Die Evangelikalen stehen zu Trump

Mississippi ist ein konservativer Bundesstaat, ein Teil des sogenannten Bibelgürtels der USA. Hier findet man sehr viele Kirchen und Glaubensgemeinschaften aller christlichen Richtungen. Wer nach Tupelo will, fliegt nach Memphis und fährt von dort nochmals eineinhalb Stunden mit dem Auto weiter. Dort findet man eine der führenden Organisationen der Christliche Rechte, der fundamentalistischen Evangelikalen, in den USA.

Die Headquarters der „American Family Association“ und „American Family Radio“.

“Und nun ein Krieger für das Wort Gottes und die Verfassung der Vereinigten Staaten…” So beginnt die Sendung “The Awakening” von Bishop E. W. Jackson, ausgestrahlt auf dem Radionetzwerk “American Family Radio” auf über 180 Stationen im ganzen Land. “American Family Radio” gehört zur “American Family Association”, einer christlich-fundamentalistischen Organisation, die 1977 von Don Wildmon in Tupelo, Mississippi gegründet wurde. Das Ziel war – und ist – gegen die Verlotterung Amerikas, gegen Pornografie, die, wie sie sagen “Homosexualisierung der Gesellschaft” und für die traditionellen christlichen Familienwerte einzutreten.

Mississippi ist ein konservativer Bundesstaat in den USA, mitten im “Bible Belt”, dem Bibelgürtel der Südstaaten. Tupelo gilt in dieser Region als etwas liberaler. Bekannt ist die Kleinstadt vor allem als Geburtsort von Elvis Presley. An Elvis kommt man hier nicht vorbei: Statuen und Gedenktafeln, Bilder und Andenken zum Mitnehmen.

Doch um Elvis Presley geht es weder bei der “American Family Association” noch bei ihrem Radionetzwerk. Ganz offen verbindet man Religion mit Politik. Man dürfe zwar keinen Kandidaten offen unterstützen, aber man spreche viel über Politik und darüber, wie sich Kandidaten positionierten, erklärt Tim Wildmon, Sohn des Gründers und seit letztem Jahr “Spirtual Adviser” von Donald Trump, Berater in religiösen Fragen. “Ich wurde vor ein paar Monaten dazu eingeladen, Teil des “Faith Advisory Council” von Präsident Trump zu sein. Es ist keine bezahlte Position, es ist vielmehr ein Gremium christlicher Führer aus allen Teilen Amerikas, die vom Präsidenten und seinem Team gefragt wurden, für ihn zu beten, denn er glaubt an Gebete und ihn auch dahingehend zu beraten, was uns Christen betrifft.”

Schon früh im Präsidentschaftswahlkamf 2016 hatten die verschiedenen Gruppen und Gemeinschaften der Christlichen Rechte in den USA auf Donald Trump gesetzt, denn dieser sprach genau das aus, was sie hören wollten, erzählt Tim Wildmon, der auch der Präsident der “American Family Association” ist: “Viele Christen hatten ihre Vorbehalte gegen Donald Trump. Er war kein Konservativer, er war sicherlich kein Christ im eigentlichen Sinne. Er lebte lange als Playboy, hatte mehrere Ehen und, wie man weiß, nicht gerade den besten Charakter. Aber, er machte eine Menge Versprechungen im Wahlkampf und viele Christen meinten, er sollte eine Chance bekommen.”

Im AFR Studio in Tupelo. Rechts Tim Wildmon.

Gerade was Trump in Bezug auf Pro-Life Richter, also Richter, die gegen Abtreibung sind, versprach kam an. Er betonte, dass er nur Richter einsetzen werde, die sich gegen Schwangerschaftsabbrüche aussprachen. Was bei den Evangelikalen in den USA auch gut ankam war, dass er mit Mike Pence einen “von ihnen” in sein Team holte. Vize-Präsident Mike Pence, der sich selbst als ein “born again Christian” versteht, ist für die Evangelikalen der direkte Kontaktmann in der Regierung. Mit ihm haben sie jemanden, der ihre Ideen von Ehe, Erziehung und Abtreibung umsetzen kann und das auch macht. So jemanden hatten sie bislang noch nie im Weißen Haus.

