Um was es im November geht

Zwei Meldungen am heutigen Freitag machen ganz deutlich, um was es am Wahltag geht. Die 87jährige Verfassungsrichterin Ruth Bader Ginsburg ließ vermelden, dass bei ihr erneut Metastasen gefunden wurden. Diesmal an ihrer Leber. Sie lasse sich behandeln, könne aber weiterhin ihr Amt als Richterin am höchsten US Gerichtshof wahrnehmen. Und dann verbreitete Donald Trump die Nachricht, dass er wieder die Unterstützung der „National Rifle Association“ (NRA) erhält. Die Waffenlobby steht auch weiterhin zu ihm.

Die Verfassungsrichterin Ruth Bader Ginsburg will bis zum Wahltag durchhalten. Foto: Reuters.

Allein diese beiden Meldungen zeigen, um was es geht. Die 87jährige Bader Ginsburg will ihren Platz nicht räumen, denn sie weiß, dass Trump und seine republikanische Mehrheit im Senat umgehend einen konservativen Richter nominieren würden, um so die konservative Mehrheit auf der Richterbank für Jahrzehnte hinaus zu zementieren. Die Gefahr ist groß, wie ein Blick zurück zeigt. Im Februar 2016 starb überraschend Antonin Scalia, die Leuchtfigur der Rechten am Verfassungsgericht. Damals blockierte die republikanische Senatsmehrheit den Kandidaten von Barack Obama. Es hieß, im Wahljahr sei das nicht fair, der neue Präsident solle diese Aufgabe erhalten, die Lücke zu füllen. Was damals galt, gilt heute nicht mehr. Der Führer der Republikaner im Senat, Mitch McConnell, erklärte schon kurz darauf, dass das sicherlich nicht gelte, wenn im Weißen Haus ein Republikaner sitzt. Und genau diese Worte halten Ruth Bader Ginsburg in ihrem Amt.

Und dann die NRA, die erneut ganz offiziell den Schulterschluß mit Präsident Trump sucht. Der bedankt sich und erklärt, so lange er im Amt ist, werde er das (vermeintliche) Grundrecht eines jeden Amerikaners und jeder Amerikanerin auf Waffenbesitz verteidigen. Die NRA und Trump sind gute Partner, denn beide leben in der Vergangenheit, haben die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt. Massenschießereien, Amokläufe in Schulen, Fabriken und selbst in Kirchen führten bislang zu keiner Veränderung im Waffenrecht. Man fragt sich jedes mal nach solch einer Horrortat, was passieren muß, damit republikanische Abgeordnete und Senatoren endlich einsehen, genug ist genug. Nach wie vor schwafeln die Waffennarren in diesem Land davon, dass man nur mit Knarren sicher leben könne. Statistiken, die genau das Gegenteil beweisen, werden als gefälscht abgetan. Trump bejubelt nun die Unterstützung der NRA und der gestrigen Bekundung einer Polizeiorganisation, denn damit kann er sich als „Law & Order“ Präsident darstellen. Zumindest für seine Wahlklientel, die mit ihm gerne ein Amerika der 1950er Jahre zurück hätte.

Natürlich geht es noch um viel mehr in dieser Wahl. Gestern ließ sich Trump im Weißen Haus dafür feiern, dass er seit Amtsübernahme eine Unzahl an Umwelt- und Arbeitsschutzgesetzen außer Kraft gesetzt hat. Die Folgen sind weitreichend und werden die USA u.a. im Kampf gegen den Klimawandel weit zurück werfen. Aber das ist diesem Präsidenten egal, er glaubt nicht an die Wissenschaft, er weiß, wie er es oft genug bekundet, eh alles besser als Experten und Naturschützer. Der Schutz der Umwelt hat für ihn nichts mit „America First“ zu tun.

Die Wahl am 3. November ist alles entscheidend für dieses Land. Klar, vor jeder Wahl heißt es, diese oder jene Stimmabgabe sei mehr als wichtig. Doch nach fast vier Jahren Donald Trump im Amt muß man sagen, die Folgen von vier weiteren Trump Jahren wären für die USA und für die Welt eine Katastrophe. Dieser Mann ist angetreten, um die Grundfesten Amerikas und der amerikanischen Demokratie zu zerlegen, ja, zu zerstören. Das zeigt er Tag für Tag aufs Neue. Vielleicht ist noch was zu retten, nach vier Jahren Trump. Im Falle einer Wiederwahl Trumps, nach acht Jahren…. ich will gar nicht daran denken.

Praise the Lord, Halleluja!

Wer gerade nachts in den USA fern sieht und über die Kanäle surft, der wird auf alle Fälle irgendwann auf einen Fernsehprediger oder -predigerin stoßen. Einige Networks sind sogar ganz für das “Wort Gottes” bestimmt. Doch beim genaueren Hinhören wird schnell klar, dass diese “Televangelists”, wie sie in den USA genannt werden, wenig mit den Übertragungen der Gottesdienste am Sonntagmorgen in Deutschland zu tun haben.

