„The most dangerous place in the world“

Ich war in der mexikanische Grenzstadt Ciuadad Juarez zu Fuß unterwegs, als dort im Jahr 3600 Menschen ermordet wurden.

      Besuch in Ciudad Juarez

Mit der Bundeswehr war ich zweimal in Afghanistan. Nach der Landung in Kunduz bekam ich gleich eine kugelsichere Weste und einen Stahlhelm verpasst, im gepanzerten Fahrzeug ging es die kurze Strecke vom Flughafen in die Kaserne der Deutschen. Ich reiste in den Ostkongo, um über die dortige Krise zu berichten, sprach im Rebellengebiet der M23 mit dem Präsidenten, während vor der Tür bewaffnete Soldaten mit Maschinengewehren und Raketenwerfern standen.

      Besuch im Ostkongo

Es ging in den Tschad. Im Süden des Landes herrschte eine Flüchtlingskrise, das Chaos aus der benachbarten Zentralafrikanischen Republik drohte in den Tschad überzuschwappen.

      Besuch im Tschad

Dann ging es nach Somalia, ans Horn von Afrika. Einen funktionierenden Staat gibt es dort nicht mehr, seit 25 Jahren ist das Land gespalten, Teile versinken im Chaos, werden von Terrorgruppen, wie der Al-Shabaab Miliz, tyrannisiert.

      Besuch in Somalia

Ach ja, und hier drüben war ich auch mal in Los Angeles unterwegs, um dort auf Spurensuche nach den Gangs zu gehen, denn LA gilt als die Hauptstadt der Banden und kriminellen Organisationen in den USA.

      Besuch in Los Angeles
Donald Trump redet mal wieder Unsinn. Foto: Reuters.

Donald Trump redet mal wieder Unsinn. Foto: Reuters.

Das sind nur ein paar der „Reiseziele“, die ich in den letzten Jahren angesteuert habe. Waffen, Gewalt, Not und Elend gab es auf all diesen Trips zu sehen. Doch anscheinend hätte ich für den „Nervenkitzel“ gar nicht so weit fahren müssen, denn der angehende republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump erklärte nun in seiner allumfassenden Kenntnis des amerikanischen Alltags in einem Interview mit der New York Times: „There are places in America that are among the most dangerous in the world. You go to places like Oakland, or Ferguson. The crime numbers are worse. Seriously.“ Oakland ist, laut Trump, also vergleichbar mit den Krisenherden dieser Welt.

Was stimmt, meine neue Heimatstadt in Kalifornien hat ein Gewaltproblem. Die FBI Statistik für 2014 belegt, dass es in dem Jahr 6900 Gewaltverbrechen in Oakland gab, darunter 80 Morde. Doch das ist nichts besonderes für die USA. Vergleichbare Städte, wie Miami oder New Orleans, liegen noch darüber. Oakland ist also nicht gefährlicher als andere US Städte.

Die Reaktion in Oakland ließ nicht lange auf sich warten. Bürgermeisterin Libby Schaaf, geboren und aufgewachsen in Oakland und eine erklärte Hillary Clinton Unterstützerin, twitterte und postete diese Nachricht auf facebook: „Let me be clear, regarding @nytimes story, the most dangerous place in America is Donald Trump’s mouth.“ Dazu muß ich glaube ich nichts mehr hinzufügen!

Wie schnell man doch vergisst!

Zwei Kriege, die die Weltordnung veränderten. Ein Überwachungsstaat. Abbau von Bürgerrechten. Geheimgefängnisse in aller Welt. Billionen von Dollar an Schulden. Eine bröckelnde Infrastruktur. Mit diesen und mehr, nicht gerade schönen, Umschreibungen könnte man die Amtszeit von George W. Bush zusammenfassen. Doch all das zählt wohl nicht mehr.

George W. Bush ist nun beliebter als Barack Obama

George W. Bush ist nun beliebter als Barack Obama

In einer jüngsten CNN Umfrage erklärten 52 Prozent, dass George W. Bush ein guter Präsident gewesen sei. Sie hätten eine positive Meinung über den Texaner. Nur 49 Prozent der Befragten hingegen erklärten, sie hätten eine „favorable opinion“ zu Amtsinhaber Barack Obama. Der liegt also nun hinter „W“, der ihm ein gewaltiges Erbe hinterlassen hatte. Bush Senior und Bill Clinton kommen gut weg, sie liegen in der Gunst der Befragten bei jeweils 64 Prozent.

