Unpatriotische Oscars

Was will man schon vom liberalen Hollywood erwarten? Da ist so ein hoch patriotischer Spielfilm wie „American Sniper“ im Rennen, der die wahren Heldentaten eines amerikanischen Scharfschützen erzählt und was wird ausgezeichnet….ein mexikanischer Regisseur und nicht der übergroße Clint Eastwood. Ja, wo kommen wir denn da hin?

Der Hollywoodspielfilm "American Sniper" ging bei den diesjährigen Oscars unter.

„American Sniper“ ging bei den diesjährigen Oscars unter.

Ja wohin wohl…klar, dass sich da auch der selbsternannte Filmkritiker Donald Trump zu Wort melden muß. Zu was kann er sich eigentlich nicht äußern? Aber bleiben wir beim Thema, am Montagmorgen telefonierte er gleich live on-air mit der Show „Fox & Friends“, die auf FOXNews ausgestrahlt wird. Darauf angesprochen, wie er die Entscheidung sehe, dass Clint Eastwood und „American Sniper“ kaum beachtet wurden, meinte Trump: „Es war eine großartige Nacht für Mexiko. Dieser Kerl (Alejandro Iñárritu, Direktor von „Birdman“) kam immer und immer wieder auf die Bühne. Was macht er da? Er haut mit dem ganzen Gold ab“. Typisch sei das für dieses Land, so Trump. Also, Mexiko übernimmt nicht nur mit seinen Taquerias in den Städten die Schnellimbisse. Nein, nun sahnen sie auch noch die Preise ab.

Einer der Anchorman auf FOXNews, Sean Hannity, wollte auch seinen Senf zur Diskussion dazugeben und twitterte, dass die Entscheidung ja von vornherein klar war. Die liberalen Geister in Hollywood würden ja niemals einen patriotischen Kassenschlager wie „American Sniper“ auszeichnen. Alles also ein abgekartetes Spiel?

Man muss sagen, in diesem Jahr war die Oscarpreisverleihung politischer denn je. Von den angeschnittenen Themen der Gewinner und Performer auf der Bühne bis hin zur Wahl von „Citizen Four“, dem Dokumentarfilm über Edward Snowden, setzte Hollywood in diesem Jahr deutliche Zeichen. Die Nichtbeachtung von „American Sniper“ war da sicherlich keine Absicht, denn andere Filme waren einfach besser. Das nun jedoch als mangelnden Patriotismus oder als Zeichen gegen die „Frauen und Männer in Uniform“ zu werten, wie das einige Kommentatoren taten, ist völliger Blödsinn und zeigt nur die geistige Beschränktheit von einigen Dauernörglern in den USA.

„American Sniper“ im Visier

Es ist der erfolgreichste Film im Januar. Rund 100 Millionen Dollar wird das neue Machwerk von Clint Eastwood an diesem Feiertagswochende einnehmen. Rekord! „American Sniper“ wurde darüberhinaus gleich für sechs Oscars nominiert. Eine Hollywoodgeschichte, die auf einer wahren Geschichte beruht. Was könnte es besseres geben.

"American Sniper" mit Bradley Cooper in der Hauptrolle.

„American Sniper“ mit Bradley Cooper in der Hauptrolle.

Erzählt wird die Story des Scharfschützen Chris Kyle, der nach seiner Rückkehr aus dem Irakkrieg, ein Buch über seine Erfahrungen schreibt. Die Geschichte wird zum Bestseller, die Hollywoodstudios werden darauf aufmerksam, Clint Eastwook greift zu. Doch während der Dreharbeiten zu „American Sniper“ wird Kyle von einem Veteranen mit posttraumatischen Problemen auf einem Schießstand erschossen.

Erfolgsbuch, Erfolgsfilm, Clint Eastwood und dann noch Bradley Cooper in der Hauptrolle, da konnte eigentlich nichts schief gehen. Doch nun kommen die kritischen Stimmen, denn Chris Kyle wurde als eine Art Kriegsheld dargestellt. Dagegen wehrt sich Oscar Preisträger Michael Moore, der twitterte, sein Onkel sei im Zweiten Weltkrieg durch einen Scharfschützen abgeknallt worden. Er, Moore, sei damit aufgewachsen, dass Scharfschützen alles andere als Helden seien, vielmehr seien sie Feiglinge, die aus der sicheren Entfernung ihre Opfer anvisieren. Moore betont, der Film sei gut, doch er sei geschichtsfälschend und kriegsverherrlichend.

Auch andere kritische Stimmen werden lauten, die erklären Chris Kyle sein nicht der Leinwandheld, der dargestellt wird, sondern vielmehr ein rassistischer Psychopath, der nur abfällig über seine Opfer gesprochen habe und nach seiner Rückkehr erklärte, er bedauere, dass er nicht mehr getötet hätte. Mitglieder der Academy, die die Oscars vergibt, zeigten sich überrascht über die Kritik. Egal, ob „American Sniper“ am Ende in einer oder mehreren Kategorien mit der höchsten Filmauszeichnung geehrt wird, ist eigentlich egal. Der Streifen hat schon jetzt Filmgeschichte geschrieben.

 

NRA was nun?

Was wird die National Rifle Association (NRA) nun sagen? Ich denke mal, sie wird gar nichts sagen, diesen Mord nicht kommentieren, einfach schön den Mantel des Schweigens über diesen tragischen Zwischenfall legen.

Chris Kyle war einer der besten. Ein jahrelang trainierter Navy-SEAL und dort auch noch in einer tödlichen Spezialeinheit. Sein Geschäft war sein Gewehr, sein Auge, sein ruhiger Finger am Abzug. Kyle war Scharfschütze, einer der tödlichsten in der Geschichte der Navy-SEALS. Zwischen 1999 und 2009 erschoss er im staatlichen Auftrag mehr als 150 „Ziele“ mit tödlichen Schüssen. Über seine Erfahrungen als „Sniper“ schrieb und veröffentliche Chris Kyle den Bestseller „American Sniper: The Autobiography of the Most Lethal Sniper in U.S. Military History“.

Nun ist der trainierte und stets bewaffnete Spezialmann ermordet worden. Auf einem Schießplatz in Glen Rose, 80 Kilometer südwestlich der texanischen Stadt Fort Worth, wurden er und sein Begleiter von einem 25jährigen aus noch unbekannten Gründen erschossen. Ein hochtrainierter Navy-SEAL! Auf einem Schießplatz! Mit Dutzenden offen herumliegenden Waffen! Wie also will die NRA das nun erklären, wenn sie fordert in Schulen bewaffnete Wachen aufzustellen, Lehrer und Schulleitungen an Schießeisen auszubilden und mit Knarren auszurüsten, die im Falle eines Amokläufers zur Selbstjustiz greifen?

Ich weiß, Waffen töten nicht, nur Verrückte, die sie „falsch“ einsetzen. Aber ich denke mal, dieser Fall könnte der NRA noch Argumentationsprobleme einbringen.