Die Demontage Amerikas

Ein Präsident einer Minderheit. In welcher Bananenrepublik leben wir eigentlich? Der „Leader of the free world“ zeigt Respekt vor dem nordkoreanischen Diktator, weil der sich mit weiteren Provokationen zurück hält und gleichzeit beschimpft, beschuldigt, verurteilt er alle, die in diesem Land keine Trumpschen Speichellecker sein wollen. weiter lesen

Die Qual mit der Wahl

Es ist schon ein Leid mit diesen Wahlen. Und ich rede nicht von dem Endloswahlkampf, dem Tohuvabohu im republikanischen Lager, dem seltsamen Stimmabgabenprozedere, bei dem keiner mehr so richtig durchblickt. Ich spreche von den erschwerten Bedingungen, überhaupt sein Kreuzchen machen zu können. Am letzten Wahlabend wurde das in Arizona ganz deutlich. Bis zu fünf Stunden mußten Wähler warten, um schließlich wählen zu können. Nicht, dass die Wahlbeteiligung besonders hoch lag, nein, die republikanische Gouverneurin Jan Brewer und die republikanische Mehrheit im Parlament von Arizona hatten die Wahlgesetze verschärft. Das führte auch dazu, dass die Anzahl der Wahllokale deutlich reduziert wurde. In Maricopa County, dem Bezirk, in dem die Großstadt Phoenix liegt und in dem rund 4,2 Millionen Menschen leben, waren nicht mehr 200 Wahllokale, sondern nur noch 60 geöffnet. Auf einen „Polling Place“ kamen somit 70,000 Personen.

Arizona ist nur ein Bundesstaat in dem die Wahlgesetze mit republikanischer Mehrheit verschärft wurden. Der „Brennan Center for Justice“ hat eine Karte veröffentlicht, die zeigt, in welchen Bundesstaaten das geschehen ist. Und alles seit 2010, damals feierten die Republikaner riesige Gewinne im ganzen Land und nutzten schnell ihre Mehrheiten, um den Machterhalt zu garantieren.

In den rot markierten Staaten wurden die Wahlgesetze mit republikanischer Mehrheit verschärft.

In den rot markierten Staaten wurden die Wahlgesetze mit republikanischer Mehrheit verschärft.

Arizona ist also keine Ausnahme und kein Einzelfall. Was das für die Novemberwahl bedeutet ist auch klar. Ganz gezielt wird am Ausgang des Wahlergebnisses herumgedoktert. Denn die Verschärfungen treffen vor allem traditionelle demokratische Wähler, Angehörige von Minderheiten. Neben der Reduzierung von Wahllokalen wurde die Briefwahlfrist verkürzt, strengere Ausweisgesetze eingeführt, die Registrierung von Neuwählern reglementiert. Und wer kann sich schon erlauben, an einem Arbeitstag mehrere Stunden in der Warteschlange zu stehen.

In den USA ist man nicht wie in Deutschland automatisch als Wähler registriert. Man muß sich in Listen eintragen. Das ist ein Grund, warum die Wahlbeteiligungen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten so niedrig sind. In einigen demokratisch geführten Bundesstaaten, wie Kalifornien, will man hingegen das Wählen erleichtern. Hier wurde ein Gesetz verabschiedet, dass jeder Führerscheinbesitzer über 18 Jahren automatisch in die Wahllisten eingetragen wird.

Auf der Karte sieht man vor allem die republikanisch dominierten Bundesstaaten. Dort haben Demokraten eigentlich keine Chance zu punkten. Und doch, in der langen Liste findet man auch sogenannte „Swing-States“, in denen mal so und mal so gewählt wird. Arizona ist zwar noch in fester Hand der Republikaner, doch das ändert sich. Mit bereits 40 Prozent Latinos  deutet sich auch ein Wandel in der politischen Ausrichtung des Staates an. Doch das wird – zumindest mittelfristig – mit den strengeren Wahlgesetzen ganz bewußt verhindert. Die Republikaner, so scheint es, haben Angst vor dem demokratischen Willen der Wähler.

