No Spectators: The Art of Burning Man

Ich war mehr als gespannt auf diese Ausstellung – „No Spectators: The Art of Burning Man„. Burning Man kommt also ins Museum, ins Oakland Museum of California. Und da war für mich gleich die Frage, wie man das machen, wie man das schaffen kann. Denn das alljährliche Treffen, dieser ungewöhnlichen und kreativen Community in der Wüste von Nord-Nevada wurde mir einmal von einem Künstler als „die größte Galerie der Welt“ beschrieben. Wie also kann man das auf so einen beschränkten Raum bringen?

Ein Kostüm aus Leder und Nieten.

Nun also sind einige Kunstobjekte, gereinigt und entstaubt, in den Museumsräumen in Oakland zu sehen. Dazu Videofilme, Fotos, Gegenstände und die Geschichte dieses Festivals zum Nachlesen. Ich könnte nun ausholen und hier schreiben, was alles fehlt. Da ist zuallerst diese Weite auf dem ausgetrockneten Seebett, da ist der feine Staub, der in alle Poren reinkriecht, die Hitze. Doch vor allem sind da die Menschen, die man auf Playa in Black Rock City trifft.

Das alles kann eine Ausstellung gar nicht einfangen, umfassen, darstellen. Und der Versuch wurde auch gar nicht erst unternommen. Ein Museum ist kein Spiegel, diese Ausstellung bietet vielmehr den Versuch Burning Man zu verstehen, einen Blick hinter all den „Dust“ zu werfen. Und der gelingt. Gezeigt wird die Kreativität im Kleinen, wie angefertigte Kostüme für die Playa. Ein paar größere Objekte sind auch Teil von „No Spectators“, sogar ein Tempel im Kleinformat wurde im Außenbereich des Museums nachgebaut.

Burning Man war bei meinen Besuchen immer die faszinierende Kunst, die Kreativität der Teilnehmer, das Eintauchen in diese ganz andere Welt, wo Grenzen verschoben, wo Dinge einfach machbar gemacht wurden. Wenn auch nur für ein paar Tage, Burning Man ist ein besonderes Erlebnis, eine tiefe Erfahrung mit diesen ganz speziellen, eigenen und sehr persönlichen Burning Man Momenten. Am Eingang zur Black Rock City wird man mit „Welcome home“ begrüßt. Auch in der Ausstellung im Oakland Museum of California hängt solch ein Schild. Die Faszination von Burning Man ist nicht einfach zu beschreiben. Irgendwie muss man dort gewesen sein, das alles mal selbst erlebt haben, um diese ganze Dimension zu erfahren. Morgens mit dem Fahrrad über die Playa fahren und erstaunt sein, wie über Nacht neue Kunstobjekte aus dem sandigen Seebett aufgetaucht sind. Oder nachts ganz weit draußen auf der Playa stehen und tief bewegt auf das Lichter- und Feuerspektakel vor einem zu blicken. Hier, wo vor ein paar Wochen nichts war und wenige Tage später nichts mehr sein wird.

Das alles kann in einer Ausstellung nicht nachempfunden werden, doch „No Spectators“ unterstreicht zum einen den Einfluss und die Bedeutung dieser besonderen Kunstcommunity. Zum anderen macht sie neugierig darauf, wie das wirklich ist in Black Rock City. Diese Museumsshow ist daher auch wie eine Einladung zu verstehen, in diese andere, zeitlich begrenzte amerikanische Kleinstadt – für eine Woche die drittgrößte Kommune in Nevada – zu reisen, dort zu leben und Teil dieser eigenwilligen Gemeinschaft zu werden. „No Specators“, kein Zuschauer eben zu sein.

Foto: Reuters.

Vor 30 Jahren

Derzeit bin ich am Produzieren mehrerer Audiobeiträge für eine Ausstellung in Oakland. „Berlin Wonderland“ will die Geschichte der Zeit nach dem Mauerfall erzählen. Ich höre mich dafür durch die vielen Originaltöne, die ich in meinem Archiv finden kann, durch einige Interviews mit Zeitzeugen und denke dabei auch an jene Monate 1989, als ich mehrmals einen Freund in Freiberg, Sachsen, besuchte.

Die Petrikirche in Freiberg war 1989 ein wichtiger Treffpunkt für die junge Öko- und Demokratiebewegung.

