Obamas letzte Chance

Obama 2014     

Ein neues Jahr, ein neues Glück. So sollte es eigentlich sein, darauf wird auch der amerikanische Präsident Barack Obama hoffen. Darauf wird er in der Neuajahrsnacht mit seiner Frau, seinem Ministern und Parteifreunden angestoßen haben. Glück, das wird er brauchen, viel Glück sogar. Denn 2013 war alles andere als sein Erfolgsjahr. Im neuen Jahr muß er sich sputen, denn Obama ist ein Kandidat auf Abruf. Ende des Jahres ist sein Einfluß so gut wie vorbei. Dann beginnt der offene Schlagabtausch in beiden Parteien um die Kandidatur fürs Weiße Haus. Nur noch wenige Monate bleiben ihm also, um sein politisches Erbe zu bestimmen.

Same procedure as every year

Jahrestage sind doch was schönes. Man kann sich erinnern, man hat was zum Reden, man kann betroffen sein. Und man kann zeigen, dass sich eigentlich nichts verändert hat. Als vor einem Jahr in Newtown, Connecticut, 20 Kinder und sechs Mitarbeiter einer Grundschule erschossen wurden, war der Aufschrei groß. Amerika, so hieß es, müsse endlich einsehen, dass man ein Waffenproblem habe und es so nicht weitergehen könne. Auf 300 Millionen Amerikaner, so schätzt man, kommen 350 Millionen Schießeisen.

Unzählige Protestveranstaltungen und Gedenkminuten, Trauerfeiern und Anhörungen später, 12 Monate sind vergangen und nichts hat sich getan. Vor einem Jahr schöpften all jene in den USA Hoffnung, die für strengere Waffengesetze kämpfen. Kinder in einer Grundschule waren Opfer, wurden kaltblütig erschossen, das müßte doch nun endlich das Fass zum Überlaufen bringen. 80 Prozent der Amerikaner sprachen sich in den Wochen danach für Verschärfungen der Gesetze aus. Doch schon damals schrieb ich „Laßt mir meine Knarre“ und leider behielt ich Recht. Am Freitag gab es erneut eine Schießerei in einer Schule in Colorado, am Samstag gedachte Präsident Barack Obama im Weißen Haus der Opfer von Newtown. Kerzen wurden angezündet und sogar die wöchentliche Radioansprache des Präsidenten erinnerte an die Tragödie ein Jahr zuvor.

Wöchentliche Radioansprache      

Die amerikanische Waffenlobby hat es mal wieder geschafft und ist stärker als je zuvor. Wenn noch nicht einmal das Abknallen von Kleinkindern zu Beschränkungen und Kontrollen und Verschärfungen im Waffengesetz führen, dann kann man Amerika nicht mehr helfen. Man kann nur warten, bis wieder ein Amoklauf passiert. Man kann nur hoffen, dass man dann nicht gerade zur falschen Zeit am falschen Ort ist.

Nicht jeder Tote ist ein guter Toter

Zombies und Geister, Erhängte und Massenmörder. An Halloween laufen Armeen von „Untoten“ durch die amerikanischen Straßen. Alles was blutig, brutal und bescheuert ist und sein könnte, wird in Kostümen dargestellt. Die 22jährige Alicia Ann Lynch aus Michigan dachte sich, da kann man kreativ sein, quasi tagesaktuell und dem ganzen Blutrausch am 31.10. noch einen draufsetzen. Sie beschloß, sich als Opfer des Terroranschlags beim diesjährigen Boston Marathon zu verkleiden. Mit Blut, blauen Flecken und im Sport Outfit.

Lynch stellte einige Bilder online, wie sie lachend an ihrem Arbeitsplatz im Schockeroutfit posierte. Und dann begann der „Shitstorm“. Über Twitter wurde sie massiv angegangen. Ihr Geschmacklosigkeit und Unsensibilität vorgeworfen. Einige Nutzer fanden online ihre Adresse, die ihres  Arbeitgebers, ihres Elternhauses und schickten Hassmails und Morddrohungen. Sogar Nacktbilder von Alicia Ann Lynch wurden entdeckt und weiter verbreitet.

Die junge Frau war mehr als überrascht von den Reaktionen und versuchte in Stellungnahmen zurück zu rudern, sich zu erklären, verwies darauf, dass sie ja „nur“ als „Überlebende“ des Anschlags verkleidet war und nicht als ermordetes Opfer. „Ich bin kein schlechter Mensch“, schrieb sie. Doch all das half nichts mehr. „Ich habe Voicemails bekommen, in denen mir Leute androhten, mir die Kehle durchzuschneiden, mich aufzuhängen, mein Gesicht zu zerstückeln“, erklärte sie schockiert. Und schließlich wurde ihr auch noch gekündigt, als ihr Arbeitgeber von den Photos erfuhr.

