Ist da wirklich eine Kluft?

Spiegel Online titelt: „Kluft zwischen Deutschen und US-Amerikanern wird größer“. Das zumindest habe eine „repräsentative Umfrage der Körber-Stiftung und des amerikanischen Pew Research Centers“ herausgefunden. 73 Prozent der befragten Deutschen würden demnach die Beziehungen zu den USA als „schlecht oder sehr schlecht“ einschätzen. Die Amerikaner hingegen sehen zu 70 Prozent die Beziehungen zu Deutschland als „eher gut oder sehr gut“.

Die deutsch-amerikanische Freundschaft existiert.

Irgendwie will ich dieses Ergebnis nicht so richtig glauben, denn es widerspricht allem, was ich hier erlebe, was mir Besucher von ihren Erfahrungen erzählen, was mir Freunde berichten, die in die USA reisen oder reisen wollen. Klar, ich bin kein Statistiker, keiner der eine „repräsentative Umfrage“ in Auftrag gibt, aber dennoch glaube ich nicht daran, dass jeder Dritte Deutsche die Beziehungen zu den USA als „schlecht oder sehr schlecht“ sieht.

Keine Frage, Donald Trump und seine rechtslastigen, patriotischen und „America First“-Kulturkämpfer haben Probleme im weltweiten Klima geschaffen. Das politische USA wird nicht mehr als verlässlicher Partner der Europäer und der Deutschen gesehen. Zumindest so lange, wie Donald Trump in Amt und Würden ist. Klar ist aber auch, dass hinter Donald Trump und seinen populistischen Vorstellungen und Verlautbarungen keine Mehrheit in den USA steht. Das Regieren wird Trump nicht leicht gemacht. Weder von den Demokraten noch von seiner eigenen Partei, den Republikanern. Ja, er richtet einen großen Schaden an, auf nationaler wie auch auf internationaler Ebene. Dennoch, es gibt in den Vereinigten Staaten genügend Kräfte, die gegen diesen Präsidenten und seine veralteten und unamerikanischen Ziele und Ideale aufbegehren und kämpfen.

Vielleicht, wenn die Zahlen in dieser Umfrage wirklich so hoch sein sollten oder auch nur annähernd stimmen, vielleicht müssen wir Medienvertreter da mal überlegen, was wir aus den USA und über die USA in diesen Trump-Tagen berichten. Denn Amerika ist nicht Trump, das muss man ganz klar betonen. Das zeigt sich mir in meinem direkten Umfeld, das erfahre ich jeden Tag in meiner Arbeit, das erlebe ich in Gesprächen, in Interviews, bei Recherchen. Ich glaube nicht, dass 3/4 der Deutschen die USA kritisch sehen. Aber die Zahl ist dennoch zu hoch, denn sie beruht auf Vorurteilen, auf Unwissen, auf Schnellschüssen. Es gibt in diesen Trump-Zeiten eigentlich viel mehr was Deutschland und die USA verbindet. Darüber sollte man berichten, das sollte man lesen, hören, glauben.

 

Der Anti-Muslim Kampf geht weiter

Donald Trump kann es einfach nicht lassen. Erst baute er seinen Wahlkampf damit auf und nun regiert er in Washington mit Hass, Hetze und Lügen weiter. Erst die Ankündigung eines allgemeinen Einreiseverbots für Menschen aus muslimischen Ländern. Dann die Durchsetzung seines „Travel Bans“, seine Twitter Nachrichten über nicht nachweisbare Zellen des Islamischen Staates in der mexikanischen Grenzstadt Ciudad Juarez, die unbemerkt in die USA eindringen. Und nun tweetet er, dass unter den Immigranten aus Honduras, Guatemala und El Salvador erneut „unknown Middle Easterners“ seien. Belege und Beweise für solche Angstszenarien muss ein Donald Trump nicht vorlegen.

Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ist zu einem der größten Hassprediger unserer Zeit geworden. Er regiert mit Angst und Schrecken. Nicht, dass er nachts Sturmtruppen aussendet, die Kritiker mundtot machen sollen. Nein, das nicht, auch wenn sich rassistische und ausländerfeindliche Gruppen durch ihn, seine Worte und seine Handlungen bestärkt fühlen und Übergriffe gegen Menschen anderer Hautfarbe, anderer Religionen, anderer Sexualität, anderer Überzeugungen als Einladung zur Gewalt sehen. Trump kreiert eine Welt, in der man Angst haben sollte vor Immigranten, Muslimen, Andersdenkenden. Belegen braucht er seine Anschuldigungen und Behauptungen nicht. „People are talking“, das ist sein Argument. Seine Basis glaubt ihm kritik- und kommentarlos.

Trump ist gefährlich, nicht nur weil er die Gesellschaft spaltet, staatliche und gesellschaftliche Instanzen unterminiert, die Demokratie aushöhlt. Er ist gefährlich, weil er Hass und Hetze als den „normalen“ Ton präsentiert. Keine Rücksicht auf Konsequenzen, auf die langfristigen Folgen seiner Worte. Ich dachte immer, man könne zu meinen Lebzeiten Amerika in die Zeit vor und nach den Terrorangriffen des 11. Septembers 2001 einteilen, denn 9/11 war ein Scheidepunkt für die USA. Der Terror der Al-Qaida führte dazu, dass Amerika nach 9/11 zusammenrückte, in der Katastrophe sah man sich geeint. Zumindest für eine kurze Zeit. Doch mit Trump hat sich erneut die Zeitrechnung verändert. Nichts ist mehr so, wie es einmal war.

Donald Trump hat eine Alternative Realität erschaffen, in der Rassismus, Ausländerfeindlichkeit, Homophobie, Angriffe auf Andersdenkende und Andersgläubige hoffähig geworden sind. Trump tritt vor seine Wählerinnen und Wähler, attackiert unter dem Jubel der tobenden Menge die Medienvertreter, verharmlost Gewalt gegen Reporter, beschimpft die politische Opposition, beleidigt Menschen in Not, droht, lügt, wütet. Wohin dieser eingeschlagene Weg führen wird ist noch nicht klar, aber eine Rückkehr zu einem zivilen Umgang scheint undenkbar geworden zu sein.

Einmal quer durchs Land und zurück

Vier Wochen in Michigan liegen hinter mir. Montagmorgen Ortszeit ging es los, nach 42 Stunden im Auto war ich wieder in Oakland. Am Rande der langen Highways konnte ich etwas schlafen, während Käthe beide Augen und Ohren offen hielt und aufpasste, dass niemand dem Wagen zu nah kam. Sie ist die perfekte Wegbegleiterin.

Endlos geradeaus.

In Minnesota lief ein Bär vor mir über den Highway und verschwand im dichten Unterholz des Waldes. Auch ein Wolf, Rehe, ein paar Koyoten kreuzten meinen Weg…it’s a zoo out there! 3500 Kilometer quer durchs Land, über Highways und Freeways, durch endlose Wälder und Felder, vorbei an verschlafenen Ansiedlungen, Dörfern, Kleinstädten. Die wenigen größeren Städte auf dem Weg wie Duluth, St. Paul, Fargo, Bismarck und Reno ließ ich links oder rechts liegen. Einfach weiter, immer weiter. Hin und wieder eine halbe oder eine Stunde Schlaf. Tank- und Pinkelpausen für den Hund, kurz die Beine vertreten und weiter ging es. Tagsüber kletterte das Thermometer über 30 Grad, was längere Pausen mit einer haarig-pelzigen Vierbeinerin schwierig machte.

„Are we there yet?“

Amerika ist ein schönes, ein beeindruckendes, ein vielgesichtiges und vielseitiges Land. Die Weite des Landes, der Endlosblick beeindrucken mich noch immer nach all den Jahren. Ich kann mich daran nicht satt sehen, während ich Meile um Meile abfahre. Irgendwann einmal will ich vom Westen in den Osten fahren, mit viel Zeit und nur Highways benutzen, Landstraßen, die Freeways meiden, der Weg als Ziel. Wer weiß, vielleicht wäre das auch einmal ein schöner, klangvoller und eindrucksreicher Roadtrip.

