„So viel Regen ist verrückt“

      Die Lage in Houston

Houston versinkt in den Fluten. Foto: Reuters.

Es regnet und regnet in Texas. Ersten Schätzungen zufolge könnte ein Schaden von 40 Milliarden Dollar entstanden sein. Die Öl- und Gasindustrie an der Küste ist gewaltig getroffen worden, schon jetzt werden höhere Benzinpreise im ganzen Land erwartet. Und Harvey wütet weiter.

Ein Reporter steht am frühen Montagmorgen in der Mitte einer Straße in Houston, das Wasser reicht ihm bis zur Hüfte. Die Bilder aus der texanischen Millionenstadt zeigen das ganze Ausmaß der Katastrophe. Es regnet und das ohne Ende. Überschwemmungen weit und breit, die Infrastruktur ist in weiten Teilen zusammen gebrochen. Zur Sicherheit mussten die Schleusen mehrerer Trinkwasser Reservoirs geöffnet werden, die Dämme drohten aufgrund der Wassermassen zu brechen. Allein in den letzten 72 Stunden fiel im Bezirk Houston weit über einen Meter Niederschlag. Die Stadt ist auf Sumpfgebiet und weiß mit Hochwasser umzugen, aber Harvey und seine Folgen seien eine historische Katastrophe, wird hier überall gesagt.

Leah Kernohan steht vor ihrem überfluteten Haus und sagt, dass sie mit ihren 45 Jahren schon viele Stürme und Hurrikans durchgemacht hat, aber das hier sei das verrückteste, was sie je gesehen habe. So viel Wasser gab es noch nie.

Nach wie vor versuchen Helfer der Nationalgarde, der Küstenwache und auch viele Bürger mit Booten in den schwer betroffenen Nachbarschaften von Haus zu Haus zu kommen, um Anwohner aus misslichen und gefährlichen Lagen zu retten. Denn ein Ende der Krise ist noch lange nicht in Sicht, bis Ende der Woche soll es weiterregnen, meinen Meterologen.

Für den Chef der Katastrophenhilfe FEMA, William Long, hat jetzt erst die eigentliche Katastrophe begonnen. Man sehe die ersten Schäden, aber noch immer regnet es, auch in anderen Teilen von Texas. Die Flüsse könnten diese Mengen an Niederschlag gar nicht verkraften. Überall treten die Fluten über die Ufer. Es werde, so Long, gewaltige Schäde geben. Das hier sei ein langes und frustrierendes Ereignis für Texas.

Unterdessen hatte auch der Gouverneur im Nachbarstaat Louisiana Präsident Donald Trump darum gebeten, den Notstand für Louisiana auszurufen, auch hier sind die Folgen von Harvey deutlich zu spüren.

Leichte Entwarnung in Kalifornien

Seit Wochen schon fegt ein Wintersturm nach dem anderen über Nordkalifornien. Regen, Schnee, Überschwemmungen, Glatteis, alles was dazu gehört und wie es eben auch für diese Jahreszeit sein sollte. Und selbst Südkalifornien bekommt etwas vom feuchten Wetter ab.

Nach Jahren der Dürre steigen die Wasserpegel wieder im „Golden State“. Vor einem Jahr waren 97 Prozent des Bundesstaates im Ausnahmezustand. Die Reservoirs waren leer, die Pegel in den Seen, Flüssen und auch beim Grundwasser sackten weiter ab. In vielen Gemeinden kam kein Wasser mehr aus den eigenen Brunnen. Gouverneur Jerry Brown hatte schon zuvor den Wassernotstand ausgerufen und damit alle Privathaushalte und Businessadressen zum Einsparen verpflichtet.

Ein Jahr später hat sich in weiten Teilen Kaliforniens die Situation etwas verbessert, Grund zum Durchatmen. 42 Prozent des Bundesstaates fallen nicht mehr unter die Dürre Kategorie. Das ist die positive Nachricht in diesen Tagen. Die schlechte ist, dass der Boden das viele Wasser gar nicht aufnehmen kann. Überschwemmungen, Schlammlawinen und auch die Tatsache, dass vor allem Nordkalifornien den Niederschlag abbekommt und es nur wenig in Südkalifornien regnet. Aber dennoch freut man sich hier über den Regen….auch  mein Hund, die es liebt und genießt tagtäglich auf unseren Spaziergängen durch die Pfützen zu rennen, ein Matschfest sondergleichen.

Der kleine Seelöwe am Strand

Point Reyes ist eines meiner Ziele in der Region, die ich gerne mal zum Auftanken, Abschalten und einfach Genießen aufsuche. Es ist der westlichste Teil von Marin County, eine Landzunge, vom Wind zerfurcht, der Pazifik zeigt hier seine ganze Gewalt. Und man kann in Point Reyes die Spuren des San Andreas Graben verfolgen, der direkt unter dieser Region vorbeiläuft.

