Wehwehchen sind teuer

Ich bin bei Kaiser versichert. Das ist eine Krankenversicherung und ein „Provider“ in einem, also, sie haben eigene Ärzte, Spezialisten, Labors, Behandlungsmaßnahmen, Krankenhäuser. Kaiser war meine Wahl, weil sie einen sehr guten Ruf haben und gleichzeitig im Vergleich zu anderen Versicherungen auch noch bezahlbar sind. Wenn man denn nicht krank wird.

Mal kurz bei Kaiser Oakland in die Röhre.

Nun musste ich allerdings mal wieder zum Arzt, wegen zwei körperlichen Unpässlichkeiten. Den Arzt zu sehen kostet $20, im Labor danach gleich weitere $20. Das Röntgen des Knies ist dann schon $40. Den Facharzt sehen nochmal $40 und dann ein MRI für $150 Dollar. In einem gleich mal $270 weg. Na ja, so ist das in den USA mit einem nicht vorhandenden allgemeinen Krankenversicherungsschutz. Irgendwie herrscht da Wild West im System. „Obamacare“ hat nicht wirklich geholfen, auch, weil es von Anfang an gezielt von den Republikanern torpediert wurde und mit einem Donald Trump im Weißen Haus gezielt unterminiert wurde und wird. Wer in den USA keine Krankenversicherung hat, sollte viel beten, dass er gesund bleibt, denn wird er oder sie krank, wird es teuer. Und wenn man einen Versicherungsschutz hat, ist entweder der nicht gerade günstig oder man zahlt, wie in meinem Fall, gehörig drauf.

Zumindest waren die Besuche schmerzlos und das Warten in den Wartezimmern unterhaltsam. Nicht vergessen werde ich den etwa 45jährigen Mann, mit rasiertem Schädel, total hyper, der mit einem Becher und einer Thermoskanne ankam. Aber nicht so eine Thermoskanne zum Mitnehmen, nein, es war so eine aus der heimischen Kaffeemaschine. Und er kippte sich einen Kaffee nach dem anderen rein. Damit ging er sogar zur MRI Untersuchung und wurde dort gestoppt, die Kanne dürfe nicht mit in den Anhänger mit seinem 1,5 Tonnen Magneten, hieß es (ja, mein MRI wurde im Lastwagenanhänger im Ladebereich des Krankenhauses durchgeführt).

Wartezimmer haben so etwas wie WalMart. Man kennt ja die Fotos aus den sozialen Medien. Irgendwie sieht man da immer Leute, denen man tagsüber im normalen Leben so gar nicht über den Weg läuft. Und ich will mich hier nicht lustig machen über Menschen, die ihre Gründe haben, warum sie bei WalMart einkaufen oder eben in Wartezimmern warten. Ich sass einfach da und genoss das „Outing“, denn tagtäglich arbeite ich am Schreibtisch daheim, gehe mit meinem Hund im Wald spazieren, also viele Mitmenschen treffe ich in der Regel nicht. Von daher war die Wartezeit eine Zeit voller Erkenntnisse. Oakland ist eine sehr vielgesichtige, kreative, unterhaltsame und interessante Stadt voller Geschichten. Und die beginnen mit den Menschen, die hier leben.

Man ist nie zu alt

Dore Gilbert ist Hautarzt. Er ist 60 und lebt in Südkalifornien. Noch ein paar Jahre, dann hätte er sich in den wohlverdienten Ruhestand verabschieden könnten.

Eigentlich alles nichts besonderes. Wäre da nicht, dass Gilbert nun in die Reserveeinheit der US Army eingetreten ist. 1984 wollte er sich schon einmal für den Dienst in den Streitkräften verpflichten, doch im letzten Augenblick entschied er sich anders. Die Idee allerdings blieb.

Dore GilbertSeine Kinder sind aus dem Haus. Gilbert wollte etwas ganz neues machen. Vor ein paar Jahren begann er zu trainieren, damit er fit für den Job wird. Er kontaktierte das Einstellungsbüro der Army Reserve, der Mitarbeiter etwas überrascht über die Bewerbung waren, doch seine Geschichte als vorbildlich ansahen. Ein gestandener Mann im Berufsleben, der sich für den Dienst in den Streitkräften meldet. Normalerweise liegt das Höchstalter bei 42, doch Ärzte können sich bis 60 Jahre verpflichten.

Diese Woche nun erhielt Dore Gilbert den Anruf, dass die Headquarters der US Army seiner Einstellung zustimmen. Gilbert ist in Topform. Ohne Probleme schafft er 65 Sit-ups, 80 Liegestützen, rennt die zwei Meilen Distanz in 16 Minuten und hat rund 25 Kg abgenommen.

Nun also wird es ernst für ihn, doch sein Weg ist klar. „Ich werde mich dafür einsetzen nach Afghanistan verlegt zu werden.“ Dort warte jede Menge Arbeit auf den Hautarzt.

