Der NRA-Kandidat geht über Leichen

      Unter Beschuss - das bewaffnete Amerika im Wahlkampf

Donald Trump war der Kandidat der „National Rifle Association“. Schon frühzeitig legte sich die Waffenlobby auf ihn als Kandidaten fest. Trump tönte im Wahlkampf immer und immer wieder, seine Söhne seien die besten Schützen und er verteidige das (vermeintliche) Grundrecht auf Waffenbesitz. Er werde alle Beschränkungen für „Gun Owners“ durch die Obama Administration rückgängig machen, wenn er erst einmal Präsident sei.

Donald Trump wurde gewählt und hielt Wort. Schon im Februar 2017 setzte er eine Anordnung seines Vorgängers außer Kraft, die besagte, dass Amerikaner, die aufgrund mentaler Probleme Sozialhilfe erhalten oder deshalb einen Vormund zugesprochen bekommen haben keine Waffen besitzen dürfen. 75.000 zusätzliche Namen wären so in eine Datenbank gelangt. Trump strich diese Anweisung ersatzlos. Auch schmetterte er erneut Forderungen ab, dass diejenigen, die auf der „No Fly“ Liste des FBIs stehen, keine Waffen erwerben und besitzen dürfen.

Nach dem Amoklauf in Parkland, Florida, forderte Trump, dass man mehr zur Früherkennung von mentalen Störungen machen müsse(!). Seltsam, vor dem Hintergrund seiner Aufkündigung der Obama Anordnung. Und nur ein paar Tage vor dem Amoklauf an der „Marjory Stoneman Douglas High School“ veröffentlichte das Weiße Haus den Trumpschen Haushaltsplan für die kommenden Jahre. Darin wird das Budget von Medicaid drastisch zusammen gestrichen, also gerade die staatlichen Mittel gekürzt, die solche Hilfsprogramme für psychisch Kranke finanzieren. Auch wurde der Rotstift bei Ausgaben für Schulsicherheit angesetzt, ein Drittel dieser Ausgaben sollen, so Trump, gestrichen werden.

Der Präsident betonte seit seinem Amtsantritt auf jeder seiner zahlreichen Wohlfühlevents, dass er für das Grundrecht auf Waffenbesitz ist und nichts daran ändern werde. Daher erscheint es wie Hohn für die Opfer von Florida, wenn genau dieser Mann nun tweetet, dass die Demokraten ja die Gesetze hätten ändern können, wenn sie denn gewollt hätten. Trump zeigt mit dieser Kurznachricht (mal wieder) sein wahres Gesicht. Das eines Mannes, der problemlos über Leichen geht.

 

Ganz großes Kino – die neue Platte von „Dirtmusic“

Als George W. Bush am 29. Januar 2002 in seiner „State of the Union“ Rede von der „Axis of Evil“ sprach, war die Welt entsetzt. Hier wurde ein neuer Ton in der amerikanischen Außenpolitik angeschlagen. Die Folgen dieser Neuausrichtung spüren wir noch heute. Ja, der derzeitige Amtsinhaber Donald Trump hat diesen vielbeachteten Satz von „W“ sogar noch verschlimmert. Die Achse der „bösen“ Länder wurde dramatisch erweitert. Einreiseverbote, Mauern, Aufkündigung internationaler Verträge und Abkommen, eine sehr beschränkte Sichtweise auf die Welt sind die Folgen dieser Politik.

Und dann liegt da dieses Album im Briefkasten. „Bu Bir Ruya“, die neue Platte von Dirtmusic. Für mich die beeindruckende, emotionale und passende Antwort auf die Engstirnigkeit so mancher Politiker hier in den USA, in Deutschland, der Türkei und an vielen anderen Orten. Chris Eckman und Hugo Race hatten fünf Jahre nach Bushs Rede „Dirtmusic“ gegründet, damals noch mit dem „Codeine“ Schlagzeuger Chris Brokaw. Anfangs war die Band auf den Spuren des weiten Americana Sounds unterwegs. Lange mentale Highways wurden da bereist. Mit den folgenden Alben gingen Eckman und Race jedoch neue Wege, sie arbeiteten in Bamako, Mali, mit malischen Musikern zusammen und schufen so einen weltoffenen Sound.

