2 Tote, 20 Verletzte

Während man in Washington eine sinnlose Debatte über den Zugang zu Waffen führt, starben seit dem Schulamoklauf von Parkland in Florida in vier Massenschießereien zwei Menschen und 20 weitere wurden verletzt. Es sind Schießereien, die keine großen Schlagzeilen machen, die nur Leben verändern.

Foto: Reuters.

Donald Trump schwingt sich, nachdem er der Wunschkandidat der „National Rifle Association“ war, zum Anführer einer Schulsicherheitsfront auf. Seine Lösungsvorschläge sind allerdings mehr als fraglich. Weder ein Verbot der sogenannten „Bump Stocks“, die aus einem halbautomatischen Gewehr ein fast vollautomatisches werden lassen, noch sein Vorschlag nun Lehrer in den Schulen zu bewaffnen, werden in Zukunft Amokläufe verhindern. Einem Verbot der „Bump Stocks“ widerspricht noch nicht einmal die NRA, von daher sieht man, dass es ein Nullvorschlag zur Waffenkontrolle ist.

Trump will handeln und macht dennoch nichts, um die Schulen und das Land sicherer werden zu lassen. Er diskutiert darüber, dass man das Mindestalter für den Kauf eines Sturmgewehrs auf 21 anheben soll und übersieht dabei, dass nur in dreieinhalb Prozent der mit Schußwaffen verübten Straftaten Gewehre zum Einsatz kommen. Der Großteil der Amokläufe und Massenschießereien in den USA wird mit Handfeuerwaffen durchgeführt.

Und überhaupt geht die derzeitige Diskussion über Schulsicherheit am eigentlichen Thema vorbei. Denn Massenschießereien gibt es nicht nur in Schulen, es gab sie in Kinos, am Arbeitsplatz, in Kirchen. Sollen nun Filmvorführer, Angestellte von Versicherungen und Priester bewaffnet werden, damit diese umgehend reagieren können, wenn ein „Sicko Shooter“ (Donald Trump), durch die Tür kommt? Auch wird bei dieser unsäglichen Debatte bewußt übergangen, dass Jahr für Jahr weit über 10.000 Menschen mit Schußwaffen ermordet werden und sich etwa 23.000 Menschen mit einer Knarre das Leben nehmen. Wer hier in den USA wirklich die Waffengewalt stoppen will, der muss das vermeintliche Grundrecht auf Waffenbesitz in Frage stellen. Alles andere ist nur Augenwischerei. Weder ein Verbot von „Bump Stocks“, noch eine Anhebung der Altersgrenze für Sturmgewehre, noch die Militarisierung der Schulhöfe wird zukünftige Blutbäder in den USA verhindern. Die Zahlen, die Statistiken sprechen eine eindeutige Sprache. Es gibt nur eine Lösung, doch die findet in den USA keine politische Mehrheit. Von daher ist auch weiterhin die Frage nicht, ob es wieder passieren wird, sondern wann es wieder passieren wird.

Der NRA-Kandidat geht über Leichen

      Unter Beschuss - das bewaffnete Amerika im Wahlkampf

Donald Trump war der Kandidat der „National Rifle Association“. Schon frühzeitig legte sich die Waffenlobby auf ihn als Kandidaten fest. Trump tönte im Wahlkampf immer und immer wieder, seine Söhne seien die besten Schützen und er verteidige das (vermeintliche) Grundrecht auf Waffenbesitz. Er werde alle Beschränkungen für „Gun Owners“ durch die Obama Administration rückgängig machen, wenn er erst einmal Präsident sei.

Donald Trump wurde gewählt und hielt Wort. Schon im Februar 2017 setzte er eine Anordnung seines Vorgängers außer Kraft, die besagte, dass Amerikaner, die aufgrund mentaler Probleme Sozialhilfe erhalten oder deshalb einen Vormund zugesprochen bekommen haben keine Waffen besitzen dürfen. 75.000 zusätzliche Namen wären so in eine Datenbank gelangt. Trump strich diese Anweisung ersatzlos. Auch schmetterte er erneut Forderungen ab, dass diejenigen, die auf der „No Fly“ Liste des FBIs stehen, keine Waffen erwerben und besitzen dürfen.

Nach dem Amoklauf in Parkland, Florida, forderte Trump, dass man mehr zur Früherkennung von mentalen Störungen machen müsse(!). Seltsam, vor dem Hintergrund seiner Aufkündigung der Obama Anordnung. Und nur ein paar Tage vor dem Amoklauf an der „Marjory Stoneman Douglas High School“ veröffentlichte das Weiße Haus den Trumpschen Haushaltsplan für die kommenden Jahre. Darin wird das Budget von Medicaid drastisch zusammen gestrichen, also gerade die staatlichen Mittel gekürzt, die solche Hilfsprogramme für psychisch Kranke finanzieren. Auch wurde der Rotstift bei Ausgaben für Schulsicherheit angesetzt, ein Drittel dieser Ausgaben sollen, so Trump, gestrichen werden.

