„Geniale Dilletanten“ in Oakland

Es ist nicht so oft, dass es in Oakland eine Ausstellung mit deutschem Bezug gibt. Doch gestern wurde in der Pro Arts Gallery, gleich gegenüber vom Rathaus am Frank-Ogawa-Plaza, „Geniale Dilletanten“ eröffnet, eine reisende Ausstellung des Goethe-Instituts. Und ja, der Schreibfehler ist Programm. Gezeigt wird ein Einblick in die frühen 1980er Jahre, als Bands wie die Einstürzenden Neubauten, Die tödliche Doris, Der Plan, Palais Schaumburg, Ornament & Verbrechen („die bekannteste unbekannte Band der DDR“), F.S.K., DAF und andere die etwas langweilige und eingefahrene Musikwelt aufmischten.

Nach dem Progressive Rock und der Disco Mucke der 70er, wurde da der anarchische Punkansatz in ganz neue Weiten vorangetrieben. Es war ein Abschütteln der Zwänge, eine Offenheit für alles, Provokation als Programm, Dada neu entdeckt. Zwischen Berlin, Düsseldorf, Hamburg und der Provinz tat sich so einiges. Musikalisch wurde ausprobiert, experimentiert, neue Ufer ausgekundschaftet. Was vom Mainstream als schräg, schrill und unhörbar abgetan wurde, muss im Rückblick als musikalische Weitsicht und Erschaffung eines neuen Fundaments der deutschen Musikszene gesehen werden. Die Protagonisten von damals, wurden zu Wegbereitern einer ganzen Generation.

Das Schlimme an allem war, dass viele der Bands, die experimentierfreudig ins neue Jahrzehnt voran schritten nur kurz darauf in den NDW-Topf geschmissen wurden und auf einmal neben Nena, Hubert Kah und Markus wieder auftauchten. Deutsche Plattenfirmen brauchten ein Label, um den Sound „Made in Germany“ zu vermarkten und NDW wurde geschaffen. Wer auf Deutsch sang war da NDW. Doch mit all dem Plastikpop und dem Spassgesinge vom Sternenhimmel, vom Maserati, der 210 fährt, von der Seenot im Tretboot, von den Sommersprossen am Wannseestrande hatten die Neubauten, Der Plan, Malaria und DAF so gar nichts gemeinsam. Von daher muss man diese Ausstellung als das sehen, was sie ist, eine Neuschreibung der musikalischen Geschichte. Und das geht Hand in Hand mit der Wiederentdeckung dieser Bands und Aufnahmen. Bureau-B Records bringt schon seit einiger Zeit Platten aus jenen Tagen neu heraus. Bands wie DAF oder Der Plan haben neue Alben veröffentlicht, die Einstürzenden Neubauten werden im vielgepriesenen Kulturtempel, der Hamburger Elbphilharmonie, gefeiert. Die „Dilletanten“ von einst haben die musikalische Geschichte der Bundesrepublik mitgeprägt.

Interessant bei allem ist, dass all diese Bands, die in der Ausstellung „Geniale Dilletanten“ vorgestellt werden, im Ausland schon lange und auch zu ihrer Zeit als das erkannt wurden, was sie waren und sind. In Japan, in England, in Frankreich und vor allem in den USA und Kanada. Als ich 1996 mit meiner Sendung auf KUSF in San Francisco begann und anfangs noch etwas klamm mit Platten und CDs aus deutschen Landen war, durchstöberte ich das umfangreiche Vinyl Archiv des Collegesenders. Und was kam zum Vorschein? Genau, all diese Bands mit ihren Originalplatten, die 21 Jahre später in der „Pro Arts Gallery“ in Oakland ausgestellt werden: Einstürzende Neubauten, Deutsch Amerikanische Freundschaft, Der Plan, Palais Schaumburg, Malaria, Z.S.K., Ornament & Verbrechen, Fehlfarben…

