Leben auf und mit der Zeitbombe

Die Hayward Spalte (rot) ist die aktivste in den USA. Ich lebe in unmittelbarer Nähe. Foto: USGS.

Wer hier lebt weiß es, aber denkt kaum daran. Das nächste große Erdbeben kommt bestimmt. Gerade mal einen Kilometer von meinem Haus entfernt verläuft die Hayward Spalte, die noch aktiver und wohl auch gefährlicher ist als die bekanntere „San Andreas Fault“. Nun hat das USGS (U.S. Geological Survey) einen neuen Bericht vorgelegt, der alles andere als beruhigend ist.

Ein „major earthquake“ auf der zweitgrößten Spalte in Nordkalifornien hätte katastrophale Folgen. Bei einer Stärke von 7,0 auf der Richterskala, so die Wissenschaftler des USGS, würden mehr als 800 Menschen sterben und ein Schaden von etwa 100 Milliarden Dollar entstehen. Nahezu 55.000 Häuser würden zerstört werden, die Infrastruktur in der East Bay auf lange Zeit hinaus beschädigt sein. Das sind lediglich Schätzungen.

Die Hayward Spalte zieht sich 52 Meilen weit von der Süd Bay bis weit hinauf nach Berkeley und gilt als eine der aktivsten Spalten in den USA. Wenn ein Beben dieser Größenordnung kommen würde, hätte das massive Auswirkungen auf die sieben Millionen Einwohner der gesamten San Francisco Bay Area. Die wichtigen Verkehrsknotenpunkte und Brücken wären betroffen, ein Verkehrschaos sondergleichen wäre die Folge. Immer wieder heißt es, die Bewohner sollten sich darauf einrichten, sich mehrere Tage mit Wasser und Nahrungsmitteln selbst versorgen zu können, doch die Wissenschaftler des USGS erklären dagegen, dass die gesamte Infrastruktur im Falle eines Bebens zusammenbrechen könnte. Man solle sich also nicht nur auf ein paar Tage der Selbstversorgung einrichten.

Das letzte große Hayward-Beben war 1868. Messungen an der Erdspalte ergaben, dass in den letzten 1900 Jahren zwölf gewaltige Erdbeben von der „Hayward Fault“ ausgingen; alle 150 – 160 Jahre. Es ist also wieder höchste Zeit, die Spannung steigt. Ich sollte mich mal wieder um mein „Earthquake Kit“ kümmern, zumindest die Wasservorräte und das Hundefutter für Käthe auswechseln.

Der Schatten von Columbine

Es ist schon erstaunlich, dass die Bunderegierung in Washington keinerlei Daten zu Schulschiessereien sammelt. Das liegt an der Macht der „National Rifle Association“, die selbst da ihre finanziellen Muskeln spielen lässt, somit verhindert, dass eine aussagekräftige Datenbank über das ganze Ausmaß der laxen Waffengesetze in den USA entstehen kann. Diese Aufgabe fällt deshalb den Medien zu, jenen, die von Präsident Donald Trump nur zu gern als „Fake News“ bezeichnet werden.

Eric Harris und Dylan Klebold töteten an der Columbine High School 13 Menschen. Foto: Reuters.

Die Washington Post hat nun zum 19. Jahrestag des Schulmassakers von Columbine eine umfangreiche Datenanalyse vorgelegt. Über ein Jahr lang wurden Artikel und Polizeiberichte ausgewertet, Schulen im ganzen Land angerufen. Das Ergebnis spricht für sich. Seit dem Amoklauf am 20. April 1999 gab es an 212 Schulen Schiessereien. Mindestens 131 Kinder, Jugendliche, Lehrer und Schulpersonal starben, 272 wurden verletzt. Betroffen von diesen 212 Schiessereien waren über 208.000 Schülerinnen und Schüler, die einen „Lock Down“ erlebten, fliehen mussten oder evakuiert wurden.