Letzte Nacht, gerade als ich an Sacramento vorbeifuhr rief ein Radiosender an und fragte, ob ich etwas zum Mißbrauchsskandal in Pennsylvania machen könnte. An dem Punkt war das Ziel so nah, ich freute mich nur noch auf mein Bett und verneinte, was nicht oft vorkommt. Eine kurze Nacht liegt nun hinter mir, Käthe war fit und rastlos, sie hatte ja auf der Fahrt viel geschlafen. Nun geht der Blick voraus auf die kommenden Wochen, viele interessante Themen warten auf mich und im September geht es wieder nach Somalia. Das Leben bleibt spannend und schön.

America the beautiful

3500 Kilometer liegen hinter mir. Fast einmal quer durchs Land. Durch Nordkalifornien nach Nevada, den Bundesstaat von West nach Ost durchfahren, dann Richtung Norden durch Idaho, rüber nach Montana, entlang des Yellowstone National Parks. Montana durchkreuzt, den langen Freeway in North Dakota abgefahren, bei Fargo dann auf den Highway Richtung Minnesota eingeschwenkt. Bei Duluth nach Wisconsin rein, von dort noch weiter nördlich bis zur Upper Penninsula von Michigan. Das alles nur mit ein paar „Power Naps“ geschafft.

Eine Endlosfahrt durch Amerika.

Eine lange, endlos erscheinende Autofahrt durch ein Land, das mir auch noch nach 22 Jahren fremd und gleichzeitig neu ist und dennoch faszinierend bleibt. Amerika ist ein wunderschönes Land, in das es sich lohnt zu reisen. Nicht nur nach New York, Florida, Las Vegas und Kalifornien. Wer die USA verstehen lernen möchte, der muss ins Landesinnere fahren. Nach Elko, Bozeman, Bismarck, Duluth, Houghton und viele andere Kleinstädte auf dem Weg von West nach Ost.

Auf dieser Fahrt durch die unvereinigten Staaten von Amerika hörte ich B5 Aktuell, Deutschlandfunk, NPR, Al Jazeera, BBC, das Smartphone macht es möglich. Und alle berichteten von Donald Trump und seinem Treffen mit Vladimir Putin in Helsinki. Berichte, Analysen, Reaktionen. Donald Trump der seltsame, selbstverliebte, unkonventionelle, rüpelhafte Präsident der USA. Und dann diese Bilder von diesem weiten, offenen, wunderschönen Land. Menschen, an allen Tank- und „Dog Business“ Stopps, die freundlich, interessiert, humorvoll waren. Ich war überrascht, dass ich im Landesinneren nicht auf Unmegen an Trump Aufkleber und MAGA-Hüten stieß. Diese Fahrt durch Amerika führte mir auch wieder mal vor Augen, warum ich dieses Land auch nach 22 Jahren noch liebe.

„Ich bau‘ mir ein (Luft)Schloss“

„Glaubt mir, ich sage die Wahrheit“. Foto: Reuters.

Der Wahlkampf von Donald Trump glich einer Märchenstunde. Hier das Reich des Bösen unter Barack Obama, in dem der Staat sich in alles einmischt, reguliert und reglementiert, überschuldet ist und überhaupt kein Ansehen mehr in der Welt genießt. Und dort seine Vision von Amerika, der „shining city on a hill“, einem Land, in dem wieder Milch und Honig fließen werden und in dem Amerikaner und nicht andere Länder, Interessen und Ausländer an vorderster Front stehen. Seine Slogans waren „America First“, „Make America Great Again“ und „Buy American, hire American“. Eine klare, patriotische Ansage eines Mannes, der die Anhäufung seines Reichtums nicht gerade unter diese Prämissen stellte. weiter lesen

Happy 4th of July

Amerika feiert heute seinen „Independence Day“. Ein großer Tag, überall gibt es BBQ und Feuerwerk, viel Bier fließt und an so einigen Häusern werden die „Stars and Stripes“ gehisst. In den Reden der Politiker wird von der Größe und Einheit Amerikas gesprochen. Donald Trump faselt von „America First“, was eigentlich genau das ist, was dieser Tag nicht ausdrückt.

