Es ist zum Verzweifeln

Man muss schon sehr störrisch und verbohrt sein oder schlichtweg ignorant, wenn man die Zeichen der Zeit nicht erkennen will. Der „Commander in Chief“ in den USA ist wohl auch der Chefignorant vom Dienst, denn anders lassen sich die jüngsten Aussagen von Donald Trump nicht mehr lesen. Die USA hätten die sauberste Luft und das sauberste Wasser, das besagten, so Trump, alle Statistiken. Nicht nur das, seitdem er Präsident sei, habe sich die Luft- und Wasserqualität sogar noch verbessert. Was bleibt da noch zu sagen? „Thank you, Mister President!“

Die Washington Post hat schnell darauf reagiert und Trump mal wieder aufgezeigt, dass er lügt. Sowieso sprechen immer mehr Medien in den USA offen aus, was sie lange verweigert haben. Bislang berichteten sie von den Halbwahrheiten, Ungenauigkeiten, falschen Inhalten von Donald Trump. Doch nun schreiben Journalisten ganz offen, dass der Präsident der Vereinigten Staaten ein Lügner ist.

In Europa wird über den Klimawandel diskutiert, über erneuerbare Energien, über die Plastikflut gesprochen. Das kommt auch an in der Politik. Zumindest wird es gehört. Eigentlich alle, ausser der AfD, scheinen sich einig zu sein, dass etwas getan werden muss. In den USA sitzt mit Donald Trump ein Klimawandelzweifler in Amt und Würden, der die Wissenschaft ablehnt, der Statistiken fälscht und für sich auslegt und offenkundige Belege mit weiteren Lügen umdeutet. Von jemandem wie Trump kann man keine Führungsrolle im Kampf gegen den Klimawandel erwarten. Doch die wäre in diesen Zeiten nötig. Man stelle sich nur einmal vor, was wäre, wenn der amerikanische Präsident erklärte, er wolle Vorreiter für den Umwelt- und Klimaschutz sein, auf erneuerbare Energien setzen, auf den Umbau der Gesellschaft drängen, neue und umweltschonende Verkehrskonzepte realisieren und auch international eine Führungsrolle im Kampf für den Erhalt des Planeten und damit für zukünftige Generationen einnehmen. Was wäre das für ein wichtiges Zeichen?! Doch davon sind wir weit entfernt. Aber man darf es sich ja mal vorstellen.

Kein Klima-Wahlkampf in den USA

In Deutschland war der Klimaschutz das große Thema im EU-Wahlkampf. Die Grünen punkteten damit, die CDU und die SPD hatten keine Antworten auf die Freitagsdemos und YouTube Videos. Sie wurden gnadenlos an den Wahlurnen gerade von den unter 30jährigen abgestraft.

Klimaschutz ist in den USA in Thema, aber nur eines von vielen. Foto: Reuters.

In den USA sieht der Wahlkampf ganz anders aus. Präsident Donald Trump will seine Wiederwahl mit der boomenden Wirtschaft gewinnen. Dahinter steckt auch, dass er unzählige von Umweltschutzmaßnahmen aufgekündigt, gestrichen, gekippt hat. Trump setzt auf Kohle, Erdöl und Gas, verhindert den Ausbau der Wind- und Solarenergie. Über den „Green Deal“, den einige jüngere Abgeordnete der Demokraten ins Gespräch gebracht haben, macht er sich derzeit am liebsten lustig. Der „Green Deal“ sei ein sozialistischer Plan, der den Amerikanern das Autofahren, das Fliegen, das warme Haus und den Burger verbieten soll. Und seine Anhänger glauben ihm diesen Krampf. Der Klimawandel, so betont es der amerikanische Präsident immer wieder, sei nicht „man made“, vor allem nicht „America made“. Heißt, weiter so und noch mehr.

