Der Blick nach unten lohnt sich

Heute wurden die Grammy Nominierungen verkündet. Ich muss auf der ellenlangen Liste ziemlich weit nach unten fahren, um die wirklich guten Platten zu finden, von denen ich finde, dass sie eine Auszeichnung verdient haben. Klar, es ist immer auch Geschmack dabei, aber seien wir doch ehrlich, bei diesen Grammys werden in den vielbejubelten Kategorien immer die gleichen Verdächtigen nominiert und ausgezeichnet.

Eine der wirklich großartigen Platten in diesem Jahr ist Mary Gauthiers „Rifles & Rosary Beads“, die als „Best Folk Album“ zur Wahl steht. Gauthier hat das Album gemeinsam mit Veteranen geschrieben. Songs, die in Musik-Workshops entstanden sind, Lieder als Hilfe, als Krücke, als Möglichkeit, Erfahrenes auszusprechen und zu verarbeiten. Eine wichtige Platte in diesen Zeiten, wo Zehntausendes von Soldaten aus den Einsätzen in Afghanistan und Irak zurückkommen und auf eine Gesellschaft stoßen, die nicht in der Lage ist, ihnen die Hilfen zu bieten, die sie benötigen, die sie verdienen. Jeden Tag nehmen sich 22 Veteranen das Leben. Das ist die offizielle Zahl, nicht beachtet dabei werden Suizidversuche, Gewalt gegen andere, Alkohol- und Drogenprobleme, der gesellschaftliche Absturz. Mary Gauthiers Album ist daher ein Spiegel und ein Aufrüttler zugleich. Alben wie diese sollten beachtet und ausgezeichnet werden:

      gauthier

In der Kategorie „Best Album Notes“ wurde die hervorragende Doppel-CD Alpine Dreaming: The Helvetia Records Story, 1920-1924″ nominiert. In jahrelanger Kleinarbeit hat Professor James Leary von der University of Wisconsin in Madison alle Aufnahmen eines Labels zusammengetragen, das ein Schweizer Einwanderer 1920 gegründet hatte. Und nicht nur das, Leary erzählt in dem umfassenden Booklet die Geschichte des Labels und der Schweizer Community, angereichert mit vielen Bildern, Informationen und Details zu den einzelnen Musikerinnen und Musikern. Ein beeindruckendes Klangwerk, das neugierig macht auf mehr. Auf mehr, was all die Einwanderer in die USA mitgebracht haben, wie sie dieses Land zum Tönen brachten, wie sie es kulturell und musikalisch beeinflusst und bereichert haben.

      helvetia
Und dann sind auch noch zwei deutsche Produktionen in der Kategorie Best Historical Album nominert. Beide wurden auf dem einzigartigen (Kult-)Label Bear Family veröffentlicht: „At The Louisiana Hayride Tonight“ und „Battleground Korea: Songs And Sounds Of America’s Forgotten War“ . Zwei umfangreiche Boxen, die es in sich haben. Vor allem die Korea Box ist ein historisch einmaliges Klangerlebnis, die Geschichte zum Hören bringt. Beide sind in der bekannten Bear-Family Qualität mit viel Liebe zum Detail veröffentlicht worden.

Trump und der Ort der Schande

Seit 17 Jahren existiert das US Gefangenenlager Guantanamo Bay auf Kuba. Noch immer sind dort 41 Gefangene ohne Anklage und ohne Prozess untergebracht. Foto: Reuters.

Es war ein zentrales Thema von Barack Obama, direkt nach seinem Amtsantritt am 22. Januar 2009 unterschrieb der damalige Präsident eine präsidiale Anordnung, die besagte, das Gefangenenlager Guantanamo Bay auf Kuba sei zu schließen. Es sei ein Ort der Schande, auf den Amerika alles andere als stolz sein könne, hieß es zur Bergründung. Doch die Republikaner bekämpften vor den Gerichten diese Entscheidung. Sie wollten keine “feindlichen Kämpfer” in bundesstaatlichen Gefängnissen in den USA.

Donald Trump griff das in seinem Wahlkampf auf und erklärte unter dem Jubel seiner Anhänger, er werde Guantanamo nicht nur offen halten, er werde das Lager auch ausbauen. Mit der Wahl Trumps wurde dieses Thema wieder aktuell. Sein Justizminister Jeff Sessions erklärte schon kurz nach seinem Dienstantritt, Guantanamo sei ein – Zitat – “sehr feiner Ort, an dem man solche Kriminelle aufbewahren kann”. Sessions wandte sich auch dagegen, die Gefangenen in die USA zu verlegen, wo sie von der Verfassung garantierte Rechte erhalten würden.

Donald Trump kippte daher am Dienstagabend eine weitere präsidiale Anordnung seines Vorgängers Barack Obama. In seiner Rede erklärte er, er halte ein weiteres Versprechen aus seinem Wahlkampf. Törichterweise, so der Präsident, seien in der Vergangenheit Hunderte von gefährlichen Terroristen aus dem Lager entlassen worden, die anschließend wieder in den Krieg gegen die USA zogen. Auch kündigte er an, dass sein Verteidigungsminister Jim Mattis innerhalb von 90 Tagen einen Plan vorlegen soll, wie man in Zukunft mit verhafteten Extremisten an den zahlreichen Fronten im Krieg gegen den Terror umgehen soll. Das Gefangenenlager Guantanamo Bay spielt dabei eine wichtige Rolle in den Plänen der Administration. Noch immer sitzen dort 41 Häftlinge ohne Anklage und ohne Prozess.