Das waren damals schon aufregende Zeiten, auch wenn ich nicht mittendrin in Berlin war. Ich erinnere mich noch an diese Konferenz von Kirchengruppen und Öko-Kreisen aus allen Teilen der DDR, die im Frühjahr ’89 nach Freiberg kamen. Die Petrikirche war der Treffpunkt, die Bankreihen waren übervoll. Ich als damals 20jähriger Wessi staunte und beobachtete nur, hörte zu, war beeindruckt vom Mut all der Aktivisten, die über eine Reform der Demokratie in der DDR sprachen, über Umweltschutz, über das Gebot der Stunde. Jeder wusste, die Stasi war unter ihnen. Und auch draußen warteten auffällig unauffällige Männer in Lederjacken.

Aber es herrschte diese Aufbruchstimmung, irgendwas würde passieren. Schon ein gutes Dreiviertel Jahr zuvor hatte mir mein Freund ein Buch des kirgisischen Autors Tschingis Aitmatow geschenkt. „Die Richtstatt“, wie es in der DDR veröffentlicht hieß, war ein Buch mit durchaus kritischen Tönen. Das verstand auch ich. René fragte mich ein paar Wochen später bei einem weiteren Besuch, wie ich das Buch fand. Ja, meinte ich, toll zu lesen, für mich damals eine ganz neue Lektüre. Er war jedoch ganz ergriffen von „Die Richtstatt“ und sagte – diese Worte werde ich nie vergessen – es wird sich etwas in der DDR ändern. Ich fragte ihn, wie er darauf käme und er antwortete, das, was hier geschrieben und veröffentlicht wurde, zeige ganz deutlich, dass Veränderungen kämen. Alleine, dass dieses Buch überhaupt erschienen sei, belege, es wird sich was tun.

In den kommenden Monaten nach dem Treffen der kirchlichen Öko-Kreise schrieben wir Briefe hin und her, bis ich erneut nach Freiberg fuhr. Da marschierten die Menschen schon auf den Straßen der Bergbaustadt, es müssen Zehntausende gewesen sein, die lautstark mit „Wir sind das Volk“ und „Schliesst Euch an“ schließlich auch an der Stasi-Zentrale vorbeiliefen. Von Angst war da keine Spur mehr. Die DDR war der kippende Koloss, dessen Fall nicht mehr aufzuhalten war.

Und ja, man debattierte über die Zukunft des Landes, darüber, wie man diese deutsche demokratische Republik sozial und basisdemokratisch verändern könnte, wie man aus ihr einen umweltbewussten Staat entstehen lassen würde. Die Menschen in der DDR, so glaubten viele, würden diesen solidarischen Weg des Miteinanders weitergehen. Ich war damals von dieser Energie schwer beeindruckt. Noch heute habe ich diese vielen Briefe von damals, sie zogen mit mir aus Nürnberg nach Oakland um. Und dann kam der Mauerfall und schließlich der Ruf „Wir sind ein Volk“. Damit wurde nicht nur das Ende der DDR ausgerufen, sondern auch das Ende jeglicher basisdemokratischer und naturschützerischer Utopien. Auch wenn das, was schließlich kam, viele überforderte, es war eine beeindruckende Zeit, auch für mich, der ein bisschen aus der Nähe diese friedliche Revolution beobachten durfte.

Die Geschichte der Eisenbahn durch die USA

Immer weiter westwärts. Der Eisenbahnbau durch die USA. Foto: Andrew J. Russell, OMCA.

Es ist eine Geschichte, die nur in diesem Land geschrieben werden konnte. Der Bau der Eisenbahn von der amerikanischen Ostküste Richtung Westen. In vielen Hollywood-Filmen wurden die Kämpfe um Land und Strecke erzählt. Einer der für mich besten Spielfilme zu diesem Thema ist der Italowestern „Spiel mir das Lied vom Tod“ von Sergio Leone mit Charles Bronson und Henry Fonda in den Hauptrollen.

Vor 150 Jahren, 1869 wurde die Landverbindung zwischen dem Atlantik und dem Pazifik fertiggestellt. Anlässlich dieses Datums werden im Oakland Museum of California die einzigartigen Fotos von Andrew J. Russell gezeigt, der damals im Auftrag der Eisenbahngesellschaft den Bau dokumentieren sollte. Doch seine Bilder zeigen viel mehr als nur die reine Eisenbahnstrecke, die sich Meter für Meter weiter vorschiebt. Russell hielt auch die Herausforderungen der Arbeiter fest, die Veränderungen der Landschaft, die mit dem Eisenbahnbau für die fast noch unberührten westlichen Bundesstaaten kamen und auch, was die „Railroad“ für die Native Americans bedeutete, deren Bedenken, Einsprüche und Warnungen nicht beachtet wurden.