Bei den Demokraten sieht es nicht viel anders aus. Zwar ist das Thema Klimawandel und Klimaschutz ein Thema, doch nur eines von vielen. Den Demokraten geht es vor allem um das Verhindern eine zweiten Amtszeit von Donald Trump. Wie das gelingen soll, das haben sie noch nicht herausgefunden. Denn mit zwei Dutzend Kandidaten, die sich zumeist kaum inhaltlich unterscheiden, schwächt man die Anti-Trump Front selbst. Sicherlich wäre eine Präsidentin oder ein Präsident der Demokraten offener für die Herausforderung Klimaschutz. Doch nur eine Offenheit wird nicht genügen, um die amerikanische Öffentlichkeit von einem dringend notwendigen Umbau der Gesellschaft, des miteinander Lebens in allen Bereichen zu überzeugen. Selbst die seit Jahren immer wiederkehrenden Nachrichten von verheerenden Feuern im Westen der USA, den zunehmenden Hurricanes und Wirbelstürmen, den Überflutungen, all das hat noch immer keine Mehrheit der Amerikaner dazu gebracht, den Klimaschutz als wichtigstes politisches Thema unserer Zeit zu sehen. Denn die Zeichen, dass es den Klimawandel gibt, sind hier überdeutlich. Man redet, ja, aber man handelt noch nicht.

Es ist nicht leicht über eine radikale, gesellschaftliche Kursänderung in einer Zeit zu reden, in der ein Präsident alles besser weiss, als Wissenschaftler, in der dieser Präsident dem Umweltschutz den Krieg erklärt, in der er einen Klimawandelskeptiker zum Umweltminister macht, in der er Umweltschutzprojekten das Geld entzieht. Das ist alles wahr, doch es braucht eine amerikanische Gesellschaft, die sich von einem Trump nicht einschüchtern, nicht blenden, nicht einlullen lassen sollte. Der Klimwandel ist spürbar, der Klimaschutz beginnt auch hier in den USA vor der eigenen Haustür. Und das haben die Demokraten und ihre Kandidatinnen und Kandidaten auch noch nicht so deutlich gesagt. Anders als in Deutschland sind die Grünen hier keine Alternative am Wahltag. Die USA sind ein Zweiparteiensystem, mutige und ehrliche Entscheidungen werden da nicht gefällt. Es geht am Ende um Macht, ums Regieren. Wer da offen und ehrlich ist, der hat keine Chacne. Amerika wird daher beim Klimaschutz auch in Zukunft keine Vorreiterrolle spielen.

 

Was für eine nationale Krise?

Die Frage eines Reporters traf es genau. Woher nimmt Präsident Donald Trump seine Zahlen, wenn er sagt, es gebe an der Grenze zu Mexiko eine humanitäre und sicherheitspolitische Krise. Drogen und Kriminelle kämen ungehindert ins Land, eine Mauer müsse gebaut werden. Denn, so der Reporter weiter, das FBI, die Grenzbehörde und auch das Justizministerium veröffentlichten ganz andere Zahlen. Demnach kämen 95 Prozent der Drogen über die legalen Grenzübergänge in die USA und auch die „Vergewaltiger, Mörder und Kriminelle“ ohne legale Papiere seien meist schon lange im Land.

Grenze zu Mexiko bei El Paso, Texas.

Trump reagierte, wie er eben immer reagiert. Er bekomme seine Zahlen und Fakten von vielen Seiten, vor allem vom Ministerium für Heimatschutz. Ausserdem verdrehten die Medien die veröffentlichten Zahlen, denn es gäbe tatsächlich eine große nationale Krise, ja, einen Notstand an der Grenze mit Mexiko. Was der Präsident nicht erwähnt ist, dass so einige konservative Talk Show Moderatoren, wie Rush Limbaugh und Sean Hannity, großen Einfluss auf das Denken von Donald Trump haben. Schon mehrmals schien es so, dass Trump auf Tweets oder auf Inhalte in den Sendungen dieser Rechtsaußenpopulisten reagierte. Hannity gilt deshalb auch als „Berater“ des Präsidenten.

Nun also ruft Donald Trump den nationalen Notstand aus, für etwas, was kein nationaler Notstand ist. Die Situation an der Grenze könnte ohne weiteres und parteiübergreifend gelöst werden, aber dazu lässt es Donald Trump nicht kommen. Er hatte seiner 25Prozent Basis im Wahlkampf eine Mauer versprochen, „from sea to shining sea“. Hoch, schön und unüberwindbar sollte sie sein. Und dieses Versprechen will er einlösen, auch wenn es nur teuer ist und keinen Sinn macht.

