Amerika ist voller Probleme

Reden wir mal nicht über Donald Trump und all das, was mit diesem Präsidenten einhergeht. Denn die USA haben noch weit größere Probleme, als nur im Weißen Haus. Die Amerikaner werden dicker. Das hat nun die „United Health Foundation“ veröffentlicht. 2018 waren demnach 31, 3 Prozent von ihnen übergewichtig. Zum ersten Mal überhaupt ist damit die 30 Prozent Marke geknackt worden.

Nahezu jedes fünfte Kind in den USA ist auf Essensprogramme angewiesen. Foto: Reuters.

Im vergangenen Jahr waren es noch 29,9 Prozent der Amerikaner, die zu viel Gewicht auf die Waage brachten. Nun kann man das auch Donald Trump ankreiden und sagen, in diesen Zeiten frisst man sich den Frust an, aber das lasse ich mal, denn schon seit Jahren, auch unter Obamas Fitness-White House, wurden die US Bürgerinnen und Bürger dicker.

Auch die Zahl der Selbstmorde sind gestiegen, seit 2012 um 16 Prozent. Das bedeutet von 12.0 auf 13.9 Suizide pro 100,000 Einwohner. Bei den Männern liegt die Rate bei 22,2, bei den Frauen bei 6,2 auf 100.000 Amerikaner. Zum Vergleich, in Deutschland liegt die Selbstmordrate bei 12,6 auf 100.000 Einwohner.

„Gute“ Nachrichten, so die „United Health Foundation“, seien, dass die Kinderarmut von 22.6 Prozent im Jahr 2013 auf 18.4 Prozent 2018 gefallen ist. Doch nach wie vor bedeutet das, dass nahezu jedes fünfte Kind in Armut aufwächst, was Folgen für die Gesundheitsversorgung und die Schulbildung haben. Und hier allerdings kommt Donald Trump doch wieder mit rein, denn seine Gesellschafts- und Steuerpolitik in den USA wird diese Zahl wieder nach oben treiben. Die soziale Schere in den USA geht unter ihm wieder nachweislich auseinander.

Farmer aller Länder vereinigt Euch

Über meine Webseite radiogoethe.org bekomme ich immer wieder so einige Anfragen. Mir werden dubiose Gäste für die Sendung angeboten, Schlager und Volksmusik Lieder landen im Postfach, Praktikanten und freie Journalisten möchten im Sender „Radio Goethe“ arbeiten, was mir nur zeigt, all jene haben noch nie in das Einstundenprogramm reingehört. Und nun kam auch mal wieder eine Mail von einer „Casting Agentur“.

Vor ein paar Jahren wurde ich schon kontaktiert, ob ich nicht Interesse daran hätte, in einer „Auswanderer Sendung“ mitzumachen. Als sie mir sagten, ein Kamerateam würde dann eine Woche lang quasi rund um die Uhr hier filmen, winkte ich dankend ab. Ich bin nicht gerade ein Morgenmensch und brauche weder nach dem Aufstehen die richtige Ausleuchtung, noch will ich dabei gefilmt werden, wie ich mit meinem Hund morgens um den Block laufe. Ganz zu schweigen davon, dass ich in meinem chaotischen Büro und Musikarchiv meine Ruhe und meine Freiheit als freier Journalist sehr genieße.

Jetzt aber kam zum zweiten Mal diese Anfrage hier: „Wir sind eine TV-Produktionsfirma mit Sitz im Herzen von Berlin und produzieren für einen großen Sender RTL die Sendung „Bauer sucht Frau“. Da es uns ein Anliegen ist, nicht nur den Bauern in Deutschland bei der Suche nach der Partnerin fürs Leben zu helfen, sondern auch deutschsprachigen Bauern aus dem Ausland – hier meine Frage: Haben Sie Kontakt zu alleinstehenden, deutschsprachigen Landwirten?“

Schon nach der ersten Kontaktaufnahme vor ein paar Monaten schrieb ich zurück, dass ich hier in Oakland keine Farmer kennen würde und mir im Wine Country bislang noch kein deutschsprechender Junggesellen-Winzer in die Quere kam. Damals, wie auch jetzt, verwies ich die Dame von der TV-Produktionsfirma auf den Mittleren Westen, nach Wisconsin, Iowa, Illinois. Die Chancen wären dort wohl deutlich besser, einen deutschsprechenden Bauern zu finden, denn das ist Farm Country und gerade dorthin zog es viele deutsche Immigranten. Und, dort werden die deutsche Sprache und deutsche Traditionen noch gepflegt.