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Dr. Gene Scott, legendärer Televangelist in den USA. Er sendete Nacht für Nacht zwischen den 70er und späten 90er Jahren seine religiösen Sendungen. Bekannt wurde er durch seinen exzentrischen Stil, er beschrieb Wandtafeln mit Originaltexten, setzte sich aber auch schon mal stillschweigend und Zigarre rauchend vor die Kamera, bis seine Fernsehgemeinde 1000 weitere Dollar gespendet hatte.

LeAnn Flesher ist Vize-Präsidentin des “American Baptist Seminary of the West”, einem Priesterseminar in Berkeley. Für sie muß man eines in dieser Diskussion um Fernsehprediger beachten: „Ich würde nicht sagen, dass jeder Gottesdienst online den Fernsehpredigern gleichzusetzen ist. Diese “Televangelists” sind etwas eigenes. Viele, die meisten sogar, haben keine Gemeinde, keine Kirche an einem Ort. Sie machen nur Fernsehen.“

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Derzeit wird im amerikanischen Fernsehen öfters das Wunderwasser von Peter Popoff beworben. Popoff wurde 1946 in Ost-Berlin geboren und war schon in den 80er Jahren durch seine Wunderheilungen im Fernsehen berühmt-berüchtigt. Er flog auf wegen Betrugs, doch das stoppte ihn nicht. Popoff ist zurück auf der Mattscheibe und sammelt erneut Spenden ein. Pete Evans arbeitet für die christlichen Organisation Trinity Foundation mit Sitz in Dallas, Texas. Seit vielen Jahren sammelt die Organisation Informationen über das unregulierte Treiben der Televangelists. Die Ergebnisse ihrer Ermittlungen geben sie an den US Kongress genauso weiter, wie an die Medien. Doch selbst, wenn es mehr als offensichtlich ist, dass diese Fernsehpriester nur die Gutgläubigkeit von notleidenden, kranken und nach einem Sinn suchenden Menschen ausnützen, bislang konnte ihnen kein Riegel vorgeschoben werden. Viele von ihnen fliegen weiter in von Gläubigen finanzierten Jets durch die Weltgeschichte:

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Genaue Zahlen gibt es nicht, doch Pete Evans von der Trinity Foundation schätzt, dass die Fernsehprediger zwischen 6 und 9 Milliarden Dollar im Jahr umsetzen. Es sei wie Darwinismus unter den Predigern, der größte Gauner setze sich am Ende durch: „Grundsätzlich müssen alle Televangelists für ihre Sendezeit auf christlichen Sendern bezahlen. In der Prime Time liegt das bei ungefähr $20,000 für jede Stunde. Die Fernsehprediger, die also überleben und erfolgreich sind, sind die, die das meiste Geld aus den Leuten herausbekommen, denn damit wird auch die Sendezeit bezahlt, neben den Jets und den Bentleys, den Aston Martins, den Luxuswagen und so weiter.“ Und LeAnn Flesher ergänzt: „Sie sind nicht dazu da Seelen zu retten, sie verstehen das “Seelenretten” vielmehr ganz anders. Einige eben so: “Bete das Gebet, schick mir Geld”.

Doch es geht nicht nur um Geld, es geht auch um Macht und da sieht Pete Evans einen gefährlichen Schulterschluß: „Es ist eine Ehe, die in der Hölle geschlossen wurde, zwischen der christlichen Rechte und der rechtsaußen Politik, genauer gesagt, der republikanischen Partei. Viele dieser Televangelists unterstützen die Theorie oder besser die These, dass Präsident Trump von Gott gesandt wurde.“ Eine, die sich ganz deutlich zu Donald Trump bekennt, ist Paula White, die von Präsident Donald Trump zur offiziellen Beraterin in Glaubensfragen berufen wurde, ihn schon mehrfach im Weißen Haus besuchte, vor dessen Präsidentschaft mit Geldern ihrer Gläubigen ein Luxusapartment im Trump Tower in New York gekauft hatte und auch auf Trump Veranstaltungen, wie hier im Video zu sehen, auftritt.

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In den Auftritten der Televangelists, der Fernsehprediger, geht es um Wunder, um eine Stütze im Alltag, um die Auslegung von Gottes Wort, dem Allmächtigen, der gerade in der Krise gesucht wird. Im Fall des 83jährigen Kenneth Copeland, der geschätzt ein Vermögen von rund einer halben Milliarde Dollar erpredigt haben soll, geht diese Interpretation dann doch mal ganz seltsame Wege, wie selbst Pete Evans erstaunt erzählt: „Kenneth Copeland stand im April vor der Kamera. Er sprach stundenlang zu den Zuschauern und meinte, Gott werde das Virus verschwinden lassen, ganz schnell. Gott werde eine Hitzewelle schicken, die das Virus verbrennen lassen wird. Einfach weg, und dann zeigt er, wie Gott die Hitzewelle und das Virus einfach fortbläst.“

Sehen kann man das in dem folgenden Video bei Minute 27:08. Klar ist, die Televangelist sind ein fester Bestandteil der amerikanischen Fernsehlandschaft, “big business”, unterhaltsam, aber eben auch unkontrolliert und für manchen labilen und suchenden Zuschauer durchaus gefährlich.

