Der Kulturkrieg in den USA

Donald Trump und all das für was er steht wurde schon oft mit geschichtlichen Namen und Ereignissen verglichen. Allen voran mit der Machtübernahme der Nazis. Trump sei wie Hitler, die Trumpisten wie die NSDAP. Lawrence Rosenthal ist der Direktor des “Center for Right Wing Studies” an der University of California in Berkeley. Er sieht deutliche Parallelen zwischen dem, was derzeit in den USA passiert und den Ereignissen in den 30er Jahren. Ist Trump ein Populist oder schon gar ein Faschist, fragt Rosenthal im Interview mit der Nürnberger Zeitung.

Trump zwischen Mussolini und Mao? Foto: Reuters.

Dabei verweist er auf den New York Times Kolumnisten Ross Douthat, der schon im Dezember 2015 einen Text überschrieb: Is Donald Trump a fascist? Douthat zitierte in seinem Beitrag den Slate Autoren Jamelle Bouie, der Umberto Ecos Kennzeichen des Faschismus auflistete. Douthat weiter: Klingt das wie Trump? Eigentlich, ja, sogar sehr: Seine Angeberei und sein gespielter Machismo (vollendet mit Spott für Schwächere, Unattraktive und Behinderte), seine Manie wie wir von anderen Staaten “geschlagen” werden und wir stattdessen zurückschlagen müssen, seine überraschende doch geschickte Ausnutzung von wirtschaflichten Ängsten der Arbeiter, seine finsteren Aussagen über mexikanische “Vergewaltiger” und andere Gefahren durch Immigranten. Und seit dieser Woche sein Versprechen unsere Gegner nicht nur zu bombardieren und zu foltern, um sie gefügigt zu machen, sondern auch noch ihre Familien zusammen zu treiben – nein, es ist nicht schwer Eco’s Liste mit Donald’s “greatest hits” zu vergleichen.

Donald Trump als „Duce del Fascismo“ ist allerdings nicht der einzige historische Vergleich, der in diesen Wochen und Monaten gezogen wird. Trump und seine Umkrempelung des amerikanischen Lebens wird nun auch mit der chinesischen Kulturrevolution verglichen. Catherine Rampell schreibt in der Washington Post, dass sie kürzlich von einer Reise nach China zurück gekommen sei und dabei von diesem Vergleich lernte. Der gewaltsame Alltag während der Kulturrevolution in China unter Mao Zedong zwischen 1966 und 1976, gliche in weiten Teilen der aktuellen Situation in den USA. Rampell bezieht sich auf den Kapitalanleger Eric X. Li, der ihr diese durchaus provokante Theorie näherbrachte. Anstelle der großen Plakate für das politische Ziel in China ständen nun die Tweets und Hashtags unter Trump. Auf den chinesischen Postern wurden Staatsfeinde verunglimpft, das geschieht nun in 280 Zeichen. Höhere Bildung wird verpönt, nationale Symbole, die eigentlich für die Gemeinschaft und die Einheit stehen, wie die Freiheitsstatue und die amerikanische Flagge, werden politisiert. Bestimmte Wörter werden gebrandmarkt oder ganz aus offiziellen Regierungsstellungnahmen und -berichten verbannt.

Rampell zitiert eine Email von Li, in der dieser schreibt: „Eigentlich alle Institutionen – aus Politik, Bildung, Wirtschaft – verschwenden ihre Energie auf strittige und unvereinbare Grundwerte und -haltungen – darauf, was es heißt Amerikaner zu sein. In solch einem Umfeld übertrumpft die Identität die Vernunft („identity trumps reason“), Ideologie kommt vor Politik und moralische Überzeugungen ersetzen einen intellektuellen Diskurs.“ Donald Trump und seine Weggefährten auf diesem kulturellen Kriegspfad unterminieren gezielt die Grundfesten der amerikanischen Gesellschaft. Die Medienberichterstattung wird in jubelnde „Pro Trump = Pro Amerika“ Beiträge und kritische „Fake News = unamerikanisch“ Berichte aufgeteilt. Es wird von einem nicht existierenden „Deep State“ gesprochen, einem Staat im Staate, der diesen eingeschlagenen „Make America Great Again“ Weg verhindern soll. Gegner dieses Trumpschen MAGA-Pfades werden als Volksfeinde verunglimpft. Der republikanische Abgeordnete Matt Gaetz wetterte nicht nur einmal gegen den Sonderermittler Robert S. Mueller und erklärte im Parlament und auch im Fernsehen: „Wir sind in Gefahr, dass es zum einem Putsch in diesem Land kommt, wenn wir es zulassen, dass eine unverantwortliche Person ohne Kontrolle den ordnungsgemäß gewählten Präsidenten der Vereinigten Staaten unterminiert.“ Mit Horrorbildern wird seit nunmehr fast einem Jahr in den USA Politik gemacht. Mit Bildern, die durchaus geschichtliche Parallelen aufweisen.