Das wurde mir gerade wieder bewußt, als ich mit meinem Hund durch die Nachbarschaft spazierte. Ein ruhiger Morgen, so, wie ein Sonntagmorgen in St. Leonhard, wo ich aufwuchs. In meiner Nachbarschaft hier leben Menschen mit Wurzeln aus aller Welt: Norwegen, Serbien, Deutschland, Irland, Italien, China, Indien, Korea, Mexiko. Die Welt trifft sich einer amerikanischen Stadt wie Oakland und macht daraus etwas ganz besonderes. Klar, auch hier gibt es die normalen Probleme. Amerika ist nicht „God’s Country“, nicht auserwählt, hier fließt nirgendwo Milch und Honig, es ist nicht perfekt. Irgendwo im Land trifft man immer auf Vorurteile und Rassismus. Und doch die Vielgesichtigkeit dieser Gesellschaft fällt mir immer wieder auf, gerade dann, wenn ich irgendwo bin, wo ich nur „Weiße“ um mich herum habe.

Amerika ist ein Land von Immigranten, legal und illegal. Von Menschen, die hier ankamen, etwas suchten, es fanden, sich ein neues Zuhause, ein neues Leben aufgebaut haben. Der Großteil von ihnen musste dafür hart arbeiten, die Knochen herhalten, sich nicht unterkriegen lassen. Diese Geschichten habe ich immer und immer wieder von  Einwandern gehört, die von überallher in die USA kamen. Sie erhielten nicht vom Vater 200 Millionen Dollar als Startkapital ausgehändigt. Sie fingen bei Null an, reden daher auch nicht von „America First“, denn sie wissen für was dieses Land wirklich steht, gerade auch an diesem 4. Juli 2017. Die Mehrheit der Amerikaner glaubt an die Vereinigten Staaten von Amerika, daran dass hier Menschen friedlich mit- und nebeneinander leben können. Das drückt dieser „Independence Day“ für mich aus. „Happy 4th of July!“

Die USA sind mehr als Donald Trump

2001 gab es noch kein facebook. Damals bekam ich Mails und las auf diversen Online-Foren mit. Die Stimmung war nach dem Wahlausgang 2000 eindeutig. Das bestärkte sich nur noch, als George W. Bush den Einmarsch in den Irak anordnete. Eine Anti-USA Stimmung machte sich breit. Freunde und Bekannte in Deutschland meinten, sie werden erst einmal nicht mehr in die USA reisen. Bush = USA, so die seltsame Gleichung.

Die gleichen Töne höre ich nun wieder. Diesmal ist es Donald Trump, der für Amerika steht. Trump der wutschnaubende Rassist mit der Fönwelle, der gegen Mexikaner, Frauen, Schwule, Moslems und alle wettert, die ihn kritisieren. Er repräsentiere die USA ist die Aussage von einigen. Doch Trump ist weder die USA, noch unterstützt eine Mehrheit seine wahnwitzigen Ideen.

sept11In Umfragen liegt er im republikanischen Feld vorne, das stimmt. Doch man sollte sich diese Zahlen einmal genauer ansehen. Umfragen werden telefonisch durchgeführt. Ein paar Hundert registrierte republikanische Wähler werden dabei befragt. Keine große Zahl, wenn man bedenkt, dass 30 Prozent von 500 Wählern gerade mal 150 Trumpstimmen sind. Doch die USA und die Welt reagiert: Wie kann man nur Mister Dreiwettertaft wählen?

Auch bleibt außen vor, dass bei jeder Wahl eine Minderheit der Amerikaner überhaupt wählen geht. Was bedeutet, eine absolute Mehrheit steht nicht für das, was George W. Bush anrichtete und auch nicht für das, was ein Donald Trump anrichten könnte. Amerika ist viel mehr als nur das Bla-Bla aus dem Washingtoner Politzirkus. Vielleicht stören mich nach über 19 Jahren in den USA diese facebook Aussagen, die negativen Kommentare nun mehr. Das kann durchaus sein. Vielleicht bin ich in all den Jahren ein stückweit auch Amerikaner geworden. Trump spricht nicht für mich, steht nicht für das Amerika, das ich zu schätzen und zu lieben gelernt habe, von dem ich noch immer fasziniert bin.

