Die Evangelikalen stehen zu Trump

Mississippi ist ein konservativer Bundesstaat, ein Teil des sogenannten Bibelgürtels der USA. Hier findet man sehr viele Kirchen und Glaubensgemeinschaften aller christlichen Richtungen. Wer nach Tupelo will, fliegt nach Memphis und fährt von dort nochmals eineinhalb Stunden mit dem Auto weiter. Dort findet man eine der führenden Organisationen der Christliche Rechte, der fundamentalistischen Evangelikalen, in den USA.

Die Headquarters der „American Family Association“ und „American Family Radio“.

“Und nun ein Krieger für das Wort Gottes und die Verfassung der Vereinigten Staaten…” So beginnt die Sendung “The Awakening” von Bishop E. W. Jackson, ausgestrahlt auf dem Radionetzwerk “American Family Radio” auf über 180 Stationen im ganzen Land. “American Family Radio” gehört zur “American Family Association”, einer christlich-fundamentalistischen Organisation, die 1977 von Don Wildmon in Tupelo, Mississippi gegründet wurde. Das Ziel war – und ist – gegen die Verlotterung Amerikas, gegen Pornografie, die, wie sie sagen “Homosexualisierung der Gesellschaft” und für die traditionellen christlichen Familienwerte einzutreten.

Mississippi ist ein konservativer Bundesstaat in den USA, mitten im “Bible Belt”, dem Bibelgürtel der Südstaaten. Tupelo gilt in dieser Region als etwas liberaler. Bekannt ist die Kleinstadt vor allem als Geburtsort von Elvis Presley. An Elvis kommt man hier nicht vorbei: Statuen und Gedenktafeln, Bilder und Andenken zum Mitnehmen.

Doch um Elvis Presley geht es weder bei der “American Family Association” noch bei ihrem Radionetzwerk. Ganz offen verbindet man Religion mit Politik. Man dürfe zwar keinen Kandidaten offen unterstützen, aber man spreche viel über Politik und darüber, wie sich Kandidaten positionierten, erklärt Tim Wildmon, Sohn des Gründers und seit letztem Jahr “Spirtual Adviser” von Donald Trump, Berater in religiösen Fragen. “Ich wurde vor ein paar Monaten dazu eingeladen, Teil des “Faith Advisory Council” von Präsident Trump zu sein. Es ist keine bezahlte Position, es ist vielmehr ein Gremium christlicher Führer aus allen Teilen Amerikas, die vom Präsidenten und seinem Team gefragt wurden, für ihn zu beten, denn er glaubt an Gebete und ihn auch dahingehend zu beraten, was uns Christen betrifft.”

Schon früh im Präsidentschaftswahlkamf 2016 hatten die verschiedenen Gruppen und Gemeinschaften der Christlichen Rechte in den USA auf Donald Trump gesetzt, denn dieser sprach genau das aus, was sie hören wollten, erzählt Tim Wildmon, der auch der Präsident der “American Family Association” ist: “Viele Christen hatten ihre Vorbehalte gegen Donald Trump. Er war kein Konservativer, er war sicherlich kein Christ im eigentlichen Sinne. Er lebte lange als Playboy, hatte mehrere Ehen und, wie man weiß, nicht gerade den besten Charakter. Aber, er machte eine Menge Versprechungen im Wahlkampf und viele Christen meinten, er sollte eine Chance bekommen.”

Im AFR Studio in Tupelo. Rechts Tim Wildmon.

Gerade was Trump in Bezug auf Pro-Life Richter, also Richter, die gegen Abtreibung sind, versprach kam an. Er betonte, dass er nur Richter einsetzen werde, die sich gegen Schwangerschaftsabbrüche aussprachen. Was bei den Evangelikalen in den USA auch gut ankam war, dass er mit Mike Pence einen “von ihnen” in sein Team holte. Vize-Präsident Mike Pence, der sich selbst als ein “born again Christian” versteht, ist für die Evangelikalen der direkte Kontaktmann in der Regierung. Mit ihm haben sie jemanden, der ihre Ideen von Ehe, Erziehung und Abtreibung umsetzen kann und das auch macht. So jemanden hatten sie bislang noch nie im Weißen Haus.