Andrew J. Russells Fotos zeigen ein Land im Auf- und Umbruch. Mit dem Verlegen der Schienen Richtung Westen wurde das Land endgültig verändert, erobert, geeint. Russell zeigt die Schönheit dieses Landes genauso wie den harten Kampf der Arbeiter. Sein Verdienst ist es, dass er nicht einfach nur seinen Job als Dokumentarfotograf erfüllte, sondern auch Zeit fand, das zu sehen und festzuhalten, was neben den Gleisen passierte, was der Bau für Amerika bedeutete. Die Ausstellung „Pushing West: The Photography of Andrew J. Russel“ ist vom 4. Mai bis 1. September 2019 im Oakland Museum of California zu sehen.

Ost trifft auf West. Der Bau der Trasse ist vollendet. Foto: Andrew J. Russell, OMCA.

 

 

 

 

 

 

 

 

„Geniale Dilletanten“ in Oakland

Es ist nicht so oft, dass es in Oakland eine Ausstellung mit deutschem Bezug gibt. Doch gestern wurde in der Pro Arts Gallery, gleich gegenüber vom Rathaus am Frank-Ogawa-Plaza, „Geniale Dilletanten“ eröffnet, eine reisende Ausstellung des Goethe-Instituts. Und ja, der Schreibfehler ist Programm. Gezeigt wird ein Einblick in die frühen 1980er Jahre, als Bands wie die Einstürzenden Neubauten, Die tödliche Doris, Der Plan, Palais Schaumburg, Ornament & Verbrechen („die bekannteste unbekannte Band der DDR“), F.S.K., DAF und andere die etwas langweilige und eingefahrene Musikwelt aufmischten.

Nach dem Progressive Rock und der Disco Mucke der 70er, wurde da der anarchische Punkansatz in ganz neue Weiten vorangetrieben. Es war ein Abschütteln der Zwänge, eine Offenheit für alles, Provokation als Programm, Dada neu entdeckt. Zwischen Berlin, Düsseldorf, Hamburg und der Provinz tat sich so einiges. Musikalisch wurde ausprobiert, experimentiert, neue Ufer ausgekundschaftet. Was vom Mainstream als schräg, schrill und unhörbar abgetan wurde, muss im Rückblick als musikalische Weitsicht und Erschaffung eines neuen Fundaments der deutschen Musikszene gesehen werden. Die Protagonisten von damals, wurden zu Wegbereitern einer ganzen Generation.

Das Schlimme an allem war, dass viele der Bands, die experimentierfreudig ins neue Jahrzehnt voran schritten nur kurz darauf in den NDW-Topf geschmissen wurden und auf einmal neben Nena, Hubert Kah und Markus wieder auftauchten. Deutsche Plattenfirmen brauchten ein Label, um den Sound „Made in Germany“ zu vermarkten und NDW wurde geschaffen. Wer auf Deutsch sang war da NDW. Doch mit all dem Plastikpop und dem Spassgesinge vom Sternenhimmel, vom Maserati, der 210 fährt, von der Seenot im Tretboot, von den Sommersprossen am Wannseestrande hatten die Neubauten, Der Plan, Malaria und DAF so gar nichts gemeinsam. Von daher muss man diese Ausstellung als das sehen, was sie ist, eine Neuschreibung der musikalischen Geschichte. Und das geht Hand in Hand mit der Wiederentdeckung dieser Bands und Aufnahmen. Bureau-B Records bringt schon seit einiger Zeit Platten aus jenen Tagen neu heraus. Bands wie DAF oder Der Plan haben neue Alben veröffentlicht, die Einstürzenden Neubauten werden im vielgepriesenen Kulturtempel, der Hamburger Elbphilharmonie, gefeiert. Die „Dilletanten“ von einst haben die musikalische Geschichte der Bundesrepublik mitgeprägt.