In ihrer Mail verweist die Firma auch darauf, dass sie schon Partnerinnen für Farmer in Namibia und Kanada gefunden haben: „Bei unserem Teilnehmer Gerald aus Namibia hat es auch geklappt, er hat seine Anna, die er durch uns kennengelernt hat, dieses Jahr geheiratet. Auch bei Andreas aus Kanada und Jörn, der ebenfalls in Namibia lebt, sieht es momentan nach großer Liebe aus.“ Das freut mich natürlich sehr, dass das Konzept „Bauer sucht Frau“ auch international „gut“ ankommt….gesehen habe ich die Show leider noch nie, ich glaube, ich werde auch weiterhin passen. Aber gerne gebe ich hier für interessierte deutschsprachige Farmer, Bauern und Landwirte in den USA die Email Adresse der Produktionsfirma weiter – casting@bauer-sucht-frau.deund wünsche viel Glück.

Wieviele sind es wirklich?

Donald Trump hat auf Twitter 56,2 Millionen „Followers“, das bedeutet, all diese ihm Folgenden bekommen wie bei einem Abo seine täglichen Ergüsse auf ihre Bildschirme und ihre Smartphones geliefert. Das klingt nun viel, wenn man sich nur die Zahl ansieht. Ins Amt gewählt wurde er von 62, 9 Millionen Menschen. Also folgen ihm fast all seine Wählerinnen und Wähler?

Ganz im Gegenteil, würde ich mal behaupten. Donald Trump glaubt zwar selbst daran, dass er durch seine Tweets eine alternative Realität, einen direkten Weg zu seinen Anhängern geschaffen hat. Doch dem widersprechen die vielen Kommentare, die man unter seinen Verlautbarungen lesen kann. Hinzu kommt, dass jeder einmal selbst auf die Liste von Freunden schauen sollte, die Donald Trump folgen. Ich habe so gut wie niemanden in meinem Bekanntenkreis, der Trump gewählt hat oder ihn nun unterstützt. Und dennoch sind nahezu drei Dutzend meiner Bekannten mit Trump auf Twitter verbunden, darunter Kolleginnen und Kollegen, Organisationen, die ich schätze, und denen ich folge, sogar das Goethe-Institut Los Angeles und die deutsche Botschafterin in Washington, Emily Haber, sind Twitter „Followers“ des Präsidenten.

Trump selbst kann diese Zahlen seiner Anhänger drehen und wenden wie er will, die Mehrzahl der 56,2 Millionen „Followers“ sind keine Trumpianer. Das Problem bei allem ist, dass wir Medienschaffenden über Trumps Tweets berichten, dass Politiker in den USA und im Ausland diese zum Thema machen, diese als offizielle amerikanische Politik betrachten, auch wenn es von den 140/280 Zeichen bis zur Gesetzgebung ein langer Weg ist. Sicherlich, und das ist unumstritten, Trump macht Politik über Twitter. Aber er macht sie nicht direkt, er erreicht nicht direkt seine Anhänger über den Kurznachrichtendienst. Vielmehr hat er es geschafft, über Twitter die Medienberichterstattung über ihn zu beeinflussen. Egal was passiert, Trump dreht mit ein, zwei Tweets die Nachrichten und plötzlich wird wieder über ihn berichtet, gesprochen, diskutiert. Das ist der eigentliche Wahnsinn, der eigentliche Geniestreich dieses Twitter-Königs.

Der Blick nach unten lohnt sich

Heute wurden die Grammy Nominierungen verkündet. Ich muss auf der ellenlangen Liste ziemlich weit nach unten fahren, um die wirklich guten Platten zu finden, von denen ich finde, dass sie eine Auszeichnung verdient haben. Klar, es ist immer auch Geschmack dabei, aber seien wir doch ehrlich, bei diesen Grammys werden in den vielbejubelten Kategorien immer die gleichen Verdächtigen nominiert und ausgezeichnet.

