Schwitzende Klogänger sind verdächtig

Nach den Terroranschlägen des 11. Septembers 2001 setzten die USA sogenannte „Sky Marshals“ auf inneramerikanische Flüge. Mit dieser Polizeieinheit über den Wolken sollten fortan solche Anschläge verhindert werden. Die Marshals sind bewaffnet und sollen im Ernstfall schnell und tatkräftig reagieren können.

Über den Wolken…reist „Big Brother“ mit Dir. Foto: Reuters.

Wie die Tageszeitung Boston Globe nun berichtet haben die Polizisten in 30.000 Fuss Höhe auch noch eine andere Aufgabe, als nur Filme schauend und lecker Airplane Food essend auf den Ernstfall zu warten. Bekannt wurde, dass die Marshals ihre Umgebung genauestens im Auge behalten sollen und das aufgrund einer ausgedruckten Passagierliste. Wer also Kontakte zu jemanden auf der sogenannten und strenggeheimen „No Fly“-Liste hat, wer immer mal wieder in zweifelhafte Gegenden, wie Syrien, Afghanistan, Somalia, Irak und andere „Terrornester“ fliegt, dessen Name wird auf der Passagierliste mit Leuchtstift markiert.

Und dann schreiten die Bundespolizisten zur Tat. Ganz genau wird beobachtet, was der- oder diejenige an Bord so machen. Schlafen sie oder schauen sie sich im Flugzeug um. Lesen sie in aller Ruhe oder schwitzen sie auffällig vor sich hin. Strecken sie die Beine am Sitzplatz aus oder gehen sie öfters auf die Toilette. Alles wird notiert und festgehalten. Und selbst wenn sich die Person auf dem Flug nicht als Terrorist entpuppt, wird anschließend ein schriftlicher Bericht abgegeben und archiviert. Man kann ja nie wissen.

Bürgerrechtler sehen diese nicht richterlich abgesegnete Beobachtung als eine Verletzung der Verfassung an, denn einfach so jemanden zu observieren sei nicht erlaubt. Die TSA, die „Transportation Security Administration“, die das reisende amerikanische Volk überwacht, sieht das ganz anders. Die Marshals machten eigentlich nur das, heißt es, was auch der Cop an der Straßenecke tut, er beobachtet und macht sich Notizen über auffälliges Verhalten von Passanten. Ich kann also nur froh sein, dass ich als leicht schwitzender Passagier mit Studentenblase und Zielort Krisengebiete problemlos im Flieger einschlafen kann. Ansonsten hätte ich wohl für die Flugdauer das wachsame Auge eines Federal Marshals auf mir…„I’m watching you!“

Die amerikanischen Sklavenkinder auf dem Mars

Vor einigen Jahren habe ich mit einer Frau gesprochen, die schon mehrmals auf dem Mars war. Sie erzählte, wie sie immer wieder in der Nacht von Aliens abgeholt und zum „Mother Ship“ gebracht wurde. Damit ging es dann schwuppdiwupp zum roten Planeten, auf dem die Auserwählte untersucht wurde. Pünktlich zum Sonnenaufgang war sie wieder daheim, damit niemand in ihrem Umfeld etwas von ihren nächtlichen Entführungen bemerkte.

So ein Interview ist für einen Journalisten nicht leicht, denn während man fragt und zuhört muss man versuchen sachlich und ernst zu bleiben. Aber die Frau war sich ihrer Geschichte ganz sicher. Ihre Zuhörer auf dem Kongress waren begeistert von ihren Erzählungen, ein weiterer Beweis dafür, dass Aliens schon lange unter uns sind, Dinge kontrollieren, die Menschheit versklaven wollen, die Weltregierung Realität ist.

Zwischen Märchenerzähler und Verschwörungstheoretiker – Alex Jones. Foto: AFP.

