Major Tom“ oder Falcos „Der Kommissar“ werden nach wie vor nur in englischer Fassung gespielt.

Das könnte auch ein Problem für Tokio Hotel werden. Denn ohne breites „Airplay“ ist eine der ganz wichtigen Werbemassnahmen verbaut. Auch wenn man, wie im Fall Tokio Hotel, klugerweise auf Internetforen und neue Promotionwege setzt. Seit einiger Zeit schon wird über die deutsche Teenie Band auf verschiedenen amerikanischen Foren diskutiert. Hier beobachtet man genau, was sich in der deutschen Musikszene tut. Touren von „And One“ oder „De/Vision“, die gerade durchs Land fahren, werden eingehendst besprochen.Es ist eine Seltenheit, dass eine kommerziell erfolgreiche deutschsprachige Band den Schritt über den grossen Teich wagt, die dazu auch noch Musik macht, die nichts aussergewöhnliches ist, also nichts ist, was Amerika nicht selber hat.

Man kann den Jungs von Tokio Hotel nur Glück wünschen in einem Musikmarkt, der schnellebig und gnadenlos ist. Und vielleicht schaffen sie es sogar, wie vorher schon Rammstein, viele junge Amerikaner neugierig auf die deutsche Musikszene zu machen.