Ein kleiner Seelöwe ganz allein am Strand.

Ein kleiner Seelöwe ganz allein am Strand.

Mein Ziel ist immer „North Beach“, ein einsamer, langer Strand, tiefer Sand, kaum Besucher, keine Touristen, viel Treibholz. Gestern war ich mal wieder mit einer Freundin dort. Unsere beiden Hunde genossen den Auslauf. Und dann sah ich einen Kopf aufblicken. Ich ging darauf zu und erkannte einen kleinen Seelöwen, etwas unterernährt, der da eigentlich alleine nicht sein sollte. Was tun?

Ihn einfach mitnehmen und zu einer Rettungsstation bringen geht nicht. Nicht nur, dass es ein ein „Federal Crime“ ist, einem wilden Tier zu nahe zu kommen. Ich habe auch ehrlich gesagt keine Ahnung, wie man mit einem Seelöwen umgeht. Also riefen wir den „Marine Mammal Center“ in Sausalito an, was zu machen sei. Dieses Rettungszentrum leistet die kalifornische Küste rauf und runter hervorragende Arbeit. Zu finden sind sie in den Marin Headlands, gleich auf der anderen Seite der Golden Gate Bridge (Tipp: ein Besuch lohnt sich immer).

Erst hieß es am Telefon, wir sollten Fotos schicken, aber man könne den Kleinen wohl heute nicht mehr abholen. Das war keine Antwort, die wir hören wollten. Kurz danach riefen wir noch einmal an, um sicherzugehen, dass die Bilder auch angekommen waren. Nun war eine andere Frau am Apparat und meinte, sie werde eine Mitarbeiterin benachrichtigen, die gereade nicht weit weg in Bolinas im Einsatz ist. Wir sollten doch am Parkplatz warten.

Kurz vor der Fahrt zum "Marine Mammal Center".

Kurz vor der Fahrt zum „Marine Mammal Center“.

Nach 20 Minuten kam dann Kris, eine Frau Mitte 30 in dicken Wanderstiefeln, Jeans und Sweatshirt. Sie hielt sich nicht lange auf, griff sich ein Fangnetz und wir trugen ein Brett und eine Hundetransportbox. Der Wind peitschte uns ins Gesicht und den Sand um die Ohren. Gemeinsam marschierten wir erneut die 500 Meter am Strand entlang. Der kleine Seelöwe sah uns schon kommen und beobachtete unsere Bewegungen. Kris schlich sich vom Meer kommend an ihn heran und schmiss das Netz über ihn, ich raste anschliessend mit der Box zu ihr und gemeinsam verfrachteten wir den Seelöwen darin. Er wollte erst nicht, versuchte sich aus dem Netz zu winden, ein kleiner „Fighter“, ein gutes Zeichen.

Und dann wieder zurück zum Wagen, zum vierten Mal die 500 Meter durch den tiefen Sand, diesmal eine Hundebox mit Seelöwen in den Armen. Doch alles ging gut, Kris verstaute den kleinen Patienten im Wagen und machte sich auf den Weg zum „Marine Mammal Center“ in Sausalito, wo man ihn nun untersuchen und aufpäppeln wird. Der junge Seelöwe ist keine Ausnahme in diesen Tagen. Viele Jungtiere werden an den Stränden gefunden. Das Wetterphänomen El Niño hat die Nahrungssuche der Eltern verändert. Sie müssen größere Strecken zurücklegen, die hungrigen Jungtiere gehen dann irgendwann selbst auf Futtersuche und werden, wenn sie Glück haben, noch rechtzeitig gefunden. Nächste Woche rufen wir mal an, um nach dem Zustand des kleinen Seelöwen zu fragen.

Stories of America

Es kommt ja nicht so oft vor, dass ein Musikvideo aus und in meinem alten VW-Bus gedreht wird und dabei auch noch Käthe aus dem Fenster blickt. Im Januar waren ALP in San Francisco, um den beeindruckenden Walter Ruttmann Stummfilm von 1927 „Berlin: Die Sinfonie einer Großstadt“ neu und live zu vertonen. Es war zweifellos der Höhepunkt des 20. deutschsprachigen Filmfestivals „Berlin & Beyond“. Standing Ovations zum Schluß, ein grandioser Auftritt, eine erleichterte Band, die noch kurz vor dem Konzert einige „stürmische“ Momente erlebte.

Da ich sowas wie der Herbergsvater, Fahrer und Roadie war, begleitete ich das Trio aus Berlin auf vielen ihrer Ausflüge. Nun liegt ein kleines Video von ALP in San Francisco vor. Und da es diesmal leider nur zu einem Auftritt kam, kann man das Filmchen durchaus „ALP in Amerika“ betiteln.

