Die Welt spielt verrückt

Der Führer der Zorn-Republik. Foto: Reuters.

Schnee in Texas, ausufernde Brände in Kalifornien, Politiker links und rechts, die ihren Job wegen sexueller Belästigung verlieren, ein republikanischer Senatskandidat wird wohl trotz schlimmster Beschuldigungen und das mit präsidialer Unterstützung gewählt werden und der „greatest groper“ von allen sitzt weiterhin im Weißen Haus. Irgendwie spielt gerade alles verrückt. Am Jahresende geht es noch einmal so richtig rund.

Wer hoffte, Donald Trump würde im Laufe seiner Amtszeit etwas gemäßigter werden, den populistischen Rechtsaußenton ändern, der sieht sich immer mehr getäuscht. Eigentlich müsste man ja sagen, so ist es gut, denn Donald Trump hat sich im Wahlkampf nicht verstellt, hat seine Wahlversprechen gegeben, die er jetzt nach und nach abarbeitet. Niemand kann also behaupten, er hätte nicht geahnt, was da auf uns zukommt. Wer für Trump gestimmt hat, der ist für Trump verantwortlich. Wer nicht zur Wahl gegangen ist, der sollte lieber den Mund halten und sich nicht beschweren. Anstatt zu klagen, wäre jetzt der Zeitpunkt gekommen, sich zu informieren, zu organisieren, die schnelle Abwahl der Trumpschen Kongresssoldaten im kommenden Jahr und ihres Führers 2020 vorzubereiten.

Vor dem selbstverliebten Donald Trump wurde jahrelang gewarnt, wer das nicht hören wollte muss nun damit leben. Trump versteckte sich nicht, sprach das aus, was er dachte, für was er stand. Rechtspopulistisches Gefasel, das die USA auf eine gefährliche Spur gebracht hat. Nun setzt Trump zu Überholmanövern an, die dieses Land, diese Gesellschaft und die internationale Gemeinschaft mehr als gefährden.

Amerika ist nicht erst seit Donald Trump tief gespalten. Spätestens seit der republikanischen Revolution unter Newt Gingrich Mitte der 90er Jahre war offensichtlich, dass es tiefe Gräben in diesem Land gibt. Man musste nur Talk Radio hören, die schreienden „Radioheads“ Rush Limbaugh, Michael Savage, Sean Hannity und andere oder den offiziellen GOP-Sender Fox News sehen, der die Kandidatur von George W. Bush aktiv unterstützte. Der Graben war schon damals tief und wurde nur noch tiefer. Mit Barack Obama im Amt und Trumps Kandidatur wurden all diese Gräben noch betoniert. Eine Einheit, ein Zusammenkommen ist gar nicht mehr vorstellbar. Die USA werden nicht aus der Mitte heraus regiert. Das politische Pendel schlägt hier immer weiter aus, unter Donald Trump wurde das Zentrum des politischen Diskurses massiv nach rechts verlagert

Kann es noch schlimmer werden?

Jeden Morgen frage ich mich, was dieser Präsident noch anrichten wird. Der heutige Tag hat gezeigt, es kann noch viel schlimmer werden. Erst haut Trump ein Tweet raus, in dem er den mehr als umstrittenen Senatskandidaten Roy Moore aus Alabama unterstützt, obwohl dem vorgeworfen wird, mehrere Beziehungen mit minderjährigen Mädchen gehabt zu haben. Das sind dann also die „Family Values“, für die #45 eintritt. Für Trump zählt, dass Moore ein „Make America Great Again“-Jünger ist, der ihm politisch blind folgen wird. Grenzmauer, Militär, Abtreibung, Waffenbesitz, konservative Richter…all das zählt mehr als ein paar „pädophile Fehltritte“ eines Kandidaten für den US Senat.

