Schwitzende Klogänger sind verdächtig

Nach den Terroranschlägen des 11. Septembers 2001 setzten die USA sogenannte „Sky Marshals“ auf inneramerikanische Flüge. Mit dieser Polizeieinheit über den Wolken sollten fortan solche Anschläge verhindert werden. Die Marshals sind bewaffnet und sollen im Ernstfall schnell und tatkräftig reagieren können.

Über den Wolken…reist „Big Brother“ mit Dir. Foto: Reuters.

Wie die Tageszeitung Boston Globe nun berichtet haben die Polizisten in 30.000 Fuss Höhe auch noch eine andere Aufgabe, als nur Filme schauend und lecker Airplane Food essend auf den Ernstfall zu warten. Bekannt wurde, dass die Marshals ihre Umgebung genauestens im Auge behalten sollen und das aufgrund einer ausgedruckten Passagierliste. Wer also Kontakte zu jemanden auf der sogenannten und strenggeheimen „No Fly“-Liste hat, wer immer mal wieder in zweifelhafte Gegenden, wie Syrien, Afghanistan, Somalia, Irak und andere „Terrornester“ fliegt, dessen Name wird auf der Passagierliste mit Leuchtstift markiert.

Und dann schreiten die Bundespolizisten zur Tat. Ganz genau wird beobachtet, was der- oder diejenige an Bord so machen. Schlafen sie oder schauen sie sich im Flugzeug um. Lesen sie in aller Ruhe oder schwitzen sie auffällig vor sich hin. Strecken sie die Beine am Sitzplatz aus oder gehen sie öfters auf die Toilette. Alles wird notiert und festgehalten. Und selbst wenn sich die Person auf dem Flug nicht als Terrorist entpuppt, wird anschließend ein schriftlicher Bericht abgegeben und archiviert. Man kann ja nie wissen.

Bürgerrechtler sehen diese nicht richterlich abgesegnete Beobachtung als eine Verletzung der Verfassung an, denn einfach so jemanden zu observieren sei nicht erlaubt. Die TSA, die „Transportation Security Administration“, die das reisende amerikanische Volk überwacht, sieht das ganz anders. Die Marshals machten eigentlich nur das, heißt es, was auch der Cop an der Straßenecke tut, er beobachtet und macht sich Notizen über auffälliges Verhalten von Passanten. Ich kann also nur froh sein, dass ich als leicht schwitzender Passagier mit Studentenblase und Zielort Krisengebiete problemlos im Flieger einschlafen kann. Ansonsten hätte ich wohl für die Flugdauer das wachsame Auge eines Federal Marshals auf mir…„I’m watching you!“

„Wo warst Du an 9/11?“

9/11 - Der Tag, an dem sich alles änderte. Foto: Reuters.

9/11 – Der Tag, an dem sich alles änderte. Foto: Reuters.

Diese Frage hat jeder schon gehört: Wo warst Du am 11. September 2001? Klar, niemand hat das vergessen, wo er zum ersten Mal die Bilder von den brennenden Türmen des World Trade Centers gesehen hat. Ich war daheim und wurde von Antenne Thüringen geweckt: „Sag mal, was ist denn da los bei Euch?“ Zu dem Zeitpunkt war erst einer der Flieger in die Türme geknallt. Als ich dann den Fernseher anmachte, flog gerade das zweite Flugzeug ins WTC. Damit war klar, alles wird sich ändern.

Amerika stand auf einmal im Krieg, wurde angegriffen und vorgeführt von einer Handvoll Terroristen. Die stärkste Armee der Welt hilflos, das große Ego gekränkt, der Glaube an die Unverwundbarkeit Amerikas fand ein jähes Ende. Seitdem ist alles anders. Die USA haben nicht nur Billionen an Dollar im Krieg gegen den Terror verpulvert, sie haben auch ihre Leichtigkeit verloren. Von den Folgen der militärischen Einsätze in Afghanistan und im Irak brauche ich nicht reden, darüber wurden viele Bücher und Artikel geschrieben und in den sozialen Medien hat jeder eine Meinung über deren Sinn und Unsinn.