Nun liegt das fünfte Album von „Dirtmusic“ vor. Diesmal zog es Chris Eckman und Hugo Race nach Istanbul. Im Dezember 2016, nach dem Putsch in der Türkei und dem Wahlsieg Donald Trumps in den USA, kamen sie in der Stadt am Bosporus mit Murat Ertel von Baba Zula zusammen, die 2017 auf dem Nürnberger Bardentreffen zu hören waren.

Murat Ertel, Chris Eckman, Hugo Race. Foto: Glitterbeat.

„Bu Bir Ruya“ ist keine politische Platte und doch hochpolitisch. Gerade weil sie Grenzen öffnet und überschreitet. Für mich klingt die Platte wie die musikalische Antwort auf die politische Engstirnigkeit und den dümmlichen Nationalismus unserer Tage. Hier und da. Auf „Bu Bir Ruya“ kommen Musiker aus verschiedenen Welten zusammen. Der Amerikaner Chris Eckman, Gründungsmitglied der Folk-Rock Band „The Walkabouts“, der heute im slowenischen Ljubljana lebt. Der Australier Hugo Race, der ein musikalischer Weltenbummler sondergleichen ist, der schon in London, Berlin und Prag lebte und jüngst hervorragende Kollaborationen mit der Belgierin Catherine Graindorge und dem Italiener Michelangelo Russo vorlegte. Und da ist Murat Ertel, der Kopf der Gruppe „Baba Zula“, die seit 1996 den Klang des Orients mit Rockmusik verbinden und international gefeiert werden. Hinzu wurden noch einige Gastmusiker eingeladen.

Es ist ganz großes Kino, was auf dieser Platte entstanden ist. Americana trifft auf den Orient, die San Francisco Bay zu Gast am Bosporus. Hier kommt die Welt zusammen. Auch wenn „Bu Bir Ruya“ nicht als politische Platte gedacht war, sie ist ein leuchtendes Beispiel dafür, was in Gefahr ist verloren zu gehen, wenn sich nationalistische Tendenzen durchsetzen, wenn in der Welt neue physische und mentale Mauern gebaut werden, wenn kleinkarierte Politiker ohne Weltsicht und Sachverstand die Oberhand bekommen. Musik ist eine universelle Sprache. Eckman, Race und Ertel lassen daran auf dieser neuesten „Dirtmusic“ Platte keinen Zweifel aufkommen.

Erschienen ist „Bu Bir Ruya“ auf dem Weltmusiklabel Glitterbeat. Auf der Bandcamp Seite von „Dirtmusic“ kann man einige der Songs hören

„Not guns kill people, people kill people“

Es dauerte nicht lange, dann machte Präsident Donald Trump klar, dass der Amoklauf von Parkland, Florida, nichts mit den sehr laxen Waffengesetzen in den USA zu tun hat. Trump tweetete am Morgen nach dem Blutbad, dass viel darauf hindeute, dass der Täter „geistesgestört“ gewesen sei. Kein Wort dazu, dass der junge Mann mit einem Sturmgewehr den Anschlag verübte, dass er überhaupt die Möglichkeit hatte, solch eine Waffe zu erwerben und zu besitzen.

Das ist nichts Neues, denn Trump sagte schon im Oktober nach der Massenschiesserei von Las Vegas mit 58 Toten, dass der Täter Stephen Paddock „zuallererst krank und wahnsinnig“ gewesen sei. Über das unverhältnismäßige Waffenarsenal des Todesschützen äußerte sich Trump nicht. Warum auch, der Täter war ja ein Bekloppter und nicht zu vergleichen mit jedem anderen Amerikaner. Dass es in den USA allerdings viele solcher „mental Kranken und Wahnsinnigen“ gibt, zeigte die Tat am Valentinstag in Florida.