Und all das ist nicht einfach Vergangenheit, es ist aktuell, wie der Amoklauf von Parkland zeigte und es wird immer schlimmer. Allein in diesem Jahr gab es schon 13 Schulschiessereien, so viel, wie noch nie zu diesem Zeitpunkt im Jahr seit 1999. In einem Land, in dem eine einflussreiche Lobbygruppe die politische Diskussion über sichere Schulen führt, die verhindert, dass die unkontrollierte Waffengewalt im Land als eine nationale Krise wahrgenommen wird, die vorgaukelt, dass noch mehr Waffen zu mehr Sicherheit führen, dieses Land braucht mehr denn je eine Medienlandschaft, die den Finger in die Wunde legt und legen kann. Das hat die Washington Post mit ihrer Analyse getan. Auch wenn nur ein geringer Prozentsatz der Millionen von Schülerinnen und Schülern in den USA jemals in solch eine Situation kommen mag, die hohe Betroffenenzahl zeigt es ist möglich. In diesem Land hat man gelernt damit zu leben, denn an jeder Schule gibt es neben den Feueralarm Übungen auch „Active Shooter Drills“. Das ist die bittere Realität in den USA. 208.000 Schülerinnen und Schüler, die Schiessereien an ihren Schulen erleben mussten, sollten daran erinnern, dass kein Ort in diesem Land sicher ist.

In welcher Welt lebt Donald Trump?

Es vergeht kaum ein Tag, an dem Präsident Donald Trump keine neue Front eröffnet. Irgendwas scheint ihn immer zu stören. Mal sind es Demokraten, mal Republikaner, mal die Medien, mal irgendjemand in Übersee, dann wieder die Mexikaner, die Kalifornier, Obama, Hillary Clinton, die Liste ist lang und wird stetig länger. Bis vor wenigen Tagen war Amazon Chef Jeff Bezos auch ein beliebtes Ziel für Trumps Tweets. Nun weitet er den Groll gegen den Online Riesen auf die gesamte Branche aus.

Doch seine heutige Kurznachricht zeigt, Trump lebt in einer anderen Welt. Er benutzt weder einen Computer, noch kauft er selbst ein, schon gar nicht online. Sein Tweet zeigt, Trump lebt in einer Welt, in der die Realität vorbeigleitet. So kann man auch die „Alternative Reality“ dieses Präsidenten besser verstehen. Sein „Make America Great Again“ Ruf ist das Zurückdrehen der Zeit auf die 1950er Jahre, als die USA ein weißes, ordentliches, gesittetes Land waren, eine Weltmacht, der keiner was tun konnte, in der scheinbar alles noch in Ordnung war. Im Rückblick verklärt Trump die Realität, so, als ob es damals auf der „Main Street“ keine Probleme gegeben hat.

Trump scheint auch nicht zu wissen, dass man  beim Einkaufen im Internet durchaus Steuern zahlen muss, selbst beim verhassten Giganten Amazon. Aber Fakten interessieren ihn nicht. Der Miliardär Trump präsentiert sich hier erneut als der Robin Hood der „Vergessenen“, wie er seine Anhänger gerne nennt. Das kommt an bei der Basis, bei jenen, die schon lange seine Weltsicht teilen. Die Spaltung Amerikas wird so nicht überwunden.

Er erklärte UFOs, die „Twilight Zone“ und Big Foot

Der legendäre Radiomoderator Art Bell. Foto: Reuters.

Art Bell ist tot. Schon am vergangenen Freitag verstarb einer der ganz großen amerikanischen Radiomacher im Alter von 72 Jahren. Art Bell war kein Schreihals, kein politischer Talk Show Moderator, kein „Shock-Jock“. Art Bell war vielmehr der König der Nacht. Mit seiner unverkennbaren sonoren Stimme unterhielt er Woche für Woche Millionen von Zuhörern zu später Nachtstunde. Zwischen 1989 und 2003 täglich, danach noch weiter an Wochenenden ließ Bell die Hörerinnen und Hörer zu Wort kommen. In der Hochzeit von „Coast to Coast“ wurde die Sendung auf rund 400 Stationen im ganzen Land ausgestrahlt.

Wer in den 1990er Jahren nachts durch die USA fuhr, kam an dieser einmaligen Radioshow nicht vorbei. Mitten aus dem Nirgendwo in Nevada sendete Art Bell, schaltete seine Hörer zu, lud „Fachleute“ ein, die über alles sprachen, was es da draussen gab und nicht erklärbar erschien. Bells Stimme beruhigte in der Nacht, ihm glaubte man, wenn es um Außerirdische, um UFOs, um Kontakte mit Geistern, um grenzwertige Erfahrungen ging. Er lachte nicht über seine Anrufer, auch wenn diese die seltsamsten Geschichten erzählten.