Was ich mit 9/11 verbinde, sind vor allem die Veränderungen, die diese Attacken mit sich brachten. Seit diesem Tag im September 2001 bestimmt die Angst die amerikanische Politik und das Leben in diesem Land. Überall, so scheint es, lauern die Bösen, nur darauf wartend, endlich loszuschlagen. Im derzeitigen Wahlkampf sieht man ganz deutlich, was 9/11 mit den USA gemacht hat. Der republikanische Kandidat, Donald Trump, baut seine gesamte Kampagne auf die Angst vor den anderen auf. Er will Amerika abschotten, sichern, das Militär stärken, Muslime nicht ins Land lassen. Er schürt die Angst vor den Fremden, den Ausländern, redet davon, Amerika wieder „great“ zu machen. Was er damit meint ist unklar. Zumindest ist es nicht das, für was Amerika einmal stand, einmal vor 9/11: Jene Leichtigkeit, Lockerheit, leben und leben lassen, die den „American Way of Life“ ausmachten

Die Angst vor den Terroristen ist sicherlich real und dann doch auch so abstrakt. Es lähmt das Leben hier, es bestimmt den Alltag. Eigentlich überall. Wohin man auch geht und fährt und reist wird man an die Terrorgefahr erinnert. Nicht nur auf den Flughäfen der Metropolen, sondern selbst in abgelegenen Kleinstädtchen, die kein Terrorist je auf einer Landkarte finden würde wird vor der Terrorgefahr gewarnt. Sogar in entlegenen Nationalparks habe ich Warnschilder gesehen. Macht das Sinn? Nein, macht es nicht. Aber das ist nun das Leben im Post-9/11 Alltag der USA.

Trump der Brandstifter

Donald Trump hat in den USA einen neuen Beinamen bekommen: Pinocchio. Eigentlich müßte seine Nase Tag für Tag weiter wachsen. Trump ist ein moderner Münchhausen, ein Lügenbaron. Allerdings einer der ganz gefährlichen Sorte. Sein Ohr ist ganz nah an Volkes Stimme, zumindest an einem sehr lautstarken Teil der Amerikaner. Nennen wir sie in Anlehnung an die dumpfen Töne der sächsischen Pegida PAGIDEN (Patrioten Amerikas Gegen die Islamisierung der Neuen Welt).

Donald Trump will Präsident werden und um dahin zu kommen, geht er über Leichen. Er pöbelt, wütet, lügt. Trump wird immer mehr zu einem gesellschaftlichen Zündler. Seine Themen- und Wortwahl wird immer gefährlicher. Jüngstes Beispiel, Trump erklärte, er habe nach den Terroranschlägen vom 11. September mit eigenen Augen gesehen, wie Tausende von Moslems in New Jersey den Einsturz des World Trade Centers feierten (siehe Video unten). Darauf später von einem Reporter angesprochen, der meinte, die Polizei habe darüber überhaupt keine Informationen, antwortete Trump, er habe das mit eigenen Augen gesehen….im Fernsehen.

Donald Trump macht Politik, gefährlich und ohne Skrupel. Nach den Terrorattacken von Paris sind die Amerikaner mehr als nervös. Die republikanischen Kandidaten und viele GOP Gouverneure weigern sich, syrische Flüchtlinge aufzunehmen. Trump hört genau hin, erkennt die Stimmungslage und setzt noch einen drauf. Mit Horrorszenarien von islamistischen Flüchtlingen, Radikalen, die nur darauf warten in den USA zu bomben punktet er. Und nun noch die jubelnden Moslems nach dem Trauma 9/11.

Trump kann sich dabei sicher sein, Unterstützung zu finden, denn die PAGIDEN in den USA bestimmen genauso wie die Pegiden in Deutschland die Diskussion. Donald Trump, der gesellschaftliche Zündler, der damit wohl über Leichen gehen wird, um ins Weiße Haus einziehen zu können. Der amerikanische Wahlkampf hat damit eine gefährliche Wende genommen.

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Ein Tag, den man nicht vergisst

Heute war ich mit meinem Hund im Wald laufen. Ich war frustriert und genervt, wollte unbedingt Energien abbauen. Und dann verlor ich auch noch den Autoschüssel, also zurück auf dem gleichen Weg und glücklicherweise fand ich ihn. Käthe kuckte mich an und ich sie und wir liefen wieder los. Ich dachte daran, wie das vor 14 Jahren war.

