Und hier kommt der Nächste

Immer mal wieder versuchen es deutsche Musiker und Bands in den USA groß rauszukommen. Doch bislang haben es nur ganz wenige geschafft. Klar, da sind die Scorpions, da ist Kraftwerk, da ist Rammstein, die man hier drüben als Superstars feiert. Interessant bei Rammstein ist, dass sie es mit deutschen Texten geschafft haben. Sie haben sich nicht verbogen und verdreht, um es im Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu packen. Sie blieben sich und ihrer Musik treu.

Andere Bands und Musiker touren viel durch die USA, sind veröffentlicht und haben auch ihre Fangemeinde. Ich denke an Blind Guardian, an Accept, an Kreator, an die Einstürzenden Neubauten, an Faust und auch an KMFDM, an zahlreiche deutsche Krautrock und Elektro Acts. Viele deutsche Independent Bands sind ebenfalls veröffentlicht und auf Tour. Sie alle haben ihre Nische gefunden und sind damit zufrieden.

Doch es gibt Großangriffe, die nicht funktionieren (können). Tokio Hotel wurden von ihrer Plattenfirma gehypt. Namhafte Konzerthallen, wie das Fillmore in San Francisco, gebucht, Tickets billig verkauft, um die Hallen zu füllen, und jedem Konzertbesucher ein Poster überreicht, darauf, wie hier, „Tokio Hotel in San Francisco“. Der angepeilte Erfolg blieb aus. Im Konzert riefen viele junge Mädchen „sing German“, doch die netten Jungs von Tokio Hotel spulten ihr Programm vor allem auf Englisch runter.

Herbert Grönemeyer spielte live in San Francisco im legendären Bimbo's Club in North Beach.

Herbert Grönemeyer spielte live in San Francisco im legendären Bimbo’s Club in North Beach.

Ähnlich verlief es mit Herbert Grönemeyer. In Deutschland kann er tun und lassen, was er will. In den USA fiel er kaum auf. Seine englischsprachige Platte „I walk“ wurde groß angekündigt, Interviews liefen sogar auf National Public Radio mit ihm, denn Grönemeyer brachte den Superstarnamen aus Deutschland mit, war bekannt durch den Klassiker „Das Boot“ und sein Duett mit Bono auf der Debut Platte schadete seinem Ansehen auch nicht. Herbert Grönemeyer erklärte mir im Interview, dass er den Versuch in den USA gelassen sieht. Und tatsächlich, er verwirklichte sich wohl eher einen Traum. Auch in seinen Konzerten waren vor allem Deutsche, die ihn einmal in Clubatmosphäre und nicht im großen Stadion oder auf einer Anti-Pegida Demo sehen wollten. Auch sie riefen „Herbert, sing Deutsch“, doch auch Grönemeyer blieb fast nur beim Englischen.

Und jetzt kommt der Rapper Cro über den großen Teich. Seine Single „Traum“ wird nun neu und englischsprachig veröffentlicht, ein US Magazin riet seinen Lesern auf eine Reihe internationaler Rap Musiker zu achten, dabei kam Cro sogar auf Platz zwei. Und er selbst zeigt sich durchaus angetan, erklärte er in einem Interview, dass er nun die Chance hat, im Geburtsland des Hip Hop mal einen abzurappen. Die Erfolgsaussichten sind allerdings auch bei Cro gering.

Deutsche Musiker und Bands haben meiner Meinung und Einschätzung nach nur dann in den USA eine wirkliche Chance, wenn sie etwas ganz anderes liefern, als der größte Musikmarkt schon selber hat. Jene Gruppen, die es hier irgendwie geschafft haben einen Fuß in die Tür zu bekommen, sind das beste Beispiel dafür. Die Liste ist lang und vielseitig. Doch Tokio Hotel, Herbert Grönemeyer und auch Cro sind bei dem, was sie machen gut, aber sie können in den USA auch nicht annähernd den gleichen Erfolg feiern, den sie daheim haben.

YouTube Preview Image

Deutsches Metal Paket auf Tour

      Interview mit Wolf Hoffmann und Mille Petrozza

Wenn man über Metal Musik spricht, dann fallen vor allem englische und amerikanische Bandnamen. An deutsche Acts denken die wenigsten. Doch etliche Bands aus deutschen Landen haben international Rockgeschichte geschrieben, eine weltweite Fangemeinde zwischen Los Angeles und Tokio aufgebaut und in ihren Untergenres maßgeblich andere Musiker beeinflußt.