YouTube Preview Image

If you’re going to San Francisco…

Shot In Studio

50 Jahre nach dem „Summer of Love“ feiert San Francisco seine Hippie Vergangenheit. Im De Young Museum gibt es dazu die Ausstellung The Summer of Love Experience: Art, Fashion and Rock & Roll“, eine schillernde, faszinierende und durchaus neue Seiten aufzeigende Exhibition. Von Konzertpostern und Fotos bis hin zur Mode der damaligen Bewegung. Umrahmt werden die Exponate, Bilder und Filme von der vielschichtigen Geschichte dieser aufwühlenden Wochen und Monate des Jahres 1967. Hier im Golden Gate Park war das Epizentrum der Hippies. Musik, Tanz, Ausdruck, Fashion und dann kam die Politik dazu. Und am Ende stand der Ausverkauf der Szene.

Ja, noch heute kann man am Ende der Haight Street und am Anfang des Golden Gate Parks die Spuren von damals sehen. Junge und alte Punks in der Tradition der Hippies sitzen herum, „Spare a little change“. Viele von ihnen abgestürzt, versunken in den Erinnerungen längst vergangener Tage. Touristen laufen die Haight Street hoch, machen ihre Erinnerungsbilder an der Ecke Haight/Ashbury, auf der Suche nach dem Geist von damals. Und doch es ist so ganz anders, wie das, was man in dieser Ausstellung im De Young Museum sehen kann. Vor 50 Jahren bebte die Stadt, Hunderttausende zog es ans Golden Gate auf der Suche nach dem anderen Leben, dem Anderssein. All das wird deutlich in diesem „Summer of Love“ Rückblick. Die Kreativität in der Mode, der Musik, dem Auftreten, die Ideen des Miteinanders. Die Hippies waren da, um ihr Lebensexperiment zu leben.

shot in studio

Es dauerte nicht lange, dann wurde die Bewegung vom eigenen Erfolg gefressen. Das Ende kam schneller als gedacht. Und doch, die Bedeutung des „Summer of Love“ ist deutlich zu sehen, wenn man durch diese Ausstellung läuft. Ein halbes Jahrhundert später ist die Mode, die Musik, die Kunst wieder gefragt. All das ist zeitlos, ein wichtiger Teil der westlichen Gesellschaften geworden. Da ist viel Mythos, viel Pathos, viel Kitsch und doch auch ein wichtiger Kern, den man freilegen muss, denn am Anfang stand die Hoffnung, aus dem „Summer of Love“ eine „Society of Love“ wachsen zu lassen. Daraus wurde nichts, doch die Ideen und auch die Hoffnung danach extistieren weiter. Von daher sollte man 50 Jahre danach – und gerade in diesen stürmischen Trump-Zeiten – durchaus diesen „Summer of Love“ feiern.

Hoppala, Herr Reiche

Was lese ich denn da: „Abgeordneter soll Stewardess attackiert haben„…und dieser Bundestagsabgeordnete soll Steffen Reiche sein. Was für eine Lachnummer ist das denn? Ich habe Steffen Reiche vor ein paar Jahren kennen gelernt, als wir in Cottbus eine Ausstellung über Bilder aus dem Todestrakt in San Quentin organisierten. Der SPD-Abgeordnete kam zwar nicht unbedingt in Siebenmeilenstiefeln in die Pötte, war aber sehr am Thema interessiert. Zum Glück halfen ihm die Leute der Cottbuser Kunstfabrik weiter, sehr engagierte Kunst- und Kulturförderer.

Und nun das, er soll einer Stewardess ein Bein gestellt haben…Ich lach mich krumm. Nein, nein, die Frau hatte sicherlich Schmerzen nach dem Fall, aber ich kann mir so gar nicht vorstellen, dass Reiche auch nur einer Fliege was antun würde, geschweige denn, eine Stewardess in Begleitung seiner Kollegen stolpern lässt.