20 Jahre und nichts gelernt

Am 20. April 1999 feierten einige unverbesserliche Kleingeister den 110. Geburtstag von Adolf Hitler. Es war ein Dienstag, ein normaler Schultag an der High School in Columbine, Colorado. Normal, bis das passierte, für was Columbine noch heute bekannt ist. Das damals schlimmste Schulmassaker in der Geschichte der USA. 12 Schüler und ein Lehrer wurden getötet, 21 weitere Personen zum Teil schwer verletzt.

Ein Bild von der Überwachungskamera an der High School in Columbine. Es zeigt die zwei jugendlichen Täter.

Eric Harris und Dylan Klebold kamen um 11:20 mit halbautomatischen Schusswaffen, abgesägten Schrotflinten und Rohrbomben zur Schule, um ein Inferno zu entfachen. Glück in dieser Katastrophe war noch, dass einige der versteckten Bomben nicht zündeten. Die 18 und 17jährigen Täter gingen in die unrühmliche Geschichte Amerikas ein. Es war ein „Witch Hunt“, eine Hexenjagd, die folgte. Alles und jeder wurde angeklagt, mitschuldig gemacht. Sogar ich erhielt Anrufe und Emails, warum ich in meiner Sendung noch KMFDM und Rammstein spielen würde, wo diese Bands doch von den Columbine Tätern gehört und viel zitiert wurden. Das eigentliche Problem, der leichte Zugang zu Waffen, auch für Jugendliche in den USA, die Sinn- und Hoffnungslosigkeit von Eric Harris und Dylan Klebold, das Nichterkennen der Warnzeichen, all das wurde unter den Teppich gekehrt.

Die große Frage an diesem Jahrestag ist, was Amerika aus dem Columbine Massaker gelernt hat. Die traurige Antwort lautet, nicht viel. Zwar wurden die Sicherheitsvorkehrungen an Schulen im ganzen Land verbessert, Sicherheitspersonal eingestellt, Kameras installiert, Türen verschlossen, Besucher werden nun verstärkt kontrolliert, regelmäßig proben Schulen nun, was bei einer Schulschießerei zu tun ist. Und doch, trotz all der Vorkehrungsmaßnahmen seit den tödlichen Schüssen in Columbine sind in den USA 349 Menschen an Schulen erschossen worden. Darunter 26, zumeist Kleinkinder, an der Sandy Hook Grundschule in Newtown, Connecticut und 17 vor allem Schülerinnen und Schüler an der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland, Florida. Die Frage seit Columbine ist also nicht mehr, ob eine Schulschießerei verhindert werden kann, sondern eher, wann es die nächste geben wird. 349 Kinder, Jugendliche, Lehrer, Betreuer starben seit dem Columbine Massaker durch Kugeln in amerikanischen Schulen!

Ich bezeichne das als eine nationale Krise, die jedoch in Washington nicht wahrgenommen wird. Weder vom Präsidenten, noch von den Republikanern und auch nicht von Teilen der Demokraten. Sie alle verteidigen dieses vermeintliche und schlichtweg dumme Grundrecht auf Waffenbesitz. Allein seit dem Schulmassaker an der Sandy Hook Grundschule im Dezember 2012, nach dem viele glaubten und auch hofften, dass ein Wendepunkt in dieser sinnlosen Gewaltspirale erreicht worden sei, gab es 2015 Massenschiessereien mit 2297 Toten und 8379 Verwundeten in den USA. Und dabei sind diese Massenschiessereien noch nicht einmal verantwortlich für den Großteil der Opfer. Offizielle Zahlen des „Centers for Disease Control“ (CDC) zeigen, dass allein im Jahr 2016 39.000 Menschen in den USA durch Schußverletzungen gestorben sind. An diese Zahlen sollte man an diesem Jahrestag des Schulmassakers von Columbine denken, wenn man die Gedenkveranstaltungen, die warmen Worte und Mitfühl-Tweets sieht, hört und liest. Amerika hat nichs aus Columbine gelernt.

