Trump und Erdogan reden über Bomben

Am 2. Februar 2016 explodierte an Bord des Daallo Airlines Flug 159 von Mogadischu nach Dschibuti eine Bombe und riss ein Loch in die Außenwand. Glücklicherweise wurde nur ein Mensch getötet, der Bombenleger. Die Maschine konnte sicher landen. Was allerdings die Alarmglocken der Geheimdienste aufschrillen ließ, waren die Umstände dieses Attentats. Eigentlich waren 69 der 73 Passagiere auf der Turkish Airlines Maschine Richtung Istanbul gebucht. Doch schlechtes Wetter verhinderte die Landung der TK687. Die Passagiere wurden kurzerhand auf die Daallo Airlines umgebucht, um dann in Dschibuti ihren Weiterflug nach Istanbul zu erreichen.

Eine Bombe in einem Laptop riss ein Loch in die Außenwand von Flug Daalo Airlines 159 von Mogadischu nach Dschibuti. Foto: Reuters.

Als Bombenleger wurde der 55jährige Abdullahi Abdisalam Borleh ausgemacht. Ein Lehrer in einer islamischen Schule in Hargeisa, Somaliland, der bislang nicht auffällig war. Borleh hatte ein Visum für die Türkei. Somaliland gilt als sichere und terrorfreie Gegend am Horn von Afrika. Auf Sicherheitskameras im abgesicherten Flughafenbereich von Mogadischu sind allerdings zwei Männer zu sehen, die Borleh einen Laptop überreichen. Und darin, so die Ermittler, war der Sprengstoff versteckt. Die Al-Shabaab Miliz übernahm später die Verantwortung für den Anschlag, der eigentlich der Turkish Airlines Maschine gegolten haben sollte. Die Türkei als NATO-Mitgliedssstaat war das Ziel des Terrorplans.

Diese Tatsache erschütterte die Nachrichtendienste weltweit, denn anscheinend war der Laptop problemlos und unerkannt durch die Sicherheitskontrollen des Flughafens gelangt. Von meinen Reisen nach Somaliland und Puntland/Somalia weiß ich, dass an den Flughäfen mehrmals verlangt wird, dass mitgeführte technische Geräte angeschaltet werden müssen. Der Laptop auf dem Flug 159 der Daallo Airlines war also keine Attrappe.

Die amerikanischen, britischen und türkischen Nachrichtendienste vor Ort erkannten die Zeichen der Zeit. Ein einschaltbarer Laptop konnte zu einer Bombe umfunktioniert und der Sprengstoff nicht bei den herkömmlichen Flughafenkontrollen erkannt werden. Aus diesem Grund erließen die USA im März das Verbot von Laptops an Bord auf Flügen aus der Türkei, dem Nahen Osten und Nordafrika. Und nun soll das Verbot erweitert werden. Auch Flüge aus Europa in die USA könnten sehr bald von dem Laptopbann an Bord betroffen sein.

Donald Trump hatte mit dem russischen Außenminister Sergei Lavrov und dem russischen Botschafter Sergey Kislyak über genau dieses Thema gesprochen und dabei wohl Quellen der Ermittlungen genannt. Denkbar ist aufgrund der genauen Untersuchungen nach dem Anschlag in Mogadischu, dass die Türkei die Quelle der Information ist, die Trump nun ausgeplaudert hat. Die Türkei ist sehr gut am Horn von Afrika vernetzt, unterstützt die Regierungen in Mogadischu und auch im somaliländischen Hargeisa. Die massive und umfangreiche Präsenz der Türken in der Region ist schon seit langem nicht mehr zu übersehen. Wenn nun also der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan Donald Trump im Oval Office besucht, könnte das Gespräch auch um den Zwischenfall in Mogadischu gehen. „Sorry, Recep“. „No problem, Donald, just give me Gülen“.

 

AMERICA FIRST….who cares about Africa

Südsudan, Nigeria, Jemen und Somalia. Vier Länder, in denen eine gewaltige Hungerkatastrophe droht. Betroffen wären etwa 20 Millionen Menschen. In drei der Länder sind für den Hunger vor allem Krieg und Terror verantwortlich. Am Horn von Afrika, in Somalia, hier vor allem in der unabhängigen Republik Somaliland und der semi-unabhängigen Republik Puntland, regnete es schon seit zwei Jahren nicht mehr. Die Felder verdorren, Ziegen und selbst Kamele verenden elendlich. Sie finden kaum noch Nahrung und kein Wasser mehr.

„America First“. Während die Welt gebannt nach Washington blickt und jedes Tweet von Präsident Donald Trump ausführlich debattiert, sterben in den drei afrikanischen Ländern und Jemen die Menschen. Der neue Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, hat für diese Länder ganz offiziell eine Hungersnot ausgerufen. Es müsse umgehend gehandelt werden, so Guterres. Bis Ende März brauche die UN für Hilfsprogramme 5,6 Milliarden Dollar. Bislang stehen gerade mal zwei Prozent davon zur Verfügung. Der Leiter des „World Food Programs“, Arif Husain, erklärte: „Wenn man eine Hungersnot ausruft, dann sind schon schlimme Dinge passiert. Menschen sind schon gestorben.“

Bilder, die wir sehen sollten: Foto: Reuters.

Ein „Famine“, eine Hungersnot, wird nicht einfach so erklärt. Drei Fakten müssen zusammen kommen: wenn einer von fünf Haushalten in einer spezifischen Region unter extremer Nahrungsknappheit leidet. Wenn mehr als 30 Prozent der Bevölkerung unter akuter Unterernährung leiden. Wenn mindestens zwei Menschen von 10.000 pro Tag an den Folgen von Unterernährung sterben.

