It’s great to be alive in Colma

An Colma fährt man vorbei, wenn man von San Francisco kommend über den 280er zum internationalen Flughafen muss. Von der Autobahn kann man etwas davon sehen, für was Colma bekannt ist: Friedhöfe. Doch dieser Blick zeigt nicht das Ausmass dieser riesigen Totenstadt mit ihrem eigenen Charme, in der Gottesacker wie Parks wirken, in denen gejoggt, Hunde ausgeführt und sogar Filme für die ganze Familie gezeigt werden.

Rae Gonzalez ist die Bürgermeisterin von Colma, südlich von San Francisco gelegen, etwa 5 Quadratkilometer groß, in der gerade mal 1500 Menschen leben. Über Tage. Colma ist nämlich die Friedhofsstadt von San Francisco. 1,5 Millionen Tote sind hier begraben. Gonzalez wuchs hier auf, spielte auf den Friedhofsfeldern mit Freunden Football und Baseball. Das war ganz normal für sie und all die anderen, die hier leben. „Aber über die Jahre, als Häuser zum Verkauf standen, wollten bestimmte ethnische Gruppen nicht hierher ziehen, sie meinten, das sei kein gutes Feng Shui und bringe nur Unglück. Ich sehe es hingegen als ein offenes Feld. Meine Nachbarn sind leise und ich habe Glück, denn ich kann auch auf der anderen Straßenseite parken, ich muss mir das nicht mit den Nachbarn dort teilen.“

Im Angesicht des Todes hat man hier seinen Sinn für Humor nicht verloren. Der offizielle Slogan der “Stadt der Seelen”, wie Colma auch genannt wird, ist “It’s great to be alive in Colma”. T-Shirts und Aufkleber damit werden im städtischen Museum verkauft. Bürgermeisterin Rae Gonzalez lacht und setzt noch einen drauf, in dem sie lachen sagt: “Everybody is dying to get in”.

17 Friedhöfe gibt es in Colma, darunter vier konfessionslose, vier jüdische, zwei chinesische, einen japanischen, einen griechischen, einen serbischen, einen katholischen, einen italienischen, einen nicht mehr aktiven Armenfriedhof und einen Friedhof für Haustiere. Colma wurde aufgrund der weltlichen Vielfalt auch einmal als “United Nations of Cemeteries” beschrieben, denn im Totenreich kommen sie alle wieder zusammen.

Richard Rocchetta arbeitet im historischen Museum von Colma. Er wuchs am Rande von Colma auf und kennt die Geschichte der Kleinstadt. „Am Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in San Francisco eine Bewegung, alle Friedhöfe auszulagern, damit man die beschränkte Landfläche gerade im Westen der Stadt für Häuser und Geschäfte nutzen könnte. Das dauerte allerdings etliche Jahre, um die Friedhöfe aufzulösen. Es gab Gerichtsverfahren und mehrere Wahlen. Am Ende der 1930er Jahre wurden sie schließlich alle aufgelöst. Damals gab es noch vier große Friedhöfe in San Francisco, zwei wurden schon in den 1920ern umgebettet, aber erst Ende der 30er, Anfang der 40er Jahre kamen die letzten beiden großen Friedhöfe und ihre Leichen nach Colma.“

Damit war auch das Ende der Farmgemeinde Colma besiegelt. 1894 wurden hier noch rund zwei Millionen Tonnen Kraut geerntet und nach San Francisco, in den Mittleren Westen und bis nach Chicago gebracht. In Colma gab es damals sogar eine deutsche Sauerkrautfabrik, die die zahlreichen deutschen Immigranten in der Region versorgte. Auch Massengräber sind hier zu finden, denn als die Stadtführung in San Francisco 1914 beschloss, die ersten städtischen Friedhöfe aufzulösen, „erbte“ die kleine Gemeinde Hunderttausende von Leichen. Viele der Hinterbliebenen konnten damals die 10 Dollar Überführungsgebühr von San Francisco nach Colma nicht bezahlen. Die sterblichen Überreste wurden deshalb einfach in Massengräbern auf dem Armenfriedhof bestattet.