Art Bell fragte nach, gab Hinweise, Denkanstöße. Lange bevor der Begriff „Fake News“ geboren war, wurden Vermutungen, Halbwahrheiten, Erfundenes, ja, Hirngespinste als Tatsachen, als erlebte Erfahrungen dargestellt. Und als Hörer geriet man zumindest ins Zweifeln, ob da nicht doch etwas um uns herum passiert, was man so einfach nicht erklären kann. Das war das Meisterwerk von Art Bell, der unaufgeregt und überzeugend allem nachging. Mitten in der Nacht wurde er zum vertrauensvollen Begleiter für Schlaflose, Reisende durch Zeit und Raum, Zweifler, Überzeugte des paranormalen Lebens. Area 51, die geheime Militärbasis in der Wüste von Nevada, war ein immer wiederkehrendes Thema. Sichtungen von UFOs, Kontakte mit Außerirdischen, spirituelle Grenzerfahrungen, Art Bell konnte mit allem umgehen.

Etliche seiner Hörerinnen und Hörer, Gäste seiner Show konnte ich einmal auf einem UFO-Kongress in San Jose treffen. Eine Frau, die schon mehrmals auf dem Mars war. Ein Doktor, der erklärte kleine Sonden aus Menschen herausoperiert zu haben, die Außerirdische dort eingepflanzt hatten. Kornkreisexperten, Geisterjäger, UFOlogen. Bei meinen Interviews musste ich an Art Bell denken und wie er mit diesen teils unglaublichen Geschichten umging: ernsthaft, nachfragend, interessiert. Und so bekam ich die wohl einzigartigsten Interviews meiner langen Radiojournalistenkarriere. 2003 übergab Art Bell seine nächtliche „Coast to Coast“ Sendung an George Noory. Bell selbst sendete am Wochenende weiter. Bis zuletzt meldete er sich aus der Einsamkeit Nevadas mit seiner Botschaft: The truth is out there!

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„Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“

Peinlich, peinlich. Echo für… Foto: Reuters.

Man muss kein Moralapostel, nicht auf dem politisch-korrekten Kreuzer unterwegs sein, nicht Kultur in gut und böse aufteilen, um zu erkennen, dass die Rapper Kollegah und Farid Bang mit ihrem Song „0815“ mehr als eine rote Linie  überschritten haben. Rap und Hip-Hop waren und sind die Sprache einer Jugend, die aufbegehrt, die anders denkt, die Probleme und Ereignisse aus ihrem direkten Umfeld anspricht.

Erst vor wenigen Tagen berichtete ich für Deutschlandfunk Kultur über den Einfluss, die Geschichte und die Bedeutung des Hip-Hop in Oakland und der East Bay. Oakland zählt zu einer der bedeutenden Geburtsstätten der Musik und der Hip-Hop Kultur. Wenn man durch die neue Ausstellung „Respect“ im „Oakland Museum of California“ läuft, dann kann man die Größe und die Tragweite des Hip-Hop erkennen.

Die Texte von Kollegah und Farid Bang, gerade in diesem Song „0815“, haben damit allerdings nichts mehr zu tun. Provokation, Protest, Einmischen, Umschreibung des Zustands ist wichtig, doch wer rassistische, antisemitische, sexistische und schlichtweg dümmliche Worte und Zeilen aneinander reiht und auch noch glaubt, damit eine „Message“ zu senden, verfehlt den geschichtlichen Kontext des Hip-Hop. Aber ja, es gibt die Kunst- und Kulturfreiheit, die wird hier auch nicht von mir angezweifelt oder hinterfragt. Vielmehr wundere ich mich, wie diese Echo-Jury das Album „Jung, brutal, gutaussehend 3“ in den Kategorien „HipHop/Urban National“ und „Album des Jahres“ für den Echo 2018 nominieren kann und dann auch noch einen Echo dafür vergibt. Damit hat der Echo wohl endgültig seine Legitimation als bedeutender deutscher Musikpreis verloren. Es ist nicht nur verwunderlich und peinlich, es ist beschämend und schlichtweg unsäglich. Die Textzeile „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ ist da nur die Spitze eines bescheuerten Liedtextes, geschrieben von Schwachmaten, die nichts, aber auch gar nichts an geschichtlichem Verständnis und sozialem Gewissen haben. Hier der gesamte Text zum Nachlesen:

 

Kollegah & Farid Bang

„0815“

Diese Syrer vergewaltigen dein Mädel, Bitch
Sie sagt, „Lass mich in Ruhe!“, doch er versteht sie nicht
Zerlege dich, gab mir Testo
Mach‘ dein Bahnhofsghetto zu Charlie Hebdo
Deutschen Rap höre ich zum Einschlafen
Denn er hat mehr Windowshopper als ein Eiswagen, ah
Und wegen mir sind sie beim Auftritt bewaffnet
Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen
Ich tick‘ Rauschgift in Massen, ficke Bauchtaschenrapper
Wenn ich will, macht Genetikk ein Auslandssemester, ah
Wenn Farid bei dir einläuft mit Pumpgun
Suchst du Anis im Wald, als wärst du Heilkräutersammler
Dann kommt ein deutscher Gammler und bumst dich im Wald schnell
Und nimmt dich von hinten wie Bullen die Handschell’n (ah)
JBG 3, die Muskelpakete
Doch keiner von uns kann Ali Huckepack heben

Dieses Album kommt, weil ihr wieder Ansagen braucht
Fuck mich ab und ich ficke deine schwangere Frau (ah)
Danach fick‘ ich deine Ma, die Flüchtlingsschlampe
JBG 3, keine 08/15-Bande
Dieses Album kommt, weil ihr wieder Ansagen braucht
Fuck mich ab und ich stopfe dir ’ne Pumpgun ins Maul
Dreißig Kilo auf dem Rücksitz, Schlampe
JBG 3, keine 08/15-Bande

Staiger befriedigt seine Frau nicht, ich meine schon
Und er meint, er wär‘ kein Hurensohn, ich meine schon
Sieh, wie der Bosscock deine Tochter zur Frau macht
In Clips, die sie in zwei Jahren erst offiziell schau’n darf
JBG bedeutet, scheiß auf komplexe Songtexte
JBG heißt, es wird stumpf und hart wie Betonklötze
Komplette Zerfickung für Anis Ferchichi
Denn der Hund hat mehr Herrchen als der Bart von Sinan-G
Ich leb‘ die Pate-Trilogie und trag‘ die Rolex-Day-Date-Watch
MOK ist nur’n Running Gag wie die Slomo in Baywatch
Und Jennifer Rostock schwingt nach ’ner Schelle den Kochtopf
Bringt dann die Säcke zum Kompost und blowt den prächtigen Bosscock
Sidos Schwestern geb‘ ich hardcore
Sie wollen den Cumshot nicht teil’n, also spritz ich straight in den Deckenventilator
Schnips‘ Zigarren in Sierras Face aus meinem Lamborghini
Ehe seine Ma rufen kann, „Halt, der Kleine hat Bronchitis!“

Dieses Album kommt, weil ihr wieder Ansagen braucht
Fuck mich ab und ich ficke deine schwangere Frau (ah)
Danach fick‘ ich deine Ma, die Flüchtlingsschlampe
JBG 3, keine 08/15-Bande
Dieses Album kommt, weil ihr wieder Ansagen braucht
Fuck mich ab und ich stopfe dir ’ne Pumpgun ins Maul
Dreißig Kilo auf dem Rücksitz, Schlampe
JBG 3, keine 08/15-Bande

So klingt Nürnberg! Das neue Album von Earth Flight

Irgendwo im dichtgedrängelten Prog-Rock Olymp wird gerade ein Plätzchen frei gemacht. Denn was die Götter des Bombastsounds da im Himmel über dem Frankenland hören verzückt nicht nur sie. “Earth Flight” ist eine 2004 in Nürnberg gegründete Band, die nun ihr drittes Album vorlegt.

„Riverdragons & Elephant Dreams“ heißt die neue Platte der Nürnberger Band „Earth Flight“, die am 20. April erscheint.

“Riverdragons & Elephant Dreams” ist schlichtweg brillant, irgendwo zwischen „Marillion“ und „Porcupine Tree“ anzusiedeln. Und das sagt schon viel über die Qualität und den Sound aus. “Earth Flight” klingen dabei nicht wie eine Lokalcombo, die mal eben ihren Heroen nacheifern will. Hier spielt vielmehr eine Band, die problemlos neben den großen Namen bestehen kann. Perfekt produziert, leicht verspielt, doch immer konzentriert auf den eigenen Sound.