Wer noch immer darauf hofft, dass ein Massaker endlich zu einer breiten, sinnvollen und sachlichen Diskussion über Waffengesetze, den Zugang zu Schusswaffen und deren Privatbesitz in den USA führten könnte, der sollte langsam aufwachen. Und es ist nicht Donald Trump, der Wunschkandidat der Waffenlobby „National Rifle Association“ (NRA), der dies verhindert, es gibt in diesem Land einfach keine politische Mehrheit in dieser Frage, die 1 und 1 zusammenzählen kann und will. Das war so, das ist so und das wird so bleiben.

Es gibt im Wochenmagazin der ZEIT diese Deutschlandkarten, auf der Woche für Woche Fakten aus Deutschland bildlich dargestellt werden. Das reicht vom Schokoladenkonsum bis hin zur Friseurdichte in der Republik. Natürlich kommen da auch ernsthafte Daten zum Einsatz. Für die USA könnte man folgende Landkarten anlegen. Interessante Fakten und Daten gibt es genügend hinsichtlich der Waffendiskussion:

  • Seit dem Amoklauf an der Sandy Hook Grundschule in Newtown, Connecticut, im Dezember 2012, gab es in den USA 1606 Massenschiessereien mit 1829 Toten und 6447 Verletzten.
  • Die Bevölkerung der USA macht 4,43 Prozent der Weltbevölkerung aus. Allerdings haben die Amerikaner 42 Prozent der weltweit in Privatbesitz befindlichen Schusswaffen.
  • Die USA liegen mit ihrer allgemeinen Kriminalitätsrate im weltweiten Durchschnitt. Das Land ist nicht gefährlicher als andere und dennoch sind viele US Bürger der Überzeugung sie bräuchten eine Schusswaffe zur Selbstverteidigung.
  • Jene Bundesstaaten mit den meisten Schusswaffen in Privatbesitz, verzeichnen auch die höchsten Selbstmordraten. Liegt die „Erfolgsquote“ für Suizide mit Messern und durch Gift bei 5,1 bzw 7,4 Prozent, steigt sie mit einer Schusswaffe auf 96,5 Prozent.
  • In den Bundesstaaten mit mehr Schusswaffen werden auch mehr mehr tödliche Schüsse auf Polizisten abgegeben.
  • In den letzten 20 Jahren hat sich die Stimmung in der amerikanischen Bevölkerung gewandelt. Waren in den 1990er Jahren noch mehr Amerikaner für kontrollierte Waffengesetze, sind heute mehr als 51 Prozent für das Recht auf Waffenbesitz.

Seit dem Amoklauf an der „Sandy Hook Grundschule“ in Newtown, Connecticut, kam es in den USA zu 1606 Massenschiessereien.

 

 

Here we go again…

Die 30. Massenschiesserei in diesem Jahr, 18 davon waren an Schulen. Diesmal starben an der „Marjory Stoneman Douglas High School“ in Parkland, Florida, mindestens 17 Menschen, 12 weitere wurden verletzt. Die Nachrichtenkanäle überschlugen sich mit ihrer Berichterstattung, Präsident Donald Trump tweetete sein Mitgefühl. Und die große Frage an diesem Mittwoch ist, wann und wo die nächste Bluttat in den USA passieren wird?

Nach dem Schulmassaker in Parkland, Florida. Foto: Reuters.

Dass es wieder so kommen wird, ist klar. Denn Amerika hat ein Problem. Das weiß eigentlich jeder in diesem Land. Sogar Mitglieder einer Militia-Gruppe stimmten mit mir dahingehend überein. Die Zahl der Massenschiessereien und Amokläufe belegen dieses Problem allzu gut. Nur, eine Lösung gibt es nicht. Das zeigt schon alleine die Reaktion eines „Experten“ auf FOXNews am heutigen Nachmittag, der forderte, dass endlich bewaffnete Wachposten vor Schulen patroullieren sollten, um in Zukunft solche Amokläufe wie in Parkland zu verhindern.