Nationale Sicherheitsexperten der Bush und der Obama Administrationen warfen Trump noch am Abend der “State of the Union” Rede vor, eine eher populistische Entscheidung für seine Basis getroffen zu haben. Denn Guantanomo habe keinerlei Bedeutung für die nationale Sicherheit der USA und isoliere Amerika nur weiter auf der internationalen Ebene.

„The job as a Folk singer is to disturb the comfortable“

Mary Gauthier hat über die Jahre sieben Studioalben veröffentlicht, auf denen sie ihre persönlichen Geister und Traumata in Songs aufarbeitete. Kein leichter Prozess, doch ihre Lieder wurden für sie zu einem Weg mit der eigenen Geschichte zurecht zu kommen. Da waren Adoption, Flucht, Alkoholsucht, die Suche nach sich selbst. Nun legt sie mit “Rifles & Rosary Beads” ihr neuestes Album vor, eine Platte, die sie mit US Veteranen aus dem Afghanistan und Irak Krieg und deren Angehörigen schrieb. Es ist keine patriotische, aber doch eine sehr amerikanische Platte. Das gesamte NZ-Interview mit Mary Gauthier können Sie am Ende des Beitrags lesen:

“I was bound to something bigger
More important than a single human life
I wore my uniform with honor
my service was not a sacrifice
But what saves you in the battle
can kill you at home
A soldier, soldiering on“

Mary Gauthier wurde vor fast fünf Jahren von der Organisation “Songwriting with Soldiers” eingeladen. Dabei werden Folk Musiker und Musikerinnen mit Soldaten und Veteranen zusammen gebracht, um durch Songs Erlebtes auszudrücken. Auf den ersten Blick ein gewagtes Unterfangen. Gauthier hat keine Militärerfahrungen und erklärt von sich, dass sie gegen den Krieg im Irak protestierte: „Aber das heißt ja nicht, dass ich die Soldaten hasse. Ich liebe die Mitmenschlichkeit und das bezieht Soldaten mit ein. Und wenn ich helfen kann, dann will ich auch helfen. Ich werde auch wieder gegen den nächsten Krieg protestieren, aber wenn die Soldaten zurückkommen, sie verwundet sind und ich helfen kann, dann werde ich das tun.“

“Who’s gonna care for the ones who care for the ones who went to war
land mines in the living room eggshells on the floor
I lost myself in the shadow of your honor and your pain
You stare out the window as our dreams go down the drain
Invisible, the war after the war”

Mary Gauthier – Foto: Laura E. Partain.

“Rifles & Rosary Beads” ist ein sehr nahegehendes, gefühlvolles, ja, poetisches Album. Die Liedertexte sind alles andere als der Hurra-Patriotismus, der in diesen Wochen und Monaten in den USA verbreitet wird. Hier kommt nach 17 Jahren Krieg eine Generation zu Wort, die tief traumatisiert ist, die mit Problemen den Weg zurück in die amerikanische Gesellschaft finden will. Mary Gauthier hilft dabei auf eine sehr einfühlsame Weise, versucht Bilder im Kopf zu Worten werden zu lassen: „Ich habe den Song “Rifles & Rosary Beads” mit einem jungen 19jährigen Mann geschrieben, der nach seiner Grundausbildung nach Fallujah im Irak geflogen wurde. Und ich frug ihn, “Joe, was hast du gesehen, als Du aus dem Flugzeug kamst, beschreib es mir”. Und er meinte: “Da waren Jungs mit Rosenkränzen in ihren Händen und sie haben den Rosenkranz gebetet, die Perlen durch ihre Finger gerollt. Und da waren andere mit Gewehren in der Hand, die sie mit weißen Knöcheln ganz fest hielten.” Siehst Du den Song da, Arndt. Er nimmt Form an, wenn man das hört. Und ich habe ihm gesagt, wir können das Lied “Rifles & Rosary Beads” nennen. Ich habe diese Bilder von ihm bekommen, die er mit seinen Augen gesehen hat und ich konnte danach erkennen, was das mit ihm gemacht hat.“

Rifles & Rosary Beads
You hold on to what you need
Vicodin Morphine Dreams
Rifles & Rosary Beads
White Knuckles wrapped around
Blackness that has no sound
Bombed out schools and homes
Kids in the street alone”

Mary Gauthier hat über die Jahre mit “Songwriting with Soldiers” nahezu 400 Songs gesammelt. Auf “Rifles & Rosary Beads” sind nun elf davon veröffentlicht worden, fünf wurden von Soldatinnen und Ehefrauen mitgeschrieben, sechs von Soldaten. Lieder, die sich um Erlebtes drehen, um den Krieg nach der Rückkehr, aber auch um sexuelle Belästigung und Vergewaltigung von Soldatinnen in Uniform. Mary Gauthier sieht sich mit dieser Platte auch in einer historischen Rolle, ihre Aufgabe sei es Missstände deutlich anzusprechen: „Ich denke, die schwierigen Fragen werden von Folk-Musikern gefragt. Ich sehe mich als eine Folk-Sängerin. Diese Geschichten sind in der Tradition von Woody Guthrie geschrieben. Ihre Aufgabe ist genau das, was Woody uns aufgetragen hat. Und das ist, die Aufgabe eines Folk Sängers ist es, die Gemütlichkeit zu stören und dabei die Gestörten zu trösten.“

“When the darkness draws near
And I’m shackled, chained to my fear
And the nightmares how and moan
She wakes me up and reminds me I’m home
It’s her love”

Sprecher: “Rifles & Rosary Beads” ist ein ermutigendes Album, für das man sich Zeit nehmen sollte. Denn es zeigt einen gerne übersehenen Teil Amerikas, einen zerbrechlichen, einen menschlichen. Neben all dem News-Getöse dieser Tage ist diese CD nicht nur mutig, sondern auch wichtig.