Dieser Schulterschluß zwischen der Trump-Administration und den Evangelikalen wird auch ganz deutlich, wenn man sich die Sendungen von “American Family Radio” anhört. Donald Trump wird Tag für Tag in den Sendungen gelobt, verteidigt, als jemand gepriesen, der für die Christen im Land kämpft. “Der Präsident hätte ohne die Stimmen der evangelikalen Christen 2016 nicht gewinnen können. Er kann darauf auch in dieser Wahl bauen”, umschreibt es Tim Wildmon. 85 Prozent der Evangelikalen hatten in der letzten Wahl für Donald Trump gestimmt. Neben dem Radionetzwerk unterhält die Family Association auch noch eine Presseagentur mit täglichen evangelikalen Nachrichten und Sichtweisen, dazu wird ein Newsletter verschickt, der nach eigenen Angaben, mehrere Millionen Menschen in den USA erreicht.

Und nun in diesen Zeiten von Covid-19, dem “Social Distancing”, dem in den eigenen vier Wänden bleiben, werden die weit verbreiteten und viel gehörten Radiosendungen des “American Family Radios” zu Gold für Donald Trump. Ein offener, direkter Wahlkampf ist derzeit nicht möglich. Trump hat damit einen Vorteil, denn ein ähnliches Radionetzwerk gibt es nicht für einen Kandidaten der Demokraten. Millionen von Amerikanern, gerade im “Heartland” schalten ein und hören zu, wie die Evangelikalen der “American Family Association” für ihren Kandidaten ins Feld ziehen, um den “Culture War”, den Kulturkrieg in den USA zu gewinnen. Sie sind zum Sprachrohr für Donald Trump geworden.

Doch egal, ob Donald Trump oder der Kandidat der Demokraten am 3. November die Wahl gewinnen wird. Für Tim Wildmon und die Evangelikalen in den USA ist eines ganz klar – sie bleiben und werden weiter für ein christlich fundamentalistisches Amerika kämpfen: “Uns gibt es seit 1977, schon über 42 Jahre, wir verschwinden nicht, wir wachsen weiter, bleiben stark und halten an unserer Botschaft fest. Wir sind mehr als nur diese Konflikte mit den Linken über Abtreibung und Rechte von Homosexuellen. Wir helfen den Leuten der Bibel in Fragen zur Familie und in ihrem täglichen Christsein zu folgen. Das alles führt zu einer Stärkung Amerikas, daran glauben wir.”

Die christliche Rechte in den USA

Christliche Fundamentalisten im Wahlkampf     

Ihren Wunschkandidaten bekommen sie nie, aber egal wer es auch ist, alles und jeder ist für sie besser als Barack Obama. Die christlichen Fundamentalisten im Land schalten sich regelmäßig in den amerikanischen Wahlkampf ein. Und zwischen den Wahltagen verbreiten sie lautstark ihre Moralvorstellungen. Die Programme des „American Family Radio“ Networks in Tupelo, Mississippi werden auf Hunderten von Stationen in den USA ausgestrahlt. Einen Kandidaten dürfen die christlichen Radiomacher nicht direkt unterstützen, aber sie können ihren Hörern verkünden, für was der oder der Kandidat steht. Der Mormone Mitt Romney ist sicherlich nicht ihr Wunschkandidat, doch in diesem Jahr schluckt man eher die bittere Pille, als vier weitere Obama Jahre. Dazu ein aktueller Audiobeitrag.