 

Keine Atempause, Geschichte wird gemacht…

Es geht voran. In drei weiteren Bundesstaaten wurde am Dienstagabend gewählt. Arizona fiel an Hillary Clinton und Donald Trump. Utah an Bernie Sanders und Ted Cruz. Und in Idaho lag am Ende auch Bernie Sanders vorne. Die republikanischen Wähler waren dort noch nicht zur Stimmabgabe dran.

Die Wahl zwischen Ted Cruz und Donald Trump kommt einer Wahl zwischen Erschießen und Erhängen gleich, so bezeichnen es zahlreiche Republikaner. Foto: Reuters.

Die Wahl zwischen Ted Cruz und Donald Trump kommt einer Wahl zwischen Erschießen und Erhängen gleich, so bezeichnen es zahlreiche Republikaner. Foto: Reuters.

Der Ausgang der Wahlen war so erwartet worden. Keine Überraschungen. Auch die Klatsche von Trump in Utah war vorhersehbar. Im Mormonenstaat kam die große Klappe des Donald nicht an. Ted Cruz siegte dort, vor allem auch mit seiner Message nach religiöser, sprich christlicher Toleranz. Was jedoch unangenehm auffiel, waren die langen Schlangen für die Wähler. Zum Teil warteten sie bis zu fünf Stunden, um ihre Stimme abzugeben. Gerade Arizona fiel unangenehm auf. Zuvor hatte die republikanische Gouverneurin und Trump Unterstützerin, Jan Brewer, angeordnet, die Anzahl der Wahllokale drastisch zu verringern. Das ist auch eine klare (un)demokratische Ansage.

Unterdessen hat sich der einstige Hoffnungsträger der Partei, Jeb Bush, auf die Seite von Ted Cruz geschlagen. Nur Cruz könne noch die „Obszönität“ eines Donald Trump stoppen, so Bush. Die Unterstützung des ehemaligen Gouverneurs von Florida kommt genau im richtigen Moment für Cruz, den viele in der eigenen Partei ablehnen. Bush zeigt damit, dass es nur noch einen Weg gibt, um den Präsidentschaftskandidaten Donald Trump zu stoppen: Die Reihen müssten sich hinter Cruz formieren. So hatte auch schon Mitt Romney argumentiert, der anfangs John Kasich und in Utah dann Ted Cruz unterstützte.

Die Frage bleibt jedoch, ob Cruz wirklich eine Mehrheit im republikanischen Lager bekommen kann. Er gilt als Querulant, als Fundamentalist, als Radikaler, als von der Tea-Party Fraktion unterstützter Kandidat. Sprüche, wie die jüngste Forderung Cruz‘ nach den Anschlägen in Brüssel, „muslimische Nachbarschaften (in US Städten) zu patroullieren und zu kontrollieren“ sind selbst in der Grand Old Party nicht mehrheitsfähig. Von daher kann die Unterstützung von Jeb Bush für den texanischen Senator auch als Griff nach dem letzten Strohhalm vor dem Untergang der GOP gewertet werden. Denn noch als Kandidat hatte Jeb Bush die Forderung Trumps nach einer Registrierung alles Muslime im Land als „abscheulich“ bezeichnet.

 

Obama ist mal wieder an allem schuld

Amerika erlebt Tag für Tag eine humanitäre Krise im eigenen Land. Und es geschieht nichts. Allein in diesem Jahr sind bereits 47.000 Minderjährige illegal über die Grenze von Mexiko in die USA gekommen. Jugendliche, Kinder und Kleinkinder. Und kein Ende ist in Sicht, denn in Washington sitzen Politiker beider Parteien die Katastrophe aus, schieben sich tagtäglich den schwarzen Peter zu und glänzen durchs Nichthandeln. Die Gouverneurin des Grenzstaates Arizona, Jan Brewer, hat mal wieder Obama als Schuldigen ausgemacht. Ihr Bundesstaat ist besonders von der illegalen Einwanderung betroffen. Brewer forderte die Bürger nun auf, die Obama Adminstration zu fragen, „warum es diesen massiven Zuwachs an illegaler Grenzüberschreitung gibt und was das den Steuerzahler kostet, der am Ende mit dieser Krise umgehen muß, die der Präsident geschaffen hat“.