Dieser Schulterschluß zwischen der Trump-Administration und den Evangelikalen wird auch ganz deutlich, wenn man sich die Sendungen von “American Family Radio” anhört. Donald Trump wird Tag für Tag in den Sendungen gelobt, verteidigt, als jemand gepriesen, der für die Christen im Land kämpft. “Der Präsident hätte ohne die Stimmen der evangelikalen Christen 2016 nicht gewinnen können. Er kann darauf auch in dieser Wahl bauen”, umschreibt es Tim Wildmon. 85 Prozent der Evangelikalen hatten in der letzten Wahl für Donald Trump gestimmt. Neben dem Radionetzwerk unterhält die Family Association auch noch eine Presseagentur mit täglichen evangelikalen Nachrichten und Sichtweisen, dazu wird ein Newsletter verschickt, der nach eigenen Angaben, mehrere Millionen Menschen in den USA erreicht.

Und nun in diesen Zeiten von Covid-19, dem “Social Distancing”, dem in den eigenen vier Wänden bleiben, werden die weit verbreiteten und viel gehörten Radiosendungen des “American Family Radios” zu Gold für Donald Trump. Ein offener, direkter Wahlkampf ist derzeit nicht möglich. Trump hat damit einen Vorteil, denn ein ähnliches Radionetzwerk gibt es nicht für einen Kandidaten der Demokraten. Millionen von Amerikanern, gerade im “Heartland” schalten ein und hören zu, wie die Evangelikalen der “American Family Association” für ihren Kandidaten ins Feld ziehen, um den “Culture War”, den Kulturkrieg in den USA zu gewinnen. Sie sind zum Sprachrohr für Donald Trump geworden.

Doch egal, ob Donald Trump oder der Kandidat der Demokraten am 3. November die Wahl gewinnen wird. Für Tim Wildmon und die Evangelikalen in den USA ist eines ganz klar – sie bleiben und werden weiter für ein christlich fundamentalistisches Amerika kämpfen: “Uns gibt es seit 1977, schon über 42 Jahre, wir verschwinden nicht, wir wachsen weiter, bleiben stark und halten an unserer Botschaft fest. Wir sind mehr als nur diese Konflikte mit den Linken über Abtreibung und Rechte von Homosexuellen. Wir helfen den Leuten der Bibel in Fragen zur Familie und in ihrem täglichen Christsein zu folgen. Das alles führt zu einer Stärkung Amerikas, daran glauben wir.”

Halleluja in Elvis‘ Geburtsstadt

Elvis ist überall zu sehen in Tupelo.

Von Oakland nach Memphis und von dort nochmal eineinhalb Stunden mit dem Auto Richtung Osten, dann ist man in Tupelo, Mississippi. Ich muß da immer an den Film „Mississippi Burning“ mit Gene Hackman denken, der sich um FBI Ermittlungen nach einem Mord an schwarzen Bürgerrechtlern in den 60er Jahren dreht. An einer Stelle fragt Hackman: „What has for „i’s“ (eyes) and can’t see?“ „Mississippi“. Tupelo ist vor allem als Geburtsort von Elvis Presley bekannt. Und an Elvis kommt in der 30.000 Einwohner Stadt niemand vorbei.

