Trump und der Heimatterror

Es ist auffallend. Mehr als auffallend. Während bei islamistischen Terroranschlägen das Blut der Opfer noch nicht getrocknet war, rief der damalige Kandidat und nun Präsident Donald Trump schon nach der Schließung der Grenzen, nach Einreiseverboten, nach Überwachung von Muslimen im Land, nach drastischen strafrechtlichen und militärischen Antworten. Nun, während und nach der Bombenserie in Austin, Texas, bleibt Donald Trump ungewöhnlich ruhig.

Dieses Tweet von Trump kam am Mittwochmorgen. Das war es in Sachen Kommentar von Trump bezüglich der Bombenattentate in Austin, Texas. Aus, Schluss, vorbei, Trump tweetete in den letzten Tagen und Wochen lieber über anderes, als über den Terror im eigenen Land: die Russlandaffäre, seine geliebte Mauer, Jobs-Jobs-Jobs, verhasste Demokraten. Einige Kritiker erklärten, sein bombastisches Schweigen sei rassistisch, denn die ersten Opfer waren Schwarze und Latinos.

Doch ich denke, so weit braucht man gar nicht gehen. Trump lebt vielmehr in seiner vorgefertigten Welt. Terror wird da mit Muslimen und Islamisten in Verbindung gebracht. Fünf Bombenanschläge in drei Wochen mit zwei Toten und zahlreichen Verletzten von einem, wie sich nun rausstellte, 23jährigen weißen Amerikaner verübt, passt da nicht ins Trumpsche Weltbild. Sowieso ist der Präsident stets zurückhaltend, wenn es um den Terror im eigenen Land geht, verübt von den eigenen, hier geborenen Amerikanern. Ich spreche von den wöchentlichen Massenschießereien in den USA. Man müsse erst einmal die Ermittlungen abwarten, heißt es dann. Und nun eben Bombenanschläge in Austin, die noch nicht mal als Terror bezeichnet werden. Die wenigen Worte in Trumps Tweet sagen viel aus über den 45. Präsidenten und seine Sicht der Dinge.

Schutz der Elefanten in Oakland

Mit diesen Elefantenhaken werden die gewaltigen Säuger gefügig gemacht.

Mit diesen Stachelstöcken werden Elefanten gefügig gemacht.

Im Zirkus ist die Welt noch heil. Na ja, nicht ganz, zumindest dann nicht, wenn Tiere mit zur Show gehören. Der Stadtrat von Oakland hat nun ein klares Wort gesprochen und die Benutzung von Elefantenhaken, oder auch Stachelstöcke genannt, verboten. In der Abrichtung der tonnenschweren Säuger arbeitet der Dompteur mit den spitzen Stöcken und traktiert damit die Elefanten an den Füßen, hinter den Ohren und an anderen Körperstellen so lange, bis das Tier gefügig gemacht worden ist. Schon beim Anblick des Stabes soll der Elefant das machen, was er machen soll, blind gehorchen.

Die Abrichtung mit diesem Stachelstock gilt bei Tierschutzorganisationen als äußerst brutal, die Tiere werden damit durchaus verletzt und erleiden zum Teil blutige Wunden. Doch nach wie vor wird der spitze Stock eingesetzt. Die Dompteure erklären zwar, so ein Elefantenhaken sei nicht schlimmer als der Einsatz eines Halsbandes bei Hunden, doch dieser Sichtweise wollten sich die Politiker im Stadtrat nicht anschließen. Oakland folgte lieber dem Vorbild einer kleinen, doch stetig wachsenden Gruppe amerikanischer Städte, wie Austin und Los Angeles, und zog einen Schlußstrich unter diese Praktik. Der Einsatz der Stachelstöcke wird für Zirkusbetreiber im Stadtgebiet verboten. Damit werden die fahrenden Unternehmen wohl schon bald einen großen Bogen um die Stadt an der Bay machen.

Gewerkschaftsvertreter hatten bis zuletzt noch versucht, die Stadträte davon zu überzeugen, dass ein Verbot für die „City of Oakland“ teuer werden könnte, da Mieteinnahmen für das Coliseum Gelände ausbleiben würden. Gleichzeitig würden lokale Jobs im Servicebereich gefährdet, doch Tierschutz wurde hier einmal über finanzielle Interessen gestellt. Eine, ich finde, gute Nachricht aus dem Rathaus meiner Wahlheimat. Wie sieht es damit in Nürnberg aus?

Die Grenze und „American Pie“

Barack Obama trifft Rick Perry in Austin.

Barack Obama trifft Rick Perry in Austin.