Unterdessen hat eine erneute Diskussion in den USA zu „Cyber Bullying“ begonnen. Dieser Fall wirft die Frage auf, wie weit darf Kritik gehen, wann werden Grenzen online überschritten?

 

 

 

 

Der Totalausfall der Regierung

[audio:http://blog.nz-online.de/peltner/wp-content/blogs.dir/7/files/2013/10/shutdown2013.mp3|titles=shutdown2013]

Seit Dienstag ist die amerikanische Regierung im Urlaub. Behörden sind geschlossen, Nationalparks dicht, sogar Armenspeisungen, die mit Bundesmitteln finanziert werden, fallen aus. Mehr als 800.000 staatlich Bedienstete sind in den unbezahlten Sonderurlaub geschickt worden. Kein Ende ist in Sicht. Noch verhalten sich die Amerikaner ganz ruhig, doch mit jedem Tag, an dem weiter nichts passiert, steigt der Druck auf die Politiker in Washington. Dazu der aktuelle Audiobeitrag.

Tief im Westen….

Herbert Grönemeyer in San Francisco     

…gleich am Golden Gate war es für Herbert Grönemeyer ein Heimspiel. Am vorletzten Tag seiner ersten US Tournee durch 12 Städte, machte der deutsche Superstar Halt in San Francisco. “Bimbo’s”, ein alter, traditionsreicher Club in North Beach war mit rund 600 Gästen nahezu ausverkauft. Und wie eigentlich überall auf der Tour, waren rund 80 Prozent im Publikum Deutsche, die ihren “Herbert” mal live und aus der Nähe sehen wollten.

Grönemeyer ist auf Tour durch die USA um für seine englischsprachige Platte “I walk” zu werben. Die geht zwar irgendwie unter, denn das Interesse am „deutschen Bruce Springsteen“, wie er immer wieder in Pressetexten angekündigt wird, ist in der amerikanischen Radiolandschaft mäßig. Er wolle eine neue Herausforderung, mit seiner Musik neue Hörer erreichen, meinte er im Juli am Telefon. Ihm sei aber durchaus klar, dass Amerika nicht auf ihn und seine Musik gewartet habe.

Gewartet haben die Amerikaner sicherlich nicht, dennoch, Herbert Grönemeyer lieferte ein schweißtreibendes Programm ab. Altbekanntes wechselte sich mit Songs der neuen Platte ab, er unterhielt das Publikum, erklärte einige Songs wie “Flugzeuge im Bauch”… warum eigentlich, der Großteil sang lautstark mit. Dann änderte er auch mal spontan die Setlist für ein Ehepaar, das extra aus Kanada angereist kam, um ihn live zu sehen. Im Restaurant vor dem Konzert sprachen sie ihn an und erzählten, sie hätten zu “Halt mich” geheiratet”. Herbert reagierte sofort und spielte den Song und gerade diese Nähe zu seinen Fans, seine unkomplizierte und auch direkte Art machen ihn sympathisch. Er ist nicht der entfernte Star auf der Bühne, er ist der da aus Bochum, der auch hier in San Francisco das Steigerlied singt.

Grönemeyer sang vor allem auf Englisch, ließ sich dabei auch nicht von den regelmäßigen Rufen “Sing Deutsch” aus der Fassung bringen. Die größte Stimmung kam jedoch immer dann auf, wenn “Uns Herbert” wirklich auf Deutsch sang. “Was soll das?” oder der Ewigklassiker “Bochum” waren Selbstläufer im Kreis der deutschen Gemeinde, die vom deutschen Generalkonsul bis hin zu Praktikanten der High Tech Unternehmen reichte. Er selber fand es gar nicht schlimm, dass er hier in den USA vor allem vor Deutschen spielt: „Es ist ganz schön. Meistens war es oft so, dass Deutsch-Amerikaner ihre Partner mitgebracht haben, die dann zum Teil amerikanisch sind. Das ist doch wunderschön, dass die da sind. Das sind ja genauso Amerikaner wie alle anderen auch.“ Und fügte hinzu: „Wir kommen bestimmt nächstes Jahr wieder. Wir sind selber überrascht, wie schön das ist für uns. Und wir kommen auf jeden Fall jetzt regelmäßig zurück.“

Herbert Grönemeyer kann sich nach all den Jahren im deutschsprachigen Musikgeschäft sicherlich diese Ausflüge in die USA leisten. Ob es sich finanziell lohnt, kann ihm egal sein, doch so nah wie hier war er seinem Publikum schon lange nicht mehr.

Und hier findet man das ausführliche Interview mit Herbert Grönemeyer im Vorfeld der Tour.