Interessant bei allem ist, dass all diese Bands, die in der Ausstellung „Geniale Dilletanten“ vorgestellt werden, im Ausland schon lange und auch zu ihrer Zeit als das erkannt wurden, was sie waren und sind. In Japan, in England, in Frankreich und vor allem in den USA und Kanada. Als ich 1996 mit meiner Sendung auf KUSF in San Francisco begann und anfangs noch etwas klamm mit Platten und CDs aus deutschen Landen war, durchstöberte ich das umfangreiche Vinyl Archiv des Collegesenders. Und was kam zum Vorschein? Genau, all diese Bands mit ihren Originalplatten, die 21 Jahre später in der „Pro Arts Gallery“ in Oakland ausgestellt werden: Einstürzende Neubauten, Deutsch Amerikanische Freundschaft, Der Plan, Palais Schaumburg, Malaria, Z.S.K., Ornament & Verbrechen, Fehlfarben…

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If you’re going to San Francisco…

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50 Jahre nach dem „Summer of Love“ feiert San Francisco seine Hippie Vergangenheit. Im De Young Museum gibt es dazu die Ausstellung The Summer of Love Experience: Art, Fashion and Rock & Roll“, eine schillernde, faszinierende und durchaus neue Seiten aufzeigende Exhibition. Von Konzertpostern und Fotos bis hin zur Mode der damaligen Bewegung. Umrahmt werden die Exponate, Bilder und Filme von der vielschichtigen Geschichte dieser aufwühlenden Wochen und Monate des Jahres 1967. Hier im Golden Gate Park war das Epizentrum der Hippies. Musik, Tanz, Ausdruck, Fashion und dann kam die Politik dazu. Und am Ende stand der Ausverkauf der Szene.

Ja, noch heute kann man am Ende der Haight Street und am Anfang des Golden Gate Parks die Spuren von damals sehen. Junge und alte Punks in der Tradition der Hippies sitzen herum, „Spare a little change“. Viele von ihnen abgestürzt, versunken in den Erinnerungen längst vergangener Tage. Touristen laufen die Haight Street hoch, machen ihre Erinnerungsbilder an der Ecke Haight/Ashbury, auf der Suche nach dem Geist von damals. Und doch es ist so ganz anders, wie das, was man in dieser Ausstellung im De Young Museum sehen kann. Vor 50 Jahren bebte die Stadt, Hunderttausende zog es ans Golden Gate auf der Suche nach dem anderen Leben, dem Anderssein. All das wird deutlich in diesem „Summer of Love“ Rückblick. Die Kreativität in der Mode, der Musik, dem Auftreten, die Ideen des Miteinanders. Die Hippies waren da, um ihr Lebensexperiment zu leben.

shot in studio

Es dauerte nicht lange, dann wurde die Bewegung vom eigenen Erfolg gefressen. Das Ende kam schneller als gedacht. Und doch, die Bedeutung des „Summer of Love“ ist deutlich zu sehen, wenn man durch diese Ausstellung läuft. Ein halbes Jahrhundert später ist die Mode, die Musik, die Kunst wieder gefragt. All das ist zeitlos, ein wichtiger Teil der westlichen Gesellschaften geworden. Da ist viel Mythos, viel Pathos, viel Kitsch und doch auch ein wichtiger Kern, den man freilegen muss, denn am Anfang stand die Hoffnung, aus dem „Summer of Love“ eine „Society of Love“ wachsen zu lassen. Daraus wurde nichts, doch die Ideen und auch die Hoffnung danach extistieren weiter. Von daher sollte man 50 Jahre danach – und gerade in diesen stürmischen Trump-Zeiten – durchaus diesen „Summer of Love“ feiern.

Hoppala, Herr Reiche

Was lese ich denn da: „Abgeordneter soll Stewardess attackiert haben„…und dieser Bundestagsabgeordnete soll Steffen Reiche sein. Was für eine Lachnummer ist das denn? Ich habe Steffen Reiche vor ein paar Jahren kennen gelernt, als wir in Cottbus eine Ausstellung über Bilder aus dem Todestrakt in San Quentin organisierten. Der SPD-Abgeordnete kam zwar nicht unbedingt in Siebenmeilenstiefeln in die Pötte, war aber sehr am Thema interessiert. Zum Glück halfen ihm die Leute der Cottbuser Kunstfabrik weiter, sehr engagierte Kunst- und Kulturförderer.

Und nun das, er soll einer Stewardess ein Bein gestellt haben…Ich lach mich krumm. Nein, nein, die Frau hatte sicherlich Schmerzen nach dem Fall, aber ich kann mir so gar nicht vorstellen, dass Reiche auch nur einer Fliege was antun würde, geschweige denn, eine Stewardess in Begleitung seiner Kollegen stolpern lässt.