 

 

2018 – das Jahr der Frauen

Die demokratische Kongressabgeordnete Jackie Speier ruft das „Jahr der Frauen“ aus. Foto: Reuters.

In diesem Jahr stehen in den USA wieder ein paar Wahlen an, die durchaus bedeutsame politische Weichen stellen könnten. Da sind die Kongresswahlen, das gesamte Abgeordnetenhaus wird neu bestimmt, dazu noch ein Drittel der 100 Senatoren. Donald Trump befindet sich schon im Wahlkampf, denn mit einem Verlust der republikanischen Mehrheit in beiden Kammern, könnte für ihn das Regieren mehr als schwierig werden.

Und auch in Kalifornien, dem einwohnerreichsten und politisch mächtigsten Bundesstaat in den USA wird ein neuer Gouverneur gewählt. Bislang ist der Wahlkampf mehr als dröge. Der Stellvertretende Gouverneur, Gavin Newsom, und der frühere Bürgermeister von Los Angeles, Antonio Villaraigosa, – beide Demokraten – liefern sich einen gähnend-langweiligen Wahlkampf. Sie stimmen einfach in vielem überein. Keiner kann so richtig überzeugen.

Doch das kann sich nun ändern. Die Kongressabgeordnete Jackie Speier, ebenfalls eine Demokratin, überlegt das Feld als weibliche Kandidatin aufzurollen. Die Tochter einer Überlebenden des armenischen Genozids und eines deutschen Einwanderers ist seit 2008 im US Kongress. Zuvor war sie kalifornische Senatorin und Abgeordnete in Sacramento. Speier machte im vergangenen Jahr Schlagzeilen damit, dass sie sich für eine Amtsenthebung von Donald Trump einsetzte, nachdem dieser die Gewalt bei der „Unite the Right“ Demonstration in Charlottesville relativierte und dem nordkoreanischen Diktator Kim Jon-Un mit einem nuklearen Schlag drohte. Trump, so Speier, sei geistig nicht in der Lage das Land zu führen und gefährde die USA nur.

Im Oktober trat sie im Zuge der #metoo Kampagne mit ihren Erfahrungen als Frau im Kongress an die Öffentlichkeit und erklärte, sie habe vor vielen Jahren als Mitarbeiterin eines Abgeordneten selbst sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erdulden müssen. Der US Kongress sei ein „Brutplatz“ für Übergriffe.

Die 67jährige Jackie Speier repräsentiert Teile von San Mateo County und dem südlichen San Francisco. Sie ist aufgrund ihrer langen politischen Erfahrungen hervorragend in der Partei und bei Spendern vernetzt. Ihr charismatisches Auftreten begeistert nicht nur weibliche Wähler. Und die werden auf die Abgeordnete setzen, falls es zu einer Kandidatur kommen sollte. Speier gilt als Vertraute von Hillary Clinton und könnte gerade dem derzeitigen Frontrunner Gavin Newsom gefährlich werden. Auch wenn dieser auf seine „Kriegskasse“ von 20 Millionen Dollar verweist. Newsom bereitet seit Jahren seine Kandidatur generalstabsmäßig vor. Doch im engen Umfeld von Jackie Speier heißt es dazu nur, sie brauche so viel Geld gar nicht, denn „das ist das Jahr der Frauen“. Auf den Seiten der Kandidatinnen und auf Seiten der Wählerinnen.

Es brennt an allen Fronten

In gerade mal zweieinhalb Stunden schaffte es Donald Trump am Dienstag im eigenen Land die Grundfesten der Demokratie weiter auszuhöhlen und international die Lunte an gleich zwei Megakrisen zu halten. In gleich mehreren Tweets vollführte er den Rundumschlag gegen alles und jeden. Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika will Medien, die ihm nicht passen, die keine Hofberichterstattung veranstalten, die kritisch über ihn und seine Adminstration berichten „auszeichnen“. Es geht ihm um „Unehrlichkeit“ und „schlechte Berichterstattung“ der „Fake News Medien“. Auf einer Veranstaltung am kommenden Montag will er seine „Preisträger“ verkünden. Was kommen wird ist klar, eine Schmusekurs mit FOXNews, Breitbart und Washington Times und eine Anprangerung der New York Times, der Washington Post, von CNN, NBC, ABC und CBS. Trump macht damit einen auf Erdogan. Der Schulterschluss zwischen King Donald und Sultan Recep.