Doch damit fing der Tag erst an. Trump flog nach Utah, um mal wieder so einiges außer Kraft zu setzen, was seine Vorgänger beschlossen hatten. Diesmal ging es Naturschutzgebieten an den Kragen. „Bears Ears“ und „Grand Staircase-Escalante“ verlieren 85 und 50 Prozent ihrer Flächen. Weitere Gebiete von der West- zur Ostküste sollen folgen. Überraschend kam das nicht, lange wurde es von ihm angekündigt. Bürokraten in Washington seien außer Kontrolle, so Trump. Umweltschutz ist für diesen Mann kein Thema.

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Donald Trump zeigt zum Ende seines ersten Amtsjahres sein wahres Gesicht. Moral, Anstand, Respekt vor anderen und vor der Natur kennt er nicht. Wohin dieser gewählte Weg Amerikas geht wird immer deutlicher. Trump zerlegt die Grundfesten dieses Landes und dieser Gesellschaft. Er drohte im Wahlkampf damit, viele nahmen es nicht für voll. Nun setzt er das um, was er versprochen hat. Es sollte nach diesen vier (vielleicht acht) Jahrn niemand sagen, er hätte davon nichts gewusst.

Das Land der schönen Worte und großen Gesten

Am Wochenende jährte sich zum 50. Mal der brutale Polizeieinsatz gegen schwarze Demonstranten in Selma, Alabama. In den Geschichtsbüchern wird dieser Sonntag als der „Bloody Sunday“ geführt. Damals wollten ein paar Hundert Afro-Amerikaner von Selma nach Montgomery marschieren, um für ihr Wahlrecht zu protestieren. Als sie von der „Edmund Pettus Bridge“ kamen, wurden sie von „State Troopers“ und Mitgliedern des Ku Klux Klans erwartet und brutalst zusammen geschlagen. Diese Brücke und dieser Protest spielt in der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung ein ganz wichtige Rolle, denn die Bilder des blutigen Polizeieinsatzes wurden im ganzen Land gesehen. Tausende von Afro-Amerikanern und Weißen zog es daraufhin nach Selma, um die Forderung nach einem allgemeinen Wahlrecht durchzusetzen. Präsident Lyndon B. Johnson mußte handeln und handelte.

Am Wochenende wurde an den historischen Marsch von Selma, Alabama, gedacht.

Am Wochenende wurde an den historischen Marsch von Selma gedacht. Vor 50 Jahren wurden hier Hunderte von der Polizei niedergeknüppelt.

Nun am 50. Jahrestag des „Bloody Sunday“ kamen sie alle nach Selma. Zeitzeugen von damals, Bürgerrechtler, Politiker aus Washington. Sie marschierten erneut über die Brücke, Arm in Arm, die Präsidentenfamilie vorne weg. Ein Moment für die Kameras, ein weiteres Foto für die Geschichtsbücher. Auf dem Bild sieht das so aus, als ob Amerika seine Vergangenheit überwunden hat. Der erste afro-amerikanische Präsident vereint mit den Überlebenden der US Bürgerrechtsbewegung. Man läuft symbolisch auch über eine Geschichtsbrücke, wir sind weit gekommen, will das Bild suggerieren. Doch stimmt das?

Der Jahrestag fiel in die Woche, in der eine Untersuchung des Justizministeriums zu der Polizeiarbeit in Ferguson veröffentlicht wurde. Das Ergenbnis, 50 Jahre nach Selma gibt es in den USA noch immer einen systematischen und gezielten Rassismus. Ferguson ist eine Kleinstadt, die genauer betrachtet wurde. Und nur deshalb, weil hier ein weißer Polizist einen schwarzen Jugendlichen erschoss.

