Der unkontrollierte Waffenfluss in die Krisengebiete

Die USA lernen nichts aus ihrer Geschichte. Das zeigt sich nun erneut mit dem Ausruf von Donald Trump, dass er „wunderschöne amerikanische Waffen“ nach Saudi Arabien liefern wird. Und daneben steht das Angebot an andere islamische Staaten, dass auch sie in den Genuss amerikanischer Waffenlieferungen kommen werden, wenn sie sich am Kampf gegen die Terrororganisation Islamischer Staat und anderer Terrorgruppen beteiligen. „No questions asked“, meint Trump, egal wie es in den jeweiligen Ländern um Menschenrechte, Demokratie, Korruption steht.

Das Friedenswerkzeug des Donald Trump in den falschen Händen. Beschlagnahmte Waffen im Irak. Foto: Reuters.

Zeitnah zum Trumpschen Motto „Frieden durch mehr Waffen“ wurde nun bekannt, dass die USA nicht so genau wissen, wohin eigentlich die bisherigen Waffenlieferungen in die Region – Waffen, Munition und militärisches Zubehör – im Wert von über einer Milliarde Dollar geblieben sind. All das, was für das irakische Militär, Schia Milizen und kurdische Peschmerga Gruppen gedacht war, wo ist es geblieben? Nachweise, ob diese Lieferungen auch tatsächlich angekommen sind, gibt es nicht. Ähnliche offene Fragen bestehen auch für das Jahr 2015.

Ein Team von BBC Journalisten hat sich einmal die Mühe gemacht und sich die Bestell- und Lieferscheine des Pentagon aus den letzten 14 Jahren genauer angesehen. Darin sind 1,45 Millionen Waffen aufgelistet, die in den Irak und nach Afghanistan geliefert wurden: 978.000 Sturmgewehre, 266.000 Pistolen und fast 112.000 Maschinengewehre. Dem Bericht zufolge ist jedoch nicht mehr nachvollziehbar, in welchen Händen diese Waffen heute sind. Ob irakisches Militär oder Islamischer Staat, ob afghanische Armee oder Taliban. Aber all das ist egal, mehr Waffen soll es für die Region geben, so Trump, denn das bedeutet ja schließlich mehr „Jobs, Jobs, Jobs“ für die Waffenschmieden in „God’s Country“….Make America Great Again!

Hinsehen, Hinhören, Erkennen

„Portraits of Courage“ heißt das Buch von George W. Bush. Im Untertitel steht „A Commander in Chief’s tribute to America’s Warriors“. Darin präsentiert sich der frühere Präsident als durchaus talentierter Maler. Solch ein Buch würde es allerdings in Deutschland nie geben. Portraits von Soldatinnen und Soldaten, die in Afghanistan und Irak verwundet wurden, schwer verletzt und gezeichnet zurück kamen. Viele von ihnen verloren im Einsatz Arme, Beine, ihren Glauben. Noch Jahre danach kämpfen sie sich durch das tägliche Leben. Ihre Geschichte, ihr Kampf, ihr Neuanfang wird neben den Bildern beschrieben.

George W. Bush war ein Präsident, der seinerzeit mehr als umstritten war. Er eskalierte die Kriege in Afghanistan und im Irak, umgab sich mit Falken in Washington, wie Cheney, Rumsfeld, Ashcroft, er stand für einen christlich-fundamentalistischen Rechtsruck in den USA. Doch Bush im Rückblick, gerade in der jetzigen Zeit, erscheint als mitfühlender, gemäßigter, offener Staatsmann. Das wird in diesem Buch ganz deutlich. Hier spricht ein Mann, der sich seiner Verantwortung bewusst ist. Verantwortung gegenüber jenen, die ihr Leben gaben, die schwer verwundet und verstümmelt wurden, die für die USA in den Krieg, in seinen Krieg, zogen. Bush beschreibt seine Arbeit mit den Veteranen, seine Gespräche mit den Kriegsinvaliden, sein Hinsehen, sein Unterstützen, seine aufbauenden Worte. Und die sind nicht einfach so gesagt, George W. Bush und seine Frau Laura Bush hatten schon immer ein Ohr für die US Veteranen. Sie luden sie auf ihre Ranch ein, um gemeinsam mit ihnen mit dem Mountainbike unterwegs zu sein. Bush spielte Golf mit ihnen. Das mag klein und lächerlich klingen, doch es waren und sind wichtige Etappen auf dem Weg der Besserung, der Heilung, der Sinnfindung.