Schon zuvor hatte Trump ausgeholt und das internationale Parkett für seine Verbalattacken genutzt. Erst die Palästinenser und dann Nordkorea. Er droht mit Kürzungen von Geldern und ganz offen mit einem nuklearen Schlag gegen das Kim-Regime. Trump zündelt auf dem Globus mal hier, mal da. Die Folgen sind noch nicht abzusehen, aber, dass dieser Kurs ein friedliches Ende finden wird, daran glauben in den USA immer weniger Menschen.

Donald Trump wird zum gefährlichsten Mann in Amerika, gerade weil er unkalkulierbar und populistisch regiert. Trump ist der Präsidenten seiner „Red States“ und sieht sich nicht als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Er regiert für seine Basis, die ihm zujubelt, egal, was für unlogische, gefährliche und schlichtweg falsche Entscheidungen er auch treffen mag. Die Frage, die ich mir immer öfters stelle ist, wie werden die USA nach diesem Präsidenten aussehen, der ein Land in kürzester Zeit zerlegt, verändert, unüberbrückbar spaltet? Ich kann, ich will es mir gar nicht vorstellen.

„Da rauchten wir erst einmal einen Spliff“

Rauchzeichen aus Kalifornien nun auch legal. Foto: Reuters.

Die Shiny Gnomes präsentierten vor wenigen Tagen im Hirsch ihre neue Platte „Searching for Capitola“. Leider war meine Anreise etwas zu weit, ich wäre sehr gerne dabei gewesen. Aber genau an dem Tag las ich so einige Artikel über das, was da am 1. Januar auf Kalifornien zukommen wird. Der Sonnenstaat ist der nächste, der ab 2018 den legalen Cannabis Konsum und Besitz erlauben wird. Als Donald Trump im November 2016 gewählt wurde, votierten die Kalifornier deutlich gegen ihn und stimmten für die Legalisierung von Gras.

Fortan darf man in Kalifornien knapp 30 Gramm Marihuana und bis zu sechs Cannabis Pflanzen besitzen. Damit will der Staat den illegalen Markt austrocknen und selbst etwas an dem Milliarden Dollar Geschäft verdienen, denn nun müssen die Konsumenten in ihren „Weed Stores“ Steuern auf ihren Rausch bezahlen. Bis zu 5,1 Milliarden Dollar zusätzliche Einnahmen erhofft man sich im „Golden State“.

Kalifornien ist nicht der erste Bundesstaat, der den Marihuana Konsum legalisiert. Acht Staaten haben bereits Gesetze verabschiedet. Bislang konnte man sich in Kalifornien mit einer „Medical Marijuana License“ ganz legal Gras kaufen, man musste nur von einem Arzt ein Attest vorlegen, dass man aus medizinischen Gründen Cannabis braucht. Nun also wird der Markt für alle geöffnet. Fraglich ist, wie sich die Regierung in Washington verhalten wird. Denn der Konsum und der Besitz von Cannabis ist nach wie vor illegal unter Bundesgesetzen. Donald Trump und sein Justizminister Jeff Sessions könnten durchaus zu einem Schlag gegen Kalifornien ausholen. Überraschen würde es niemanden, denn der „Golden State“ ist nicht Trump-Country, hier findet man nur wenige Wähler des 45. Präsidenten.

Was das nun mit den Shiny Gnomes aus Nürnberg zu tun hat? Vor etlichen Jahren, als die Band eine längere künstlerische Pause einlegte, interviewte ich für Radio Goethe Limo und den früheren Drummer Ufo, der damals noch beim Balazzo Brozzi um die Ecke wohnte. Eine meiner Lieblingsplatten war und ist die Scheibe „mc creatrix“ von den Shiny Gnomes (den Song „Heartmoon“ daraus stellte ich kürzlich auch in der NPR Sendugn „Here and Now“ vor). Auf die Frage, wie sie denn diesen fantastischen und komplexen Sound zustande gebracht haben, meinte Ufo: „also, da rauchten wir erst einmal einen Spliff“… Gedankengänge sind manchmal schon seltsam!