Menschen zweiter Klasse

„She’s been very disrespectful to this country…she is somebody that doesn’t really understand life, real life…she’s got a way about her that’s very bad for our country…“

Das sind die Worte von Präsident Donald Trump während eines Interviews mit KSTP/TV in Minnesota, als er auf die demokratische Abgeordnete Ilhan Omar angesprochen wurde. Ilhan Omar ist eine 37jährige Abgeordnete, die im Kongress den 5. Distrikt von Minnesota vertritt. Omar wurde 1981 in Mogadischu geboren, mit dem Ausbruch des Krieges in Somalia floh die Familie ins benachbarte Kenia und lebte dort für vier Jahre in Dadaab, einem der größten Flüchtlingslager der Welt. 1992 kam die Familie in die USA, beantragte Asyl und lebt seit 1995 in Minneapolis. 2000 wurde Ilhan Omar amerikanische Staatsbürgerin.

Ilhan Omar ist für Donald Trump keine Amerikanerin. Foto: Reuters.

Die Lebensgeschichte der Abgeordneten ist sicherlich keine einfache gewesen, doch es ist auch irgendwie eine typisch amerikanische Immigrantengeschichte. Immerhin heißt es am Fuße der Freiheitsstatue: „Give me your tired, your poor, Your huddled masses yearning to breathe free.“ Amerika das Land der Immigranten, das all jene einlädt hier den „American Dream“ zu leben. Und dann liest und hört man die Aussage von Donald Trump, der erklärt, dass Ilhan Omar das Leben nicht verstehe, das „wirkliche Leben“, wie er betont. Sie sei „respektlos gegenüber diesem Land“, so, als ob sie nicht dazu gehöre. Ihre Art sei „sehr schlecht für unser Land“, damit sagt der amerikanische Präsident, dass die USA nicht das Land der Asylsuchenden, der Immigrantin, der – zumindest auf dem Papier – Staatsbürgerin seit dem Jahr 2000 Ilhan Omar ist. Sie gehört nicht dazu, ist eine Ausländerin, eine Fremde, nicht eine von uns, so Trump.

Und gerade diese Aussage macht deutlich, wer und was Donald Trump ist: ein islamophober Rassist, der gegen Asylsuchende, gegen Immigranten, gegen Andersgläubige, Andersaussehende, Andersdenkende ist. Trumps Worte werden auf Twitter und in den sozialen Netzwerken geteilt. All jene, die einst mit Kapuzen Afro-Amerikaner aufknüpften und afro-amerikanische Kirchen in Brand steckten, die nach 9/11 Muslime beleidigten, bedrohten, verprügelten und durch die Straßen hetzten, sehen sich von diesem Mann bestärkt, immerhin ist er der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Sie brauchen keine Kapuzen mehr, Rassismus ist durch Donald Trump im Weißen Haus hoffähig geworden.

Der Feuerwehrmann im Weißen Haus

Erinnern wir uns an letztes Jahr. In Kalifornien wüteten riesige Brände, vernichteten Waldgebiete und ganze Gemeinden und Präsident Donald Trump drohte zum einen damit, Bundesmittel genau der Behörde zu entziehen, die der Bundesregierung und damit ihm untersteht – dem US Forrest Service, der weite Teile des Waldes in Kalifornien kontrolliert. Zum anderen forderte er die Kalifornier auf, mehr die Wälder zu harken, denn das habe er in einem Gespräch mit dem finnischen Präsidenten erfahren. Finnland habe kaum Waldbrände, weil man dort eben im Wald harke, so Trump. Die Finnen erklärten ganz diplomatisch, dass sie das eigentlich nicht tun und auch der finnische Präsident meinte nur, er habe das sicherlich nicht seinem amerikanischen Kollegen geraten.