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Up the nose around the corner

In der Warteschlange am International Boulevard in Oakland.

Jetzt habe ich auch einen Test machen lassen. Nicht deshalb, weil die Covid-19 Zahlen in Kalifornien steigen, ich in einer gefährdeten Gruppe bin oder viel mit Leuten direkt zu tun habe, sondern weil ich in der kommenden Woche nach Deutschland fliege. Am Montag werde ich mich noch einmal testen lassen, denn bei der Einreise muß ich das Ergebnis eines Abstriches vorweisen, der nicht älter als 48 Stunden sein darf. Doch den Befund bekomme ich wohl erst, wenn ich schon im Flieger sitze.

Von daher fuhr ich heute erneut zur Roots Clinic auf dem International Boulevard. Letzte Woche war ich schon einmal dort, doch der Andrang war so groß, dass sich bereits eine Stunde vor Schluß niemand mehr in die Warteschlange einreihen durfte. Heute morgen dann war ich 45 Minuten vor der Öffnung der Klinik vor Ort. Die Schlange vor mir war bereits rund 100 Meter lang, als ich mich einreihte. Als die Klinik um 9:30 ihr Tor aufmachte, war die Schlange hinter mir noch einmal um 100 Meter angewachsen und schlängelte sich um den nächste Block.

Die Atmosphäre war entspannt, einige Wartende unterhielten sich, die meisten schauten auf ihr Smartphone, tippten, telefonierten. Nach einer weiteren Stunde kam ich endlich dran, alles wurde mit Abstand durchgeführt, auch das Registrieren. Dann kurz den Teststab tief in die Nase gedrückt, Tränen flossen und schon war es vorbei.

Die Roots Clinic liegt in East Oakland, in einem Bereich, der eigentlich ein Problemgebiet ist. Viele der Häuser haben ihre Fenster vergittert, ausgeschlachtete, ausgebrannte und aufgebrochene Autos stehen zuhauf herum. Auf der Fahrt zur Klinik mußte ich an einer Baustelle einen Umweg fahren und kam an einem Haus vorbei, vor dem Kerzen, Teddybären, Luftballons, das Bild eines etwa 12jährigen standen, der vor kurzem als Unbeteiligter in eine Schießerei geriet. Auch das ist Alltag hier.

Gegenüber der Klinik ein Bestattungsinstitut, ein Tätowierladen, ein Corner Store, ein verriegelter Barber Shop. Hier hat man sich ganz bewußt für eine „Walk-in“ Möglichkeit entschieden, denn viele in der Gegend haben keinen eigenen Wagen, konnten sich somit an den „Drive trough“ Stationen der Stadt Oakland und dem Bezirk Alameda nicht testen lassen. Schnell reagierte die Roots Clinic, die langen Schlangen zeigen, dass der Bedarf da ist. Die Rate der positiven Testergebnisse liegt hier fast dreimal so hoch wie im gesamten Bezirk. East-Oakland ist schwer von der Covid-19 Krise getroffen und betroffen. Auch diese Form des langjährigen Rassismus in den USA wird derzeit breit diskutiert.

Als ich da so in der Schlange stand, war ich einer der wenigen Weißen. Amerika ist bunt, gerade hier in der San Francisco Bay Area und erst recht in Oakland, einer vor allem „black and brown community“. Die tiefen Spuren, Narben und Wunden, die der Rassismus in der us-amerikanischen Gesellschaft hinterlassen hat, sind in diesen hier und in diesen Wochen mehr als offensichtlich. Tiefgreifende Veränderungen müssen her, nicht nur in Fragen der Polizeigewalt, nicht nur in der Aufarbeitung darüber, warum gerade so viele Afro-Amerikaner und Latinos von Covid-19 betroffen sind. Wenn man da an Donald Trump und sein „Make America Great Again“ denkt, dann fragt man sich von welchem Amerika, von welcher Zeit er dabei spricht. Denn ein gerechtes und faires Amerika für alle, hat es bislang noch nicht in der Geschichte dieses Landes gegeben. Auf die Vereinigten Staaten kommen wohl noch schwierige und schmerzvolle Wochen in dieser heißen Wahlkampfphase und darüberhinaus zu.

 

Der Krieg, der nur noch mehr spaltet.

In Louisiana vergleicht ein republikanischer Abgeordneter das Nichttragen eines „Mund-Nasen-Schutzes“ mit der Verfolgung von Juden im Dritten Reich. Keine Maske führe zu Anfeindungen, wie es Juden in Nazi-Deutschland erleben mussten. Der Kongressabgeordnete der Republikaner, Matt Gaetz, spricht von einem „kulturellen Genozid“, den es derzeit in Amerika gebe. Er meint damit, den Sturz von umstrittenen Denkmälern, die Neubetrachtung der amerikanischen Geschichte.