Es scheint, im Rückblick sieht man alles besser, unkritischer, rosarot. Von Krieg, Überwachung, Bürgerrechtsverletzungen will keiner mehr etwas wissen. Ja, alle Maßnahmen der Bush Regierung haben dazu geführt, dass es in den USA keine größeren Terrorangriffe mehr gegeben hat. Aber um welchen Preis?

Das Bild vor Augen

Syrien, Irak, Libyen, Nigeria, Zentralafrikanische Republik, Demokratische Republik Kongo, Afghanistan und da ist auch noch die Ukraine. Ein paar der Kriegsschauplätze, die mir auf Anhieb einfallen. Der Blick in Deutschland und auch in den USA geht vor allen nach Osten in die Ukraine, denn dieser Konflikt könnte eskalieren und noch dramatische Folgen für Europa haben.

"Nukemap" wurde von Alex Wellerstein entwickelt.

„Nukemap“ wurde von Alex Wellerstein entwickelt. Hier kann man sehen, welche Auswirkungen ein Einschlag über der Nürnberger Altstadt hätte.

Daran mußte ich denken, als ich die Webseite „Nukemap“ fand. Eine Webseite, die von Alex Wellerstein eingerichtet wurde. Wellerstein ist Wissenschaftshistoriker mit dem Schwerpunkt Nuklearwaffen und -geheimhaltung. Er ist Assistenz-Professor am „Stevens Institute of Technology“ in Hoboken, New Jersey. Seine Dissertation schrieb er zum Thema “Knowledge and the Bomb: Nuclear Secrecy in the United States, 1939-2008.” Sein Blog ist ein umfassendes Archiv zum Bereich der Nuklearwaffen. Informationen über Technik, Hintergründe und die Geheimhaltung der militärischen Nuklearnutzung.

So ganz nebenbei hat er „Nukemap“ entwickelt, eine Seite, auf der man eine beliebige Adresse angeben und dazu eine passende Bombe aussuchen kann. Verschiedene Herkunftsländer sind angegeben, von den USA über Russland, Nordkorea, Pakistan, China. Dazu noch die Kilotonnenstärke.

Zuerst dachte ich an ein zynisches Spielchen, doch das ist es nicht. Die Karte zeigt nur den explosiven Radius. Man kann, man muß sich selbst vorstellen, was passieren würde wenn… Wellenstein will nicht schocken, sondern eher mit seinen Einschlagkarten aufklären. Der kalte Krieg ist zwar vorbei, aber die Gefahr einer kriegerischen Eskalation nicht gebannt.

Krieg gegen den Krebs

      USA gegen IS1
      USA gegen IS2
Präsident Barack Obama erklärt den Krieg.

Präsident Barack Obama erklärt den Krieg.

Es soll alles anders werden. Kein Krieg wie in Afghanistan und im Irak. Jetzt wird man gezielt und, ja, chirurgisch vorgehen. Keine Bodentruppen, alles wird aus der Luft erledigt. Amerika fährt seine gewaltige Luftwaffe auf und hofft auch noch auf Unterstützung aus anderen Staaten. Und dann soll das Krebsgeschwür unserer Tage, die Terrorgruppe Islamischer Staat, ausgemerzt sein. Barack Obama legte am Mittwochabend einen Vier-Punkte Plan vor, der vage blieb. Es wird was getan, das ja. Auch mit anderen, doch mit wem? Obama fühlte sich sichtlich unwohl in seiner Haut. Er, der angetreten war, zwei Kriege zu beenden, der unmittelbar nach seinem Amtsantritt mit dem Friedensnobelpreis überrascht wurde, muß nun in den Krieg ziehen. Ausgang ungewiss. Wenn es schlimm läuft, wiederholt sich die Geschichte, wie damals 1993 in Somalia, als jubelnde somalische Kämpfer tote amerikanische Soldaten durch die Straßen Mogadischus schleiften und einer schockierten US Fernsehnation präsentierten. Zwei Audiobeiträge zur Rede des Präsidenten.

Held oder Deserteur

Für manche ist ein Deserteur das schlimmste überhaupt. Für andere ist ein Deserteur ein Held. Was ist Bowe Bergdahl? Zwei Tage nach seiner überraschenden Befreiung im Austausch für fünf hochrangige Taliban, werden die kritischen Stimmen lauter. Die Republikaner konzentrieren sich darauf auf den politischen Angriff gegen Barack Obama. Der hatte in einer quasi Nacht und Nebel Aktion und eigenhändig den Deal in die Wege geleitet. Und das, obwohl eigentlich der Kongress 30 Tage vor einer solchen Entscheidung benachrichtigt werden muß. Obama machte mal laut „Pfff“ und präsentierte das Ergebnis: ein befreiter Sergeant Bowe Bergdahl.