 

Keinen interessiert’s in den USA

Da wählen die Deutschen und keinen Amerikaner interessiert es. So kann man in etwa den Bundestagswahlkampf aus Sicht der USA beschreiben. Hin und wieder mal ein Artikel in der New York Times, einer in der Washington Post, die dann auch von anderen Tageszeitungen übernommen wird. Der Großteil der US Zeitungen unterhält ja keine eigenen Korrespondentenbüros mehr in Übersee. Das war es dann aber auch schon. An Amerika geht der Zweikampf Merkel – Steinbrück unbeachtet vorbei. Und wenn dann doch mal berichtet wird, dann geht es eher um die Möglichkeit, dass Angela Merkel Stimmen an die „Anti-Euro Partei“ AfD verlieren könnte.

Die Bundeskanzlerin ist bekannt in den USA. „Merkel good“ hört man da immer mal wieder. Merkel wird mit Europa gleich gesetzt, ihr Name ist alles, was man über Deutschland und die deutsche Politik weiß. Das Parteiensystem, die politische Vielseitigkeit, die Wahlmöglichkeit an sich ist den Amerikanern unbekannt. Eine breite Berichterstattung, wie sie in Deutschland über jeden amerikanischen Wahlkampf bis zum Abwinken passiert, ist in den USA undenkbar. Viel zu kompliziert, viel zu wenige Schlagzeilen, viel zu kurz, viel zu unglamourös. Deutschland bleibt im weiten Amerika das Land der Bayern und des Oktoberfests. Politik zwischen Euro und Energiewende paßt da nicht ins Bild. Prost!

Die beste und größte Galerie der Welt

Staub, Hitze, Dreck, kein fließend Wasser. Und selbst ein drohener Militärschlag gegen Syrien konnte 60.000 Menschen nicht davon abhalten, erneut in die Black Rock Desert in den Norden Nevadas zu pilgern. Ja pilgern, denn das jährliche „Burning Man“ Festival in der Wüste ist mehr als nur eine riesige, nicht enden wollende Party. Die Landschaft, die Menschen, das, was da passiert, ist für viele zu einer Kraftquelle geworden, die man schlecht in Worte fassen kann. Es ist leicht, „Burning Man“ als ein Treffen nackter Hippies abzutun. Doch das zeigt nur, dass man nichts von dem verstanden hat, was dort wirklich passiert.

„Burning Man“ ist ein Treffpunkt von kreativen Menschen aus aller Welt geworden, die tief beeindruckende und bewegende Kunstobjekte auf die „Playa“ der Black Rock Desert transportieren. Einige Kunstwerke sind mehrere Tonnen schwer, wie diese rund 30 Meter Stahlkonstruktion einer nackten Frau oder der heulende Wolf, tief verankert im Boden des ausgetrockneten Sees. Einiges, was hier an Kunst präsentiert wird, ist kritisch, anderes faszinierend, wieder anderes bringt mich an die Grenzen meines Kunstverständnisses. Alles ist da zum Anfassen und es ist den Elementen ausgesetzt, der Hitze und den Sandstürmen.

Andere „Burner“ kommen hierher mit Themencamps, wie in einer „richtigen“ Stadt ist hier alles zu finden. Von Diskussionsrunden mit klugen Köpfen, bis hin zu Kursen für Handwerkarbeiten, Massagen, Yoga, Rollerskating, Rechtsbeistand, Radiostationen, Bühnen, auf denen Theater gespielt, improvisiert, musiziert wird. Einige Camps haben eine sexuelle Ausrichtung, da wird alles ausprobiert und gelehrt und gezeigt…was es alles gibt(?!)… man kann teilnehmen, man muß hier aber gar nichts. Ganz unterschiedliche Menschen zieht es hierher, die alle auf ihre Weise etwas mit zurück in ihr „wirkliches“ Leben nehmen. Und sie kommen von überallher. Deutsche, Franzosen, Ungarn, Russen, Agentinier, Spanier, Südafrikaner, Tschechen, Holländer, Engländer, Kanadier….und auch aus den USA reisen sie aus allen Landesteilen an, um dabei zu sein.

Wenn man nachts tief draussen auf der „Playa“ steht, die Wohnwagen und Zelte, die Camps und Buden liegen mehrere Kilometer entfernt, über einem der klare Wüstenhimmel, es pulsiert und ist laut von den Technobeats, Lichter und Feuer blinken und züngeln, und man denkt daran, dass hier eigentlich nichts ist, als der Staub unter den Füßen. So seltsam es klingen mag, in solch einem Moment hat man ein Lächeln im Gesicht, fühlt sich durch und durch wohl.

