Ein Jahr Obama (Audio)

White HouseBarack Obama ist ein Jahr im Amt. Ein Jahr, das es in sich hatte: Krieg, Wirtschafskrise, Naturkatastrophen…. Was ist aus dem Hoffnungsträger geworden, der die Vereinigten Staaten und die Welt gehörig umkrempeln wollte? Dazu hier ein Audiobericht:

Ein Jahr Obama     

Wohin geht die Reise?

Nach wochenlangen Vorbereitungen geht es morgen los. Ciudad Juarez in Mexiko ist das Ziel. Die Grenzstadt zu El Paso, Texas. Die derzeit gefährlichste Stadt der Welt. Letztes Jahr wurden über 2600 Menschen dort umgebracht, in diesem Jahr ist die Statistik schon auf 50 Morde geklettert. Die 1,5 Millionen Metropole im Norden des Landes gleicht nach 21 Uhr einer Geisterstadt, schilderte mir ein lokaler Reporter am Telefon. Es ist unglaublich, denn nur eine Brücke über den Rio Bravo trennt Juarez von El Paso, der zweitsichersten Stadt in den USA. Hier sinkende Verbrechenszahlen, dort ein offener, brutaler und nicht zu kontrollierender Krieg zweier Drogenkartelle.

JuarezIch bin gespannt, was ich dort sehen werde, was mich erwartet. Es geht mir nicht darum, einen weiteren Beitrag über die Schrecken und den Horror in der Stadt zu zeichnen. Ich möchte sehen, ob und wie ein Leben in Juarez möglich ist, trotz dieser Umstände. Ist es überhaupt möglich, wenn es heisst, die irakische Haupstadt Bagdad oder die afghanische Haupstadt Kabul wären sicherer als Juarez? Es gibt einige beeindruckende und erschütternde Fakten über den Alltag in Juarez. In Mexiko gibt es nur einen legalen Waffenladen, und der ist in Mexico City. Doch die Kartelle sind bis zu den Zähnen bewaffnet. Die Waffen kommen aus den USA, wo einige Leute sehr, sehr gut mit dem Strassenkrieg in Juarez verdienen. Und die Kartelle, die sich um die Drogenrouten nach Norden bekämpfen, lassen den Krieg nicht nach El Paso rüber schwappen, denn sie wissen genau, dass das nur die amerikanischen Sicherheitsbehörden auf den Plan rufen würde. Es scheint also so, als ob Amerika nur dann reagieren würde, wenn die eigenen Interessen berührt werden, wenn die eigenen Bürger dran glauben müssten. Was ausserhalb der südlichen Grenze geschieht….tja, man beobachtet die Situation, heisst es von offiziellen Stellen. Und man zählt die Toten mit, die sich seit zwei Jahren in den Strassen von Juarez anhäufen.

Eiertanz mit Barack

ObamaDie seit Wochen und Monaten mit Spannung erwartete Rede des amerikanischen Präsidenten sollte die Nation einen. Doch stattdessen spaltete sie nur noch mehr.

Hier ein Audiobericht:

Obama Rede     

„Großen Büsen…hehe“

Bislang wurde der deutsche Wahlkampf in den USA kaum beachtet. „Merkel, good!“ war ein Kommentar, den ich erhielt…ansonsten nur Schulterzucken, was gehen uns die Deutschen an. Doch nun hat die Kontroverse über das jüngste Wahlplakat der CDU-Kandidatin Vera Lengsfeld die amerikanische Küste erreicht. Ein Beitrag der Associated Press wurde von vielen Tageszeitungen gedruckt. Und die Amerikaner zeigen sich erfreut über den tiefen Einblick, wie die folgenden Kommentare belegen. Der deutsche Wahlkampf hat anscheinend doch mehr zu bieten, als nur unaussprechliche Namen:

„I bet Sarah Palin would have received more support if she’d adopted this strategy.“

„Merkel’s opposition will milk this for all it’s worth.“

„ALTERNATIVE SLOGAN: „If you vote for me, I promise to cover up.“

„mmmm…would either one of you ladies like a shoulder rub?“

„Could a mudwrestling match with the opposition party be in the future?“

„Dang! No wonder GWB was so eager to give Angela a massage…“

„Tubby old women showing off their cleavage. Wow…really makes me want to vote.“

„Imagine if Hillary had campaiged on her chest size (as well as brains and experience!) BOY would things change.“