Nun haben sich Accept und Kreator zusammen getan, um gemeinsam die USA und Kanada aufzurollen. Ab dem 5. September stehen 23 Konzerte auf dem Tourplan, von der Ost- zur Westküste, kreuz und quer geht es durch Nordamerika. Accept spielen seit fast 40 Jahren in ihrer eigenen Liga. Kreator sind Pioniere des Thrash Metal und sind seit 30 Jahren im Business.

Für ein Interview konnte ich Wolf Hoffmann von Accept und Mille Petrozza von Kreator per Skype erreichen, das erste gemeinsame Interview mit den beiden deutschen Metal Heroen.

Teutonische Terror Attacke

„Teutonic Terror Attack“ ist der Titel eines lautstarken Pakets. Die deutschen Hard Rock Heroen von Accept haben sich mit den Thrash-Metal Pionieren von Kreator zusammengetan, um im September von der amerikanischen Ostküste Richtung Westen zu rocken. Ein paar Abstecher nach Kanada sind dabei auch eingeplant. Erdbeben an verschiedenen Orten sind dabei garantiert.

„Endlich hat es geklappt mit so einer Tour“, erklärte er mir die Managerin von Accept Gaby Hoffmann, ihres Zeichens Frau von Gitarrist Wolf Hoffmann und langjähre Accept Begleiterin, Song Schreiberin (u.a.“Balls to the wall“) und „Driving Force“ hinter der Accept Reunion. „Mein Konzept – das ganze als Visitenkarte des German Heavy Metals zu verkaufen „greift“ !! 2 Bands…Väter und Söhne könnte man fast sagen,  sind im Augenblick an der Spitze Ihrer Karriere angelangt – Kreator, die jüngeren, die nach ACCEPT gekommen sind – beide Bands aus dem Ruhrpott  – woher denn sonst,  auch die englische Version der harten Gangart kam auch alles aus dem dortigen Industriegebiet – sind auf ihre Art bahnbrechend gewesen wie ACCEPT vor ihnen und beide Bands stehen für einen felsenfesten Trend, MARKE BÄRENSTARK!“

Da kann man nichts hinzufügen, nur, dass sich die amerikanischen Heavy Fans auf ein wahrhaft teutonisches Metal Spektakel einstellen sollten. Es wird laut!!!

YouTube Preview Image YouTube Preview Image

TEUTONIC TERROR ATTACK!!!!!

09/05/12 Howard Theater – Washington, D.C.

09/06/12 The Trocadero – Philadelphia, PA

09/07/12 Best Buy Theater – New York, NY

09/08/12 The Palladium – Worcester, MA

09/10/12 Metropolis – Montreal, QC – CANADA

09/11/12 Imperial de Quebec – Quebec City, QC – CANADA

09/12/12 Phoenix Concert Theatre – Toronto, ON – CANADA

09/14/12 Newport Music Hall – Columbus, OH

09/15/12 Mojoe’s – Joliet, IL

09/16/12 The Beaumont Club – Kansas City, MO

09/18/12 Gothic Theater – Englewood, CO

09/19/12 The Complex – Salt Lake City, UT

09/21/12 Rickshaw Theater – Vancouver, B.C. – CANADA

09/22/12 Showbox at the Market – Seattle, WA

09/23/12 Roseland Theater – Portland, OR

09/25/12 The Grand Ballroom – San Francisco, CA

09/26/12 The Avalon – Hollywood, CA

09/27/12 The Grove – Anaheim, CA

09/28/12 Marquee Theatre – Tempe, AZ

09/30/12 Emo’s East – Austin, TX

10/01/12 Trees – Dallas, TX

10/02/12 House Of Blues – New Orleans, LA

10/04/12 Tremont Music Hall – Charlotte, NC

You’re never too old for Metal

Im Vorverkauf lief es nur schleppend an, doch dann war am Donnerstagabend der „Regency Ballroom“ in San Francisco dennoch gut gefüllt. Nicht ganz voll, aber die Bude war am Kochen. Schon komisch, dass in diesem Ballsaal mit Stuckdecke und Kronleuchter immer wieder deutsche Heavy Combos auftreten. Zuvor hatte ich hier schon KMFDM gesehen und nun eben Accept. Ja genau, jene Accept, die mit „Balls to the wall“ und „Fast like a shark“ die 80er aufgerollt haben.