Barack Obama kam und Rick Perry schüttelte ihm die Hand. Der Präsident und der Gouverneur erkannten nach einem kurzen Gespräch, dass sie gar nicht so weit politisch auseinander liegen. Zumindest nicht in der Frage der Grenzsicherung. An der US amerikanisch-mexikanischen Grenze spielt sich seit Wochen und Monaten eine humanitäre Katastrophe ab. Zehntausende von Flüchtlingen, darunter seit Oktober rund 60.000 unbegleitete Minderjährige aus Honduras, Guatemala und El Salvador, müssen in Notunterkünften untergebracht und versorgt werden. Die Grenze wirkt wie ein Schweizer Käse, die alles andere als sicher ist.

Es geht um Geld, um viel Geld. Barack Obama fordert vom US Kongress 3,7 Milliarden Dollar extra und schnell zur Verfügung zu stellen, um die Asylverfahren zu beschleunigen. Das Geld würde für mehr Richter, mehr Anwälte, die Versorgung der Flüchtlinge und auch neues Equipment für die Grenzpolizei eingesetzt. Doch im republikanisch dominierten Kongress geht derzeit nichts voran. Vor allem dann nicht, wenn Barack Obama einen Vorschlag macht. Der Präsident erklärte denn auch nach seinem Gespräch mit Rick Perry: „Wenn ich ein Gesetz vorschlagen würde, das Apfelkuchen amerikanisch sei, würde es wahrscheinlich Opfer der Parteipolitik werden“.

Barack Obama appellierte an Gouverneur Rick Perry Einfluß auf die republikanischen Kongressabgeordneten aus Texas zu nehmen, die bislang im Zentrum der Blockade stehen. Wenn diese der Initiative Obamas folgen würden, dann, so Obama, könnte schnell auf die Krise reagiert werden.

Unterdessen wurden die kritischen Stimmen aus dem Lager der Demokraten lauter, die dem Präsidenten vorwerfen, schlecht beraten zu werden. Er sollte sich die Situation an der Grenze selbst ansehen, was Obama bislang ablehnte. Die Grenzkrise könnte so zu Obamas „Katrina“ werden. Amtsvorgänger George W. Bush hatte sich nach dem Hurricane Katrina lange geweigert, sich selbst ein Bild von der Katastrophe zu machen. Dafür wurde er von allen Seiten heftigst kritisiert. Das Weiße Haus wehrt sich gegen diese Vorwürfe und erklärt, die Lage an der Grenze sei oberste Priorität. Auch habe Vize-Präsident Joe Biden mit den Präsidenten von Guatemala, Honduras und El Salavador telefoniert, um auf sie einzuwirken. Auch habe man 300 Millionen Dollar für die Rückführung und Wiedereingliederung der Flüchtlinge angeboten. Die offenen Grenze zu Mexiko ist zu einem heißen Wahlkampfthema geworden.

 

 

Handschlag mit dem Teufel

Für einen Handschlag komme er nicht raus zum Flughafen nach Austin. Kurz und knapp verneinte Texas Gouverneur Rick Perry die Einladung, Barack Obama bei seiner Ankunft in Texas zu begrüßen. Perry schlug vor, dass der Präsident sich Zeit für ein ausgiebiges Gespräch nehmen sollte, um über die katastrophale Lage an der Grenze zu Mexiko zu sprechen.

Gouverneur Rick Perry will sich nicht mit Präsident Obama treffen.

Rick Perry will sich nicht mit Präsident Obama treffen.

Barack Obama kommt jedoch noch aus politischen Gründen in den „Lonestar State“. Er reist nach Texas, um dort an gleich mehreren Veranstaltungen für demokratische Kandidaten teilzunehmen, sprich Geld in die Wahlkampfkassen zu fluten. Die Tagespolitik bleibt da außen vor. Zwar erklärte das Büro von Obama, man werde bei einem runden Tisch auch über die Grenzfrage sprechen und dazu würde man Rick Perry gerne einladen, doch das scheint Perry nicht genug zu sein.

Der Gouverneur hat für sich die offene Grenze als offene Wunde Obamas definiert und bohrt darin fast täglich genüßlich herum. Am Sonntag erklärte er in der Sendung „This Week“ auf ABC: „Ich glaube, ihn (Obama) kümmert es nicht besonders, ob die Grenzen der Vereinigten Staaten gesichert sind“. Rick Perry, der 2012 als republikanischer Präsidentschaftskandidat gleich mehrere Aussetzer im Wahlkampf hatte und frühzeitig die Segel streichen mußte, positioniert sich derzeit. Alles sieht danach aus, dass er erneut ins Rennen ums Weiße Haus gehen will. Die illegalen Immigrantenströme aus dem Süden sind dabei ein Thema, das die Republikaner vereint. Und er als Gouverneur eines betroffenen Grenzstaates schafft es derzeit fast jeden Tag in die nationalen Medien zu kommen. Ein Handschlag mit dem „Teufel Obama“, wie ihn die politische Rechte in der GOP nennt, wäre da ein falsches Bild.