Amerika ist Nationalparks, ist die Weite des Westens, die Golden Gate Bridge. Ist Woody Guthrie und Pete Seeger, Johnny Cash und Bob Dylan. Ist „Free Speech -„, „Labor -„, „Women’s -“ „Gay -“ und „Civil Rights Movement“, ist Care und USAid. Ist Whiskey, Tequila, guter Wein und so la-la Bier. Amerika ist eine multikulturelle Gesellschaft, in der es viele Stimmen, Gesichter, Ansichten und, ja, auch Probleme gibt. Ich muß Amerika nicht schön reden, das will ich gar nicht. Ich kenne die Narben und die offenen Wunden dieses Landes und dieser Gesellschaft, der amerikanischen Geschichte und der Gegenwart. Amerika ist nicht schlechter oder besser als andere Länder. Es ist nicht „God’s Country“ und es ist auch nicht der verhasste „Satan“. Die USA sind ein faszinierendes Land, waren es und werden es auch bleiben. Der „American Way of Life“ hat immer wieder Menschen hierher gebracht. Als Immigranten, als Flüchtlinge, als Touristen. Dieses Land ist voller Widersprüche, voller offener Fragen. Gerade das macht Amerika auch aus. Hier der Größenwahn, dort die kleine Geste, die einen lächeln läßt. Ja, ich liebe dieses Land. Als Deutscher, der hier ein neues Zuhause gefunden hat. Irgendwo hänge ich zwischen den Kulturen, den Sprachen. Und ich muß sagen, genau das ist für mich eine Bereicherung geworden. Ein Donald Trump ist da nur der Kasperl in der amerikanischen Version der Augsburger Puppenkiste.

Der Terror vor der eigenen Haustür

1988 war ich das erste Mal in den USA, danach regelmäßig. 1992 dann ein ganzes Jahr, 1996 zog ich dann mit Sack und Pack an die Westküste. Heute habe ich die doppelte Staatsbürgerschaft, bin eben auch Amerikaner, zumindest auf dem Papier, doch mehr verstehe ich „sie“ deshalb auch nicht.

Seit den Terroranschlägen des 11. Septembers 2001 existiert der „War on Terror“. Billionen von Dollar wurden dafür ausgegeben, Tausende von Soldaten starben in Afghanistan und Irak, die Welt ist nach diesen zwei Kriegen dennoch nicht sicherer geworden. Ganz im Gegenteil. „It’s a mess“ wohin man auch blickt. Und in den USA selbst hat dieser Krieg gegen den Terrorismus zu drastischen Veränderungen geführt. Bürgerrechte wurden eingeschränkt, Geheimgerichte und Geheimgefängnisse eröffnet, riesige Datenbanken aufgebaut, unter dem Begriff „Homeland Security“ ist heute alles möglich in den USA. Zehntausende von Menschen dürfen in kein Flugzeug mehr einsteigen, warum sie auf der „No Fly“-Liste sind und wie man davon wieder gestrichen wird, weiß niemand. Moscheen, islamische Zentren und Geschäfte sind unter FBI Beobachtung. „Wer nichts zu verbergen hat, braucht sich auch keine Gedanken machen“, diesen Satz habe auch ich schon in Diskussionen gehört, in denen ich die einschneidenen Maßnahmen der US Regierung kritisierte. Keiner murrt über die nervigen und teils schikanierenden Schlangen am Flughafen auf, die Überwachung des öffentlichen Raumes ist zur Normalität geworden, sogar Park Ranger sind in den USA an der „Homeland Security“ Front eingesetzt.

Und dann sind da die allabendlichen Nachrichten. „News Alert“ flimmert auf den 24 Stunden Kabelkanälen gleich mehrfach am Tag über die Bildschirme. Eigentlich ist nichts passiert, doch verkauft wird die Angst vor den Anderen, den angeblichen islamistischen Zellen in den USA, den ohne Gerichtsverhandlung und Richterspruch einsitzenden Gefangenen in Guantanamo Bay, den Terroristen in Übersee und den ach-so-vielen Schläferzellen in Amerika, die nur auf ihre Chance und ihren Marschbefehl warten. Und jüngst sind auch noch die syrischen Flüchtlinge dazugekommen, unter denen sich nur Radikale und Fanatiker befinden, so Donald Trump. Amerikaner sind eigentlich Angsthasen, wenn man sich die Newssendungen hier ansieht und daran glaubt, dass die Botschaft auch ankommt, dann ist das hier das Land der Menschen, die die Buxe voll haben.

