Alcatraz, San Quentin, Angola

Gestern in Alcatraz, heute mit San Quentin gesprochen, morgen geht es nach New Orleans, um mit einem ehemaligen Häftling zu sprechen, der über 40 Jahre in Einzelhaft im berüchtigten Gefängnis Angola untergebracht war.

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Eine Nacht auf Alcatraz

Heute vor 40 Jahren wurde Alcatraz Island für Besuche eröffnet. Ein weiterer Nationalpark mit einer bewegenden, teils brutalen Geschichte. Das einstige Gefängnis wurde zum Touristentreffpunkt. Ein Besuch in San Francsico ist fast immer mit einer Überfahrt auf die Insel verbunden. In den letzten Wochen und Monaten wurde viel über Alcatraz geschrieben und gesprochen. Jüngst als die Insel im Zuge des „Shut Down“ in Washington geschlossen werden mußte.

Den beeindruckendsten Beitrag habe ich auf National Public Radio, NPR, gehört. Die Journalistin Laura Sullivan begleitete den 80jährigen Bill Baker nach Alcatraz. Baker hatte von der Nationalparksaufsicht die Erlaubnis erhalten, noch einmal eine Nacht in seiner früheren Zelle zu verbringen. Eine bewegende Geschichte, die man hier hören kann: [audio:http://blog.nz-online.de/peltner/wp-content/blogs.dir/7/files/2013/10/Visit-to-Alcatraz-NPR.mp3|titles=Visit to Alcatraz – NPR]

Der ganz normale Wahnsinn geht weiter

Man kann sich freuen. Die Regierungsgeschäfte laufen wieder, die 401 amerikanischen Nationalparks können besucht werden, staatliche Behörden haben ihre Türen für Anfragen der Bürger, für Serviceleistungen und Hilfen für Bedürftige wieder geöffnet. Und auch die Webseite des Weißen Hauses ist wieder online und aktualisiert. In Washington geht die Diskussion allerdings weiter, wie man in naher Zukunft die Probleme sachlich und ohne solche drastischen Konsequenzen wie in den letzten Wochen lösen kann. Unterdessen schieben die einen den anderen die Schuld an allem zu. Klar ist allerdings, die Tea Party Fraktion der Republikaner, und da sind sich mal alle einig, haben sehr deutlich gemacht, dass man ohne sie in Washington nicht mehr regieren kann. Dann wird auch noch gerechnet, was die zweiwöchige Auszeit eigentlich an Geld und Ansehen gekostet hat. Der politische Machtkampf war nicht gerade billig.

In der San Francisco Bay Area kann man wieder Alcatraz und die „Golden Gate National Seashore“ besuchen, wenn man denn hin kommt. Denn seit Freitagmorgen streiken die Mitarbeiter von BART, der U-Bahngesellschaft im Großraum. Und das hat ein immenses Verkehrschaos nach sich gezogen. Die Brücken über die Bay sind überlastet, dazu noch lange Schlagen vor den Fähren und an den Bushaltestellen. Noch ist nicht klar, wie lange der Streik andauern wird. Die öffentliche Seele kocht allerdings schon hoch und verlangt eine Privatisierung der staatlichen U-Bahn. Die Gewerkschaften fordern mehr Geld und keine längeren Arbeitszeiten. Das Management von BART bietet mehr Geld, fordert aber Abbau der Überstunden, längere Arbeitszeit, Eigenbeteiligung an Renteneinzahlungen und der Krankenversicherung. Derzeit, so sieht es aus, kann man die Differenzen nicht überwinden, die Züge stehen still.

Und dann wurde mal wieder ein zweijähriger Junge lebensgefährlich in Oakland angeschossen. Am hellichten Tag, gegen 13 Uhr begann ein Schußwechsel zwischen zwei Gangs auf offener Straße in East Oakland. Der Junge spielte vor der Haustür, als die Knallerei losging. Alltag in Oakland. Die Bürgermeisterin Jean Quan zeigte sich – wie immer – tief betroffen. Der Bleikurs in diesem Jahr ist stabil, Oakland wird auch 2013 wieder mehr als 100 Morde und über 500 Schießereien im Stadtgebiet haben. Die jüngste Kriminalitätsstatistik belegt auch, dass Oakland die meisten Raubüberfälle in Kalifornien und die meisten Einbrüche in den USA hat. Man kann nur hoffen, dass im kommenden Jahr ein politischer Wechsel im Rathaus stattfinden wird.

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Es tut sich was in Amerika

In Washington treffen sich Demokraten und Republikaner, plaudern ein bißchen über dies und das, Resultate fehlen allerdings. Staatliche Behörden und öffentliche Einrichtungen bleiben weiterhin geschlossen, Service- und Dienstleistungen gestoppf. Doch die Zeichen stehen auf einen Kompromiss, heißt, die Schuldengrenze soll angehoben werden und die Regierungsgeschäfte wieder in Gang kommen. Wann und wie, das steht allerdings noch nicht fest.

Unterdessen prüfen einige Bundesstaaten auf eigene Kosten Nationalparks zu öffnen. Seit dem „Shutdown“ mußten über 400 Nationalparks und Nationalmonumente geschlossen werden, darunter die Freiheitsstatue, der Grand Canyon, der Yosemite Nationalpark und Alcatraz Island. Die Regierung in Washington hat den einzelnen Bundesstaaten nun frei gestellt, die Parks zu öffnen, allerding unter der Bedingung, dass die Kosten auch übernommen werden. Eine Rückerstattung wird es nicht geben.

Arizona prüft derzeit, ob man den Grand Canyon wieder für die rund 18.000 Touristen am Tag öffnen kann. In New York versuchen Politiker auf Bundesstaats- und lokaler Ebene eine Lösung für die Freiheitsstatue zu finden. In Colorado und South Dakota prüft man noch, was dieser Schritt genau kosten würde. Wyoming hingegen hat bereits abgewunken. Der republikanische Gouverneur Matt Mead erklärte, man wolle nicht der US Regierung helfen und deren Job übernehmen. Und auch Nevada hat bei den Nationalparks eine Entscheidung gefällt. Andere Programme, wie die Ausgabe von „Food Stamps“ seien wichtiger und drängender als die Wiedereröffnung der Parks. Nur in Utah hat man schon gehandelt. Die dortige Regierung hat sich dazu entschlossen, mal schnell 1,65 Millionen Dollar nach Washington zu überweisen, damit die fünf Nationalparks, allen voran der Zyon National Park, wieder ihre Tore öffnen können.

Die einzelnen Bundesstaaten spüren immer mehr den Druck aus den Gemeinden rund um die Nationalparks. Hotels, Souvenirshops, Tankstellen, Restaurants und viele kleinere bis mittelständische Unternehmen sind von den Touristendollars abhängig, die nun bereits seit 10 Tagen ausbleiben.

Der Totalausfall der Regierung

[audio:http://blog.nz-online.de/peltner/wp-content/blogs.dir/7/files/2013/10/shutdown2013.mp3|titles=shutdown2013]

Seit Dienstag ist die amerikanische Regierung im Urlaub. Behörden sind geschlossen, Nationalparks dicht, sogar Armenspeisungen, die mit Bundesmitteln finanziert werden, fallen aus. Mehr als 800.000 staatlich Bedienstete sind in den unbezahlten Sonderurlaub geschickt worden. Kein Ende ist in Sicht. Noch verhalten sich die Amerikaner ganz ruhig, doch mit jedem Tag, an dem weiter nichts passiert, steigt der Druck auf die Politiker in Washington. Dazu der aktuelle Audiobeitrag.