An diesem Wochenende gab es viele Reden, viele große Gesten. All das, was Amerikaner so sehr lieben, auf was sich die Medien stürzen. Immer, wenn ein Jahrestag ansteht, wenn eine Katastrophe passiert, wenn Amerikaner Opfer von Gewalt und Terror werden, dann wird an den amerikanischen Geist appelliert. „Wir sind eine Nation“, heißt es dann. Trotz aller Unterschiede, sei man geeint. Doch hinter den großen Worten und Gesten ist nicht viel zu erkennen. Die Wahlgesetze, für die sich Afro-Amerikaner vor 50 Jahren blutig schlagen ließen, werden ausgehöhlt, was gerade diejenigen betrifft, die damals auf die Straßen gingen. Den Latinos im Land geht es nicht viel besser. Polizisten und Sheriffs in den südlichen Bundesstaaten verdächtigen erst einmal jeden mit dunklen Haaren als illegalen Einwanderer, als potenzielles Gangmitglied, als Waffen- und Drogenschmuggler.

Es gibt genügend Beispiele, die die Bildernation Amerika liefern kann. Da wäre auch das vielgelobte Militär. Eigentlich der Bereich, in dem sich Demokraten und Republikaner einig sind. „We support our troops“ ist ein parteiübergreifender Grundsatz, der besagt, Truppen, die in den Einsatz geschickt werden, werden auch unterstützt. Das stimmt, zumindest weitgehend. Auch hier gibt es schöne Bilder und Gesten, verwundete Soldaten werden zu Empfängen eingeladen. Doch kommen die Soldaten, teils schwer verwundet und traumatisiert aus ihren Einsätzen zurück, werden sie nicht aufgefangen. Die Wartelisten in den Krankenhäusern für Veteranen sind lang, die Behandlungszentren überbelegt. Mehr und mehr Veteranen enden auf der Straße, laufen Amok, gehen in den Freitod. Keine schönen Bilder.

Amerika ist Hollywood. Eine Nation des ganz großen Kinos,  immer richtig präsentiert. Das ist gekonnt, das muß gekonnt sein. Doch nach fast 19 Jahren in „God’s Country“, dem „best place on earth“ sehe ich die Dinge etwas anders. Ja, ich habe mir Reden und Sendungen am Wochenende angehört und angesehen. Der Blick zurück auf das, was da 1965 passierte ist beeindruckend, bewegend, nahegehend. Das war es dann aber auch, denn viel gelernt hat man hier aus den Ereignissen vor 50 Jahren nicht. Wie sonst muß man die Tatsache sehen, dass die Brücke von Selma, die nach General Pettus benannt wurde, noch immer so heißt. Eines der wichtigsten Ereignisse in der Geschichte der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung fand auf dieser Brücke statt, die nach einem führenden Mitglied des Ku Klux Klans benannt wurde..

Singend durch Selma

1965 marschierten Tausende von Selma nach Montgomery.

1965 marschierten Tausende von Selma nach Montgomery.

50 Jahre liegt der Marsch von Selma nun zurück. Ein halbes Jahrhundert, ein halbes Leben. Und doch, die Ereignisse von damals sind noch immer aktuell in den USA. Mehrmals marschierten Schwarze und auch Weiße Anfang 1965 in Alabama für das Wahlrecht der Afro-Amerikaner. Brutalst wurden sie zusammen geschlagen, aufgehalten, behindert. Bis ein Bundesrichter einen Protestzug von Selma in die Hauptstadt Montgomery genehmigte. Am 21. März 1965 machten sich 3200 Menschen unter dem Schutz von Soldaten auf den Weg. Sie schliefen unterwegs in Feldern. Als der Protestzug schließlich in Montgomery ankam, war er auf 25.000 Menschen angeschwollen.

Ein Hollywoodfilm ist derzeit in den Kinos zu sehen, der die Geschichte des Protestes um die Wählerregistrierung in Alabama verdeutlicht. Eine hochgelobte Produktion, die Geschichte lebendig, für eine junge Generation verständlich macht. Ein Film ist dennoch ein Film, beschönigt, bereinigt, im Schnelldurchlauf. Auch wenn „Selma“ eine Independentproduktion ist, ist es doch ein „unterhaltender“ Hollywoodfilm.