Das ist die Antwort derer, die auf mehr Waffen im Kampf gegen die Waffengewalt setzen. Und dieser Wild-West-Vorschlag ist nicht mit einer Forderung nach einem Verbot von Schusswaffen zu vereinen. Die Weltsichten liegen da zu weit auseinander. Die USA sind ein schwerbewaffnetes Land, in dem man einfach sterben kann, wenn man zur falschen Zeit am falschen Ort ist. Und dieser Ort sind nicht die Innenstädte, die sozialen Brennpunkte einer Stadt, die bekannten Drogenumschlagplätze, nein, es sind Grundschulen, es sind Kirchen, es sind Country-Musik Festivals. Es passiert nicht mitten in der Nacht, in aller Dunkelheit, es passiert am Nachmittag in einer Schule, am Sonntagmorgen in einem Gotteshaus, am Abend bei einem Konzert unter freiem Himmel. Egal wer erschossen wird, ob Kleinkinder, Gläubige, Musikfans, nichts hat bislang Veränderungen gebracht. Keine Einsicht, kein Einlenken, kein Umdenken.

Amerika sollte endlich mit der Scheinheiligkeit aufhören, das wäre zumindest ehrlich. Die Berufsbetroffenheit von Politikern und Moderatoren, die erst dazu auffordern für die Opfer und ihre Angehörigen zu beten, um dann einen Tag später das vermeintliche Grundrecht auf Waffenbesitz zu verteidigen, führt nur noch zum Würgereiz. Es wird sich nichts ändern, außer die Zahl weiterer Amokläufe.

„America First“ ist nichts Neues

Vor ein paar Wochen sah ich auf Facebook einen hochpolitischen Cartoon von Dr. Seuss, der eigentlich mehr für seine Kinderbücher bekannt ist. „America First“ war da auf der Brust einer Großmutter zu lesen, die ihrer Enkelin und ihrem Enkel aus dem Buch „Adolf + The Wolf“ vorlas. Darüber die Textzeile: „…und der Wolf frass die Kinder und spuckte die Knochen aus… Aber es waren „ausländische Kinder“ und deshalb machte es nichts aus.“ Ich musste zweimal hinsehen und recherchierte ein bisschen, um sicher zu gehen, dass das wirklich von Dr. Seuss mit dem „America First“ gezeichnet worden war. Und es stimmte. Bevor Dr. Seuss – geboren als Theodor Geisel, seine Großeltern waren Immigranten aus Deutschland – Erfolge mit seinen skurilen Figuren und Geschichten haben konnte, zeichnete er hochpolitische und kritische Cartoons für die New Yorker Tageszeitung „PM“. Und die hatten es in sich.

Wenn man sich heute diese Bilder ansieht, erkennt man zum einen sehr deutlich, in welche Richtung sich Dr. Seuss künstlerisch in den Folgejahren weiterentwickelte. Schon hier tauchten einige der späteren Kinderbuchcharaktere auf. Doch diese Cartoons sind aus heutiger Sicht, im „America First“ Zeitalter von Präsident Donald Trump, mehr als schockierend, denn sie zeigen genau auf, wohin diese Art der Politik führen kann. Isolation, Grenzschließung, Wegsehen, den eigenen Bauchnabel streichelnd, das war schon damals der falsche Weg und kostete vielen Menschen in Europa das Leben. Menschen, die vor dem Nazi-Terror fliehen wollten und keine Einreiseerlaubnis in die USA bekamen. Die USA sahen sehr lange darüber hinweg, was da in Europa passierte, denn auch damals gab es mit den Diktaturen in Nazi-Deutschland und dem faschistischen Italien gute Geschäfte zu machen.