Am 11. September 2001 klingelte mich morgens Antenne Thüringen aus dem Bett. „Was ist denn bei Euch los?“, fragte mich der Redakteur. Keine Ahnung, meinte ich, ich habe noch geschlafen. „Dann mach mal den Fernseher an“. Erst sah ich den qualmenden Turm des World Trade Centers im Live-TV und dann kam der zweite Flieger. Die Welt veränderte sich in diesem Moment.

Ich ging die Treppe hoch ins Gästezimmer und weckte eine Freundin, die gerade hier zu Besuch war. „Du mußt das sehen“, meinte ich nur. Sie zog sich ihren weißen Bademantel über, kam runter in die Küche und setzte sich an den Tisch. Ich sehe sie noch heute da sitzen. Fassungslos, die Kaffeetasse in der Hand, immer wieder den Kopf schüttelnd. „Das gibt es doch nicht!“

Für mich begannen ein paar stressige Wochen. Bericht nach Bericht für die verschiedensten Sender. In den Anfangstagen nach der neuen Zeitrechnung schlief ich gerade mal ein paar Stunden, wenn das Wachbleiben gar nicht mehr ging. Ich bekam Mails und Anrufe von Freunden und Bekannten, die mir sagten, ich solle den Amerikanern erklären, dass man in Deutschland sehr an sie denke. Es waren ehrliche Gefühle der Verbundenheit.

Warum ich all das hier schreibe? Ich habe in meinen 47 Jahren zwei Ereignisse bewußt erlebt, die geschichtlich einschneidend waren. Und ich kann mich bei beiden daran erinnern, wo ich war, was ich gedacht habe, was in mir vorging. Es war der Fall der Mauer in Berlin, es waren die Terroranschläge des 11. Septembers. Beides hat die Welt verändert. Alles war danach anders. Hier die Hoffnung und die Freude, dass mit dem Abbau von Grenzen die Welt zusammen rücken würde. Dort die Taubheit und das Bewußtsein darüber, dass nichts mehr so bleiben wird, wie es war. Fassungslos war ich am 9. November und auch am 11. September. Es waren solch große Ereignisse, bei denen man umgehend spürte, das alles, was man da sieht und erlebt weitreichende Folgen haben wird.

In den USA spricht man von einer Zeitenrechnung vor und nach dem 11. September 2001. Das ist traurig, das ist aber so. Ich bin nur froh, dass ich Amerika noch entspannter kennenlernte. Denn so werde ich nicht vergessen, was man hier im Namen der nationalen Sicherheit aufgegeben, verloren, ja, fast vergessen hat.

Der Mayor is‘ a Depp

Rudy Giuliani fällt nur noch mit unnötigen Sprüchen auf.

Rudy Giuliani fällt nur noch mit unnötigen Sprüchen auf.

Der Spruch „Der Club is‘ a Depp“ ist einmalig gut. Und manchmal läßt er sich auch auf andere Personen oder Sachverhalte ummünzen. Wie zum Beispiel auf „Mister 9/11“, den früheren Bürgermeister von New York City, Rudy Giuliani. Der hat nun während eines Treffens mit konservativen Spendern und dem potenziellen republikanischen Präsidentschaftskandidaten, Scott Walker, erklärt; „Ich glaube nicht, und ich weiß es ist schrecklich, das zu sagen, ich glaube nicht, dass der Präsident Amerika liebt. Er liebt Sie nicht. Und er liebt mich nicht. Er wurde nicht so erzogen, wie Sie und ich erzogen wurden, dieses Land zu lieben“. Wenn man sowas hört, da fällt einem gleich der Clubspruch ein, oder?

Später dann versuchte Giuliani das ganze im Frontsender FOXNews zu relativieren, doch hielt an seiner grundsätzlichen Kritik fest. Obama rede zu oft Amerika schlecht. Ganz anders zu seinen Vorgängern, wie Ronald Reagan oder auch Bill Clinton. Obama sei vielmehr ein Amerika Kritiker als ein Amerika Unterstützer.