Seit 26 Jahren gibt es nun „Burning Man“. Es ist ein Festival der Superlative. Nichts ist kommerzialisiert, es gibt keine Werbungen und Logos von bekannten Firmen. Alles  ist hierher transportiert worden, es gibt nichts zu kaufen. In die Bars und Clubs geht man mit seinem Becher und bekommt etwas zum Trinken. In den Cafes und Restaurants wird man verköstigt. „Burning Man“ findet auf vielen Ebenen statt. Man unterhält sich, lächelt, lernt sich kennen, teil das, was man hat. Und irgendwann fragt man sich, warum so ein Miteinander nur einmal im Jahr sein kann.

Der Präsident in Nöten

Wer hatte den Termin nur für Barack Obama geplant? Ein öffentlicher Auftritt in der deutschen Hauptstadt, dazu auch noch 50 Jahre nach Kennedys „Ich bin ein Berliner“ Ausruf. Und das am Brandenburger Tor. Auch dieser Ort ist bereits vergeben. Hier rief am 12. Juni 1987 Ronald Reagan die berühmten Worte: „Mr. Gorbachev, open this gate. Mr. Gorbachev, tear down this wall!“

Und nun Barack Obama mit einer eher lauen Rede, dazu noch vor ein paar tausend ausgewählten Zuhörern, die noch nicht mal alle kamen. Man erwartete etwas Historisches, etwas Aufbrandendes, etwas Vorausschauendes. Nichts davon war zu hören. In den USA wurde über den Auftritt pflichtgemäß berichtet. Obama in Berlin, abgehakt.

Die konservativen Medien allerdings, wie FOXNews, Drudgereport, Washington Times stürzten sich auf das, scheinbar, fehlende Interesse der Berliner und verglichen diesen Auftritt des Präsidenten mit der des Kandidaten Obama von 2008. Damals sprach der Demokrat vor rund 200.000 Menschen. Auch die Rede an sich wurde zerrissen. Keine Perspektive, keinerlei Bedeutung, außer Spesen nichts gewesen. Da half auch nicht der Abrüstungsaufruf. Ein Kommentator bezeichnete das als „so 80er mäßig“.

Klar, Hannity, O’Reilly, Limbaugh und Genossen (oops, falsche Wortwahl hier!) halten nicht viel von Barack Obama, doch der Auftritt vor dem Brandenburger Tor kam für den Präsidenten auch zu einer Unzeit. Daheim die Abhörskandale, die Probleme bei den verschiedensten Reformen. Auf der internationalen Bühne kein klarer Kurs des Weißen Hauses zu erkennen. Und dann fällt auch noch der Teleprompter von Obama aus. Nichts lief, wie es laufen sollte. Von einem vielbeachteten Befreiungsschlag für Barack Obama, von einem Obama, der wieder eine klare Linie vertritt fehlte jede Spur. Es war eine Reise zu Freunden, die im Wahlkampf stecken. Merkel und Steinbrück dankten für die netten Photos. Das wars. Bis zum nächsten mal Mister President!

Herbert Grönemeyer goes West

Herbert Grönemeyer is zweifellos der Superstar im deutschen Pop Zirkus. Mit seinen Balladen, seinen Hymnen und seiner Nuschelstimme hat er sich über die Jahre ganz nach oben gespielt. Seine Platten sind Eigenläufer, was er sagt wird gehört, kein Stadion im deutschsprachigen Raum ist zu groß für ihn.

An diesem Punkt in seiner Karriere braucht der Musiker Herbert Grönemeyer wohl neue Herausforderungen. Und die hat er gefunden. Einige ausgewählte Testkonzerte in den USA, die Veröffentlichung einer englischsprachigen Platte und ein bißchen Medienarbeit „overseas“ haben ihn davon überzeugt, dass er es durchaus mal hier drüben versuchen sollte.

Nun wurden die Konzertdaten für die erste Herbert Grönemeyer Clubtournee durch die USA und Kanada veröffentlicht. Am 11. September geht es in Atlanta los, am 28. September endet sie in Los Angeles.  Und wenn ich mir den Club in San Francisco ansehe, in dem das Konzert stattfinden wird, Bimbo’s, dann wird es ein beschauliches und sehr intimes Konzert werden. Also für deutsche Grönemeyer Fans wäre das ein Schmankerl, ihm mal so nahe zu kommen. Die Frage ist, ob Bono dann auch als Gast mit auf der Bühne steht.

September 11      Atlanta, GA – Buckhead Theater
September 13      Washington, DC – 9:30 Club
September 15      Philadelphia, PA – Keswick Theatre
September 16      New York, NY – Irving Plaza
September 17      Boston, MA – Wilbur Theatre
September 19      Montreal, QC – Le National
September 20      Toronto, ONT – The Opera House
September 22      Chicago, IL – Lincoln Hall
September 23      Minneapolis, MN – Cedar Cultural Center
September 25      Boulder, CO – Boulder Theater
September 27      San Francisco, CA – Bimbo’s 365 Club
September 28      Los Angeles, CA – The Fonda Theater

 

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