Kultur in Corona Zeiten

Alles nicht so einfach, wenn von jetzt auf gleich die Stop Taste gedrückt wird, das öffentliche Leben mit einem kräftigen Ruck angehalten wird. Keine Konzerte, kein Theater, kein Kino, keine Ausstellungen, keine geöffneten Museen. Die Aussichten sind nicht gut. Veranstaltungen, Festivals, Tourneen wurden abgesagt. Eigentlich sollte es ein gutes Jahr werden, ich freute mich hier in Kalifornien gleich auf mehrere Konzerte von Bands aus dem deutschsprachigen Raum: Das Ich, Kraftwerk, KMFDM, Rammstein, The Young Gods, Einstürzende Neubauten. Und wahrscheinlich wären noch ein paar mehr dazu gekommen. Ein Satz mit X, das war nix.

Claire M. Singer ist auf dem Touch „Isolation Exclusive“ Album vertreten.

Kreativität ist in diesen Zeiten von den Kreativen gefragt. Manche wollen abwarten, andere werden aktiv, reagieren gleich, schalten um. Schon kurz nach der Ankündigung, dass Corona alles verändere, kündigte das kleine Independent Label Touch an, eine Online Compilation über Bandcamp zu veröffentlichen: Touch – Isolation Exclusive. Zweimal die Woche wurden seitdem Songs von Künstlerinnen und Künstlern veröffentlicht, die man sonst nirgends finden kann.

Und auch andere Musikerinnen und Musiker zogen nach, wie Danielle de Picciotto und Alexander Hacke, die Archivmaterial, Drucke und anderes anboten. Auch Bandcamp selbst hat in den vergangenen Wochen schon mehrmals auf ihren Anteil an Verkäufen verzichtet, um so den auf ihrem Portal vertreteten Künstlerinnen und Künstlern zu helfen.

Es geht um Ideen, wie man in der Krise weiterhin präsent sein und auch seinen Lebensunterhalt verdienen kann. Künstlerinnen und Künstler müssen in diesen Tagen zeigen, dass sie nicht nur flexibel sind und auf die Anforderungen schnell reagieren können. Sie müssen vor allem als Geschäftsleute auftreten, neue Verkaufswege erkunden und verfolgen. Und Musikfans können helfen.

Interessant wird das kommende Wochenende. Nach etlichen Online Konzerten, wie das von Corvus Corax auf einem Bauernhof vor Berlin, finden nun Online Festivals statt. Bands wie Subway to Sally, Letzte Instanz und die Erlangener Fiddler’s Green treten beim „Online Musik Festival“ auf. Zeitgleich wird auch das „Dark Stream Festival“ ausgestrahlt, das an Stelle des abgesagten „Wave Gotik Treffens“ in Leipzig organisiert wird. Mit dabei Bands wie Coppelius, Umbra et Imago und Herbst in Peking. Die etwas anderen „Eintrittsgelder“, um mit dabei zu sein, erinnern an Spenden. Gezahlt wird, wieviel man sich leisten kann und will. Es sind keine einfachen Zeiten. Für niemand. Die Kulturschaffenden wurden leider anfangs etwas zu sehr vergessen. Doch sie zeigen, dass Kreativität genau das ist, was nun gefragt ist. Wer kann, sollte hinsehen, zusehen, hinhören und unterstützen.

Einfach mal wieder eine Platte kaufen

Musiker weltweit trifft die Corona Krise besonders hart. Denn seit Jahren sinken die Verkäufe von Tonträgern, über Streaming-Dienste verdienen sie nicht einmal das Salz in der Suppe. Ich rede nicht von den Superstars im Geschäft, sondern von all jenen, die ihren Lebensunterhalt mit Live-Konzerten verdienen.

Viele von ihnen nutzen bereits Bandcamp, eine Online Plattform, über die sich zu fairen Regeln und Gebühren Musik noch verkaufen läßt. Bandcamp hat nun erneut in dieser Covid-19 Krise angekündigt, am Freitag den 1. Mai auf ihren Anteil an jedem Verkauf von Downloads, Vinyl, CDs und Merchandise zu verzichten, um so Bands, Musikerinnen und Musiker zu unterstützen.

Von daher kann man an diesem 1. Mai ganz gezielt, direkt und unmittelbar all jenen helfen, die einen mit ihrer Musik teilweise schon seit vielen Jahren begleiten und einem nahe stehen. Also, mal ein ganz anderer Tanz in den Mai. Auf Bandcamp finde ich immer was, auch wenn es manch andere als unhörbar abtun. Aber genau solche Sachen spiele ich dann in meiner neuen Live Sendung auf KKUP Cupertino, einem Community Sender, der von Monterey bis South San Francisco die Menschen beschallt. Nachts von 00:00 bis 3:00 Uhr am ersten Freitag im Monat (also heute Nacht), 9:00 bis 12 Uhr am Freitagmorgen deutscher Zeit, bin ich dran. Einfach reinhören, vielleicht ist ja doch das eine oder andere dabei, was man anschließend dann direkt erwerben und so in der Krise ein klein bißchen Solidarität zeigen kann.