Tupelo ist so ein ganz anderes Amerikas, als ich es von Oakland kenne. Mississippi ist „deep red“, ein republikanisch dominierter Bundesstaat. Konservativ, man kann eigentlich an jeder Ecke eine Kirche sehen. Und hier sind auch die Headquarters der „American Family Association“ und des Radionetzwerkes „American Family Radio“. Schon einmal war ich hier, das war 2008, als der Vorwahlkampf zwischen Hillary Clinton und Barack Obama tobte. Damals positionierten sich Don Wildmon, der Gründer von AFA und AFR, und sein Sohn Tim Wildmon ganz deutlich gegen Hillary Clinton. Ihr Radio Network aus 180 Stationen im ganzen Land wurde zu einem Sprachrohr in der „Stop Hillary“ Kampagne. Direkt politisch durfte man nicht on-air sein, doch man sprach vielmehr über Hillary, ihre politischen Aussagen und ihre „Leichen im Keller“.

2012 sah sich AFA und AFR vor einem Problem. Der Kandidat der Republikaner wurde Mitt Romney, ein Mormone. Mehr schlecht als recht unterstützte man ihn gegen Barack Obama. Und dann kam 2016 mit Donald Trump ein Kandidat, der auf dem ersten Blick so gar nicht in das Bild der Christlichen Rechte passte. Tim Wildmon erzählte mir am Dienstagmorgen, dass er in den republikanischen Vorwahlen 2016 erst auf den texanischen Senator Ted Cruz setzte. Doch dann setzte sich Donald Trump durch und die konservativen Christen unterstützten dessen Wahlkampf aktiv. Das verwunderte viele, denn Trump, der mehrmals geschieden war und wie Tim Wildmon erklärte, das Leben eines Playboys geführt hatte, war nicht gerade einer aus der christlichen Mitte. Doch er versprach viel von dem, für was die „Christian Right“ in den USA kämpfte.

Und Trump hielt Wort. Er setzte nur Richter ein, die „das Recht auf Leben“ unterstützten, sprich gegen Abtreibungen sind. Das war für viele in der Bewegung ein Litmustest. Trump war für „Country, Borders, Security“ und auch da setzte er seine Wahlkampfversprechungen um. Und Trump unterstützte die Freiheiten der christlichen Gruppen und Organisationen. Er war, trotz seiner unchristlichen Vergangenheit, einer, den sie unterstützen konnten und den sie 2020 wieder unterstützen werden.

Im AFR Studio in Tupelo. Rechts Tim Wildmon.

Offen Wahlwerbung können sie nicht machen, das verbieten die Auflagen der FCC, aber die Themenauswahl und die Themenbehandlung ist eindeutig. Wie man auch in dem Mitschnitt der Sendung „

Today's Issues     
“ hören kann, in der ich mit im Studio sass. „American Family Association“ und „American Family Radio“ sehen sich als „Cultural Warriors“, als Kämpfer im Kulturkrieg der USA, als Soldaten Gottes. Trotz aller offensichtlicher Differenzen luden sie mich ein, nach Tupelo zu kommen. Das rechne ich ihnen hoch an, denn andere christlich-fundamentalistische Gruppen sagten gleich ab, reagierten erst nach mehrmaligen Anfragen und dann negativ. Bei AFA hatte ich zumindest das Gefühl „we agree to disagree“ und das in einer freundlichen, respektvollen Umgebung.

Mein Besuch in Tupelo war Teil einer größeren Geschichte über die Auswirkungen der Trumpschen Außenpolitik auf afrikanische Länder. Donald Trump hat die sogenannte „Mexico City Policy“ nicht nur wieder eingeführt, er hat sie auch ausgeweitet. Was bedeutet, dass zahlreichen Gruppen und Hilfsorganisationen in mehreren afrikanischen Ländern Gesundheitszentren und -kliniken schließen mussten und schließen werden, denn die USA sind weltweit der größte Geldgeber im internationalen Gesundheitsbereich. Auch, wenn sie nicht direkt Abtreibungen durchführen. Alleine schon die Beratung zu diesem Thema ist unter Trump tabu geworden. Die Folgen sind, dass in einigen Regionen, die HIV/Aids Beratung, Ausgabe von Verhütungsmitteln, Familienplanung, Impfungen und die medizinische Versorgung ganz wegfallen. Und dann ist da noch eine Tatsache, die erschreckend wirkt. Die Anzahl der Abtreibungen steigt, wenn diese Politik umgesetzt wird, das hat eine Studie der Stanford Universität ergeben. Trump und seine christlichen Soldaten erreichen also genau das Gegenteil von dem, was sie durchsetzen wollen. Es geht ums Prinzip und am Ende kostet dieses Prinzip viele Menschenleben.