Dieses Buch „Portraits of Courage“ ist keine Entschuldigung für die historischen Fehler, die gemacht wurden. Es bietet keine Erklärungen, keine neuen Denkansätze, es zeigt vielmehr die ganze Brutalität der Kriege in Afghanistan und Irak auf. Hier werden Lebensgeschichten erzählt, die unglaublich sind. Es geht um persönliche Niederlagen, um Schicksalsschläge, um Schmerz, um Hoffnung, um ein Wiederaufstehen. Es geht auch um Patriotismus. „We support our troops“ ist eine Grundaussage in den USA, die man so in Deutschland nicht kennt. In diesem Buch wird sie verständlich gemacht, zumindest ansatzweise. George W. Bush zeigt in seinen gemalten Portraits die Gesichter der verwundeten Soldaten, berichtet von ihrer Verwundung, von ihrem anschliessenden Lebensweg, von ihrem schmerzvollen Weg zurück in den Alltag, von ihren Gesprächen. „Portraits of Courage“ ist ein bewegendes Buch, mehr als wichtig in dieser Zeit mit einem selbstverliebten Präsidenten im Weißen Haus. Bush schreibt unter dem Bild von Juan Carlos Hernandez, der in Afghanistan sein rechtes Bein verlor: „He became an American citizen in May 2009 – at Bagram Airfield in Afghanistan. Juan’s story is one example of the countless ways that immigrants make America great. And I am honored and humbled to call Juan Carlos Hernandez my fellow citizen.“

 

„The most dangerous place in the world“

Ich war in der mexikanische Grenzstadt Ciuadad Juarez zu Fuß unterwegs, als dort im Jahr 3600 Menschen ermordet wurden.

      Besuch in Ciudad Juarez

Mit der Bundeswehr war ich zweimal in Afghanistan. Nach der Landung in Kunduz bekam ich gleich eine kugelsichere Weste und einen Stahlhelm verpasst, im gepanzerten Fahrzeug ging es die kurze Strecke vom Flughafen in die Kaserne der Deutschen. Ich reiste in den Ostkongo, um über die dortige Krise zu berichten, sprach im Rebellengebiet der M23 mit dem Präsidenten, während vor der Tür bewaffnete Soldaten mit Maschinengewehren und Raketenwerfern standen.

      Besuch im Ostkongo

Es ging in den Tschad. Im Süden des Landes herrschte eine Flüchtlingskrise, das Chaos aus der benachbarten Zentralafrikanischen Republik drohte in den Tschad überzuschwappen.

      Besuch im Tschad

Dann ging es nach Somalia, ans Horn von Afrika. Einen funktionierenden Staat gibt es dort nicht mehr, seit 25 Jahren ist das Land gespalten, Teile versinken im Chaos, werden von Terrorgruppen, wie der Al-Shabaab Miliz, tyrannisiert.

      Besuch in Somalia

Ach ja, und hier drüben war ich auch mal in Los Angeles unterwegs, um dort auf Spurensuche nach den Gangs zu gehen, denn LA gilt als die Hauptstadt der Banden und kriminellen Organisationen in den USA.

      Besuch in Los Angeles
Donald Trump redet mal wieder Unsinn. Foto: Reuters.

Donald Trump redet mal wieder Unsinn. Foto: Reuters.

