Das sichere Amerika

Nun hat auch er seine Bücherei. George W. Bushs Präsidentenbibliothek wurde in Dallas feierlich eröffnet. Damit rückte der 43. Präsident für ein paar Tage zurück ins Rampenlicht. Es gab nette Kommentare und Artikel, Berichte und schöne Bilder von diesem denkwürdigen Ereignis. Alle noch lebenden früheren Präsidenten kamen, um „W“ zu feiern. Rund 40 Millionen Seiten Papier warten nun auf Wissenschaftler, Forscher, Politologen, Journalisten, die ausgewertet werden wollen.

George W. Bushs Amtszeit ist eng verbunden mit 9/11, den Kriegen in Afghanistan und dem Irak. Was war da sonst noch? Die Kommentatoren sind gespalten wie eh und je. Konservative sehen ihn als starken Präsidenten, der Amerika sicherer gemacht habe und führen, wie Charles Krauthammer, an, dass es seit dem 11. September 2001 keinen Terroranschlag mehr auf amerikanischem Boden gegeben habe. Auch das Attentat in Boston müsse vielmehr als peinliche Schlappe der Behörden gesehen werden. Und überhaupt, drei Tote im Vergleich zu 3000 Toten sei auch ein Zeichen dafür, dass Amerika dank Bush sicherer sei, so Krauthammer.

Doch Bush ist nach wie vor auch das rote Tuch für viele in den USA, die ihn ganz anders sehen, die seine zwei Amtszeiten völlig kontrovers betrachten. Er habe Amerika durch seine aggressive Politik nur noch unsicherer gemacht. Scharfe Rhethorik, Kriege, Folter, Geheimgefängnisse, all das habe nur noch mehr Hass gegen die USA geschürt. Hinzu kämen die Beschneidungen von Bürgerrechten in den USA im Zuge des „War on Terror“.

George W. Bush wird mit seiner Bibliothek zwar geehrt, doch er spaltet weiter die Nation. Und nicht nur das, man muß Amerika in Zukunft in vor und nach 9/11 sehen und bewerten. Die Politik von George W. Bush ist damit der historische Scheidepunkt geworden.

 

Zu schnell geschossen, Mister Romney

Da dachte Mitt Romney, jetzt aber…und dann ging der Schuß nach hinten los. Romney wollte endlich außenpolitisch mit seinem Statement punkten, dass die Obama Administration nicht deutlich genug die amerikanischen Interessen im Nahen Osten vertritt und sich auch noch auf die Seite der Aggressoren stelle, anstatt schützend vor die amerikanischen Opfer. Doch Romney schoß zu schnell, noch bevor alle Fakten bekannt waren, noch bevor klar war, dass es bei dem Angriff auf das Konsulat in Bengasi auch Todesopfer gab. Selbst am Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001, einem Tag, an dem Amerika eigentlich zusammen rückt, politisierte der GOP Kandidat, versuchte einen politischen Vorteil aus einem Anschlag gegen die Vereinigten Staaten zu zu ziehen. Ein absolutes Eigentor des Republikaners.

Und auch einen Tag danach, als klar war, der Republikaner hat einfach überhastet und mit Übereifer reagiert, entschuldigte er sich nicht. Ganz im Gegenteil, Romney griff weiter Präsident Obama an und machte das Weiße Haus quasi mitverantwortlich für die Anschläge vom Dienstag. Doch genau diese Uneinsichtigkeit könnte ihm schaden, denn sowohl Demokraten wie auch zahlreiche Republikaner warfen Mitt Romney vor, mit seiner Äußerung erneut zu zeigen, keinen Plan von der Außenpolitik zu haben.

Die hat er wohl auch nicht. Seine Auftritte in London und nun seine Schnellschüsse lassen viele Wähler aufhorchen. Von einem besonnenen und kühl reagierenden Präsidenten scheint der Kandidat noch weit entfernt zu sein, und es sind nur noch 52 Tage bis zur Wahl. Mit dem Republikaner im Weißen Haus könnten keine guten Zeiten für Amerika im Ausland anbrechen.

 

Amerika erinnert sich

9/11….der 11. September 2001 hat tiefe Wunden in Amerika hinterlassen. Die Narben heilen nur langsam. Mehr als 3000 Opfer der Anschläge, ihre Familien und Freunde, die vielen Helfer, mehr als fünf Millionen Soldatinnen und Soldaten, die in den letzten zehn Jahren im Krieg gegen den Terror an den verschiedenen Schauplätzen eingesetzt wurden. Amerika ist tief betroffen von dem, was vor 11 Jahren passierte. 9/11 wirkt nach. Und doch, an diesem Tag im September rutscht Amerika zusammen. Ob Demokrat oder Republikaner, ob Wahlkampf oder nicht, man erinnert sich, gedenkt der Opfer und dankt den Frauen und Männern in Uniform. Der 11. September ist zum eigentlichen Feiertag Amerikas geworden.

Präsident Obama hat in seiner jüngsten „Radio Address“, seiner wöchentlichen Radioansprache an die Gemeinsamkeiten der Amerikaner an diesem Tag erinnert.

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