“I was an Army mechanic, I worked with the men
I worked on my back, I tried to fit in
Torque wrenches and ratchets, multi-meters and scales
Grease on my face, Grease on my hands, Grease under my nails
It was so hard to see ’till it attacked
But my enemy wasn’t Iraq”

 

Das NZ-Interview mit der amerikanischen Folk-Musikerin Mary Gauthier:

NZ:
Mary, how did your new album “Rifles & Rosary Beads” come about?

Mary Gauthier:
Over the last four and a half years I’ve been working with an organization called “Songwriting with Soldiers”. And what we do is pair-up songwriters with veterans from all branches of the military and sometimes with their wives. We go to a retreat center and the songwriters sit with the veterans. We listen to their stories and take what they tell us and turn it into a song. And the veteran is the co-writer of the song. So, we sit with them and we listen. And of course, people who have been through so much, people who have been through war carry a lot of stories and a lot of trauma, oftentimes a lot of trauma. And the stories that come from it, the stories that come from working with them are real beautiful and incredibly intense.

NZ:
What kind of experience did you have with the military prior to this project?

Mary Gauthier:
None, none (laughs). Zero. None of the songwriters so far have any military experience. But what we do have and a lot of, is songwriting experience. The goal is, to get the best songs from what we hear. I was invited, as just a songwriter to do this work and I fell in love with it. I just really fell in love with taking the skill set that I have and using it in service to those who have served.

NZ:
The debate about military and war is often black and white. You are for or against it. Were you also tested in some ways about what you have heard?

Mary Gauthier:
Well, what’s beautiful about the program and the work that we do is, we never talk about politics. We are not interested in policy or politics. What we’re interested in is getting the stories told and really, really listening to what they have to say about how they feel and what they went through. So, we’re not discussing what they think about the wars or the politics of military engagement. What we’re discussing is where it hurts and where it lands on an individual. And how trauma will follow them around for fifty years. I have worked with Vietnam veterans, who’ve been home for 50 years and every night they still wake up screaming. So, we’re not talking about politics, and so no, it hasn’t tested me that way. But it has tested me emotionally, because some of these stories, I have to put my guitar down and cry. And it’s ok, ‘cause I’m not a therapist. You know, I’m not assessing them, I’m not a doctor. I’m just a human being listening to really difficult stories. If it didn’t make me cry, I think, there might be something wrong with me. And so, sometimes we cry together. And than, when we get through the tears we finish the song.

NZ:
What you describe seems to me a good example of, what I have learned over here in the US: We support our troops. It doesn’t matter, how you see war or a military conflict, you don’t have this fight for or against a war on the backs of soldiers, because they didn’t make the decision to go to war.

Mary Gauthier:
Exactly, exactly…and I think what civilians don’t understand…and I think this is one of the big things I’ve learned is, that no one hates war more than a soldier. No one. The notion of being of service to those who have served, it’s not a political notion, it’s a human notion. These people have given so much and to be of service to them is a privilege really. It’s an opportunity to listen and to help them articulate what they’ve been through. You know, I wrote a song called “Mercy Now”, which was written as we were going into this war, where all these people got swept up. My political position was opposition to the war. But that doesn’t mean that I than hate the soldiers. I love humanity and that includes soldiers. And if I can help I wanna help. I’ll be out there protesting the next war too, but if the soldiers come back and they’re hurt and I can help, of course I will. The reason I would protest the war is, because I don’t want people to be hurt. Sometimes it’s very, very complicated and we want simple answers, don’t we? Like, if you’re against the military, you’re against the war, than you hate soldiers. Well, that’s just childish, it’s immature. These are good people, who got swept into something, that was way bigger than them.

NZ:
How can I imagine these song workshops, are you all sitting around and are talking…how does a song develop out of this?

Mary Gauthier:
You know, it turns out, that people who carry a lot of trauma, people who carry a lot of hurt, they are just dripping in songs and song titles. And so, as they speak, the song just takes shape really quickly. There’s something about really listening to someone, where you can hear the song coming in. Or I can hear the song coming in. For example, I wrote the song “Rifles & Rosary Beads”, which is the title track with a young man who served in Fallujah, Iraq, during the surge. He’s 19 years old, he went through basic training and they flew him to Iraq during the surge. And so I asked him, “Joe, what did you see, when you got off that plane? Just give me the visuals”. And he said: “Well, I saw this yellow smoke and this orange haze everywhere.” And he said: “At sunset the bombs would whistle in and I couldn’t trust the sky.” And I wrote that down. And he said: “There were guys with rosary beads in their hands and they were praying the rosary, just rolling those beads in their hands. And there were other guys with rifles in their hands, and they were squeezing the rifles with white knuckles, holding them tight”. You see, Arndt, you see the song there. It just starts to take shape, when you hear these things. And I said, “Look, we can call this song “Rifles & Rosary Beads””. And I got these pictures from him, what he saw with his eyes and I was able to start to see what happened to him on the inside.

NZ:
So, you’ve worked with the veterans on the lyrics, but how did that become a song, how did you put the music to the texts?