Rudy Giuliani, der eigentlich in jeder Rede von seinen Heldentaten des 11. Septembers spricht, und den konservativen Kommentatoren von FOXNews stößt auch auf, dass Barack Obama nicht vom „islamistischen Terror“ sprechen will. Auf einer Konferenz gegen Extremismus machte der Präsident erneut klar, dass Amerika nicht gegen den Islam kämpfe. Vielmehr gegen Terroristen, die sich hinter der Religion versteckten. FOXNews Anchor Man Sean Hannity geht das gegen den Strich. Er will klare Ansagen von Obama, die Terrorangriffe sollten doch bitteschön auch als islamistische Terrorangriffe benannt werden. Hannity sieht es deshalb wie Giuliani, Obama sei kein patriotischer Amerikaner.

Das Säbelrasseln beginnt

Präsident Barack Obama im Interview mit dem Fernsehsender NBC.

Präsident Barack Obama im Interview mit dem Fernsehsender NBC.

Es geht wieder los. Seit Wochen schon warnen republikanische Scharfmacher vor einer nicht näher identifizierten Terrorzelle in der mexikanischen Grenzstadt Ciudad Juarez. Dort würden, in Zusammenarbeit mit den Drogenkartellen, gezielte Anschläge gegen amerikanische Einrichtungen vorbereitet. Präsident Barack Obama erklärte am Wochenende in einem Interview mit dem Fernsehsender NBC erneut, dass keine direkte Gefahr von der Terrororganistation „Islamischer Staat“ auf die USA ausgehe. Das heißt, den Geheimdiensten liegen derzeit, so der Präsident, keine Anhaltspunkte vor, dass „IS“ schon an der Santa Fe Bridge lauert.

Obama allerdings kommt der Jahrestag der Terroranschläge zum 11. September sehr gelegen. Am Dienstag wird er sich mit Vertretern des Abgeordnetenhauses und des Senats zusammen setzen, um über die weitere Strategie im Kampf gegen die „IS“ Milizen zu reden. Einen Tag später, am Vorabend von 9/11, wendet er sich an die Fernsehnation. Der von seinem Vorgänger ausgerufene „Krieg gegen den Terror“ geht in die dritte Runde, quasi „War on Terror 2.1“. Was Bush im Irak verbockt hat, muß nun Obama richten. Dabei sollte man nicht übersehen, dass Barack Obama selbst an der jetzigen Situation in Syrien und im Irak eine heftige Mitschuld trägt. Zu lange konzentrierte er sich lediglich auf einen Abzug der US Streitkräfte aus dem Irak. Dabei wurde übersehen, dass sich ein Machtvakuum in der Region bildete, in das die Extremisten nur zu gerne vorstießen. Die katastrophale Situation im Irak ist also schon lange nicht mehr „nur“ George W. Bush unterzuschieben. Der Friedensnobelpreisträger Obama wird ebenfalls als Kriegspräsident in die Geschichtsbücher der USA eingehen.

Barack Obama hat in den letzten Wochen keine gute Figur im Umgang mit den „IS“ Terroristen abgegeben. Sein langes hin und her, ob und wie und überhaupt, wurde von den Republikanern und von Teilen seiner eigenen Partei als Planlosigkeit ausgelegt. Und dann sein Golfspiel nur wenige Minuten nachdem er Stellung zur Enthauptung des amerikanischen Journalisten James Foley bezogen hatte. Die Bilder des lachenden Präsidenten auf dem Grün stießen vielen auf. Im NBC Interview entschuldigte sich Obama für diese Fotos.

Nun also will Obama wieder das Ruder übernehmen, ganz den Kapitän in der stürmischen Außenpolitik spielen. Seine Aussagen sind jedoch weiterhin nebelig. „No boots on the ground“, gezielte Luftangriffe auf Stellungen der „IS“ Milizen im Irak, eventuell werden diese noch ausgeweitet auf syrisches Gebiet. Und Obama will nicht alleine losziehen. Es ist mal wieder die Rede von einer „Koalition der Willigen“. Mit Spannung kann man also auf die Rede am Mittwochabend warten, vor allem darauf, ob Obama, anders als Vorgänger George W. Bush, neben den Marshall Islands auch noch schlagkräftigere Koalitionspartner für seinen neuen „Krieg gegen den Terror“ überzeugen konnte.