"Freedom Songs: Selma, Alabama"

„Freedom Songs: Selma, Alabama“

Ganz anders da eine alte und doch so aktuelle Veröffentlichung des Labels Smithsonian Folkways Recordings. „Freedom Songs: Selma, Alabama“ ist eine Audio Dokumentation von 1965. Carl Benkert war Teil des Protestes. Mit einem einfachen Rekorder nahm er die Lieder der Menschen auf. Und die kann man hier hören, ungefiltert, unbereinigt, teils abrupt zu Ende. Manche Lieder klingen alles andere als harmonisch, hier singen keine geschulten Chöre. Es sind Menschen, die im Singen ihre innersten Gefühle ausdrücken. Songs, die die Kraft des Widerstands, die Hoffnung auf einen Wandel, die Überzeugung, das richtige zu tun, die Energie dieser Tage Anfang 1965 ausdrücken. Und es sind Lieder gegen die Angst. All das kann man auch heute noch beim Hören spüren. Ich sitze hier, höre diese Lieder und mir läuft bei einigen von ihnen eine Gänsehaut den Rücken runter. Die Kraft von „We shall not be moved“, „Go tell it on the mountain“ und vor allem dem wichtigen „We shall overcome“ ist ungebrochen.

„Freedom Songs: Selma, Alabama“ ist eine tief bewegende und beindruckende Audio Dokumentation aus einer Zeit, die Amerika geprägt und verändert hat. Wenn man an die jüngsten Ereignisse denkt, an die Proteste der letzten Monate, dann weiß man, die Ereignisse in Selma, der Mut der Marschierenden ist nicht einfach nur ein Kapitel im Geschichtsbuch. Es ist und bleibt eine noch offene Wunde der heutigen amerikanischen Gesellschaft.

Hundekampf im amerikanischen Südosten

Nach über dreijährigen Ermittlungen schlug man nun endlich zu. Vor ein paar Tagen wurden Häuser in Alabama und Georgia durchsucht, 12 Personen festgenommen, 500.000 Dollar beschlagnahmt und 367 Hunde sichergestellt. Es war ein gezielter Schlag gegen eine Hundekampforganisation im Südwesten der USA. Viele der Tiere waren unterernährt, stark verwundet, mit Flöhen übersät. Der zuständige Staatsanwalt, George Beck, erklärte auf einer Pressekonferenz: „Ich glaube, wenn Danté noch leben und sein „Inferno“ neu schreiben würde, die niedrigsten Orte der Hölle wären für jene reserviert, die unsere Tiere und unsere Kinder quälen“.

Nach wie vor sind Hundekämpfe in den USA beliebt. In jedem Bundesstaat werden immer wieder illegale Gruppen ausgehoben, die auf kämpfende Hunde wetten. Selbst in Oakland gibt es solche… ja, wie nennt man diese Leute, die sich sowas ansehen, darauf wetten, wie sich zwei Hunde zerfleischen?… Unmenschen(!?). Ein Grund für mich, meinen Hund nie vor einem Laden anzuleinen, denn Hunde verschwinden hier spurlos, werden als Köder zum Scharfmachen der Kampfhunde verwendet.

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300 Meter pro Sekunden Bestattung

In so manchen amerikanischen Häusern stehen auf dem Kaminsims oder versteckt auf dem Dachboden Urnen mit der Asche eines Verstorbenen. In den USA ist es ganz normal, dass die Angehörigen nach der Kremierung die Asche wieder bekommen. Aber nicht jeder war ein Hobbykapitän oder Angler, um den Staub dann in die Wellen zu kippen oder aufs Seewasser zu schütten. Ich hatte ja mal meine eigenen Erfahrungen mit der Asche eines hiesigen Freundes gemacht, die zum Teil in Nürnberg und auch in Schlesien gelandet ist. Lange Geschichte….