Eine der wirklich großartigen Platten in diesem Jahr ist Mary Gauthiers „Rifles & Rosary Beads“, die als „Best Folk Album“ zur Wahl steht. Gauthier hat das Album gemeinsam mit Veteranen geschrieben. Songs, die in Musik-Workshops entstanden sind, Lieder als Hilfe, als Krücke, als Möglichkeit, Erfahrenes auszusprechen und zu verarbeiten. Eine wichtige Platte in diesen Zeiten, wo Zehntausendes von Soldaten aus den Einsätzen in Afghanistan und Irak zurückkommen und auf eine Gesellschaft stoßen, die nicht in der Lage ist, ihnen die Hilfen zu bieten, die sie benötigen, die sie verdienen. Jeden Tag nehmen sich 22 Veteranen das Leben. Das ist die offizielle Zahl, nicht beachtet dabei werden Suizidversuche, Gewalt gegen andere, Alkohol- und Drogenprobleme, der gesellschaftliche Absturz. Mary Gauthiers Album ist daher ein Spiegel und ein Aufrüttler zugleich. Alben wie diese sollten beachtet und ausgezeichnet werden:

      gauthier

In der Kategorie „Best Album Notes“ wurde die hervorragende Doppel-CD Alpine Dreaming: The Helvetia Records Story, 1920-1924″ nominiert. In jahrelanger Kleinarbeit hat Professor James Leary von der University of Wisconsin in Madison alle Aufnahmen eines Labels zusammengetragen, das ein Schweizer Einwanderer 1920 gegründet hatte. Und nicht nur das, Leary erzählt in dem umfassenden Booklet die Geschichte des Labels und der Schweizer Community, angereichert mit vielen Bildern, Informationen und Details zu den einzelnen Musikerinnen und Musikern. Ein beeindruckendes Klangwerk, das neugierig macht auf mehr. Auf mehr, was all die Einwanderer in die USA mitgebracht haben, wie sie dieses Land zum Tönen brachten, wie sie es kulturell und musikalisch beeinflusst und bereichert haben.

      helvetia
Und dann sind auch noch zwei deutsche Produktionen in der Kategorie Best Historical Album nominert. Beide wurden auf dem einzigartigen (Kult-)Label Bear Family veröffentlicht: „At The Louisiana Hayride Tonight“ und „Battleground Korea: Songs And Sounds Of America’s Forgotten War“ . Zwei umfangreiche Boxen, die es in sich haben. Vor allem die Korea Box ist ein historisch einmaliges Klangerlebnis, die Geschichte zum Hören bringt. Beide sind in der bekannten Bear-Family Qualität mit viel Liebe zum Detail veröffentlicht worden.

Von Istanbul nach Niamey

Mamane Barka starb vor kurzem. Eine Mail von Sakina aus Niamey machte mich darauf aufmerksam: „This week Niger lost a big musician called Mamane Barka. So the musicians here were sad.“ Ein Land trauerte um einen der ganz großen Musiker, einem Meister der Biram. Bis dahin hatte ich von Mamane Barka noch nie gehört. Sakina schickte mir einige Links, ich hörte rein und bestellte umgehend die CD „Introducing Mamane Barka“.

Sakina, die ich über ihre Arbeit mit Studio Shap Shap kennengelernt hatte, erzählte von ihm, weil der Percussionist von Studio Shap Shap, Oumarou Adamou, mit Mamane Barka spielte und weltweit tourte. Auf dieser CD sind beide zu hören, zwei Meister ihres Instruments. Adamou konnte ich selbst im Garten von Sakina in Niamey erleben, ja, bewundern, wie er mit Händen und Füßen auf den Kalebassen trommelte, irrsinnige Töne aus seinen Instrumenten herausholte. Mamane Barka hingegen spielt die Biram, ein Instrument des Volkes der Boudouma aus dem Osten des Niger, direkt am Lake Chad gelegen. Für sie ist das Instrument heilig und geschützt durch den Geist des Sees, Kargila. Die Biram ist wie ein Boot gefertigt, ganz im Sinne der Kultur der Boudouma am Seeufer des austrocknenden Tschadsees.

Auf dieser Platte kann man vor allem traditionelle Boudouma Lieder hören, die sich um die Ahnen, das Leben als Nomaden, die Schönheit des Wassers und der Wüste, den Mut der Krieger drehen. Es sind nur zwei Instrumente zu hören, und dennoch wird eine große akkustische Welt erschlossen, die fremd und dennoch vertraut wirkt. Für mich, der schon mehrmals die Möglichkeit hatte in diese Region zu reisen, ist dieses Album ein perfekter Soundtrack einer beeindruckenden Landschaft. Musik ist hier die emotionale Sprache, die eine wunderbare Verbindung bietet.