Donald Trump nahm allerdings nichts zurück. So ist er eben. Und Trump hat zu allem einen Ratschlag, weiss alles besser. Er erklärt General Motors wie sie mit ihren Autos international wieder konkurrenzfähig werden und Boing wie sie fortan ihre Flugzeuge bauen sollten. Doch Feuer scheinen ihn zu begeistern. In Paris brennt die Kathedrale von Notre Dame und Trump gibt auch gleich wieder Tipps, wie man am besten das Feuer löschen könnte. Präsident Donald Trump schlägt den Franzosen tatsächlich vor, dass sie doch aus der Luft die Flammen bekämpfen sollten.

Man möchte schon gar nichts mehr sagen. Nur noch ungläubig den Kopf schütteln, wären da nicht auch die humorvollen Kommentare auf sein Tweet. Allen voran der User „Charly M.“: „Können Sie uns bitte zeigen, wie man ein Feuer löscht? Wir Franzosen haben keine Ahnung, wir blasen derzeit drauf, aber es hilft nichts. Bitte hilf uns, oh großer Weltherrscher“. Ja, mit Humor lässt sich selbst ein Donald Trump aushalten!

 

 

Bernie forever

Es ist noch ein bisschen hin zur Wahl im November 2020. Doch die Kandidaten kandidieren schon jetzt im Dauereinsatz. Bei den Demokraten wird die Liste der Frauen und Männer, die ins Weiße Haus wollen, lang und länger. Gerade in den „Battleground States“, wie Iowa und New Hampshire, treten sie sich quasi auf die Füße. In diesen beiden Kleinststaaten werden die Weichen gestellt. Wer da nicht in vorderster Reihe dabei ist, kann gleich aufgeben. Doch auch in Iowa und New Hampshire wird erst Anfang Februar 2020 abgestimmt.

Dazu kommen die Rundmails der Kandidatinnen und Kandidaten, die alle um Geld bitten. Fünf, zehn und mehr Dollar sollen und können es sein. Kein Tag vergeht, an dem ich keine Mail mit der Spendenaufforderung in meiner Mailbox habe. Irgendwann muss ich in das Datennetz der Demokraten gekommen sein. Allerdings kriege ich auch regelmäßig Post von konservativen und sogar von christlich-fundamentalistischen Gruppen, die alle bereits im Wahlkampffieber sind. Woher die nun meinen Namen und meine Adresse haben, ist mir schleierhaft.

Meine Nachbarin ist bereits in Wahlkampfstimmung.

In meiner Nachbarschaft sieht man auch schon die ersten Anzeichen für den Wahlkampf. Allen voran Bernie Sanders, dessen Anhänger auch jetzt wieder früh auftreten. Klar, Oakland und die San Francisco Bay Area war für Sanders und seine politischen Forderungen schon immer offen. Wenn er hier als Redner auftritt kommen Zehntausende, um ihn zu sehen. Mit der kalifornischen Senatorin Kamala Harris hat er allerdings in diesem Wahlkampf eine Konkurrentin, die lokal sehr verwurzelt ist. Harris kommt aus Oakland, war Staatsanwältin in San Francisco und danach die Justizministerin in Kalifornien. Sie hat enge Verbindungen zu Gouverneur Gavin Newsom und der gesamten kalifornischen Führungsriege der Demokraten. Das wird nicht leicht für Bernie Sanders werden.

Donald Trump gibt sich gelassen beim demokratischen Kandidatenlauf. Er ist sich sicher, dass er jede und jeden von ihnen problemlos schlagen kann. Doch auch bei den Republikanern gibt es weitere Kandidaten, die genug haben von diesem Präsidenten, der für sie nicht die republikanische Partei repräsentiert. Noch halten sich einige zurück, doch man kann davon ausgehen, dass Trump ebenfalls einen Vorwahlkampf ausfechten muss. Die Frage dabei ist, wer von den Republikanern im Kongress sich vorwagt, und sich offen gegen Trump aussprechen, einen anderen Kandidaten unterstützen wird.