9/11 Schwindel der Sonderklasse

Sie wurden „New York’s Finest“ und „New York’s Bravest“ genannt. Sie rannten in die brennenden Türme, als Amerika von einer Handvoll Terroristen angegriffen wurde. Doch so fein und so mutig waren einige von ihnen dann wohl doch nicht. Am Dienstag wurden Dutzende von ehemaligen Polizisten und Feuerwehrleuten, deren Anwälte und Ärzte aus New York verhaftet. Man wirft ihnen massiven Versicherungsbetrug vor, der den Steuerzahlern Hunderte von Millionen Dollar gekostet haben soll.

Am Terrortag, dem 11. September 2001, starben 343 Feuerwehrleute und 23 Polizisten in den Trümmern des World Trade Centers. Unzählige der Einsatzkräfte ließen sich danach pensionieren. Stress, Alpträume, gesundheitliche Probleme wurden angeführt. Für den Großteil der Betroffenen traf das sicherlich auch zu. Doch einige der Frührentner erschwindelten sich anscheinend lukrative Abfindungen, Entschädigungen, Pensionen. Sie arbeiteten einfach danach an anderer Stelle weiter, obwohl das unter den Rahmenbedingungen nicht erlaubt war. Auch behielten etliche der Polizisten ihre Knarren, ebenfalls ein Verstoß gegen Richtlinien. Zwei Jahre lang untersuchte unter höchster Geheimhaltung eine Spezialabteilung der New Yorker Staatsanwaltschaft mit Unterstützung des „Internal Affairs Bureau“ der New Yorker Polizei etliche Fälle von Frühpensionisten nach den Terroranschlägen von 9/11. Am Dienstag schlugen sie dann zu, verhafteten Dutzende von ehemaligen Beamten. Ein Skandal der besonderen Schwere, denn hier werden die amerikanischen „Helden“ des 11. Septembers direkt angeklagt.

Die Geister, die er rief

Dick Cheney gilt für viele Konservative in den USA als harter Kerl. Er lächelt eigentlich nie, und wenn doch mal, dann eher mit einem schiefen, irgendwie fies aussehenden Gesichtszug. Für eher politisch liberal orientierte Bürger ist Dick Cheney ein rotes Tuch. Er steht eigentlich für alles Schlechte, was unter den acht Jahren der George W. Bush Adminstration so passiert ist. Das reicht vom Einmarsch im Irak bis zur Einrichtung des Hochsicherheitstraktes in Guantanamo Bay, von geheimen CIA Gefängnissen in aller Welt bis zur Errichtung eines breiten Überwachungsapparates, und das ohne richterliche Anordnung.

Der schwer Herzkranke ist allerdings nach wie vor ein begehrter Redner. Denn mit ihm als Gast ist jeder Saal bis zum letzten Platz gefüllt. Der „Prince of Darkness“, wie er auch genannt wird, steht für eine knallharte Politik. Und auch auf FOXNews ist er ein gern gesehener Kommentator und Analyst. Der „Mister Vice-President“ schätzt es sehr, wenn er auch immer mal wieder zu Präsident Obama und der, in seinen Augen, „laschen Haltung“ der US Adminstration seinen Senf dazu geben darf.

Doch in Kanada ist das anders. Auf einer Veranstaltung im vergangenen Jahr in Vancouver zogen Demonstranten vor der Tür auf. Cheney konnte den Ort nicht verlassen, bis die Polizei die Reihen gewaltsam aufgelöst hatte. Zuvor hatte die Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ die kanadische Regierung aufgefordert, Dick Cheney bei seiner Einreise nach Kanada für Kriegsverbrechen zu verhaften. Was diese natürlich nicht tat, dennoch Cheney ist kein gern gesehener Gast im nördlichen Nachbarland. Nun wurde er erneut zu einem Event nach Toronto eingeladen, doch Dick Cheney sagte ab. Seine Sicherheit könne nicht garantiert werden, so sein Büro. Klar ist allerdings, dass Dick Cheney solche Vorkommnisse nicht zum Überdenken seiner einstigen Politik nutzt. Nach wie vor verteidigt er das harte Vorgehen der Bush-Adminstration nach den Terroranschlägen des 11. Septembers.

