Ein Traumreise an die somalische Grenze

Harar ist eine Stadt im Osten von Äthiopien, kurz vor der Grenze zu Somaliland. Sie ist im Ogaden zu finden, einem seit langem umkämpften Gebiet. Doch auch einer Region, die voller Geschichte und Geschichten ist. „Harar“ heißt auch die neue Platte von Mila Mar, einer Band, die nur sehr schwer zu fassen ist und die mit ihrere Musik genau in diese mystische Welt im Osten Afrikas eintaucht.

Mila Mar haben nun mit „Harar“ ihr sechstes Album in 25 Jahren Bandgeschichte vorgelegt. Vor etlichen Jahren beschrieb ich ihre Musik mal als Soundtrack eines geheimnisvollen Märchens. Daran hat sich auch auf diesem neuen Werk nichts geändert. Es ist so eine Mischung aus klagevollen Liedern voller Schwere, anzuordnen irgendwo zwischen Gothic, Ambient, Mittelalterklängen und Weltmusik. All das zeigt die Breite von Mila Mar auf und beschreibt diese märchenhafte Musik auch wieder nicht. Die dominanten Trommeln, neben Cello und Dulcimer, dazu die unglaubliche Ausdruckskraft von Sängerin Anke Hachfeld. Sie singt in einer Fantasiesprache, deren Worte man nicht verstehen muss, um die Bedeutung für sich zu erahnen. Vieles ist einem selber überlassen, das Trio Mila Mar zeigt nur den Weg auf, die Bilder dazu muss sich der Hörer selbst ausdenken.

„Harar“ ist erneut ein Album, das einen zum Mitreisen einlädt. Ich kenne die Gegend an der Grenze von Somaliland zu Äthiopien, eine dürre Wüstenregion voller Schönheit und Faszination. Doch auch eine geplagte Gegend, die Kriege, Hunger, Elend und Krisen über Jahrhunderte hinweg erlebt hat. Und all das wird ebenfalls auf dieser Platte klanglich umgesetzt, zumindest erscheint es so. Für mich laufen diese Bilder vor dem inneren Auge ab. Hier die mystische Stätte, Weltkulturerbe Harar, da die heiße und teils unfruchtbare Wüstenlandschaft. Eine Region zwischen den religiösen und kulturellen Einflüssen. All das geht in „Harar“ von Mila Mar auf. Es ist eine ungewöhnliche und bewegende Ortsbeschreibung, die neugierig macht. Neugierig darauf, offen für fremde Kulturen zu sein.

Wenn ich hier in Oakland sitze, all die Fotos meiner Reisen vorbeiziehen lasse, dann haben mir Mila Mar nun einen Soundtrack geliefert, der die bedrückenden Gefühle in vielen Situationen, die atemstockenden Bilder des Erlebten, aber auch die vielen wunderschönen Augenblicke und die Erfahrungen mit Menschen vor Ort ausdrückt. Ja, „Harar“ ist ein Wechselbad der Gefühle, wenn man sich denn darauf einlassen will. Eine wundersame Entdeckungsreise in die weite Welt der Mythen und Märchen und Kulturen.

Mila Mar online

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Amerikas Kriege und die Folgekosten

Mehr Milliarden Dollar und Euro für die Verteidigung. Die Militärhaushalte der 29 NATO Länder sollen drastisch nach oben geschraubt werden, das verlangt der amerikanische Präsident Donald Trump. Sein Ziel sei es, die Verteidigungshaushalte aller NATO Länder auf vier Prozent des BIP aufzustocken. Die USA, so Trump, würden schon jetzt weit über vier Prozent für das eigenen Militär aufbringen.

Was Trump allerdings nicht erwähnt und auch in den Medienberichten kaum auftaucht, die USA haben nicht nur eine der größten und teuersten Armeen, die Amerikaner sind auch in unzähligen Ländern aktiv, wo man sich fragen muss, was sie da eigentlich machen. Praktisch in jedem afrikanischen Land sind amerikanische Soldaten stationiert, größtenteils sind das streng geheime Aktionen und Programme. Doch in allen Ländern Afrikas, in denen ich schon unterwegs war, von Ruanda, Kongo, Tschad, Niger bis nach Somalia, überall habe ich amerikanische Militärangehörige getroffen. Hinzu kommen Länder mit US amerikanischer Militärpräsenz in denen die USA in der Vergangenheit größeren Schaden angerichtet oder für Unruhe gesorgt haben.