Nun haben sie nach längerer Pause einen neuen Sänger in dem Amerikaner Mark Tornillo gefunden. Ich weiß auch nicht warum, aber Accept scheinen am liebsten mit kleinen, aber stimmgewaltigen Frontmännern auf der Bühne zu stehen. Tornillo hatte große Schuhe zu füllen, wobei ihm die alleine von der Körpergröße her betrachtet sicherlich spielend passen. Mit Udo Dirkschneider wurde die Messlatte sehr hoch gelegt. Doch der neue am Mikrofon hat die Power und die Stimmgewalt, um locker die Hard Rock Hymnen wie „Princess of the dawn“ rüber zu bringen.

Die fünf da vorne auf der Bühne sind keine jungen Knaben mehr. Doch die vielen Jahre „on the road“ merkt man ihnen nicht an. Ganz im Gegenteil, sie haben Spass an der Sache, es scheint sogar, die lange Pause hat ihnen gut getan. Frisch erholt spulen sie die Tour und ihre Songs ab. Mal was altes, viel neues, eine exzellente Mischung. Headbangen, Gitarrensoli, Posen…Accept spielen die Rohversion des Hard Rock, so wie er sein muß, so wie er klingen muß, so wie er mich und die rund 500 Fans schon immer begeisterte. Und die Band zeigt, dass man für Metal niemals zu alt ist. Auch das Publikum ist größtenteils in die Jahre gekommen. Graue Langhaarige mit Kutten und Metal Shirts, aber jeder hatte einen Klasse Abend mit den deutschen Hard Rock Heroen, die ihr Handwerk noch immer bestens verstehen.

„Hey, Hey – Ho, Ho“

Nein, ich war nicht beim Fußball, ich komme gerade vom „Max Raabe &  Palastorchester“ Konzert zurück. Im wunderschönen alten Paramount Theatre in Oakland begeisterten sie ein fast volles Haus. Toll, einfach nur toll. Auch wenn man sich bei so einem Konzert etwas jung vorkommt – und ich bin auch nicht mehr der jüngste – ich kannte fast alle Lieder. Zum einen liegt das sicherlich daran, dass ich viel Musik aus den 20er und 30er Jahren hier in meiner Sammlung habe. Zum anderen aber auch an meinem Vater, der beim Abtrocknen und beim samstäglichen Bratkartoffel mit Gurkensalat zubereiten immer vor sich hin sang und flötete, bis meine Mutter sagte „Jetzt hör aber mal auf“.

Präsentiert wurde das Konzert von SFJazz, dem deutschen Generalkonsulat und dem Goethe-Institut. Neben vielen Amerikanern kamen auch unzählige von Deutschen, teils im 20er/30er Jahre Outfit. Und eben dieser grau melierte Herr schräg hinter mir, der immer wieder ganz begeistert „Hey, Hey – Ho, Ho“ von sich gab. Keine Ahnung warum, aber nach dem dritten mal, nervte er gewaltig. Dann war da noch die ältere Dame in meiner Reihe, die sowas von falsch mitklatschte…. Doch Max Raabe ließ sich nicht irritieren und sang klar und deutlich durch die Neumann Mikrofone.

Es war ein toller Abend für deutsche Kultur. Das nächste Konzert einer deutschen Kapelle in der Bay Area steht in drei Wochen an. Die legendäre Hard Rock Formation Accept wird dann San Francisco lautstark beschallen. Im Mai geht es dann weiter mit Rammstein, bevor die Pioniere des Metal-Industrial Die Krupps live in San Francisco aufspielen werden.

 

Audio Interview mit Accept

Wolf HoffmannAccept are back….toll!!! Ich fand sie immer klasse. Seit ein paar Jahren war ich in Kontakt mit Gitarrist Wolf Hoffmann und seiner Frau, der früheren Bandmanagerin Gaby, die in Tennessee leben. Und immer mal wieder spielte ich die alten Songs in meiner Sendung und bekam begeisterte Anrufe von Hard Rock Fans, die endlich mal wieder Accept im Radio hörten.

Und nun die Reunion mit einem neuen Sänger. Wolf Hoffmann hatte nach der Zeit mit Accept eine Karriere als Photograph angefangen und war vor kurzem für einen Job auf einem Weingut in Napa Valley. Interessanterweise war der Weingutbesitzer selbst langjähriger Accept Fan, von daher war Wolf der ideale Mann für diese Photos. Nach einer Stunde Autofahrt unterhielten wir uns nach Burrito und Bierchen in aller Ruhe über die alten Tage, die neue Platte und die Zukunft von Accept.