Was gerade in den USA passiert, ist eine gefährliche Radikalisierung. Wenn Teile der Präsidentenpartei solche Vergleiche heranziehen, diese Umschreibungen wählen, und das mit präsidialer Zustimmung, denn Trump selbst teilte diese Tweets, dann kommen auf die USA schlimme Wochen zu. Den Sturz von Statuen mit Völkermorden zu erklären, verharmlost geschichtliche Gräueltaten. Man muß betonen, dass diese Art des Wahlkampfes, diese Art der politischen Positionierung nur aus Teilen der republikanischen Partei kommt, gerade jenem Trump treuen Tea-Party Flügel, die hinter ihm stehen, egal was er auch sagt, tut, laut denkt. Doch das überlaute Schweigen der Mehrheit in der „Grand Old Party“ ist betäubend. Da kommt nichts, keine Kritik, keine mahnenden Worte, kein Ruf zum Einhalten. Schon gar nicht von Präsident Donald Trump, der das ganze nur noch mehr befeuert.

Während in der amerikanischen Gesellschaft eine breite Diskussion über die eigene Geschichte, über geschichtliche Verantwortung und Aufarbeitung beginnt. Während Unternehmen Produktnamen, wie „Uncle Ben’s Rice“ ändern, der Sportartikelhersteller Nike, Merchandise von Teams wie den „Washington Redskins“ aus dem Angebot nimmt, das Team selbst sich umbenennt, sprechen Teile der Republikaner von einem „kulturellen Genozid“, schwafeln auch weiterhin von der besten Nation der Welt.

Das ist nicht nur unverantwortlich, das ist schlichtweg unsinnig und dumm. In den USA hat es nie eine breite Debatte über Schuld, Unrecht, Verantwortung und Aufarbeitung gegeben. Der Rassismus war nie weg, auch wenn die USA Gesetze wie den “Civil Rights Act” von 1964, der die Rassentrennung offiziell beendete, das Wahlgesetz von 1965, dass Gleichberechtigung bei Wahlen festschrieb oder die Wohngesetze am Ende der 1960er- und in den 1970er-Jahren, die das “Redlining” beendeten, verabschiedet hatten. Es wurden immer wieder gesetzliche Schlußstriche gezogen, doch alleine eine Unterschrift reicht nicht aus, um das Denken in der Gesellschaft zu verändern.

Genau das passiert nun, spät, vielleicht viel zu spät und zu einer Zeit, in der ein Präsident im Weißen Haus sitzt, der von einem Amerika träumt, das weiß, national ausgerichtet, engstirnig ist. Aber vielleicht ist das, was gerade passiert, das einzig gute, was man diesem Präsidenten zuschreiben kann. Er hat sicherlich diese nationale Debatte in den USA über Rassismus, Gleichberechting, geschichtliche Aufarbeitung befördert, wenn auch unbeabsichtigt. Die Trump Jahre könnten somit vielleicht einmal als Wendepunkt in den USA gesehen werden.

Als die Perle noch glänzte

Mogadischu mit Blick Richtung Triumphbogen, ca. 1982. Foto: Duwendag.

Es gibt diese Städte, die ich gerne einmal besucht hätte, bevor sie zerstört wurden. Beirut, Kabul und eben Mogadischu. Städte, die in ihren Hochzeiten kulturelle Hochburgen waren. Gerade arbeite ich an einem Manuskript über die Bedeutung der Musik in der somalischen Kultur. Mogadischu war so eine Stadt am Indischen Ozean, in der Einflüsse von überallher zusammen kamen. Aus Indien, der arabischen Halbinsel, aus den früheren Kolonialmächten Italien und England, aus den Nachbarländern Äthiopien, Kenia, Sudan und natürlich nicht zu vergessen die musikalischen Einflüsse der Schwarzen in Amerika – Funk, Reggae, R&B.

Hier traf sich die Welt, Mogadischu wurde ein Treffpunkt der Kulturen. Zu hören ist dies auf den unglaublich kraftvollen Alben „Sweet as broken dreams“ von Ostinato Records und „Mogadisco“ von Analog Africa. Sie lassen eine Stadt erklingen, die so ganz anders ist, als das was wir heute von Mogadischu kennen, hören, sehen. Diese Alben könnten auch durchaus der Soundtrack für das neue Buch von Hans-Ulrich Duwendag sein – „Mogadischu, als die Perle noch glänzte„.

Lokomotive auf Drehscheibe am neuen Hafen in Mogadischu, November 1933. Foto: Duwendag.