Dr. Seuss Cartoons in der „PM“ sind verstörend, eben weil sie so aktuell und dadurch zeitlos sind. Was damals ab 1941 von ihm zu Papier gebracht wurde, könnte heute ohne weiteres in einer Tageszeitung erscheinen und die derzeitige politische Situation in den USA beschreiben. Die Folgen der Außenpolitik, die Verbindungen zu Diktatoren, die Gleichgültigkeit gegenüber Not und Elend in der Welt. Ich weiß, historische Vergleiche sind gewagt. Der Dauerwahlkämpfer und Präsident Donald Trump lädt allerdings richtiggehend dazu ein, dass man zumindest den Versuch unternimmt, seine Politik historisch zu deuten, einzuordnen. Und dabei stößt man fast ganz automatisch auf ein sehr dunkles Kapitel in der Geschichte der Menschheit. Ein dunkles Kapitel auch für die USA. Genau das belegen diese Cartoons von Dr. Seuss aus den frühen 1940er Jahren.

 

Die Macht des Kulturbanausen

Der neue Haushaltsplan aus dem Hause Donald Trump liegt vor. Und wie zu erwarten, und wie schon gestern an dieser Stelle berichtet, will der Präsident mehr Dollars fürs Militär ausgeben und viel weniger für notleidende Menschen und Hilfsprogramme in den USA und in Übersee. Der Mann, der mit einem goldenen Löffel im Mund geboren wurde, der von sich selbst sagt, er sei „sehr, sehr reich“, spricht zwar gerne von den „vergessenen Amerikanern“, davon, dass Amerikaner auch „Dreamer“ seien, aber er hält nicht das, was er in seinen Reden und Tweets verspricht. Trump spaltet das Land weiter, politisch, kulturell und sozial.

Vielleicht hat er sein Buch gelesen, das von einem „Ghost Writer“ geschrieben wurde. Foto: Reuters.

Da ist es nicht überraschend, dass Donald Trump auch den Rotstift bei den Kulturausgaben des Staates ansetzt. Die „National Endowment for the Arts“ würde von 150 Millionen Dollar auf 29 Millionen Dollar zusammen gestrichen werden. Die „National Endowment for the Humanities“ erhielte statt 150 Millionen Dollar nur noch 42 Millionen Dollar. Und das „Institute for Museum and Library Services“ bekäme nur noch 23 Millionen Dollar anstelle der 208 Millionen Dollar. Trump ist auch kein Fan des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, er schaut lieber „Fox and Friends“ als Ernie, Bert und ihre Freunde in der Sesamstrasse. Die Ausgaben für die „Corporation for Public Broadcasting“ würde von 408 Millionen Dollar im Jahr auf 15 Millionen Dollar gekürzt werden. All das würde das Aus für diese wichtigen Kulturprogramme bedeuten.

Was das bedeutet ist klar. Donald Trump will die Kulturlandschaft in den USA verändern, wenn nicht sogar in ihrer jetzigen Form ganz abschaffen. Der güldene Donald mit seinen Goldpalästen hält nicht viel von der Kunst und schon gar nicht von der kritischen Kunst. Er versteht nicht, warum man im Twitter-Zeitalter noch Büchereien braucht, warum die Wissenschaft und die Forschung durch den Staat gefördert werden muss. Die Qualität einer Gesellschaft kann man auch daran erkennen, wie sehr sie die Freiheit der Kunst und Kultur, der Forschung, der Medien unterstützt. All das liegt im Trump-Zeitalter auf der Schlachtbank, Donald Trump wetzt bereits das Fleischermesser. Im vergangenen Jahr konnte der Kahlschlag im Kongress noch abgewendet werden. Ob das wieder so passiert muss abgewartet werden.

Es ist nicht nur so, dass wir in Amerika mit Donald Trump einen Präsidenten haben, der militärisch aufrüstet, der die Grenzen dicht macht, der die USA international isoliert, der tagtäglich Stimmung gegen Andersdenkende macht. Donald Trump, das zeigt sich mit seinen Budgetvorschlägen, scheint ein ungebildeter Mann zu sein, der nur seine Weltsicht kennt und zulässt. Und diese alternative Trump-Welt ist leider mehr als beschränkt.