Kein Grund zum Feiern in Oakland

Samstagmorgen ist es wieder passiert. Ein weiterer Mord in Oakland. Ein 27jähriger wurde mit mehreren Schusswunden in den Oakland Hills gefunden. Erschossen wurde er woanders, der Körper wurde einfach in der Nähe einer Autobahnauffahrt abgelegt. Es ist der 76. Mord in diesem Jahr. Und das ist ein Erfolg, im vergangenen Jahr wurden noch 87 Morde in meiner kalifornischen Wahlheimatstadt verbucht.

Crime Scene

Polizei und „City Hall“ gehen seit mehreren Jahren gezielt gegen aktive Gangs in der San Francisco East Bay vor. Damit wurden deutliche Erfolge erzielt. Hinzu kommen Anti-Gewalt Programme wie „Ceasefire“, bei dem Sozialarbeiter, oftmals selbst frühere Gangmitglieder, umgehend nach Schießereien reagieren und Gegengewalt verhindern können.

Noch vor wenigen Jahren lag die Mordrate in Oakland Jahr für Jahr bei 100 und mehr. Als Erfolg wurde gewertet, wenn die Zahl unter 100 blieb. 76 im Jahr 2017 ist sicherlich kein Grund zum Feiern, aber es ist ein deutlicher Einschnitt und ein Erfolg der Bürgermeisterin Libby Schaaf, die 2014 angetreten war, die hohe Mordrate deutlich zu senken. Im kommenden Jahr muss sie sich wieder zur Wahl stellen. Zumindest diese Zahlen zeigen sie auf dem richtigen Weg.

Trump sagt mal wieder „F.U.“

Man erlebt es trotz allem nicht so oft, dass der amerikanische Präsident so offen einem Großteil der Amerikaner „F… Y..“ zuruft. Aber genau das ist mit seinem jüngsten Tweet passiert. Weite Teile der USA erleben einen extremen Kälteeinbruch, wir hier im Westen haben fast sommerliche Temperaturen nach verheerenden Bränden. Und was macht der Präsident? Ihm sind die Auswirkungen des Klimawandels egal. Vielmehr unterhält er zum Jahresausklang seine Wähler mit einem dusseligen Tweet. Seine Basis wird ihm sicherlich zunicken und unglaublich geistreich bemerken: „genau, wo ist denn „Global Warming“, wenn wir hier so viel Schnee haben“. Lieber Gott, wirf Hirn vom Himmel!

Die Knastbrigade im Einsatz

Das „Thomas Fire“ in Ventura und Santa Barbara County ist zum größten in der Geschichte Kaliforniens geworden. Mehrere Tausend Feuerwehrleute hatten wochenlang die Flammen bekämpft, oftmals waren sie auf verlorenem Posten und konnten sich nur noch selbst in Sicherheit bringen. Die starken Santa Ana Winde trieben die Brände vor sich her. Innerhalb weniger Sekunden wurde da oftmals die Länge eine Fußballfeldes überwunden.

Einsatzkräfte des „California Department of Corrections“ an vorderster Front. Foto: Reuters.

Zum Einsatz kamen auch Häftlinge, die Teil einer etwas ungewöhnlichen Brigade sind. 3800 Gefangene in Kalifornien sind in 43 sogenannten “Conservation” oder “Fire Camps” im ganzen Bundesstaat untergebracht. Es ist eine relativ preisgünstige Möglichkeit, präventive Brandschutzmaßnahmen durchzuführen und gleichzeitig im Falle eines Grossfeuers mit einer geschulten Extracrew die Flammen zu bekämpfen. Die Häftlingseinheiten sind jederzeit abrufbar und einsetzbar.

Für den Dienst melden sich die Strafgefangenen freiwillig, danach werden sie von der Feuerwehr geschult, schlafen dann in kleinen Einheiten in der Wildnis, halten Feuerwege frei, schneiden Unterholz und sind im Brandfall sofort einsatzbereit. Bei den großen Feuern in Sonoma County und dem „Thomas Fire“ waren etwa 1700 Häftlinge an der vordersten Brandlinie im Einsatz, der Rest arbeitete zu. Die Gefangenen erhalten für ihren Einsatz pro Tag einen Dollar und je Stunde Einsatz einen weiteren Dollar. Das ist deutlich mehr, als sie im Gefängnis selbst verdienen können. Darüberhinaus werden sie in Teamfähigkeit und Führungsqualitäten geschult und bekommen auch deutlich besseres Essen in den Camps als hinter Gittern.