Und die USA unter Präsident Trump äußert sich bislang dazu nicht. Amerika ist der größte Geldgeber der Vereinten Nationen, doch Trump machte im Wahlkampf mehrmals deutlich, dass sich das ändern werde, wenn er ersteinmal im Weißen Haus sitzt. Bei der Übergabe im Außenministerium erklärten denn auch die Trump-Leute, dass nun ein neuer Wind auf der internationalen Bühne wehen wird. Fragen zu Afrika kamen, doch es waren Fragen wie, was bestimmte Einsätze, wie die Anti-Terror Aktionen gegen die Al-Shabaab Milizen in Somalia und die Jagd auf Joseph Kony in Uganda und Kongo mit den USA zu tun hätten. Alle amerikanischen Ausgaben, darunter auch die Finanzierung wichtiger Hilfsprojekte in Afrika, werden ab sofort auf den Prüfstand gestellt. „America First“. Was auch von den Leuten im „State Department“ gefragt wurde, gibt den Ton der Trump-Regierung weltweit vor: „Wie konkurrieren U.S. Unternehmen mit anderen Nationen in Afrika? Verlieren wir gegen die Chinesen?“

Es geht um Business, um Gewinne, um Absatzmärkte. Gelder für Hilfs- und Notprogramme bringen keinem Amerikaner etwas. Wichtig sind Jobs im eigenen Land, damit gewinnt man Wahlen. Verhungernde Menschen in Ländern, die sowieso kein Amerikaner besucht, interessieren da wenig. Sogar Gesundheitskrisen, wie der Ebola Ausbruch in Guinea, Sierra Leone und Liberia, werden unter Trump neu bewertet. Nicht die Frage wurde gestellt, was vor Ort zu tun sei, um so eine Katastrophe mit 10.000 Toten in Zukunft zu verhindern, sondern: „Wie können wir verhindern, dass der nächste Ebolaausbruch nicht die U.S. trifft? „America First“…doch das ist nicht mein Amerika!

 

 

 

 

Die freiwillige Sprachlosigkeit

Die Hauptstadt Somalilands von oben.

Die Hauptstadt Somalilands von oben.

Zumindest für ein paar Tage, kann, ja soll ich nicht darüber schreiben, mit wem ich hier spreche, wen ich besuche, wen ich treffe, was ich erfahre. Nach einem langen Nachtflug und einem mehrstündigen Aufenthalt in Addis Abeba bin ich schließlich am späten Morgen Ortszeit in Hargeisa gelandet. Ich glaube, hier hat sich auf den ersten Eindruck seit November nicht viel verändert. Die Fahrt vom Flughafen in die Stadt war erfüllt mit Huperei, Kamelherden und unzähligen Ziegen, die kreuz und quer durch die Gegend wanderten, ein Rudel ausgezehrter Straßenhunde lag neben einem Esel im Schatten eines Baumes. Der Fluß führte etwas Wasser. Und überall der Abfall, den der Wind schon irgendwann wegtragen oder der von den Ziegen, zumindest zum Teil, verspeist wird.

Zuerst stand nach meiner Ankunft das Sicherheits-Briefing an. Somaliland ist sicher, Spannungen gibt es hier keine, oder zumindest nichts im Vergleich zu South-Central Somalia, dort, wo Mogadischu liegt, dort, wo die Al-Shabaab Milizen ihren Terror ausleben, jenes zerrüttete Somalia, das wir aus den Medien kennen. Bei Reisen außerhalb der Hauptstadt Hargeisa wird dennoch ein bewaffneter Sicherheitsbeamter mit dabei sein. Das ist die Auflage der Regierung, nichts schlimmes und spiegelt auch nicht die Stimmung im Land wider. Es soll wohl mehr das Sicherheitsgefühl stärken. Darüberhinaus, so hieß es, sollte ich abends nicht mehr alleine auf die Straße gehen, tagsüber sei das jedoch kein Problem.

In diesem Briefing wurde mir auch gesagt, ich solle ersteinmal nichts darüber schreiben, was ich hier mache und vorhabe. Beim letzten Aufenthalt gab es ja den seltsamen Zwischenfall, da hatte eine lokale Zeitung in Somaliland mein NZ-Blog aufgegriffen, falsch übersetzt und dann den Namen und das Bild einer nichtverwandten Anne Peltner auf ihre Seite gestellt. So kann es gehen. Diesmal also soll das nicht passieren, ich werde ganz behutsam sein….über das Wetter schreiben (sonnig, leicht windig, angenehm warme Temperaturen), über das Essen (zum Mittag Salat, abends dann ein Curry mit Reis), über das Hotelzimmer (sauber, Dusche, Klo und ein schreiendblaues Moskitonetz über dem Bett), über die ersten Eindrücke (siehe oben mit den Kamelen und Ziegen).

Aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben und ich werde sicherlich über meine Gespräche, meine Erfahrungen und Erlebnisse hier schreiben. Ich bin ja auch ganz offiziell als Journalist mit passendem Visum eingereist, nun werde ich alles eben einfach etwas später veröffentlichen. Ich hoffe, meine werten Leserinnen und Leser sehen mir das nach. Meine Grundregel bei solchen Reisen in Länder und Regionen, in denen es krachte oder kracht lautet immer, ich höre mir das an, was jene zu mir sagen, die dort leben. Ich glaube, die wissen ganz gut, was für einen Besucher aus dem Westen, der dazu auch nicht einfach so in der Menge eintauchen kann, am besten ist. Zumindest bilde ich mir ein, dass das der richtige Ansatz ist. Heute ging es schon los, morgen geht es weiter, ein volles Programm wartet auf mich.