Grenze zu Mexiko

Grenze zu Mexiko

Man kann ja von Obama halten was man will, aber er ist sicherlich nicht für die derzeitige Krise verantwortlich. Denn sie ist keine „derzeitige Krise“. Amerika hat ein Problem mit der illegalen Zuwanderung. Offiziell heißt es, rund 12 Millionen Illegale leben in den USA. Inoffizielle Zahlen gehen sogar von nahezu 30 Millionen Menschen aus, die ohne Papiere in den USA leben. Brewer hat eine Abneigung gegen Präsident Obama, das ist noch milde ausgedrückt und nichts neues, aber diese Schuldzuweisung ist schlichtweg falsch. Insgesamt sind in den letzten Jahren die Zahlen nach unten gegangen, „dank“ der Militarisierung an der Grenze durch George W. Bush, aber das ändert nichts daran, dass eine Einwanderungsreform dringend notwendig ist. Bislang versuchte man mit einem hohen Zaun, mehr Grenzpatrouillen und mehr High Tech die Situation unter Kontrolle zu bekommen. Das kostet die USA Jahr für Jahr rund 18 Milliarden Dollar, mehr als die Gesamtausgaben für alle anderen Bundespolizeieinheiten. Doch all das hat wohl nicht den eigentlichen Zweck erfüllt. Eine politische Lösung wurde immer und immer wieder auf die lange Bank geschoben, von einer Administration an die nächste weiter gereicht.

Seit Jahrzehnten schon kommen illegale Einwanderer aus Mexiko, Guatemala, El Salvador, Honduras und anderen Ländern in die USA. Man schätzt 57 % aus Mexiko, 24 % aus lateinamerikanischen Ländern, 9 % aus Asien, 6 % aus Europa und Kanada und 3 % aus Afrika. Nun erlebt man eine Welle von Minderjährigen, die illegal in die USA kommen. Und keiner weiß, wie man damit umgehen soll. Viele der Kinder haben Eltern und Verwandte in den USA, die versuchen, ihre Sprößlinge nachzuholen. Andere flüchten vor der Gewalt in Ländern wie Mexiko oder El Salvador, in der Hoffnung im „gelobten Land“ im Norden eine Zukunft zu finden.

In Washington hängt im Senat eine „Immigration Reform“, geschrieben von den Demokraten. Die jedoch wird von den Republikanern im Abgeordnetenhaus nicht angefasst. Sie verlangen zuallererst die Sicherung der Grenze, eine Abschiebung von Illegalen und keine Abkürzung für illegale Einwanderer zu einer US Staatsbürgerschaft. Ein Kompromiss ist Welten entfernt. Der aktuelle Kongress ist nur noch wenige Wochen vor der Sommerpause in Washington. Danach beginnt die heiße Wahlkampfphase für den November Wahltermin. Bis zur Pause, davon kann man ausgehen, wird die dringend notwendige Reform nicht mehr kommen. Es werden also weiter Männer, Frauen und Kinder illegal die Grenze in die USA überschreiten. Einige werden bei dem Versuch in der Wüste sterben, andere halb verdurstet und ausgemergelt von Grenzbeamten aufgegriffen werden, um dann in Lager gebracht zu werden, die „menschenunwürdig“ sind, wie es immer wieder heißt.

Doch aufregen kann man sich darüber eigentlich nicht. Was derzeit vor den südlichen Toren Europas passiert, ist auch nicht gerade Ausdruck einer humanen Flüchtlingspolitik. Man schaut hin. Man schaut weg. Wie wird morgen das Wetter?