Die Christliche Rechte steht zu Trump

Im Wahlkampf 2008 reiste ich in den „Bible Belt“, um dort christlich-konservative Radiosender zu besuchen. Ich wollte wissen, wie sie sich damals im Wahlkampf positionierten. Nach acht Jahren George W. Bush war der Kandidat Mitt Romney auf der republikanischen Seite nicht unumstritten und relativ spät setzte sich Barack Obama gegen Hillary Clinton durch. Und Clinton war das rote Tuch für die Christliche Rechte im Land. Seitdem verfolge ich, was Organisationen, wie „American Family Radio“ und die dazugehörige Association verbreiten. 2016 im Wahlkampf griff ich das Thema erneut auf, denn was mich verwunderte, war, dass die Christliche Rechte sich für Donald Trump einsetzte. Jenen Kandidaten, der mehrfach geschieden war, der eigentlich so gar nicht in das Bild eines „christlichen“ Kandidaten passte:

Fundamentalismus in den USA     

Donald Trump wurde Präsident auch und vor allem durch die Unterstützung der Fundamentalisten in den USA. Und die stehen nach wie vor zu ihm, verteidigen jeden seiner Schritte und auch jeden seiner Fehltritte. Wie auch heute wieder. Täglich wird mir der Rundbrief vom „OneNewsNow News Desk“ der „American Family Association“ zugeschickt. Und in aktuellen Ausgabe geht der Autor Michael Brown auf Trumps Tweets ein, dass doch die vier Abgeordneten der Demokraten, Ayanna Pressley (Mass.), Rashida Tlaib (Mich.), Alexandria Ocasio-Cortez (N.Y.) und Ilhan Omar (Minn.), in die Länder zurückgehen sollten, aus denen sie gekommen sind. Die vier Frauen sind alle „women of color“, drei von ihnen wurden in den USA geboren, eine, Ilhan Omar, kam als Kind mit ihrer Familie aus dem Bürgerkriegsgebiet in Somalia und wurde als Teenager eingebürgert.

Die Tweets und die Kommentare dazu von Donald Trump sind durchaus rassistisch einzustufen. Die Mehrheit der Kommentatoren sieht das so, die Demokraten sehen das so. Bei den Republikanern sieht das schon anders aus. Senator Lindsay Graham sagte zwar auf „Fox and Friends“, der Morgensendung auf FoxNews, dass Trump sowas nicht sagen sollte, aber die Angesprochenen seien ja eh „Kommunisten“ und hassten Israel und die Vereinigten Staaten von Amerika.

Auch die Christliche Rechte verteidigt den Präsidenten. Zwar seien die Tweets „inkorrekt“ gewesen, so Michael Brown im „OneNewsNow“ Rundbrief, da ja drei der Abgeordneten von Geburt an Amerikanerinnen seien. Auch seien sie „unangebracht“, da ja Trump der Präsident aller Amerikaner sei. Doch, so Brown, habe Trump ja nicht einfach gesagt, die vier sollten sich vom Acker machen und dort bleiben „wo sie herkamen“. Nein, Brown betont, der Präsident habe ja geschrieben, wenn sie diese Länder auf Vordermann gebracht haben, könnten sie ja wieder zurück kommen und zeigen, wie sie das gemacht haben. Und so etwas würde kein Rassist sagen, so der Kolumnist Michael Brown. („…a racist would not say, „Then come back here once you help fix these other countries.“) Wenn man das nun weiterspinnt, dann vertritt Brown hier tatsächlich die These, dass Donald Trump nur vorgeschlagen habe, dass die vier Abgeordneten der Demokraten quasi eine Lehrzeit in Somalia, Palästina, Puerto Rico, USA – die Herkunftsländer ihrer Familien (!) – absolvieren und mit ihren Erfahrungen dann die US Regierung beraten sollten.

