Da dreht sich Donna Summer im Grab herum

Mit den Toten kann man es ja machen. Der deutsche Auslandssender, die Deutsche Welle, setzt seit ein paar Jahren auf eine neue Zielgruppe. Die Jugendlichen in aller Welt sollen angesprochen werden. Dafür begeistert man sich nun auch für Rammstein, deren CDs man in den 90er Jahren noch nicht einmal mit spitzen Fingern anfassen, geschweige denn über die weltweiten Frequenzen spielen wollte. Nun gut, man denkt um. Bravo dw!

Donna Summer - the German Superstar.

Donna Summer – the German Superstar.

Gestern Abend klickte ich mal wieder durch die Sender und blieb bei Kanal 32 hängen. KMTP-TV ist ein offener Kanal in der San Francisco Bay Area, die Deutsche Welle hat sich hier Sendezeit gekauft. Und es lief PopXport, das Musikmagazin „Made in Germany“. Diesmal ging es um „The ten most successful German acts of the 70s“. Na, das ist doch ein Thema, bei dem ich gerne zuschaue und dranbleibe. Aber dann kam es. Auf Platz 10 die Scorpions, auf Platz 9 Tangerine Dream, auf Platz 8 Eruption, auf Platz 7 Les Humphries Singers, auf Platz 6 Baccara, auf Platz 5 Kraftwerk, auf Platz 4 Silver Convention, auf Platz 3 James Last, auf Platz 2 Boney M und auf dem Spitzenplatz – tata – die Nummer 1 der deutschen Acts in den 70ern setzte die Deutsche Welle Donna Summer.

So…was stimmt mit dieser Liste nicht? Wenn ich die Logik der deutschen Auslandsradiospezialisten weiter verfolge, dann müssten da eigentlich auch David Bowie, Iggy Pop, Lou Reed, Brian Eno, Mike Batt und viele andere stehen, denn die haben auch in Deutschland in den 70ern gelebt, gearbeitet, Platten aufgenommen. David Bowie veröffentlichte sogar Songs, die „Neuköln“ und „V-2 Schneider“ hießen und man denke nur daran, dass er von den „Helden für einen Tag“ sang. Also, Kollegen, deutscher geht es ja wohl nicht mehr!

Dass Deutschland in den 70er Jahren durchaus eine Rolle auf der internationalen Musikbühne spielte, ist unbestritten. Mit Frank Farian werkelte da einer der bedeutendsten und erfolgreichsten Produzenten seiner Zeit. Mit den Musicland Studios in München und den Hansa Studios in Berlin gab es weltweit geschätzte Aufnahmemöglichkeiten. Und dann gab es da auch noch eine ganze Reihe von wichtigen Bands, die international ihre Spuren hinterließen. Klar, Kraftwerk, Tangerine Dream, Can, Faust uva. Gerade deshalb braucht man die Amerikanerin Donna Summers nicht posthum und noch ein paar weitere Gruppen zu  „German acts“ umschreiben.

Liebe Deutsche Welle, das kommt einfach etwas komisch bei mir und anderen hier drüben in den USA an. Das wäre ungefähr so, als ob ich Fiddler’s Green zu einer Los Angeles Band machen würde, weil sie ihre Platte „Spin Around“ in den Sound Image Studios in LA aufgenommen haben. Ich glaube, wenn ich das damals nach meinem Studiobesuch geschrieben hätte, hätten sich wohl einige zurecht an den Kopf gefasst.

162 Mille für die Tonne

162 Millionen Dollar hat der Wahlkampf von Meg Whitman bislang gekostet. 145 Millionen Dollar hat die frühere Chefin von ebay selbst investiert. Die Milliardärin will nämlich kalifornische Gouverneurin werden, koste es was es wolle. Einziges Problem, ein Großteil der Kalifornier hält nicht gerade viel von der 54jährigen. WhitmanIn den jüngsten Umfragen liegt der Demokrat Jerry Brown mit zehn Punkten vor der Republikanerin. Unter Latinos, einem immer stärker werdenden Wählerblock in Kalifornien, führt Brown sogar mit 30 Prozentpunkten. Und auch bei Frauen liegt der derzeitige kalifornische Generalstaatsanwalt vorne.

Es sieht nicht gut aus für Meg, die kaum noch eine Chance hat bis zum Wahltag am kommenden Dienstag den lockeren Jerry zu überholen. Der hat gar nicht so viel machen müssen, um in Führung zu liegen. Whitman dagegen hat den Bundesstaat mit negativen Radio- und Fernsehspots überzogen und auch nach mehrmaligem Ruf, dies zu unterlassen, weiter gemacht. Und das scheint sich nun zu rächen. Jerry Brown dagegen ist ein alter Hase im Politgeschäft und in Kalifornien. Bereits in den 70er und frühen 80er Jahren war er für zwei Amtszeiten Gouverneur. Auch bewarb er sich mehrmals in einer „Grassroots Campaign“ um das Amt des US Präsidenten. Später dann wurde er Bürgermeister von Oakland (fragen Sie mich nicht, was ich dazu zu sagen habe!) und zuletzt kalifornischer Generalstaatsanwalt.

Brown ist mit allen Wassern gewaschen und sicher ist, auch er kann den Karren nicht aus dem Dreck ziehen, in dem Kalifornien knietief steckt. Der bevölkerungsreichste US Bundesstaat bräuchte eine grundlegende politische Reform, um wieder voran zu kommen. Doch dafür fehlt einfach eine parteiübergreifende Mehrheit. Die Wahl am Dienstag war also mehr ein weiteres Kapitel im Buch der Superlative, denn so teuer war noch keine kalifornische Gouverneurswahl.