Das sind nur ein paar der „Reiseziele“, die ich in den letzten Jahren angesteuert habe. Waffen, Gewalt, Not und Elend gab es auf all diesen Trips zu sehen. Doch anscheinend hätte ich für den „Nervenkitzel“ gar nicht so weit fahren müssen, denn der angehende republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump erklärte nun in seiner allumfassenden Kenntnis des amerikanischen Alltags in einem Interview mit der New York Times: „There are places in America that are among the most dangerous in the world. You go to places like Oakland, or Ferguson. The crime numbers are worse. Seriously.“ Oakland ist, laut Trump, also vergleichbar mit den Krisenherden dieser Welt.

Was stimmt, meine neue Heimatstadt in Kalifornien hat ein Gewaltproblem. Die FBI Statistik für 2014 belegt, dass es in dem Jahr 6900 Gewaltverbrechen in Oakland gab, darunter 80 Morde. Doch das ist nichts besonderes für die USA. Vergleichbare Städte, wie Miami oder New Orleans, liegen noch darüber. Oakland ist also nicht gefährlicher als andere US Städte.

Die Reaktion in Oakland ließ nicht lange auf sich warten. Bürgermeisterin Libby Schaaf, geboren und aufgewachsen in Oakland und eine erklärte Hillary Clinton Unterstützerin, twitterte und postete diese Nachricht auf facebook: „Let me be clear, regarding @nytimes story, the most dangerous place in America is Donald Trump’s mouth.“ Dazu muß ich glaube ich nichts mehr hinzufügen!

Wie schnell man doch vergisst!

Zwei Kriege, die die Weltordnung veränderten. Ein Überwachungsstaat. Abbau von Bürgerrechten. Geheimgefängnisse in aller Welt. Billionen von Dollar an Schulden. Eine bröckelnde Infrastruktur. Mit diesen und mehr, nicht gerade schönen, Umschreibungen könnte man die Amtszeit von George W. Bush zusammenfassen. Doch all das zählt wohl nicht mehr.

George W. Bush ist nun beliebter als Barack Obama

George W. Bush ist nun beliebter als Barack Obama

In einer jüngsten CNN Umfrage erklärten 52 Prozent, dass George W. Bush ein guter Präsident gewesen sei. Sie hätten eine positive Meinung über den Texaner. Nur 49 Prozent der Befragten hingegen erklärten, sie hätten eine „favorable opinion“ zu Amtsinhaber Barack Obama. Der liegt also nun hinter „W“, der ihm ein gewaltiges Erbe hinterlassen hatte. Bush Senior und Bill Clinton kommen gut weg, sie liegen in der Gunst der Befragten bei jeweils 64 Prozent.

Es scheint, im Rückblick sieht man alles besser, unkritischer, rosarot. Von Krieg, Überwachung, Bürgerrechtsverletzungen will keiner mehr etwas wissen. Ja, alle Maßnahmen der Bush Regierung haben dazu geführt, dass es in den USA keine größeren Terrorangriffe mehr gegeben hat. Aber um welchen Preis?

Das Bild vor Augen

Syrien, Irak, Libyen, Nigeria, Zentralafrikanische Republik, Demokratische Republik Kongo, Afghanistan und da ist auch noch die Ukraine. Ein paar der Kriegsschauplätze, die mir auf Anhieb einfallen. Der Blick in Deutschland und auch in den USA geht vor allen nach Osten in die Ukraine, denn dieser Konflikt könnte eskalieren und noch dramatische Folgen für Europa haben.

"Nukemap" wurde von Alex Wellerstein entwickelt.

„Nukemap“ wurde von Alex Wellerstein entwickelt. Hier kann man sehen, welche Auswirkungen ein Einschlag über der Nürnberger Altstadt hätte.

Daran mußte ich denken, als ich die Webseite „Nukemap“ fand. Eine Webseite, die von Alex Wellerstein eingerichtet wurde. Wellerstein ist Wissenschaftshistoriker mit dem Schwerpunkt Nuklearwaffen und -geheimhaltung. Er ist Assistenz-Professor am „Stevens Institute of Technology“ in Hoboken, New Jersey. Seine Dissertation schrieb er zum Thema “Knowledge and the Bomb: Nuclear Secrecy in the United States, 1939-2008.” Sein Blog ist ein umfassendes Archiv zum Bereich der Nuklearwaffen. Informationen über Technik, Hintergründe und die Geheimhaltung der militärischen Nuklearnutzung.