Gaye Su Akyol wurde 1985 geboren, doch sie klingt wie eine Stimme aus längst vergangenen Tagen. Das macht für mich die Faszination dieser türkischen Sängerin aus . „Istikrarli Hayal Hakitattir„, ihr zweites Album, ist nun bei Glitterbeat erschienen, einem „Weltmusik Label“, das man einfach kennenlernen muss. Akyol verbindet in ihren Liedern musikalische Epochen, Genres, Sounds, Stimmungen. Es ist eine faszinierende Mischung zwischen dem, wie ich selbst Istanbul 1985 kennenlernte und wie ich es zuletzt 2017 erleben durfte.

Gaye Su Akyol spannt problemlos den Bogen zwischen damals und heute. Wandert durch die Zeiten, als wäre es ein Kinderspiel. Und dabei illustriert sie eine filigrane Distanz zum Publikum, die gleichzeitig anziehend ist. In ihren Liedern erwachen die 70er Jahre wieder mit einem Keyboard Sound, der frisch klingt. Sie klingt dann wieder, als ob sie in einem Schwarzweißfilm in einer französischen Bar auf einer kleinen Bühne steht, dicker Zigarettenqualm, ein paar Männer blicken fasziniert aus dem Schatten heraus auf diese Frau, die da auf Türkisch singt: „So all folks are beautiful yet are we ugly? / Were we given the sea and didn’t we swim? / No one ever has dried tears in our eyes“.

Eines von vielen Bildern, die mir als Hörer kommen. Orient, 1970er Jahre, Paris, kleine Bar…und doch ganz großes Kino, was Gaye Su Akyol hier auf „Istikrarli Hayal Hakitattir“ präsentiert. Eine wunderbare, mitreißende Platte, die ich jedem nur ans Herz legen kann, der offen für die weite musikalische Welt da draußen ist.

Bombenanschlag im Hafen von Oakland

Die Vancouver auf Fahrt.

Am 3. November 1938 explodierte eine Bombe am Rumpf des „Nazi-Steamers“ Vancouver im Hafen von Oakland und lief auf Grund. Das Schiff war mit einer Stunde Verspätung ausgelaufen und verhinderte somit eine Katastrophe auf offener See. Der damalige deutsche Generalkonsul, Baron Manfred von Killinger, ein Vertrauter Adolf Hitlers, erklärte, dass hinter dem Anschlag nur Kommunisten stecken könnten. Beweise dafür legte er nicht vor. Die Hintermänner der Explosion wurden nie gefunden. Taucher untersuchten das Loch im Rumpf und erkannten gleich, dass der Stahl nach innen gedrückt worden war, damit war klar, es war zweifellos ein Anschlag. Vier der Seeleute wurden verletzt, der Maschinenraum stand unter Wasser. Und die Vancouver war fahruntüchtig. Aus Deutschland mussten Ersatzteile geliefert werden.

Die Vancouver war am 17. Februar 1939 wieder seetüchtig, doch geriet in die Wirren des Zweiten Weltkrieges. Am 31. August wurde dem Schiff mit dem Ausbruch des 2. Weltkrieges in Curacao die Ausfahrt verweigert. Im Mai 1940 beschlagnahmte die holländische Regierung die Vancouver und taufte sie in Curacao um. 1946 kam das Schiff schließlich zur Holland-Amerika-Linie und wurde in Duivendyk umbenannt. 13 Jahre später wurde das Schiff in Tokio abgewrackt.

Einer jedoch, der auf dem Versorgungsschiff für die Vancouver in Richtung San Francisco an Bord war, war Hans Bartsch. Ihn lernte ich vor fast 15 Jahren kennen, als ich an einem Sonntagmorgen in der „Peter Buhrmann Radioshow“ aushalf und das „Schlesier Lied“ spielte. Hans rief an und den Tränen nahe, dass er dieses Lied aus seiner alten Heimat noch einmal hören konnte. Ich erzählte ihm von meinem Vater, der in Glogau zur Schule ging. Hand lud mich zu sich ein und wir wurden trotz des Altersunterschieds enge Freunde. Hans erzählte gerne vom alten San Francisco, von den vielen deutschen Läden und Handwerkern, von den Festen in der „California Hall“ und auch von seiner eigenen Geschichte.