Das NZ-Interview gibt es hier:

      Wolf Hoffmann

Napa, Accept und „some horns“

Ich komme gerade aus dem Napa Valley zurück, dem Weinanbaugebiet nördlich von San Francisco. Wolf Hoffmann hatte dort einen Phototermin auf einem Weingut. Er ist ein begehrter Photograph, aber wohl bekannter als Accept Gitarrist. Und Accept melden sich zurück. Sie haben gerade eine neue Platte fertig aufgenommen, die im September auf Nuclear Blast weltweit escheinen wird. Im Mai stehen die ersten Konzerte an, bevor es dann im Herbst auf eine große Welttournee gehen soll. Und auch ohne ihren alten Sänger Udo Dirkschneider wissen Accept wie man richtig gut rockt. Wolf HoffmannWas ich vom neuen Album gehört, dazu noch das gerade abgedrehte Video gesehen habe kann ich nur sagen, die alten Jungs können ihr Handwerk noch richtig gut. Keine Anzeichen von Altersschwäche oder Verweichlichung.

Und zum Photo beim Interview meinte Wolf „let’s do the devil horns“…man sieht, er ist in seinem Element, ich dagegen schaue etwas verloren in die Kamera. Tja, aus mir wäre nie ein guter Rocker geworden.

Rock you all over

Die Scorpions kündigen ihr Ende an und man muss ja mal ganz ehrlich sagen „Gott sei Dank“. Denn seit dieser Nöl-Hymne „Wind of change“ konnte ich sie einfach und beim besten Willen nicht mehr hören. Das ging einfach gar nicht mehr. Klar, die Platte war ein riesiger Erfolg für die Band, hat sich verkauft wie warme Semmeln, aber das Ding war auch so weich und latschig wie eine warme Semmel. Richtig zum Rumpulen. Egal, nun soll Schluss sein, noch eine Platte, eine lang andauernde Welttournee und dann Rentnerdasein für Klaus Meine und Co.

Aber zur gleichen Zeit legt eine andere deutsche Hard Rock Formation aus längst vergangenen Tagen noch mal kräftig los. Accept melden sich zurück. Nach ihren kurzzeitigen Reunion Konzerten 2005 und dem Hit „Balls to the wall“ im Mickey Rourke Film „The Wrestler“ war das Interesse an diesen deutschen Hard Rockern wieder da. Ich bin begeistert, auch wenn es ohne Mister Einmeter Udo Dirkschneider weiter gehen wird. Dirkschneider hatte irgendwie nicht so richtig Lust auf eine Neuauflage und wollte sich lieber auf sein U.D.O. Projekt konzentrieren. Auch recht. Die neue Accept Platte soll nun im Frühjahr erscheinen und danach geht es auf Welttournee. Man kann sehr gespannt sein. Das folgende Video gibt schon mal einen Vorgeschmack.

YouTube Preview Image

Deutsche Band rockt Hollywoodfilm

YouTube Preview Image

Es kommt ja nicht so oft vor, dass eine deutsche Band einen Song für einen erfolgreichen Hollywoodstreifen beisteuert. Deshalb sei an dieser Stelle mal darauf hingewiesen. Accept sind mit „Balls to the wall“ im Film „The Wrestler“ vertreten und auch auf dem offiziellen Soundtrack zu finden.

Accept waren neben den Scorpions die wohl erfolgreichste deutsche Hard Rock Band, die in den 80er Jahren riesige Hallen füllen konnte…überall, ausser in Deutschland selbst. In den USA haben sie durchaus Kultstatus erreicht und werden noch heute von Rockfans in den höchsten Tönen gelobt.

Für Radio Goethe führte ich vor etlichen Jahren mal ein Interview mit Gitarrist Wolf Hoffmann über die Geschichte und den Erfolg der Band in den USA. Wolf hat sich mit seiner Frau und früheren Accept Managerin Gaby Hoffmann in Tennessee niedergelassen. 2004 spielte die Band erneut zusammen, das Interview dazu gibt es hier (Englisch):