So ganz nebenbei hat er „Nukemap“ entwickelt, eine Seite, auf der man eine beliebige Adresse angeben und dazu eine passende Bombe aussuchen kann. Verschiedene Herkunftsländer sind angegeben, von den USA über Russland, Nordkorea, Pakistan, China. Dazu noch die Kilotonnenstärke.

Zuerst dachte ich an ein zynisches Spielchen, doch das ist es nicht. Die Karte zeigt nur den explosiven Radius. Man kann, man muß sich selbst vorstellen, was passieren würde wenn… Wellenstein will nicht schocken, sondern eher mit seinen Einschlagkarten aufklären. Der kalte Krieg ist zwar vorbei, aber die Gefahr einer kriegerischen Eskalation nicht gebannt.

Krieg gegen den Krebs

      USA gegen IS1
      USA gegen IS2
Präsident Barack Obama erklärt den Krieg.

Präsident Barack Obama erklärt den Krieg.

Es soll alles anders werden. Kein Krieg wie in Afghanistan und im Irak. Jetzt wird man gezielt und, ja, chirurgisch vorgehen. Keine Bodentruppen, alles wird aus der Luft erledigt. Amerika fährt seine gewaltige Luftwaffe auf und hofft auch noch auf Unterstützung aus anderen Staaten. Und dann soll das Krebsgeschwür unserer Tage, die Terrorgruppe Islamischer Staat, ausgemerzt sein. Barack Obama legte am Mittwochabend einen Vier-Punkte Plan vor, der vage blieb. Es wird was getan, das ja. Auch mit anderen, doch mit wem? Obama fühlte sich sichtlich unwohl in seiner Haut. Er, der angetreten war, zwei Kriege zu beenden, der unmittelbar nach seinem Amtsantritt mit dem Friedensnobelpreis überrascht wurde, muß nun in den Krieg ziehen. Ausgang ungewiss. Wenn es schlimm läuft, wiederholt sich die Geschichte, wie damals 1993 in Somalia, als jubelnde somalische Kämpfer tote amerikanische Soldaten durch die Straßen Mogadischus schleiften und einer schockierten US Fernsehnation präsentierten. Zwei Audiobeiträge zur Rede des Präsidenten.

Held oder Deserteur

Für manche ist ein Deserteur das schlimmste überhaupt. Für andere ist ein Deserteur ein Held. Was ist Bowe Bergdahl? Zwei Tage nach seiner überraschenden Befreiung im Austausch für fünf hochrangige Taliban, werden die kritischen Stimmen lauter. Die Republikaner konzentrieren sich darauf auf den politischen Angriff gegen Barack Obama. Der hatte in einer quasi Nacht und Nebel Aktion und eigenhändig den Deal in die Wege geleitet. Und das, obwohl eigentlich der Kongress 30 Tage vor einer solchen Entscheidung benachrichtigt werden muß. Obama machte mal laut „Pfff“ und präsentierte das Ergebnis: ein befreiter Sergeant Bowe Bergdahl.

305px-USA_PFC_BoweBergdahl_ACU_CroppedDoch auch die Stimmen von ehemaligen Soldaten in der Einheit Bergdahls werden lauter. Sie werfen dem mittlerweile 28jährigen vor, sich aus freien Stücken und in voller Absicht von seiner Truppe entfernt zu haben. Nicht nur das, die Suchaktionen nach Bowe Bergdahl hatte in der Folge seines Verschwindens mehreren Soldaten das Leben gekostet. Die letzten fünf Jahre hat niemand klar diese offenen Fragen angesprochen, um den Gefangenen nicht zu gefährden. Doch klar ist, das belegen auch die äußerst bedachten Worte von Verteidigungsminister Chuck Hagel, dass es Unklarheiten gibt, dass auf Bowe Bergdahl nach seinen medizinischen Untersuchungen ein militärisches Verfahren wartet. Emails an seine Eltern bestätigen, dass Bergdahl offen über dersertieren nachdachte. Die Taliban erklärten, sie hätten den Soldaten im betrunkenen Zustand außerhalb eines Wachpostens gefangen genommen.