305px-USA_PFC_BoweBergdahl_ACU_CroppedDoch auch die Stimmen von ehemaligen Soldaten in der Einheit Bergdahls werden lauter. Sie werfen dem mittlerweile 28jährigen vor, sich aus freien Stücken und in voller Absicht von seiner Truppe entfernt zu haben. Nicht nur das, die Suchaktionen nach Bowe Bergdahl hatte in der Folge seines Verschwindens mehreren Soldaten das Leben gekostet. Die letzten fünf Jahre hat niemand klar diese offenen Fragen angesprochen, um den Gefangenen nicht zu gefährden. Doch klar ist, das belegen auch die äußerst bedachten Worte von Verteidigungsminister Chuck Hagel, dass es Unklarheiten gibt, dass auf Bowe Bergdahl nach seinen medizinischen Untersuchungen ein militärisches Verfahren wartet. Emails an seine Eltern bestätigen, dass Bergdahl offen über dersertieren nachdachte. Die Taliban erklärten, sie hätten den Soldaten im betrunkenen Zustand außerhalb eines Wachpostens gefangen genommen.

Wenn sich heraustellen sollte, dass Bowe Bergdahl tatsächlich desertierte, wird das immense Folgen haben. Vor allem für Präsident Barack Obama, der dann erklären muß, warum er fünf als gefährlich eingestufte Talibankämpfer gegen einen Deserteur eintauschte, der durch seine unbedachte Handlung Soldaten tötete. Es könnte politisch eng werden für Barack Obama.

Die Republikaner kochen vor Wut

0531-bergdahl-parents-obama.jpg_full_600Kurz nachdem Präsident Barack Obama am Samstag im Rose Garden des Weißen Hauses mit den Eltern von Sergeant Bowe Bergdahl vor die Presse getreten war, um die Befreiung des seit fünf Jahren vermissten Soldaten zu verkünden, da wurde auch schon Kritik am Geheimdeal laut. Denn Obama hatte den Bergdahl im Austausch für fünf hochrangige Taliban im Gefangenenlager von Guantanamo Bay „frei gekauft“. Das war wohl die letzte Möglichkeit, die Obama, Verteidigungsminister Chuck Hagel und die betroffenen Militärs sahen. Man kann davon ausgehen, dass zuvor sowohl etliche militärische Befreiungsszenarien und wie auch diplomatische Verhandlungen durchgespielt wurden. Denn Amerika hatte bislang immer gesagt: „Wir verhandeln nicht mit Terroristen“. Dagegen stand der Grundsatz, wir lassen niemanden zurück. In den USA sieht man im ganzen Land Fahnen „MiA-PoW“, was für „Missing in Action – Prisoner of War“ steht. Und Bowe Bergdahl war genau das, missing in action, prisoner of war.

BoweObama handelte und das ohne den Kongress zu benachrichtigen. Howard McKeon, der republikanische Vorsitzende des Kongressausschusses für die Streitkräfte und der Senator James Inhofe, der führende Republikaner im gleichen Ausschuss des Senats, warfen Obama vor, illegal gehandelt zu haben. Denn eigentlich müßte der Kongress 30 Tage vor dem Transport eines inhaftierten Terroristen benachrichtigt werden. Das hatte das Weiße Haus vermieden, um den Deal mit den Taliban und Katar nicht zu gefährden. Auch meinten beide führenden Republikaner, der Präsident müsse sich nun erklären. Denn wie kann es sein, dass bislang als hochgefährlich eingestufte Taliban jetzt einfach so außer Landes gebracht werden. Sei die Gefahr nicht mehr existent, fragten McKeon und Inhofe?

Der grantige und immer etwas angesäuert wirkende republikanische Senator John McCain kritisierte am Sonntagmorgen in der CBS Sendung „Face the Nation“, dass die Obama Administration mit Terroristen verhandelt habe, was bislang ein absolutes Tabu für Amerika war. McCain, der selbst ein PoW war, meinte weiter, es dürfe nicht angehen, dass die Taliban selbst bestimme, welche Gefangenen freigelassen werden. Der republikanische Senator Ted Cruz, einer der aussichtsreichen Präsidentschaftskandidaten seiner Partei erklärte, es sein ein „gefährlicher Preis“ für die Freilassung Bergdahls gezahlt worden.

Die Republikaner im Kongress machten am Wochenende deutlich, dass sie Barack Obama diesen „Publicity Sieg“ nicht gönnen. Sie setzen nun alles daran, diesen Gefangenenaustausch als „illegal“ und „unverantwortlich für Amerika“ darzustellen.