Und dann sind da eben diese bewegenden, farbigen Soundflächen, die von “Earth Flight” gekonnt wie Klangkünstler gefüllt werden. Nicht überbordend und zugeschwallt, vielmehr mal zärtlich und schleichend, um dann in einem orgiastischen Kollaps zu enden. So muss Progressive Rock 2018 klingen. Nicht angestaubt und der Vergangenheit zugewandt, sondern selbstbewusst und offen durch die Jahrzehnte des musikalischen Erbes wandelnd. “Riverdragons & Elephant Dreams” ist für mich eine der besten Alben “so far” in diesem Jahr. Die Latte liegt nun ziemlich weit oben!

Radio Goethe Hörer in den USA, Kanada, Polen, Slowenien, Afghanistan, Schweiz, Österreich und Deutschland können sich in den kommenden Wochen auf den „neuen“ fränkischen Sound freuen. Probehören und bestellen kann man das Album auf der Bandcamp Seite der Band. Die Record Release Party findet am kommenden Donnerstag, den 19.4., im MUZ-Club statt.

Sie verlassen das sinkende Schiff

Der Ozeanriese GOP mit seinem Kapitän Donald Trump gerät immer mehr ins Schlingern. Der überraschende Rückzug von Paul Ryan, Sprecher des Repräsentantenhauses, ist ein weiteres Zeichen dafür, dass die Republikaner in Washington tief gespalten sind und so gar nicht auf Trump-Linie marschieren. Ryan ist nur einer von mittlerweile schon 46 Republikanern, die angekündigt haben, nicht mehr zu kandidieren. Doch mit dem Sprecher geht einer, der früh vor Trump gewarnt hat, dann sich arrangieren wollte, immer wieder den Präsidenten kritisierte und schließlich erkennen musste, dass Donald Trump die einst ehrwürdige „Grand Old Party“ direkt auf den Eisberg manövriert.

Genug ist dann wohl doch genug, Paul Ryan verlässt das republikanische Boot in Washington. Foto: Reuters.

Paul Ryan sagt Ade, er will sich damit in Sicherheit bringen, nicht für das anstehende Wahldesaster im November verantwortlich sein. Denn alles sieht danach aus, dass die Republikaner eine gehörige Klatsche bei den „midterm elections“ bekommen werden. Ryan erklärte am Mittwoch, er wolle sich mehr um seine Familie kümmern, doch das kann nur ein vorgeschobenes Argument sein, denn noch 2012, als seine Kinder jünger waren, kandidierte er an der Seite von Mitt Romney als Vize-Kandidat ums Weiße Haus. Die Aussicht war, danach als Präsidentschaftskandidat anzutreten.

Mit Paul Ryan geht ein gemäßigter Konservativer, der für, wie es Michael Steel, ein früherer Spitzenberater von Ryans Vorgänger John Boehner umschreibt, „pro-growth, pro-free market“ steht, also für Wachstum und eine freie Marktwirtschaft. Damit kam er jedoch im Weißen Haus unter Donald Trump nicht an. Und damit konnte er auch die eigenen Reihen im Kongress nicht mehr zusammen halten. Ryan dankte zwar in seiner zweiminütigen Ankündigung gleich viermal Donald Trump und betonte, dass man die große Steuerreform verabschiedet habe, aber klar ist, Ryan und Trump waren sich nie grün. Der Abschied des Sprechers des Abgeordnetenhauses gleicht damit wohl eher einem gezielten über Bord springen und abtauchen. Nur weg aus dem Trumpschen Fahrwasser, denn der wird nach der kommenden Pleite im November nicht die Schuld bei sich suchen, sondern wie immer bei anderen. Und Paul Ryan wäre da genau der richtige Sündenbock gewesen.

Gaskammern für die USA

Die Gaskammer im kalifornischen San Quentin. Mehrere US Bundesstaaten überlegen derzeit erneut die Vergasung von Todeskandidaten einzuführen. Foto: Reuters.

Heute ging die Nachricht durch alle Medien. Amnesty International berichtet, dass die Zahl der Hinrichtungen weltweit zurück gegangen sei, auch die Anzahl der Todesurteile habe sich verringert. Doch diese Angaben wurden gemacht, obwohl es keine vollständigen Daten gibt. In China und auch anderen Ländern werden die Zahlen von durchgeführten Exekutionen nicht veröffentlicht.

