Da schreibt doch einer vom anderen ab

Gestern saß ich hier und schrieb einen Artikel über die Medienresonanz in den USA zu Pegida und Co Veranstaltungen. Die Amerikaner sehen das gelassen, verfallen nicht mehr, wie noch vor 20 Jahren, in Panik, wenn da ein paar Tausend Menschen in Dresden demonstrieren, mit Deutschlandfahnen wedeln und ausländerfeindliche Parolen skandieren. Deutschland ist für die USA ein sicherer Partner in Europa, auf den man sich verlassen kann, so läßt sich das zusammen fassen.

Eine Nacht später sieht das anscheinend anders aus, wenn man sich die Berichterstattung in Deutschland ansieht. Man sollte nur mal „Reisewarnung + Pegida“ in eine Suchmaschine eingeben und schon tränen einem die Augen von den Schlagzeilen, die man da liest:

Abendzeitung: „Wegen Pegida-Demos: Reisewarnung für US-Bürger“

Berliner Zeitung: „Wegen Pegida-Demos: Reisewarnung für US-Bürger“

Der Tagesspiegel: „USA warnen vor Reisen nach Berlin und Dresden“

Nordwestzeitung: „MTTELUNG [sic] DES STATE DEPARTMENT US-Reisewarnung wegen Pegida-Demos“

Was ist eine Reisewarnung und für welche Länder gibt es sie? Zu lesen auf der Webseite des State Departments.

Was ist eine Reisewarnung und für welche Länder existieren sie? Nachzulesen auf der Webseite des State Departments.

Das sind nur ein paar der ausgewählten Medien. Andere zogen wohl nach, denn die Falschmitteilung wurde übernommen. Interessant dabei ist nämlich, dass es keine „Reisewarnung“ von Seiten des State Departments gibt. Auch nicht zu finden auf der Webseite der amerikanischen Botschaft in Berlin. Lediglich auf der Internetpräsenz des „Overseas Security Advisory Council (OSAC)“ wird eine „Security Message for U.S. Citizens“ veröffentlicht, in der es heißt, Amerikaner sollten „wachsam“ sein, falls sie in eine Pegida Demonstration oder in das Umfeld geraten.

Diese „Security Message“ ist keine Reisewarnung, wie sie das State Department oder auch das Auswärtige Amt für derzeitige Trips nach Jemen, Irak oder Libyen ausgesprochen haben. Es ist nur ein Sicherheitshinweis, wie dieser auch von Seiten des Auswärtigen Amtes während der Proteste in Ferguson, Missouri, formuliert wurden.

Das State Department definiert sogar auf seiner Webseite, was es unter einer Reisewarnung versteht: „Wir erlassen eine Reisewarnung dann, wenn Sie sehr gründlichst die Reise in ein Land überdenken sollten“. Und das ist bei dieser allgemeinen OSAC Sicherheitsnachricht nicht der Fall. Deutschland wird als nicht wie Syrien, Zentralafrikanische Republik oder Mali eingestuft. Es scheint also, da hat ein Redakteur entweder falsch übersetzt, zu schnell aus der Hüfte geschossen oder einen krassen Aufhänger für eine Meldung gebraucht. Und andere zogen einfach nach. So macht man auch Nachrichten.

 

 

Deutsche Kulturarbeit (?)

goetheDas Goethe-Institut präsentiert ruandischen Hip Hop in Kigali. Auch ein Weg, deutsche Kultur im Ausland zu fördern. Na ja, Ruanda war ja bis vor dem ersten Weltkrieg deutsche Kolonie, vielleicht zählt ja das…

Man könnte jetzt mit der Verschwendung deutscher Steuermittel nerven. Oder davon reden, wie schwer es deutsche Bands haben, vom Goethe-Institut auf Auslandstourneen unterstützt zu werden. Oder mal auflisten, was für Musik „Made in Germany“ überhaupt den Prüfsiegel des Goethe-Instituts erhält….aber das muss man hier glaube ich gar nicht.

Man sollte mich nicht falsch verstehen, ich finde es mehr als gut, wenn man die lokale oder regionale Musikszene in Ruanda fördert…nur leider ist das nicht die Aufgabe des Goethe-Instituts.