 

 

Das ist richtiges “Reality TV”

“Al Jazeera America” setzt ganz neue Maßstäbe. Der Nachrichtenkanal aus Katar ist vor Ort und präsentiert in seinen Programmen ein Bild, dass von dem, was CNN, MSNBC und FOXNews zeigen, Welten entfernt ist. Hier schreien sich keine erzkonservativen Obamahasser an wie auf FOXNews, hier türmt man nicht eine nach der anderen Verschwörungstheorie auf, um auf den Grund des verschollenen malaysischen Airliners zu kommen. Al Jazeera zeigt die Welt hinter den amerikanischen Grenzen, berichtet mit eigenen Korrespondenten aus Afrika, Asien, Südamerika, ist präsent und vor Ort.

Und nein, ich will hier keine Lobhudelei auf einen Sender loswerden, ich werde nicht von ihnen bezahlt, obwohl ich durchaus gerne für Al Jazeera arbeiten würde. Aber gestern Abend sah ich eine Sendung auf “Al Jazeera America”, die einfach großartig war. Nicht nur, dass damit das Thema der illegalen Einwanderung anders, einleuchtend, verständlich vermittelt wurde. Die Produzenten schafften mit “Borderland” auch eine grundlegende Kritik am amerikanischen Fernsehen. Seit Jahren schon nerven mich diese “Reality Shows” im Fernsehen. Da werden irgendwelche Hampelmänner und –frauen auf Südseeinseln oder in sonst einen Busch geschickt, um zu “überleben”. Andere lassen sich in Container einsperren, um den “Big Brother” nachzuspielen, unter den Augen der Öffentlichkeit wird dann “alles gezeigt”. Dann diese dämlichen Sendungen mit irgendwelchen Hausfrauen aus Beverly Hills oder sonst einem reichen Vorort. Nicht auszuhalten. Und das deutsche Fernsehen ist ja nicht besser. Da sucht ein Bauer eine Frau und die Zuschauer ergötzen sich an einem seltsamen Schauspiel, dass an Fremdschämen nicht zu überbieten ist. Außer man mag “Stromberg”, aber das ist im Vergleich gutes deutsches Fernsehen.

Und nun also Al Jazeera mit einer neuen Sendung, die, man kann es nicht anders sagen, brillant ist. Sechs Personen, Männer und Frauen, werden in “Borderland” zu einem Leichenschauhaus in Pima County gebracht. Dort Regale voller Leichen in “bodybags”, die in der Wüste gefunden wurden. Illegale Grenzgänger. Und hier beginnt diese Form von “Reality TV”. Jeweils zwei Kandidaten bekommen ein Bild und einen Namen von einem Toten und reisen in die Gemeinden. Nach Guaetemala, nach Südmexiko, nach Des Moines, Iowa. Und dort sprechen sie mit Verwandten und Freunden, erfahren mehr über diejenigen, die in der Wüste verendet sind, folgen ihren Spuren, erleben, was sie auf sich genommen haben, um in das gelobte Land nördlich der Grenze zu kommen. Die Gruppe der “Borderland Kandidaten” ist eine Mischung aus Menschen, die zum einen sagen, macht die Grenze dicht, lasst niemanden mehr herein. Und dem anderen Teil, die erklären, Grenzen sind unsinnig, Menschenleben werden so nur unnötig gefährdet. Doch beide Seiten müssen im Zuge ihrer neuen Erfahrunge ihre Haltung von grundauf überdenken, denn Al Jazeera geht in dieser Fernsehserie nicht nur auf die illegalen Einwanderer ein, die in den USA arbeiten wollen. Die Produzenten berichten auch vom brutalen Drogenkurierdienst durch die Wüste von Arizona, kontrolliert von den mexikanischen Kartellen. Sie bringen die Gruppe zu Farmern im Grenzland, die ihnen von ihren Problemen, Ängsten und ihrer allgemeinen Siutation berichten. Von gewaltbereiten Drogenschmugglern, die schneller schießen als Hallo zu sagen.