Man kann solche Geschichten als Irrsinn und Gschmarri abtun, aber Amerika lebt von solchen Stories. Einer, der das tagtäglich verbreitet ist Alex Jones mit seinen „Info Wars„, einer Webseite, einer Radiosendung, einer Fernsehsendung. Jones erreicht damit Millionen von Lesern, Zuhörern und Zuschauern. Es geht um Verschwörungen, um geheime Absprachen, um den Masterplan. Einer der ihn so richtig gut findet ist Präsident Donald Trump. Gleich mehrmals war Trump im Wahlkampf zu Gast in Jones‘ Sendung, nach seinem Wahlsieg dankte er Alex Jones und dessen Fans für ihre Unterstützung. „Dein Ruf ist unglaublich. Ich werde Dich nicht enttäuschen“, meinte Trump. Und Jones erklärt immer wieder, dass der Präsident ihm zuhöre, er seine Hinweise auf Verschwörungen und „Deep State“ Stories ernst nehme. Jones ist auch derjenige, der im Wahlkampf mit der Posse vom millionenfachen Wahlbetrug anfing. Trump glaubte ihm. 9/11 war für Jones ein „Insidejob“. Er verbreitete die „Pizzagate“ Story, in der Hillary Clinton mit einem Kinderpornoring in Washington in Verbindung gebracht wurde. Trump glaubte auch das…“people are talking“. Und jüngst meinte Jones, der Amoklauf in Newtown an der „Sandy Hook Grundschule“ sei nur ein Theater gewesen, kein Kind sei gestorben. Die damalige Regierung unter Präsident Obama habe das nur initiiert, um strengere Waffengesetze durchzusetzen. Trump widersprach nicht.

Die jüngste Story, die von Trumps Freund in die Welt gesetzt wurde geht da noch ein paar Schritte weiter. Auf dem Mars, so Jones‘ Gast Robert David Steele, werden entführte Kinder gehalten und versklavt, um deren Körper für Verjüngungskuren zu verbrauchen. Moderator Alex Jones widersprach seinem Gast nicht, sondern heizte dieses Thema nur noch mehr an: „Wir wissen ja nicht, was wirklich auf diesen strenggeheimen Missionen passiert“. Verwundern täte es nicht, wenn Donald Trump demnächst eine Untersuchungskommission in Sachen „Kindersklaven auf dem Mars“ einsetzen würde

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„Wo warst Du an 9/11?“

9/11 - Der Tag, an dem sich alles änderte. Foto: Reuters.

9/11 – Der Tag, an dem sich alles änderte. Foto: Reuters.

Diese Frage hat jeder schon gehört: Wo warst Du am 11. September 2001? Klar, niemand hat das vergessen, wo er zum ersten Mal die Bilder von den brennenden Türmen des World Trade Centers gesehen hat. Ich war daheim und wurde von Antenne Thüringen geweckt: „Sag mal, was ist denn da los bei Euch?“ Zu dem Zeitpunkt war erst einer der Flieger in die Türme geknallt. Als ich dann den Fernseher anmachte, flog gerade das zweite Flugzeug ins WTC. Damit war klar, alles wird sich ändern.

Amerika stand auf einmal im Krieg, wurde angegriffen und vorgeführt von einer Handvoll Terroristen. Die stärkste Armee der Welt hilflos, das große Ego gekränkt, der Glaube an die Unverwundbarkeit Amerikas fand ein jähes Ende. Seitdem ist alles anders. Die USA haben nicht nur Billionen an Dollar im Krieg gegen den Terror verpulvert, sie haben auch ihre Leichtigkeit verloren. Von den Folgen der militärischen Einsätze in Afghanistan und im Irak brauche ich nicht reden, darüber wurden viele Bücher und Artikel geschrieben und in den sozialen Medien hat jeder eine Meinung über deren Sinn und Unsinn.

