Aldi haut in den USA auf den Putz

Der amerikanische Einzelhandelsriese Walmart scheiterte in Deutschland kläglich mit dem Versuch auf dem heiß umkämpften Supermarktschlachtfeld Boden zu gewinnen. Nach einer nur kurzen Zeit zogen sich die Amerikaner zurück, sie hatten den deutschen Einzelhandel und vor allem den deutschen Konsumenten komplett falsch eingeschätzt.

Aldi investiert weit über fünf Milliarden Dollar in seine USA Läden. Foto: AFP.

Schon seit mehreren Jahren arbeitet dagegen Aldi durchaus erfolgreich an einer Ausweitung seiner US Marktanteile und bläst nun zum Großangriff im Walmart Country. 5,3 Milliarden Dollar investiert das Albrecht-Unternehmen in seine bereits bestehenden 1800 Läden, erweitert und renoviert diese, genau so, wie ich es vor kurzem im Aldi an der Ecke Konstanzen- und Geisseestraße im Nürnberger Süden gesehen habe. Aldi sieht hier wie dort gleich aus. Dazu will der Konzern noch weitere 800 Läden in den kommenden fünf Jahren eröffnen und danach die Nummer drei des Supermarkt Einzelhandels in den USA sein.

In den USA operieren Aldi Nord und Aldi Süd zusammen, gemeinsam will man die Konkurrenten aus dem Weg schieben. Hinzu kommen die Aktivitäten von Aldi Süd unter dem Namen Trader Joe’s, einer beliebten Supermarktkette mit etwa 500 Läden vor allem in den westlichen Bundesstaaten der USA. Die nun angekündigte Expansion von Aldi USA soll vor allem mit der eigenen Produktlinie vorangetrieben, neue Läden schwerpunktmäßig in Vorstädten und wohlhabenderen Gegenden eröffnet werden. Das Schmuddelladenimage aus vergangenen Tagen hat dabei keinen Platz mehr. Helle, breitere und aufgeräumte Läden, dazu Bio-Obst und -Gemüse, vegetarische und vegane Produkte, Aldi will eine junge und auf gesundes Essen bedachte neue Mittelschicht erreichen.

Die Erde bebt in Kalifornien

Aldi Läden sehen weltweit gleich aus.

Aldi Läden sehen weltweit gleich aus.

Diesmal allerdings ist es nicht die San Andreas Spalte, die sich bemerkbar macht. Diesmal ist es der deutsche Discounter Aldi, der so einige in Kalifornien nervös macht. Hier spricht man bereits von einem Erdbeben, das sich in der Supermarktlandschaft einstellen wird. Vor allem der Einzelhandelsriese WalMart blickt nervös auf das, was da kommt. In Deutschland musste WalMart eine demütigende Niederlage einstecken, ungewohnt für das erfolgsverwöhnte Unternehmen. Nach nur wenigen Jahren zog sich WalMart mit einem drei Milliarden Euro Verlust aus dem deutschen Markt zurück. Man hatte die Bedingungen einfach falsch eingeschätzt und vor allem die Konkurrenz, allen voran Aldi, unterschätzt.

Kein Wunder also, dass die Ankündigung von Aldi, 45 Supermärkte im „Southland“, dem Süden des Bundesstaates zu eröffnen, wie eine Schockwelle aufgenommen wurde. Insgesamt unterhält Aldi bereits 1400 Läden in 32 Bundesstaaten. Das Billigkonzept scheint auch in den USA aufzugehen. Man setzt auf die eigenen Produktmarken und zieht im Vergleich zu den großen Supermärkten Safeway oder Vons in kleinere Ladenflächen. Anstelle der 10-15 verschiedenen Peanut Butter Gläser, gibt es bei Aldi eben nur zwei zur Auswahl.