Der offene Rassismus

Eigentlich will ich gar nicht mehr über Donald Trump schreiben. Sein ungehobeltes, fieses, beleidigendes Auftreten, seine Lügen, seine spaltende Politik und, ja, sein offener Rassismus, all das bestimmt tagtäglich die Nachrichten, die Schlagzeilen, die News-Portale, die ich lese.

Und jetzt wieder. Trump verlangt, dass all jene Immigranten, die illegal über die Grenze gekommen sind und kommen in die sogenannten „Sanctuary Cities“ transportiert werden. Denn diese Städte, darunter San Francisco, Oakland und Berkeley würden ja nichts gegen „Illegale“ unternehmen, sie nicht an die Immigrationspolizei ICE ausliefern, von daher, so Trump, sollten sie alleine mit dieser „Invasion“ zurecht kommen.

Was Donald Trump nicht offen sagt, aber was er mit dieser Forderung erneut meint, ist, dass all jene Männer, Frauen und Kinder, die über die Grenze kommen Kriminelle sind, eine Gefahr, Terroristen, Vergewaltiger, Mörder sind. Das ist das Bild, was er auf seinen Massenveranstaltungen zeichnet. Und das ist daher auch seine Hoffnung, dass die Menschen in San Francisco, Oakland, Berkeley und anderen „Sanctuary Cities“ von einer Gewalt- und Kriminalitätswelle überschwemmt werden und sich gegen die lokalen Politiker wenden. Denn dann, so Trumps Hoffnung, würden alle für sein unnützes Mauerprojekt sein.

Immigranten sind für Trump also gefährliche Kriminelle, egal ob es sich um Familien oder Kinder handelt. Wer über die südliche Grenze kommt, zumeist Menschen aus Mexiko, Guatemala, Honduras und El Salvador wird von ihm mit Drogendealern, Gang Mitgliedern, Mördern und Vergewaltiger gleichgesetzt. Eine dunkle Haut, ein anderes Aussehen macht einen Menschen verdächtig. Der amerikanische Präsident ist damit offen rassistisch. Nicht nur das, seine Basis, darunter auch die Christliche Rechte, bejubelt ihn dafür. Der Präsident selbst macht es vor, er gibt den Ton an und viele seiner Anhänger machen es ihm gleich. Auf Twitter verbreitet Trump dann selbst begeistert Videos, Bilder, Aussagen seiner „Fans“, die einen rassistischen Unterton haben. Amerika hat sich unter Donald Trump massiv verändert. Heute wird offen ausgesprochen, was lange Zeit undenkbar war. Trump zündelt gefährlich am inneren Frieden der USA.

Die Kraft der Musik

Im September will ich nach Somalia, in den Niger und in den Kongo reisen, um der Frage nachzugehen, welche Rolle und welche Bedeutung Musik in Krisen- und Konfliktgegenden hatte und hat. Auf meinen Reisen stieß ich immer wieder auf Musiker und Musikerinnen, auf Geschichten rund um die Musik, die mich faszinierten, die mir zeigten, welche Kraft in den Songs liegt, welche Bewegung durch ein Lied entstehen kann.

Nun liegt hier die jüngste Veröffentlichung von Smithsonian Folkways: „The Social Power Of Music„, eine vier CDs umfassende Box, in dem genau dieser Frage nachgegangen wird. Musik aus den USA, aus Nicaragua, dem Libanon, Vietnam, Angola, Chile, Südafrika und vielen anderen Ländern. Es ist eine bewegende Sammlung, die man hier hören kann. Dazu ein umfassendes Buch mit Hintergrundinformationen zu jedem einzelnen Lied, alles reich bebildert. Folkways kommt hier erneut dem eigenen Grundsatz sehr nahe: „Music of, by, and for the people“.