Das nenne ich dann schon eine leichte Verdrehung der eigentlichen Aussage von Präsident Donald Trump. Aber, die Christliche Rechte muss ja den man weiterhin unterstützen, den sie in Amt und Würden gehoben hat, den sie als Retter von „God’s Country“ ansieht. Ich bin nun mal so richtig gespannt auf weitere Verzwirbelungsargumente im kommenden Wahlkampf, denn egal was Trump auch sagt, wen er auch beleidigt, was er auch verdreht, die fundamentalistischen Christen in den USA finden eine Erklärung.

Die christliche Rechte in den USA

Christliche Fundamentalisten im Wahlkampf     

Ihren Wunschkandidaten bekommen sie nie, aber egal wer es auch ist, alles und jeder ist für sie besser als Barack Obama. Die christlichen Fundamentalisten im Land schalten sich regelmäßig in den amerikanischen Wahlkampf ein. Und zwischen den Wahltagen verbreiten sie lautstark ihre Moralvorstellungen. Die Programme des „American Family Radio“ Networks in Tupelo, Mississippi werden auf Hunderten von Stationen in den USA ausgestrahlt. Einen Kandidaten dürfen die christlichen Radiomacher nicht direkt unterstützen, aber sie können ihren Hörern verkünden, für was der oder der Kandidat steht. Der Mormone Mitt Romney ist sicherlich nicht ihr Wunschkandidat, doch in diesem Jahr schluckt man eher die bittere Pille, als vier weitere Obama Jahre. Dazu ein aktueller Audiobeitrag.

Amerika und die christliche Rechte

Vor vier Jahren reiste ich im Wahlkampf nach Tupelo, Mississippi. Dort im tiefsten Süden ist die Zentrale der „American Family Association“. AFA betreibt „American Family Radio“, ein christliches Network, das über rund 200 Stationen, zumeist in den Südstaaten, ausgestrahlt wird. Obwohl dieses christliche Radio als gemeinnützig und damit unpolitisch eingestuft wird, machen die Betreiber Politik. Ganz offen greifen sie jeden an, der homosexuelle Veranstaltungen, Initiativen oder Organisationen unterstützt. Lediglich den Namen des zu wählenden Kandidaten sagt man nicht, also, so die Meinung der Radiomacher, verstoße man auch nicht gegen das Gesetz.

Damals vor vier Jahren wurde mir von AFA und AFR Gründer Donald Wildmon klar gemacht, dass man bei den Demokraten mit Hillary Clinton und Barack Hussein Obama (Hussein wurde und wird immer wieder in seinem Namen betont) als Kandidaten, die Wahl zwischen Pest und Cholera habe. Auch der GOP Kandidat John McCain fiel bei den Fundamentalisten durch. Vor vier Jahren unterstützte Don Wildmon und sein AFR den Prediger und früheren Gouverneur Mike Huckabee.