Mehr Geld für Waffen, weniger Geld für die Not

Der Haushaltsplan von Donald Trump. Foto: Reuters.

Das Weiße Haus unter Donald Trump hat nun den Haushaltsplan 2019 vorgelegt. Was darin steht, kommt nicht überraschend, denn schon im letzten Jahr kamen diese Vorschläge, die dann überparteilich im Kongress abgeschmettert wurden. Und doch, es sagt sehr viel über diese Administration aus. Mehr Geld fürs Militär, Milliardenbeträge für einen Mauerbau, dafür Kürzungen in Sozialprogrammen, in der Armenspeisung, in der Entwicklungshilfe.

In Zahlen ausgedrückt heißt das, 195 Milliarden Dollar mehr für das Pentagon und 30 Prozent Kürzungen bei SNAP, dem „Supplemental Nutrition Assistance Program“, der staatlich finanzierten Essensbeihilfe. Auch sollen jene, die diese Unterstützung bekommen, in Zukunft zur gemeinnützigen Arbeit angehalten werden und ein Teil der Coupons soll in Form einer Kiste mit „100 Prozent in Amerika produzierter Nahrungsmittel“ kommen. „America First“ soll man auch in den Sozialwohnungen schmecken können.

Trump plant auch den Kahlschlag bei den Krankenversicherungen Medicaid und Medicare, von denen vor allem ärmere Amerikaner abhängig sind. Auch wenn er im Wahlkampf immer wieder hervorgehoben hat, dass er diese nicht antasten werde. Doch nicht nur im eigenen Land will der Maga-Mann den Rotstift bei Notleidenden ansetzen, auch die Gelder für die Entwicklungshilfe sollen drastisch zusammen gestrichen werden. Und nicht nur das, in Zukunft sollen Auszahlungen vom Abstimmungsverhalten in der UN Generalversammlung abhängig sein. Das bedeutet, wer gegen die Anträge der USA stimmt, der bekommt auch weniger oder kein Geld mehr. Schon seit Ronald Reagan gab es diese Art von Politik, doch noch niemand drohte so öffentlich damit wie dieser  Präsident. Trump verträgt keine Kritik an seinen teils nicht durchdachten Vorschlägen.

Noch ist unklar, was von den Trumpschen Forderungen im Kongress angenommen und umgesetzt wird. Eins steht fest, Amerika unter Donald Trump verschuldet sich weiter. Waren die Republikaner unter Barack Obama noch darauf erpicht keiner neuen Staatsverschuldung zuzustimmen, sind sie jetzt mehr als gewillt, weiter rote Zahlen zu schreiben. Allen voran Donald Trump, der im Wahlkampf die hohe Staatsverschuldung immer und immer wieder anprangerte. Aber das war ja, bevor er im Oval Office sass.

Trumps Schulterschluss mit Ronald McDonald

Freundlich winkt der Clown.

Man könnte gemein sein und davon sprechen, wie ein Clown den anderen umarmt. Der eine mit rotem Haar, geschminktem Gesicht, gelber Uniform und zu großen Schuhen. Der andere steht dem politischen Zirkus in Washington DC vor und unterhält die Menschen tagtäglich auf seine ganz eigene Art. Aber das wäre wohl nicht ok, wenn man Ronald McDonald und Donald Trump in einem Satz erwähnt. Oder doch?