Melden können sich nur solche Gefangene, die nicht wegen Gewalttaten verurteilt wurden und auch keine Gangmitglieder waren oder sind. Sie werden in den Camps überwacht, aber nicht streng bewacht. Nur wenige Strafvollzugsbeamte sind Teil der „Fire Camps“. Den Häftlingen wird in diesen Camps eine sinnvolle Tätigkeit geboten und gleichzeitig der Gesellschaft gezeigt, dass Gefangene durchaus hilfreiche und verantwortungsbewusste Mitglieder der Allgemeinheit sein können. Dieses “Feuerwehr-Programm” für Gefangene gibt es bereits seit 1943 und hat sich über die Jahrzehnte bewährt. Gerade bei Großbränden, wie nun dem “Thomas Fire” nördlich von Los Angeles, waren die Häftlings-Crews wichtige Helfer für die hauptamtlichen Feuerwehren.

Für die Gefangenen sind die „Fire Camps“ durchaus attraktiv. Sie bekommen mehr Geld, sie sind im Freien und nicht hinter Mauern, es sind Teams, die sich verstehen müssen, auch mit den Strafvollzugsbeamten. Dazu lernen sie Fähigkeiten, die ihnen im Gefängnis nicht beigebracht werden können. Und ganz wichtig für viele, die sich diesem Feuerschutzprogramm anschliessen ist, dass sie dem oftmals brutalen Gefängnisalltag entfliehen können, in dem Gangs die Abläufe kontrollieren und bestimmen. Das alles fällt draussen in den Camps weg. Draussen arbeiten bedeutet auch einen ersten Schritt zurück in die Freiheit und die Gesellschaft zu tun.

Dieses Resozialisierungsprogramm, das den Gefangenen sicherlich viel abverlangt, aber der Gesellschaft viel bringt und Steuergelder einspart, kommt in der Bevölkerung gut an. Seit 75 Jahren gibt es dieses Gefangenen Brigaden schon, bislang kam es zu keinen großen Problemen oder Ausbruchsversuchen. Nach dem verheerenden Brandjahr in Kalifornien, wird sogar darüber nachgedacht, die Budgets der Feuerwehren aufzustocken. Darunter würde dann auch das Feuerwehr Programm für Strafgefangene fallen.

Die Mieten steigen, so auch die Zahlen der Obdachlosen

Seitdem ich in der San Francisco Bay Area lebe, immerhin schon seit nahezu 25 Jahren, bleibt ein Problem hier aktuell – Obdachlosigkeit. Tausende von Menschen leben auf der Straße, ohne kurz- und mittelfristige Unterkunft. Die Zeltstädte auf den Gehwegen in San Francisco, Oakland, Berkeley, San Jose und anderen Kommunen der Region wachsen weiter. Die stetig steigenden Mieten und Grundstückspreise verhindern einen angemessenen sozialen Wohnungsbau. Derzeit kostet eine Einzimmerwohnung in San Francisco etwa 3500 Dollar im Monat. Wer ein Haus kaufen will muss dafür tief in die Tasche greifen, unter einer Million Dollar ist nichts mehr zu haben.

Sie sind nicht groß, aber könnten ein Ausweg aus der steigenden Krise sein.

Nun will man hier ganz neue Wege gehen. „Tiny Houses“, Minihäuser, sind zwar nicht die Lösung der eigentlichen Obdachlosigkeit, aber sie könnten jenen in Not helfen, zumindest vorübergehend ein Dach über dem Kopf zu haben. Kostengünstig und vor allem platzsparend sollen die Häuser sein. Mittlerweile sind nahezu alle Kommunen der San Francisco Bay Area an dieser Möglichkeit interessiert. Die steigenden Zahlen an Obdachlosen verlangen nach kreativen Lösungen, „Tiny Houses“ ist eine davon.

Wohnraum in den Städten anmieten geht nicht mehr, die Hotels sind alle ausgebucht und die Budgets der Gemeinden überstrapaziert. Die kleinen Häuser sind um ein vielfaches billiger und bieten genau das, was gebraucht wird. Eine sichere Unterkunft, die gepflegt werden kann, in der Menschen eine Privatsphäre haben, die man mit weitergehenden Angeboten erreichen kann. Vor allem weg von der Straße und all den dazugehörigen Problemen. Die eigenen vier Wände als Neustart. Diese Neubaubewegung sollte man genauer beobachten, vielleicht wäre sie auch was für deutsche Städte.