Die Knarre gehört zu Amerika wie Coca Cola und Micky Maus. Foto: Reuters.

Das Schießeisen gehört zu Amerika wie Coca Cola, BBQ, Hamburgers und Micky Maus. Foto: Reuters.

Umso verwunderlicher ist es, dass die Amerikaner mit dem Terror vor der eigenen Tür gut leben. Oder zu leben gelernt haben. Egal, wie man es sieht und bewertet, dieses Land, diese Gesellschaft kann man nicht verstehen. Anders ausgedrückt, wenn eine amerikanische Auslandsschule, nehmen wir als Beispiel die „International School of Kenya“ in Nairobi, Ziel eines terroristischen Anschlages durch die somalische Al-Shabaab werden würde, Dutzende von Schulkindern getötet und verletzt werden würden, dann würden die USA reagieren. Washington wäre geeint in einer militärischen Reaktion, die schnell, hart, umgehend und kompromisslos käme. Nichts anderes würde man von den USA erwarten.

Seit dem Amoklauf an der Sandy Hook Grundschule in Newtown, Connecticut, im Dezember 2012 gab es in den USA 142 weitere Schießereien an Schulen und Bildungseinrichtungen. Fast jede Woche ein Vorfall mit Toten und Verletzten. Dazu kommen noch all die anderen Amokläufe, Massenschießereien und Morde im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. In jeder Schule gibt es einen „Lockdown“ Drill, dabei wird das Verhalten trainiert, was zu tun ist, wenn ein Bewaffneter auf das Schulgelände kommt. Schüler, Studenten, Eltern und Familien leben mit der täglichen Angst, dass es auch hier in ihrer Nachbarschaft passieren könnte, denn die Statistik zeigt, es passiert überall.

Natürlich ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass man Opfer eines Amoklaufes wird. Doch die Wahrscheinlichkeit ist in den USA höher als in jedem anderen Land. Die Wahrscheinlichkeit für mich, der schon öfters in Konflikt und Post-Konflikt Regionen unterwegs war, ist höher, hier in den USA Opfer einer Schießerei zu werden, als in Afghanistan, Nord-Mexiko, Kongo, Tschad oder demnächst in Somalia.

Die Amerikaner haben gelernt mit dem Terror im Alltag zu leben. Verstehen kann man es jedoch nicht. Warum würde die US Militärmaschinerie nach einem Anschlag auf die „International School of Kenya“ in Gang gesetzt werden, die Täter dingfest oder wahrscheinlicher „neutralisiert“, Hintermänner des Attentats ausfindig gemacht werden. Sie müssten auch nach Jahren noch mit Dronenangriffen rechnen. Amerika schläft und vergisst nicht.

Ganz anders im eigenen Land. 142 Schulschießereien in 34 Monaten, und nichts ist passiert. Hier Trauer, Betroffenheit, Hilflosigkeit, das Gefühl, es ist einfach so, es wird sich nichts ändern. Dort die hirnrissige Forderung nach der Bewaffnung von Lehrern und Schülern, um Amokläufer schnell auszuschalten. Der Waffenbesitz ist nun nach dem jüngsten Vorfall am „Umpqua Community College“ in Roseburg, Oregon, auch wieder zum Wahlkampfthema geworden. Donald Trump hat sich unter dem Applaus von NRA Trollen geoutet, eine Lizenz zum Tragen eines Schießeisens zu besitzen. Und ja, er fordert mehr Waffen in allen Lebenslagen, aber das verwundert nun wirklich niemanden mehr.

Es scheint, Terrorismus ist in den USA eine Auslegungssache, die sehr stark von der Lobbyarbeit in Washington abhängt. Das Erschießen amerikanischer Kinder ist im Ausland anders zu betrachten und zu werten, als im Inland. Und im Inland ist es nur dann ein terroristischer Akt, wenn der oder die Täter Islamisten oder rechtsradikale Spinner sind. Aber selbst dann wird es sehr laute Stimmen in den USA geben, die alles daran setzen, den allgemeinen Zugang zu Waffen nicht zu beschränken. Das begreife, wer will. Fazit ist, es wird sich nichts ändern.