Colma ist eine friedliche Gemeinde. Probleme scheint es hier kaum zu geben. Darauf angesprochen meint Bürgermeisterin Gonzalez, Parken sei das Hauptproblem, denn Besucher wüssten oft nicht, dass man eine Parkerlaubnis haben müsse. Mit 17 Friedhöfen und eineinhalb Millionen Toten, ist denn der Tod hier ein gutes Geschäft für die Kommune? Mayor Rae Gonzalez lacht und meint, „nein, leider nicht für uns. Der Bezirk bekommt alles. Das wurde schon vor vielen Jahren beschlossen, ich weiss nicht, wie es dazu kam, dass das so ist, denn wir beherbergen ja die Ruhenden. Aber das Geschäft ist gut für die Grabstein Händler, die Floristen. Es ist ja andauernd, jeden Tag. Sie sind beschäftigt, sollte ich wohl besser sagen.“

 

Wehwehchen sind teuer

Ich bin bei Kaiser versichert. Das ist eine Krankenversicherung und ein „Provider“ in einem, also, sie haben eigene Ärzte, Spezialisten, Labors, Behandlungsmaßnahmen, Krankenhäuser. Kaiser war meine Wahl, weil sie einen sehr guten Ruf haben und gleichzeitig im Vergleich zu anderen Versicherungen auch noch bezahlbar sind. Wenn man denn nicht krank wird.

Mal kurz bei Kaiser Oakland in die Röhre.

Nun musste ich allerdings mal wieder zum Arzt, wegen zwei körperlichen Unpässlichkeiten. Den Arzt zu sehen kostet $20, im Labor danach gleich weitere $20. Das Röntgen des Knies ist dann schon $40. Den Facharzt sehen nochmal $40 und dann ein MRI für $150 Dollar. In einem gleich mal $270 weg. Na ja, so ist das in den USA mit einem nicht vorhandenden allgemeinen Krankenversicherungsschutz. Irgendwie herrscht da Wild West im System. „Obamacare“ hat nicht wirklich geholfen, auch, weil es von Anfang an gezielt von den Republikanern torpediert wurde und mit einem Donald Trump im Weißen Haus gezielt unterminiert wurde und wird. Wer in den USA keine Krankenversicherung hat, sollte viel beten, dass er gesund bleibt, denn wird er oder sie krank, wird es teuer. Und wenn man einen Versicherungsschutz hat, ist entweder der nicht gerade günstig oder man zahlt, wie in meinem Fall, gehörig drauf.

Zumindest waren die Besuche schmerzlos und das Warten in den Wartezimmern unterhaltsam. Nicht vergessen werde ich den etwa 45jährigen Mann, mit rasiertem Schädel, total hyper, der mit einem Becher und einer Thermoskanne ankam. Aber nicht so eine Thermoskanne zum Mitnehmen, nein, es war so eine aus der heimischen Kaffeemaschine. Und er kippte sich einen Kaffee nach dem anderen rein. Damit ging er sogar zur MRI Untersuchung und wurde dort gestoppt, die Kanne dürfe nicht mit in den Anhänger mit seinem 1,5 Tonnen Magneten, hieß es (ja, mein MRI wurde im Lastwagenanhänger im Ladebereich des Krankenhauses durchgeführt).

Wartezimmer haben so etwas wie WalMart. Man kennt ja die Fotos aus den sozialen Medien. Irgendwie sieht man da immer Leute, denen man tagsüber im normalen Leben so gar nicht über den Weg läuft. Und ich will mich hier nicht lustig machen über Menschen, die ihre Gründe haben, warum sie bei WalMart einkaufen oder eben in Wartezimmern warten. Ich sass einfach da und genoss das „Outing“, denn tagtäglich arbeite ich am Schreibtisch daheim, gehe mit meinem Hund im Wald spazieren, also viele Mitmenschen treffe ich in der Regel nicht. Von daher war die Wartezeit eine Zeit voller Erkenntnisse. Oakland ist eine sehr vielgesichtige, kreative, unterhaltsame und interessante Stadt voller Geschichten. Und die beginnen mit den Menschen, die hier leben.