Vier Jahre später. Barack Obama wird täglich über das Radio Network von AFR angegriffen. Mehr als eine Million Hörer werden Tag für Tag mit den Programmen erreicht. Hinzu kommen Rundbriefe, die zusätzlich noch einmal mehrere Millionen Leser haben. Dann noch Fernsehproduktionen und sogar ein eigenes Filmstudio, das gegründet wurde, um christilche Familien nicht dem „Schund aus Hollywood“ auszusetzen. AFA verfolgt ein Ziel, die Lehren der Bibel sollen die amerikanische Politik bestimmen. Und dafür ist als erster Schritt die Abwahl von Präsident Obama notwendig. Wildmon und seine Mitstreiter wissen, dass die republikanische Partei sie braucht. Von daher war es kein Wunder, als AFR Moderator Bryan Fisher umgehend in seiner Sendung „Focal Point“ gegen den Sicherheitsberater des GOP Kandidaten Mitt Romney wetterte. Der hatte Richard Grenell für seinen Wahlkampf engagiert, doch Grenell ist ein bekennender Homosexueller. Das ging natürlich für Fisher und die anderen AFR Moderatoren nicht. Wenn man täglich gegen den „homosexual lifestyle“ wettert, kann doch nicht einfach ein Berater des GOP Kandidaten offen schwul sein. Das war und ist nicht tragbar und mußte verhindert werden. Romney und seine Partei erkannten das schließlich auch, denn im November muß man sich darauf verlassen können, dass Leute wie Fisher die Hörer zu den Wahlurnen ruft. Richard Grenell nahm nach einer Woche im Amt seinen Hut.

Mitt Romney ist sicherlich nicht der Wunschkandidat der „American Family Association“ und ihres Grüners Don Wildmon. Rick Santorum war der Kandidat der christlichen Fundamentalisten, doch der fiel bei den Wählern durch. Stattdessen also Romney. Ein bitterer Beigeschmack, doch allemal besser, als der „Sozialist“ und Islam geschulte Barack Hussein Obama. Also fordert man die Hörer und Leser und Zuschauer des AFA Imperiums dazu auf, sich quasi eine Wäscheklammer auf die Nase zu klemmen und vor den Namen des Angehörigen einer christlichen Sekte, wie es die Mormonen für weite Teile der christlichen Fundamentalisten in den USA sind, das Wahlkreuz zu machen.

Hauptsache nicht Obama, doch bei Schwulen und Lesben versteht man im AFA Kreis keinen Spaß. Das hat Romney nun auch erkennen müssen. Doch die Geister, die er rief….Mitt Romney wird sich im Falle eines Wahlsieges daran erinnern müssen, wer ihn ins Oval Office gebracht hat.

Homerun für Sarah Palin

ba_usa_politics_0499080165.jpgSie kam, sah und siegte. Sarah Palin hat mit ihrem Auftritt auf dem Parteitag der Republikaner einen Grossteil der Partei hinter sich gebracht. Vor allem die christlich-konservative Basis der GOP mobilisiert nun die Wähler, um die schon verloren geglaubte Präsidentschaftswahl noch umbiegen zu können.

Dazu ein aktueller Höreindruck:

Palin und die GOP Basis      

Religiöse Basis unterstützt McCain/Palin

41978707.jpgAls John McCain seine Vize-Kandidatin, die Gouverneurin von Alaska Sarah Palin, vorstellte, schlug die Nachricht wie eine Bombe ein. Mit ihr hatte so gut wie keiner gerechnet. Aber McCain ist ein Taktiker. Er will mit der Frau an seiner Seite frustrierte Hillary Wähler gewinnen und gleichzeitig die religiöse Basis der Republikaner auf seine Seite ziehen. Denn Palin ist erzkonservativ, lehnt jegliche Abtreibung und Sexualaufklärung in den Schulen ab.YouTube Preview Image

Kurz nachdem Palin nun in der vordersten Reihe des Wahlkampfes stand, gab es auch gleich die ersten Schlagzeilen. Sie habe ein Baby mit Down Syndrom, könne also aus Rücksicht nicht den Job einer Vize-Präsidentin übernehmen. Ihre minderjährige Tochter sei schwanger. In Wikipedia seien die Informationen über die Gouverneurin beschönigt worden. Blabla-blabla-blabla…die ganze Wahlkampfmaschine lief auf beiden Seiten auf Hochtouren.

