Atmen ist gesundheitsgefährdend

Kalifornien kommt nicht zur Ruhe. Nach wie vor brennt es an Dutzenden Orten, zum Teil sind es gewaltige Feuer, die noch wochenlang ausbrennen werden. Die Feuerwehreinsatzkräfte machen nur geringe Fortschritte. Auch in Oregon und Washington State brennt es und die Feuersaison im Westen der USA hat noch gar nicht richtig begonnen.

Die Luft in Oakland war heute „gesundheitsgefährdend“.

Täglich werden Dutzende von Pressekonferenzen der verschiedenen Feuerwehrleitstellen im ganzen Bundesstaat übertragen. 2018 war das bislang verheerendste Feuerjahr in der aufgezeichnten Geschichte von Kalifornien. Vor zwei Jahren verbrannte im Golden State eine Fläche rund dreimal so groß wie Luxemburg. Doch diese Marke wurde in diesem Jahr bereits am „Labor Day“, dem ersten Montag im September deutlich überschritten. Schon viermal brannte hier 2020 die Grundfläche von Luxemburg ab. Der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom spricht denn auch von einer historischen Marke: “Historisch ist ein Begriff, den wir hier in Kalifornien anscheinend sehr oft benutzen, aber diese Zahlen bestätigen genau das, es ist historisch, das ist die größte Feuer Saison bezüglich der betroffenen Fläche, die je registriert wurde.”

Die Statistiken zeigen auch auf, dass die Brandgefahr in Kalifornien immer weiter steigt. Die Top Five der gewaltigsten Feuerjahre seit Anfang des 20. Jahrhunderts liegen in den letzten 13 Jahren: 2007, 2008, 2017, 2018 und nun 2020. An 29 Stellen in Bundesstaat brennt es noch immer. Mehr als 20 Tausend Feuerwehrleute sind im Einsatz. Was ihnen derzeit hilft, ist das Wetter, es wird kühler, die starken Winde lassen etwas nach, gerade im Küstenbereich zieht Nebel auf. Doch genau das ist das Problem in Ballungsräumen wie der San Francisco Bay Area, die bekannt für ihre Nebeldecke gerade im Sommer ist. Die Bilder gingen am Mittwoch um die Welt: Der Tag an dem die Sonne nicht aufging. Dicker Rauch von den umliegenden Feuern und sogar von Waldbränden aus Oregon sammelte sich unter der Nebeldecke und konnte nicht abziehen. Ein orangenes Dauerdämmerlicht war den ganzen Tag zu sehen, als ob man sich auf dem Mars aufhält. Die Autos waren mit einer Ascheschicht bedeckt. Experten warnten vor der schlechten Luftqualität und riefen dazu auf, sich möglichst nicht draußen aufzuhalten. Fast jeder, den man sprach, beschrieb die Situation als “apokalyptisch”, “verrückt”, “surreal”, wie in einem schlechten Traum, aus dem man nicht aufwacht.

Auch am Donnerstag wurde es nicht besser. Einige der Brände, gerade die in der näheren Umgebung der San Francisco Bay wurden fast vollständig unter Kontrolle gebracht, doch dafür sank die Luftqualität weiter. Als “gesundheitlich gefährdend” wurde sie eingestuft, wer länger draußen sein mußte, merkte schnell ein Kratzen im Hals, brennende Augen, Probleme beim tiefen Einatmen.

Ein Ende der Feuergefahr ist noch lange nicht in Sicht, denn die eigentliche “Fire Season”, die Feuersaison in Kalifornien steht im Frühherbst noch bevor. Dann ziehen vom Landesinneren die „Santa Ana Winds“, starke, sich ständig drehende und warme Winde über den Bundesstaat, schon der kleinste Funke kann dann zu einer Katastrophe führen…einer weiteren im Golden State. Unterdessen breiten sich riesige Waldbrände in Oregon und Washington aus. Im nördlichen Nachbarstaat von Kalifornien mussten 500.000 evakuiert werden. Oregon hat nur 4,2 Millionen Einwohner.

Weltuntergang verschoben

Wenn irgend jemand in der San Francisco Bay Area einen deutschen Sprecher sucht, dann ruft man erstmal beim Goethe-Institut an. Und da ich seit 1996 mit der deutschen Kultureinrichtung zusammen arbeite, wird immer mal wieder meine Telefonnummer weiter gegeben. Also habe ich über die Jahre schon bei Videoproduktionen, Dokumentationen, Firmenpräsentationen und sogar einem Independent Spielfilm (“I’m a sex addict”) stimmlich mitgearbeitet.

Eine der seltsamsten Anrufe kam im Jahr 2000 von “Family Radio”, einem christlichen Sender in Oakland, der sowohl Fernseh- wie auch Radioprogramme produziert – und das für ein weltweites Publikum. Sogar in Deutschland sind die Programme über Kurzwelle zu hören. “Family Radio” produziert die Shows in mehreren Sprachen, aufgrund der Nachfrage aus Germany, eben auch auf Deutsch…und da kam ich ins Bild. Für den Gründer und Lenker von “Family Radio”, Harold Camping, wurde ein deutscher Sprecher gesucht, der in einer Hörersendung die Antworten des Predigers einspricht.

Ich sah das damals mehr als unterhaltsame Erfahrungsbereicherung, doch schon kurz nach meinem ersten Einsatz trennten sich aufgrund philosophischer Differenzen unsere Wege.

Und nun lese ich, dass Harold Camping für Samstagabend von seinem Oakland Domizil aus den Weltuntergang ausgerufen hatte. Um 18 Uhr sollte Schluß sein. Der jüngste Tag und aus die Maus. Aber 18:01 Uhr kam und es überlebten bekannterweise mehr als nur ein paar auserwählte Christen den Samstagabend. Der 89jährige hatte sich mal wieder getäuscht. Schon für 1994 hatte er den Weltuntergang angekündigt, doch auch damals war nicht so viel geboten. Die Erde drehte sich weiter und weiter und weiter. Camping entschuldigte sich damals wie heute, es sei gar nicht so leicht, den jüngsten Tag aus den Texten der Bibel heraus zu lesen.

Ich bin mir nun nicht so sicher, ob ich in meinem Lebenslauf auch darauf hinweisen sollte, dass ich die deutsche Stimme des apokalyptischen Harold Camping war….hm, ich muß mal überlegen….