Der Präsident betonte seit seinem Amtsantritt auf jeder seiner zahlreichen Wohlfühlevents, dass er für das Grundrecht auf Waffenbesitz ist und nichts daran ändern werde. Daher erscheint es wie Hohn für die Opfer von Florida, wenn genau dieser Mann nun tweetet, dass die Demokraten ja die Gesetze hätten ändern können, wenn sie denn gewollt hätten. Trump zeigt mit dieser Kurznachricht (mal wieder) sein wahres Gesicht. Das eines Mannes, der problemlos über Leichen geht.

 

„Not guns kill people, people kill people“

Es dauerte nicht lange, dann machte Präsident Donald Trump klar, dass der Amoklauf von Parkland, Florida, nichts mit den sehr laxen Waffengesetzen in den USA zu tun hat. Trump tweetete am Morgen nach dem Blutbad, dass viel darauf hindeute, dass der Täter „geistesgestört“ gewesen sei. Kein Wort dazu, dass der junge Mann mit einem Sturmgewehr den Anschlag verübte, dass er überhaupt die Möglichkeit hatte, solch eine Waffe zu erwerben und zu besitzen.

Das ist nichts Neues, denn Trump sagte schon im Oktober nach der Massenschiesserei von Las Vegas mit 58 Toten, dass der Täter Stephen Paddock „zuallererst krank und wahnsinnig“ gewesen sei. Über das unverhältnismäßige Waffenarsenal des Todesschützen äußerte sich Trump nicht. Warum auch, der Täter war ja ein Bekloppter und nicht zu vergleichen mit jedem anderen Amerikaner. Dass es in den USA allerdings viele solcher „mental Kranken und Wahnsinnigen“ gibt, zeigte die Tat am Valentinstag in Florida.

Wer noch immer darauf hofft, dass ein Massaker endlich zu einer breiten, sinnvollen und sachlichen Diskussion über Waffengesetze, den Zugang zu Schusswaffen und deren Privatbesitz in den USA führten könnte, der sollte langsam aufwachen. Und es ist nicht Donald Trump, der Wunschkandidat der Waffenlobby „National Rifle Association“ (NRA), der dies verhindert, es gibt in diesem Land einfach keine politische Mehrheit in dieser Frage, die 1 und 1 zusammenzählen kann und will. Das war so, das ist so und das wird so bleiben.

Es gibt im Wochenmagazin der ZEIT diese Deutschlandkarten, auf der Woche für Woche Fakten aus Deutschland bildlich dargestellt werden. Das reicht vom Schokoladenkonsum bis hin zur Friseurdichte in der Republik. Natürlich kommen da auch ernsthafte Daten zum Einsatz. Für die USA könnte man folgende Landkarten anlegen. Interessante Fakten und Daten gibt es genügend hinsichtlich der Waffendiskussion:

  • Seit dem Amoklauf an der Sandy Hook Grundschule in Newtown, Connecticut, im Dezember 2012, gab es in den USA 1606 Massenschiessereien mit 1829 Toten und 6447 Verletzten.
  • Die Bevölkerung der USA macht 4,43 Prozent der Weltbevölkerung aus. Allerdings haben die Amerikaner 42 Prozent der weltweit in Privatbesitz befindlichen Schusswaffen.
  • Die USA liegen mit ihrer allgemeinen Kriminalitätsrate im weltweiten Durchschnitt. Das Land ist nicht gefährlicher als andere und dennoch sind viele US Bürger der Überzeugung sie bräuchten eine Schusswaffe zur Selbstverteidigung.
  • Jene Bundesstaaten mit den meisten Schusswaffen in Privatbesitz, verzeichnen auch die höchsten Selbstmordraten. Liegt die „Erfolgsquote“ für Suizide mit Messern und durch Gift bei 5,1 bzw 7,4 Prozent, steigt sie mit einer Schusswaffe auf 96,5 Prozent.
  • In den Bundesstaaten mit mehr Schusswaffen werden auch mehr mehr tödliche Schüsse auf Polizisten abgegeben.
  • In den letzten 20 Jahren hat sich die Stimmung in der amerikanischen Bevölkerung gewandelt. Waren in den 1990er Jahren noch mehr Amerikaner für kontrollierte Waffengesetze, sind heute mehr als 51 Prozent für das Recht auf Waffenbesitz.