Trump allerdings übersieht die wahren Krisen im Land. Erst gestern war der erste Jahrestag des Schulmassakers von Parkland. Der Präsident sprach vor einem Jahr noch große Worte, er wolle den Zugang zu Waffen für Jugendliche beschränken, bestimmte Waffengattungen und -zusätze verbieten lassen. Geschehen ist nichts. Seit Parkland gab es 31 weitere Schulschießereien, das ist eine alle 12 Tage. Seit den tödlichen Schüssen an der „Marjory Stoneman Douglas High School“ wurden in den USA 429 weitere „Mass Shootings“ gezählt.

Mister President, das ist eine nationale Krise! Eine, die diese Bezeichnung verdient. Ich könnte nun auch noch vom Klimawandel anfangen, dessen Folgen schon jetzt in den USA zu spüren sind. Aber wir alle wissen ja, dass Donald Trump die Fakten der Wissenschaftler anzweifelt, sogar die seiner eigenen Angestellten in Bundesbehörden. Vielmehr lässt er Informationen streichen, verändern, abschwächen, um ja nicht handeln zu müssen. Donald Trump entwickelt sich durch sein Handeln und vor allem durch sein Nicht-Handeln mehr und mehr selbst zu einer nationalen Krise für die USA.

Global Warming gegen den Winter

Donald Trump wachte am heutigen Sonntag mal wieder auf und wusste nicht so recht, was er mit seine Zeit anfangen sollte. Also, griff er zu seinem Smartphone und tweetete ein paar Beleidigungen in Richtung der Sprecherin des Abgeordnetenhauses, Nancy Pelosi: „Nancy Pelosi has behaved so irrationally & has gone so far to the left that she has now officially become a Radical Democrat…And by the way, clean up the streets in San Francisco, they are disgusting!“ Also Pelosi verhalte sich unvernünftig, sei eine radikale Demokratin geworden und sollte sich wohl besser darum kümmern, dass die Straßen in ihrer Heimatstadt San Francisco sauberer werden sollten. Quasi nach dem Motto, Putzen sollte die Alte schon können.

Doch der Topper an diesem Morgen war zweifellos das obige Tweet, in dem der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika (!) die Amerikanerinnen und Amerikaner dazu auffordert, lieber daheim zu bleiben, als in den Winterstürmen vor die Tür zu gehen. Das sei zu gefährlich. Und dann: „Wouldn’t be bad to have a little of that good old fashioned Global Warming right now!“ Trump meint hier ernsthaft, ein bißchen Klimawandel täte uns allen ganz gut, denn dann würde es auch nicht mehr solche harschen Winterstürme geben.

Wie soll man das nun nennen, was Trump da so von sich gibt? Es war sicherlich kein (schlechter) Scherz, denn Donald Trump ist ja bekannt dafür, dass er „Global Warming“ anzweifelt, deshalb das Pariser Klimaabkommen aufgekündigt hat und lieber auf Kohle und Öl setzt als auf den Energiewandel. Von daher meint er das auch so, wie er es schreibt. So ein paar Grad wärmer täten uns in diesen Tagen voller Schnee und Eis ganz gut. Fehlte eigentlich nur noch, dass er erklärt, die Mauer zu Mexiko würde uns auch noch gegen den Winter bewahren, denn mit der „Wall“ würden dann nicht nur die Vergewaltiger, Mörder und MS-13 Mitglieder vom illegalen Grenzübertritt abgehalten werden, auch die Südwinde könnten so geblockt werden, die immer so ein kühles Lüftchen in die USA wehen lassen…so ganz unamerikanisch.

Gleich gehe ich harken

Donald Trump weiß es mal wieder besser. Zwar sind Zweidrittel des kalifornischen Waldes als „National Forest“ ausgeschrieben, also unter seiner Aufsicht, doch der nicht gerade belesene und halbwissbegierige Mann im Oval Office meint, die Kalifornier liegen nur am Strand, bräunen sich die Bäuche und sind schlichtweg faul. Denn was er schon vor ein paar Wochen vorgeschlagen hat, wird einfach nicht im Sonnenstaat umgesetzt.

