Schwimmbadtote in Coronazeiten

Am Donnerstag war Dr. Anthony Fauci zu Gast bei Laura Ingraham auf Fox News. Fauci ist der Direktor des „National Institute of Allergy and Infectious Diseases“ und zweifellos der derzeit angesehendste und wichtigste Experte in Fragen ansteckender Krankheiten und Pandemien in den USA. Er ist das Gesicht im Kampf gegen das Corona Virus.

Ingraham dachte wohl, sie habe da einen tollen Gast im Interview und fragte ihn so, wie sie das immer tut, alles mit einem politischen Dreh. Dann kam der Vergleich mit dem SARS Virus und dem HIV Virus und ihre Erklärung, damals hätte man ja auch nicht das ganze Land dicht gemacht. „On the question of a vaccine, we don’t have a vaccine for SARS. We don’t have a vaccine for HIV, and life did go on, right?“, so ihr Argument. Fauci reagierte darauf sehr diplomatisch und meinte, man könne das überhaupt nicht vergleichen. Für HIV hätten Mediziner Mittel gefunden, damit man mit HIV/Aids zumindest leben könne. SARS sei einfach wieder verschwunden. “I think it is a little bit misleading, maybe, to compare what we’re going through now with HIV or SARS. They’re really different“, meinte der Experte zu Laura Ingraham.

Doch damit gab sich die Fox News Moderatorin nicht zufrieden und meinte sichtlich genervt: „Aber wir wissen es nicht. Corona könnte einfach verschwinden, genauso wie es SARS machte. Das könnte doch passieren, richtig?“ Anthony Fauci ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und erklärte: “You know, anything could, Laura. But I have to tell you, the degree of efficiency of transmissibility of this is really unprecedented in anything that I’ve seen. It’s an extraordinarily efficient virus in transmitting from one person to another. Those kind of viruses don’t just disappear.”

Laura Ingraham war mit diesem Interview alles andere als zufrieden, denn für sie als 150prozentige Trump-Verteidigerin unterminierte Fauci mit seinen Äußerungen nur das, was ihr Präsident vorgab. Deshalb reagierte sie umgehend und hatte nach der Werbepause Dr. Phil als Interviewpartner. Der lag dann mehr auf ihrer Linie, das Problem dabei ist nur, dass Dr. Phil kein Immunologe, sondern ein Fernsehpsychologe ist, der im Schatten der Oprah Winfrey Show bekannt wurde. Und Dr. Phil meinte ganz klar, „social distancing“ sei übertrieben, um hinzuzufügen: „Jedes Jahr sterben rund 45,000 Menschen in Autounfällen, 480,000 durch den Tabakkonsum und 360,000 ertrinken in Swimming Pools, aber wir machen deshalb auch nicht das Land dicht.“ (Ich bitte an dieser Stelle, dieses Zitat zweimal zu lesen, um es setzen zu lassen!) Nicht nur, dass das totaler Quatsch ist, Dr. Phil hat auch die Anzahl der Toten im Swimming Pool exorbitant nach oben geschraubt. Der „Center for Disease Control“, der diese Daten sammelt, führt „nur“ 3500 Tote im Jahr in den USA durch ertrinken auf.

Sowieso sind die TV-Personalities, wie Dr. Phil, Dr. Oz und auch Dr. Drew, die nun regelmäßig als „Experten“ auftauchen, gern gesehene Gäste auf Fox News. Oz und Drew sind Mediziner, aber keine Immunologen, aber sie blasen nur zu gern in politische Fox Horn. Da kann es dann schon mal passieren, dass Dr. Drew, bekannt durch die Sex- und Partnerschaftsberatungssendung „Loveline“, Corona mit der Grippe vergleicht. Im Fall des Interviews von Laura Ingraham mit Anthony Fauci wurde darüberhinaus noch klar, dass man die Fakten gerne so lange verbiegt und bearbeitet, bis man das hat, was man der „Fox News Nation“ gerne präsentieren möchte. Ich glaube, das nennt man dann „Fake News“.