Duwendag ist ein ehemaliger Diplomat des Auswärtigen Amtes. Er arbeitete Ende der 80er Jahre bis zum Sturz des Diktators Siad Barre in der deutschen Botschaft in Mogadischu, mußte dann, nur mit seinem Hemd am Körper und einer leichten Aktentasche überstürzt das Land verlassen. Und wie überall auf seinen Posten zuvor fotografierte Duwendag das Leben in seinem Einsatzort. Darüberhinaus suchte er auch dort den Kontakt mit Missionaren, die seit Jahrzehnten vor Ort lebten. Sie hatten ein „einzigartiges Archiv mit Dokumenten und Fotos aus der italienischen Kolonialzeit“ erstellt und bewahrt. Der deutsche Diplomat erhielt Zugang und durfte sogar 1989 einen Koffer voll mit Negativen für einen Heimaturlaub mit nach Deutschland nehmen, um dort Papierabzüge von den Negativen machen zu lassen. Nach der Rückkehr notierte der Archivar, Pater Venanzio, auf den Rückseiten der Fotos all das, was darauf zu sehen war. Ulrich Duwendag erwies Weitsicht, als er die nun beschrifteten Bilder der deutschen Botschafterin auf ihrer Reise nach Deutschland mitgab, wo sie anschließend gelagert und so vor der Vernichtung 1991 bewahrt wurden.  Aufgrund all dem konnte Duwendag einen historischen Fotoschatz zusammentragen und sichern, der eine faszinierende Stadt, die Perle am Indischen Ozean, vor ihrer totalen Zerstörung zeigt. All diese Bilder und seine Berichte kann man in diesem Buch, erschienen im agenda Verlag, finden.

Ich bin bislang nur mehrmals nach Somaliland und Puntland gekommen, jeder riet vor einer Reise nach Mogadischu ab. Auch für mein aktuelles Thema hieß es, in Mogadischu würde ich kaum noch was finden, vieles von dem, was ich suchte, könnte ich in Hargeisa, der Hauptstadt S0malilands entdecken. Es lohne sich nicht, die Mühen und die Gefahren eines Trips nach Mogadischu auf sich zu nehmen. Doch die Fotos von Hans-Ulrich Duwendag schüren nur erneut meine Neugier auf eine Stadt, die es so schon lange nicht mehr gibt.

„I know it best“

Wer in diesen Wochen ins Weiße Haus möchte, der muß sich einem rigiden Prozedere unterwerfen. Die Körpertemperatur wird gemessen, das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ist vorgeschrieben, Pressevertreter, das sieht man auf den regelmäßigen Pressekonferenzen, müssen Abstand halten. Doch all das gilt nicht für die Mitarbeiter von Donald Trump. Seine Pressesprecherin und ihre Entourage tragen ganz bewußt keine Maske, denn, wie Präsident Donald Trump es klar gemacht hat, die Maske sei mittlerweile ein politisches Statement. Wer MNS trägt ist gegen Trump.

Da ist es auch egal, dass sich ein White House Reporter in dieser Woche angesteckt hat, obwohl er eine Maske trug. Da ist es egal, dass Secret Service Beamten und selbst die Freundin von Donald Trump Jr. infiziert wurden. Wichtig ist, dass Donald Trump es besser weiß als alle anderen und sich sogar bewußt gegen die Vorschläge zur Bekämpfung der Corona Krise seiner Wissenschaftler des „Center for Disease Control“(CDC) stellt. Die müssen nun ihre Berichte umschreiben, damit sie vom allwissenden Präsidenten abgesegnet werden können.

Das Virus kommt Trump im Wahlkampf gar nicht recht. Die Wirtschaft und das öffentliche Leben leidet. Er kann noch so viel davon faseln, dass er alles richtig gemacht hat, dass die Welt neidisch ist auf die vielen Tests, die hier in den USA durchgeführt wurden, dass andere Länder lange nicht so viel testen würden, wie Amerika, deshalb sehe die Situation auf dem Papier und nur dort so schlimm aus. „America First“ bekommt in diesen Tagen eine ganz andere Bedeutung und das sehen auch die meisten Amerikanerinnen und Amerikaner.

Trump will Normalität, deshalb fordert er die Öffnung der Wirtschaft und die Rückkehr zum amerikanischen Alltag, ohne Rücksicht auf Verluste, sprich, weiteren Infektionen sind einkalkuliert. Er glaubt es anscheinend selbst, dass die hohen Zahlen nur daran liegen, dass in den USA mehr getestet wird als in anderen Ländern. So kann man auch seine Forderung nach Öffnung von Schulen und Universitäten im Sommer und Herbst lesen. Er droht ganz offen, dass Gelder gekürzt werden, wenn die Bildungseinrichtungen weiterhin auf ausschließlich Online-Klassen setzen. Da ist es egal, dass die Bundesstaaten und der CDC dagegen sind, vorsichtig sein wollen, einen Coronaplan erstellen möchten, Trump will einfach die Türen öffnen und los gehts. Und klar, er wirft auch noch eine Rauchbombe, dass die Universitäten und Schulen sowieso politisch links seien und die Kinder indoktrinieren würden.

Da passt auch die Anordnung, dass fortan ausländische Studierende in den USA in den Klassenzimmern sein müssen, ansonsten wird ihnen ihr Visum entzogen. Das trifft viele Universitäten hart, denn gerade diese erhöhten Studiengebühren finanzieren den Einrichtungen. Oftmals sind an den Hochschulen ein Viertel und mehr der Studierenden aus dem Ausland.