Trump meinte kurz nach den desaströsen Feuern in Kalifornien, er habe mit dem finnischen Präsidenten Sauli Niinistö gesprochen, der erklärte, so Trump, dass solche Brände in den Wäldern Finnlands nicht passierten, weil die Finnen regelmäßig den Boden harkten und das Laub aufklaubten. Ist logisch, dass da Horden von Finnen durch die nordischen Wälder streifen und Blatt für Blatt aufsammeln. Einziges Problem bei der Geschichte, Sauli Niinistö hat das nie gesagt. Auf Nachfrage gleich mehrerer finnischer und amerikanischer Medien meinte er, er habe mit Donald Trump zu keinem Zeitpunkt über die Wälder Finnlands und Kaliforniens gesprochen. Also, eine weitere bestätigte Lüge des amerikanischen Präsidenten.

Doch egal, Trump legt nach. Während die Kleinstadt Paradise nach den Bränden nicht mehr existiert und der neue kalifornische Gouverneur, Gavin Newsom, den Brandschutz zur Priorität erklärt hat, droht der Präsident ganz offen mit dem Entzug jeglicher Gelder für Kalifornien. Und das vor dem Hintergrund, dass der Bundesstaat am meisten in die US Haushaltskasse einzahlt. Nicht nur das, die stetig steigende Feuergefahr liegt sicherlich nicht an den Blättern, die auf dem Waldboden zu finden sind. Als ich Mitte der 90er Jahre nach Kalifornien zog, gab es eine „Fire Season“. Immer im Herbst, nach dem heißen Sommer und noch vor dem winterlichen Regenfällen, war man gewarnt. Die Schilder zur Brandgefahr standen auf „Extreme“. Doch das ist lange her. Nun gilt das ganze Jahr über hohe oder extreme Feuergefahr in den Wäldern des Bundesstaates.

Der Klimawandel ist hier bereits zu spüren, darin sind sich nahezu alle Klimaforscher einig. Doch Trump hört lieber auf die paar wenigen Pseudo-Wissenschaftler, die ihm das Märchen von der Wetterfee erzählen. Die Menschen können nichts dafür, von daher setzt Trump einfach weiter auf Kohle und Öl, wendet sich gegen ein Umdenken in der Energie- und Verkehrspolitik und haut seine dämlichen Ratschläge raus. Wir Kalifornier sollten also mehr harken und den Waldboden reinemachen. Also, weiß ich ja, was ich heute noch mache. Gummistiefel und Arbeitshose an und wie ein Zwerg aus Schneewittchen „dum-di-dum-di-dum“ pfeifend und eine Rechen geschultert in den Wald marschieren. Alles klar, Mister President!

Alles glaubt er dann doch nicht

Der Vater von Senator Ted Cruz war an dem Attentat von John F. Kennedy beteiligt. Präsident Barack Obama wurde nicht in den USA geboren und hat seine Geburtsurkunde gefälscht. Der Verfassungsrichter Antonin Scalia wurde ermordet. Impfungen führen zu Autismus. Der Klimawandel ist ein Schwindel. Die „Access Hollywood“ Aufnahmen, auf denen zu hören ist „grab ‚em by the pussy“ sind manipuliert. Obama hat Trump im Trump Tower abgehört. Millionen illegale Wähler stimmten für Hillary Clinton. Demokraten haben die Todeszahlen nach dem Hurricane auf Puerto Rico gefälscht. Moslems in New Jersey haben nach den Terroranschlägen des 11. Septembers freudig auf den Dächern gefeiert.

Das sind nur einige der vielen Verschwörungstheorien, an die Donald Trump glaubt und die er bereitwillig mit seinen Anhängern und vor laufenden Fernsehkameras teilt. Aber Trump glaubt nicht daran, dass am Nordpol, umgeben von Elfen, ein alter Mann mit weißem Rauschebart lebt, der mit fliegenden Rentieren an Weihnachten die Kinder dieser Welt beschenkt, dabei durch die Schornsteine klettert und bereitgestellte Plätzchen isst und ein Glas Milch trinkt.

Mit sieben Jahren sollte man nicht mehr an den Weihnachtsmann glauben. Foto: Reuters.

Das zumindest machte der Präsident deutlich, als er am Heiligabend mit der siebenjährigen Collman Lloyd telefonierte, die die Telefonnummer des amerikanischen Militärs gewählt hatte, über die Jahr für Jahr der Flug von „Santa Claus“ verfolgt wird. Trump fragte: „Glaubst Du denn noch an den Weihnachtsmann?“ „Yes, Sir“, antwortete das Mädchen. „Das ist aber mit sieben Jahren schon grenzwertig“, meinte daraufhin Trump.