Mary Gauthier:
For me the music and the lyrics start to take shape about the same time. If you understand music intuitively, like I do. I don’t have a classical training, I can’t read music, so my understanding is intuitively. But I know what notes attach to what feelings. I can find the soundtrack on a very simple cord to what you’re telling me you feel. And as I strum those notes, and what I’m doing is letting you know that I understand how you feel. And this than opens you up further to tell me more, because you feel seen and hurt. The process is pretty quick. If we do it right, we have over 400 songs, so we’re doing it right. If the music is right, that opens up the soldier to talk more. And if they talk more, the music expands, and than their words just began to take shape into a song. I write down as they talk what they say, and than I just sit for a little while and structure it. I play it back to them, ask ‘em, if it’s right and if it is keep going, and if not, I’ll start again and try to find what it is they’re trying to say. They don’t know what they’re trying to say. So I help them to say it and find the words for what it is, their soul needs to say. It takes shape in like two hours, we have their song. It becomes pretty clear what it is they’re trying to say.

NZ:
To work with a veteran on a song, what is this all about? Is it more to put experiences in that moment into words or is it more a longterm strategy how to deal with your own trauma?

Mary Gauthier:
I think, it’s the second part. For so many, what has to happen first is, they need to have a sense that they are being seen and heard. And what they have to say matters. So, when we sing their experience back to them, they get a sense, sometimes for the first time in a really long time, that they matter. And that their experience can be used to help others. This brings hope, becomes purposeful. And this infusion of hope than opens the possibility for them to do other things that can help them deal with their trauma.

NZ:
You’re talking about 400 songs, how did you select the 11 songs on this album?

Mary Gauthier:
Difficult. I wanted to tell the story of the last 17 years of war, that meant, I didn’t put any Vietnam era songs in here, although I got quite a few really powerful ones. I decided not to put the Vietnam era songs in, because I wanted to focus really on the Afghanistan and Iraq conflicts, that we’re still in. And I wanted to get both female and male soldiers, so we got five women songs, six men songs. And I wanted to get the wives story told, so I got two songs that were co-written with a group of wives, veterans wives. I wanted to discuss the impact of this war on those who are serving in it through the stories on this record. I think, that’s how I narrated down. I wanted to get different viewpoints, different experiences, so, we’ve got the story told in as clean as way possible.

NZ:
So, is there a second part about the Vietnam war coming out?

Mary Gauthier:
If I did the Vietnam era, that would be the whole thing, and certainly I have to do a record of all songs written by female combat veterans. And their experience includes massive amount of sexual harassment and rape. They weren’t raped by Iraqis, they were being raped by people in the same uniform. We’ve got a huge military sexual trauma problem. As #metoo gets talked about in the United States and around the world, we haven’t really heard from our female soldiers yet. I feel, that it’s something should blow the lid off of what’s happened to our female veterans and our female soldiers. And there is just not a conversation that’s been started around that really, not yet. But I would expect that it’s going to happen, I just don’t know how or when.

NZ:
Beyond all these songs are life stories, that people right in front of you went through, suffered through. What was for you the toughest part listening to these stories?

Mary Gauthier:
Very hard to narrow down. I think, one of the things that stays with me the most is how war creates moral injuries in our soldiers. They are asked to do things, that they don’t….that they have trouble reconciling who they are with what they did. And these moral injuries are profound. And this is what we always ask of a soldier. This is the international and timeless challenge of everyone who’s been to war. It’s how to reconcile what they did in war, with who they see themselves as being, as they reenter civilian life. It’s called a moral injury and it’s a big, big subject. The military is aware of it, VA addresses it, and psycho-therapists are working with veterans on this very thing. We came back from Vietnam with so many soldiers with moral injuries. And now we’ve got this next generation of young people. And they are young people, they are significantly younger than I imagined them to be. They could be my kids, you know. Very much could be my kids. And they are struggling with some of the things that they find very hard to live with, that they did. My heart goes out. I understand from listening, not from personal experience, that when you put into that position, part of what happens is out of your control. And so, that sticks with me. And how much suffering is involved in that, how much suffering is involved in that…

NZ:
Country music – in Germany – is often considered to be this happy, patriotic American music. Your album is quite different, showing the “reality” of life. How do you see this?

Mary Gauthier:
Well, you know, I think, “Hooray America is great” is one side of the story. But the other side really hasn’t had a chance to be heard. I think that nationalistic, patriotic songs don’t ask the hard questions. And I think the hard questions are gonna be asked by Folk singers. For me, I think of myself as a Folk singer. And I think of these stories, they are written in the tradition of Woody Guthrie. I think their job is to do what Woody asked us to do, which is, your job as a Folk singer is to disturb the comfortable. By doing so, you comfort the disturbed. Unquestioning, songs that are unquestioning, that are escapist in nature, that are just pure entertainment, that’s what I would call commercial music. And the purpose of commercial music is to sell a lot of copies and get played on the radio and not challenge the status quo in any way. I think that’s fine and people need that. Sometimes you just need to escape. But music can do something else too, and that’s what I’m up to. I think, if its brave it can help work through really deep traumas, but you have to tell the truth. And the truth is, that war has a price. And the price is paid by the soldier and their families. We need to know what that price is. That’s what these songs, I’m trying to shine the light on what is the price, that the individual pays. You’re not gonna get that in a “Ra-Ra” song, because it’s not the purpose of that song. The purpose of that song is something else.

NZ:
On your previous albums you have worked through your traumas and ghosts you’re carrying with you. How was this for you, to be for this album in this different position to listen and to work on the traumas and experiences of others?