Der ewige Blick aufs Golden Gate

San Francisco Reisende machen nur selten den Schritt über die Bay nach Oakland. Doch die Stadt in der East Bay hat viel zu bieten. Neben einer lebendigen und lebhaften Kunst- und Kulturszene, hervorragenden Restaurants und Bars ist da auch immer der einzigartige Blick über die Bay aufs Golden Gate. Einer der Orte, den man unbedingt besuchen sollte, ist der „Mountain View Cemetery“ am Rande der Oakland Hills. Der 1863 eröffnete Friedhof ist einzigartig, wunderschön, ein friedlicher Ort in einer Metropolengegend. Und ein Spaziergang über den Friedhof ist ein Spaziergang durch die Geschichte der Region, denn hier liegen die Gründungsväter von San Francisco und Oakland. Politiker, Industrielle, Künstler und viele der Immigranten, die am Golden Gate ihr Glück suchten und mithalfen die Region aufzubauen. Der weitläufige und noch immer genutzte Friedhof ist zu einem Park geworden, in dem Jogger ihre Runden drehen, Hundebesitzer ihre Vierbeiner ausführen und viele die gewaltigen Gruften an der „Millionaires‘ Row“ mit ihrem unglaublichen Ausblick auf die Bay zu einer Pause, einem Picknick, einem Joint nutzen.

Die erste Demokratin fällt

Senatorin Elizabeth Warren ist „ouf of the race“. Foto: Reuters.

Elizabeth Warren wollte mit ihrer DNA Analyse einen Punktsieg gegen Donald Trump erreichen. Doch nun hat sie sich damit einen Bärendienst geleistet. Warren hatte in der Vergangenheit erklärt, sie habe „Native American“ Vorfahren. Donald Trump griff das schon im Wahlkampf auf und attackierte die US Senatorin. Trump meinte, Warren habe weniger indianisches Blut als er in sich, und er habe 0,0 Promille davon. Vielmehr, so Trump, habe „Pocahontas“, wie der Präsident die Senatorin abwertend bezeichnet, sich Vorteile mit dieser Behauptung erkauft. Das stimmt nachweislich nicht, doch der Vorwurf blieb and Warren haften.

Nun also wollte sie alles klarstellen, ein Stanford Professor untersuchte die DNA der Senatorin und erklärte, sie habe vor sechs bis zehn Generationen indianische Vorfahren gehabt. Warren jubelte, doch der Schuss ging nach hinten los. Nicht nur, dass sich die Konservativen im Land, allen voran Donald Trump, kaputt lachten und sich bestätigt fühlten. Auch betonten führende Vertreter verschiedener indianischer Völker, dass die DNA Analyse von Elizabeth Warren ein totaler Humbug sei und nichts darüber aussage, ob sie „Native American“ sei oder nicht.

Elizabeth Warren ist damit aus dem Rennen ums Weiße Haus. Sie galt als mögliche demokratische Kandidatin 2020, hatte daraufhin gearbeitet und ihr DNA Test sollte auch dahingehend bewertet werden. Warren wollte Trump angreifen, doch hat sich damit selbst ins Aus katapultiert. Denn nun hängt ganz deutlich etwas an ihrem Namen. Gegen den populistischen und verleumderischen Ton von Donald Trump kommt sie so nicht an. Vielmehr glauben seine Fans den „Pocahontas“ Vorwürfen und viele „Independent Voters“ und auch Demokraten haben ihre Zweifel, ob nicht doch was an der Trumpschen Indianergeschichte dran sein könnte. Alleine dadurch ist Elizabeth Warren angreifbar und somit nicht länger als Kandidatin haltbar. Falls sie dennoch blind und selbstgefällig ins Rennen gegen Trump einsteigen will, ist sie auf verlorenem Posten. Gegen den verlogenen King des Populismus wird sie keine Chance haben.