Selbstmordrate steigt

59.000 Soldaten der amerikanischen Streitkräfte gehören zu Spezialeinheiten, wie den Army Rangers oder den Navy SEALs. Derzeit sind sie nicht nur in Afghanistan und dem Irak, sondern in 84 (!) Ländern im Einsatz. Nun hat Admiral William McRaven, der die Spezialoperationen der US Sondereinheiten leitet, auf ein massives Problem in den Reihen seiner Soldaten hingewiesen. Die Selbstmordrate liegt ungewöhnlich hoch und steigt von Jahr zu Jahr. „Meine Soldaten kämpfen seit 12, 13 Jahren im harten Einsatz. Und jeder, der das miterlebt hat, hat sich verändert. So einfach ist das“, erklärte McRaven auf einer Konferenz in Tampa, Florida.

Harte Zahlen und Statistiken wollten der Admiral nicht vorlegen, denn alles, was diese Spezialeinheiten angeht fällt unter strengste Geheimhaltung. Allerdings weisen die allgemeinen Zahlen der aktiven Militärangehörigen daraufhin, dass im Jahr 2012 350 Soldaten sich das Leben nahmen. Eine ähnliche Zahl liegt für 2013 vor. William McRaven fügte in Florida nur hinzu: „Und dieses Jahr, befürchte ich, sind wir auf dem Weg, diese Zahl zu überschreiten.“

Amerika, das wird immer deutlicher, hat mit den jüngsten Kriegsschauplätzen in Afghanistan, im Irak und dem ausgerufenen „War on Terror“ an der Heimatfront einen Krieg der anderen Art eröffnet. Die Ausmaße dabei sind noch gar nicht zu erkennen und abzuschätzen.

 

 

 

Amerika hat den Krieg im eigenen Land

Wieder eine Schießerei, wieder auf einem US Militärstützpunkt. Das texanische Fort Hood wurde erneut zum blutigen Schauplatz. Schon 2009 wurden an gleicher Stelle von einem US Army Psychologen 13 Menschen erschossen und mehr als 30 verletzt. In der Kaserne zwischen Austin und Waco leben rund 45.000 Soldaten und ihre Angehörigen. Eine Kleinstadt mit allem was dazu gehört. Krankenhaus und Flughafen, Shopping Mall und Kinosäle. Und Soldaten, die von den Kriegen in Afghanistan und dem Irak gezeichnet sind.

Amerika baut in Übersee die Truppenkontingente ab. Zum ersten mal wurden im Monat März keine Militärangehörigen im Einsatz getötet. Das gab Anlass zur Hoffnung auf ein Ende des Krieges. Und nun hat Amerika eine Front daheim. „Post Traumatic Stress Disorder“, kurz PTSD genannt wird die USA noch auf Jahrzehnte hinaus begleiten. Soldaten, die mit Traumata zurück gekommen sind. Zeitbomben, die schlummern. Es muß ihnen geholfen werden, doch das Land ist darauf überhaupt nicht vorbereitet. In den VA Hospitals, den Krankenhäusern für die Veteranen, sind die Schlangen lang. Dokumente und Akten häufen sich in Kellern, immer wieder geben Soldaten frustriert auf, da sie hier keine Hilfe erhalten. Viele wenden sich erst gar nicht an die Spezialisten aus Angst, abgestempelt zu werden. Sie hoffe, die Probleme in schlaflosen Nächten alleine unter Kontrolle zu bekommen.

Der Amoklauf am Mittwoch mit drei Toten, mehr als 12 Verletzten und dem Selbstmord des Todesschützen ist nur der Anfang von dem, was auf Amerika in den kommenden Monaten und Jahren zu kommen wird…falls nicht gehandelt wird. Und danach sieht es nicht aus. Es fehlt schlichtweg das Geld um eine breite Versorgung der Veteranen zu garantieren. Und es passt irgendwie nicht in das Bild der mutigen Helden an der Kriegsfront, dass gebrochene Männer nach Hause kommen, nachts nicht schlafen können, mit Alpträumen und Schuldgefühlen aufwachen, depressiv sind, weinen, sich leer fühlen, keinen Sinn mehr im Leben sehen. Amerika muß handeln, bevor es zu spät ist.