Neben der Expansion von Aldi breitet sich auch die eigene Supermarkttocher „Trader Joe’s“ weiter aus. Derzeit erlebt der amerikanische Lebensmittelhandel einen dramatischen Wandel. Immer mehr Kunden verlangen nach billigeren, doch qualitativ hochwertigen Produkten. Und genau darauf zielen Aldi und auch Trader Joe’s ab. Das deutsche Albrecht Unternehmen macht sich breit im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Ein Ende der Expansionsgedanken oder ein Rückzug aus dem Markt kommt überhaupt nicht in Frage. Der Zuspruch der Kunden ist eine deutliche Sprache für Aldi und die Konkurrenz.

Pack die Jutetasche ein

Jute statt Plastik, das war schon in den 80er Jahren gang und gäbe. In den Supermärkten mußte man 10 oder 20 Pfennig für eine Plastiktüte hinlegen, die einem die meist muffelige Kassiererin dann aufs Laufband schmiß. Schnell, schnell alles einpacken, sonst stapelte sich am Ende alles oder fiel sogar noch runter.

Ein neues Gesetz soll den Plastikabfall an den kalifornischen Stränden verringern.

Plastiktüte an einem kalifornischen Strand.

Ganz anders in den USA. Hier stand am Ende jemand am Laufband und fragte „Paper or Plastic“? Eine Papier- oder eine Plastiktüte, alles wurde eingetütet, eine Gallone Milch gleich in eine Doppelplastiktüte. Daheim packte man alles aus und hatte dann einen Haufen Plastikabfall, denn die Tüten waren so dünn, dass sie nicht noch einmal verwendet werden konnten. Ich schreibe bewußt in der Vergangenheit, denn schon seit einiger Zeit haben Städte wie San Francisco oder Oakland lokale Gesetze verabschiedet, die vorschreiben, dass man für Tüten zahlen muß. Der Verbrauch sank drastisch. In meinem Trader Joe’s Laden in Oakland-Rockridge, Trader Joe’s ist ein Tochterunternehmen von Aldi Deutschland, zahlt man mittlerweile auch für die Papiertüte. Die Kunden haben sich umgestellt und bringen ihre Tragetaschen mit, kein Problem, man will ja die Umwelt schonen.

Nun geht Kalifornien noch einen Schritt weiter. Bislang waren es die Kommunen, die testeten, ob die Bürger diese Änderung beim Einkauf mitmachen. Der kalifornische Gouverneur Jerry Brown hat einen Gesetzesantrag auf seinem Schreibtisch liegen, der beinhaltet, dass die Einmalplastiktüten in Kalifornien ganz abgeschafft werden. Ab 2015 in Supermärkten und Drogeriemärkten, ein Jahr später dann auch in den „Corner Stores“ und an der Schnapsbude. Mit SB270 soll die Wegwerfgesellschaft etwas auf den richtigen Weg gebracht werden. Es ist zu wünschen, denn Millionen von Plastiktüten enden in Parks, an Stränden, in Seen, Flüssen, im Meer.

Sicherlich ist das nur ein weiterer Tropfen auf dem noch immer heißen Stein, doch es hat Symbolkraft. Das weiß auch die Industrie. Die Plastiktütenhersteller laufen bereits Sturm gegen diese „no plastic“ Pläne. Sie wissen, Kalifornien ist der bevölkerungsreichste Bundesstaat und was hier umgesetzt wird, hat Folgen für den Rest des Landes. Andere Bundesstaaten könnten und werden wohl nachziehen.

 

Das Ende des Supermarktes

Ein Regal voller Chipstüten. Dahinter eines mit den verschiedensten Colas. Im nächsten Gang übervolle Regale mit Müslis und Frühstücksflocken. So kennt man amerikanische Supermärkte aus Film und Fernsehen. Wer selbst schon einmal durch die USA gereist ist, weiß, wie überwältigend das Angebot in den Supermärkten sein kann.