Nena in Nashville

Nena ist eine der weltbekanntesten deutschen Musikerinnen. „99 Luftballons „kennt jeder. Dieses Lied hört man hier drüben in den USA und Kanada nach wie vor regelmäßig im Radio. Selbst in Afrika habe ich die „99 Red Balloons“ schon auf einer Autofahrt im Autoradio reinbekommen. Nena gilt in Amerika als „One Hit Wonder“, doch dabei wird gerne übersehen, dass sie in Deutschland eine sagenhafte Karriere hingelegt hat.

Seit 2011 war Gabriele Susanne Kerner  neben Xavier Naidoo und den deutschen Country Größen von Boss Hoss Jurorin bei der Sat.1/ProSieben Sendung „The Voice of Germany“. Mal auf der anderen Seite zu sitzen, reizte sie. Und mit den regelmäßigen Fernsehauftritten kam auch ein kleines Comeback für die Musikerin Nena. Nun macht sie Schluß mit dem Kritikerjob und wendet sich wieder voll und ganz der Musik zu. Und anscheinend hat die Nähe zu Boss Hoss auch was bewirkt. Vor kurzem war sie in Nashville, Tennessee, um dort an ihrem neuen Album zu arbeiten. Und mit Sicherheit werden es ganz neue Töne werden. Mary Gauthier, hochtalentierte und beeindruckende Songwriterin und Sängerin, die eher dem Country und Folk Genre zuzuordnen ist, half ihrer „Freundin“ bei der musikalischen Neuausrichtung. Auf ihrer facebook Seite schrieb Mary Gauthier: „Writing songs today with my friend Nena. Y’all remember 99 Luft Ballons? Yep, that Nina. She’s visiting Nashville from Berlin, and she’s great!“

Ich bin großer Fan von Mary Gauthier, habe sie schon mehrmals in meiner LH Country/Folk Sendung vorgestellt. Ihre Platte „Mercy Now“ ist ein tief bewegendes Album, das ich nur wärmstens empfehlen kann. Von daher bin ich sehr gespannt, wie der neue Sound von Nena klingen wird.

Ronald McDonald ist gar nicht „happy“

Der Clown schaut ein bisschen traurig aus der Wäsche. Da wurden Milliarden von Hamburgern verkauft, Kinder lieben ihre „Happy Meals“, ja, McDonald’s hat die Esskultur der westlichen Welt ganz neu ausgerichtet. Mehr als genügend Gründe, um Luftsprünge zu machen. Und was passiert, die Mitarbeiter mucken auf. Nicht nur beim Burger-Riesen, auch bei anderen Fast Food Ketten in den USA murren die Beschäftigten. Natürlich wegen zu wenig Lohn, da haben sie einen Job und sind auch noch undankbar. Billigburger und wenig Personalausgaben, irgendwoher müssen die Aktionäre doch ihre Gewinne bekommen. McDonald’s ist eine der sicheren Anlagen im Markt.

Der Mindestlohn in den USA beträgt derzeit $ 7,25, der wird meist in solchen Schnellimbissen „made in  USA“ pro Stunde bezahlt. Selten mehr, meist langt das nicht zum Leben. Gerade nicht in den Großstädten. Deshalb wurde nun für den kommenden Donnerstag ein Generalstreik in 100 US Städten ausgerufen. Die Forderung ist ein Stundenlohn von $15. Bereits im August streikten in 50 Städten die Beschäftigten an den Herden, nun wird das ganze noch ausgeweitet. Unterstützung erhalten die Angestellten von der „Service Employees International Union“, kirchlichen Gruppen und Studentenorganisationen. Die Arbeitgebervertretung „National Restaurant Association“ warnte vor der, in ihren Augen, übertriebenen Forderung von $15 Dollar Studenlohn. Damit würden nur Jobs wegfallen und die Automatisierung in den Fast Food Restaurants ausgeweitet werden. Oh weh, die Roboterfritten kommen.