Ich seh‘ nicht aus wie ein Amerikaner

„Are you a citizen“, fragte mich der Grenzbeamte am Flughafen von San Francisco. Und das, obwohl ich ihm meinen US Pass reichte. „Ähm, yes“. „How did you obtain your citizenship?“, kam die nächste Frage, so, als ob ich mir auf dem Heimaturlaub im Frankenurlaub mal schnell einen amerikanischen Reisepass ausgedruckt habe. Meine Erklärung, dass ich bereits seit 18 Jahren hier lebe, eine Green Card hatte und schon mehrmals durch das ganze bürokratische Prozedere mit der INS und dem Homeland Security Department marschierte, interessierte ihn wenig.

Steif auf seinem Stuhl sitzend blätterte er durch den Pass. Da war kein Stempel, also kam die Frage, ob ich mit einem anderen Reisedokument reise. „Yes, I have a German passport“. Den wollte er dann sehen, und damit begann das Verhör. Interessiert schaute er sich jeden Stempel und jedes Visa an. Was ich denn so oft in Ruanda gemacht habe. Ach ja, und im Kongo. Und dann fiel sein Blick auf die Afghanistan Visa. Alle Glocken schrillten auf, da bot sich dem Beamten die Chance einen getarnten Talibankämpfer hier am SFO Airport zu fangen. Ich sehe ja auch so aus, wie der Bruder von Abdullah Ali Khan. Warum waren Sie in Afghanistan? Wo genau waren Sie? Wer hat Sie dazu verleitet? Wo war ich untergebracht? „I was embedded with the German army“, ließ er als Antwort nicht gelten. „So, you were serving the German army?“, meinte er mit steinernem Gesichtsausdruck.  „No, I’m a journalist“. Der Typ ging wirklich zum Lachen in den Keller.

Man muß sich schon sehr zurück halten, um da einen kühlen Kopf zu bewahren. Der Typ war nicht zum Spaßen aufgelegt. Nach langen Minuten gab er mir schließlich meinen Pass wieder und vermerkte etwas auf der Zollerklärung. Geheimcode Homeland Security. Und klar, der Zoll zog mich raus. Mein INS Beamter wollte also mal zwischen meine Unterhosen und Hemden schauen lassen. Die „Customs Agents“ waren allerdings freundlich und etwas überrascht, dass ein Deutscher seine Koffer öffnen sollte. Auch sie fragten und fragten, aber es war mehr ein freundlicher „Chitchat“. Zwei unterhielten sich, einer wühlte durch die Koffer, schaute sich Bücher an. Klar, hätte ja das Manifest von Mullah Omar sein können, oder schlimmer Lenins Schriften, doch dem Oberkommi hatte ich ja schon bei meiner Einbürgerung abgeschworen. Die vielen CDs für Radio Goethe waren nicht auffällig, also „Thank you and have a nice day“.

Amerika ist schon ein seltsames Land. Da reist man 18 Jahre lang unbescholten hin und her und dann kommt so ein Terroristen jagender Beamter, der einen nach einem endloslangen Transatlantikflug zuquatscht und gleich mal als Bombenleger vorverurteilt. Egal, ich bin angekommen. Der Alltag hat mich wieder.

Es wird weiter „gebusht“

Und noch ein George Bush. George P. Bush hat am Dienstag die Nominierung seiner Partei für den weitgehend unbekannten, aber sehr einflußreichen Job des texanischen „Land Commissioner“ erhalten. In der Vorwahl setzte er sich problemlos gegen einen Herausforderer durch. Damit wird es im November zu einem direkten Kampf mit dem früheren Bürgermeister von El Paso John Cook kommen.

George P. Bush ist der Sohn des früheren Gouverneurs von Florida und George W. Bushs Bruder, Jeb Bush, der nach wie vor als heißer Favorit für die republikanische Präsidentschaftsnominierung 2016 gehandelt wird. Der 37jährige Bush Junior tritt nun in die Fußstapfen seiner Familiendynastie. Der „Land Commissioner“ Job gilt als Sprungbrett für höhere Ämter. Und die sollen erreicht werden. Nicht nur der berühmte Name spricht für eine erfolgreiche Karriere. George P. Bush arbeitete bevor er Rechtsanwalt wurde als Lehrer in einem problematischen Bezirk von Miami. 2010 wurde er in geheimer Mission von der „US Naval Intelligence“ für acht Monate in Afghanistan eingesetzt. Er spricht fließend Spanisch, seine Mutter wurde in Mexiko geboren. Damit bringt George P. Bush wichtige Erfahrungen und ein Interesse der immer wichtiger werdenden Latino Wählergruppe in den USA mit.

Mit diesem Kandidaten wird das Rennen um den Posten des „Land Commissioners“ in Texas nationale und internationale Beachtung finden. Geld wird dabei keine Rolle spielen, die Bushs sind vernetzt und als erfolgreiche Spendensammler bekannt.