Trump zumindest hilft derzeit dabei, dass die Mitarbeiter in den Fast Food Restaurants weiter benachteiligt und schlecht bezahlt werden. 2012 begannen Angestellte der Burger-Kette in New York zu streiken. Sie verlangten einen Mindeststundenlohn von 15 Dollar und das Recht sich zu organisieren. Die Proteste weiteten sich auch auf andere Bundesstaaten aus. 2014 wurde vom „National Labor Relations Board“ offiziell Anklage gegen das Unternehmen erhoben, das weltweit der zweitgrößte private Arbeitgeber ist. Die Frage, die vor Gericht geklärt werden sollte ist, ob das Mutterunternehmen für die Arbeitnehmer in den „unabhängigen“ Einzelrestaurants zuständig ist oder, ob jedes einzelne McDonald’s Restaurant verantwortlich sei. Einiges spricht dafür, dass der Konzern den Ton bestimmt, sowohl bei der Einstellung, wie auch beim Arbeitsablauf. Und von dieser Frage hängt viel ab, darunter ob Mitarbeiter solcher „Franchises“ streiken und sich unter einer Gewerkschaft organisieren dürfen, was zu einer der größten Arbeitnehmervertretungen im Land führen könnte. Denn derzeit sind rund 8 Millionen Amerikaner in solchen „unabhängigen“ Konzernfilialen angestellt, Tendenz steigend.

Nach 150 Tagen war man kurz vor einem Richterspruch angelangt. Alles sah nach einem Erfolg der McDonald’s Mitarbeiter aus, doch dann kam die neue Administration und Donald Trump suchte die Nähe zum Burger Clown. Die Anwälte des „National Labor Relations Boards“ erklärten, man wolle nun den Fall außergerichtlich lösen. Und das wäre ein Schlag ins Gesicht nicht nur für die direkt betroffenen McDonald’s Mitarbeiter, sondern eben auch für die Mitarbeiter anderer Restaurants und Konzernfilialen, die darauf hofften, endlich eine Arbeitnehmervertretung organisieren zu können. Trump und seine Administration versuchen mit diesem Schritt eine Gewerkschaftsgründung und eine Stärkung der Mitarbeiterrechte zu verhindern. Gerade jener Arbeitnehmer, die für einen Hungerlohn malochen und von der vielgepriesenen Trumpschen Steuerreform nicht betroffen sind.

Das gibt’s doch gar nicht!

Da verstanden sie sich noch gut, Omarosa Manigault Newman an der Seite von Donald Trump. Foto: Reuters.

Seit fast 22 Jahren arbeite ich als USA Korrespondent. In diesen Jahren ist viel passiert, was ich versucht habe zu erklären, für mich und für Leser und Hörer. Aber so langsam weiß ich nicht mehr, was ich noch sagen soll. Ein Präsident der täglich Politik über den Kurznachrichtendienst Twitter macht, der beleidigt, der provoziert, der vor allem tagtäglich und nachweislich lügt. Wie will man das erklären? Wie will man das in Worte fassen, dass seine Wählerinnen und Wähler noch immer zu diesem Mann stehen?

Politik in den USA ist zu einem durchgeknallten Geschäft geworden. Extreme und nicht schmerzfreie Unterhaltung mit Fremdschämen garantiert. Die amerikanischen Nachrichtensender und Tageszeitungen schauen für ihre Berichterstattung in diesen Tagen „Celebrity Big Brother“. Ein paar C und D Promis sind da in einem Haus eingesperrt, beobachtet von 87 Kameras und abgehört von noch mehr Mikrofonen. Das Interesse ist diesmal groß, denn eine der anwesenden Damen ist Omarosa Manigault Newman, die bis Dezember im Kommunikationsteam des Weißen Hauses tätig war. Zuvor war sie enge Vertraute von Donald Trump, auch Kandidatin in seiner „Apprentice“ Reality TV-Show.

Und Omarosa, wie sie in der CBS Sendung nur genannt wird, packt derzeit über ihre Monate im „White House“ aus. „Mich verfolgten die Tweets jeden Tag, was tweetet er nun als nächstes?“, beschrieb sie ihre Situation einem Mit-Big-Brother-Kandidaten. Gespannt wartet die politischen Kommentatoren in DC nun auf weitere Details aus dem Innenleben der Machtzentrale. So weit ist es in der amerikanischen Politik schon gekommen, dass die Couchgespräche aus der Reality TV-Show „Big Brother“ Teil der Berichterstattung aus Washington geworden sind. Armes Amerika!