Auf dem Schiff, mit dem er nach San Francisco kam, geriet er mit einem Offizier aneinander. Der Satz, der Führer sollte das mit den Juden nicht machen, wurde Hans zum Verhängnis. Nach der Abfahrt aus der San Francisco Bay nahm ihn ein anderer Offizier zur Seite und erklärte, ihm drohe in Deutschland ein Gerichtsverfahren wegen Beleidigung Adolf Hitlers. Es sei besser, wenn er von Bord ginge. Und das tat Hans auch. Bei der Durchfahrt des Panama Kanals sprang er über Bord, blieb erst in Panama und ging dann nach Costa Rica, als mit dem Kriegsausbruch eine Rückkehr nach Deutschland unmöglich war.

Mit dem japanischen Angriff auf den Marine Stützpunkt Pearl Harbor auf Hawaii, änderte sich das Leben für ihn genauso wie Tausende Deutschen und Japaner in Mittel- und Südamerika. In einer Nacht- und Nebelaktion verhaftete das FBI mit Zustimmung der jeweiligen Regierungen viele der Staatsangehörigen der nun verfeindeten Nationen. Einer von ihnen war Hans Bartsch, der zuerst in ein Lager nach Pacifica, südlich von San Francisco, gebracht wurde. Dort schaffte er es, den Beamten glaubhaft klar zu machen, dass er eigentlich vor dem Zugriff der Nazis geflohen war. Hans wurde mit der Auflage freigelassen, dass er nach Kriegsende die USA verlassen würde.

Und genau so kam es. Nach der deutschen Kapitulation reiste er kurz nach Kanada, um dann erneut und legal in die USA einzuwandern. In San Francisco warteten sein Job als Mechaniker, seine Wohnung und seine Freunde auf ihn. Hans blieb Deutscher, bis zu seinem Tod 2008. Er war ein eigenwilliger Mann voller spannender, interessanter und witziger Geschichten, der bis zuletzt seinen schlesischen Kopf durchsetzen wollte.

Der Klimawandel kann kommen

Lange Zeit gab es im US Kongress zumindest eine grobe Übereinstimmung, dass sich das Klima ändert und man etwas dagegen unternehmen muss. Doch dann kam Donald Trump und die Fakten waren auf einmal nicht mehr Fakten. Nicht nur das, Trump unterstützte fortan all jene Kandidaten, die ebenfalls den „Climate Change“ als „hoax“, als Betrug ansehen. Damit, so Trump und seine Trumpianer, solle Amerika unter Druck gesetzt, ausgebremst und zur Kasse gebeten werden.

Dürre und wärmere Temperaturen waren Gründe für das Ausmaß des „Camp Fires“. Foto: Reuters.

Nach den jüngsten Wahlen ist klar, im Kongress sind nun deutlich mehr Republikaner vertreten, die auf Trumps klimatischer Linie eingeschwenkt sind. Die frischgewählte Senatorin Marsha Blackburn aus Tennessee beispielsweise erklärte im Wahlkampf fälschlicherweise, die Erde kühle sich ab und Wissenschaftler seien sich alles andere als einig darüber, welchen Anteil die Menschheit am Klimawandel habe. Dabei blieb sie auch, als sie von Reportern auf diese Fehler hingewiesen wurde.

Der Noch-Gouverneur von Florida und nun gewählte Senator des Bundesstaates, Rick Scott, erkennt zwar an, dass der ansteigende Meeresspiegel und wärmere Wassertemperaturen schlecht für Florida seien, aber die Verbindung zum Klimawandel, an dem der Mensch schuld hat, macht er nicht.

