Wohin geht die Reise?

Nach wochenlangen Vorbereitungen geht es morgen los. Ciudad Juarez in Mexiko ist das Ziel. Die Grenzstadt zu El Paso, Texas. Die derzeit gefährlichste Stadt der Welt. Letztes Jahr wurden über 2600 Menschen dort umgebracht, in diesem Jahr ist die Statistik schon auf 50 Morde geklettert. Die 1,5 Millionen Metropole im Norden des Landes gleicht nach 21 Uhr einer Geisterstadt, schilderte mir ein lokaler Reporter am Telefon. Es ist unglaublich, denn nur eine Brücke über den Rio Bravo trennt Juarez von El Paso, der zweitsichersten Stadt in den USA. Hier sinkende Verbrechenszahlen, dort ein offener, brutaler und nicht zu kontrollierender Krieg zweier Drogenkartelle.

JuarezIch bin gespannt, was ich dort sehen werde, was mich erwartet. Es geht mir nicht darum, einen weiteren Beitrag über die Schrecken und den Horror in der Stadt zu zeichnen. Ich möchte sehen, ob und wie ein Leben in Juarez möglich ist, trotz dieser Umstände. Ist es überhaupt möglich, wenn es heisst, die irakische Haupstadt Bagdad oder die afghanische Haupstadt Kabul wären sicherer als Juarez? Es gibt einige beeindruckende und erschütternde Fakten über den Alltag in Juarez. In Mexiko gibt es nur einen legalen Waffenladen, und der ist in Mexico City. Doch die Kartelle sind bis zu den Zähnen bewaffnet. Die Waffen kommen aus den USA, wo einige Leute sehr, sehr gut mit dem Strassenkrieg in Juarez verdienen. Und die Kartelle, die sich um die Drogenrouten nach Norden bekämpfen, lassen den Krieg nicht nach El Paso rüber schwappen, denn sie wissen genau, dass das nur die amerikanischen Sicherheitsbehörden auf den Plan rufen würde. Es scheint also so, als ob Amerika nur dann reagieren würde, wenn die eigenen Interessen berührt werden, wenn die eigenen Bürger dran glauben müssten. Was ausserhalb der südlichen Grenze geschieht….tja, man beobachtet die Situation, heisst es von offiziellen Stellen. Und man zählt die Toten mit, die sich seit zwei Jahren in den Strassen von Juarez anhäufen.