Mary Gauthier:
I think, maybe the way to look at it is, my whole life has prepared me to do this work. I’ve worked through my own traumas with my music in the last eight records. I’ve worked through adoption trauma, I’ve worked through addiction, I’ve worked through the things that, the blows that I’ve taken personally. And I learned what music can do to help steady me. I learned the power of truth telling in songs and what it can do to connect people and to disturb the comfortable. And comfort the disturbed. I’ve been disturbed, I know how music can comfort the disturbed, because I’ve been disturbed. I reached a place in my life, where I’m pretty steady. I’ve been sober almost 30 years, I’ve done a lot of work both in recovery and in my art to prepare me to take my skills and use them in a way that is of service to other people. And specifically to people who are dealing with trauma. So, I’m prepared to go to the very deep place with these veterans and I’m not afraid. And so they feel, I think, in some sense, there is a safety with me, because they know I’ve been there in some way. Not in their war, not in a war, but certainly I’m no stranger to trauma. I’m not gonna flinch and I’m not afraid and so they can lean into me. I’m able to be the conduit and so are all the other songwriters, who do this work with songwriting with soldiers. We are able to be the conduit for these stories. Because of the way I write, it’s gonna come out musically quite simple. It does sound like Country music, but it really is a very simple, old-fashioned way of going about it. Three chords, minimal words and going straight to the heart of the matter, quickly. That’s what I bring. They bring me the stories and I bring that skill set to help them tell their stories.

NZ:
You are going to tour now for this new album, will you bring some of your co-song writers on stage with you?

Mary Gauthier:
Yeah, I’m gonna try some of that. When I’m in town, where they are near, I’ll invite them, absolutely. And it’s still coming into focus how that’s gonna look. I’m not sure. Because, see, they’re not singers and they’re not songwriters and most of them really hate a lot of attention. They’re soldiers, they’re trained warriors, they are not attention grabbers. They work behind the scenes. A lot of them are incredibly humble and they don’t like the spotlight. So, I’ve got to figure out a way to do it, that’s respectful for what they need. But I’m thinking of ways, and ja, I think it would be beautiful to have, at least, acknowledge them and introduce them quickly in a way that’s comfortable for them.

NZ:
Is “Rifles & Rosary Beads” your project or a co-owned project with the involved veterans?

Mary Gauthier:
There is only me. I am the record company. I am the artist manager. The record is owned by me. The publishing is co-owned by the veterans, but I’m the one, who made all the decisions. So, if it’s any good I get to celebrate some success. And if it’s a total failure than you gotta blame me. This is my project.

„Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen“

Die Worte Platons findet man am Schluß des Buches „Generation AK – The Afghanistan Wars 1993 – 2012″, erschienen im Münchner Steidl Verlag. Worte, die kaum besser das beschreiben können, was der australische Fotograf Stephen Dupont in diesem Buch zeigt. Die Sinn- und Hoffnungslosigkeit, der Irrsinn, das Ausmaß dieses endlosen Krieges in Afghanistan.

Dupont bereist seit Jahrzehnten das Land am Hindukusch, kennt es so gut, wie kaum ein anderer Fotojournalist. In seinen Fotos spürt man die Nähe, die Faszination, ja, die Liebe zu diesem beeindruckenden Land. Er zeigt aber auch die ganze Brutalität des Alltags, die geschundenen, traumatisierten Menschen, Generationen, die im und mit dem Krieg aufgewachsen sind. Dupont führt dem Betrachter in seinen bewegenden schwarz-weiß Bildern ein Leben vor, das für viele von uns kaum vorstellbar ist. Elend, Angst, Terror, Hoffnungslosigkeit. Und all das wiederholt sich. Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr, Jahrzehnt für Jahrzehnt.

Stephen Dupont zeigt in seinem Fotobuch „Generation AK“ die vielen Seiten des Lebens in Afghanistan. Foto: S. Dupont.

Zweimal durfte ich nach Afghanistan reisen und war jedesmal von der Schönheit dieses Landes beeindruckt. Und doch ist da auch immer dieses Gefühl, nicht zu wissen, was gleich passieren kann. Ein friedliches Ende ist nicht in Sicht. Auch das zeigen Duponts Bilder, dazu Aufzeichnungen aus seinen Tagebüchern. Auch wenn die Fotos zwischen 1993 und 2012 aufgenommen wurden, Afghanistan war und ist kein sicherer Ort, wer das behauptet, sollte dorthin reisen. Es ist ein hochbewaffnetes Land, in dem unzählige von Drittstaaten ihre Interessen verfolgen. Die Taliban sind wieder auf dem Vormarsch, die verschiedensten Terrororganisationen und War Lords kämpfen um ihren Teil im Land. Den Krieg wird man nie mit noch mehr Krieg beenden können. Duponts Fotos machen auch das deutlich. Viele seiner festgehaltenen Momentaufnahmen wiederholten sich über die Jahrzehnte. Er ist nah dran, zeigt die Menschen, ihre Gesichter, ihre Blicke, kaum ein Lächeln.

Die Fotos machen einen ohnmächtig. Bilder nach einem Selbstmordanschlag eines Zwölfjährigen. Tote, abgerissene, blutige Körperteile, Verletzte. Der Fotograf funktioniert, hält all das fest und versetzt damit den Leser dieses Buches in einen betroffenen Voyeur, der sich eingestehen muss, viel zu lange schon mit diesem Horror zu leben, die Nachrichten von dort auszublenden, nichts mehr in diesem komplizierten Machtspiel zu hinterfragen, der erneuten Eskalation des Krieges zuzusehen. Stephen Dupont zeigt Afghanistan, zeigt einen Krieg, zeigt einen eingeschlagenen Weg, der einfach nur falsch ist. „Generation AK – The Afghanistan Wars 1993 -2012“ ist eine tief bewegende Retrospektive eines Ausnahmefotografen, der diesen Krieg erlebt, durchlebt und vor allem auch überlebt hat. Und doch, in diesem Buch kann man auch die Narben erahnen, die Dupont selbst davongetragen hat.