 

 

Das andere Amerika des Donald Trump

Dass die USA nicht gerade ein Hort von Friede, Freude, Eierkuchen sind, das war mir schon immer klar, Aber als ich hier vor einigen Jahren meine Papiere einreichte, um amerikanischer Staatsbürger zu werden, hatte ich eigentlich ein anderes Land im Kopf, in dem ich in Zukunft leben würde. Denn meine Vorstellungen von Amerika sind so ganz anders als die des derzeitigen Präsidenten der USA.

Selbst „Lady Liberty“ ist eine Immigrantin. Foto: AFP.

Der fordert eine massive Militärparade in Washington, vorbei am Weißen Haus und dem Kongress, um so eine Machtdemonstration sondergleichen zu zeigen. Wie es heißt, zögert man sogar im Pentagon vor solch einer teuren Waffenschau mit Panzern, Raketen, marschierenden Soldaten und Kampfjets auf der Pennsylvania Avenue. Derzeit, so schreibt die Washington Post, versuchen einige im Verteidigungsministerium eine Parade im November zu organisieren, am „Veterans Day“, um 100 Jahre Kriegsende des Ersten Weltkrieges zu feiern. Hintergedanke dabei ist, dass man solch eine Parade nicht unbedingt mit den Absichten des Präsidenten verbinden möchte.

Aber das ist nur ein Punkt in der langen Liste der Trumpschen Weltsicht, die mir derzeit aufstösst. Er bezeichnete oppositionelle Demokraten im Kongress, die bei seiner „State of the Union“ Rede nicht applaudierten und ihm keine stehende Ovationen gaben als „unamerikanisch“ und „verräterisch“. Trump will dauerhaft gebauchpinselt werden, wenn das nicht geschieht, schwingt er die unsägliche Patriotenkeule. Die anschließende Erklärung der Pressesprecherin des Weißen Hauses, Trump habe nur gescherzt, klang wie ein billiger Versuch der Schadensbegrenzung.

Eigentlich frage ich mich jeden Tag, wohin die Reise hier geht. Amerika durchlebt einen Kulturkrieg sondergleichen. Und Donald Trump ist der General auf dem Weg zu diesem unamerikanischen Amerika. Er will ein abgeschottetes Land, sprich, er will ein weißes Amerika. Nicht anders kann man die Politik erklären, die zwischen Mauerbau und einer geweißten Immigrationsreform liegt. Trump will keine Menschen mehr aus „Shithole Countries“ in Afrika in die USA lassen, ihm schweben vielmehr Immigranten aus Norwegen vor. Deutlich rassistischer geht es nicht. Unter Trump wurden sogar die Einreisemöglichkeiten für Asylsuchende weiter beschränkt und beschnitten. Die demokratische Abgeordnete Zoe Lofgren spricht gar von einer „Zerschlagung des Asylsystems“.

Donald Trump lässt sich gerne vor nationalen Symbolen ablichten oder nutzt diese für seinen nationalistischen Feldzug durch die USA. Es klingt wie Hohn, wenn man die Worte und die Absichten des 45. Präsidenten dem gegenüber stellt, was auf dem Sockel der Freiheitsstatue steht, jenem Symbol Amerikas, das Trump auch schon für sich beschlagnahmt hat:

Gebt mir eure Müden, eure Armen,
Eure geknechteten Massen, die frei zu atmen begehren,
Die bemitleidenswerten Abgelehnten eurer gedrängten Küsten;
Schickt sie mir, die Heimatlosen, vom Sturme Getriebenen,
Hoch halt’ ich mein Licht am gold’nen Tore!
Sende sie, die Heimatlosen, vom Sturm Gestoßenen zu mir.
Hoch halte ich meine Fackel am goldenen Tor.