Hier schraubt der Pilot noch selbst

San Francisco – Kigali…lange Strecke, die man auch noch länger machen kann. Der Doppeldecker von Lufthansa kommt zu spät in SFO los, ein Gerenne dann in Frankfurt, um von einem Ende des Flughafens zum anderen zu kommen. Der Frankfurter Airport ist einfach eine Katastrophe. Aber ich kriege noch die Maschine nach Addis Abeba. Nur beim Buchen war mir nicht klar, dass wir auch noch in Khartum im Sudan zwischenlanden. Auch schön….und kaum unten in der sudanesischen Hauptstadt kam Habub, ein für den Sudan typischer rötlicher Sandsturm. Also saßen wir da auf der Landebahn und warteten und warteten und warteten, bis der Pilot wieder 250 Meter weit sehen konnte.

Weiter ging es nach Addis Abeba in Äthiopien. Aufgrund der Verspätung wieder durchs Flughafengebäude gerannt. Mit einem Bus sollte ich dann zur Maschine gebracht werden, doch der Fahrer wußte nicht so recht, wo das Flugzeug parkte. Also verfuhren wir uns gleich mehrmals auf dem Gelände. Auch schön…doch schließlich sass ich in einem abgeranzten und sichtlich abgeflogenen Flieger der Ethiopian Airlines Richtung Ruanda…und es ging nicht direkt nach Kigali, sondern erst einmal ins ugandische Entebbe. Auch das hatte ich bei der Buchung übersehen. Und dort wartete ich wieder eine Stunde im durchgesessenen Sitz.

Schließlich schmiss der Pilot die Propeller an und rollte Richtung Startbahn. Doch dann drehte er ab, fuhr ein bißchen durch die Nacht am Flughafen und hielt irgendwo und mittendrin an. Motoren aus. „Wir haben ein kleines technisches Problem“. Und um die Passagiere richtig zu beruhigen, kam der Pilot mit einem Schraubenzieher aus dem Cockpit und begann da vorne rumzuschrauben. Doch das half nichts, die blinkende Warnleuchte im Cockpit wollte einfach keine Ruhe geben. Also ging er nach hinten und holte von dort einen Laptop auf dem er – kein Witz – das „Fault Isolation Manual“ öffnete, also die Anleitung zur Problemlösung für diese Maschine. Motoren an, Motoren aus, Motoren an, Motoren aus, rumgefummele, der Schraubenzieher wurde auch wieder eingesetzt…und nach einer Stunde, mitten in der Nacht, ging es dann weiter Richtung Kigali. Sicher und ohne Störungen setzte der Flieger auf….alles klar, bis auf mein fehlendes Gepäck, doch nach rund 32 Stunden unterwegs, ist einem auch das in dem Moment völlig egal.

Reaching Africa

Nun habe ich ja schon einige Flugmeilen in meinem Leben abgeflogen, aber der Blick von oben auf die Welt da unten ist immer wieder beeindruckend. Südeuropa, Mittelmeer und dann der afrikanische Kontinent. Mit meiner Country/Folk Sendung im Ohr trafen wir das Festland, irgendwo im Grenzbereich Ägypten/Libyen. Dann über den Sudan weiter nach Addis Abeba. Bei der Landung liefen die Einstürzenden Neubauten mit “Die Wellen” von ihrem grandiosen Album “Alles wieder offen”. Ein perfektes Lied vor dem Schauspiel des glitzernden Lichtermeeres. Direkt davor Kraftwerk mit ihrer bahnbrechenden Platte “Mensch Maschine”. Beide Scheiben waren im Lufthansa Audio Angebot unter “Milestones” zu finden. Und dem kann ich nur applaudierend zustimmen. Diese beiden Platten sind Meilensteine der Musik, wie viele andere Alben dieser beiden Gruppen.

Es ist beeindruckend und auch komisch, Afrika zu erreichen. Denn da unten spielt sich so einiges ab. Man denkt an die Bilder aus den Nachrichtensendungen, an die Berichte über die Kampfhandlungen, die Aufstände, den Widerstand, die Gewalt, die Flucht und Vertreibungen, die Not, das Elend….aber auch die Hoffnung, an den Willen zu siegen, die brutalen Regime zu stürzen, an die lange Zeit vom Westen gestützten Diktatoren Mubarak und Gaddafi. An die Ohnmacht des Westens. Man fliegt drüber weg. Und man landet in der äthiopischen Hauptstadt. Ein Flughafen sowjetischer Bauart. Der hat so viel Charme wie die Plattenbauten auf der Karl-Marx-Allee in Berlin, quadratisch, praktisch, gut. Doch es geht weiter Richtung Süden, nach Ruanda. Ein Land im Herzen Afrikas, das auch im Jahr 17 nach dem Genozid noch immer versucht, einen Weg zu finden.