Das ewige Vietnam

Amerika im Krieg. Im Abendprogramm des öffentlichen Sender PBS läuft derzeit „The Vietnam War“. Eine 18stündige Dokumentation, an der der Filmemacher Ken Burns zehn Jahre lang arbeitete. Eine unglaubliche, umfangreiche Sammlung an Stimmen, Archivmaterial, Videos, Fotos, Geschichten. Es wird der Zusammenhang und das Gesamtbild eines Krieges erklärt und erzählt, wie es besser nicht sein könnte. Schockierende Bilder neben aufwühlenden Interviews. Auch 50 Jahre nach den Ereignissen in Südostasien bewegen die Bilder. weiter lesen

Die Geister, die man rief

Thomas J. Brennan war ein US Marine, Finbarr O’Reilly ein Fotograf für die Nachrichtenagentur Reuters. Sie trafen sich auf einem Außenposten des US Militärs irgendwo im Niemandsland von Helmand, Afghanistan. Ein ungleiches Paar, hier der Soldat, da der Fotograf. Der Krieg brachte sie zusammen. Anfangs war da Mißtrauen, doch das wich im Laufe der Zeit. Brennan und O’Reilly wurden Freunde.

Was sie vor allem jedoch verbindet ist das, was sie aus den Kriegseinsätzen mit zurück in ihr Leben brachten, was sie nicht mehr los läßt. Bilder des Schreckens, traumatische Erlebnisse, PTSD (Post Traumatic Stress Disorder) und im Fall von TJ Brennan eine Hirnverletzung nach einem Bombenanschlag. Beide Männer, nach außen hin die harten Kerle, mussten nach ihrer Rückkehr aus den Kampfgebieten ihr Leben neu ordnen und finden.

In dem gemeinsamen Buch „Shooting Ghosts“ beschreiben O’Reilly und Brennan ihren Kampf. Anfangs die Suche nach Antworten, ihr Unvermögen, das zu erkennen, was sie durch ihre Erfahrungen geprägt, was folgenreiche Spuren in ihrem Leben hinterlassen hat. Das Militär geht davon aus, dass die Soldaten zurück kommen und wer keine sichtbaren Verletzungen hat, soll sich zusammen reißen und weiter marschieren. Das ist das Credo der Marines. So beschrieb es schon General George S. Patton 1943: „It has come to my attention that a very small number of soldiers are going to the hospital on the pretext that they are nervously incapable of combat. Such men are cowards and bring discredit on the Army and disgrace to their comrades who they heartlessly leave to endure the danger of a battle which they themselves use the hospital as a means of escaping.“ Und was Patton vor über 70 Jahren sagte, hat heute noch immer seine Gültigkeit bei den Truppen. Viele Soldaten trauen sich nicht über das zu reden, was sie erlebt haben, anzusprechen, dass sie nach massiven Gehirnerschütterungen Probleme im Alltag haben, in ihrem Job, im Umgang mit anderen, mit ihren Familien. Wer Hilfe sucht, wird zu oft fallen gelassen, auch heute noch. „We support our troops“, dieser hehre, allgegenwärtige Spruch in den USA wird zum Hohn. Das erlebte TJ Brennan selbst.

Für Finbarr O’Reilly ist es nicht viel anders. Er kam „heil“ aus den Kriegen zurück, über die er berichtete, doch die Negative seiner Bilder brannten sich in sein Gedächtnis ein. Tod, Leid, Elend, Sinnlosigkeit, Todesangst, Hoffnungslosigkeit, wer all das erlebt und sieht und das immer und immer wieder, der kommt an seine eigenen Grenzen, überschreitet diese, wie es O’Reilly tat. Es ist dieses zurückkommen in den Alltag, die Sinnfrage, der Mangel an Worten, das zu beschreiben, was man gesehen, erlebt, erfahren hat. Die Einsamkeit des Helden.

Beide Männer erleben und durchleben Grenzerfahrungen und müssen mit den sinnlosen Kriegen unserer Gegenwart zurecht kommen. Sie schaffen es, finden einen Weg, auch gemeinsam in diesem Buch. Und doch da gibt es kein Ende, sie sind gezeichnet für ihr Leben. Andere kämpfen weiter, irren durch ihren Alltag. Soldaten und Journalisten gleichermaßen.

„Shooting Ghosts“ ist ein mutiges und trauriges Buch. Es beschreibt Männer, die als Krieger ausgebildet werden, Soldaten, die in Extremsituationen einen klaren Kopf behalten, wenn es sein muss töten können. Journalisten, die an vorderster Front über genau das berichten, ihre Bilder und Reportagen werden mit Preisen gefeiert. Auch sie gelten als die harten Kerle, die keiner Gefahr aus dem Weg gehen. Dieses Buch zeigt jedoch auch die Verletzlichkeit genau dieser Männer, die eigentlich keine Schwäche zeigen dürfen. Das macht „Shooting Ghosts“ zu einem mutigen und sehr lesenswerten Bericht.

Doch die Schattenseite ist die, dass wir alle mit den Kriegen in dieser Welt leben, zu leben gelernt haben. Soldaten werden in die Schlachten geschickt, die nicht zu gewinnen sind. Journalisten versuchen in all diesem Irrsinn Sinn zu finden. Der Preis dafür sind Generationen an jungen Männern und Frauen, gezeichnet fürs Leben, in Gesellschaften, die nicht bereit sind, denen zu helfen, die sie in den Alptraum Krieg geschickt haben.