Zwei Freunde in Alabama hatten dann aber nach einem Gespräch eine ganz andere Idee, was man machen könnte. Beide waren Polizisten und begeisterte Jäger. Einer von ihnen meinte dann: „Weisst Du, ich will, dass nach meinem Tod meine Asche in die Patronenhülsen eines Gewehrs gesteckt wird und dann jemand damit auf Truthahnjagd geht. So kann ich in Frieden ruhen und weiß, dass das letzte, was dieser Truthahn zu sehen bekommt, ich bin, ihn anschreiend und mit 300 Metern pro Sekunde ankommend“.

Die etwas abstruse Idee wurde schließlich eine Firma. „Holy Smoke“ heißt das Kleinunternehmen und bietet an, die Asche von Verstorbenenen in funktionsfähige Patronenhülsen abzufüllen damit Angehörige und Freunde noch einmal mit dem Jäger oder der Jägerin auf Pirsch gehen können. Kabumm und schon verteilt sich etwas Staub auf dem staubigen Wald- oder Prairieboden. Asche zu Asche, Staub zu Staub. Der Traum eines jeden Sportschützen und Waidmanns wird Realität.

Die Nachfrage nach den speziellen Patronen von „Holy Smoke“ belegt das Interesse an dieser bahnbrechenden Idee. Und bei 300 Millionen Knarren im Land ist diese Firmenneugründung eine zeitgemäße und zukunftsorientierte Investition.

Der Spass ist zwar nicht ganz billig, doch auch nicht übermäßig teuer. 850 Dollar für 250 Patronen. Man denke da nur an den Kauf eines Sarges oder einer verschnörkelten Urne. Bumm, bumm, bumm…da kann man dann schon bald eine nette Vase anstelle der Urne auf den Kaminsims stellen.

Mit 14 lebenslänglich hinter Gittern

19 und 73. Zwei Zahlen, die erneut das brutale und unmenschliche Justizsystem in den USA anprangern. In 19 Bundesstaaten darf ein Richter 14jährige und jüngere Straftäter zu lebenslänglicher Haft ohne Aussicht auf Begnadigung verurteilen. 73 Straftäter sitzen derzeit in amerikanischen Gefängnissen, die zur Tatzeit 14 oder jünger waren. Ja, sie alle wurden wegen Mordes verurteilt. Doch die Frage ist, ist ein Kind schon soweit entwickelt, dass es die Folgen einer solchen Tat absehen kann? Darf man Kinder vor dem Gesetz so behandeln wie Erwachsene?

Ab dem kommenden Dienstag wird sich das amerikanische Verfassungsgericht mit dieser Frage beschäftigen. Es geht konkret um zwei Fälle, die jedoch für alle inhaftierten Minderjährigen Auswirkungen haben könnten. Kuntrell Jackson sitzt seit 1999 ein, er wurde für den Raubmord an einem Videoladenmitarbeiter mit der Höchststrafe belegt. Jackson behauptete, er hätte nur vor dem Laden Schmiere gestanden. Die Staatsanwaltschaft bezweifelte das und meinte, der Junge sei in der Videothek gewesen. Der Richter folgte dieser Argumentation. 2003 geriet der damals 14jährige Evan Miller und ein 16jähriger Freund in einem Trailerpark in Alabama mit einem betrunkenen Nachbarn in Streit. Sie erschlugen den Mann mit einem Baseballschläger und zündeten dessen Wohnwagen an. Sowohl Jackson wie auch Miller kamen aus gewalttätigen Familien.

Anwälte der Bürgerrechtsinitiative „Equal Rights Initiative“ haben sich dieser beiden Fälle angenommen. Sie meinen, die Bestrafung lebenslänglich ohne Aussicht auf Begnadigung sei eine „grausame und überzogene Bestrafung“. Man dürfe Kinder nicht wie Erwachsene vor dem Recht behandeln. Die Gruppe hat für die Anhörungen vor den höchsten Richtern im Land eine Unmenge an wissenschaftlichen Experten und Gutachtern geladen, die belegen sollen, dass Kinder und Jugendliche in dem Alter noch nicht ausgereift sind, um ihre Taten voll und ganz zu begreifen. Die Bundesstaaten wehren sich jedoch dagegen. Anwälte von Arkansas argumentieren, dass diese Verurteilungen Bundesstaatsangelegenheit sei und unter den Schutz des 10. Artikels der amerikanischen Verfassung falle. Es sei also jedem Bundesstaat überlassen, welche Strafen ausgesprochen werden. Unterstützung findet diese Haltung bei Opfergruppen, die bei Mord auch für Kinder und Jugendliche die Höchststrafe fordern…..man kann also derzeit nur froh sein, dass das Bundesverfassungsgericht in den USA die Todesstrafe für minderjährige Straftäter verboten hat und hoffen, dass auch hier Einsicht und Weitsicht auf der Richterbank herrschen werden.