Das sind nur zwei von etlichen „Newcomern“ im US Kongress, dem Abgeordnetenhaus und dem Senat, die den Klimawandel anzweifeln. Das wird dazu führen, dass langfristig von den USA keine Initiativen für den Klimaschutz ausgehen werden. Noch schlimmer, hier stellt man sich die Frage, ob der Schaden, den Trump und seine Unterstützer anrichten, überhaupt noch rückgängig gemacht werden kann, denn die Zeit läuft aus. Die Zeichen sind deutlich und können nicht mehr übersehen werden. Die Zunahme von Tornados und Hurricanes im Osten und Mittleren Westen der USA, die langanhaltende Dürre und die immer schlimmer werdenen Feuer im Westen des Landes, all das sind deutliche Zeichen, dass der Klimawandel kein futuristischer Quatsch ist. Was fehlt ist der politische Willen in Washington deutliche Zeichen zu setzen, eine weltweite Führungsrolle zu übernehmen. Der Kampf gegen 30 Cent mehr an der Zapfsäule ist da wichtiger als überflutete, verbrannte und zerstörte Gemeinden im ganzen Land.

Irgendwie undemokratisch

Das amerikanische Abgeordnetenhaus ist nun in der Hand der Demokraten. Im Senat hingegen halten die Republikaner ihre Mehrheit, konnten sie sogar noch bei den jüngsten Wahlen auf 53 zu 47 ausbauen. Und hier liegt das Problem. Mit Demokratie hat das nicht viel zu tun.

Jeder US Bundesstaat schickt zwei Senatoren in die obere Kammer des Kongresses, unabhängig davon, wie viele Einwohner der jeweilige Bundesstaat hat. Damit wollte man ursprünglich die Bundesstaaten stärken und sie auf eine gleiche Stufe stellen. Die Idee kann ja gut sein, allerdings hakt es in der Praxis, was man nun ganz deutlich sieht. Der republikanische Senatsführer, Mitch McConnell, hat bereits angekündigt, dass er diese neue Mehrheit vor allem dafür nutzen will, um Bundesrichter auf allen Ebenen durchzusetzen. Quasi auf Jahrzehnte hinaus konservative Richterbänke zu etablieren, auch wenn es dafür keine Mehrheit im Land gibt. Und damit habe ich ein Problem, denn McConnell will nicht nur Richter in konservativen, republikanisch dominierten Bundesstaaten einsetzen. Nein, sein Ziel ist es, solche Richter verstärkt in liberalen, demokratisch geführten Bundesstaaten zu ernennen.

Die politische Landkarte der USA. Blau sind die demokratischen, rot die republikanischen und lila die „Swing States“.

Wenn man sich politische Karte der USA ansieht, dann erkennt man, dass im Landesinneren vor allem die Republikaner an der Macht sind, an den Küsten die Demokraten. Die Wahlen 2016 und auch 2018 haben gezeigt, dass es mehr demokratische Wähler in den USA gibt als republikanische. Doch das Wahlsystem in den USA – Präsident und Senat – repräsentiert das nicht. Im Weißen Haus sitzt ein Präsident, der weniger Stimmen als seine Kontrahentin erhielt. Und im Senat haben die Republikaner die Mehrheit, obwohl sie die im ganzen Land nicht mehr haben. Und mit ihrer Mehrheit werden sie nun Politik über die Richterbank durchdrücken, was mit dem Willen der Wählerinnen und Wähler wenig zu tun haben wird.

Die amerikanische Demokratie ist alles andere als perfekt, auch wenn einem das hier ständig vorgegaukelt wird. Ich lebe weder in „God’s country“, im „best place on earth“, noch im demokratischsten Land der Welt. Ändern wird sich an diesen Rahmenbedingungen nichts, denn dafür wäre eine Verfassungsänderung oder -reform notwendig, die nie kommen wird. Also werden auch in Zukunft Senatoren aus konservativen Farmstaaten Richter für liberale Küstenstaaten bestimmen. Die Minderheit regiert somit die Mehrheit im Land.

Ist da wirklich eine Kluft?

Spiegel Online titelt: „Kluft zwischen Deutschen und US-Amerikanern wird größer“. Das zumindest habe eine „repräsentative Umfrage der Körber-Stiftung und des amerikanischen Pew Research Centers“ herausgefunden. 73 Prozent der befragten Deutschen würden demnach die Beziehungen zu den USA als „schlecht oder sehr schlecht“ einschätzen. Die Amerikaner hingegen sehen zu 70 Prozent die Beziehungen zu Deutschland als „eher gut oder sehr gut“.

Die deutsch-amerikanische Freundschaft existiert.