„Shooting Ghosts“, Thomas J. Brennan, Finbarr O’Reilly, Viking.

Der unkontrollierte Waffenfluss in die Krisengebiete

Die USA lernen nichts aus ihrer Geschichte. Das zeigt sich nun erneut mit dem Ausruf von Donald Trump, dass er „wunderschöne amerikanische Waffen“ nach Saudi Arabien liefern wird. Und daneben steht das Angebot an andere islamische Staaten, dass auch sie in den Genuss amerikanischer Waffenlieferungen kommen werden, wenn sie sich am Kampf gegen die Terrororganisation Islamischer Staat und anderer Terrorgruppen beteiligen. „No questions asked“, meint Trump, egal wie es in den jeweiligen Ländern um Menschenrechte, Demokratie, Korruption steht.

Das Friedenswerkzeug des Donald Trump in den falschen Händen. Beschlagnahmte Waffen im Irak. Foto: Reuters.

Zeitnah zum Trumpschen Motto „Frieden durch mehr Waffen“ wurde nun bekannt, dass die USA nicht so genau wissen, wohin eigentlich die bisherigen Waffenlieferungen in die Region – Waffen, Munition und militärisches Zubehör – im Wert von über einer Milliarde Dollar geblieben sind. All das, was für das irakische Militär, Schia Milizen und kurdische Peschmerga Gruppen gedacht war, wo ist es geblieben? Nachweise, ob diese Lieferungen auch tatsächlich angekommen sind, gibt es nicht. Ähnliche offene Fragen bestehen auch für das Jahr 2015.

Ein Team von BBC Journalisten hat sich einmal die Mühe gemacht und sich die Bestell- und Lieferscheine des Pentagon aus den letzten 14 Jahren genauer angesehen. Darin sind 1,45 Millionen Waffen aufgelistet, die in den Irak und nach Afghanistan geliefert wurden: 978.000 Sturmgewehre, 266.000 Pistolen und fast 112.000 Maschinengewehre. Dem Bericht zufolge ist jedoch nicht mehr nachvollziehbar, in welchen Händen diese Waffen heute sind. Ob irakisches Militär oder Islamischer Staat, ob afghanische Armee oder Taliban. Aber all das ist egal, mehr Waffen soll es für die Region geben, so Trump, denn das bedeutet ja schließlich mehr „Jobs, Jobs, Jobs“ für die Waffenschmieden in „God’s Country“….Make America Great Again!

Hinsehen, Hinhören, Erkennen

„Portraits of Courage“ heißt das Buch von George W. Bush. Im Untertitel steht „A Commander in Chief’s tribute to America’s Warriors“. Darin präsentiert sich der frühere Präsident als durchaus talentierter Maler. Solch ein Buch würde es allerdings in Deutschland nie geben. Portraits von Soldatinnen und Soldaten, die in Afghanistan und Irak verwundet wurden, schwer verletzt und gezeichnet zurück kamen. Viele von ihnen verloren im Einsatz Arme, Beine, ihren Glauben. Noch Jahre danach kämpfen sie sich durch das tägliche Leben. Ihre Geschichte, ihr Kampf, ihr Neuanfang wird neben den Bildern beschrieben.

George W. Bush war ein Präsident, der seinerzeit mehr als umstritten war. Er eskalierte die Kriege in Afghanistan und im Irak, umgab sich mit Falken in Washington, wie Cheney, Rumsfeld, Ashcroft, er stand für einen christlich-fundamentalistischen Rechtsruck in den USA. Doch Bush im Rückblick, gerade in der jetzigen Zeit, erscheint als mitfühlender, gemäßigter, offener Staatsmann. Das wird in diesem Buch ganz deutlich. Hier spricht ein Mann, der sich seiner Verantwortung bewusst ist. Verantwortung gegenüber jenen, die ihr Leben gaben, die schwer verwundet und verstümmelt wurden, die für die USA in den Krieg, in seinen Krieg, zogen. Bush beschreibt seine Arbeit mit den Veteranen, seine Gespräche mit den Kriegsinvaliden, sein Hinsehen, sein Unterstützen, seine aufbauenden Worte. Und die sind nicht einfach so gesagt, George W. Bush und seine Frau Laura Bush hatten schon immer ein Ohr für die US Veteranen. Sie luden sie auf ihre Ranch ein, um gemeinsam mit ihnen mit dem Mountainbike unterwegs zu sein. Bush spielte Golf mit ihnen. Das mag klein und lächerlich klingen, doch es waren und sind wichtige Etappen auf dem Weg der Besserung, der Heilung, der Sinnfindung.