Die illegale Einwanderungswelle aus dem Süden treibt zur Zeit die verschiedensten politischen Wahlkämpfe an. Demokraten und Republikaner gleichermaßen haben überhaupt kein Interesse der Situation Herr zu werden. Sie setzen auf Zeit und spielen damit mit der Not und dem Leid Zehntausender, die in den USA (noch immer) das gelobte Land sehen.

 

 

Musik nur, wenn sie laut ist

Laute Musik wird es geben. Ganz sicher sogar. Daneben noch so einiges mehr. Die Deutschen kommen sogar in offizieller Mission und finanziert durch den deutschen Steuerzahler mit einigen Bands, DJs und Messestand nach Austin, Texas. Die zweiwöchige Messe und das Musikfestival „South By Southwest“ gehört mittlerweile zu den wichtigsten Musiktreffen der Szene. Doch schon seit langem geht es nicht mehr nur um die Independent Musik. Filme, Neue Medien und Podiumsdiskussionen runden das Programm ab. Austin wird in diesen Tagen zum Zentrum der hippen und Möchtegernwichtigen.

Welche Bedeutung die SXSW bekommen hat zeigt auch eine der geplanten Veranstaltungen. Auf einer Podiumsdiskussion am 10. März zum Thema neue Technologien im Zeitalter der digitalen Überwachung, wird neben dem Journalisten Glenn Greenwald und dem Experten der American Civil Liberties Union (ACLU), Christopher Soghoian, auch Edward Snowden auftreten. Natürlich nicht persönlich, sondern per Videoschaltung. Zum ersten mal überhaupt wird Snowden seit seiner Flucht und den Enthüllungen der massiven interntionalen NSA Überwachung vor einem Publikum auftreten und Rede und Antwort stehen. Man kann also gespannt sein, die Musik wird mit diesem Überraschungsgast bei der diesjährigen SXSW etwas in den Hintergrund geraten.

 

The Germans are coming

Vom 16. – 20. März findet in Austin, Texas, wieder das wohl größte Independent Musik Festival der USA statt. Die SXSW (South By Southwest) zieht Musiker, Bands, Plattenlabels, Promoter, Verlage und jede Menge Musikbegeisterte an. Schon immer waren deutsche Bands präsent, meistens finanzierten sie alles einfach selber, dabei sein ist alles, hieß das Motto. Die SXSW ist ein wichtiger Treffpunkt für alle die Rang und Namen im Musikbusiness haben…oder mal haben wollen.

Zum zweiten mal ist nun auch eine offizielle Reisegruppe aus Deutschland dabei. Organisiert wird das ganze von der „Initiative Musik“, die aus Bundesmitteln, von der Plattenindustrie und anderen Unterstützern gefördert wird. Unter dem Motto „Wunderbar“ werden in diesem Jahr 13 Gruppen und Musiker nach Texas geflogen….halt, nur 12, denn Daniel Benjamin erhielt für die USA kein Einreisevisum… Geboten wird alles, von Elektro bis Jazz.

Initiative Musik lädt in Austin auch zum „Finest Lunch with the Germans“ ein, eine geschlossene Veranstaltung, auf die man nur als geladener Gast kommt. Das läßt man sich auch was kosten. Doch die Musikpromotion in Übersee und die eigentliche Arbeit des Berliner Musikbüros wird nicht als kulturelle Arbeit verstanden, vielmehr möchte man mit den Bands im Ausland den heimischen Plattenmarkt fördern. Plattenindustrie, klar da hängt das Bundeswirtschaftsministerium mit drin.

Deshalb ist es wahrscheinlich auch so, dass die extra für die SXSW produzierte Compilation, auf der alle anreisenden Bands vertreten sind, keinen, aber auch wirklich keinen deutschsprachigen Titel enthält. Stimmt nicht ganz, das Frederik Köster Quartett ist mit „2. Juni“ dabei, allerdings ist das ein Instrumentalstück.

Nun kann man mir gerne Deutschtümelei vorwerfen. Kein Problem. Doch man sollte beachten, dass die Bundesregierung an anderer Front und unter grossem Einsatz der hiesigen Konsulate und Goethe-Institute für den Erhalt der Deutschprogramme an High Schools und Universitäten kämpft. Irgendwie, finde ich zumindest, kommt das nicht so gut, wenn man sich in Austin als „Germans“ präsentiert und noch nicht mal einen deutschsprachigen Song auf der kostenlos verteilten CD vorzuweisen hat. Nicht gerade die beste Werbung fürs Deutschlernen! Interessant auch, der „Hauptfördergeber ist der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien“, so die Webseite von Initiative Musik. Und in dessen Arbeitsbereich fällt ja nun auch wieder die Förderung der deutschen Sprache im Ausland…..ich bin verwirrt!