In den USA allerdings wird derzeit in vielen Bundesstaaten ganz offen überlegt, wie man die Todesmaschine wieder anlaufen lassen kann. Dale Baich ist Rechtsanwalt, der sich seit 1988 als Pflichtverteidiger für Todeskandidaten einsetzt. Baich, der in Arizona lebt, vertritt auch mehrere “Death Row” Häftlinge in Oklahoma, einem Bundesstaat, der nun für Hinrichtungen wieder die Vergasung einführen will. Ich konnte ihn telefonisch erreichen.

– Oklahoma will zukünftig die Hinrichtungen mit Stickstoff durchführen, warum?

Baich: Das zuständige Ministerium für den Strafvollzug erklärte, dass es nicht in der Lage ist, die Substanzen zu bekommen, die für eine tödliche Injektion vorgeschrieben sind.

– Was weiß man über das Hinrichten mit Stickstoff?

Baich: Keiner weiß, ob Stickstoffgas funktionieren wird. Es wurde so bestimmt, weil das Ministerium für den Strafvollzug diese Schwierigkeiten hatte, die chemischen Substanzen für die Injektion zu beschaffen. 2015 schon erlaubte das Parlament in Oklahoma, dass Hinrichtungen mit Stickstoff als eine Möglichkeit gesehen werden kann.

– Wurde denn in Oklahoma das Stickstoffgas getestet oder liegen andere Forschungsergebnisse diesbezüglich vor?

Baich: Wie ich das verstehe, haben sich Abgeordnete mehrere Videos auf youtube angesehen, in denen Leute Helium inhalieren und sie haben zwei Professoren der Kriminalistik an der “Eastern Oklahoma University” angehört, die allerdings keine medizinischen Experten sind. Darüberhinaus wurden Berichte von Piloten mit Hypoxie herangezogen. Und aufgrund dieser youtube Videos und den Berichten von Piloten, die einen Sauerstoffmangel erlebten, wurde entschieden, dass die Verabreichung von Stickstoffgas funktionieren wird.

– Wie kann ich mir das vorstellen, soll das Gas in einer Gaskammer oder über eine Maske verabreicht werden?

Baich: Wie das ganze durchgeführt werden soll ist noch nicht festgelegt. Offizielle in Oklahoma arbeiten noch an dem genauen Durchführungsprotokoll. Bei einer Pressekonferenz vor ein paar Tagen meinte der Direktor der zuständigen Behörde allerdings, dass sie darüber nachdenken, das Gas über eine Gesichtsmaske zu verabreichen.

– Gibt es neben Oklahoma noch andere US Bundesstaaten, die über die Nutzung von Stickstoff nachdenken?

Baich: Louisiana ist daran interessiert mit Stickstoff hinzurichten, auch Alabama denkt darüber nach. Aber Oklahoma war der erste. Aus historischer Sicht ist das interessant, denn Oklahoma war der Bundesstaat, der die tödliche Injektion für Hinrichtungen eingeführt hat. Oklahoma scheint also Vorkämpfer darin zu sein, wie man Menschen hinrichten kann.

– Wie wollen Sie gegen diese Vergasungspläne in Oklahoma angehen?

Baich: So lange wir nicht genau wissen, was in dem Ablaufplan steht, ist es schwer rechtliche Schritte darzulegen. Aber wir werden das genauestens lesen und uns mit medizinischen Experten kurzschließen, um die richtigen Schritte zu unternehmen.

– Von welchem Zeitrahmen sprechen wir hier, kann sich das über Jahre hinauszögern oder kann es ganz schnell gehen?

Baich: Das Ministerium für den Strafvollzug hat angedeutet, dass es etwa 120 Tage dauern wird, bis der genaue Ablaufplan feststeht. Dann wird das veröffentlicht. Der Staat Oklahoma kann ab diesem Zeitpunkt für 150 Tage keine Hinrichtungstermine festsetzen. Wir sprechen also von Ende 2018, Anfang 2019, bevor der Staat diese neue Methode der Hinrichtung ausprobieren könnte.

– Ist das ein Einzelkampf oder sehen Sie Ihre Bemühungen gegen den Einsatz von Stickstoff als Teil der Anti-Todesstrafen Bewegung in den USA?