Stimmt, an einen Fremden mit Rauschebart, der ohne Grenzkontrolle in der Nacht einfach so in die USA kommt, um dann auch noch Geschenke an Kinder zu verteilen, daran sollte man wahrlich nicht glauben. Das geht ja gar nicht, da könnte ja jeder hergelaufene Migrant behaupten, er oder sie sei „Santa Claus“ und somit einen Passierschein bekommen. Wer, wie Trump, für Mauern und strengere Grenzkontrollen plädiert, der darf sicherlich nicht auch daran glauben, dass da einer ohne Ausweispapiere, ohne Visa, ohne Kontrolle und dazu noch mit langem Bart, einem vollen Sack (Was ist da drin? Bestimmt Drogen, Krankheiten, Schmuggelware) und mit erhöhter Geschwindigkeit durch die Luft saust. Zumindest hat die siebenjährige Collman Lloyd eine wichtige Lektion an diesem Heiligabend gelernt, Verschwörungstheoretiker glauben auch nicht (mehr) alles, was ihnen da so erzählt wird.

 

 

Der Klimawandel kann kommen

Lange Zeit gab es im US Kongress zumindest eine grobe Übereinstimmung, dass sich das Klima ändert und man etwas dagegen unternehmen muss. Doch dann kam Donald Trump und die Fakten waren auf einmal nicht mehr Fakten. Nicht nur das, Trump unterstützte fortan all jene Kandidaten, die ebenfalls den „Climate Change“ als „hoax“, als Betrug ansehen. Damit, so Trump und seine Trumpianer, solle Amerika unter Druck gesetzt, ausgebremst und zur Kasse gebeten werden.

Dürre und wärmere Temperaturen waren Gründe für das Ausmaß des „Camp Fires“. Foto: Reuters.

Nach den jüngsten Wahlen ist klar, im Kongress sind nun deutlich mehr Republikaner vertreten, die auf Trumps klimatischer Linie eingeschwenkt sind. Die frischgewählte Senatorin Marsha Blackburn aus Tennessee beispielsweise erklärte im Wahlkampf fälschlicherweise, die Erde kühle sich ab und Wissenschaftler seien sich alles andere als einig darüber, welchen Anteil die Menschheit am Klimawandel habe. Dabei blieb sie auch, als sie von Reportern auf diese Fehler hingewiesen wurde.

Der Noch-Gouverneur von Florida und nun gewählte Senator des Bundesstaates, Rick Scott, erkennt zwar an, dass der ansteigende Meeresspiegel und wärmere Wassertemperaturen schlecht für Florida seien, aber die Verbindung zum Klimawandel, an dem der Mensch schuld hat, macht er nicht.

Das sind nur zwei von etlichen „Newcomern“ im US Kongress, dem Abgeordnetenhaus und dem Senat, die den Klimawandel anzweifeln. Das wird dazu führen, dass langfristig von den USA keine Initiativen für den Klimaschutz ausgehen werden. Noch schlimmer, hier stellt man sich die Frage, ob der Schaden, den Trump und seine Unterstützer anrichten, überhaupt noch rückgängig gemacht werden kann, denn die Zeit läuft aus. Die Zeichen sind deutlich und können nicht mehr übersehen werden. Die Zunahme von Tornados und Hurricanes im Osten und Mittleren Westen der USA, die langanhaltende Dürre und die immer schlimmer werdenen Feuer im Westen des Landes, all das sind deutliche Zeichen, dass der Klimawandel kein futuristischer Quatsch ist. Was fehlt ist der politische Willen in Washington deutliche Zeichen zu setzen, eine weltweite Führungsrolle zu übernehmen. Der Kampf gegen 30 Cent mehr an der Zapfsäule ist da wichtiger als überflutete, verbrannte und zerstörte Gemeinden im ganzen Land.

Kalifornien brennt und Trump poltert

Waldbrände in Kalifornien     

Kalifornien brennt erneut. Foto: Reuters.

Es brennt erneut in Kalifornien. Im Norden das Camp Feuer, rund 175 Kilometer von San Francisco entfernt, im Süden das “Woolsey Fire” in den Hügeln um Malibu und dazu noch das Hill Fire in Zentralkalifornien. Nach den verheerenden Bränden vor einem Jahr um Santa Barbara, im Weinanbaugebiet von Sonoma und im Sommer dieses Jahres in Nordkalifornien breiten sich erneut mehrere gewaltige Feuer aus.

