Im Klassenzimmer vor 30 Jahren

Am 8. Mai 1985 saßen wir in unserem Klassenzimmer und freuten uns aufs Fernsehschauen. Wir, das war die Sportklasse 10G der Staatlichen Realschule Nürnberg (heute Peter-Henlein-Realschule). Unser Klassenlehrer Günther Koch hatte angekündigt, dass wir an diesem Tag die im Fernsehen live übertragene Rede des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker zum 40. Jahrestag der deutschen Kapitulation sehen würden. Klar war also, kein Unterricht, Beine hochlegen.

Doch es kam ganz anders. Ich erinnere mich noch immer an diese Rede, denn danach sprach ich viel mit meinen Eltern, meiner Oma, meiner Großtante über das Dritte Reich, den Krieg, Bombennächte, Flucht, Vertreibung und auch über Schuld, Sühne, Erinnerung. Und ich glaube, diese Rede hat letztendlich auch dazu geführt, dass ich den Kriegsdienst an der Waffe, wie es damals noch genannt wurde, verweigerte.

Die Rede vom 8. Mai 1985 auf Schallplatte.

Die Rede vom 8. Mai 1985 auf Schallplatte.

Die Rede habe ich heute noch hier liegen, ich hatte sie mir danach auf Schallplatte gekauft. Sie sticht auch heute noch in meinem Audio-Archiv als eine der bedeutendsten deutschen Reden heraus.

Als ich heute morgen vom Tod Richard von Weizsäckers hörte, durch die vielen Artikel und Erinnerungen von Wegbegleitern las, wurde ich neugierig, was die amerikanischen Medien über von Weizsäcker schrieben. Eigentlich nichts, nur online auf Wall Street Journal fand sich ein kleiner Text, der vom Tod des deutschen Bundespräsidenten handelte. Die historische Rede wurde nicht erwähnt, nur, dass von Weizsäcker im Amt war, als die Mauer fiel und er der erste gesamtdeutsche Präsident wurde.

Die Rede am 8. Mai 1985 im Deutschen Bundestag war vor allem bedeutend für die Deutschen. Viele Kommentatoren schreiben heute, wie gut sie im Ausland ankam, wie wichtig sie für die deutsche Wiedervereinigung war. Die Resonanz hier drüben in den USA auf den Tod von Richard von Weizsäcker zeigt mir etwas anderes, aber es ist Samstag, die Wochenendschichten sind nicht so gut belegt, vielleicht kommt ja noch was hinterher. Dennoch die Rede bleibt unvergessen, denn sie führte zu einer tiefen Diskussion in Deutschland. Nicht nur auf der politischen und gesellschaftlichen Ebene, sondern auch auf unserer Ebene, im Klassenzimmer der 10G. Und ich unterstelle Günther Koch einfach mal hier, dass er schon im Vorfeld die Bedeutung dieser Rede für uns erkannte.

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NEW Coca Cola

Vor 25 Jahren, am 23. April 1985 traten die Aufsichtsräte von Coca Cola vor die versammelten Pressevertreter und erklärten, die alte Coca Cola iss nich mehr….Ab jetzt gebe es „NEW COKE“. Der Geschmack sei viel besser und überhaupt, man passe sich an. Der Hintergrund war, dass der Konkurrent Pepsi Marktanteile in den USA gewann. Coca Cola wollte reagieren, doch mit einem fatalen Fehltritt.

Noch heute wird das Beispiel der „NEW COKE“ in den Lehrfächern Marketing und Business unterrichtet. Coke bedachte bei der Entscheidung nicht, die enge Verbundenheit seiner Fans und Konsumenten mit der Classic Coke. Sie wollten die Zuckerdröhnung im bewährten Geschmack.

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Coca Cola hatte nicht mit einem, mit diesem Sturm der Entrüstung gerechnet. Es gab Hamsterkäufe der alten Cola, die neue wurde gar nicht beachtet. Protestaktionen im ganzen Land waren die Folge. Das Unternehmen schaltete neue Werbespots mit dem beliebtesten Star der Zeit, Bill Cosby. Doch all das half nichts. Die Coke Fans wollten ihre Coca Cola wieder haben. Und sie bekamen sie. Das Unternehmen knickte ein und brachte „Classic Coca Cola“ heraus, die Cola mit alter Rezeptur.

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