Exit Strategy: Deutscher Pass

Auf CNN strahlt gerade Rick Santorum in die Kameras. Er ist der große Sieger des heutigen Abends. Alabama und Mississippi, der Mann dreht nun auf. Mitt Romney winkt ab und meint, ist alles halb so schlimm, denn er liege immer noch bei den Delegierten vorne.

Ja klar….aber Tatsache ist, Santorum gewinnt und gewinnt und gewinnt. Wie dieser rosa Plüschhase in der Batteriewerbung. Wer bitteschön wählt ihn…oder anders gefragt, in welchem Land lebe ich eigentlich, wo ein Präsidentschaftskandidat sagen kann, die Erderwärmung ist alles nur „Schwindel“?  Obama kämpfe lieber gegen die angebliche Erderwärmung als für die amerikanischen Arbeiter. Aber die Krönung ist doch wirklich seine gestern geäußerte rhetorische Frage: „Die Gefahren von Kohlendioxid? Sagen Sie das mal einer Pflanze, wie gefährlich Kohlendioxid ist“. Kein Witz. Das hat Rick Santorum am Montag auf einem Energiekongress (!) in Biloxi, Mississippi, vom Stapel gelassen. Noch Fragen? Also ich weiß, warum ich meinen deutschen Pass behalte….das ist die sicherste „Exit Strategy“ im Falle einer Wahl von Rick Santorum.

 

 

Das Handy wird handlich

Wieviele Apps gibt es eigentlich schon im iPhone Store? Keine Ahnung. Ich habe zwar selber ein iPhone, aber mit den Apps habe ich es nicht so. Von daher laufe ich mal wieder der technischen Entwicklung hinterher und überhöre auch den letzten Schrei was nun „in“ ist.

Auch egal, allerdings stieß ich nun auf den Zeitungsbeitrag eines amerikanischen Reisejournalisten, der sich mal mit der etwas andere, sprich praktischen Nutzung von Mobiltelefonen befasste. Unter den Kategorien „Lifestyle“, „Health & Fitness“ und „Utilities“ im App. Store fand er vibrierende Programme mit den Namen „iBrate“, „iVibrateMe“, „PocketMassage“ und „MyVibe“. Klar, offiziell ist alles für die Gesundheit gedacht, zum „Relaxing“ verspannter Muskeln auf langen Flügen und nicht enden wollenden Autofahrten. Doch der Journalist wollte es genauer wissen und ging der Frage nach, ob denn mit diesen smarten Anwendungen der Begriff Telefonsex eine ganz neue Bedeutung bekäme. Leider konnte er keine Nutzer des Vibraphones finden, die es „so“ verwenden und benutzt haben.

So toll scheinen die Apps jedoch auch nicht zu sein, denn die Beurteilungen im App. Store fallen eher schwächelnd aus. Allerdings sind die Rückmeldungen auf den Artikel überwältigend. Von „das ist krank“ bis zum wichtigen Hinweis, dass auch schon iPads eine Vibriermöglichkeit haben ist alles vertreten. Die einzige Frage, die derzeit noch unbeantwortet bleibt ist, ob Alabama in Zukunft auch die Nutzung von iPhones im Bundesstaat verbieten wird, denn nach wie vor ist der Verkauf von Sex-Spielzeug in Alabama gesetzeswidrig.