Und dann fragten sich auch viele in der republikanischen Partei, ob Sarah Palin wirklich die richtige Wahl sei. Aber John McCains Rechnung, zumindest in Bezug auf die christliche Basis, scheint aufzugehen. Mehrere religiöse Führer und auch die christlichen Medien, wie American Family Radio, zeigten sich von der Kandidatin beindruckt. Hier zum Beispiel die aktuelle Sendung „AFA Report“, ausgestrahlt auf dem American Family Radio Network:

AFR     

Und auch James Dobson von Focus on the Family, eine weitere Führungsperson im christlichen Lager, unterstützte Sarah Palins Wahl. Es gehe nicht darum, dass die Kandidatin perfekt im christlichen Sinne sei, sondern es sei wichtig, wie sie zu Familie und christlichen Werten stehe. Palin hatte in einer Stellungnahme erklärt, die 17jährige würde ihr Kind bekommen und den Vater schnellstmöglich heiraten. Das spreche für Palin und die gesamte Familie, so Dobson.

Interessanter wird der Wahlkampf mit McCains Wahl auf alle Fälle werden. Denn die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass im Falle eines republikanischen Wahlsieges ein deutlicher Rechtsruck in den USA zu spüren sein wird. Nun beginnt der offene Kampf zwischen zwei politischen Fronten und zwei grundverschiedenen Weltanschauungen. Gespannt bin ich schon jetzt auf die Vize-Präsidenten Debatte zwischen dem Demokraten und international erfahrenen Joe Biden und der Newcomerin aus Alaska, Sarah Palin, die bis vor kurzem noch nicht mal einen Pass besass.

Beten für den Wahlsieg

Am Wochenende suchten die beiden Präsidentschaftskandidaten Barack Obama und John McCain den Schulterschluss mit den christlichen Wählern (siehe letzten Blogeintrag). Werte, Abtreibung, Menschenrechte, so einiges kam dabei zur Rede.

Was noch vor ein paar Jahren undenkbar war ist nun möglich geworden. Ein demokratischer Kandidat sucht die Nähe zur christlichen Basis in den USA, um wichtige Wählerstimmen zu gewinnen. Und das hat durchaus seine Gründe, wie ich in dem folgenden SWR-Feature darlege:

Politische Missionare     

Präsident Bush wurde 2000 und 2004 durch das massive Eingreifen der christlichen Fundamentalisten in den Wahlkampf gewählt. Vor allem 2004 schafften es seine Berater, die weit verbreiteten christlichen Medien für sich zu gewinnen, in dem sie Themen wie „Schutz der Familie“ und „Homosexuelle Ehe“ in die tägliche Diskussion brachten. Nur einer könne Amerika vor dem tiefen Fall beraten – George W. Bush. Die Rechnung ging auf. Einige christliche Fundamentalisten gingen sogar so weit und erklärten, Bush sei ein Gesandter von Gott, der Amerika vor der kommunistischen und anti-christlichen Zerstörung rette. John Kerry hatte da keine Chance mehr, denn er wurde als Verfechter von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und dem Untergang des Abendlandes angesehen.

Doch die Zeiten haben sich geändert. Die christliche Basis wurde enttäuscht von Präsident Bush, der schon eine Woche nach dem Wahlsieg 2004, seine Unterstützer nicht mehr kannte, wie es mir „American Family Radio“ Gründer Don Wildmon erklärte.

Und auch der diesjährige republikanische Kandidat, John McCain, ist umstritten im christlichen Wählerblock der USA. McCain gilt nicht als Mann der Familienwerte verteidigt und schon gar nicht als bibelfest. Die Abneigung gegen den Republikaner geht sogar so weit, dass einer der führenden Evangelisten Amerikas, James Dobson, öffentlich erklärte, er würde lieber nicht zur Wahl gehen, als für John McCain zu stimmen. YouTube Preview Image

Von daher kann man durchaus verstehen, dass Barack Obama die Einladung annahm und sich im Saddleback Civil Forum den Fragen von Pastor Rick Warren stellte. Denn seine Botschaft eines Wandels und Neuanfangs kommt durchaus bei den christlichen Wählern in den USA an.