Baich: Einige werden es sicherlich so sehen, dass es ein Teil der größeren „Anti-Death Penalty“ Kampagne ist, aber von unserer Perspektive als Anwälte betrachtet, vertreten wir nur unsere Klienten. Und wir vertreten sie bei den Herausforderungen der Anschuldigungen und Urteile. Wir schauen uns die Methode der Hinrichtung an, die der Staat wählt und wenn wir da ein verfassungsmäßiges Problem sehen, dann werden wir das anfechten.

– Gibt es einen “humanen” Weg der Hinrichtung?

Baich: Die Exekution durch Gas ist eine barbarische Praxis und es gibt keinen Grund für Oklahoma darauf zurück zu greifen und zu glauben, diese wäre sicherer und humaner. Das Verfassungsgericht hat entschieden, dass die Nutzung eines Barbiturats bei einer Hinrichtung nicht gegen die Verfassung verstösst. Ob das human ist, wissen wir nicht, denn es gibt keine Experimente an Menschen, um herauszufinden, wie man einen Menschen human tötet.

– Ist diese Debatte in einigen Bundesstaaten, wie man human hinrichtet, ein Zeichen dafür, dass das gesamte Todesstrafensystem in den USA gescheitert ist?

Baich: Viele Bundesstaaten schauen auf die Todesstrafe und erkennen, dass es eine gescheiterte Methode ist. Und die Frage, die gestellt werden muss ist, soll der Staat weiterhin Menschen hinrichten dürfen oder sollten wir das als eine Methode der Vergangenheit sehen und nach vorne blicken. Es gibt die Möglichkeit für die Bundesstaaten vorsätzlichen Morgen mit lebenslanger Haftstrafe ohne Aussicht auf Begnadigung zu ahnden.

– Worüber ich mich in all den Jahren in den USA immer wieder wundere ist, es gibt strikte Regeln und Vorgaben, wie ein Tier eingeschläfert werden muss. Warum gibt es keine genaue Vorgabe beim Hinrichtungsprozess?

Baich: Wenn wir Tiere einschläfern, dann tun wir das, um ihr Leiden zu beenden. Mediziner haben das herausgefunden, was am besten für die Haustiere ist. Es gibt aber diese Art der Forschung nicht für Hinrichtungen. Und Mediziner wollen daran auch gar nicht teilhaben, ihnen ist es sogar verboten Hinweise zu geben, wie man eine Hinrichtung durchführen sollte. Also bleibt uns die Behörde für den Strafvollzug und andere Amateure, die dann vorschlagen, was sie für den besten Weg halten, einen Menschen zu töten.

– Für mich als Deutscher ist es verstörend, dass in den USA über die erneute Einführung der legalen Vergasung gesprochen wird.

Baich: Es ist in der Tat mehr als verstörend, zuzusehen, wie in Oklahoma ein Schritt zurück gegangen wird. Aber der Großteil der Welt und viele Bundesstaaten in den USA blicken in die Zukunft und haben erkannt, dass die Todesstrafe eine verfehlte Politik ist.

– Wie sehen Sie die Zukunft der Todesstrafe in den USA?

Baich: Ich glaube, wir sind auf einem langen Weg hin zur Abschaffung. Wir sehen auch schon, dass das Verfassungsgericht bestimmte Gruppen von Menschen nicht länger hinrichten lassen will, wie Menschen mit geistigen Behinderungen oder Jugendliche. Aber ich glaube, die Entscheidungen müssen auf Bundesstaatsebene in den Parlamenten getroffen werden. Dort muss eine offene und ehrliche Diskussion geführt werden, darüber, ob sie die Todesstrafe beibehalten wollen oder sie als verfehlte Methode erkennen und andere Möglichkeiten der Bestrafung finden.

Aber Präsident Donald Trump hat jüngst sogar die Todesstrafe für Drogenhändler gefordert…

Baich: (Seufzt) Ich hatte gehofft, bald in Rente gehen zu können, ohne Arbeit dazustehen. Daraus wird wohl so bald nichts werden.