Dieses Buch „Portraits of Courage“ ist keine Entschuldigung für die historischen Fehler, die gemacht wurden. Es bietet keine Erklärungen, keine neuen Denkansätze, es zeigt vielmehr die ganze Brutalität der Kriege in Afghanistan und Irak auf. Hier werden Lebensgeschichten erzählt, die unglaublich sind. Es geht um persönliche Niederlagen, um Schicksalsschläge, um Schmerz, um Hoffnung, um ein Wiederaufstehen. Es geht auch um Patriotismus. „We support our troops“ ist eine Grundaussage in den USA, die man so in Deutschland nicht kennt. In diesem Buch wird sie verständlich gemacht, zumindest ansatzweise. George W. Bush zeigt in seinen gemalten Portraits die Gesichter der verwundeten Soldaten, berichtet von ihrer Verwundung, von ihrem anschliessenden Lebensweg, von ihrem schmerzvollen Weg zurück in den Alltag, von ihren Gesprächen. „Portraits of Courage“ ist ein bewegendes Buch, mehr als wichtig in dieser Zeit mit einem selbstverliebten Präsidenten im Weißen Haus. Bush schreibt unter dem Bild von Juan Carlos Hernandez, der in Afghanistan sein rechtes Bein verlor: „He became an American citizen in May 2009 – at Bagram Airfield in Afghanistan. Juan’s story is one example of the countless ways that immigrants make America great. And I am honored and humbled to call Juan Carlos Hernandez my fellow citizen.“

 

„The most dangerous place in the world“

Ich war in der mexikanische Grenzstadt Ciuadad Juarez zu Fuß unterwegs, als dort im Jahr 3600 Menschen ermordet wurden.

      Besuch in Ciudad Juarez

Mit der Bundeswehr war ich zweimal in Afghanistan. Nach der Landung in Kunduz bekam ich gleich eine kugelsichere Weste und einen Stahlhelm verpasst, im gepanzerten Fahrzeug ging es die kurze Strecke vom Flughafen in die Kaserne der Deutschen. Ich reiste in den Ostkongo, um über die dortige Krise zu berichten, sprach im Rebellengebiet der M23 mit dem Präsidenten, während vor der Tür bewaffnete Soldaten mit Maschinengewehren und Raketenwerfern standen.

      Besuch im Ostkongo

Es ging in den Tschad. Im Süden des Landes herrschte eine Flüchtlingskrise, das Chaos aus der benachbarten Zentralafrikanischen Republik drohte in den Tschad überzuschwappen.

      Besuch im Tschad

Dann ging es nach Somalia, ans Horn von Afrika. Einen funktionierenden Staat gibt es dort nicht mehr, seit 25 Jahren ist das Land gespalten, Teile versinken im Chaos, werden von Terrorgruppen, wie der Al-Shabaab Miliz, tyrannisiert.

      Besuch in Somalia

Ach ja, und hier drüben war ich auch mal in Los Angeles unterwegs, um dort auf Spurensuche nach den Gangs zu gehen, denn LA gilt als die Hauptstadt der Banden und kriminellen Organisationen in den USA.

      Besuch in Los Angeles
Donald Trump redet mal wieder Unsinn. Foto: Reuters.

Donald Trump redet mal wieder Unsinn. Foto: Reuters.

Das sind nur ein paar der „Reiseziele“, die ich in den letzten Jahren angesteuert habe. Waffen, Gewalt, Not und Elend gab es auf all diesen Trips zu sehen. Doch anscheinend hätte ich für den „Nervenkitzel“ gar nicht so weit fahren müssen, denn der angehende republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump erklärte nun in seiner allumfassenden Kenntnis des amerikanischen Alltags in einem Interview mit der New York Times: „There are places in America that are among the most dangerous in the world. You go to places like Oakland, or Ferguson. The crime numbers are worse. Seriously.“ Oakland ist, laut Trump, also vergleichbar mit den Krisenherden dieser Welt.

Was stimmt, meine neue Heimatstadt in Kalifornien hat ein Gewaltproblem. Die FBI Statistik für 2014 belegt, dass es in dem Jahr 6900 Gewaltverbrechen in Oakland gab, darunter 80 Morde. Doch das ist nichts besonderes für die USA. Vergleichbare Städte, wie Miami oder New Orleans, liegen noch darüber. Oakland ist also nicht gefährlicher als andere US Städte.

Die Reaktion in Oakland ließ nicht lange auf sich warten. Bürgermeisterin Libby Schaaf, geboren und aufgewachsen in Oakland und eine erklärte Hillary Clinton Unterstützerin, twitterte und postete diese Nachricht auf facebook: „Let me be clear, regarding @nytimes story, the most dangerous place in America is Donald Trump’s mouth.“ Dazu muß ich glaube ich nichts mehr hinzufügen!

Wie schnell man doch vergisst!

Zwei Kriege, die die Weltordnung veränderten. Ein Überwachungsstaat. Abbau von Bürgerrechten. Geheimgefängnisse in aller Welt. Billionen von Dollar an Schulden. Eine bröckelnde Infrastruktur. Mit diesen und mehr, nicht gerade schönen, Umschreibungen könnte man die Amtszeit von George W. Bush zusammenfassen. Doch all das zählt wohl nicht mehr.

George W. Bush ist nun beliebter als Barack Obama

George W. Bush ist nun beliebter als Barack Obama

In einer jüngsten CNN Umfrage erklärten 52 Prozent, dass George W. Bush ein guter Präsident gewesen sei. Sie hätten eine positive Meinung über den Texaner. Nur 49 Prozent der Befragten hingegen erklärten, sie hätten eine „favorable opinion“ zu Amtsinhaber Barack Obama. Der liegt also nun hinter „W“, der ihm ein gewaltiges Erbe hinterlassen hatte. Bush Senior und Bill Clinton kommen gut weg, sie liegen in der Gunst der Befragten bei jeweils 64 Prozent.

Es scheint, im Rückblick sieht man alles besser, unkritischer, rosarot. Von Krieg, Überwachung, Bürgerrechtsverletzungen will keiner mehr etwas wissen. Ja, alle Maßnahmen der Bush Regierung haben dazu geführt, dass es in den USA keine größeren Terrorangriffe mehr gegeben hat. Aber um welchen Preis?