Seit dem Amoklauf an der „Sandy Hook Grundschule“ in Newtown, Connecticut, kam es in den USA zu 1606 Massenschiessereien.

 

 

Here we go again…

Die 30. Massenschiesserei in diesem Jahr, 18 davon waren an Schulen. Diesmal starben an der „Marjory Stoneman Douglas High School“ in Parkland, Florida, mindestens 17 Menschen, 12 weitere wurden verletzt. Die Nachrichtenkanäle überschlugen sich mit ihrer Berichterstattung, Präsident Donald Trump tweetete sein Mitgefühl. Und die große Frage an diesem Mittwoch ist, wann und wo die nächste Bluttat in den USA passieren wird?

Nach dem Schulmassaker in Parkland, Florida. Foto: Reuters.

Dass es wieder so kommen wird, ist klar. Denn Amerika hat ein Problem. Das weiß eigentlich jeder in diesem Land. Sogar Mitglieder einer Militia-Gruppe stimmten mit mir dahingehend überein. Die Zahl der Massenschiessereien und Amokläufe belegen dieses Problem allzu gut. Nur, eine Lösung gibt es nicht. Das zeigt schon alleine die Reaktion eines „Experten“ auf FOXNews am heutigen Nachmittag, der forderte, dass endlich bewaffnete Wachposten vor Schulen patroullieren sollten, um in Zukunft solche Amokläufe wie in Parkland zu verhindern.

Das ist die Antwort derer, die auf mehr Waffen im Kampf gegen die Waffengewalt setzen. Und dieser Wild-West-Vorschlag ist nicht mit einer Forderung nach einem Verbot von Schusswaffen zu vereinen. Die Weltsichten liegen da zu weit auseinander. Die USA sind ein schwerbewaffnetes Land, in dem man einfach sterben kann, wenn man zur falschen Zeit am falschen Ort ist. Und dieser Ort sind nicht die Innenstädte, die sozialen Brennpunkte einer Stadt, die bekannten Drogenumschlagplätze, nein, es sind Grundschulen, es sind Kirchen, es sind Country-Musik Festivals. Es passiert nicht mitten in der Nacht, in aller Dunkelheit, es passiert am Nachmittag in einer Schule, am Sonntagmorgen in einem Gotteshaus, am Abend bei einem Konzert unter freiem Himmel. Egal wer erschossen wird, ob Kleinkinder, Gläubige, Musikfans, nichts hat bislang Veränderungen gebracht. Keine Einsicht, kein Einlenken, kein Umdenken.

Amerika sollte endlich mit der Scheinheiligkeit aufhören, das wäre zumindest ehrlich. Die Berufsbetroffenheit von Politikern und Moderatoren, die erst dazu auffordern für die Opfer und ihre Angehörigen zu beten, um dann einen Tag später das vermeintliche Grundrecht auf Waffenbesitz zu verteidigen, führt nur noch zum Würgereiz. Es wird sich nichts ändern, außer die Zahl weiterer Amokläufe.

Fünf weitere, blutige Jahre

Vor genau fünf Jahren erschoss der 20jährige Adam Lanza seine Mutter in ihrem Haus in Newton, Connecticut, fuhr dann zur „Sandy Hook Elementary School“ und richtete eines der schlimmsten Blutbäder in der Geschichte der USA an. 20 Grundschüler und sechs Erwachsene wurde von Lanza in seinem Amoklauf tödlich getroffen. Amerika war geschockt, oder zeigte sich zumindest so. Der Ruf nach einem Ende der Waffengewalt war laut und deutlich zu hören.

„We will never forget“, schöne Worte, auf die keine Taten folgten. Foto: Reuters.

Fünf Jahre später kann man getrost sagen, es hat sich nichts verändert. Amokläufe gehören zu Amerika dazu wie Hamburger, Baseball und Cowboyhüte. Die Politiker in Washington und in zahlreichen Bundesstaaten haben Sandy Hook ausgesessen. Das Grundrecht auf Waffenbesitz wurde nie in Frage gestellt. Einfache Schutzmaßnahmen für die unbewaffnete Zivilbevölkerung nicht umgesetzt. Seit dem Blutbad in Newtown gab es fast eintausend weitere Amokläufe, manche in ihrer Dimension noch schlimmer als der an der Grundschule. Mittlerweile haben Amerikaner gelernt, dass sie nicht mehr sicher sind in Kirchen, auf Countrymusicfestivals, in Einkaufszentren, Kinos, an High Schools, Universitäten, in der Schlange im Supermarkt.