Bayern so nah und doch so fern

Während in Bayern geweint und gelacht wird an diesem Wahltag, feiert man in Petaluma, rund eine Autostunde nördlich von San Franciso Oktoberfest. Das Wahldebakel der einen, das historische Ergebnis der anderen und der erstmalige Einzug der Rechtspopulisten in den bayerischen Landtag kommt hier nicht zur Sprache. Die „Steve Balich Band“ spielt zum Tanz auf, die Schuhplattler der Nature Friends bringen etwas Folklore in den Saal, bei Bratwurst, Bier und Bienenstich lässt es sich feiern.

Oktoberfest am Golden Gate. Die Schuhplattler in der Festhalle der Hermanns Söhne in Petaluma.

In der Festhalle der Hermanns Söhne von Petaluma findet das alljährliche Oktoberfest statt. Es ist schon lange Tradition, dass dieses eigentlich urbayerische Fest hier gefeiert wird. Alle helfen mit, egal, woher sie ursprünglich auch aus Deutschland sind. Und überhaupt werden deutsche Feste hier gefeiert, wie sie fallen. Seit 1931 steht die Halle der Hermanns Söhne, dekoriert mit den Wappen der Bundesländer. Zum Fahneneinmarsch wird erst die deutsche Nationalhymne und dann „The Star Spangled Banner“ gesungen. Irgendwie ist man hier zwischen Heimat und Daheim, die kulturellen Wurzeln werden gepflegt.

Lederhosen und Dirndl, Alt und Jung feiern gemeinsam. Und doch, das hohe Alter vieler Mitglieder und Besucher ist auffallend. Die Hermanns Söhne sind eine in die Jahre gekommene Organisation, die viel zur Geschichte der Deutschen in der San Francisco Bay Area beigetragen hat. Früher gab es Dutzende von Logen im ganzen Bundesstaat, heute sind nur noch ein paar wenige übrig geblieben. Doch deutsch ist man im Herzen geblieben, auch wenn all die Mitglieder, mit denen ich gesprochen habe, schon 50, 60 und mehr Jahre hier in den USA leben, schon lange amerikanische Staatsbürger sind. Es ist der Zusammenhalt, die gleiche Herkunft und vor allem die gleiche Sprache, die man spricht, wird mir erklärt. Auf den Versammlungen der Loge wird noch immer Deutsch gesprochen, darauf wird großer Wert gelegt.

Es sind beeindruckende „Stories“, die ich für die Recherche zur deutschen Geschichte in der San Francisco Bay Area höre. Ich weiß gar nicht, wie ich das alles zu Papier bringen soll, wie das alles am Ende in der „Langen Nacht“ klingen wird. Drei Stunden sind viel Zeit und dann auch wieder nicht. Immerhin wird der Bogen vom Goldrausch bis zum High Tech Boom, 150 lange Jahre später gespannt. Und ein bisschen wird auch vom Oktoberfest in Petaluma zu hören sein, an diesem „historischen“ Wahltag in Bayern.

 

Die California Hall in San Francisco

1910 wurde es geplant und 1912 die Eröffnung gefeiert. Das deutsche Haus, oder auch California Hall an der Ecke Polk und Turk Street, unweit des Rathauses von San Francisco. Ein gewaltiger Prachtbau, in dem für Jahrzehnte die deutsche Community am Golden Gate zusammen kam, feierte, Kulturveranstaltungen durchführte. Es war das Zentrum der Deutschen in der Stadt, in der Polk „Straße“, auf der damals viele „Germans“ ihre Läden und Werkstätten hatten.