Aufgrund der sehr positiven Resonanz planen die Berliner bereits weitere Konzerte an der amerikanischen Westküstefür den Spätherbst. Dann stehen mit Sicherheit mehrere Konzerte und Konzertorte an.

YouTube Preview Image

Die Pegel steigen wieder

El Niño ist da. Mit aller Gewalt brettern die Stürme über Kalifornien, bringen viel Regen und Schnee mit sich. Die gute Nachricht zuerst, die Wasserpegel in den Reservoirs, Seen und Flüssen steigen wieder. Der Folsom Lake ist innerhalb eines Monats um 15 Meter gestiegen, der Lake Oroville um 7 Meter. Und auch von anderen Seen und Reservoirs in Nordkalifornien kommen positive Wasserstandsmeldungen. Auch aus der Sierra werden gute Nachrichten vermeldet, die Berge sind mit Schnee bedeckt. So langsam tropft sich Kalifornien aus der Wasserkrise.

Der Pegel am Folsom Lake steigt langsam wieder, doch ist noch lange nicht auf der selben Höhe wie vor der Wasserkrise in Kalifornien. Foto: Nasa.

Der Pegel am Folsom Lake steigt langsam wieder, doch ist er noch lange nicht auf dem selben Stand wie vor der Wasserkrise in Kalifornien. Foto: Nasa.

Ein Grund zur Entwarnung gibt es dennoch nicht. Denn derzeit ist vor allem der Norden Kaliforniens von El Niño betroffen. Im Süden fehlt nach wie vor der Niederschlag. Dort ist in den Stauseen noch immer gähnende Leere.

Und bei mir zu Hause hat El Niño auch kräftig zugeschlagen. Am Sonntag krachte ein gewaltiger Redwood auf die Oberleitung, nur zwei Häuser weiter. Ich sass im Wohnzimmer und plötzlich eine Explosion vor dem Fenster, die Stromkabel waren gerissen. Ich rannte nach draussen, sah, was passiert war, sprang ins Auto und fuhr den Wagen etwas die Straße hoch. Denn ich wußte, gleich kommt die Feuerwehr, die werden alles absperren, gerade auch weil auf den am Boden liegenden Kabeln noch Strom war. Wieder zurück ins Haus, der Band ALP gesagt, sie müssen sich beeilen, denn wir müssen JETZT los zum Konzert im Castro Theatre. Wie Musiker eben so sind, dauerte es etwas, bis sie in die Schlappen kamen. „Oakland Fire Department“ war inzwischen auch angekommen. Die wollten niemanden mehr raus und rein lassen. Also meinte ich zu den Jungs, schön langsam und ruhig die Treppe runter und dann losrennen, unter den Resten der Kabel durch. Wenn wir mal auf der anderen Seite der Straße sind, schicken sie uns nicht mehr zurück. So kam es dann auch, der Feuerwehrhauptwachtmeister war zwar etwas entsetzt, doch ließ uns im Regen ziehen. Das Konzert wurde ein absoluter Erfolg, ALP aus Berlin vertonten live Walther Ruttmanns 1927er Film „Berlin, die Sinfonie der Großstadt“.

30 Stunden später hatten wir auch wieder Strom im Haus. Bis zum nächsten Morgen, da rollte der nächste Angriff von El Niño vom Pazifik kommend heran. Wieder gab es einen „power outage“, denn erneut war ein Baum in der Nachbarschaft umgefallen. Diesmal dauerte es nicht lange, doch danach war die Telefonleitung dahin. Nur das statische Rauschen war noch zu hören. Und das noch immer. El Niño ist ja erst am Anfang, das wird noch heiter werden in den kommenden Wochen und Monaten.

Kalifornien im Regen

Ein fließender Bach hat schon was.

Ein fließender Bach hat schon was.

Die Natur ist grün. Endlich wieder. Nach jahrelanger Trockenheit rollt seit Wochen ein Sturm nach dem anderen über Nordkalifornien und bringt Regen und Schnee mit sich. Der Pegel in den Seen, Flüssen und Reservoirs steigt ganz langsam an. Doch noch lange nicht haben wir hier in Kalifornien die Wasserkrise hinter uns gelassen. Der Grundwasserspiegel in einigen Bereichen Kaliforniens, gerade im Central Valley, wird wohl nie wieder auf das alte Niveau steigen.

Für jemanden wie mich, der tagtäglich mit dem Hund durch die Wälder läuft, scheint es, als ob die Natur auf- und ganz kräftig durchatmet. Alles ist grün und sogar längst vertrocknete Bäche führen wieder Wasser. Ein seltener Klang von fliessendem Nass zwischen all den Redwoods im East-Bay Regional Park. Mein Hund ist begeistert, zwischen all dem Rennen bergauf-bergab gibt es erfrischende Wasserpausen.