Accept
Interview mit Gitarrist Wolf Hoffmann, Juni 1998

Accept waren jahrelang das Aushängeschild des deutschen Hard Rocks. Sie legten dabei eine härtere Gangart als die Scorpions aus Hannover ein und spielten sich wie die Derwische durch die Metropolen von Tokio bis New York. International wurden sie mit Bands wie Saxon, Iron Maiden und Whitesnake verglichen. Doch die Solinger kopierten nie andere Gruppen. Ganz im Gegenteil, sie gingen ihren eigenen lautstarken Erfolgsweg. Mit energiegeladenen Konzerten erspielten sie sich eine treue Fangemeinde, die auch nach dem Ende der Band noch schwärmerisch von Accept berichtet. Gitarrist Wolf Hoffmann lebt heute mit seiner Frau Gaby, der früheren Managerin von Accept, in Tennessee. Radio Goethe sprach mit Wolf über seine wilden Jahre und seine Pläne für die Zukunft:

Radio Goethe: Accept haben auch eine erfolgreiche Karriere in den USA hinter sich. Warum meinst Du, sind die Amerikaner so auf Accept eingestiegen?
Wolf Hoffmann: Amerika ist einfach ein riesengroßer Markt, schon immer gewesen. Rückblickend kann ich gar nicht sagen, daß die Amerikaner mehr abgefahren sind auf unsere Musik als das Publikum in anderen Ländern. Ich würde sogar sagen, wir hatten ein weltweit universales Publikum. Der Eindruck wird einfach nur dadurch erweckt, daß Amerika ein riesiger Markt ist und man hier monatelang unterwegs sein kann, ohne das Land zu verlassen. Das war einfach eine Riesensache und ist es heute noch. Hier werden einfach unheimlich viele Platten umgesetzt und das war wohl der Hauptgrund, warum wir hier erfolgreich waren.

Radio Goethe: Nun mal nicht so bescheiden. Nur am Plattenmarkt lag es ja wohl nicht.
Wolf Hoffmann: Ein anderer Grund kann sein, daß wir eine Musik gemacht haben, die frisch und spontan war. Hinzu kam, daß, weil wir aus Deutschland kamen, eine gewisse Exotik dabei war. Wir waren einfach anders, als die meisten typisch amerikanischen Bands und das hat denen wohl gefallen.

Radio Goethe: Wie wurdet Ihr anfangs hier in den USA aufgenommen, denn eine deutsche Hard Rock Band hatte doch sicherlich keinen leichten Stand?
Wolf Hoffmann: Wir hatten eine gewisse Exotik, weil wir eben aus Deutschland kamen. Wir hatten andere Texte, befaßten uns mit anderen Inhalten als viele andere Bands. Und natürlich, eben weil man anders war, mußte man dagegen auch kämpfen. Wir hatten nie einen ganz leichten Stand. Das anders sein ist auf der einen Seite eine gute Sache, auf der anderen Seite hatten wir dadurch aber auch Anlaufschwierigkeiten, die wir erst überwinden mußten. Als die meisten Leute uns live gesehen haben, hat sich das jedoch schnell rumgesprochen, daß das eine ziemlich gute Sache war. Wir waren immer dafür bekannt, eine gute Live-Band zu sein. Und, you know, eins kommt zum anderen.

Radio Goethe: 1996 war Schluß für Euch. Ein brillantes Live-Album am Schluß belegte noch mal, daß Ihr noch immer die Power hattet. Tut das weh, wenn man dann endgültig die Bühne verläßt?
Wolf Hoffmann: So ein bißchen wehmütig war, glaube ich, jedem zumute. Wir haben unser letztes Konzert im Juni 1996 in Tokio gegeben. Es war einfach jedem von uns klar, daß damit auch ein ganzer Lebensabschnitt für uns zu Ende ging. Wir waren ja schließlich von Kindesbeinen auf zusammen. Haben uns damals getroffen…da war ich 16, das war vor über zwanzig Jahren. Und die ganze Zeit waren wir mehr oder minder zusammen und haben Musik gemacht. Wenn das dann eines Tages zu Ende geht, wie das ja zwangsweise sein muß, dann ist das schon klar, daß dann ein gewisses Kapitel abgeschlossen ist. Aber gleichzeitg bricht ja auch für jeden von uns ein neues Kapitel an, was auch wieder aufregend ist…und das ist auch o.k.so. Eine Rockband ist einfach nicht dafür geschaffen, auf ewig zu halten. Und wir können richtig zufrieden sein, daß es so lange gehalten hat.