Viele ältere Deutsche, die ich hier kennenlernte, schwärmten von ihrer California Hall. „Oh, die Feiern dort waren einmalig und gingen bis in die frühen Morgenstunden“, erzählte mir vor über zehn Jahren der damals 92jährige Hans Bartsch. In den alten Protokollbüchern des Arbeiterbildungsvereines wurde der volle Saal in den späten 1920er Jahren beschrieben, als sozialdemokratische Gastredner aus Deutschland ans Golden Gate gereist waren. Doch das ist alles lange her.

Das Haus steht noch immer und hat einige Wandel erlebt. In den 1960er Jahren war die Polk Street das Zentrum der Gay Bewegung. Und die California Hall wurde Teil der Geschichte für Gleichberechtigung in der Stadt. Am Silvestertag 1964 löste die Polizei eine Veranstaltung mehrerer Schwulenorganisationen auf, die genau dort feiern wollten. Die Polizei fotografierte die Teilnehmer auf offener Straße, um sie bloßzustellen. Das war der Beginn einer breiten Kampagne für die Rechte von Homosexuellen in San Francisco.

Die California Hall wurde in den 1960ern auch eine Konzerthalle, in der u.a. Jefferson Airplane, Greatful Dead und Ike and Tina Turner auftraten. Am 15. Mai 1967 erlebte die California Hall sogar eine Party der Hells Angels. Auch U2 spielten 1981 im Festsaal der California Hall, damals um ihr zweites Studioalbum „October“ zu promoten. Das markante Gebäude ist auch in etlichen Hollywoodstreifen zu sehen, darunter eine Szene im Dirty Harry Film mit Clint Eastwood. In den 1980er und 90er Jahren war das Haus im Besitz der „California Culinary Academy“, von den Deutschen war da auf der Polk Street schon lange nichts mehr zu sehen.

Heute ist das Haus 625 Polk Street ein „San Francisco Landmark“, ein Gebäude, das geschützt werden muss. Nicht nur wegen seiner architektonischen Schönheit, sondern auch weil sich hier ein wichtiger Teil der Geschichte der deutschen Immigranten am Golden Gate abspielte, weil hier viele der legendären San Francisco Bands auftraten, weil hier auch ein wichtiges Kapitel der San Francisco Gay Szene geschrieben wurde. In diesen Mauern lebt Geschichte.

Ein Planet für die Tonne

„America First“, „Make America Great Again“, „Promises Made, Promises Kept“, das sind nur einige der Schlachtrufe, mit denen Donald Trump derzeit durchs Land tingelt und dafür von seinen Fans laut bejubelt wird. Sie sehen einen Präsidenten, der zu seinem Wort steht, der patriotisch und nationalistisch denkt, der Amerika über alles stellt. Auch über die Wissenschaft.

Lange Dürreperioden, wie hier in Somalia, sind Folgen des Klimawandels.

Im ganzen Getöse um die Benennung von Brett Kavanaugh zum Verfassungsrichter ging ganz unter, dass im Umweltministerium (Environmental Protection Agency – EPA) mal kurz der wissenschaftliche Beirat aufgelöst wurde. Braucht man nicht mehr. Lobbyisten in Washington wissen eh besser was Amerika braucht, als ein paar Wissenschaftler, die Entscheidungsträger fundiert beraten sollen. Vom Beginn der Trump Amtszeit ging es einzig und allein darum, Umweltschutzrichtlinien aufzukündigen, zu verwässern, umzuschreiben, in die Tonne zu kloppen. Wissenschaftler stören da nur.

Als Scott Pruitt als Umweltminister ins Amt kam, forderte er von seinem Ministerium, dass eine Namensliste erstellt wird, auf der zu sehen ist, welche Mitarbeiter in Sachen Klimawandel geschult wurden und sich fortbilden ließen. Die Absicht war klar, jene Mitarbeiter sollten nicht viel länger im Ministerium bleiben dürfen. Solch eine Namensliste konnte verhindert werden, nicht jedoch der offene Kampf gegen Klimaschutzprojekte. Und der wird nicht nur im Umweltministerium durchgeführt.