Was ich mit 9/11 verbinde, sind vor allem die Veränderungen, die diese Attacken mit sich brachten. Seit diesem Tag im September 2001 bestimmt die Angst die amerikanische Politik und das Leben in diesem Land. Überall, so scheint es, lauern die Bösen, nur darauf wartend, endlich loszuschlagen. Im derzeitigen Wahlkampf sieht man ganz deutlich, was 9/11 mit den USA gemacht hat. Der republikanische Kandidat, Donald Trump, baut seine gesamte Kampagne auf die Angst vor den anderen auf. Er will Amerika abschotten, sichern, das Militär stärken, Muslime nicht ins Land lassen. Er schürt die Angst vor den Fremden, den Ausländern, redet davon, Amerika wieder „great“ zu machen. Was er damit meint ist unklar. Zumindest ist es nicht das, für was Amerika einmal stand, einmal vor 9/11: Jene Leichtigkeit, Lockerheit, leben und leben lassen, die den „American Way of Life“ ausmachten

Die Angst vor den Terroristen ist sicherlich real und dann doch auch so abstrakt. Es lähmt das Leben hier, es bestimmt den Alltag. Eigentlich überall. Wohin man auch geht und fährt und reist wird man an die Terrorgefahr erinnert. Nicht nur auf den Flughäfen der Metropolen, sondern selbst in abgelegenen Kleinstädtchen, die kein Terrorist je auf einer Landkarte finden würde wird vor der Terrorgefahr gewarnt. Sogar in entlegenen Nationalparks habe ich Warnschilder gesehen. Macht das Sinn? Nein, macht es nicht. Aber das ist nun das Leben im Post-9/11 Alltag der USA.

Der Präsident im Verschwörungstheoretikerclub

Hitler lebt noch, die Mondlandung gab es nie, die Außerirdischen sind unter uns. Und hinter allem steckt die geheime Weltregierung, die uns nicht die Wahrheit sagen will. Ich weiß nicht, wie Donald Trump die gerade genannten Beispiele bewertet, aber er ist mit Sicherheit einer der größten Verschwörungstheoretiker, dem zugehört und auch noch applaudiert wird.

Donald Trump weiß auf alles eine Antwort. Foto: AFP.

Donald Trump weiß auf alles eine Antwort. Foto: AFP.

Trumps Wahlkampf ist von unzähligen unsäglichen Theorien durchzogen. Nach wie vor glaubt er nicht, dass Barack Obama in den USA geboren wurde. Man erinnere sich an die Geburtsurkundenepisode von 2008. Doch das ist nur ein kleiner Nebenschauplatz für Donald Trump. Er hinterfragt alles, auch wenn es noch so absurd ist. Der König der Tweets erklärte: „Die USA müssen sofort alle Flüge aus EBOLA infizierten Ländern stoppen oder die Seuche wird sich innerhalb unserer Grenzen ausbreiten. Sofort!“. Danach dann die Ergänzung: „EBOLA verbreitet sich leichter als CDC und Regierungsvertreter zugeben“. CDC sind die „Centers for Disease Control“, eine Einrichtung für die öffentliche Gesundheit in den USA. Trump will hart durchgreifen, auch wenn das bedeutet hätte, dass keine Hilfsflüge mehr für die Menschen in Guinea, Sierra Leone und Liberia möglich gewesen wären. EBOLA hätte sich ungebremst ausbreiten können.

Das ist nicht der einzige Fall, in dem der Immobilienmogul Trump den Wissenschaftlern und Experten Unvermögen, Unkenntnis und Untätigkeit vorwirft. „Ein gesundes Kind geht zum Arzt, wird vollgepumpt mit mehren Spritzen an Impfstoffen, fühlt sich danach nicht gut und anders – Autismus“, so Trump auf der Wahlkampfbühne. „Die Ärzt lügen.“ „So viele Leute mit autistischen Kindern haben mir gedankt – unglaubliche Resonanz. Sie wissen es besser als gefälschte Berichte“.

Donald Trump weiß es einfach besser, er weiß es immer besser, er hat auf alles und auf jeden eine Antwort. Und sei sie noch so balla-balla. Die mexikanische Regierung schicke „die ganz schlimmen Verbrecher über die Grenze, denn sie wollen nicht selbst dafür zahlen“, meinte er und führt als Quelle seiner Information Grenzbeamte an, „die lieber nicht namentlich genannt werden wollen“.