Irgendwie will ich dieses Ergebnis nicht so richtig glauben, denn es widerspricht allem, was ich hier erlebe, was mir Besucher von ihren Erfahrungen erzählen, was mir Freunde berichten, die in die USA reisen oder reisen wollen. Klar, ich bin kein Statistiker, keiner der eine „repräsentative Umfrage“ in Auftrag gibt, aber dennoch glaube ich nicht daran, dass jeder Dritte Deutsche die Beziehungen zu den USA als „schlecht oder sehr schlecht“ sieht.

Keine Frage, Donald Trump und seine rechtslastigen, patriotischen und „America First“-Kulturkämpfer haben Probleme im weltweiten Klima geschaffen. Das politische USA wird nicht mehr als verlässlicher Partner der Europäer und der Deutschen gesehen. Zumindest so lange, wie Donald Trump in Amt und Würden ist. Klar ist aber auch, dass hinter Donald Trump und seinen populistischen Vorstellungen und Verlautbarungen keine Mehrheit in den USA steht. Das Regieren wird Trump nicht leicht gemacht. Weder von den Demokraten noch von seiner eigenen Partei, den Republikanern. Ja, er richtet einen großen Schaden an, auf nationaler wie auch auf internationaler Ebene. Dennoch, es gibt in den Vereinigten Staaten genügend Kräfte, die gegen diesen Präsidenten und seine veralteten und unamerikanischen Ziele und Ideale aufbegehren und kämpfen.

Vielleicht, wenn die Zahlen in dieser Umfrage wirklich so hoch sein sollten oder auch nur annähernd stimmen, vielleicht müssen wir Medienvertreter da mal überlegen, was wir aus den USA und über die USA in diesen Trump-Tagen berichten. Denn Amerika ist nicht Trump, das muss man ganz klar betonen. Das zeigt sich mir in meinem direkten Umfeld, das erfahre ich jeden Tag in meiner Arbeit, das erlebe ich in Gesprächen, in Interviews, bei Recherchen. Ich glaube nicht, dass 3/4 der Deutschen die USA kritisch sehen. Aber die Zahl ist dennoch zu hoch, denn sie beruht auf Vorurteilen, auf Unwissen, auf Schnellschüssen. Es gibt in diesen Trump-Zeiten eigentlich viel mehr was Deutschland und die USA verbindet. Darüber sollte man berichten, das sollte man lesen, hören, glauben.

 

„They shot the wrong man“

Die Polizei in Hoover, Alabama, musste schon kurz nach den tödlichen Schüssen in einem Einkaufszentrum an Thanksgiving bekanntgeben, dass sie den falschen Mann erschossen haben. Der 21jährige Emantic Fitzgerald Bradford Jr. war nicht der Täter, der für eine Schießerei in der Mall verantwortlich war. Anfangs hieß es noch, die Lage in dem Einkaufszentrum sei unter Kontrolle, der Täter tödlich getroffen worden. Nur wenige Stunden später kam die Meldung, Bradford Jr. war es nicht.

Nach tödlichen Polizeischüssen. Foto: Reuters.

Der 21jährige ist der 858., der in diesem Jahr durch Polizeikugeln in den USA tödlich getroffen wurde. Und das sind weniger Tote als noch in den vergangenen Jahren. 2017 starben 987, 2016 963 und 2015 995 Menschen durch Kugeln der Polizei. Darunter auch viele Personen, die unbewaffnet waren, eine Spielzeugpistole trugen oder etwas bei sich hatten, was die Beamten als Waffe ausmachten. Emantic Fitzgerald Bradford Jr. war ein Afro-Amerikaner, so wie 191 andere Opfer in diesem Jahr. 369 waren Weiße, 123 Hispanics, 33 werden mit „other“ angegeben und von 141 Getöteten fehlen die Angaben zur „Race“.

Seit 2015 sammelt die Washington Post diese Art von Daten. Auslöser waren die tödlichen Schüsse 2014 auf Michael Brown in Ferguson, Missouri. Die Polizei, das belegen diese Zahlen, greift schnell, wohl zu schnell zur Schusswaffe, eskaliert so oftmals eine Situation. Das liegt sicherlich auch daran, dass die Beamten in Situationen geschickt werden, in denen sie nicht wissen, was auf sie wartet. Viel zu oft stehen ihnen schwer bewaffnete Kriminelle gegenüber oder Verstörte und Kranke, die eigentlich keine Knarre haben sollten und dürften. Amerika hat ein Waffenproblem, das zeigen diese Zahlen erneut und eindrücklich.