Nach Sandy Hook glaubten viele in den USA, jetzt werde sich etwas ändern. Ein weißer Vorort war getroffen, Kleinkinder brutalst abgeknallt worden, an einem Ort, der als sicher galt. Schon damals schrieb ich, es wird sich nichts ändern. Fünf Jahre später muss ich leider schreiben, ich hatte recht. Gerne würde ich meinen Fehler eingestehen. Doch viele in Amerika lernen nicht dazu, sehen nicht, dass der unkontrollierte Zugriff auf Waffen in den USA eines der größten Probleme dieses Landes ist. Jedes Jahr sterben Zehntausende durch Schusswaffen, Zehntausende weitere werden durch Schusswaffen verletzt. Die Opferzahl gleicht der Einwohnerzahl Erlangens. Die Amokläufe sind da nur die schallende Ohrfeige, die eigentlich wachrütteln sollte.

Das Schlimme ist, dass sich die Situation sogar noch verschlechtert hat. Erst vor wenigen Tagen hat der US Kongress mit der republikanischen Mehrheit beschlossen, dass Waffenbesitzer, die in ihrem Bundesstaat die Erlaubnis haben eine Waffe tragen zu dürfen, diese auch in andere Bundesstaaten mitnehmen dürfen, auch wenn die dortigen Gesetze das eigentlich nicht erlauben. Das grenzüberschreitende Grundrecht auf Waffenbesitz ist eben wichtiger als die Sicherheit der eigenen Bevölkerung. Nichts wird sich ändern, es darf also weiter fröhlich durch die Gegend geballert werden.

Das Ende einer sinnlosen Debatte

Sturmgewehr der Marke Ruger.

Und wieder starben Menschen an einem Sonntagmorgen im Kugelhagel. Diesmal waren es mindestens 26 Mitglieder einer kleinen Baptistengemeinde im texanischen Sutherland Springs. Der 26jährige Devin Kelley kam mit einem Sturmgewehr der Marke Ruger in die Kirche und schoss um sich, so, als ob es das normalste an einem sonnigen Vormittag sei. weiter lesen

Es wird sich nichts ändern….mal wieder!

      Unter Beschuss

Foto: Reuters.

Wer glaubt, Amerika wird sich nach der Wahnsinnstat von Las Vegas entwaffnen, der liegt total falsch. Weder erschossene Kinder noch Kirchengänger haben bislang zu einem Umdenken geführt. Country Musik Fans werden das auch nicht erreichen. Das klingt zynisch, ist aber leider die Realität im Land des unbeschränkten Waffenbesitzes. Nun zeigen sich zwar die Waffenlobbyisten der NRA gesprächsbereit, die eingesetzten „Bump Stock“ Zusätze verbieten zu lassen, aber das hat andere Gründe als ein Einlenken oder Einsehen. weiter lesen

Noch mehr Knarren braucht das Land

Hotel-Kasino Mandalay Bay in Las Vegas. Foto: Reuters.

Es sollte ein friedliches Countrymusikfestival inmitten der Glanz- und Glitterstadt Las Vegas werden, aber es kam alles anders. 50 Menschen starben, mehrere Hundert wurden verletzt in Krankenhäuser gebracht. Aus dem 32. Stock des gegenüberliegenden Mandalay Bay Kasinos ballerte der 64jährige Stephen Paddock wahllos auf die Konzertbesucher der Country-Veranstaltung. Der Todesschütze erschoss sich schließlich selbst, als die Polizei sein Hotelzimmer stürmte. weiter lesen

Ein großer Staatsmann geht

In diesen Tagen wird viel über Barack Obama berichtet. Was hat er erreicht, was nicht? Welche politischen Erfolge und Misserfolge gab es in seiner Amtszeit? Wie hat er Washington, die USA, die Welt geprägt? Sein Nachfolger ist so ganz anders. Donald Trump tritt selbstherrlich und selbstverliebt auf, „Me Me Me“ ist seine Aussage, so ganz anders als das „You You You“ von Barack Obama. Es gibt viele Kritikpunkte an dem scheidenden Präsidenten. Es gibt viele Kritiker, die froh sind, dass die Obama Ära endlich vorbei ist. Doch was ihn ausgemacht hat, sind Momente, wie dieser hier, als Barack Obama nach dem Blutbad in einer Kirche in Charleston, South Carolina, zur Gedenkfeier kommt, die Rede hält und dann „Amazing Grace“ anstimmt. Ein Lied, das heute eng mit der Bürgerrechtsbewegung in den USA verbunden ist. Es ist kein Kitsch und keine Show, vielmehr drückt diese Symbolik all das aus, für was Barack Obama angetreten ist und gewählt wurde:

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Mit der Wumme an der Tafel

Vier Jahre lang war ich auf der Staatlichen Realschule Nürnberg, drei Jahre davon in der zweiten Sportklasse. Das war so eine Luftnummer aus dem bayerischen Kultusministerium, Sport als Vorrückungs- und Abschlußfach. Schularbeiten, mündliche, schriftliche und praktische Abschlußprüfung. Nach zwei Klassen war Schluß, das war die bajuwarische Befreiungspädagogik der 80er Jahre. Na ja, immerhin war ich Teil der Schulgeschichte im Freistaat.