Sowieso hat der Millardär kein Problem dubiose Quellen für seine Verschwörungstheorien anzugeben. So erklärte er im Wahlkampf, „Tausende von Moslems“ hätten von New Jersey aus, jubelnd den einstürzenden Türmen des World Trade Centers zugesehen. Diese Information habe er von der Webseite Infowars, die von Alex Jones geführt wird, einem der größten Verschwörungstheoretiker in den USA. Jones meint ganz offen, dass die US Regierung selbst hinter den 9/11 Anschlägen steht. Trump ist das nicht zu doof und ergänzte sogar, im Falle seines Wahlsieges werden wir alle „erfahren, wer wirklich das World Trade Center zum Einsturz gebracht hat“.

Trump kommentiert alles und immer mit einem Fragezeichen am Ende. Zum Tod des politisch eher rechts orientierten Verfassungsrichters Antonin Scalia bestach der Donald mit seiner eigenen Sicht der Dinge: „Sie sagen, man habe ein Kissen auf seinem Gesicht gefunden, was ein ziemlich ungewöhnlicher Ort ist, ein Kissen zu finden“. Hinter diesem Satz steckt die Anschuldigung, dass liberale Kräfte im Land, dem verhassten Verfassungsrichter das frühzeitige Ende gebracht haben. Egal, ob die Ermittlungen der Polizei und des FBI zu einem anderen Ergebnis kommen und von einem natürlichen Tod sprechen.

Donald Trump will Amerika wieder „great“ machen. Falls er wirklich den Sprung ins Oval Office schaffen sollte, dann werden die kommenden Jahre mehr als „unterhaltsam“. Als Korrespondent wird es mir dann mit Sicherheit nicht langweilig werden.

Die USA sind mehr als Donald Trump

2001 gab es noch kein facebook. Damals bekam ich Mails und las auf diversen Online-Foren mit. Die Stimmung war nach dem Wahlausgang 2000 eindeutig. Das bestärkte sich nur noch, als George W. Bush den Einmarsch in den Irak anordnete. Eine Anti-USA Stimmung machte sich breit. Freunde und Bekannte in Deutschland meinten, sie werden erst einmal nicht mehr in die USA reisen. Bush = USA, so die seltsame Gleichung.

Die gleichen Töne höre ich nun wieder. Diesmal ist es Donald Trump, der für Amerika steht. Trump der wutschnaubende Rassist mit der Fönwelle, der gegen Mexikaner, Frauen, Schwule, Moslems und alle wettert, die ihn kritisieren. Er repräsentiere die USA ist die Aussage von einigen. Doch Trump ist weder die USA, noch unterstützt eine Mehrheit seine wahnwitzigen Ideen.

sept11In Umfragen liegt er im republikanischen Feld vorne, das stimmt. Doch man sollte sich diese Zahlen einmal genauer ansehen. Umfragen werden telefonisch durchgeführt. Ein paar Hundert registrierte republikanische Wähler werden dabei befragt. Keine große Zahl, wenn man bedenkt, dass 30 Prozent von 500 Wählern gerade mal 150 Trumpstimmen sind. Doch die USA und die Welt reagiert: Wie kann man nur Mister Dreiwettertaft wählen?

Auch bleibt außen vor, dass bei jeder Wahl eine Minderheit der Amerikaner überhaupt wählen geht. Was bedeutet, eine absolute Mehrheit steht nicht für das, was George W. Bush anrichtete und auch nicht für das, was ein Donald Trump anrichten könnte. Amerika ist viel mehr als nur das Bla-Bla aus dem Washingtoner Politzirkus. Vielleicht stören mich nach über 19 Jahren in den USA diese facebook Aussagen, die negativen Kommentare nun mehr. Das kann durchaus sein. Vielleicht bin ich in all den Jahren ein stückweit auch Amerikaner geworden. Trump spricht nicht für mich, steht nicht für das Amerika, das ich zu schätzen und zu lieben gelernt habe, von dem ich noch immer fasziniert bin.