Terrorlistenblödsinn

Schon beim Einchecken an amerikanischen Flughäfen wird jeder Name mit einer bestehenden „No-Fly Liste“ gegen gecheckt. Das ist eine Datei mit einer Unmenge an Passagiernamen, die in kein Flugzeug dürfen. Und wenn der Computer „bling bling“ macht, geht gar nichts mehr. So geschehen vor ein paar Jahren, als ich von einem befreundeten Korrespondenten angerufen wurde, ob ich nicht eine Notfallnummer beim Deutschen Generalkonsulat hätte. Dessen Kollegin durfte nämlich nicht mehr ausreisen. Sie war nun nicht nur eine Kollegin bei einem grossen deutschen Nachrichtenmagazin, sondern in der Vergangenheit auch Gründungsmitglied der RAF.

Nach ihrem Ausstieg und ihrer Haftzeit besuchte sie regelmässig problemlos San Francisco. Doch dann kam der 11. September 2001 und alles veränderte sich. Aus dringenden privaten Gründen musste sie nun wieder nach Kalifornien reisen, doch schon am Flughafen in Berlin gab es Probleme und der Flug wurde ihr verweigert. Ein bisschen hin und her hinter den Kulissen und sie durfte dann doch nach San Francisco fliegen. Zwei Wochen später war der Rückflug geplant, doch am SFO sagte man ihr, man könne sie nicht mitnehmen, denn ihr Name tauche auf der „No-Fly Liste“ auf. Offensichtlich hatte man sie einreisen lassen, doch dann wohl vergessen, ihren Namen auch von der Liste zu streichen.

Diese „No-Fly Liste“ ist eines der streng geheim gehaltenen Papiere in den USA. Keiner weiss, wer alles darauf steht. Keiner weiss, wie man darauf gelangen kann und keiner weiss, wie man seinen Namen wieder von der Liste bekommt. Und nein, dort sind nicht nur Terrorverdächtige aufgeführt, sondern auch Nonnen, die an Friedensdemonstrationen und -protesten teilnahmen und dafür verhaftet wurden und denen dann auch die Mitfliegerei verweigert wurde.

Doch wer glaubt, nur die USA hätten solche Namenslisten, der irrt. Das muss zur Zeit Michael Savage spüren, der in der letzten Woche auf die unerwünschte Besucherliste in England gesetzt wurde. Er würde „Hass“ und“ Aufruhr“ verbreiten, hiess es aus London. Doch Savage ist nicht einfach irgendjemand. Er ist ein Radiomoderator, der täglich auf rund 400 Stationen zu hören ist und rund 6-8 Millionen Hörer mit seiner Sendung erreicht. Ja, Michael Savage ist erzkonservativ, amerikanischer Patriot bis ins Mark, aufbrausend, wortgewaltig und klar in seinen Foderungen nach „Border, Language, Culture“. Aber eine Gefahr für die Öffentlichkeit? Na, das ist ein Witz. Auf alle Fälle, auch wenn man seine Wortergüsse nicht mag, hat er nichts auf dieser britischen Liste neben KKK-Mitgliedern, hasserfüllten Rassisten und Antisemiten zu suchen.

Seit rund einer Woche spricht er in seinen Sendungen nur noch über dieses Thema und auch andere Talk-Show Moderatoren eilen ihm zur Hilfe, denn sie könnten die nächsten sein. Auch welche, die ihm politisch gar nicht nahe stehen. Und nun fordert Michael Savage die amerikanische Aussenministerin Hillary Clinton auf, sich für ihn einzusetzen. Jene Hillary, die er seit Jahren brutalst und teils beleidigend von der Seite angegangen hat. Aber Talk Radio ist Entertainment….und das eigentlich immer auf Kosten anderer. Clinton hat noch nicht auf den Vorschlag Savages reagiert, aber durchaus vorstellbar wäre es, dass das State Department in London mal nachfragt, was das ganze soll. Denn es geht hier um „Freedom of Speech“, einem Grundrecht in der amerikanischen Gesellschaft. Savage labert vielleicht hin und wieder den totalen Stuss, aber eine öffentliche Gefahr für die Sicherheit Englands ist er wahrlich nicht.