Der nächste Sturm zieht bereits vom Pazifik heran. Für heute Nacht ist mehr Regen gemeldet, in der Sierra erwartet man sogar bis zu 20 cm Schnee. Gerade darauf hat man im ausgedörrten Kalifornien so sehnlichst gewartet, denn die Schneedecke bringt den Bundesstaat über den heißen Sommer. Metereologen warnen allerdings schon für die Zeit nach El Niño, der derzeit Kapriolen dreht. Der Sommer soll heiß und trocken werden. Was jetzt an Niederschlag kommt, könnte schon sehr bald  wieder verdampft sein.

„It’s raining again“

Was war das? Gestern Abend fiel ich fast aus allen Wolken, ein Klang, den ich schon lange nicht mehr gehört hatte, zumindest hier in Oakland. Es regnete und das in Strömen. So sehr, dass auf der Straße ein Bach runterlief, die Gullis waren mit Laub und Nadeln verstopft. Yeah, es regnet.

Begeistert bei Regen und Sonne in der San Francisco Bay Area unterwegs.

Begeistert bei Regen und Sonne in der San Francisco Bay Area unterwegs.

Und es regnet noch immer. Heute morgen war ich mit meinem Hund draußen, die mich sehr früh weckte, denn in ihrem kurzen Leben, sie ist nun 21 Monate alt, hatte sie noch nie Regen gesehen oder gefühlt. Auch so etwas gibt es. Käthe wollte raus, ich nicht so sehr, aber selbst die Decke über den Kopf gezogen half nichts, sie heulte begeistert neben dem Bett und hin und wieder bekam ich eine Pfote ab. Endlich draußen ließ sie sich Zeit, sehr viel Zeit, schnupperte an allem, sprang in jede Pfütze und ich wurde klitschnass. Und das vor dem ersten Kaffee. Nein, ich beschwere mich nicht, aber das gibt noch was mit Monster El Niño im Anzug und einer agilen, kraftvollen und energiegeladenen Hündin.

Der Regen heute wird nicht viel gegen die Dürre in Kalifornien ausrichten können. Das ist wohl nur der Tropfen auf dem heißen Stein. Allerdings wird damit zumindest die Feuergefahr in den Oakland Hills reduziert. Denn wenn man hier lebt, sind gewaltige Brände ein immer wiederkehrendes Horrorszenario. Man lebt damit, doch im Herbst steigt die Gefahr, die ist jetzt allerdings erst einmal gebannt.

 

 

El Niño ist im Anzug

Wenn man den Wissenschaftlern glauben will, dann steht El Niño quasi schon vor der Tür. Mit 95 Prozent Wahrscheinlichkeit wird der kommende Winter in Kalifornien und dem Südwesten der USA nass werden. Endlich will man sagen, doch erstens kommt der Niederschlag etwas zu spät und zweitens wird es massive Überflutungen, Erdrutsche und damit einhergende Probleme geben.

Foto: NOAA Climate.gov

Foto: NOAA Climate.gov

Die Feuersaison in Kalifornien ist schon seit Februar im Gange. Normalerweise sieht man die Brände erst im Spätsommer oder Frühherbst. Doch die Wälder sind ausgetrocknet, im vierten Jahr der historischen Dürre braucht es nicht viel für einen Flächenbrand. Die Feuerwehren im Sonnenstaat sind bereits an ihren Grenzen. Tausende von Häftlingen aus den kalifornischen Gefängnissen kämpfen an vorderster Front gegen die Flammen mit. Sie alle wünschen sich, dass El Niño schon etwas früher kommen würde, doch der Plan geht nicht auf. Frühestens im Dezember rechnen die Wissenschaftler mit dem Öffnen der Himmelsschleusen.

Und dann geht es los. Die Zeichen stehen auf Sturm. Die Wassertemperaturen im Pazifik steigen weiter an, die Wasseroberfläche ist deutlich höher als gewöhnlich und die Migration von Fischen, Walen, Krebsen und allerhand anderem Meeresgetier ist mehr als ungewöhnlich. So findet man vor der Küste Nordkaliforniens Meeresbewohner, die normalerweise nur in den warmen Gewässern vor Mexiko leben. Die Experten von NOAA, der National Oceanic and Atmospheric Administration, gehen von einem gewaltigen El Niño aus, der da im Anzug ist. Bis ins kommende Frühjahr könnte dieses Wetterphänomen den Westen der USA überfluten. Es wird ein feuchter Winter werden. Und ich sollte mal in den kommenden Wochen aufs Dach steigen, die Regenrinnen reinigen und schauen, ob alles für die feuchte Jahreszeit bereit ist.