Für das Label scheint es ein leichtes Unterfangen zu sein, solch eine umfangreiche Box zusammen zu stellen. Das Archiv von Folkways ist ein Klangschatz sondergleichen, man kann aus dem Vollen schöpfen. Und doch, hier zeigt sich, welche Bedeutung dieses einzigartige Label hat, thematisch Musik vorzustellen, die Kraft und die Bedeutung der Lieder zu präsentieren. Songs der Civil Rights Bewegung, der Freiheitskämpfe rund um den Globus. Lieder, die mehr sind als nur ein Musikstück. Das spürt man beim Zuhören, oftmals bekommt man Gänsehaut bei dieser Klangreise.

Kann ein Lied etwas verändern? Viele meinen nein, einige meinen ja. Eine klare, eindeutige Antwort gibt es da wohl nicht. Aber Songs können bestärken, Mut machen, Hoffnung geben. Und sie vereinen über Sprach- und kulturelle Grenzen hinweg. Musik als universelle Sprache ist ein etwas abgenutzter Begriff und doch, es stimmt wohl. Das lässt sich auch auf „The Social Power of Music“ deutlich hören. Lieder können Geschichten, Beschreibungen, Beobachtungen, Zeugnisse einer Epoche sein. All die hier aufgeführten Songs auf diesen vier CDs sind kraftvoll, stehen teils für eine unglaubliche soziale Sprengkraft. Viele der Sprachen, die gesungen werden, verstehe ich nicht und doch kann ich bei vielen diese ganz besondere Energie ausmachen. „The Social Power Of Music“ ist eine beeindruckende, tief bewegende Box, die mich neugierig auf das macht, was ich auf meinen kommenden Reisen finden werde.

Tod den Demokraten

Präsident Donald Trump bezeichnet also Demokraten, die gegen seine Grenzpläne und seinen Mauerbau sind, als Landes- und Hochverräter. Zu bestrafen wäre das mit lebenslänglicher Haftstrafe ohne Aussicht auf Begnadigung oder mit dem Tod. In leichteren Fällen ginge auch eine Gefängnisstrafe von mindestens fünf Jahren. Was aber wohl vor allem wichtig für Trump ist, die Verurteilten dürften kein öffentliches Amt in den USA mehr einnehmen.

Als Journalist in den USA ist man es mittlerweile gewöhnt, vom amerikanischen Präsidenten als Volksfeind bezeichnet zu werden. Wer nicht zum Hofberichterstatter für El Presidente verkommen will, der wird als „Enemy of the people“ bezeichnet. Wenn aber nun auch die politische Opposition öffentlich als Landesverräter beschimpft wird, dann grenzt das immer mehr an all jene, die Trump so gerne hofiert. Diktatoren und Machthaber, Trumps „Freunde“, in Saudi Arabien, Nord-Korea, Ägypten usw.

Mit seinem Landesverrat Tweet hat Trump eine Grenze überschritten. Denn hier macht er ganz deutlich, was er von der amerikanischen Demokratie hällt. Sicherlich, es ist nicht neu, denn bislang hat er Wahlen angezweifelt, die gegen ihn ausfielen, sprach von Wahlbetrug. Er unterhöhlt die demokratischen Instanzen in den USA, wie die Gerichte, das FBI, Ministerien, den Kongress. Und nur aus dem Grund, weil er nicht so schalten und walten kann, wie er will. Aber all jene des Hochverrats zu bezeichnen, die politisch andere Lösungen der Grenzkrise verfolgen, ist die Sprache Riads und Pjönjangs.

Nein, niemand wird des Landesverrats angeklagt, aber darum geht es auch nicht. Vielmehr spricht Trump mit seinen Tweets zu seinen Anhängern, die Hillary Clinton im Knast sehen, die der muslimischen Abgeordneten Ilhan Omar ihre Staatsbürgerschaft entziehen wollen, die von einem bewaffneten Kampf sprechen, wenn Trump die Wiederwahl nicht gewinnt, denn sie sei ja „rigged“, also „gefälscht. Und was sagen die Republikaner zu ihrem „Commander in Chief“? Nichts! Das ist der Zustand der USA 2019. Angeheizt von einem Präsidenten, der ein gefährliches Spiel betreibt, von dem sich das Land auf absehbare Zeit nicht erholen wird.