So marschierten die USA im März 2003 gegen den Willen einiger NATO Partner, darunter auch Deutschland, im Irak ein. Der damalige Präsident George W. Bush und seine Administration wollten der Weltgemeinschaft weismachen, dass Saddam Hussein Giftgas herstelle und lagere und der Einmarsch Teil des „War on Terror“ sei. Auch würden die Iraker die Amerikaner mit Freudenstürmen empfangen, denn sie brächten Freiheit, Demokratie und ein Ende der Tyrannei. Der Plan, dass die Iraker die Eroberung von Bagdad mit wehenden amerikanischen Fähnchen feiern würden, musste schließlich aufgegeben werden. Der Irak und die gesamte Region bis hinunter in den Jemen brennen seitdem lichterloh.

Kein Wunder also, dass die amerikanischen Militärausgaben weitaus höher sind als die von Deutschland und vielen anderen NATO Ländern. Wenn Donald Trump davon spricht, dass die höheren Ausgaben seines Landes im Vergleich zu anderen NATO Partnern ungerecht gegenüber dem amerikanischen Steuerzahler seien, dann sollte er vielleicht zuerst einmal den amerikanischen Steuerzahler darüber aufklären, warum amerikanische Soldaten in Ländern wie Niger, Zentralafrikanische Republik, Äthiopien, Somalia und etlichen anderen Ländern rund um den Globus präsent sind. Denn davon wissen nur wenigsten in den USA.

Hier schraubt der Pilot noch selbst

San Francisco – Kigali…lange Strecke, die man auch noch länger machen kann. Der Doppeldecker von Lufthansa kommt zu spät in SFO los, ein Gerenne dann in Frankfurt, um von einem Ende des Flughafens zum anderen zu kommen. Der Frankfurter Airport ist einfach eine Katastrophe. Aber ich kriege noch die Maschine nach Addis Abeba. Nur beim Buchen war mir nicht klar, dass wir auch noch in Khartum im Sudan zwischenlanden. Auch schön….und kaum unten in der sudanesischen Hauptstadt kam Habub, ein für den Sudan typischer rötlicher Sandsturm. Also saßen wir da auf der Landebahn und warteten und warteten und warteten, bis der Pilot wieder 250 Meter weit sehen konnte.

Weiter ging es nach Addis Abeba in Äthiopien. Aufgrund der Verspätung wieder durchs Flughafengebäude gerannt. Mit einem Bus sollte ich dann zur Maschine gebracht werden, doch der Fahrer wußte nicht so recht, wo das Flugzeug parkte. Also verfuhren wir uns gleich mehrmals auf dem Gelände. Auch schön…doch schließlich sass ich in einem abgeranzten und sichtlich abgeflogenen Flieger der Ethiopian Airlines Richtung Ruanda…und es ging nicht direkt nach Kigali, sondern erst einmal ins ugandische Entebbe. Auch das hatte ich bei der Buchung übersehen. Und dort wartete ich wieder eine Stunde im durchgesessenen Sitz.

Schließlich schmiss der Pilot die Propeller an und rollte Richtung Startbahn. Doch dann drehte er ab, fuhr ein bißchen durch die Nacht am Flughafen und hielt irgendwo und mittendrin an. Motoren aus. „Wir haben ein kleines technisches Problem“. Und um die Passagiere richtig zu beruhigen, kam der Pilot mit einem Schraubenzieher aus dem Cockpit und begann da vorne rumzuschrauben. Doch das half nichts, die blinkende Warnleuchte im Cockpit wollte einfach keine Ruhe geben. Also ging er nach hinten und holte von dort einen Laptop auf dem er – kein Witz – das „Fault Isolation Manual“ öffnete, also die Anleitung zur Problemlösung für diese Maschine. Motoren an, Motoren aus, Motoren an, Motoren aus, rumgefummele, der Schraubenzieher wurde auch wieder eingesetzt…und nach einer Stunde, mitten in der Nacht, ging es dann weiter Richtung Kigali. Sicher und ohne Störungen setzte der Flieger auf….alles klar, bis auf mein fehlendes Gepäck, doch nach rund 32 Stunden unterwegs, ist einem auch das in dem Moment völlig egal.