Doch das wird sich bald ändern. Der klassische amerikanische Supermarkt stirbt aus. Vor ein paar Tagen wurde bekannt, dass die Supermarktkette „Safeway“ vor dem Verkauf steht. „Safeway“ ist die Nummer 2 im amerikanischen Lebensmittelhandel mit jährlich rund 36 Milliarden Dollar Umsatz. Der Firma geht es gut, doch man hat einen vorbeirauschenden Zug verpaßt. Die Amerikaner wollen nicht mehr in einem „Supermarkt“ vom Angebot erschlagen werden. Der Aldi Ableger „Trader Joe’s“ zieht seine Erfolgsbahnen durch die Staaten. Überall wo ein neuer Laden eröffnet wird, stehen die Kunden Schlange. „Whole Foods“ macht Riesengewinne mit Naturprodukten aus biologisch-ökologisch-politisch-korrektem Anbau und Fertigung. Selbst „WalMart“ ist von den Riesensupermärkten abgekommen und fokussiert mehr auf die kleinen Nachbarschaftsläden mit regionalen Angeboten.

All diese Supermärkte orientieren sich an lokalen und regionalen Gegebenheiten und Produkten. „Trader Joe’s“ bietet vor allem eigene, doch hochwertige Produkte an, die es nur in diesen Läden gibt. Der Service ist gut, die Beratung ausgezeichnet. Auch das fehlt bei „Safeway“, immer wieder wurde die Supermarktkette als warnendes Beispiel dafür angeführt, wie es in Fragen des Kundenservice nicht sein sollte. Das Angebot war verwirrend im Laden verteilt, die Regale zu hoch, die Mitarbeiter meist eher mundfaul. Vor einiger Zeit wollte man das ändern, führte grüne Produkte ein, senkte die Regale, machte Mitarbeiterschulungen….doch all das half nichts.

„Safeway“ wird schon bald Geschichte sein. Cerberus, eine Investitionsfirma aus New York, die zuvor schon die konkurrierende Supermarktkette „Albertsons“ übernommen hatte, will „Safeway“ kaufen. Auch der Marktführer „Kroger“ plant einige der „Safeway“ Märkte zu übernehmen. Zahlreiche der etwa 300 Läden werden geschlossen werden, vor allem in Texas, Colorado und Arizona. Hinzu kommen etliche Standorte in Kalifornien, an denen „Cerberus“ bereits Supermärkte unterhält, also genau bei mir um die Ecke, wo ein „Albertsons“ direkter Konkurrent des „Safeway“ Ladens ist. Auch schön…wobei, ich kaufe sowieso schon seit langem vor allem bei Trader Joe’s und Farmer Joe’s ein.

Mit Mozart bei Aldi an der Kasse

      Mozart im Interview

Er hat bereits vor Rammstein auf der Bühne geschockt. Ganz bewusst. Es krachte, flammte und provozierte. Mit Umbra et Imago ging Mozart 1991 an den Start. Der Sound kommt an, auch international ist die Band gefragt. Der aus Karlsruhe kommende Musiker gehört zu den Pionieren der deutschen Gothic-Szene. Neben seiner mehr gitarrenorientierten Band Umbra et Imago hat er seit einigen Jahren auch das Projekt Dracul am Start. Mehr elektronisch ausgerichtet, besser für die Clubs geeignet. Mozart nimmt kein Blatt vor den Mund, er versteckt sich nicht, beschönigt auch nichts. Er steht zu dem, was er sagt.

Er arbeitet ständig an etlichen Projekten, bekommt dabei gleich Ideen und Visionen für weitere. Ein Interview mit ihm ist unterhaltsam, man kann scherzen, man kann lachen, wie man das in dem oben zu hörenden Gespräch für meine Sendung Radio Goethe hören kann. Und doch, Mozart hat den Überblick über die Gothic-Szene, wie wohl kein anderer. Gerade weil er schon seit Ewigkeiten dabei ist. Er legt den Finger in die Wunde, vor allem dann, wenn er mitansehen muß, wie die Gothic-Szene von politisch rechten Strömungen unterspült wird.