Ich stelle mir gerade vor, wie das damals im Klassenzimmer mit den Pappmaché Wänden in der Sigmundstraße war. Dieser bunte Haufen aus Schülern hier und vorne unser Klassenlehrer Günther Koch (ja, der Günther Koch, die „Stimme Frankens“). Irgendwie lief der Laden, alle machten ihren Abschluß. Wenn ich mir nun vorstelle, dass GK eine 45er im Holster gehabt hätte, dann wären die Erinnerungen an die Schulzeit sicherlich etwas anders.

Die Opfer an der Sandy Hook Grundschule.

Die Opfer an der Sandy Hook Grundschule. Fotos: Reuters.

Das Bild ist nicht weit hergeholt. In meiner neuen Heimat Amerika sind die Mordzahlen zwar seit den 90er Jahren drastisch gesunken, doch die Zahl der Schießereien und Amokläufe an Schulen und Bildungseinrichtungen ist deutlich gestiegen. Der traurige Höhenpunkt war sicherlich der Amoklauf von Adam Lanza im Dezember 2012. Er erschoß an der Sandy Hook Elementary School in Newtown 26 Menschen, darunter 20 Kinder. Danach veränderte sich Amerika. Es wurde vielfach gefordert, dass strengere Waffengesetze eingeführt werden müssen. Doch so laut der Ruf auch war, er verhallte in den Hallen des US Kongresses, die Waffenlobby hatte am Ende wieder die Diskussionführung übernommen. Und nicht nur das, der Vorschlag der „National Rifle Association“, NRA, als Antwort auf den Amoklauf mehr Lehrer an Schulen zu bewaffnen machte im ganzen Land Schule.

Bewaffnete Lehrer sind in den USA keine Ausnahme mehr.

Bewaffnete Lehrer sind in den USA keine Ausnahme mehr.

In Texas, Indiana, Ohio, Utah, Oklahoma und anderen Bundesstaaten wurden in Schuldistrikten Gesetze verabschiedet, die es Lehrer erlauben eine Knarre mit in den Unterricht zu bringen. „Teachers are our first defense line“ heißt es. Wenn der Supergau einer Schießerei an einer Schule eintreffen sollte, gibt es überall im Land genaue Verhaltensregeln. Doch das langt besorgten Eltern, Lokalpolitikern und Verfechtern einer liberalen Waffenkultur schon lange nicht mehr. Die Lehrer sollten in der Lage sein, so die Forderung, sich und die ihnen anvertrauten Kinder zu schützen, bis zum Eintreffen der Polizei und der Sicherheitskräfte einen Amokläufer aufhalten oder stoppen zu können. Und das auf gleicher Augenhöhe mit dem Täter. Heißt, Auge um Auge, Zahn um Zahn. Bang, Bang, bumm-bumm, Wild-West auf dem Schulfhof und in den Klassenzimmern.

Nun ist diese Verteidigungsstrategie auch nach Kalifornien gekommen und setzt damit ein vielbeachtetes Signal für den Rest der USA. Die Mitglieder des Schulausschusses im „Kingsburg Joint Union High School District“ haben einstimmig dafür gestimmt, dass fortan Lehrkräfte bewaffnet zum Schuldienst kommen dürfen. Vor einem Monat wurde bekannt, dass bereits seit einigen Jahren im „Folsom Cordova Unified School District“ das Tragen von Schießeisen für Lehrer im Dienst erlaubt ist. Doch das hatte man bislang nicht öffentlich gemacht. Texas also in einigen Teilen Kaliforniens. Die Waffenlobby jubelt über all das, denn sie sieht ihre Sicht der Dinge bestätigt. Nur wenige Tage nach den Todesschüssen an der Sandy Hook Grundschule hatte der NRA-Präsident Wayne LaPierre in einer Pressekonferenz die Bewaffnung der Lehrer und mehr Sicherheitsbeamte an Schulen gefordert. Denn, so LaPierre, „The only way to stop a bad guy with a gun is with a good guy with a gun“. Das ist Logik auf amerikanisch!