Unter Barack Obama waren die USA der größte Geldgeber für den „Green Climate Fund“, der Entwicklungsländer und Schwellenländer half, mit den Folgen des Klimawandels umzugehen und auf erneuerbare Energien zu setzen. Obama versprach drei Milliarden Dollar, bis zum Ende seiner Administration wurde eine Milliarde Dollar ausgezahlt. Donald Trump hingegen sieht den Klimawandel als „Hoax“, als Schwindel an, als von den Chinesen erfunden. Kein Wunder also, dass er überhaupt keinen Dollar mehr für den „Green Climate Fund“ zur Verfügung stellt.

Nicht nur das, das Weiße Haus unter Donald Trump wollte den Haushalt für Umweltschutzprojekte der Entwicklungshilfebehörde USAID auf 200 Millionen Dollar reduzieren, eine Kürzung um 70 Prozent. Der republikanisch dominierte Kongress hat dem jedoch nicht zugestimmt. Noch nicht, befürchten Umweltschutzgruppen, denn Trump macht Druck diese Gelder einzusparen. Doch was Trump und seine Gang durchsetzen konnten, ist die Streichung aller Klimaprojekte in Afrika, Asien, Lateinamerika. USAID, die für die Verteilung von Entwicklungshilfegeldern zuständig ist, darf fortan solche Klimaprojekte nicht mehr finanzieren, daruner auch in Ländern wie Äthiopien und Mozambique, wo schon heute die dramatischen Folgen des Klimawandels zu sehen sind. Alles Humbug und damit Geldverschwendung, sagt der Präsident. Die Folgen der Trumpschen „America First“ Politik wird mehr als langfristige Folgen haben. Hier regiert ein Mann, der die Wissenschaft ablehnt und viel schlimmer noch, davon überzeugt ist, dass er alles besser kann, weiß und macht.

Sonntagmorgen in San Quentin

7:45 Uhr am Sonntagmorgen. Über der San Francisco Bay strahlt die Sonne. Überpünktlich reihe ich mich in die Schlange ein. Vor mir mehrere Frauen, die „loved ones“ im Staatsgefängnis von San Quentin besuchen wollen. Darunter auch eine Engländerin, die viermal im Jahr nach Kalifornien reist, um ihren Mann zu sehen. Das ist keine Ausnahme, der Zellennachbar von Reno ist mit einer Frau aus Nürnberg verheiratet. Sie hatten sich per Brieffreundschaft kennengelernt. Nun ruft er zweimal am Tag vom Golden Gate in Franken an, sie besucht ihn mehrmals im Jahr.

„San Quentin, you’ve been living hell to me“ (Johnny Cash).

Als ich endlich zur Kontrolle dran bin, meint der Officer, meine Hose sei grün, das sei nicht erlaubt. Ich versuche ihm klar zu machen, dass meine Hose grau ist und ich sie schon mehrmals in San Quentin an hatte. Hier herrscht eine strenge Kleiderordnung. Keine blauen Jeans, kein Orange, kein Grün. Alles Farben, die von Häftlingen oder Wärtern getragen werden. Im Falle eines Falles will man so schnell Besucher von den „Inmates“ unterscheiden können. Der Fall der Fälle ist nicht ganz klar, aber Regel ist Regel. Schließlich lässt man mich mit meiner grauen Hose durch, mit dem Versprechen diese beim nächsten Besuch nicht mehr zu tragen. Langsam habe ich ein Problem in meinem Schrank, es sieht so aus, als ob ich mir eine offizielle Anstaltshose besorgen muss.

Der Weg vom Eingang zum „East Block“, in dem die zum Tode Verurteilten einsitzen ist immer wieder faszinierend. Gerade an einem frühen Morgen. Entlang der Bay, mit Blick auf Tiburon und Angel Island, dahinter die Skylines von San Francisco und Oakland. Nach der zweiten Sicherheitskontrolle bin ich endlich mit 45 Minuten Verspätung im Besucherraum. Schnell ein paar Dosen Cola, ein paar Burger und Popcorn aus den Automaten gezogen, in der Mikrowelle warm gemacht und dann werde ich mit Reno in einem ein Meter mal zwei Meter grossen/kleinen Stahlkäfig eingesperrt. Eine kurze Umarmung und dann reden wir.