Amerika ist Nationalparks, ist die Weite des Westens, die Golden Gate Bridge. Ist Woody Guthrie und Pete Seeger, Johnny Cash und Bob Dylan. Ist „Free Speech -„, „Labor -„, „Women’s -“ „Gay -“ und „Civil Rights Movement“, ist Care und USAid. Ist Whiskey, Tequila, guter Wein und so la-la Bier. Amerika ist eine multikulturelle Gesellschaft, in der es viele Stimmen, Gesichter, Ansichten und, ja, auch Probleme gibt. Ich muß Amerika nicht schön reden, das will ich gar nicht. Ich kenne die Narben und die offenen Wunden dieses Landes und dieser Gesellschaft, der amerikanischen Geschichte und der Gegenwart. Amerika ist nicht schlechter oder besser als andere Länder. Es ist nicht „God’s Country“ und es ist auch nicht der verhasste „Satan“. Die USA sind ein faszinierendes Land, waren es und werden es auch bleiben. Der „American Way of Life“ hat immer wieder Menschen hierher gebracht. Als Immigranten, als Flüchtlinge, als Touristen. Dieses Land ist voller Widersprüche, voller offener Fragen. Gerade das macht Amerika auch aus. Hier der Größenwahn, dort die kleine Geste, die einen lächeln läßt. Ja, ich liebe dieses Land. Als Deutscher, der hier ein neues Zuhause gefunden hat. Irgendwo hänge ich zwischen den Kulturen, den Sprachen. Und ich muß sagen, genau das ist für mich eine Bereicherung geworden. Ein Donald Trump ist da nur der Kasperl in der amerikanischen Version der Augsburger Puppenkiste.

Was kommt als nächstes?

IS in Amerika. Der Krieg hat die USA erreicht. Waren die Anschläge vom 11. September noch gegen Prestige Objekte in New York City und Washington DC gerichtet, ist mit der Massenschießerei in San Bernardino der Terror in die amerikanischen Nachbarschaften eingezogen. Die Tat mit 14 Toten und 17 Verletzten ist nichts im Vergleich zu Selbstmordanschlägen in Bagdad und der jüngsten IS-Attacke in Paris. Und doch wird das Blutbad vom Mittwoch weitreichende Folgen haben.

Mit dem Ende der Schießerei in San Bernardino beginnt ein neues Kapitel im "Krieg gegen den Terror". Foto: Reuters.

Mit dem Ende der Schießerei in San Bernardino beginnt ein neues Kapitel im „Krieg gegen den Terror“. Foto: Reuters.

Amerika wurde da getroffen, wo man es nicht für möglich gehalten hatte. Im Heartland, im Hinterland, fernab der Washington Mall, der 5th Avenue, der Golden Gate Bridge, der Oscar Preisverleihung, des Superbowls. Eine Veranstaltung in einer Behinderteneinrichtung war das Ziel. Die Botschaft ist klar, niemand und nirgendwo kann man sich mehr sicher fühlen. Überall kann es passieren. Jetzt und gleich.

Und es war eben kein Attentäter aus Syrien, aus dem Irak oder Afghanistan. Es war ein Amerikaner, ein hier geborener US Bürger moslemischen Glaubens. All die Schutzmaßnahmen nach 9/11, die unbegrenzte Sammlung an Abhördaten aus dem internationalen Telefon- und Internetverkehr, die Beschneidung der Bürgerrechte in den USA, all das hat am Ende nichts gebracht. Jedenfalls keine absolute Sicherheit, an die viele Amerikaner glaubten. Was nun folgen wird ist klar. Jeder Moslem wird zum Verdächtigen, jede Moschee, jeder Islamcenter, jedes von Moslems geführte Geschäft wird überwacht werden. Amerika befindet sich seit dem 11. September 2001 im Krieg. Ein Krieg, der bislang in Übersee geführt wurde, weit weg vom Alltag der Amerikaner, irgendwo da drüben hinter dem großen Wasser und den Bergen. Nun ist er heimgekommen, ganz offen, blutig und brutal. Der von den USA entfesselte und planlose Irakkrieg hat am Ende eine radikal extremistische und verblendete Religionstruppe geschaffen. Die Geister, die man rief.

Es war also nur eine Frage der Zeit, bis es auch hier passiert. San Bernardino könnte überall in den USA sein. Es war der erste Terrorangriff des IS in den USA. Es wird wohl nicht der letzte geblieben sein.