Mauerbauer nicht erwünscht

Um es milde auszudrücken, Oaklands Bürgermeisterin, Libby Schaaf, wird kein Fan mehr von Präsident Donald Trump. Gerade in Fragen der Immigration liegen die beiden ganz weit auseinander. Schaaf erklärte Oakland zu einer „Sanctuary City“, in der es lokalen Behörden, darunter auch der Polizei, nicht erlaubt ist, mit der Immigrationspolizei ICE zusammen zu arbeiten. Und Trump mag solche Städte und solche PolitikerInnen gar nicht. Er hatte auch schon ganz offen mit der Verhaftung von Libby Schaaf gedroht.

Keine Mauerbauer aus Oakland.

Ganz besonders aufstossen wird Trump und seinen Immigrations-hardlinern, was Oakland nun macht. Jeder, der fortan einen Vertrag mit der Kommune abschliesst, muss unterschreiben, dass er nicht am Bau der Trumpschen Mauer an der Grenze zu Mexiko mitarbeitet. Direkt oder indirekt. Weder ein Maurer noch ein Architekt, weder ein Zulieferer noch ein Handwerker. Oakland unterstreicht damit, dass man „The Wall“ in keinster Weise unterstützen will und wird und dieses Bauprojekt als falsch und gegen die Grundwerte Oaklands gerichtet ansieht.

Nun muss jeder, der öffentliche Gelder der Kommune erhält, diesen Vertrag unterschreiben. Nicht nur Bauunternehmer und Handwerksbetriebe, auch Kindergärten, soziale Einrichtungen, Obdachlosenprojekte. Die Stadt geht damit erneut auf Konfrontationskurs mit der Trump-Administration, denn viele der Gelder, die über die Kommune verteilt werden, sind Bundesmittel. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis diese Verträge unter Beschuss geraten. Am Ende werden wohl Gerichte darüber entscheiden müssen, ob Oakland diese Mauerbauerklärung von seinen Geschäftspartnern verlangen kann. Die USA sind also noch lange nicht zum Trump-Land verkommen, es gibt überall deutliche Proteste und Initiativen gegen die verstörende Politik dieses Präsidenten. Und ich kann sagen, ich bin froh, dass ich einer Stadt mit einer Bürgermeisterin lebe, die zumindest versucht deutliche Zeichen zu setzen und nicht einfach abwartet, bis dieser politische Alptraum zu Ende ist.

„Kurt Cobain is dead“

Kurt Cobain. Foto: Reuters.

Am 5. April 1994 arbeitete ich bei Radio Z in Nürnberg. Und da kam die Nachricht rein, dass sich Kurt Cobain, der Frontmann von Nirvana das Leben genommen hat. Nirvana, die damals gehörig das musikalische Establishment und auch die Modewelt durcheinander brachten. Seattle war die Stadt in Amerika, die wohl am meisten gefeiert wurde.

Zehn Jahre danach reiste ich als Journalist nach Seattle, um mich auf die musikalische Spurensuche zu machen. Mittlerweile war ich von Nürnberg nach Oakland übergesiedelt. Und die Bay Area war eng mit der Musikszene in Seattle verbunden. Kurt Cobain wurde im Nordosten der USA noch immer gefeiert und dennoch spürte man auch den Schock, der noch nachhallte. Das Big Business war weitergezogen, das Blitzlichtgewitter erloschen, „Grunge“ war nur noch ein Schimpfwort.