Das verrückte Wahlsystem in Kalifornien

Man kann sich nur über die Wahlsysteme in den USA wundern. Denken wir an die Präsidentschaftswahl 2000 zwischen Al Gore und George W. Bush, an „Straw Polls“ in Iowa, wo eine kleine Minderheit mit Heu abstimmt und somit gehörigen Einfluss auf die nationale und Weltpolitik nimmt. Und da ist die Wahl von Donald Trump, die nur noch Kopfschütteln hervorgerufen hat

Kalifornien, die demokratische Bastion im Westen der USA, ist da nicht viel besser. In diesem Jahr wird ein Nachfolger von Jerry Brown bestimmt, der nach zwei direkt aufeinanderfolgenden Amtszeiten nicht mehr antreten darf. Nun hat Kalifornien ein ganz besonderes Wahlgesetz, eingeführt 2010. Der Vorwahlkampf findet gemeinsam statt, heisst, alle Kandidaten sind auf einer Liste aufgeführt. Demokraten, Republikaner, Grüne, Sozialisten, Unabhängige. Am 5. Juni sind Wählerinnen und Wähler zur Stimmabgabe aufgefordert. Die Top 2 nach dieser Vorwahl treten dann im Herbst gegeneinander an. Das kann dazu führen, dass zwei Demokraten in der Hauptwahl aufeinander treffen könnten. Die anderen Parteien blieben außen vor.

John Cox ist die Hoffnung der Republikaner in Kalifornien. Foto: Reuters.

Allerdings, und das ist die Hoffnung der Republikaner nicht nur in Kalifornien, es könnte sich auch ganz unerwartet ein Republikaner für den Kampf um den Regierungssitz in Sacramento durchsetzen. Der Geschäftsmann John Cox will im Juni auf Platz zwei hinter dem Demokraten Gavin Newsom landen, um so eine Chance im November zu haben. Die ist nicht gross, doch sie ist da. Die Republikaner in Washington glauben zwar nicht, dass am Ende einer von ihnen die Politik in Kalifornien bestimmen wird, aber ein republikanischer Gouverneurskandidat auf dem Wahlzettel im November würde zumindest die konservativen Wählerinnen und Wähler dazu bringen, überhaupt zur Wahl zu gehen. Denn im November wird auch das gesamte Abgeordnetenhaus im US Kongress neu bestimmt. Kalifornien hat dort 53 Sitze, 14 davon sind von Republikanern besetzt. Bei einer geringen republikanischen Wahlbeteiligung könnten mehrere dieser 14 Sitze verloren gehen, damit würde die konservative Mehrheit in Washington ins Wanken geraten. Keine guten Aussichten für Donald Trump und die GOP. Man kann also gespannt sein, ob Kalifornien in diesem Jahr zum „Battlefield“ für die Republikaner werden wird. Ein ungewohntes Bild, denn in den letzten Jahren machten deren Vertreter immer große Bögen um „California“.

Wie bescheuert muss man sein?

Eine unbekannte Vertreterin der „Condom Snorting“ Generation.

Sind das nun Nachrichten, die die Welt nicht braucht oder muss man darüber berichten, wie bekloppt manche sind? Es geht um das Inhalieren von Kondomen. Ja, richtig gelesen: DAS INHALIEREN VON KONDOMEN. Jugendliche, die anscheinend alles ausprobieren und nicht nur das, sondern sich auch noch dabei filmen und die Videos online stellen. Das ganze wird dann noch als „Challenge“, als Herausforderung bezeichnet, um andere zum Nachmachen zu animieren. Vor kurzem war es noch das Reinbeissen in Waschpulver Tabletten, nun also „up your nose“. Wobei dieses „Condom Snorting“ nichts neues ist, allerdings taucht es derzeit wieder mehr und mehr in den sozialen Medien auf.

Die unheimlich coolen jungen Frauen und Männer, Teil der Generation WTF, entrollen dabei ein Kondom, schieben es sich in die Nase, halten sich das andere Nasenloch zu und atmen dann tief ein, ziehen so das Kondom immer weiter in die Nase. Immer wieder einatmen. Das Ziel ist, das entrollte Kondom mit zwei Fingern im Rachen fassen zu können und durch den Mund wieder herauszuziehen. Noch Fragen?

Kleiner Zusatz, der eigentlich überflüssig erscheint, aber wohl in diesen Tagen erwähnt werden muss, das ganze ist nicht ungefährlich und sollte nicht gemacht werden. Zumindest konnte ich so diesem Blogbeitrag noch eine Warnung hinzufügen, damit habe ich wenigstens etwas Sinn in diesen Text gebracht.

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