Normalität heißt für diesen Präsidenten, dass die Schutzregeln für ihn und seine näheres Umfeld zwar gelten, aber nicht für alle anderen im Land. Trump lebt einfach in einer Parallelwelt mit alternativen Fakten. Das war von Anfang an klar und wird so kurz vor dem Wahltag noch deutlicher. Er und auch sein Umfeld erklären ja immer und immer wieder, dass der Präsident alles besser wisse, „I’m the only one“, „no one knows it better“. So kann man auch verstehen, warum Trump sich in Fragen der Öffnung von Schulen, Universitäten und dem öffentlichen Leben gegen die Aussagen der Experten und Wissenschaftler stellt. Trumps Wort, so hätte er es gerne, ist Gesetz. Hoffentlich nur noch bis zum 3. November.

 

OMG – OH MEIN GOTT!

Jeden Morgen frage ich mich, ob Donald Trump es mal wieder schafft, seine Äußerungen und Tweets vom Vortag noch zu toppen. Heute war es mal wieder so weit. Trump macht einen auf Kulturkrieger, wohlgemerkt, er verteidigt die Kultur eines weißen, rassistischen Amerikas, in dem die Ureinwohner problemlos „Redskins“, Rothäute genannt werden dürfen. So kann man den obigen Tweet lesen, denn der Präsident möchte ja, dass das Football Team in Washington seinen Namen beibehält.

Er übergeht da einfach den jahrelangen Protest der „Native Americans“, die immer wieder und immer wieder lautstark die Namensänderung von professionellen Sportsteams, genauso wie von High School und College Teams fordern. Trump scheint in seiner Blase in Washington DC nicht mitzubekommen, dass eine breite Diskussion auch darüber im ganzen Land vorangetrieben wird. Er denkt nur an seine kleine Wählerbasis, die mit der Umbenennung von Mannschaften, Kasernen und dem Abbruch von Statuen konförderierter Generäle größte Probleme hat. Trump meint, das sei eine Um- und Neuschreibung der amerikanischen Geschichte.

Doch damit hat das nichts zu tun. Niemand schreibt die Gechichte um, vielmehr geht es darum, wie man mit der Geschichte umgeht. Amerika war und ist ein von einer weißen Sichtweise bestimmtes Land. Weiße haben die Geschichte geschrieben, doch Amerika ist kein weißes Land (mehr). Das sollte nun auch endlich im Weißen Haus und in Washington ankommen. In manchen Bundesstaaten, wie Kalifornien und Texas, sind „Caucasians“ nicht mehr in der Mehrzahl. Doch wer kennt in diesem als „Melting Pot“ gefeierten Land die Geschichte und die Sichtweisen von afroamerikanischen Communities, von den Hispanics, den „Native Americans“, den Asian-Americans? #45 maßt sich in seiner selbstverliebten Arroganz an, genau zu wissen, was jemand mit einer anderen Hautfarbe fühlt und denkt. Trump vertritt ein von Weißen dominiertes, doch längst vergangenes Amerika, das nie fair, offen und gerecht war. Das Festhalten daran, eben auch durch solche unsäglichen, ja, rassistischen Tweets, darf nicht aus dem Weißen Haus kommen. Denn der Präsisdent der Vereinigten Staaten ist eben nicht nur der Präsident seiner Wähler, sondern aller Amerikaner. Auch wenn das in diesen Tagen nur sehr schwer vorstellbar ist.

Wo ist ein George W. Bush?

Es ist schon verrückt, wenn man sich in diesen Tagen einen George W. Bush im Weißen Haus wünscht. Mir braucht jetzt keiner damit kommen, dass Bush Junior ein Kriegstreiber, ein Erzkonservativer, ein erklärter Gegner der LGBTQ Bewegung war. Amerika steckt in einer tiefen Krise und im Oval Office sitzt ein Präsident, der alles nur schlimmer macht, der noch nicht einmal ansatzweise versucht, die Menschen in den 50 Bundesstaaten zu vereinen.

George W. Bushs Präsidentschaft war geprägt durch den Terroranschlag vom 11. September 2001. Die Welt blickte entsetzt nach New York. Jeder, der damals alt genug war, weiß, wo er war und was er tat, als die Meldung rausging, dass Amerika angegriffen wurde. Ich wurde damals aus dem Bett geklingelt, jemand von Antenne Thüringen war an der Leitung und fragte, was da bei uns los sei. Ich antwortete, keine Ahnung, ich sei gerade erst wach geworden. „Na, dann mach mal den Fernseher an.“ Ich schaltete auf CNN, als der zweite Flieger in den Süd Tower des World Trade Centers flog.

Die Welt rückte in diesen Stunden zusammen. Von überallher erhielt ich Mails, in denen mir gesagt wurde, man stehe zu den USA. Selbst von Freunden und Bekannten, die immer kritisch gegenüber den USA waren, kamen gefühlvolle Zeilen voller Anteilnahme. Es war klar, Amerika wird nach 9/11 nicht mehr so sein wie vorher. Und was würde kommen, auch das war unklar.

