Im Endloslager

Bohnen zum Mittag. Im Kreis sitzen sie um den großen Teller.

Bohnen zum Mittag. Im Kreis sitzen sie um den großen Teller.

Heute ging es in das Flüchtlingslager Dosseye. Zuvor meldeten wir uns noch bei der Präfektur an, muß man, wenn man hier ist. Die Nacht über hatte es heftigst geregnet, ich dachte schon das Dach fliegt vom Gästehaus. 30 Kilometer über eine rotfarbene Matschstraße lagen vor uns. Am Flüchtlingslager angekommen ging es zuerst in eine Einrichtung für Kleinkinder, eine Art Vorschule. Die Kinder lernen hier das ABC, singen, spielen und erhalten eine Mahlzeit. Und gerade die überzeugt die Eltern, ihre Kinder auch wirklich hierher zu bringen.

Anschließend sprachen wir mit einer 17jährigen, die in Bangui ihre gesamte Familie verlor. Sie war zum Brot kaufen gegangen, als sie zurück kam, hatten die Anti-Balaka ihre Geschwister und Eltern umgebracht, das Haus zerstört. Sie flüchtete sich in die Moschee und wurde von dort in den Tschad gebracht.

Einen 70jährigen Mann besuchten wir in seinem kleinen Haus. Mit einem kleinen Betrag hat er ein Geschäft aufgebaut und konnte so einfache Verbesserungen an seinem Haus fertigstellen. Er lebt schon seit Jahren im Lager, doch möchte unbedingt zurück in die Zentralafrikanische Republik. Wann, das sei ihm egal, auch wenn er 20 Jahre warten müßte. Hier sind viele heimisch geworden, die die Flucht in den südlichen Tschad nur als vorübergehend ansahen. Doch aus Tagen und Wochen wurden Monate und Jahre.

Nur einen Steinwurf von seinem Haus entfernt ist das Gebäude einer Frauengruppe. Hier wird genäht und gestrickt. Gerne würde man das kleine Projekt zu einem Business ausbauen, meinten die Frauen, doch es fehlt an Geld für ein paar Nähmaschinen mit Fußpedal und Stoff. Kleinstbeträge, die hier die Welt bedeuten.

Ein Chor und eine Art tschadischer "Chicken Dance" am Brunnen.

Ein Chor und eine Art tschadischer „Chicken Dance“ am Brunnen.

Care ist im Lager sehr im Bereich der Wasserversorgung aktiv. 42 Brunnen wurden angelegt, bis zu 60 Meter tief gebohrt, Abflußrinnen gelegt und die Pumpen mit Zement umfaßt, damit die Sauberkeit garantiert werden kann. Als wir zu einer dieser Pumpen kamen, wurden wir schon von einem Chor und den Betreuern des Brunnens erwartet. Es wird versucht, lokale Mitarbeiter zu schulen und so die Instandhaltung vor Ort zu garantieren. Ein scheinbar einfaches Projekt, ein Brunnen, hier im Tschad ist der Zugang zu sauberem Wasser allerdings nicht selbstverständlich. Die Bevölkerung weiß das zu schätzen.

Morgen geht es weiter mit Besuchen, Interviews und Unmengen an Eindrücken, die ganz langsam sacken und die ich jetzt noch gar nicht in Worte fassen kann.