„First, Putin takes off his shirt. Then, Angela Merkel shows off her boobies. (Nice!) What’s next…. the British Prime Minister drops his trousers, revealing the British Economic Stimulus Package?“

Obamas zwischen Hurra- und Buh-Rufen

Die Obamas jetten an diesem Wochenende quer durchs Land. Während Michelle Obama bei strahlendem Sonnenschein und von einer jubelnden Menge in Merced empfangen wurde, könnte der Auftritt von Präsident Obama auf dem Campus Gelände von Notre Dame zum Spiessrutenlauf werden. Präsident Obama hält die Abschlussrede für die Studenten an der katholischen Universität Notre Dame in South Bend, östlich von Chicago, und schon im Vorfeld wurde klar, dass er mit Protesten von Abtreibungs- und Stammzellenforschungsgegnern rechnen muss. 85 Prozent der Studenten und fast 60 Prozent der Professoren sind katholisch. Und einige davon kündigten schon lautstarken Widerstand gegen den Auftritt des Präsidenten an, der für die freie Entscheidung einer Frau und für die Stammzellenforschung ist.

Dagegen hatte die First Lady einen Traumtag in der kalifornischen Kleinstadt östlich von San Francisco am Rande des „Central Valleys“. Die UC Merced ist eine noch junge Universität, die am Samstag die erste Abschlussklasse verabschiedete. Im Dezember begannen die Studenten die Aktion, Michelle Obama für ihren Auftritt zu gewinnen. Sie schickten ihr tausende von Briefen, erklärten, dass die Klasse 2009 in einer Zeit auf den Weg geschickt wird, in der es für viele nicht leicht sein wird überhaupt einen Fuss auf den Arbeitsmarkt zu bekommen.

Und Michelle Obama kam, wurde begeistert empfangen und sprach den Abschlussklässlern Mut zu, sprach von Hoffnung und dem Glauben an die Zukunft. Sogar die „Freshmen“, die noch jungen Studenten liessen sich von der First Lady mitreissen und motivieren.

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Yes, we can, if…

Es war das amerikanische Jahr. Wohl noch nie wurde weltweit so viel über Amerika berichtet wie 2008. Und dennoch haken die Amerikaner dieses Jahr gerne ab. Zehn volle Monate lang lieferten sich die politischen Kandidaten beider Parteien einen offenen Schlagabtausch, in dem es meistens nicht um politische Ideen und Visionen ging, sondern eher um Kleinkram, wie Obamas Anstecknadel oder Hillarys Hosenanzug. Manchmal war es nur noch lächerlich über diesen Wahlkampf zu berichten. Das einzig gute war am Ende der Wahlabend, an dem beide Kandidaten unterstrichen, um was es eigentlich gegangen war: die Zukunft Amerikas.

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Doch 2008 war mehr als nur ein Jahr der Stimmabgabe in den USA. Überschattet wurde alles vom Verfall der Wirtschaft. Von der fast täglichen Bankrotterklärung führender Unternehmen. Banken, Investorengruppen, Versicherungen und sogar die heilige amerikanische Automobilindustrie geriet ins Wanken. Damit verbunden eine steigende Arbeitslosenzahl und die Verunsicherung, wie geht es weiter…Auch in meinem Bekanntenkreis gibt es mittlerweile ein Umdenken. Früher veränderte man sich einfach, wenn einem danach war. Amerika bot Möglichkeiten, immer und überall. Doch nun hält man krampfhaft an seinem Job fest, aus Angst vor dem totalen Fall.

Kein Wunder also, dass die Amerikaner nur zu gerne 2008 hinter sich lassen und auf das neue Jahr hoffen. Mit Barack Obama verbindet sie der Glauben an Amerika, der Wunsch, dass die kleine heile amerikansiche Welt zurück kommen wird. Doch der Ruf „Yes we can“ wird unterdessen nur noch gebetsmühlenartig hervorgepresst. Von der Überzeugung in den „American Dream“ ist da schon lange nichts mehr zu spüren.