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In diesen Stunden der tiefen Krise schaffte es George W. Bush allerdings das Land zu einen. Überall in den USA wehte die amerikanische Fahne, die Nation rückte ganz eng zusammen, „we are all Americans“, hieß es zwischen Hollywood und Manhattan. Sicherlich war da auch die Anspannung auf das, was kommt, denn jeder wußte, es würde eine deutliche militärische Reaktion geben. Dennoch, Bush zeigte Führungsqualitäten, er erkannte, dass Amerika nur geeint die Stärke hat, die es in solchen Stunden braucht. Da war kein „America First“, da war der Versuch, die internationale Gemeinschaft zu einen im Kampf gegen den Terrorismus. Und das glückte.

Was Bush dann anschließend daraus machte, ist eine ganz andere Frage. Er hörte auf die Hardliner seiner Administration, verprellte Bündnispartner und setze den Nahen Osten in Brand. Und doch, in diesen Corona Tagen, in dieser tiefen nationalen Debatte um „Black Lives Matter“ wünscht man sich einen Präsidenten, der wie Bush auf den symbolischen Ruinen der Gesellschaft steht und an die Einheit, an das Gemeinsame der Nation appelliert. Trump macht genau das Gegenteil, inmitten einer weltweiten Krise, die die USA besonders hart trifft, spaltet er weiter, zerlegt das, woran zumindest viele in den USA nach wie vor glaubten, dass Amerika in der Not zusammenrücken kann. Im Jahr 2020 erinnere ich mich an George W. Bush, der in dieser historischen Krise einmal wirkliche Größe zeigte und es schaffte, das auch schon damals tief gespaltene Land zu einen. Zumindest für eine kurze Zeit. Und das tat gut.

Das Ende ist in Sicht

Es sollte eine monumentale Rede vor einem nationalen Monument werden. Die Bilder passten, die Menge jubelte und doch, Donald Trump ist am Ende seiner Präsidentschaft angekommen. Erst flog Air Force One über Mount Rushmore, dann kam die Trump Familie mit Marine One zum Veranstaltungsort. Jubelreden verschiedener Politiker, die Blue Angels donnerten über den Nationalpark und Trump war sichtlich mit seinem Auftritt vor 7500 Fans zufrieden.

Er sprach von seinen Amerikanern, die er vor diesen anderen Amerikanern schützen wird, die da an der Geschichte Amerikas kratzen, die einen Kulturkrieg über Denkmäler, über die Erinnerung an die Gründungsväter angefangen haben. Trump hat ganz bewusst keine Rede an die Nation gehalten, auch wenn diese Veranstaltung als ein offizielles Event des Weißen Hauses dargestellt wurde. Der Auftritt war eine Wahlkampfveranstaltung, eine Jubelfeier, eine Wohlfühlversammlung für ihn und seine Unterstützer.

Abstand halten, Maskenpflicht, all das war nicht wichtig an diesem Tag, auch wenn die Präsidententochter Ivanka fast zeitgleich in einem Tweet darauf hinwies. Man kann sich da nur fragen, in welchem Land die Trump-Beraterin eigentlich lebt.

Was in dieser Rede und diesem symbolischen Auftritt von Donald Trump aber ganz deutlich wurde, ist, der Präsident ist am Ende seiner Amtszeit angekommen. Mit seinen Angstbildern, mit seinen Rufen nach „Law & Order“, mit seiner bewußten Spaltung der Gesellschaft, mit seinem schlichtweg Übergehen der Corona Krise, mit seiner Verallgemeinerung der Proteste auf den Straßen, mit all dem machte Donald Trump deutlich, dass seine Zeit abgelaufen ist. Die USA sind nicht mehr das gleiche Land wie noch zu Jahresanfang.

Trump versteckt sich hinter der Wirtschaft und erkennt nicht, dass dieses Land in seinen Grundfesten erschüttert wurde. Durch die Covid-19 Krise und eine längst überfällige breite Diskussion über systemischen Rassismus. Er stellt sich schützend vor Denkmäler, vor das, für was sie stehen, schwafelt von Freiheit, Gleichheit und der besten Nation auf der Erde, erkennt aber nicht, dass das bei einem Großteil der Amerikaner schon lange nicht mehr so gesehen wird. Es ist symbolisch, dass Trump einfach zu dieser heuchlerischen Veranstaltung einflog und so nicht die Proteste der „Native Americans“ sehen mußte, die lautstark darauf hinwiesen, dass ihr Land gestohlen wurde, dass Mount Rushmore eigentlich ein heiliger Ort für sie ist, dass Trump genau hier seine Jubelmesse abhält.