Trump der Brandstifter

Donald Trump hat in den USA einen neuen Beinamen bekommen: Pinocchio. Eigentlich müßte seine Nase Tag für Tag weiter wachsen. Trump ist ein moderner Münchhausen, ein Lügenbaron. Allerdings einer der ganz gefährlichen Sorte. Sein Ohr ist ganz nah an Volkes Stimme, zumindest an einem sehr lautstarken Teil der Amerikaner. Nennen wir sie in Anlehnung an die dumpfen Töne der sächsischen Pegida PAGIDEN (Patrioten Amerikas Gegen die Islamisierung der Neuen Welt).

Donald Trump will Präsident werden und um dahin zu kommen, geht er über Leichen. Er pöbelt, wütet, lügt. Trump wird immer mehr zu einem gesellschaftlichen Zündler. Seine Themen- und Wortwahl wird immer gefährlicher. Jüngstes Beispiel, Trump erklärte, er habe nach den Terroranschlägen vom 11. September mit eigenen Augen gesehen, wie Tausende von Moslems in New Jersey den Einsturz des World Trade Centers feierten (siehe Video unten). Darauf später von einem Reporter angesprochen, der meinte, die Polizei habe darüber überhaupt keine Informationen, antwortete Trump, er habe das mit eigenen Augen gesehen….im Fernsehen.

Donald Trump macht Politik, gefährlich und ohne Skrupel. Nach den Terrorattacken von Paris sind die Amerikaner mehr als nervös. Die republikanischen Kandidaten und viele GOP Gouverneure weigern sich, syrische Flüchtlinge aufzunehmen. Trump hört genau hin, erkennt die Stimmungslage und setzt noch einen drauf. Mit Horrorszenarien von islamistischen Flüchtlingen, Radikalen, die nur darauf warten in den USA zu bomben punktet er. Und nun noch die jubelnden Moslems nach dem Trauma 9/11.

Trump kann sich dabei sicher sein, Unterstützung zu finden, denn die PAGIDEN in den USA bestimmen genauso wie die Pegiden in Deutschland die Diskussion. Donald Trump, der gesellschaftliche Zündler, der damit wohl über Leichen gehen wird, um ins Weiße Haus einziehen zu können. Der amerikanische Wahlkampf hat damit eine gefährliche Wende genommen.

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Ein Tag, den man nicht vergisst

Heute war ich mit meinem Hund im Wald laufen. Ich war frustriert und genervt, wollte unbedingt Energien abbauen. Und dann verlor ich auch noch den Autoschüssel, also zurück auf dem gleichen Weg und glücklicherweise fand ich ihn. Käthe kuckte mich an und ich sie und wir liefen wieder los. Ich dachte daran, wie das vor 14 Jahren war.

Am 11. September 2001 klingelte mich morgens Antenne Thüringen aus dem Bett. „Was ist denn bei Euch los?“, fragte mich der Redakteur. Keine Ahnung, meinte ich, ich habe noch geschlafen. „Dann mach mal den Fernseher an“. Erst sah ich den qualmenden Turm des World Trade Centers im Live-TV und dann kam der zweite Flieger. Die Welt veränderte sich in diesem Moment.

Ich ging die Treppe hoch ins Gästezimmer und weckte eine Freundin, die gerade hier zu Besuch war. „Du mußt das sehen“, meinte ich nur. Sie zog sich ihren weißen Bademantel über, kam runter in die Küche und setzte sich an den Tisch. Ich sehe sie noch heute da sitzen. Fassungslos, die Kaffeetasse in der Hand, immer wieder den Kopf schüttelnd. „Das gibt es doch nicht!“

Für mich begannen ein paar stressige Wochen. Bericht nach Bericht für die verschiedensten Sender. In den Anfangstagen nach der neuen Zeitrechnung schlief ich gerade mal ein paar Stunden, wenn das Wachbleiben gar nicht mehr ging. Ich bekam Mails und Anrufe von Freunden und Bekannten, die mir sagten, ich solle den Amerikanern erklären, dass man in Deutschland sehr an sie denke. Es waren ehrliche Gefühle der Verbundenheit.