„Boots on the ground“ in Syrien

Man will reden, man will den diplomatischen Weg gehen. Doch dabei geht es einzig und allein um einen Luftangriff gegen militärische Einrichtungen des Assad-Regimes, als Bestrafung für den Giftgaseinsatz. Unterdessen hat die CIA mit der Auslieferung von Waffen, Fahrzeugen, Kommunikationstechnologie und medizinischen Versorgungsgütern an die syrischen Rebellen begonnen. Klar ist, Amerika hat sich positioniert und greift ein. Greift massiv ein. Da kann Putin noch so viel behaupten, die UN, der Papst und Guido Westerwelle weiter warnen, die USA haben ihren neuen Krieg. Und der wird nun eskalieren. Man kann davon ausgehen, dass die USA nicht nur, wie öffentlich behauptet wird, leichte Schußwaffen liefern werden. Was ist in den Vereinigten Staaten schon eine „leichte Schußwaffe“? Amerika will eine Entscheidung herbei zwingen.

Schon jetzt sind in Jordanien und in der Türkei amerikanische Militärberater und Ausbilder vor Ort, die die Rebellen für den Kampf in Syrien schulen. Und auch damals, kurz nach den Terroranschlägen des 11. Septembers 2001 waren Special Forces schon in Afghanistan und später auch im Irak, lange vor dem Einmarsch einer Truppe, und auch vor den Bombardements gegen Stellungen der Taliban und Saddam Husseins. Die Spezialeinheiten des amerikanischen Militärs und der CIA sind auch in Syrien vor Ort, klären auf, sammeln Informationen, unterstützen mit Know-How den Widerstand gegen die Assad Regierung. Die berechtigte Frage in Deutschland sollte deshalb sein, ob, wie damals in Afghanistan, auch Spezialkräfte der Bundeswehr und des Nachrichtendienstes in Syrien sind, um ihre amerikanischen Kollegen zu unterstützen?

Nun wird also auch noch geliefert, mit etwas Verzögerung, denn bereits im April kündigte US Außenminister John Kerry an, innerhalb „weniger Wochen“ Materialien zu schicken. Damals war aber die Rede von „nonlethal material“, also ausdrücklich keine Waffen. Das scheint vergessen zu sein.  Der Krieg in Syrien erreicht mit den amerikanischen „Shipments“ eine neue Dimension. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann die Situation auf dem syrischen Boden außer Kontrolle gerät.

Zu schnell geschossen, Mister Romney

Da dachte Mitt Romney, jetzt aber…und dann ging der Schuß nach hinten los. Romney wollte endlich außenpolitisch mit seinem Statement punkten, dass die Obama Administration nicht deutlich genug die amerikanischen Interessen im Nahen Osten vertritt und sich auch noch auf die Seite der Aggressoren stelle, anstatt schützend vor die amerikanischen Opfer. Doch Romney schoß zu schnell, noch bevor alle Fakten bekannt waren, noch bevor klar war, dass es bei dem Angriff auf das Konsulat in Bengasi auch Todesopfer gab. Selbst am Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001, einem Tag, an dem Amerika eigentlich zusammen rückt, politisierte der GOP Kandidat, versuchte einen politischen Vorteil aus einem Anschlag gegen die Vereinigten Staaten zu zu ziehen. Ein absolutes Eigentor des Republikaners.

Und auch einen Tag danach, als klar war, der Republikaner hat einfach überhastet und mit Übereifer reagiert, entschuldigte er sich nicht. Ganz im Gegenteil, Romney griff weiter Präsident Obama an und machte das Weiße Haus quasi mitverantwortlich für die Anschläge vom Dienstag. Doch genau diese Uneinsichtigkeit könnte ihm schaden, denn sowohl Demokraten wie auch zahlreiche Republikaner warfen Mitt Romney vor, mit seiner Äußerung erneut zu zeigen, keinen Plan von der Außenpolitik zu haben.

Die hat er wohl auch nicht. Seine Auftritte in London und nun seine Schnellschüsse lassen viele Wähler aufhorchen. Von einem besonnenen und kühl reagierenden Präsidenten scheint der Kandidat noch weit entfernt zu sein, und es sind nur noch 52 Tage bis zur Wahl. Mit dem Republikaner im Weißen Haus könnten keine guten Zeiten für Amerika im Ausland anbrechen.