Er erzählt etwas von seinem Fall, von seiner Gesundheit, davon, dass am Freitag im Außenbereich des Todestraktes ein anderer Häftling erstochen wurde und noch im Hof starb. Ein Warnschuss sei abgegeben worden, doch das half wohl nichts. Ein Streit führte zu den tödlichen Stichen, wie das „Shank“ auf den Hof kam sei noch unklar. Alltag in San Quentin.

Nach zwei Stunden ist der Besuch zu Ende. Der 73jährige wird mit Handschellen abgeführt, erst dann wird die Käftigtür auf meiner Seite geöffnet. Bevor er geht sagt Reno noch, dass er Ende Oktober ein Jubiläum habe. Seit 40 Jahren sei er nun hinter Gittern. Ein Grund zum Feiern gibt es da wohl nicht. Doch, trink einen auf mich, meint er und lacht. Bis zum nächsten Mal.

„The state of the Union is…“

Die Lage der Nation ist kritisch. Anders kann man es wohl nicht beschreiben, was derzeit in den USA passiert. Da schlägt ein von einer Minderheit gewählter Präsident (gerade mal 25 Prozent der Amerikaner haben für Donald Trump gestimmt) einen Kandidaten für das Verfassungsgericht vor, der von einer Mehrheit der Amerikaner abgelehnt wird. Und das gleich aus verschiedenen Gründen. Zum einen sind da die Vorwürfe wegen sexuellen Übergriffen. Zum anderen seine äußerst parteiliche Einstellung, die absolut fehl am Platz ist für das höchste Gericht der USA. Und dann wird dieser Richter von einer Mehrheit der Senatoren gewählt, die ebenfalls für sich nur eine Minderheit der Amerikaner repräsentieren.

Die republikanische Basis wird durch den Kampf um Richter Brett Kavanaugh mobilisiert. Foto: Reuters.

Irgendwas stimmt nicht in diesem Wahlsystem, aber machen wir uns nichts vor, es wird sich daran nichts ändern. Wir werden hier in den USA wieder einen Donald Trump zum Präsidenten bekommen und damit auch wieder Richter wie Brett Kavanaugh, die eigentlich nichts, aber auch rein gar nichts am Verfassungsgerichtshof zu suchen haben. Das amerikanische Wahlsystem, so hoch viele der Amerikaner es auch halten, so vehement sie es auch verteidigen, ist längst überholt, denn es repräsentiert keine Mehrheiten im Land und ist damit undemokratisch.

Es geht dabei nicht nur um den unsäglichen und undemokratischen Vorwahlzirkus, nicht nur um den Kampf um die Wahlmänner und -frauen am Wahltag, man muss auch sehen, dass das gesamte Abgeordnetenhaus alle zwei Jahre neu gewählt wird. Nach der Wahl ist vor der Wahl, es geht den Parlamentariern immer nur ums Geld. Sie sind mehr als abhängig von Spenden, gerade in Gegenden, in denen teure Wahlkämpfe durchgeführt werden (müssen). Dann kann es passieren, dass ein Kandidat mit 50,1 Prozent gewählt wird, was bedeutet 49,9 Prozent der Wählerinnen und Wähler in dem Distrikt werden nicht repräsentiert. Die gezielt politische und künstliche Grenzziehung der Distrikte, um politische Macht zu erhalten, lassen wir mal ganz außen vor.