Warum ich all das hier schreibe? Ich habe in meinen 47 Jahren zwei Ereignisse bewußt erlebt, die geschichtlich einschneidend waren. Und ich kann mich bei beiden daran erinnern, wo ich war, was ich gedacht habe, was in mir vorging. Es war der Fall der Mauer in Berlin, es waren die Terroranschläge des 11. Septembers. Beides hat die Welt verändert. Alles war danach anders. Hier die Hoffnung und die Freude, dass mit dem Abbau von Grenzen die Welt zusammen rücken würde. Dort die Taubheit und das Bewußtsein darüber, dass nichts mehr so bleiben wird, wie es war. Fassungslos war ich am 9. November und auch am 11. September. Es waren solch große Ereignisse, bei denen man umgehend spürte, das alles, was man da sieht und erlebt weitreichende Folgen haben wird.

In den USA spricht man von einer Zeitenrechnung vor und nach dem 11. September 2001. Das ist traurig, das ist aber so. Ich bin nur froh, dass ich Amerika noch entspannter kennenlernte. Denn so werde ich nicht vergessen, was man hier im Namen der nationalen Sicherheit aufgegeben, verloren, ja, fast vergessen hat.

Der Mayor is‘ a Depp

Rudy Giuliani fällt nur noch mit unnötigen Sprüchen auf.

Rudy Giuliani fällt nur noch mit unnötigen Sprüchen auf.

Der Spruch „Der Club is‘ a Depp“ ist einmalig gut. Und manchmal läßt er sich auch auf andere Personen oder Sachverhalte ummünzen. Wie zum Beispiel auf „Mister 9/11“, den früheren Bürgermeister von New York City, Rudy Giuliani. Der hat nun während eines Treffens mit konservativen Spendern und dem potenziellen republikanischen Präsidentschaftskandidaten, Scott Walker, erklärt; „Ich glaube nicht, und ich weiß es ist schrecklich, das zu sagen, ich glaube nicht, dass der Präsident Amerika liebt. Er liebt Sie nicht. Und er liebt mich nicht. Er wurde nicht so erzogen, wie Sie und ich erzogen wurden, dieses Land zu lieben“. Wenn man sowas hört, da fällt einem gleich der Clubspruch ein, oder?

Später dann versuchte Giuliani das ganze im Frontsender FOXNews zu relativieren, doch hielt an seiner grundsätzlichen Kritik fest. Obama rede zu oft Amerika schlecht. Ganz anders zu seinen Vorgängern, wie Ronald Reagan oder auch Bill Clinton. Obama sei vielmehr ein Amerika Kritiker als ein Amerika Unterstützer.

Rudy Giuliani, der eigentlich in jeder Rede von seinen Heldentaten des 11. Septembers spricht, und den konservativen Kommentatoren von FOXNews stößt auch auf, dass Barack Obama nicht vom „islamistischen Terror“ sprechen will. Auf einer Konferenz gegen Extremismus machte der Präsident erneut klar, dass Amerika nicht gegen den Islam kämpfe. Vielmehr gegen Terroristen, die sich hinter der Religion versteckten. FOXNews Anchor Man Sean Hannity geht das gegen den Strich. Er will klare Ansagen von Obama, die Terrorangriffe sollten doch bitteschön auch als islamistische Terrorangriffe benannt werden. Hannity sieht es deshalb wie Giuliani, Obama sei kein patriotischer Amerikaner.

America on high alert!

Was derzeit in Paris passiert, wirft auch einen Schatten auf die USA. So ganz nebenbei sind die Vereinigten Staaten von Amerika schon lange im Ausnahemzustand. Das bekommt man im Alltag nicht so offensichtlich mit, doch klar ist, die Sicherheitsbehörden, die Geheimdienste und Geheimausschüsse überwachen, kontrollieren, sammeln. Mehr als eine Million Namen sind auf den Terrorlisten der Amerikaner vermerkt. Fast 70.000 Personen können und dürfen in den USA nicht fliegen, sie stehen auf der sogenannten „No Fly“ Liste.