 

Der sorgenvolle Blick voraus

Als „beste Steuerreform aller Zeiten“ gepriesen, als „Jobmotor für Amerika“, „mehr Geld für alle Amerikaner“, was am Ende bleibt sind nur Kopfschmerzen für den Großteil der US Bürger. Und nicht nur das, auch die vielen Hilfs- und gemeinnützigen Organisationen in den USA sehen sich schon gewaltigen Aufgaben gegenüber, denn die Trumpsche Steuerreform verändert das Spendenaufkommen im Land.

In Saudi-Arabien konnte Donald Trump schon mal königliche Luft schnuppern. Foto: Reuters.

Die Reichen werden natürlich auch weiterhin ihre Spenden steuerlich absetzen können. Für Steuerzahler aus „Mittelamerika“ wird das allerdings nun gestrichen. Erste Rechnungen gehen davon aus, dass das Spendenaufkommen pro Jahr rund 13 Milliarden Dollar weniger ausfallen wird, denn viele Amerikaner werden ihre Spenden nicht mehr absetzen können, somit auch weniger spenden.

Im Vorfeld der Verabschiedung dieses kaum gelesenen Werkes versuchten viele Organisationen und Einrichtungen ihre Kongressabgeordneten zu überzeugen, dass sie die steuerliche Begünstigung von Spendern nicht beeinträchtigen sollten. Doch die Rufe fielen auf taube Ohren, zu wichtig war der erste politische Sieg dieser Administration und der regierenden Partei.

Die Folgen könnten weitreichende Folgen haben, wenn gerade jenen geschadet wird, die eigentlich ja die „großen Gewinner“, so Trump, sein sollten. Auch werden damit wichtige Hilfs- und Sozialprogramme im ganzen Land gefährdet, die in den vergangenen Jahren in den USA immer wichtiger geworden sind. Es sieht ganz danach aus, dass Trump & Co ein Amerika gestalten wollen, in dem Suppenküchen, Hilfseinrichtungen, unterstützende Programme für sozial Benachteiligte auf das Gutdünken von wenigen Großspendern angewiesen sind. King Donald setzt also weiter seine Zeichen in den USA.

Frohe Trumpsche Weihnachten

Donald Trump tweetet am 24. Dezember und es zeigt genau die ganze Tragweite seiner Präsidentschaft. Trump macht genau das, was er im Wahlkampf angekündigt hat. Im ersten Tweet heißt es, dass die „Fake News“ nicht darüber berichteten wie „Groß“ und „Stark“ unsere „Basis“ ist. Damit macht der gewählte Präsident für die Vereinigten Staaten von Amerika erneut deutlich, dass er nur der Präsident einer Minderheit in den USA ist und sein will.

Als nächstes folgte ein weiteres Tweet zur Steuerreform. Darin zeigt Trump, was seine Politik wirklich bedeutet. In dieser Steuerreform versteckten er und seine Republikaner gleich zwei weitreichende politische Entscheidungen. Zum einen kann nun mit massiven Ölbohrungen in bislang geschützten Naturregionen Alaskas begonnen werden. Zum anderen hat Trump nun endlich einen der Grundpfeiler der Gesundheitsreform seines Vorgängers Barack Obama gesprengt, die verpflichtende Krankenversicherung. Die Folgen werden für Millionen Amerikaner verheerend sein.

Und schließlich preist sich Trump noch als Anführer eines fatalen Schein-Kulturkampfes in den USA, in dem die in der Verfassung verankerte Religionsfreiheit immer wieder aufs Neues unterhöhlt wird. Erneut biedert sich Trump damit einem Teil seiner Basis an, den christlichen Fundamentalisten, die sich schon früh im Wahlkampf auf ihn festlegten und Trump als Heilsbringer erkannten.

Wer noch immer glaubt, dass Donald Trump gemäßigter wird, sich kontrollieren ließe, dieses tief gespaltene Land zusammenführen könnte, der wird an diesem Heiligabend 2017 endgültig eines besseren belehrt. Trump ändert sich nicht, er legt vielmehr nach und zeigt, dass die Lage der Nation in diesen Tagen und Wochen mehr als kritisch ist.