Und im Senat sieht es so aus, dass pro Bundesstaat zwei Senatoren nach Washington geschickt werden. Das heisst, die zwei kalifornischen Senatorinnen, die fast 40 Millionen Menschen vertreten, haben genau so viel Einfluss wie die zwei Senatoren aus Wyoming, die lediglich 580.000 Menschen vertreten. Man sieht da ganz deutlich die politische Schieflage im Land, gerade eben auch, wenn es zu solchen Entscheidungen wie der über den Skandalrichter Brett Kavanaugh kommt.

Aber es bleibt alles so, wie es eben schon immer war, ist und sein wird. Nichts wird sich ändern, der Graben vertieft sich nur weiter in den USA. Der Kampf für und gegen Brett Kavanaugh hat nun sogar die politischen Aktivisten auf beiden Seiten mobilisiert. Lagen die Demokraten in den Umfragen für die „Midterm Elections“ lange vor den Republikanern, ist dieser deutliche Vorsprung nun dahin geschmolzen. Beide Lager liegen gleichauf. Die Christliche Rechte und konservative Gruppen haben Kavanaugh als „call to arms“ genutzt, um ihre Unterstützer zu aktivieren. Es sieht also danach aus, als ob die Republikaner im November ihre Mehrheiten im Kongress halten können. Was das bedeutet, kann man sich vorstellen. Es wird ein Freibrief für Donald Trump und seine Politik sein. Denk ich an Amerika in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht.

Gott hat uns Trump gebracht

      Christliche Rechte für Trump

Hat uns Gott wirklich Donald Trump gebracht? Man will es nicht glauben, doch Tatsache ist, die christlichen Fundamentalisten in den USA setzten schon früh auf den zum dritten Mal verheirateten, skandalumwitterten „Pussy Grabber“ Donald Trump als ihren Kandidaten gegen die verhasste Hillary Clinton. Darüber dreht sich auch das zu hörende Radiofeature im Audioplayer.

Doch das war vor dem Wahltag. Die Christliche Rechte steht nach wie vor zu ihrem Mann im Weißen Haus. Angetrieben durch die Taten von Vize-Präsident Mike Pence wird Trump zum Gottgesandten hochstilisiert, zum Retter Amerikas, der amerikanischen Werte, zum Beschützer der „God’s nation“. Und nun folgt ein Film, der in dieser Woche in rund 1200 Kinos in den ganzen USA angelaufen ist. Gefeiert wird darin der Messias Trump, in den die Fundamentalisten all ihre Hoffnung und ihren Glauben legen, dass er aus diesem Land einen Gottesstaat formen möge.

Produziert wurde dieser Film u.a. von den Filmstudenten der Liberty University, jener Universität, die als Eliteschmiede der Christlichen Rechte gilt. So konnten die Produktionskosten niedrig gehalten werden. Erzählt wird die „wahre“ Geschichte des früheren Feuerwehrmannes Mark Taylor, der 2011 eine Eingebung von Gott gehabt haben will. Beim Fernsehschauen klickte er auf einen Kanal, auf dem ein Interview mit Donald Trump lief. Und Gott sprach zu Taylor: “You are hearing the voice of the next president.”

Der ehemalige „Fire Fighter“ sprang also ins Höllenfeuer, um seinen Mitbürgern die frohe Botschaft zu verkünden und schrieb „The Trump Prophecies“. Doch das waren nicht die einzigen göttlichen Eingaben, die Taylor von ganz oben erhielt. Er verkündete auch, dass Barack Obama wegen Hochverrats angeklagt wird und Trump die Verhaftung von „Tausenden korrupter Offizieller (zulässt), die Teil eines riesigen, satanischen Pädophilen Ringes sind“. Darüberhinaus meinte der selbsternannte göttliche Spritzenmann, dass Präsident Trump die Pharmaindustrie dazu zwingen werde, endlich wirksame Therapien gegen Krebs und Alzheimer zu veröffentlichen, denn die werden von den Pharmabossen zurückgehalten. Noch Fragen? Wenn nicht, dann viel Spaß mit diesem Bericht zum Film „The Trump Prophecy“ des Christlichen Networks CBN:

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