“Borderland” ist TV, wie man, wie ich es mir wünsche. Nah dran, gut recherchiert, kontrovers, zum Nachdenken anregend, neu….eben nicht nur eine dumme Berieselung und ein Vorgegaukel an Problemen, die eigentlich keine sind. “Al Jazeera America” läuft in den USA auf einem Kabelkanal, den man extra abonnieren muß. Das ist der eigentliche Skandal hier, denn eine Sendung wie “Borderland” gehört ins freie Abendprogramm zur besten Sendezeit. Denn, wenn mehr Amerikaner das sehen würden, könnte eine “Immigration Reform” nicht länger auf die lange Bank geschoben werden.

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Das Ende des Supermarktes

Ein Regal voller Chipstüten. Dahinter eines mit den verschiedensten Colas. Im nächsten Gang übervolle Regale mit Müslis und Frühstücksflocken. So kennt man amerikanische Supermärkte aus Film und Fernsehen. Wer selbst schon einmal durch die USA gereist ist, weiß, wie überwältigend das Angebot in den Supermärkten sein kann.

Doch das wird sich bald ändern. Der klassische amerikanische Supermarkt stirbt aus. Vor ein paar Tagen wurde bekannt, dass die Supermarktkette „Safeway“ vor dem Verkauf steht. „Safeway“ ist die Nummer 2 im amerikanischen Lebensmittelhandel mit jährlich rund 36 Milliarden Dollar Umsatz. Der Firma geht es gut, doch man hat einen vorbeirauschenden Zug verpaßt. Die Amerikaner wollen nicht mehr in einem „Supermarkt“ vom Angebot erschlagen werden. Der Aldi Ableger „Trader Joe’s“ zieht seine Erfolgsbahnen durch die Staaten. Überall wo ein neuer Laden eröffnet wird, stehen die Kunden Schlange. „Whole Foods“ macht Riesengewinne mit Naturprodukten aus biologisch-ökologisch-politisch-korrektem Anbau und Fertigung. Selbst „WalMart“ ist von den Riesensupermärkten abgekommen und fokussiert mehr auf die kleinen Nachbarschaftsläden mit regionalen Angeboten.

All diese Supermärkte orientieren sich an lokalen und regionalen Gegebenheiten und Produkten. „Trader Joe’s“ bietet vor allem eigene, doch hochwertige Produkte an, die es nur in diesen Läden gibt. Der Service ist gut, die Beratung ausgezeichnet. Auch das fehlt bei „Safeway“, immer wieder wurde die Supermarktkette als warnendes Beispiel dafür angeführt, wie es in Fragen des Kundenservice nicht sein sollte. Das Angebot war verwirrend im Laden verteilt, die Regale zu hoch, die Mitarbeiter meist eher mundfaul. Vor einiger Zeit wollte man das ändern, führte grüne Produkte ein, senkte die Regale, machte Mitarbeiterschulungen….doch all das half nichts.

„Safeway“ wird schon bald Geschichte sein. Cerberus, eine Investitionsfirma aus New York, die zuvor schon die konkurrierende Supermarktkette „Albertsons“ übernommen hatte, will „Safeway“ kaufen. Auch der Marktführer „Kroger“ plant einige der „Safeway“ Märkte zu übernehmen. Zahlreiche der etwa 300 Läden werden geschlossen werden, vor allem in Texas, Colorado und Arizona. Hinzu kommen etliche Standorte in Kalifornien, an denen „Cerberus“ bereits Supermärkte unterhält, also genau bei mir um die Ecke, wo ein „Albertsons“ direkter Konkurrent des „Safeway“ Ladens ist. Auch schön…wobei, ich kaufe sowieso schon seit langem vor allem bei Trader Joe’s und Farmer Joe’s ein.

Rocky Mountain High

John Denver hatte sicherlich nicht damit gerechnet, dass sein Song einmal so ausgelegt wird. Rocky Mountain High, high in den Rocky Mountains. Gott hab‘ ihn selig. Seit Anfang des Jahres darf man in Colorado legal Marihuana kaufen und verköstigen. Und eigentlich gibt es keine Beschränkungen. Man muß 21 sein, nach dem Genuß darf man nicht Autofahren, die Verkaufsshops dürfen nur von 8 Uhr morgens bis Mitternacht geöffnet sein und als Käufer darf man „nur“ eine Ounce, also rund 28 Gramm erwerben. Good Times, Rocky Mountain High.