Die Attentäter von Paris auf der Flucht.

Die Attentäter von Paris auf der Flucht.

Was die Vorfälle in Paris für die US Bürger und die hier lebenden Ausländer bringt, ist eine weitere Verschärfung dieser Sicherheitslage. Es wird noch mehr kontrolliert und überwacht, Informationen gesammelt werden. Alles für den sogenannten Krieg gegen den Terror. Und sicherlich werden die Amerikaner da auch nicht Halt vor internationalen Grenzen machen. Das zeigt die Erfahrung. Informationen, da ist man sich in Washington über die Parteigrenzen hinweg einig, bedeuten eine vermeintliche Sicherheit vor Massakern, wie sie nun in Frankreich geschehen sind.

Sicherheitsbehörden betonen, dass es in den USA nicht die Frage ist, ob ein solcher Anschlag geschehen wird, sondern wann und wo. Die großen Städte sind gesichert, zumindest glauben das Bürger und Besucher. Immer wieder wird von republikanischer und demokratischer Seite betont, dass es seit dem 11. September 2001 keinen größeren Terrroanschlag im Land gegeben hat. Vieles wurde bereits im Vorfeld verhindert, heißt es. Was, das wird nicht bekannt gegeben. Wo, das wird nicht gegeben. Von wem, auch das wird nicht bekannt gegeben. Alles streng geheim, man muss es einfach glauben, was einem da aus Washington erzählt wird.

Die Anschläge auf die Redaktionsräume von „Charlie Hebdo“ haben in den USA zu einer heftigen Diskussion über die Politik Barack Obamas geführt. Er plant ganz offen das Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba schließen zu lassen, in dem noch immer Dutzende von Terrorverdächtigen interniert sind. Obama will die Gefangenen vor amerikanischen Gerichten aburteilen lassen oder sie abschieben. Darüberhinaus sollen alle Gefängnisse der CIA und amerikanischer Geheimkommandos weltweit geschlossen werden. Die Erzkonservativen im Land sehen das als ein Zeichen der Schwäche. Die USA und ihre operativen Einsatzkräfte bräuchten genau diese Möglichkeiten der Verhaftung, der „Befragung“ und der „Verhöre“, erklären sie auf dem Nachrichtensender FOXNews. Mit Terroristen, so heißt es, dürfe man nicht anders umgehen, denn die wollten Amerikaner und den „American Way of Life“ zerstören.

Amerika befindet sich im Krieg. Ohne wenn und ohne aber. Es ist ein teurer Krieg, der letztendlich nichts einbringen wird, außer die Gewaltspirale weiter zu treiben. Jeder Versuch, diesen Krieg gegen den Terror mit noch mehr Kontrolle und noch mehr Gewalt zu gewinnen, wird zu nichts führen. Denn seien wir mal ehrlich, regelmäßig geschehen in den USA Massaker. Irgendeiner dreht durch, will Aufsehen erregen, sich rächen oder was auch immer ihn antreibt und erschießt Kollegen am Arbeitsplatz, Mitschüler und Mitstudenten an High Schools und Universitäten, Einkaufende in „Shopping Malls“ oder ballert einfach mal so durch die Gegend. Danach war eigentlich immer klar, der Todesschütze war bereits bekannt, auffällig, in den Akten aufgeführt. Verhindert wurde nichts. Die Frage muß gestellt werden, warum nicht? Schaute man bewußt weg oder konnte (wollte) man die Schlußfolge zwischen der Auffälligkeit und der Bewaffnung nicht ziehen.

Wenn ich mir diese alltäglichen (!) Fernsehnachrichten in den USA ansehe, von Schießereien, Morden, getöteten Polizisten, Amokläufen in der Zeitung lese, dann frage ich mich, wie man in Washington terroristische, sprich radikal islamistisch motivierte Attentate verhindern will. Im Sammeln von Daten scheint man sich in den USA gut auszukennen, an der Auswertung genau dieser hapert es wohl, wie man innenpolitisch immer wieder erkennen muß. Es ist also nicht eine Frage ob, sondern wirklich nur die Frage, wann und wo es hier passieren wird.