Tausende von Häusern wurden bereits zerstört, 30 Menschen starben in den Flammen, die Kleinstadt Paradise in Nordkalifornien wurde total zerstört. Und die Winde fachen die Feuer weiter an. Über weiten Teilen des Bundesstaates hängt eine dicke Rauchglocke, die das Atmen schwer macht. Und diesmal mischt sich Präsident Donald Trump ein und tweetete: „Es gibt keinen Grund für diese massiven, tödlichen und teuren Feuer in Kalifornien außer dem schlechten Forstmanagement”. Damit griff er in einer Katastrophe die Menschen, Feuerwehren und Brandexperten in Kalifornien an, noch bevor er überhaupt ein Wort des Mitgefühls äußerte.

Und Trump, so Waldexperten in Kalifornien, habe keine Ahnung von dem, was er sagt. LeRoy Westerling, ein Klima- und Brandexperte an der Universität in Merced erklärte, dass Trump mit seinen uninformierten Worten eine Krise politisiert. Denn zum einen sind mehr als 50 Prozent der Wälder in Kalifornien im Bundesbesitz, also unter der direkten Kontrolle der Trump-Administration. Zum anderen brennt bei diesen Feuern nach Jahren der Dürre vor allem ausgetrocknetes Unterholz und keine ganzen Wälder. Hinzu kommt, dass Trump auf diesem Weg scheinbar versucht, die ihn unterstützende Holzindustrie in Position zu bringen. Große Waldflächen, das hat der Präsident schon mehrmals gefordert, sollten für die Abholzung freigegeben werden.

Feuer gab es in Kalifornien schon immer, hier redete man von einer “Feuer Saison” im Herbst, nach einem heissen Sommer. Doch davon ist nichts mehr zu spüren. Nun besteht eine Gefahr das ganze Jahr über. Für Klimaexperten sind die gewaltigen Waldbrände in Kalifornien auch ein deutliches Zeichen für den Klimawandel.
Kalifornien muss sich darauf mit neuen Bau- und Sicherheitsvorschriften im gesamten Bundesstaat einstellen. Riesige Brände sind hier im Golden State zur Normalität geworden.

Ein Planet für die Tonne

„America First“, „Make America Great Again“, „Promises Made, Promises Kept“, das sind nur einige der Schlachtrufe, mit denen Donald Trump derzeit durchs Land tingelt und dafür von seinen Fans laut bejubelt wird. Sie sehen einen Präsidenten, der zu seinem Wort steht, der patriotisch und nationalistisch denkt, der Amerika über alles stellt. Auch über die Wissenschaft.

Lange Dürreperioden, wie hier in Somalia, sind Folgen des Klimawandels.

Im ganzen Getöse um die Benennung von Brett Kavanaugh zum Verfassungsrichter ging ganz unter, dass im Umweltministerium (Environmental Protection Agency – EPA) mal kurz der wissenschaftliche Beirat aufgelöst wurde. Braucht man nicht mehr. Lobbyisten in Washington wissen eh besser was Amerika braucht, als ein paar Wissenschaftler, die Entscheidungsträger fundiert beraten sollen. Vom Beginn der Trump Amtszeit ging es einzig und allein darum, Umweltschutzrichtlinien aufzukündigen, zu verwässern, umzuschreiben, in die Tonne zu kloppen. Wissenschaftler stören da nur.

Als Scott Pruitt als Umweltminister ins Amt kam, forderte er von seinem Ministerium, dass eine Namensliste erstellt wird, auf der zu sehen ist, welche Mitarbeiter in Sachen Klimawandel geschult wurden und sich fortbilden ließen. Die Absicht war klar, jene Mitarbeiter sollten nicht viel länger im Ministerium bleiben dürfen. Solch eine Namensliste konnte verhindert werden, nicht jedoch der offene Kampf gegen Klimaschutzprojekte. Und der wird nicht nur im Umweltministerium durchgeführt.