Seltsames aus Amerika

Die Jahreswende bringt es mit sich. Es gibt Rückblicke aller Art. Im San Francisco Chronicle wurden nun mal so einige seltsame Nachrichten aus der Reisewelt zusammen gefasst. Hier ein paar Meldungen aus dem vergangenen Jahr.

Da ist der Schönheitschirurg aus Beverly Hills, der erklärte, er habe die wahre Form des Bio-Treibstoffs entdeckt. In seiner Praxis sauge er pfundweise das Fett übergewichtiger oder schlankheitsbesessener Zeitgenossen ab. Und das nutze er dann für seinen SUV. Das ganze wurde bekannt, als einige seiner Patienten die Idee der Fetteinspritzung im Motor des Arztes nicht so toll fanden und klagten. Ausgang noch ungewiss.

Auch schön ist die Meldung des Ehepaares aus Arizona, die Schritt für Schritt und Meile für Meile ihre Urlaubsfahrt nach Kansas City twitterten. So sollten Freunde und „Followers“ an ihrer schönen Reise durch den Südwesten teilhaben. Einziges Problem, einer der Twitter Freunde nutzte die genauen Nachrichten, um das Haus der Urlauber auszuräumen. Geklaut wurde professionelles Video Equipment im Wert von mehreren tausend Dollar. Also manchmal ist weniger durchaus mehr.

Douglas Jones hat eine dicke Klage am Hals. Er wurde von den Rangers im Joshua Tree National Park in Südkalifornien wegen Verschmutzung angezeigt. Jones hatte sage und schreibe 3000 Golfbälle aus seinem Auto geworfen. Seine Begründung für die Aktion: Jeder dieser Golfbälle stehe für einen verstorbenen Golfer. Golf war mir schon immer ein Rätsel.

Aufgepasst, sonst ist das Bein ab

Marin General HospitalHeute rief mich eine Freundin an und meinte, ihre Mutter sei gestürzt, habe sich dabei die Hüfte gebrochen und müsse heute noch operiert werden. Ich also rüber ins Marin General Hospital, wieder mal, denn vor Jahren waren wir schon mehrmals hier, als ihr Mann regelmässig zur Strahlentherapie hierher kommen musste.

Die Mutter wartete noch auf die OP, doch kurz nach meinem Kommen wurde sie runter gefahren. Die OP Schwester fragte, ob die richtige Seite schon markiert worden sei? Nö, meinte Susan, meine Freundin. Also musste der operierende Arzt geholt werden, der Susan dann fragte, ob es die rechte Hüfte ist (es war offensichtlich!!!). Susan antwortete dann etwas im Spass, sie hätte immer Probleme mit links und rechts. Der Arzt blickte sie bierernst an: „Das ist hier kein Witz, sondern Teil der „Nationalen Initiative zur Bekämpfung von Fehleingriffen“. Wow, wenn es da schon eine offizielle „Nationale Initiative“ gibt, dann muss einem ja angst und bange  werden. Und tatsächlich sterben jedes Jahr rund 100.000 Amerikaner in den Krankenhäusern aufgrund von medizinischen Fehlgriffen.

Nachdem man sich also auf die rechte Seite geeinigt hatte, unter Zeugen wohlgemerkt, denn zwei OP Schwestern standen dabei, machte der operierende Arzt mit einem extra dafür bereitgelegten Stift sein Kreuzchen auf der rechten Hüfte der Mutter und schmiss dann den „Marker“ in die Mülle. Dieses Land braucht wirklich eine Gesundheitsreform!

Besuch beim Arzt

Am Freitag war ich mal wieder beim Hausarzt. Ein „Physical“ stand an, also ein totaler „Check up“…oder das dachte ich zumindest. Eine Sprechstundenhilfe im weissen Kittel wog mich (viel zu viel!), nahm den Puls und den Blutdruck und dann wartete ich auf Frau Doktor.

Sie kam, stellte ein paar Fragen, checkte nochmals meinen Blutdruck, hörte Lunge und Herz ab („Take a deep breath“) und schaute mir in die Ohren („You don’t have a lot of ear wax“). Und dann meinte sie, ich solle noch eine Blutuntersuchung machen lassen, die Ergebnisse könnte ich danach telefonisch abfragen. Sie drückte mir eine Überweisung zum Hautarzt in die Hand, meinte aber, ich solle noch zwei Wochen warten, um einen Termin auszumachen, denn erst einmal müsse meine Versicherung der Überweisung zustimmen. Das ist Amerika, das ist das amerikanische Gesundheitssystem. Ein Bürokrat am Schreibtisch muss jetzt darüber entscheiden, ob ich mein sich veränderndes Muttermal ärztlich von einem Spezialisten untersuchen lassen darf oder nicht.

Ach ja, mein nächstes „Physical“ hat Frau Doktor für Juni 2010 angesetzt.