Es war für mich spannend mit Wegbegleitern von Cobain zu sprechen, Zeitzeugen zuzuhören, an den Orten zu sein, an denen meine einstigen musikalischen Heroen spielten. Was damals Anfang der 90er Jahre aus Seattle kam – Green River, Nirvana, Pearl Jam, Mudhoney, Alice in Chains, Screaming Trees u.v.m. – war für mich ein Erwachen. Mit den LA-Hairbands der Spätachtziger konnte ich nicht viel anfangen, die klicke ich auch heute noch weg, wenn sie im Radio gespielt werden. Doch „Smells like teen spirit“, „Alive“, „Even Flow“ oder auch „Rape me“ drehe ich nach wie vor auf. Zeitlose Songs, die einfach die Kraft, die Energie, die Wut, genau diese seltsamen frühen 90er Jahre ausdrücken.

25 Jahre ist der Selbstmord von Kurt Cobain nun schon her. Es war für Seattle ein tiefer Einschnitt diesen Ausnahmemusiker zu verlieren. Das wurde mir immer wieder gesagt, das konnte man in den Gesprächen auch fühlen. Was da mal war, wird niemals mehr so sein, hieß es. Damals bei Radio Z spielten wir an dem Tag einiges von Nirvana, die rohe Gewalt der „Bleach“ und eben auch Songs aus diesem Meisterstück „Nevemind“.

Seattle und Nirvana     

 

Sorgen kann man teilen. 0800/111 0 111 · 0800/111 0 222 · 116 123 (Telefonseelsorge).

 

Terrorgefahr im Wüstensand

Wer nach Black Rock City fährt, lässt den Alltag hinter sich. Es ist ein einwöchiges Utopia, was da im Wüstensand von Nevada entsteht. Kunst, Kultur, Anderssein, Selbstverwirklichung und Selbstdarstellung, ein Zusammensein, ein Miteinander ohne Geld, in dem geteilt und aufeinander zugegangen wird. Bislang, doch das soll sich ändern.

Natürlich gibt es auch Kritikpunkte am alljährlichen Burning Man Event, doch die Organisatoren haben endlich erkannt, das etwas getan werden muss, um dieses einzigartige Treffen der Burners in seiner Grundform und mit den gesetzten Werten zu erhalten.

Da passt so gar nicht rein, was nun in einem 372seitigen Umweltbericht des „Bureau of Land Management“ (BLM) veröffentlicht wurde. Die Behörde, die die Aufsicht über „Federal Land“ hat, damit also auch die Aufsicht über die Black Rock Desert in Nevada, wo das Burning Man Fest stattfindet, will nun unglaubliche Auflagen durchsetzen. Darunter auch die Terrorabwehr. Burning Man sei zu einem Ziel geworden, so heisst es. Die internationale Popularität, die mangelnde Kontrolle der Besucher, die fehlende Absicherung nach draussen, all das würde es leicht machen, dort einen Anschlag in welcher Form auch immer duchzuführen. Gefordert werden deshalb feste Zäune, die das riesige Areal umgrenzen, dazu eine eigene private Sicherheitsfirma, die jeden Besucher und jedes Vehikel genauestens kontrollieren soll. Die Kosten für Burning Man würden explodieren, die Ticketpreise noch weiter ansteigen.

Nach der Massenschiesserei auf ein Country Musikfestival in Las Vegas glaubt man bei BLM nun also auch sich im Wüstensand auf etwas vorbereiten zu müssen, was wohl im Jahr 2019 zur Normalität geworden ist. Alles und jeder ist zu einem Anschlagsziel geworden. Angst regiert das Leben. Ein Zaun und verstärkte Kontrollen sollen also die vermeintliche Sicherheit bieten, die es nicht gibt, nicht geben kann. Black Rock City soll also in eine Reihe mit Paris, London, Berlin, Madrid, New York und Las Vegas gestellt werden. Das Schild am Eingang von Burning Man „Welcome Home“ wird damit zum Rückspiegel zu den Orten, aus denen man kam. Ade Utopia! Dem Alltag unserer Zeit kann man damit auch für eine Woche nicht mehr entkommen.