Nun wird auch in anderen westlichen Bundesstaaten genau beobachtet, was sich da in den Bergen tut. Der Pottourismus verspricht gute Einnahmen für den Bundesstaat. In Kalifornien, Alaska, Arizona und Oregon sind bereits Initiativen entstanden, die bei den nächsten Wahlen die Wähler über eine Legalisierung von Marihuana abstimmen lassen wollen. Mit der Legalisierung von Marihuana unterläuft man auch die mexikanischen Drogen Syndikate. An der Grenze zum südlichen Nachbarn wird immer wieder tonnenweise Mariuhana beschlagnahmt. Mehr als 90 Prozent der konfiszierten Drogen ist Mariuhana.

Neue Töne im gescheiterten Drogenkrieg. Amerika erlebt derzeit einen Umbruch. In Umfragen erklären mehr als 50 Prozent der Bürger, dass sie nichts gegen eine Legalisierung von Pot hätten. Die Obama Administration hat darüberhinaus erklärt, dass sie erst einmal nichts gegen die Gesetzgebung in einzelnen Bundesstaaten unternehmen wird. Also, es ist und bleibt vorest legal in Colorado einen Joint zu drehen. Zumindest unter diesem Präsidenten. Und auch in Washington DC soll das Kiffen bald erlaubt sein. Ein bißchen high in der Politmetropole, vielleicht wäre das gar nicht so schlimm und würde den aggressiven Ton und das angespannte Verhältnis zwischen Demokraten und Republikanern etwas entschärfen. Good Times.

My Country, My Gun, My Right

71 Menschen in 90 Sekunden. 12 Tote, 59 Verletzte. Das ist die Bilanz des Massakers von Aurora. Es wären wohl mehr gewesen, wenn das Schnellfeuergewehr AR-15 des mutmaßlichen Schützen James Holmes nicht blockiert hätte. Eigentlich sollte es gar nicht mehr möglich sein, diese Art von Gewehren zu erwerben, denn bereits 1994 unterzeichnete der damalige Präsident Bill Clinton ein Gesetz zum Verkaufsstopp für diese Art Schußwaffen. Doch das Gesetz lief 2004 unter dem Nachfolger George W. Bush aus. Und seitdem gab es mehrere Versuche es zu erneuern, doch vergeblich.

Nun, nach der Schießerei in Aurora, wird ein neuer Anlauf unternommen. Mehrere Demokraten, darunter die kalifornischen Senatorinnen Dianne Feinstein und Barbara Boxer, wollen das Verbot wieder in Kraft treten lassen. Die New Yorker Demokratin Carolyn McCarthy, deren Sohn erschossen wurde, warf der Waffenlobby National Rifle Association (NRA) vor, dass sie mit der Angst der Leute spiele und Abgeordnete unter Druck setze. „Jeder kann auch weiterhin an Thanksgiving auf die Jagd gehen, auch wenn Sturmgewehre verboten sein sollten, denn diese sind nur dazu da, so viele Menschen wie nur möglich in kürzester Zeit zu töten“, so McCarthy.

Aber die Message scheint bei den knarrenverliebten Amerikanern nicht anzukommen. Allein in Colorado stiegen die Anfragen auf Hintergrundchecks bei Waffenkäufen seit dem Massaker um 41 Prozent. Allein am vergangenen Wochenende erhielt das FBI 2887 solcher routinemäßiger Anfragen von Waffenhändlern. Ihnen werden derzeit die Türen eingerannt, so die Gun Shop Besitzer. Viele Kunden hätten Angst, dass Präsident Barack Obama im Falle eines Wahlsieges seine zweite Amtszeit dafür nutzen würde, das „Recht auf Waffenbesitz“ einzuschränken.

Der sprunghafte Anstieg von Waffenverkäufen nach solchen Amokläufen ist in den USA nichts neues. Als im vergangenen Jahr in Arizona die demokratische Abgeordnete Gabrielle Giffords im Kugelhagel von Jared Loughner schwer verletzt und dabei auch noch weitere Menschen getötet und verwundet wurden, stieg unmittelbar darauf der Waffenverkauf in Arizona um 60 Prozent.