Unter Barack Obama waren die USA der größte Geldgeber für den „Green Climate Fund“, der Entwicklungsländer und Schwellenländer half, mit den Folgen des Klimawandels umzugehen und auf erneuerbare Energien zu setzen. Obama versprach drei Milliarden Dollar, bis zum Ende seiner Administration wurde eine Milliarde Dollar ausgezahlt. Donald Trump hingegen sieht den Klimawandel als „Hoax“, als Schwindel an, als von den Chinesen erfunden. Kein Wunder also, dass er überhaupt keinen Dollar mehr für den „Green Climate Fund“ zur Verfügung stellt.

Nicht nur das, das Weiße Haus unter Donald Trump wollte den Haushalt für Umweltschutzprojekte der Entwicklungshilfebehörde USAID auf 200 Millionen Dollar reduzieren, eine Kürzung um 70 Prozent. Der republikanisch dominierte Kongress hat dem jedoch nicht zugestimmt. Noch nicht, befürchten Umweltschutzgruppen, denn Trump macht Druck diese Gelder einzusparen. Doch was Trump und seine Gang durchsetzen konnten, ist die Streichung aller Klimaprojekte in Afrika, Asien, Lateinamerika. USAID, die für die Verteilung von Entwicklungshilfegeldern zuständig ist, darf fortan solche Klimaprojekte nicht mehr finanzieren, daruner auch in Ländern wie Äthiopien und Mozambique, wo schon heute die dramatischen Folgen des Klimawandels zu sehen sind. Alles Humbug und damit Geldverschwendung, sagt der Präsident. Die Folgen der Trumpschen „America First“ Politik wird mehr als langfristige Folgen haben. Hier regiert ein Mann, der die Wissenschaft ablehnt und viel schlimmer noch, davon überzeugt ist, dass er alles besser kann, weiß und macht.

Die Folgen des Hungers

Camale im Osten Somalilands.

Es ging am Morgen zwei Stunden lang, erst über eine Schlamm- und dann über eine Staubpiste, in das Dorf Camale. 1300 Menschen leben hier, davon sind fast 300 Flüchtlinge aus anderen Teilen im Osten Somalilands. Sie wurden im vergangenen Jahr nach der verheerenden Dürre von ihrem Land vertrieben. Es gab nichts mehr für sie, nachdem ihre Tiere verhungert, ihre Ernten verdorrt waren.

Nun leben sie hier in einer Gegend, die selbst mit einem Geländewagen nur sehr schwer zu erreichen ist. Camale ist steinig. Ziegen streifen durchs Dorf. Von einem Hügel aus kann man Kinder in der Ferne Fußball spielen sehen, ein paar Kamele, Pferde und Esel grasen. Hier gibt es seit ein paar Jahren eine Gesundheitseinrichtung, in der nicht viel zu finden ist. Ein paar Stühle, zwei Schreibtische, eine Waage, ein Metermaßband, ein paar Pillen und Salben. Viel darf hier nicht passieren, sonst muss man über die zweistündige Huppelpiste in die nächste Stadt fahren, wenn man überhaupt ein Auto besorgen kann.

Grün, gelb, rot erzählen eine lange Geschichte.

In diesem Gebäude führt die Hilfsorganisation Care Schulungen für Mütter durch. Es geht um richtige Ernährung und Hygiene für die Kleinen. An diesem Morgen werden einige Kinder im Alter zwischen sechs Monaten und fünf Jahren gewogen, untersucht und ihr Ernährungszustand mit einem Oberarmband gemessen. Die Hungerkrise der vergangenen Jahre wirft einen langen Schatten.

Derzeit ist Regenzeit. Wasser wird in dieser entlegenen Region in Speichern gesammelt, um für die kommenden Monate bis zur nächsten Regenzeit gewappnet zu sein. Denn eins ist klar, es wird am Horn von Afrika wieder zu einer Dürrekatastrophe kommen. Die Infrastruktur fehlt, Investionen sind für die international nicht anerkannte Republik kaum vorhanden, es gibt nur zwei ausländische Hilfsorganisationen, die hier überhaupt aktiv sind und sowieso ist Somalia nicht gerade im Blickfeld der Weltgemeinschaft. Und hinzu kommen die Auswirkungen des Klimawandels. Hierher sollten jene Kritiker kommen, die im Weißen Haus sitzen oder die verschiedensten Verschwörungstheorien darüber verbreiten. Der Osten Afrikas ist schon jetzt vom „Climate Change“ betroffen. Es ist also nicht eine Frage ob, sondern wann die nächste Dürre kommen wird.