Amerika und die christliche Rechte

Vor vier Jahren reiste ich im Wahlkampf nach Tupelo, Mississippi. Dort im tiefsten Süden ist die Zentrale der „American Family Association“. AFA betreibt „American Family Radio“, ein christliches Network, das über rund 200 Stationen, zumeist in den Südstaaten, ausgestrahlt wird. Obwohl dieses christliche Radio als gemeinnützig und damit unpolitisch eingestuft wird, machen die Betreiber Politik. Ganz offen greifen sie jeden an, der homosexuelle Veranstaltungen, Initiativen oder Organisationen unterstützt. Lediglich den Namen des zu wählenden Kandidaten sagt man nicht, also, so die Meinung der Radiomacher, verstoße man auch nicht gegen das Gesetz.

Damals vor vier Jahren wurde mir von AFA und AFR Gründer Donald Wildmon klar gemacht, dass man bei den Demokraten mit Hillary Clinton und Barack Hussein Obama (Hussein wurde und wird immer wieder in seinem Namen betont) als Kandidaten, die Wahl zwischen Pest und Cholera habe. Auch der GOP Kandidat John McCain fiel bei den Fundamentalisten durch. Vor vier Jahren unterstützte Don Wildmon und sein AFR den Prediger und früheren Gouverneur Mike Huckabee.

Vier Jahre später. Barack Obama wird täglich über das Radio Network von AFR angegriffen. Mehr als eine Million Hörer werden Tag für Tag mit den Programmen erreicht. Hinzu kommen Rundbriefe, die zusätzlich noch einmal mehrere Millionen Leser haben. Dann noch Fernsehproduktionen und sogar ein eigenes Filmstudio, das gegründet wurde, um christilche Familien nicht dem „Schund aus Hollywood“ auszusetzen. AFA verfolgt ein Ziel, die Lehren der Bibel sollen die amerikanische Politik bestimmen. Und dafür ist als erster Schritt die Abwahl von Präsident Obama notwendig. Wildmon und seine Mitstreiter wissen, dass die republikanische Partei sie braucht. Von daher war es kein Wunder, als AFR Moderator Bryan Fisher umgehend in seiner Sendung „Focal Point“ gegen den Sicherheitsberater des GOP Kandidaten Mitt Romney wetterte. Der hatte Richard Grenell für seinen Wahlkampf engagiert, doch Grenell ist ein bekennender Homosexueller. Das ging natürlich für Fisher und die anderen AFR Moderatoren nicht. Wenn man täglich gegen den „homosexual lifestyle“ wettert, kann doch nicht einfach ein Berater des GOP Kandidaten offen schwul sein. Das war und ist nicht tragbar und mußte verhindert werden. Romney und seine Partei erkannten das schließlich auch, denn im November muß man sich darauf verlassen können, dass Leute wie Fisher die Hörer zu den Wahlurnen ruft. Richard Grenell nahm nach einer Woche im Amt seinen Hut.

Mitt Romney ist sicherlich nicht der Wunschkandidat der „American Family Association“ und ihres Grüners Don Wildmon. Rick Santorum war der Kandidat der christlichen Fundamentalisten, doch der fiel bei den Wählern durch. Stattdessen also Romney. Ein bitterer Beigeschmack, doch allemal besser, als der „Sozialist“ und Islam geschulte Barack Hussein Obama. Also fordert man die Hörer und Leser und Zuschauer des AFA Imperiums dazu auf, sich quasi eine Wäscheklammer auf die Nase zu klemmen und vor den Namen des Angehörigen einer christlichen Sekte, wie es die Mormonen für weite Teile der christlichen Fundamentalisten in den USA sind, das Wahlkreuz zu machen.

Hauptsache nicht Obama, doch bei Schwulen und Lesben versteht man im AFA Kreis keinen Spaß. Das hat Romney nun auch erkennen müssen. Doch die Geister, die er rief….Mitt Romney wird sich im Falle eines Wahlsieges daran erinnern müssen, wer ihn ins Oval Office gebracht hat.