Wenn sich heraustellen sollte, dass Bowe Bergdahl tatsächlich desertierte, wird das immense Folgen haben. Vor allem für Präsident Barack Obama, der dann erklären muß, warum er fünf als gefährlich eingestufte Talibankämpfer gegen einen Deserteur eintauschte, der durch seine unbedachte Handlung Soldaten tötete. Es könnte politisch eng werden für Barack Obama.

Die Republikaner kochen vor Wut

0531-bergdahl-parents-obama.jpg_full_600Kurz nachdem Präsident Barack Obama am Samstag im Rose Garden des Weißen Hauses mit den Eltern von Sergeant Bowe Bergdahl vor die Presse getreten war, um die Befreiung des seit fünf Jahren vermissten Soldaten zu verkünden, da wurde auch schon Kritik am Geheimdeal laut. Denn Obama hatte den Bergdahl im Austausch für fünf hochrangige Taliban im Gefangenenlager von Guantanamo Bay „frei gekauft“. Das war wohl die letzte Möglichkeit, die Obama, Verteidigungsminister Chuck Hagel und die betroffenen Militärs sahen. Man kann davon ausgehen, dass zuvor sowohl etliche militärische Befreiungsszenarien und wie auch diplomatische Verhandlungen durchgespielt wurden. Denn Amerika hatte bislang immer gesagt: „Wir verhandeln nicht mit Terroristen“. Dagegen stand der Grundsatz, wir lassen niemanden zurück. In den USA sieht man im ganzen Land Fahnen „MiA-PoW“, was für „Missing in Action – Prisoner of War“ steht. Und Bowe Bergdahl war genau das, missing in action, prisoner of war.

BoweObama handelte und das ohne den Kongress zu benachrichtigen. Howard McKeon, der republikanische Vorsitzende des Kongressausschusses für die Streitkräfte und der Senator James Inhofe, der führende Republikaner im gleichen Ausschuss des Senats, warfen Obama vor, illegal gehandelt zu haben. Denn eigentlich müßte der Kongress 30 Tage vor dem Transport eines inhaftierten Terroristen benachrichtigt werden. Das hatte das Weiße Haus vermieden, um den Deal mit den Taliban und Katar nicht zu gefährden. Auch meinten beide führenden Republikaner, der Präsident müsse sich nun erklären. Denn wie kann es sein, dass bislang als hochgefährlich eingestufte Taliban jetzt einfach so außer Landes gebracht werden. Sei die Gefahr nicht mehr existent, fragten McKeon und Inhofe?

Der grantige und immer etwas angesäuert wirkende republikanische Senator John McCain kritisierte am Sonntagmorgen in der CBS Sendung „Face the Nation“, dass die Obama Administration mit Terroristen verhandelt habe, was bislang ein absolutes Tabu für Amerika war. McCain, der selbst ein PoW war, meinte weiter, es dürfe nicht angehen, dass die Taliban selbst bestimme, welche Gefangenen freigelassen werden. Der republikanische Senator Ted Cruz, einer der aussichtsreichen Präsidentschaftskandidaten seiner Partei erklärte, es sein ein „gefährlicher Preis“ für die Freilassung Bergdahls gezahlt worden.

Die Republikaner im Kongress machten am Wochenende deutlich, dass sie Barack Obama diesen „Publicity Sieg“ nicht gönnen. Sie setzen nun alles daran, diesen Gefangenenaustausch als „illegal“ und „unverantwortlich für Amerika“ darzustellen.