Die Vereinigten Staaten erleben derzeit eine tiefgreifende und bislang noch nie in ihrer Bedeutung und Breite dagewesene gesellschaftliche Debatte über Geschichte, Symbole, Rassismus. Trump in seiner Rede beschwerte sich erneut über Sportler, die während der Nationalhymne niederknien, um so gegen Polizeigewalt zu protestieren. Gleichzeitig wird im ganzen Land darüber gesprochen, dass sich Teams, wie die „Washington Redskins“, aber auch High School und College Teams umbenennen, um so endlich mit dem sprachlichen Rassismus aufzuräumen. Der Sportartikelhersteller Nike ging sogar in der vergangenen Woche so weit und entfernte seine Angebote mit dem „Redskins“ Logo aus seinem Online Shop. Kein Wort davon in Trumps Rede.

Selbst in den Reihen der Republikaner erkennen immer mehr, dass Donald Trump nicht für die Partei spricht, sondern mehr für die Trump-Partei, nicht die amerikanische Sichtweise vertritt, sondern das Trumpsche Weltbild. Amerika unter Donald Trump ist nicht mehr das Amerika vor zehn, zwanzig oder auch fünfzig Jahren. Trump hat erreicht, dass sich die USA von ihren einst gefeierten Grundwerten verabschiedet haben. Diese Grundwerte waren zwar nur auf dem Papier zu finden und waren noch nie Realität im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, aber es wurde daran geglaubt. Nun aber wird uns allen genau das vor Augen geführt, dass dieser „American Dream“ wohl wirklich nur ein Traum war. Trump hat es geschafft, dass Amerika aufwacht, sieht und erkennt, dass vieles von dem, was als „great“ gefeiert wurde und wird, gar nicht so „great“ für alle war und ist. Trump jedoch träumt weiter, am 3. November wird er deshalb ein hartes Erwachen erleben.

 

Der Elefant im ethnischen Porzellanladen

Man kann sich denken, wen ich mit dieser Überschrift meine. Genau, Donald Trump. Der hat weder Takt- noch Feingefühl und schon gar kein geschichtliches Wissen. Für ihn sind die Proteste und die Forderungen der „Black Lives Matter“ Bewegung nur ein Grund mehr, von den „einst so blühenden (weißen) Vorstädten“ zu schwärmen.

Doch Trump hat nicht nur Afro-Amerikaner vor den Kopf gestoßen und Einwanderer aus Mexiko und Mittelamerika mal ganz pauschal als „Vergewaltiger, Kriminelle und Gangmitglieder“ bezeichnet, Muslime als „Terroristen“ gebrandmarkt, das Leben für Asiaten im Land mit seinem „Chinese Virus“ verschlechtert, nein, Trump hat auch kein Interesse daran, auf die Worte und Warnungen der „Native Americans“ zu hören.

Mount Rushmore in South Dakota, George Washington, Thomas Jefferson, Theodore Roosevelt und Abraham Lincoln. Foto: AFP.

Für morgen den 3. Juli ist ein gewaltiges Feuerwerk am Mount Rushmore in South Dakota geplant. Es ist nicht überraschend, dass genau dieser Ort den Trump für seine Show ausgewählt hat, ein heiliger Ort der amerikanischen Ureinwohner ist. Geschichtlich betrachtet haben die Vereinigten Staaten gleich mehrmals die „Tribes“ über den Tisch gezogen, Verträge gebrochen, die Indianer als Menschen dritter Klasse behandelt. Sie mußten mit ansehen, wie an einem für sie heiligen Berg vier gewaltige Schädel in den Fels geschlagen wurden, drei von ihnen waren zu Lebzeiten Sklavenhalter und sicherlich keine Freunde der „Native Americans“. Ihre Rechte auf das Land wurden mit Füßen getreten, als bekannt wurde, dass genau dort Gold gefunden wurde.

Und nun kommt der amtierende Präsident und will genau hier in den Black Hills eine weitere Wahlkampfshow vor Tausenden von Anhängern abziehen, das ausgerechnet und erneut in der Corona-Krise. Über zehn Jahre lang durften keine Feuerwerke in der Gegend des „Black Hills National Forest’s Black Elk Wilderness“ abgefeuert werden. Der National Park Service hatte diese aus Angst vor Bränden und einer Belastung für das Trinkwasser verboten. Doch dann kam Trump mit seiner Idee, Regierungsvertreter setzten den Park Service unter Druck, der knickte ein und gab seine Zustimmung. Alles nicht soooo schlimm. Im Februar gab es dann noch ein Treffen mit gleich mehreren Vertretern der Sioux Tribes. Man hörte zu, so die Delegierten der Sioux, aber am Ende sagten die Regierungsvertreter: „We’re still going to have this fireworks display“.

Das passt ins Bild dieses Präsidenten, dieser Administration. Schöne Bilder am Mount Rushmore sind wichtiger als eine historische Schuld anzuerkennen, ein Feingefühl gegenüber anderen zu zeigen. Doch die „Tribes“ machen mobil. Durch die „Black Lives Matter“ Bewegung bestärkt, sind nun Proteste geplant. Die zeigen, egal, wohin Donald Trump in diesen Vereinigten Staaten auch kommt, auf ihn warten nicht nur Jubel-Trumpianer. Und das selbst in konservativen Bundesstaaten wie South Dakota.