Amerikaner lieben ihre Knarren, wie auch das Bild einer Waffenliebhaberin mit ihrem speziell lackierten aber funktionstüchtigen Sturmgewehr AR-15 zeigt – dieses Modell kam auch in Aurora zum Einsatz. Die „Love for Guns“ läßt sich in einer Zahl gut auszudrücken. Im Weihnachtsmonat Dezember 2011 wurden in den USA eine Million Fünfhundertvierundreissigtausend Vierhundert und Vierzehn Pistolen und Gewehre verkauft. Noch Fragen!?

 

 

 

 

Nazi-Aufmarsch in Florida

Ihre Webseite heisst www.nsm88.org. Und das steht ganz einfach und unverhohlen für „National Socialist Movement Heil Hitler“. Alles klar? Alles klar. Die Gruppe um den Kommandeur Jeff Schoep sieht sich selbst als „weiße Bürgerrechtsorganisation“. Der Hauptsitz ist in Detroit, doch die Freizeitnazis machen derzeit mehr durch Patrouillen in anderen Teilen der USA auf sich aufmerksam. An der US-mexikanischen Grenze in Arizona marschiert die NSM, um den illegalen Grenzübertritt von Mexikanern zu verhindern. Natürlich ist man als braune Militia im Kampf fürs Vaterland gut gerüstet mit Pistolen, Maschingewehren und allem, was der amerikanische Arier im Dienst des österreichischen Seitenscheitelträgers so braucht.

Nun kam die Gruppe wieder in die Schlagzeilen. Die NSM patrouilliert in den Straßen von Sanford in Florida, in jener Stadt, wo Ende Februar der junge Schwarze Trayvon Martin vom Blockwart George Zimmerman erschossen wurde. Seitdem die tödlichen Schüsse fielen, ist nichts mehr, wie es war in Sanford. Die afro-amerikanischen Bürgerrechtler Jesse Jackson und Al Sharpton führen eine nach der anderen Demo an. Die New Black Panther Party hat ein Kopfgeld von 10.000 Dollar für die Ergreifung Zimmermans ausgesetzt.

Und nun marschieren auch noch die schwer bewaffneten Sturmtruppen durch Sanford. Commander Schoep erklärt, dass sei nur zum Schutz der weißen Anwohner, denn die hätten Angst davor, dass ein Rassenkrieg auf ihren Straßen ausbrechen könnte und verweist auf vergangene Konflikte in Detroit und Los Angeles. Klar, rassistische Neo-Nazi Kampfgruppen mit dem Finger am Abzug werden sicherlich die Situation und die Gegend beruhigen. Ist klar, was anderes kann man sich auch gar nicht vorstellen. Interessant ist dabei, dass so ein Aufmarsch mit Schußwaffen in Florida ganz legal ist. Man kann also fast darauf warten, dass es zu einer weiteren Auseinandersetzung, wie auf dem NSM Video kommen wird. Auch das ist Amerika, ganz legal, toleriert und fast überall anzutreffen.

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Auf den Hund gekommen

Erin Sullivan ist im Knast. Er hat einige Einbrüche auf seinem Konto, acht Jahre muß er nun dafür einsitzen. Seine jüngste Diebestour endete mit seiner Verhaftung. Als er vor den gerufenen Polizisten fliehen wollte und sich versteckte, stöberte ihn ein Polizeihund auf. Und der biss zu, Sullivan biss zurück und verletzte den Hund.

Nun klagt Erin Sullivan gegen die Stadt Phoenix und die Gemeinde Glendale. In seiner Anklage heißt es, der Hund habe seine “Bürgerrechte verletzt” und “unangemessene Gewalt” ausgeübt. Insgesamt verlangt der Langfinger fast 500.000 Dollar Schmerzensgeld. Bislang konnte noch keine Stellungnahme des Polizeihundes (oben) eingeholt werden.