Radio Goethe: Rückblickend, was waren die schönsten, was die schlimmsten Erfahrungen mit Accept?
Wolf Hoffmann: Also die beste Zeit hatten wir so Mitte der 80er Jahre, als wir die großen Festivals gespielt haben. “Monsters of Rock” in Deutschland und in England und dann sind wir auch das erste Mal nach Amerika gekommen. Das war so rückblickend die beste Zeit. Allgemein war es eine coole Zeit für diese Art der Musik. Heavy Metal und Hard Rock waren einfach angesagt…das war einfach geil. So richtig schlimme Erfahrungen hatten wir eigentlich nie. Wir hatten mal eine Zeit lang einen neuen Sänger. Das war so innerbetrieblich die am wenigsten erfolgreiche Zeit. Aber an so richtig schlimme Sachen kann ich mich nicht erinnern.

Radio Goethe: Deutsche Hard Rock Bands haben es seit jeher schwer im eigenen Land. Woran liegt das Deiner Meinung nach?
Wolf Hoffmann: Wir haben von Anfang an versucht möglichst international zu klingen und nie betont, daß wir aus Deutschland sind. Einfach auch, was ja später geklappt hat, um im Ausland Erfolg zu haben. Allgemein ist es, glaube ich, schwer in Deutschland mit einer Musik anerkannt zu werden, die hauptsächlich aus England und Amerika kommt. Da gilt dann wohl der Spruch: Der Prophet hat es im eigenen Land schwer. Den richtigen Durchbruch in Deutschland hatten wir tatsächlich erst, als wir dann aus den USA und anderen Ländern erfolgreich zurück kamen.

Radio Goethe: Du lebst schon seit einigen Jahren in den USA. Was fasziniert Dich so an diesem Land?
Wolf Hoffmann: Also, gerade weil ich schon so viel rumgekommen bin und so viele Länder gesehen habe, kann ich sagen, daß es eigentlich egal ist, wo man lebt. Es gibt überall gute Seiten und schlechte Seiten. Und jeder muß eigentlich nur herausfinden, was einem am wichtigsten ist und wo die persönlichen Schwerpunkte liegen. Mich begeistert an Amerika nur die Offenheit der Menschen, und das ist einem Künstlerleben, wie ich das ja doch letztendlich führe, sehr entgegenkommend.

Radio Goethe: Ich kann mir nicht vorstellen, daß Du heute musikalisch nichts mehr machst. Wie sieht Dein musikalischer Alltag, wie Deine weiteren beruflichen Pläne aus?
Wolf Hoffmann: Ich schreib nach wie vor Songs, manchmal mit unbekanntem Ziel, manchmal mit ganz speziellen Absichten, wie diese Classicals, die jetzt erschienen sind. Da habe ich mich dann ganz bewußt hingesetzt und mich über Wochen und Monate damit befaßt. Manchmal setze ich mich auch nur hin und mache ein, zwei Songs, lege sie in die Schublade und ziehe sie dann zu gegebener Zeit wieder heraus. Konkrete Bandpläne habe ich zur Zeit nicht, arbeite aber an einem neuen Studioprojekt, ist natürlich noch alles ganz streng geheim. Ansonsten bin ich ja auch noch seit vielen Jahren Photograph mit Leidenschaft. Das ist bei mir doch noch in den Vordergrund gerückt.

Radio Goethe: Wie ist heute das Verhältnis zu Deinen alten Bandkollegen?
Wolf Hoffmann: Gut. Wir telefonieren gelegentlich miteinander, haben aber zur Zeit keine gemeinsamen Pläne.

Radio Goethe: Heute zielt die Musikszene viel mehr auf elektronische Klänge ab. Auch Heavy-Bands, wie Sepultura und Rammstein, nutzen Sampler und Keyboards. Hätte Accept, angenommen Ihr würdet Euch erst heute treffen, noch eine Chance?
Wolf Hoffmann: Das ist schwer zu sagen, aber wahrscheinlich hätten wir es heute viel schwerer. Früher, als wir angefangen haben, war es allgemein leichter, einen Plattendeal zu kriegen. Es hat auch keinen gestört, wenn man mit der ersten LP nicht so viele Platten verkauft hat. Da wurde einem noch eher eine zweite Chance gegeben, so jedenfalls kommt mir das rückblickend vor. Auch unsere erste Platte hat so gut wie nichts verkauft. Die zweite dann etwas mehr und die dritte dann allmählich angezogen. Heute wäre das sicherlich so, daß man nach der ersten Platte gleich weg vom Fenster ist, wenn die nix verkauft. Aber ich glaube, man hat immer eine Chance, wenn man was bietet, was Erfolg verspricht und was die Leute anspricht.