Selbstmordrate steigt

59.000 Soldaten der amerikanischen Streitkräfte gehören zu Spezialeinheiten, wie den Army Rangers oder den Navy SEALs. Derzeit sind sie nicht nur in Afghanistan und dem Irak, sondern in 84 (!) Ländern im Einsatz. Nun hat Admiral William McRaven, der die Spezialoperationen der US Sondereinheiten leitet, auf ein massives Problem in den Reihen seiner Soldaten hingewiesen. Die Selbstmordrate liegt ungewöhnlich hoch und steigt von Jahr zu Jahr. „Meine Soldaten kämpfen seit 12, 13 Jahren im harten Einsatz. Und jeder, der das miterlebt hat, hat sich verändert. So einfach ist das“, erklärte McRaven auf einer Konferenz in Tampa, Florida.

Harte Zahlen und Statistiken wollten der Admiral nicht vorlegen, denn alles, was diese Spezialeinheiten angeht fällt unter strengste Geheimhaltung. Allerdings weisen die allgemeinen Zahlen der aktiven Militärangehörigen daraufhin, dass im Jahr 2012 350 Soldaten sich das Leben nahmen. Eine ähnliche Zahl liegt für 2013 vor. William McRaven fügte in Florida nur hinzu: „Und dieses Jahr, befürchte ich, sind wir auf dem Weg, diese Zahl zu überschreiten.“

Amerika, das wird immer deutlicher, hat mit den jüngsten Kriegsschauplätzen in Afghanistan, im Irak und dem ausgerufenen „War on Terror“ an der Heimatfront einen Krieg der anderen Art eröffnet. Die Ausmaße dabei sind noch gar nicht zu erkennen und abzuschätzen.

 

 

 

Amerika hat den Krieg im eigenen Land

Wieder eine Schießerei, wieder auf einem US Militärstützpunkt. Das texanische Fort Hood wurde erneut zum blutigen Schauplatz. Schon 2009 wurden an gleicher Stelle von einem US Army Psychologen 13 Menschen erschossen und mehr als 30 verletzt. In der Kaserne zwischen Austin und Waco leben rund 45.000 Soldaten und ihre Angehörigen. Eine Kleinstadt mit allem was dazu gehört. Krankenhaus und Flughafen, Shopping Mall und Kinosäle. Und Soldaten, die von den Kriegen in Afghanistan und dem Irak gezeichnet sind.

Amerika baut in Übersee die Truppenkontingente ab. Zum ersten mal wurden im Monat März keine Militärangehörigen im Einsatz getötet. Das gab Anlass zur Hoffnung auf ein Ende des Krieges. Und nun hat Amerika eine Front daheim. „Post Traumatic Stress Disorder“, kurz PTSD genannt wird die USA noch auf Jahrzehnte hinaus begleiten. Soldaten, die mit Traumata zurück gekommen sind. Zeitbomben, die schlummern. Es muß ihnen geholfen werden, doch das Land ist darauf überhaupt nicht vorbereitet. In den VA Hospitals, den Krankenhäusern für die Veteranen, sind die Schlangen lang. Dokumente und Akten häufen sich in Kellern, immer wieder geben Soldaten frustriert auf, da sie hier keine Hilfe erhalten. Viele wenden sich erst gar nicht an die Spezialisten aus Angst, abgestempelt zu werden. Sie hoffe, die Probleme in schlaflosen Nächten alleine unter Kontrolle zu bekommen.

Der Amoklauf am Mittwoch mit drei Toten, mehr als 12 Verletzten und dem Selbstmord des Todesschützen ist nur der Anfang von dem, was auf Amerika in den kommenden Monaten und Jahren zu kommen wird…falls nicht gehandelt wird. Und danach sieht es nicht aus. Es fehlt schlichtweg das Geld um eine breite Versorgung der Veteranen zu garantieren. Und es passt irgendwie nicht in das Bild der mutigen Helden an der Kriegsfront, dass gebrochene Männer nach Hause kommen, nachts nicht schlafen können, mit Alpträumen und Schuldgefühlen aufwachen, depressiv sind, weinen, sich leer fühlen, keinen Sinn mehr im Leben sehen. Amerika muß handeln, bevor es zu spät ist.